31.08.2015

"High Impact Weather" oder: Es steppt der Bär am Mittelmeer!

Herbstwetter in der italienischen Toskana - nicht immer eitel Sonnenschein! Es kann zwischen September und November am westlichen Mittelmeer durchaus im Rahmen des ""High Impact Weather" sintflutartige Regenfälle geben.
Herbstwetter in der italienischen Toskana - nicht immer eitel Sonnenschein! Es kann zwischen September und November am westlichen Mittelmeer durchaus im Rahmen des ""High Impact Weather" sintflutartige Regenfälle geben.

Was für ein Timing! Am morgigen Dienstag beginnt für die Meteorologen auf der Nordhalbkugel der Herbst und das Wetter scheint das wohl mitbekommen zu haben. Denn pünktlich zum Herbststart setzt sich wieder deutlich kühlere Luft in Deutschland durch. Manch einer wird das sicherlich begrüßen, manch einer sich aber vielleicht auch die Hitze zurück wünschen. Doch wie dem auch sei, in den Küstenregionen des westlichen Mittelmeeres blicken derzeit vermutlich einige Menschen mit Sorge auf das Jahreszeitenkarussell.

Speziell zwischen September und November kommt es nämlich im westlichen Mittelmeerraum von der Iberischen Halbinsel bis Italien vermehrt zur Bildung von Tiefdruckgebieten, auch Zyklogenese genannt, mit nachfolgenden Starkniederschlägen. Ein wichtiger Grund für dieses Phänomen ist die Wasseroberflächentemperatur des Mittelmeers, die sich nur ganz langsam abkühlt und somit in diesem Zeitraum immer noch sehr warm ist. Selbst im Oktober liegt die mittlere Wassertemperatur dort meist noch über der 20 Grad Marke.

Obwohl diese Tiefdruckgebiete meist weder großräumig sind, noch einen niedrigen Kerndruck besitzen, verursachen einige von ihnen trotzdem immer wieder hohe Niederschlagsmengen. Vor allem vom Küstenbogen Spaniens über Südfrankreich bis nach Italien und in den dahinter liegenden Alpenregionen sind dann Tageswerte von bis zu 300 l/qm nicht gerade selten. Hervorzuheben ist allerdings ein Starkregenereignis in Vicomorasso in der Nähe von Genua im November 2011. Dort kam innerhalb von 24 Stunden (4.11. bis 5.11.) eine unglaubliche Regenmenge von 465 l/qm zusammen! 

Verbunden mit diesen enormen Niederschlägen sind unweigerlich Überflutungen und Erdrutsche. In der Folge kommt es in diesen Regionen und in diesem Zeitraum immer wieder zu verheerenden Schäden, Verletzten und Toten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom so genannten "High Impact Weather" (HIW; frei übersetzt: "Wettersysteme mit hohem Schadenspotenzial"). Die Begründung dieser enormen Wassermengen liegt vor allem in einer nur langsamen bis sehr langsamen Zuggeschwindigkeit der Tiefdruckgebiete und somit auch der mit ihnen verbundenen Niederschläge. Natürlich spielt aber auch die Orografie hierbei eine entscheidende Rolle, wie zum Beispiel Staueffekte an den Alpen oder den Apenninen.

Die Beantwortung der Fragen wann, wo und warum manche Tiefdruckgebiete HIW verursachen, während andere dies nicht tun, ist Gegenstand gegenwärtiger Forschungsprojekte. Aufgrund ihrer komplexen dynamischen Struktur und Entwicklung sind HIW-verursachende Tiefs nur sehr schwierig vorherzusagen. Zudem gibt es eine Vielzahl an Faktoren bezüglich ihrer Entstehung, Entwicklung und Vorhersage, die bisher  noch nicht ausreichend untersucht und damit verbunden auch nur zu einem geringen Grad verstanden wurden. Ziel der Forschung in diesem Bereich ist es, die Vorhersage von HIW zu verbessern, um vor allem die Anzahl an mit HIW verbundenen Verletzten und Todesfällen so weit wie möglich zu reduzieren. 

Heute am letzten August-Tag zeigt sich das Wetter im westlichen Mittelmeerraum allerdings noch meist von seiner ruhigen Seite. Im Laufe der Woche nimmt der Tiefdruckeinfluss dort allerdings zu, sodass die Gefahr vor zum Teil  kräftigen Schauern und Gewittern allmählich ansteigt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

24.08.2015

Der Regen - das komplexe lebenswichtige Elixier

... und wenns genug geregnet hat dann hörts auch wieder auf. Doch schon mal sich Gedanken gemacht, wie die Regentropfen entstehen? Wie die "Wassermassen" (wie bei Unwettern üblich) in die Atmosphäre kommen? Das erläutern wir nachfolgend:
... und wenns genug geregnet hat dann hörts auch wieder auf. Doch schon mal sich Gedanken gemacht, wie die Regentropfen entstehen? Wie die "Wassermassen" (wie bei Unwettern üblich) in die Atmosphäre kommen? Das erläutern wir nachfolgend:

Der zeitweilige Regen der vergangenen Tage oder Wochen, mal schauerartig verstärkt und gewittrig, mal länger anhaltend, konnte das Wasserdefizit in den mittleren und südlichen Regionen des Landes aus dem Frühjahr und Sommer ausgleichen oder zumindest reduzieren. Doch wie entsteht überhaupt der Regen? 

Bei der Entstehung von Regentropfen spielen viele, mehr oder weniger komplexe Prozesse eine Rolle. Im ersten Schritt zum flüssigen Niederschlag betrachten wir die Bildung der winzigen Wolkentröpfchen. Der verantwortliche physikalische Prozess ist in erster Linie die "Kondensation". 

Kondensation ist dabei das Gegenteil vom Verdampfen. Hierbei wird ein gasförmiger Stoff (Wasserdampf) zu einem flüssigen (Wasser). Ob etwas verdampft oder kondensiert, hängt von der Temperatur ab. Ein flüssiger Stoff (Wasser) verdampft, wenn die Temperatur auf einen bestimmten Wert ansteigt (im Falle von Wasser sind das ca. 100°C). Und ein gasförmiger Stoff (Wasserdampf) kondensiert, wenn die Temperatur sinkt. Der Grund für die Verdunstung von Wasser und die Kondensation des Wasserdampfes ist der, dass Luft nicht immer gleich viel Wasser speichern kann. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf - also gasförmiges Wasser - kann sie aufnehmen. Gleichzeitig steigt die Luftfeuchtigkeit. Sinkt die Temperatur der Luft jedoch, kann sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern. Erreicht die Luftfeuchtigkeit dann 100%, so fällt der Wasserdampf durch den Prozess der Kondensation als sogenannte Wolkentropfen aus.

Kondensation tritt auf, wenn die Luft infolge von Hebung (Aufsteigen) abkühlt. Dafür gibt es in der Natur verschiedene Gründe. Strömt zum Beispiel die Luft gegen ein Gebirge, so wird sie gezwungen aufzusteigen, um das Hindernis zu überwinden (orographische Hebung). Auch wenn die Sonne den Boden und somit auch die bodennahen Luftschichten sehr stark aufheizt, stellt sich "Hebung" ein, da die leichtere, wärmere Luft aufsteigt (Konvektion). Auch im Bereich von Tiefausläufern, wo sich entweder kältere Luft unter die wärmere Luft schiebt (Kaltfront) oder die wärmere Luft auf die bodennahe kalte Luft aufgleitet (Warmfront), wird Luft gehoben. Da es mit der Höhe immer kälter wird, kühlt sich die mit Wasserdampf angereicherte Luft beim Aufsteigen ab und kondensiert ab einem bestimmten Temperaturniveau zu Wassertröpfchen. 

Durch Kondensation können die Wolkentropfen jedoch höchstens die Größe von Nieseltröpfchen erreichen. Für die Auslösung von Niederschlag (Regen) muss es also einen weiteren wirksamen Prozess geben, bei dem die Nieseltröpfchen anwachsen können.

Gegenwärtig gibt es zwei Theorien für die Niederschlagsbildung: die Niederschlagsbildung durch Eiskerne (Wegener-Findeisen-Bergeron-Theorie) und die Niederschlagsbildung durch Koaleszenz (Zusammenfließen von Teilchen).

Ragt eine Wolke, die aus vielen kleinen Wolkentröpfchen besteht, in große Höhen, wo Temperaturen weit unter null Grad herrschen, bilden sich aus den Nieseltröpfchen teilweise kleine Eiskerne. Zusätzlich können jedoch auch kleine, feste und unlösliche Teilchen (Aerosol), die von einer Wasserhaut umgeben sind, als Kondensationskern wirken. In der Wolke werden die kleinen Wolkentröpfchen von den Kondensationskernen angezogen, sodass die so entstandenen Eiskristalle auf Kosten von den Tröpfchen anwachsen. Gleichzeitig haben Eiskristalle, die meist größer sind als Wolkentropfen, eine größere Fallgeschwindigkeit. Beim Herabfallen in der Wolke stoßen sie somit immer weiter mit winzigen Wolkentröpfchen zusammen, die dann mit den Eiskristallen verklumpen (Koagulation). Fallen nun die Eiskristalle in einen Bereich mit positiven Temperaturen, schmelzen diese zu relativ großen Regentropfen. 

Da auch in reinen Wasserwolken die Tröpfchengröße leicht unterschiedlich ist und größere Wolkentropfen schneller fallen als kleine, können Tropfen zusammenstoßen und schließlich durch Zusammenfließen (Koaleszenz) anwachsen. 

Je größer nun die Aufwinde in der Wolke sind, desto länger sind die den Wachstumsprozessen ausgesetzt und desto größer und schwerer können die Tropfen oder Eiskristalle werden, bevor sie aus der Wolke heraus fallen und sich auf den Weg zum Boden machen. Jedoch gibt es eine kritische Tropfengröße. Durch den Luftwiderstand verformen sich große Tropfen so stark, dass sie schließlich zerplatzen. In Schauerniederschlägen können die Tropfen maximal fünf bis sechs, bei Gewittern in wenigen Fällen auch bis 8 Millimeter groß werden. Normale Regentropfen verfügen meist über einen Durchmesser von 0,2 bis 3 Millimetern.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

17.08.2015

Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

Aufzug der Unwetterfront (eine sog. "Shelfcloud") am vergangenen Freitagabend über der Region Stuttgart. Nur wenige Kilometer weiter hingegen blieb es trocken. Wieso das so sein kann, wo bevorzugt Gewitter auftauchen und was der "Kulisseneffekt" ist, erklären wir nachfolgend:
Aufzug der Unwetterfront (eine sog. "Shelfcloud") am vergangenen Freitagabend über der Region Stuttgart. Nur wenige Kilometer weiter hingegen blieb es trocken. Wieso das so sein kann, wo bevorzugt Gewitter auftauchen und was der "Kulisseneffekt" ist, erklären wir nachfolgend:

Am vergangenen Freitag und auch am Wochenende hatten wir es mal wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitterfan bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie "kracht". Aber stimmt das auch?

In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter auftauchen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese Weise verstärkt.

Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an, die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland Gewitter vor.

Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar immer vorbei ziehen, lässt sich aber in den allermeisten Fällen auch gut erklären. Verantwortlich für diesen Sachverhalt zeigt sich dabei meist der sogenannte "Kulisseneffekt".

Der "Kulisseneffekt" entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber sind jedoch oft nur sehr klein, was an solchen Tagen gut im Regenradar zu erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem Gewitter getroffen zu werden, nur relativ klein. Es entsteht der Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht getroffen wurde.

In einigen Regionen kann der "Kulisseneffekt" in bestimmten Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges gemeint.

Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte "Wetterscheide" fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Gibt es bei einem Gewitter jedoch eine andere Anströmung an das Gebirge, sodass der Standort nicht im Lee des Gebirges liegt, kann der Standort trotzdem von einem Gewitter getroffen werden.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

10.08.2015

"Ich seh' den Sternenhimmel..."

Der Sternenhimmel... er gerät vor allem am 12./13. August "in Bewegung", wenn "Sternschnuppenproduktion" der Perseiden eintreten wird. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bewölkt sein wird...
Der Sternenhimmel... er gerät vor allem am 12./13. August "in Bewegung", wenn "Sternschnuppenproduktion" der Perseiden eintreten wird. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bewölkt sein wird...

...oder doch nicht? Diese Frage beschäftigt sicherlich den ein oder anderen Sternen- bzw. besser Sternschnuppenfreund, denn in der Nacht vom kommenden Mittwoch zum Donnerstag (12.-13.08.) geht's am Himmel zu wie auf der Autobahn. 

Wie vielleicht bekannt ist, kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne wie jedes Jahr um den 12. August herum die Perseiden - einen Meteorstrom. Dabei dringen Teile dieses Stroms, wie z.B. Staub oder Gesteinsreste, in die Erdatmosphäre ein und verglühen - es entstehen Sternschnuppen. Am 13.08. erreicht die "Sternschnuppenproduktion" mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde ihren Höhepunkt, wobei die beste Beobachtungszeit zwischen 2 und 4 Uhr (MESZ) liegt. Aber würde sich das Aufstehen bzw. Wachbleiben überhaupt lohnen oder verhindern Wolken den Blick auf das Lichterspiel am Himmel?

Um nicht allzu viel Spannung aufzubauen, gleich mal vorweg: Nach jetzigem Stand sieht es in weiten Teilen Deutschlands recht gut aus! Ein Hoch, das am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag unter Verstärkung von den Britischen Inseln Richtung Dänemark zieht, sorgt vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands für ruhiges Wetter. Zwar ziehen dort tagsüber noch einige (vor allem hohe) Wolkenfelder durch, diese lösen sich allerdings mehr und mehr auf, sodass ein meist gering bewölkter bis sternenklarer Himmel vorherrschen wird. 

Auch im Süden steht dem freien Himmelsblick vielerorts kaum etwas im Wege, allerdings besteht am Mittwoch im Tagesverlauf in den südlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen ein leichtes Gewitterrisiko. Zwar würden die Gewitter im nächtlichen Verlauf wieder in sich zusammenfallen, ihre Wolken könnten aber auch die Nacht "überleben" und somit gebietsweise für Tristesse bei den Sternschnuppenguckern sorgen.

Bei Tiefstwerten von überwiegend 21 bis 15 Grad dürfte meist schon ein leichtes Sommerjäckchen reichen, um das helle Treiben am Himmel ohne "Bibbern" verfolgen zu können. Nur im Norden wird es mit 16 bis 11 Grad etwas kühler.

Den nächsten Sternschnuppenregen besorgt uns übrigens der Meteoritenstrom der Leoniden. Diese laufen allerdings erst in der Nacht vom 17. zum 18. November dieses Jahres zur Höchstform auf, sodass man sich wahrscheinlich etwas dicker einpacken sollte. Ansonsten könnte aus den "Schnuppen" schnell ein Schnupfen werden.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

03.08.2015

Die Badewanne Europas - das Mittelmeer

Das Mittelmeer ist die "Badewanne Europas", das ist nicht erst heute so. In der FlowerPower-Zeit war Matala auf Kreta bereits das Ziel der Hippies. Auch heute ist der Ort ein "Magnet" für Touristen und "Übriggebliebene" aus den 1960er Jahren.
Das Mittelmeer ist die "Badewanne Europas", das ist nicht erst heute so. In der FlowerPower-Zeit war Matala auf Kreta bereits das Ziel der Hippies. Auch heute ist der Ort ein "Magnet" für Touristen und "Übriggebliebene" aus den 1960er Jahren.

Sonne, Strand und Meer. Für viele sind diese Wörter ein fester Bestandteil der Sommerferien. Natürlich soll die Zeit der Entspannung und kulinarischen Köstlichkeiten auch so verlaufen, dass man nach der Rückkehr von einem perfekten Urlaub schwärmen kann. Jedoch kann das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen, denn wer möchte schon bei strömendem Regen Städte begutachten oder bei stürmischem Wind und niedrigen Temperaturen am Ostseestrand liegen? Da wir an dieser Stelle Ihr individuelles Urlaubswetter in aller Welt aus Platz- und Zeitgründen beim besten Willen nicht erörtern können, soll sich auf die Region fokussiert werden, die in der Veröffentlichung "Fakten und Zahlen" des Deutschen Reiseverbandes im Jahr 2014 als das beliebteste Reisedomizil der Deutschen bei Auslandsreisen angesehen wurde: die Mittelmeerregion. Der Sprung ins erfrischende Nass ist dabei in diesen Regionen nahezu eine Pflicht, besonders wenn die Sonne an einem heißen Sommertag unerbittlich auf die Touristen scheint. Doch wie erfrischend ist denn momentan überhaupt dieser Sprung ins Nass? Bevor wir jedoch einen Blick auf die aktuelle Wassertemperaturverteilung werfen, soll zunächst auf die vergangenen zwei Monate zurückgeblickt werden. Dies ist für die Entwicklung der Wassertemperaturen natürlich auch wichtig, da zum Beispiel eine Frontpassage mit viel Wind und Niederschlag die Wasseroberfläche durchmischen und damit abkühlen kann. 

Der Juni verlief im Großen und Ganzen im Mittelmeerraum nicht ungewöhnlich, wobei wiederholt heiße Luft vorderseitig atlantischer Tröge nach Spanien und über das westliche Mittelmeer transportiert wurde. Mit Ostverlagerung der Tröge zog die heiße Luft ebenfalls in die östliche Mittelmeerregion und rückseitig konnte wiederholt kühle und trockenere Luft weit südwärts vorstoßen. Dies änderte sich erst Ende Juni und Anfang Juli, da die Tiefdruckgebiete über dem östlichen Atlantik dank eines starken Hochdruckgebietes über Südeuropa nicht mehr ostwärts vorankamen und nach Nordosten in Richtung Nordeuropa abbogen. Dies hatte zu Folge, dass sich sehr heiße Luft, teils mit neuen Rekorden der Tagesmaxima, über dem westlichen und ab Mitte Juli auch zunehmend über dem zentralen und östlichen Mittelmeer ausbreiten konnte, wobei die Temperatur wiederholt auf deutlich über 35 Grad anstieg. Dies spiegelt sich natürlich auch in der Verteilung der  Wassertemperaturen wider.

In der Fläche gesehen variieren die Wassertemperaturen im Mittelmeer momentan zwischen 20 und 31 Grad, wobei diese hohen Unterschiede unter anderem durch komplexe Strömungs- und Zirkulationsverhältnisse im Mittelmeer zustande kommen. Dabei strömt relativ salzarmes Wasser vom Atlantik durch die Straße von Gibraltar ins westliche Mittelmeer, wo sich durch massive Verdunstung der Salzgehalt besonders im östlichen Mittelmeer stark erhöht. Das schwerere Wasser strömt von dort in tiefen Meeresschichten wieder zurück durch die Straße von Gibraltar in den offenen Atlantik. Dies hat zur Folge, dass besonders das östliche Mittelmeer eine bessere Durchmischung dank des Absinkens des salzreicheren Wassers erfährt und somit dort die warme Wassertemperaturen auch bis in tiefere Schichten reichen, während im westlichen Mittelmeer die maximale Wassertemperatur meist nur sehr oberflächennah erreicht wird.

Das von Westen einströmende Wasser wird einerseits westlich von Sardinien und Korsika nach Norden und dann teilweise nach Westen in Richtung Balearen abgelenkt, andererseits strömt es an Sizilien vorbei weiter nach Osten. Das Oberflächenwasser im westlichen Mittelmeer ist auch im Sommer immer wieder dem "Mistral" ausgesetzt (ein starker, trockener Fallwind aus dem Rhônetal), sodass auch die aktuell gemäßigte Wassertemperatur von 20 bis 24 Grad nicht verwundert.

Der absolute Wärmeschwerpunkt ist jedoch im Tyrrhenischen und dem Ionischen Meer, der südlichen Adria und westlich von Lampedusa zu finden. Die Kombination aus vermindertem Wasseraustausch und der beschriebenen, lang anhaltenden Hitzewelle lässt die Wassertemperaturen auf teils über 30 °C ansteigen, was einer Temperaturanomalie der Wassertemperaturen von drei bis teils mehr als vier Kelvin hinsichtlich der Referenzperiode 1957 bis 2002 bedeutet. Die größte positive Anomalie ist dabei in der südlichen Adria, dem südlichen Tyrrhenischen Meer und vor der Südostküste Spaniens zu finden. Zwar ist die sehr warme Schicht meist nur oberflächennah so aufgeheizt, doch mit Blick auf den in wenigen Monaten anstehenden Herbst treiben uns Meteorologen solche Wassertemperaturen die Sorgenfalten auf die Stirn. Tiefdruckgebiete können sich dann über solch einer Heizfläche markant verstärken und teils sintflutartige Niederschläge im zentralen Mittelmeer und in den Südalpen bringen. Schon letzten Freitag entlud sich die außergewöhnlich feuchte Luftmasse über dem Südosten und Osten Spaniens in heftigen Gewittern mit teils sehr großem Hagel von bis zu 8 cm im Durchmesser (z.B. Yecla in der Region um Murcia [http://www.eswd.eu]). Nicht unbedingt das beste Urlaubswetter. Neben dem Löwengolf weist nur noch die Ägäis und das östliche Mittelmeer etwas zu kühle Wassertemperaturen auf, was bisher unter anderem mit wiederholt auftretenden Frontpassagen erklärt werden kann, wo kühlere Luft und böiger Wind das Wasser durchmischen und abkühlen konnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Mittelmeer bisher fast überall teils deutlich zu warm ist. Ein Blick auf die Wetterkarten der kommenden Tage zeigt, dass sich an der Druck- und Temperaturverteilung über Südeuropa wenig ändern wird, sodass mit einer Fortdauer der heißen und überwiegend trockenen Witterung im Mittelmeer gerechnet werden kann. Wem solch heiße "Badewannentemperaturen" eindeutig zu viel sind, dem sei zum Beispiel die mit strandnahen 17 bis knapp 20 Grad warme/kühle Nordsee ans Herz gelegt. Egal wohin es Sie nun verschlägt, genießen Sie ihre Zeit im Wasser!

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

30.07.2015

Hundstage bringen Sommer zurück

Weder sind wir auf den Hund gekommen noch hat unser Border Collie etwas mit den "Hundstagen" zu tun, die derzeit bei uns herrschen. Es ist eine alte römische Zeitbezeichnung, die auf den "Hundstern" (Sirius) beruht. Immerhin wird es bei uns die nächsten Tage "hundsmäßig heiß"... das wäre wiederum eine schweißtreibend-richtige Bezeichnung...
Weder sind wir auf den Hund gekommen noch hat unser Border Collie etwas mit den "Hundstagen" zu tun, die derzeit bei uns herrschen. Es ist eine alte römische Zeitbezeichnung, die auf den "Hundstern" (Sirius) beruht. Immerhin wird es bei uns die nächsten Tage "hundsmäßig heiß"... das wäre wiederum eine schweißtreibend-richtige Bezeichnung...

Eine Serie von Sturmtiefs beendete am vergangenen Wochenende und zu  Beginn der neuen Woche die 2. große Hitzeperiode in diesem Sommer. Derzeit führt Tief Andreas noch mit einer westlichen Strömung relativ kühle und feuchte Meeresluft heran, in der es zu zahlreichen Schauern kommt. Die Temperaturen liegen dabei mit Höchstwerten von 17 bis 23 Grad in einem für die Jahreszeit eher leicht zu kühlen Bereich. Bei kräftigem Wind mutet die Witterung eher herbstlich als sommerlich an.

Doch diese kühlere Witterungsphase findet jetzt ihr Ende. Am Wochenende entwickelt sich ein kräftiges Tief über dem Atlantik und führt auf seiner Vorderseite heiße Saharaluft zunächst nach Spanien. Von dort aus breitet sich diese nordostwärts aus und erreicht zu Beginn der neuen Woche Frankreich und schließlich auch Deutschland. Gleichzeitig wölbt sich ein kräftiges Hoch über Mittel und Osteuropa auf.

Bereits am Wochenende gibt es dadurch eine deutliche Wetterbesserung. So wird es am Samstag in der Südhälfte, am Sonntag dann auch im Norden wieder sommerlich warm. Dazu gibt es viel Sonne. Nur südlich der Donau bringen Wolken zeitweise Gewitter. Ab Montag beginnt dann die nächste Hitzewelle, wenn die Saharaluft auch Deutschland erreicht. Dann werden wieder verbreitet Temperaturen über 30 Grad erwartet.

Diese Witterung ist typisch für den aktuellen Zeitraum. Denn derzeit erleben wir die sogenannten „Hundstage“, die für gewöhnlich die wärmsten Tage des Jahres sind. Gemeint ist die Periode vom 23. Juli, bis zum 23. August. Der Begriff Hundstage stammt von den alten Römern. Sie beschreiben den Zeitraum, in dem das Sternbild des Großen Hundes am Morgen aufgeht. Dann ist auch der Hauptstern des Sternbildes namens Sirius, auch Hundsstern genannt, in der Morgendämmerung zu sehen. Sirius ist der hellste Fixstern am Nachthimmel. Die alten Römer bezeichneten dies als die "Tage des  Hundes", die zufällig mit den heißesten Tagen des Sommers zusammenfallen. In der heutigen Zeit geht Sirius erst Anfang September auf und läutet eher den Herbst ein. Da auch heutzutage zur Zeit der Hundstage häufig eine südwestliche Strömung vorherrscht und somit oft feucht-heiße Luft nach Mitteleuropa transportiert wird, hat sich die Bezeichnung Hundstage für die heißesten Tage des Jahres bis in die heutige Zeit gehalten. So trifft diese Wettersingularität wohl auch in diesem Jahr ein, auch wenn es diesmal nicht die heißesten Tage dieses Jahres werden. Denn der Hitzerekord von Anfang Juli dürfte kaum in Gefahr sein.

Wie lange hält diese neue Hitzewelle? Vorhersagen über eine Woche hinaus sind extrem unsicher. Allerdings ist eine solche Wetterlage für gewöhnlich eher stabil. Doch deuten die Modelle an, dass uns im weiteren Verlauf das Atlantiktief immer mehr auf die Pelle rückt, sodass die Neigung zu kräftigen Gewittern in diesem Szenario von Westen her zunehmen würde und im Norden rasch wieder kältere Luft einfließen könnte. Im Süden wie in den Alpen stehen die Chancen auf länger anhaltendes stabileres Wetter etwas besser. Denkbar wäre auch, dass die kommende 3. Hitzewelle diesen Sommer im Süden noch mehrere Tage anhält, um dann wieder von einem kurzen kühleren Witterungsabschnitt abgelöst zu werden. Das Muster von mehreren sehr heißen Tagen und kurzen kühlen Phasen würde sich dann fortsetzen. Es ist nicht selten, dass sich ein Zirkulationsmuster, das sich Anfang Juli eingestellt hat, den ganzen Sommer über anhält (Siebenschläfer-Regel).

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

27.07.2015

ZELJKOs Reise und seine Hinterlassenschaften

Sturmerprobte Nordseestrände - auch im Sommer. Doch das windige Samstagswetter lockte erwiesenermaßen wenige Menschen "in die frische Brise"...
Sturmerprobte Nordseestrände - auch im Sommer. Doch das windige Samstagswetter lockte erwiesenermaßen wenige Menschen "in die frische Brise"...

Das vergangene Wochenende wird dank Sturmtief ZELJKO wohl so manchen in Erinnerung bleiben: (Hobby-)Meteorologen, weil ein solcher Sturm im Sommer sehr ungewöhnlich ist und nur etwa alle 10-20 Jahre vorkommt - und auch allen Betroffenen, die den Sturm am eigenen Leib zu spüren bekommen haben und mit den Auswirkungen vielleicht noch im Nachhinein kämpfen müssen.

Die Reise von ZELJKO begann mit seiner Geburt am vergangenen Dienstag vor Neufundland. Von dort begab er sich über den Atlantik Richtung Europa, erreichte am Freitag die Bretagne, zog durch den Ärmelkanal und stieß am Samstagmittag schließlich auf die niederländische Küste.

Bereits in der Nacht zum Samstag machte er sich in Deutschland mit teils kräftigen Schauern und Gewittern bemerkbar, die örtlich erste Sturmböen brachten (so wurde kurz nach Mitternacht beispielsweise eine schwere Sturmböe von 98, 3 km/h am Frankfurter Flughafen registriert).

Aber ZELJKOs Geschichte war damit noch nicht geschrieben, er holte noch einmal tief Luft und bescherte uns ein Sturmfeld, das sich am Samstag von Westen in die Mitte und den Norden und schließlich auch in den Nordosten ausbreitete.

Am heftigsten war ZELJKO an der Nordseeküste spürbar: Spiekeroog meldete eine orkanartige Böe von 108 km/h (Bft 11), Büsum 101 km/h, Norderney 99 km/h, Bremerhaven 98 km/h und auch in St. Peter-Ording konnten sich die Kururlauber bei 96 km/h (alles Bft 10) einen "etwas" kräftigeren Wind als sonst durch die Haare pusten lassen. 

Aber die Ostseeküste sollte nicht verschont bleiben: Am Samstagnachmittag zuckten zahlreiche Blitze über den Himmel, wobei die zugehörigen Gewitter nicht nur die Regentonnen füllten, sondern in Travemünde auch mit einer schweren Sturmböe von 97 km/h (Bft 10) einhergingen. Auch ansonsten war die Gewitterfront mit kräftigen Böen verbunden.

 noJetzt mag manch Leser von Euch vielleicht denken: "Ach, eine steife Brise sind die Norddeutschen doch eh gewohnt - Sturm ist erst, wenn die Schafe auf dem Deich keine Locken mehr haben...", ABER: ZELJKO zeigte auch im Landesinneren, dass er sich von anderen Tiefs zu dieser Jahreszeit unterscheidet: 

Zum Beispiel sorgten in Münster (Westfalen) seine schweren Sturmböen (die Messstation meldete 94 km/h) für rund 100 Einsätze der Feuerwehr. Auch in anderen Städten Nordrhein-Westfalens und Südniedersachsens tobte der Sturm, erreichte Böen von 90 km/h (so beispielsweise in Göttingen, Gütersloh, Hameln, Lügde-Paenbruch, Rheine-Bentlage oder Bückeburg) und verursachte zahlreiche abgeknickte Äste und entwurzelte Bäume. Einige Bahnstrecken wurden sogar gesperrt.

Den Vogel abgeschossen hat allerdings mal wieder der Brocken: Die Messstation des ohnehin sehr exponierten und windanfälligen Berges im Harz lieferte einen Maximalwert von sage und schreibe 159 km/h! Wenn zu diesem Zeitpunkt dort Schafe verweilt hätten, wären diese anschließend mit Sicherheit lockenlos gewesen oder ganz einfach weggepustet worden.

Während ZELJKO bereits weiter Richtung Schweden gezogen und seine Geschichte bei uns damit beendet ist, steht bereits ein neues kräftiges Tief in den Startlöchern: ANDREAS versucht am heutigen Montag und morgigen Dienstag in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, was jedoch nur bedingt gelingt. So sind zwar insbesondere bei Durchzug von Schauern und Gewittern sowie auf den Bergen Sturmböen möglich, ein so verbreitetes Sturmfeld wie ZELJKO hat ANDREAS allerdings nicht zu bieten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.07.2015

Die Hitze macht einen Rückzieher

Der Juli 2015 wird zu den wärmsten gehören, die es seit Aufzeichnungsbeginn 1879 je gegeben hat. Nun beginnen die "Hundstage", für gewöhnlich die wärmsten Tage des Jahres - stattdessen wird´s nun kühler als bisher!
Der Juli 2015 wird zu den wärmsten gehören, die es seit Aufzeichnungsbeginn 1879 je gegeben hat. Nun beginnen die "Hundstage", für gewöhnlich die wärmsten Tage des Jahres - stattdessen wird´s nun kühler als bisher!

In den meisten Teilen Deutschlands wurde in den vergangenen Wochen angesichts der nicht enden wollenden Hitze ordentlich geschwitzt (und zum Teil bestimmt auch geflucht). Das hohe Temperaturniveau wird voraussichtlich sogar dazu führen, dass der Juli 2015 zu einem der fünf heißesten Juli-Monate seit 1881 aufsteigen wird. Die Pole-Position in dieser Statistik, die der Juli 2006 ("Sommermärchen") mit einer Durchschnittstemperatur von fast 22 Grad immer noch einnimmt, scheint bei einer bisher erreichten Durchschnittstemperatur von etwa 20,6 Grad aber nicht in Gefahr zu sein. In den nächsten Tagen verabschiedet sich die Hitze nämlich aus Deutschland.

Besonders im Norden Deutschlands hat man von den hohen Temperaturen auch gar nicht so viel mitbekommen. An den Küsten gibt es einige Stationen, bei denen die positive Temperatur-Abweichung bisher nicht einmal ein Grad betragen hat und es an keinem Tag mehr als 30 Grad (per meteorologischer Definition ein "heißer Tag") gab. In Schönhagen an der Ostsee (Schleswig-Holstein) lag die Abweichung sogar nur bei 0,6 Grad bei einer maximalen Tageshöchsttemperatur von 25,7 Grad am 5. Juli. Im Süden und Südwesten hat die Hitze dagegen voll zugeschlagen, sodass dort mehrere Orte eine Abweichung von über 6 Grad aufweisen. Aktueller "Spitzenreiter" ist dabei das rheinland-pfälzische Pirmasens mit 6,6 Grad mehr als sonst üblich, wobei die Werte dieses Ortes noch einer genaueren Prüfung unterzogen werden müssen und daher etwas mit Vorsicht zu genießen sind.

Am gestrigen Mittwoch verabschiedtete sich die Hitze mit heftiger Schwüle in der Mitte und im Süden mit Temperaturen von bis zu 37,7 Grad im fränkischen  Möhrendorf-Kleinseebach, im Norden war es bei 21 bis 29 Grad bereits nicht ganz so heiß. Grund dafür war eine Luftmassengrenze, die mehr oder weniger schon seit einigen Tagen über der Mitte Deutschlands zu finden ist und sich kaum bewegte. Sie trennt spürbar kühlere Luft im Norden von der schwül-heißen Luft im Süden. Dadurch erklären sich - zumindest zum Teil - auch die Unterschiede in der Durchschnittstemperatur dieses Monats.

Heute morgen verschob sich diese Luftmassengrenze aufgrund des nachlassenden Hochdruckeinflusses über Süddeutschland dann aber doch an den Alpenrand und drängte die Tropenluft immer mehr nach Süden ab. Somit sind bereits ab heute selbst im Süden die 30 Grad passe. Die Höchsttemperaturen pendeln sich danach bis zum Wochenende auf 23 bis 29 Grad ein, im Norden liegen sie bei 19 bis 23 Grad.

Zum Anfang bzw. Mitte der kommenden Woche könnte es dann selbst mit den 25 Grad (per meteorologischer Definition ein Sommertag) allmählich schwierig werden, sollen diese dann doch nur noch örtlich erreicht werden. Viele Menschen im Süden Deutschlands werden sicherlich aufatmen, endlich besteht mal wieder die Chance, die Wohnung vernünftig durchzulüften.

Interessant bei dem zu erwartenden Temperaturrückgang in den nächsten Tagen ist, dass ab morgen eigentlich die sogenannten "Hundstage" beginnen, die bis zum 23. August andauern und in vielen Ländern Europas normalerweise die heißesten Tage des Jahres darstellen. Der Begriff "Hundstage" wird übrigens vom Sternbild "Großer Hund" abgeleitet (mehr Informationen dazu im Lexikon unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort "Hundstage").

Daher ist auch noch nicht auszuschließen, dass die Hitze in diesem Sommer ein Comeback feiert. Wie das Wetter und die Temperaturen im August ausfallen werden, lässt sich heute jedoch noch nicht sagen. Selbst die Vorhersage für den Anfang der kommenden Woche steht schon auf wackligen Füßen. Genauso wie der August wieder heiß werden kann, ist auch ein kühler Monat denkbar. So beispielsweise im Sommer 2006: Nach dem Sommermärchen-Juli fiel der August um 1,1 Grad zu kalt aus. Was nun also demnächst auf uns zukommt, da können wir es ganz nach dem Motto unserer "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer halten: "Schau'n mer mal".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

20.07.2015

Gewittervorhersage: Was Atmosphäre und Nudelwasser gemeinsam haben

Sommer- wie Frontgewitter sind faszinierend und bedrohlich zugleich. Ihre Vorhersage ist jedoch fast wie Lotto spielen. Was die Atmosphäre und Nudelwasser gemeinsam haben, erklären wir nachfolgend:
Sommer- wie Frontgewitter sind faszinierend und bedrohlich zugleich. Ihre Vorhersage ist jedoch fast wie Lotto spielen. Was die Atmosphäre und Nudelwasser gemeinsam haben, erklären wir nachfolgend:

Das vergangene Wochenende hatte es mal wieder in sich. Heftige Gewitter mit Starkniederschlägen tobten sich in vielen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz aus. Doch wie so oft gab es auch dieses Mal wieder Regionen, in denen - wenn überhaupt - nur ein paar Tropfen am Boden ankamen. Das Wort "Gewitter" war aber auch dort in den Vorhersagetexten zu finden. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass eine Prognose, wann und wo Gewitter exakt auftreten, nicht möglich ist. Aber warum ist das so?

Gewitter sind besonders in ihrer Entstehung sehr kleinräumige Wetterphänomene, die von Wettermodellen nur schlecht "aufgelöst" werden können. Das kann man ganz grob mit einem Fischernetz vergleichen: Je kleiner die Maschen des Netzes sind, desto kleinere Fische kann man fangen. Beträgt die Maschenweite zwischen zwei Knoten z.B. 50 cm, wird man Schwierigkeiten haben, einen Goldfisch zu erwischen. Ähnlich verhält es sich mit den Wettermodellen. Das hochauflösende Wettermodell des DWD hat aktuell eine Maschenweite von Knoten zu Knoten von 2,8 km. Gewitter sind aber vor allem während ihrer Entstehung deutlich kleiner (wenige Hundert Meter Durchmesser). So ist es nicht selten, dass es bei Gewittern in einem Stadtteil "Land unter" heißt, während es in einem anderen trocken bleibt. 

Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel: Wir stellen einen Topf voll Wasser auf den Herd und schalten diesen an. Nach einer bestimmten Zeit steigen kleine Luftbläschen vom Boden des Topfes auf. Ein Gewitter örtlich und zeitlich exakt vorherzusagen, würde auf dieses Beispiel übertragen, bedeuten, dass man auf den Millimeter und die Sekunde exakt prognostizieren kann, wo und wann sich das erste Luftbläschen bildet. Solltet Ihr dieses Experiment beim nächsten Nudelwasserkochen ausprobieren, werdet ihr feststellen, dass das ein unmögliches Unterfangen wäre. 

Natürlich schränken auch andere Faktoren die Gewittervorhersage ein (wie z.B. die zu geringe Anzahl an Messstationen), deren Behandlung den Rahmen dieses Textes allerdings sprengen würde.

Was man dagegen meist recht gut vorhersagen kann, ist eine größere Region, in der mit Schauern und Gewittern gerechnet werden muss. Während es am heutigen Montag vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands örtlich zu Schauern kommt, sind zwischen Donau und Alpenrand erneut einzelne Gewitter möglich. Wann und wo genau uns die Wetterküche diese allerdings servieren wird, muss abgewartet werden und ist nur kurzfristig prognostizierbar.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.07.2015

Was ist eine Fallböe?

Die Superzelle am 7. Juli 2015 über dem nördlichen Baden-Württember sah dramatischer aus als sie letztlich war. Im rheinlandpfälzischen Framershausen wurde aber ein "Downburst" beobachtet, ein gefährlicher Fallwind, der ebensolche oder gar mehr Schäden anrichten kann als ein Tornado.
Die Superzelle am 7. Juli 2015 über dem nördlichen Baden-Württember sah dramatischer aus als sie letztlich war. Im rheinlandpfälzischen Framershausen wurde aber ein "Downburst" beobachtet, ein gefährlicher Fallwind, der ebensolche oder gar mehr Schäden anrichten kann als ein Tornado.

Die Hitzewelle endete am Dienstag mit schweren Gewittern, die Orkanböen brachten und teilweise mit erheblichen Schäden einhergingen. Schaut man sich die enormen Schäden in Halle an der Saale und Framershausen bei Alzey an, wo bei letzterem ganzer Häuser zerstört worden sind, denkt man zunächst an einen Tornado. Doch es gibt ein weiteres Phänomen, das in Zusammenhang mit schweren Gewittern steht und häufiger vorkommt als Tornados. Die Rede ist von sogenannten Fallböen (engl. Downburst). Obwohl Fallböen ebenso starke Schäden verursachen können wie Tornados, sind sie dennoch vielen Leuten unbekannt.

Fallböen sind wie auch Tornados mit schweren Gewittern verbunden, wobei auch bei den Fallböen die stärksten Ereignisse häufig im Zusammenhang mit rotierenden Gewittern, den sogenannten Superzellen, auftreten. Dennoch unterscheiden sich Fallböen physikalisch wesentlich von Tornados.

Tornados sind stark rotierende Luftwirbel mit vertikaler Drehachse, die sich gleichzeitig in Verbindung mit dem Boden und einer Schauer- oder Gewitterwolke befindet. Oft sieht man dabei ausgehend von der Gewitterwolke einen manchmal sogar bis zum Boden reichenden auskondensierten rotierenden Trichter oder Wolkenschlauch. Downbursts oder Fallböen hingegen entstehen, wenn kalte Luft in einem Gewitter nach unten fällt, auf den Boden trifft und sich dort in lineare Richtung ausbreitet. Dabei können Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h erreicht werden. Doch wie genau entsteht diese fallende kalte Luft? Innerhalb stärkerer Gewitter bilden sich in den höheren Schichten oft größere Hagelkörner. Haben diese eine gewisse Größe erreicht, kann sie der Aufwind des Gewitters nicht mehr in der Luft halten und sie beginnen zu fallen. Beim Fallen gelangen die Hagelkörner in tiefere und wärmere Luft. Sie beginnen zu schmelzen, sobald die Temperatur über den Gefrierpunkt steigt. Zum Teil entsteht dabei Regen. Fällt dieser in trocknere Schichten, setzt schnell Verdunstung ein. Dies geht umso schneller, je trockener die Luft ist. Sowohl beim Schmelzen des Hagels als auch bei der Verdunstung der Regentropfen wird der Luft Energie in Form von Wärme entzogen, wodurch sie sich abkühlt. Da nun die kalte Luft schwerer ist, als die umgebende Warmluft, wird sie nach unten beschleunigt und trifft irgendwann auf den Boden. Von Weitem sieht es oft so aus, wie wenn ein "Sack" aus dem Gewitter heraus fällt. Trifft die Luft auf den Boden auf, so breitet sie sich dort horizontal aus. Im Downburst hat man häufig auch die stärksten Niederschläge und auch Hagel. In unmittelbarer Nähe sieht ein Downburst wie eine "weiße Wand", die sich schnell bewegt, aus. Das Schadenspotenzial von Downbursts ist häufig sogar größer als das von Tornados, da meist eine größere Fläche betroffen ist und nicht eine schmale Schneise wie meistens bei einem Tornado.

Ob der Fall in Framershausen nun ein Tornado oder ein Downburst war, ist noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt. Dennoch weißt derzeit viel auf einen Downburst hin. So gab es die besagten trockenen Schichten in der unteren Atmosphäre. Außerdem war die untere Atmosphäre sehr heiß und relativ trocken, was das Schmelzen von Hagel und Verdunstung von Niederschlag begünstigte und somit eine große Beschleunigung der fallenden Kaltluft verursachte. Diese trockenen bodennahen Schichten sind eher ungünstig für die Entwicklung von Tornados, da die Wolkenuntergrenzen dadurch sehr hoch waren.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

06.07.2015

Das „Testbed“ des European Severe Storms Laboratory

Ein Gewitter entsteht - doch die Vorhersage für Blitz und Donner ist immer noch sehr schwierig. Die Meteorologen testen jedes Jahr wieder verschiedene Berechnungsgrundlagen der Vorhersage in der Wiener Neustadt.
Ein Gewitter entsteht - doch die Vorhersage für Blitz und Donner ist immer noch sehr schwierig. Die Meteorologen testen jedes Jahr wieder verschiedene Berechnungsgrundlagen der Vorhersage in der Wiener Neustadt.

Wenn Ihr dieser Tage den Wetterbericht im Fernsehen schaut, dann werdet Ihr sicherlich folgende Begriffe wiederholt zu Gehör bekommen: Gewitter, Unwetter, Hagelschlag, Sturmböen und Starkregen. Dies sind die typischen Begleiterscheinungen im Sommer, wenn eine heiße und sehr feuchte (gefühlt eine sehr schwüle) Luftmasse Deutschland beeinflusst, wie es heute besonders im Süden der Fall ist und am morgigen Dienstag erneut in weiten Bereichen Deutschlands & Österreichs der Fall sein wird.

Dass die Meteorologen jedoch überhaupt vorhersagen können, ob Sie am Nachmittag eher ein isoliertes und kurzlebiges Hitzegewitter oder aber eine markante Unwetterfront mit allen möglichen Begleiterscheinungen erwarten können liegt daran, dass unterschiedliche Parameter wie Feuchte, Labilität, Hebung und Windscherung (Änderung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe) in den numerischen Wettermodellen ausgewertet werden. Der jeweilige Grad der Überlappung sorgt letztendlich dafür, wie kräftig die Gewitter ausfallen und wie schadensträchtig die entsprechenden Begleiterscheinungen sind. 

Wir springen nun in der Zeit direkt in den Bereich, kurz bevor sich Gewitter entwickeln. Die Meteorologen haben zwar bereits im Hinterkopf, wie günstig die Überlappung der jeweiligen Parameter für mehr oder weniger heftige Gewitter ist, doch nun geht es darum, dass die entsprechenden Warnungen für die einzelnen Gewitter zeitnah vorbereitet und ausgegeben werden können. Dazu werden diverse "Werkzeuge" verwendet, die dem Meteorologen zur Verfügung stehen. 

Und hier gelangen wir nun zum sogenannten "Testbed", welches seit 2012 jedes Jahr zwischen Mai und Juni für jeweils 4 Wochen in Wiener Neustadt (Österreich) stattfindet. Ausgerichtet wird das "Testbed" vom "Europäischen Unwetter- und Forschungsinstitut, ESSL (www.essl.org)", dessen Mitglied u.a. der Deutsche Wetterdienst ist. Das ESSL führt zahlreiche Studien im Bereich der organisierten Konvektion durch und unterstützt mit Datenbanken die Erforschung von Unwettern. Das "Testbed" dient als Interaktion zwischen den Entwicklern und Wissenschaftlern sowie den Vorhersagern, denn neue Vorhersageprodukte für die Gewittervorhersage werden während dieser Zeit auf Herz und Nieren getestet. Mit den entsprechenden Rückmeldungen nach den 4 Wochen können die Entwickler der jeweiligen Produkte dann entweder erkannte Fehler ausbessern oder neue Vorschläge in die Produktentwicklung implementieren. Die Vorhersager wiederum können die Produkte, die meist noch in der Testphase stecken, an Hand der aktuellen Wetterlage testen und ein Gefühl für deren jeweiligen Stärken und Schwächen erhalten sowie direkt Fragen an Entwickler stellen.

Im konkreten Fall wurden in diesem Jahr Produkte getestet, die z.B. anzeigen, wie stark ein Aufwind eines Gewitters rotiert. Dies kann mit Hilfe von Radardaten erkannt werden, die die Bewegung von Regentropfen und Graupel detektieren. Diese Erkenntnis ist für den Vorhersager sehr wichtig, denn eben diese Gewitter weisen ein hohes Schadenspotential durch großen Hagel, Sturmböen oder in seltenen Fällen gar durch Tornados auf. Von daher ist es wichtig zu sehen, welches Gewitter solch ein Rotationsmerkmal besitzt, um entsprechend frühzeitig eine Unwetterwarnung ausgeben zu können.

Es wurden auch Produkte getestet, die die Verlagerung eines Gewitters zeigen. Dies ist vor allem deshalb interessant, weil die Warnungen so ausgegeben werden sollen, dass die Anzahl von Fehlalarmen so gering wie möglich ausfällt. Schließlich sollen auch nur die Städte und Regionen bewarnt werden, die sehr wahrscheinlich die Auswirkungen des Gewitters spüren werden. Dies sind nur einige Beispiele aus einem großen Pool zahlreicher Produkte, die über mehrere Wochen mit aktuell auftretenden Gewitterlagen oder bei einer ruhigen Hochdrucklage mit archivierten Gewitterfällen getestet werden. Daran sind jeweils Meteorologen aus ganz Europa beteiligt.

Wenn also Euch das nächste Mal z.B. Unwetterwarnungen im Radio oder im Fernsehen übermittelt werden, dann wisst ihr, dass diese mit Hilfe diverser Produkte herausgegeben wurden und entsprechende Gefahren durch eines oder durch mehrere dieser Produkte erkannt wurden. Gewitter sind jedoch äußerst lokale und dynamische Systeme, die sich hinsichtlich ihrer Intensität sehr rasch ändern können, so dass nicht jeder die bewarnten Begleiterscheinungen in voller Stärke erleben wird. Es ist aber wahrscheinlich, dass diese Tatsache zum Beispiel für die allermeisten Haus- und/oder Autobesitzer eine erfreuliche ist.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

29.06.2015

Arktis vs. Antarktis - Eis statt Hitze!

Eis! Soweit das Auge reicht. Gletscher in der Artkis wie Antarktis haben lediglich gemeinsam, dass sich ihre Eisflüsse jeweils in die Meere "ergießen". Doch ansonsten haben die Regionen um den Nord- wie Südpol herum nur wenige Gemeinsamkeiten. Dies zeigt sich auch am unterschiedlichen Klima, das wir heute hier vorstellen.
Eis! Soweit das Auge reicht. Gletscher in der Artkis wie Antarktis haben lediglich gemeinsam, dass sich ihre Eisflüsse jeweils in die Meere "ergießen". Doch ansonsten haben die Regionen um den Nord- wie Südpol herum nur wenige Gemeinsamkeiten. Dies zeigt sich auch am unterschiedlichen Klima, das wir heute hier vorstellen.

"Hitze"! Das ist wohl derzeit DAS Pressethema schlechthin, wenn es um's Wetter geht. Ob tatsächlich so viele Menschen "JA!!!" schreien, wie man beim Stöbern durch die Medienlandschaft annehmen müsste, sei mal dahin gestellt. Mit Sicherheit gibt es aber die ein' oder andere Person, die am liebsten jetzt schon vor der anstehenden Hitzewelle fliehen möchte. Vermutlich muss es ja nicht gleich in die Arktis oder Antarktis gehen, aber wo wir gerade beim Thema sind (und um die Kurve zu demselben zu bekommen): Worin unterscheiden sich Arktis und Antarktis denn gleich nochmal?

Der erste große Unterschied ist im Allgemeinen wohl bekannt und auch relativ leicht nachzuvollziehen, wenn man zuhause mal den Globus genauer unter die Lupe nimmt: Die Arktis befindet sich auf der Nord-, die Antarktis auf der Südhalbkugel. 

Ein weiterer großer Unterschied ist in ihrer geografischen Beschaffenheit zu finden: Während die Antarktis ein vom sogenannten Südpolarmeer umgebener Kontinent ist, verhält es sich bei der Arktis genau umgekehrt. Bei ihr handelt es sich nämlich um ein von Kontinenten umgebenes Meer, dem sogenannten Nordpolarmeer, auf dem eine mehrere Meter dicke Eisschicht schwimmt, die sich vor etwa 1 Million Jahren gebildet hat. Früher wurde die Arktis über den 66,5. Breitengrad definiert, d.h. alles was nördlich von 66,5 ° nördlicher Breite liegt, zählte zur Arktis. Heutzutage ist allerdings eher eine klimatische Abgrenzung der Arktis vom Rest der Welt gebräuchlich. Diese Grenze führt entlang der 10 Grad Juli-Isotherme und beinhaltet unter anderem den Norden Kanadas, Grönland, die Nordküste Russlands und die Beringsee. Nördlich dieser Linie liegt die Monatsmitteltemperatur im Juli im langjährigen Mittel also unter 10 Grad. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das langjährige Julimittel 16,9 Grad.

Diese unterschiedliche Land-See-Verteilung schlägt sich auch auf meteorologische Größen nieder. Während in der Arktis ein Mix aus mehr oder weniger permanenten Hoch- und Tiefdruckgebieten wetterbestimmend ist (z.B. Islandtief, Aleutentief, sibirisches Hoch, Beauforthoch), ist über dem Landesinneren der Antarktis ein permanentes Hoch zu finden. Das erklärt sich dadurch, dass die Temperatur im Landesinneren der Antarktis generell niedriger ist als im Küstenbereich. Da kalte Luft schwerer ist als warme bzw. nicht ganz so kalte Luft, sinkt diese ab, sodass bodennah ein Luftüberschuss entsteht, im Fachjargon auch Hochdruck genannt. 

Durch die geografische Lage auf der einen und den Druckverhältnissen auf der anderen Seite, werden in der Antarktis auch deutlich niedrigere Temperaturen als in der Arktis gemessen. Während in der Arktis durchaus auch mal Werte unter -50 Grad gemessen werden, liegt in der Antarktis die inländische Jahresdurchschnittstemperatur bei -55 Grad. Dort wurde am 21. Juli 1983 mit -89,2 Grad die tiefste jemals gemessene Temperatur registriert.

Bevölkerungstechnisch sieht es sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis eher mau aus. Während in der Arktis immerhin bis zu 2 Millionen Menschen der Kälte trotzen, lebt in der Antarktis - wenn man mal von den dort tätigen Wissenschaftlern absieht - niemand. Dafür fühlen sich dort umso mehr Pinguine heimisch, die in freier Wildbahn nur auf der Südhalbkugel herumschwimmen und -watscheln. Eisbären haben sie dabei nicht zu fürchten, denn diese sind im arktischen Eis zuhause. 

Beim arktischen Eis handelt es sich übrigens um überwiegend mehrjähriges Eis. Es erstreckt sich im Nordwinter beinahe über das komplette Nordpolarmeer. Das Eis der Antarktis lässt sich dagegen hauptsächlich dem einjährigen Eis zuordnen, da es großen saisonalen Schwankungen unterliegt: Während sich die Eisfläche im Südsommer auf grob 4 Mio. km² erstreckt, nimmt sie im Südwinter fünf Mal so viel ein, also etwa 20 Mio. km². 

Bei uns in Deutschland wird in den kommenden Tagen neben der Hitze sicherlich auch Eis ein Thema werden, allerdings wohl hauptsächlich in Kugelform in Bechern und Waffeln.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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22.06.2015

Flugreisen und ihre Turbulenzen

Nicht nur Herbert Grönemeyer hat "Flugzeuge im Bauch" - für viele ist eine Flugreise ein reiner Nervenkitzel, Stichwort "Turbulenzen" oder "Luftloch". Flugzeuge sind aber so konstruiert, den auf sie einwirkenden Kräften Stand zu halten. Doch was sind diese Turbulenzen? Was ist Thermik? Das erläutern wird nachfolgend:
Nicht nur Herbert Grönemeyer hat "Flugzeuge im Bauch" - für viele ist eine Flugreise ein reiner Nervenkitzel, Stichwort "Turbulenzen" oder "Luftloch". Flugzeuge sind aber so konstruiert, den auf sie einwirkenden Kräften Stand zu halten. Doch was sind diese Turbulenzen? Was ist Thermik? Das erläutern wird nachfolgend:

Die meisten Menschen, die in ihrem Leben schon einmal geflogen sind, kennen das aufregende Gefühl beim Start einer Flugreise auf dem Rollfeld, wenn die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung auf das Ende der Startbahn zu rast und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die Adern, der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten verspürt man dann allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. Die einkehrende "Stille" kann jedoch täuschen.

Die meisten Flugreisenden werden sie schon erlebt haben. Aber nicht nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagen sie einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im allgemeinen Volksmund als "Luftloch" bezeichnet wird. Dabei handelt es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um Turbulenzen. Diese Turbulenzen sorgen für ein schnelles Auf- oder Absteigen, wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Die schweren Kolosse aus Metall sind konstruiert, um den auf sie einwirkenden Kräften Stand zu halten. Aber wodurch treten solche Turbulenzen in der Luft auf?

In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit (diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 km beispielsweise über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die sie samt Passagieren gründlich durchschütteln. 

Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei fehlender Luftfeuchtigkeit können Aufwinde auch ohne sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem Fall spricht man von "Blauthermik". Treffen Luftmassen mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder -richtungen in größeren Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten  diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen Augen nicht sichtbar sind. 

Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch kommt es zu einem Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden. 

Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen, also dort, wo warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinander treffen. Aktuell ist eine solche Frontalzone im Süden Deutschlands zu finden. Ausgehend von Tief OTTO, das von der Nordsee über Dänemark in Richtung Ostsee unterwegs ist, wurde die Bundesrepublik am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag zu großen Teilen von einem Tiefausläufer überquert. Dieser trennt warme Luftmassen, die zurzeit noch im Alpenvorland zu finden sind, von kälterer Meeresluft, die nachfolgend vom Atlantik über die Beneluxländer zu uns geführt werden. Entlang dieser Frontalzone schiebt sich die kalte unter die warme Luft, wodurch es zu Auf- und Absinkbewegungen der Luftmassen und entsprechenden Turbulenzen kommt. In den sonstigen Teilen Deutschlands sorgt die einfließende kühle und wolkenreiche Meeresluft für wiederholte Schauer und vereinzelte Gewitter. Wenn Sie also heute mit dem Flieger unterwegs sind, schnallen sie sich an! Der Flug könnte turbulent werden.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

08.06.2015

Ein abwechslungsreicher meteorologischer Sommeranfang

Die letzte Woche war gekennzeichnet von einer sommerlichen Wetterlage, die teils durchwegs Trockenheit brachte (und Bauern problemlos ihre Heuernte durchführen konnten), teils aber auch unwetterartige Gewitter (wie z.B. in Bretten oder Sindelfingen).
Die letzte Woche war gekennzeichnet von einer sommerlichen Wetterlage, die teils durchwegs Trockenheit brachte (und Bauern problemlos ihre Heuernte durchführen konnten), teils aber auch unwetterartige Gewitter (wie z.B. in Bretten oder Sindelfingen).

In der ersten Woche nach dem Beginn des meteorologischen Sommers Anfang Juni gestaltete sich das Wetter in Mitteleuropa sehr abwechslungsreich. Der vergangene Montag, der im Kalender als meteorologischer Sommeranfang vermerkt ist, startete in der Mitte und im Osten Deutschlands mit Regen. Genau in diesen Regionen wurde er auch lange herbeigesehnt, da der Mai dort sehr trocken ausfiel. Die drei Stationen des Deutschen Wetterdienstes mit dem geringsten Niederschlag im Mai 2015 waren in Thüringen (Drei Gleichen-Mühlberg), Rheinland-Pfalz (Stromberg) und Hessen (Geisenheim) zu finden. Allerdings reichte dieser Niederschlag bei Weitem nicht aus, um die Trockenheit zu beenden. Vielerorts blieb es sogar komplett trocken. Und das war es das dann auch schon mit dem für die Pflanzenwelt so wichtigen "Treibstoff". Der sich nach und nach durchsetzende Einfluss des Hochs WALBURGA vertrieb die meisten Wolken im Laufe der Woche und brachte am Freitag verbreitet Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Der gefallene Niederschlag war also eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Im Süden der Bundesrepublik sah das genau anders aus. Vor allem in Bayern und am Alpenrand brachte der Mai überdurchschnittlich viel "Nass", der Juni startete aber weitestgehend sonnig mit einzelnen Gewittern am Alpenrand. Auch in den südlichen Landesteilen waren Temperaturen am Freitag um 30 Grad keine Seltenheit. 

Der Norden blieb zu Beginn des meteorologischen Sommers allerdings vermehrt unter Wolken, nur hier und da zeigte sich mal die Sonne. Regen und kühlere Meeresluft sorgten dort vor allem in der ersten Hälfte der vergangenen Woche nicht gerade für sommerliche Hochstimmung. Aber auch im windigen Norden setzte spätestens am Donnerstag sommerliches Wetter ein. Das Quecksilber stieg dort am Freitag sogar ebenfalls auf Werte um 30 Grad an.

Was wäre jedoch ein meteorologischer Sommeranfang ohne ein kräftiges Gewitter? Zwar nicht pünktlich zum 01. Juni, aber dann zum vergangenen Wochenende hin wurde Hoch WALBURGA mehr und mehr von Tief LOTHAR verdrängt. Vor dem Tiefausläufer von LOTHAR wurden mit einer südwestlichen Strömung zunehmend feucht-warme Luftmassen subtropischen Ursprungs nach Deutschland geführt, die bereits am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag für gewittrige Entladungen mit Starkregen sorgten. Unter anderem wurde in der Nacht zum Samstag die Großveranstaltung "Rock am Ring" mit knapp 90.000 Besuchern in Mendig (Rheinland-Pfalz) von Gewittern getroffen, sodass kurzzeitig das Programm unterbrochen werden musste. Zudem sorgte die eingeflossene Warmluft örtlich sogar für die erste Tropennacht in diesem Jahr mit Tiefstwerten von 21 Grad im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern.

Am Samstagmorgen zogen die Gewitter südostwärts, schwächten sich allerdings etwas ab und legten am Vormittag sogar eine kurze Pause ein. Mit Einsetzen des Tagesgangs, d.h. mit zunehmender Sonneneinstrahlung, nahm die Gewitteraktivität allerdings am Mittag und Nachmittag vor allem in südlichen und östlichen Landesteilen der Bundesrepublik wieder zu.

Im äußersten Süden Bayerns, besser gesagt in Elmau, wo sich am gestrigen Sonntag Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel die Hände schüttelten, gab es bereits am Samstagmorgen ein kurzes Gewitter und auch am Samstagabend bekamen die bereits angereisten Zuschauer, Helfer und Gäste erneut Gewitter mit einer "himmlischen Dusche" ab. Diese Gewitter zogen in der Nacht zum Sonntag unter nordöstlicher Verlagerung ab.

Rückseitig des von LOTHAR ausgehenden Tiefausläufers floss deutlich kühlere Luft vom Atlantik ein und brachte am Sonntag in weiten Teilen Deutschlands eine Wetterberuhigung. Der einsetzende Einfluss des nächsten Hochs XENIA über dem Nordatlantik vertrieb am Vormittag die Wolken und sorgte von Westen her wieder für verbreitet sonniges Wetter. Der Süden Deutschlands lag allerdings noch vor dem Tiefausläufer. In der dort nach wie vor schwül-warmen Luftmasse traten auch am Sonntagnachmittag vor allem südlich der Donau weitere Gewitter mit kräftigem Starkregen und Hagel auf. 

Am heutigen Montag setzt sich in der Nordhälfte der Hochdruckeinfluss von XENIA weiter fort und sorgt für heiteres und trockenes Wetter. In den südlichen Landesteilen gibt es im Bereich der dort verharrenden Luftmassengrenze bei starker Bewölkung immer wieder Schauer, kräftige Gewitter und Starkregen, die zum Abend hin etwas nach Norden ausgreifen. Vor allem am Alpenrand muss heute und am morgigen Dienstag weiterhin mit einzelnen Gewittern mit Starkregen sowie Hagel gerechnet werden. In der zweiten Wochenhälfte setzt sich voraussichtlich wieder überall wärmere Luft durch.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

01.06.2015

Der Sommer kommt und mit ihm das Ozon?!

Sommerzeit - Luftballons - Sonne - Freude! Wirklich ungetrübt? Das chemische Element "Ozon" (O3, auch als „Trisauerstoff“ bekannt) ist ein unerwünschter Begleiter in den Sommermonaten. Was das bedeutet, erklären wir heute hier bei uns.
Sommerzeit - Luftballons - Sonne - Freude! Wirklich ungetrübt? Das chemische Element "Ozon" (O3, auch als „Trisauerstoff“ bekannt) ist ein unerwünschter Begleiter in den Sommermonaten. Was das bedeutet, erklären wir heute hier bei uns.

Herrlich, es ist (meteorologischer) Sommeranfang und das zieht die Menschen hinaus ins Freie. Mit zunehmender Sonnenscheindauer und steigenden Temperaturen fällt vor allem zwischen Mai und September auch wieder häufiger der Begriff "Ozon". Was hat es mit diesem farblosen Gas nun auf sich? Ozon setzt sich aus drei Sauerstoffatomen zusammen und liegt in der Atmosphäre ausschließlich als Gas vor. Die höchste Ozonkonzentration in unserer Atmosphäre befindet sich in einer Höhe zwischen 15 und 30 km über dem Erdboden - besser bekannt als Ozonschicht. Die bodennahe Konzentration beträgt im Allgemeinen unter 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Allerdings wird die Ozonproduktion am Boden besonders während Schönwetterperioden, in denen hohe Temperaturen mit viel Sonneneinstrahlung über mehrere Tage hinweg herrschen, angeregt. Unter solchen atmosphärischen Bedingungen kommt es dann zu einer erhöhten Ozonkonzentration. 

An der bodennahen Ozonproduktion (Ozon wird nicht direkt ausgestoßen) sind verschiedene, komplexe Prozesse und chemische Verbindungen beteiligt. Hauptverantwortlich hierfür sind Stickoxide sowie die sogenannten Ozon-Vorläuferstoffe: flüchtige organische Kohlenstoffverbindungen (engl. volatile organic compounds, kurz: VOCs). Der anthropogene Anteil dieser Substanzen stammt dabei aus dem Straßenverkehr, aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sowie aus der Verwendung lösungsmittelhaltiger Farben und Lacke. Durch die Einstrahlung der Sonne wird Stickstoffdioxid (NO2) aufgespalten zu Stickstoffmonoxid (NO) und Sauerstoff (O). Diesen Prozess bezeichnet man auch als "Photolyse". Als Produkt dieser Reaktion verbindet sich das hochreaktive Sauerstoffatom (O) mit dem in der Atmosphäre vorhandenen molekularen Sauerstoff (O2) zu Ozon (O3). Das so entstandene Ozon wiederum reagiert nun mit dem produzierten Stickstoffmonoxid (NO) zurück zu Stickstoffdioxid (NO2) und Sauerstoff (O2). Somit wird das produzierte Ozon immer wieder abgebaut und es liegt ein geschlossener Kreislauf vor. Nach Sonnenuntergang fehlt zusätzlich die solare Einstrahlung, von der die Photolyse und letztlich auch die Produktion von Ozon abhängt. Bei diesem Kreislauf werden zunächst jedoch keine zusätzlichen Mengen an Ozon gebildet. 

Bei einer stabilen sommerlichen Hochdrucklage über mehrere Tage hinweg verlagert sich das Gleichgewicht zur höheren Ozonproduktion. Weitere sogenannte katalytische Kreisläufe werden durch erhöhte Sonneneinstrahlung besonders stark angeregt, wodurch vor allem durch die VOCs weiteres Stickstoffdioxid (NO2) produziert wird. Dieses zusätzlich produzierte Stickstoffdioxid sorgt dann durch weitere Photolyse für die hohen, bodennahen Ozonkonzentrationen. Kommt es am Boden zu stark erhöhten Mengen an Ozon, kann das Gas mit seiner oxidierenden Wirkung negative Auswirkungen auf die Pflanzenwelt sowie die Gesundheit des Menschen nehmen. Beispielsweise bei größeren Anstrengungen dringt das nur gering wasserlösliche Ozon tief in die Lungenperipherie ein. Die höchsten Ozonkonzentrationen treten jedoch vermehrt im Abluftbereich von Ballungsräumen, d.h. am Stadtrand und in den angrenzenden ländlichen Gebieten, auf. Die Informationsschwelle, bei der die Bevölkerung über erhöhte bodennahe Ozonwerte informiert werden muss, liegt bereits bei 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft, da etwa 10 % der deutschen Bevölkerung besonders empfindlich auf diese Mengen reagieren. Darunter sind hauptsächlich Kinder und ältere Menschen sowie Menschen mit einer Atemwegserkrankung. Ab einer Konzentration von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird dann zum Schutz der Gesamtbevölkerung gewarnt. 

Typische Erscheinungen, die bei erhöhten Ozonkonzentrationen auftreten können, sind Kopfschmerzen, Augenbrennen, Atembeschwerden sowie eine Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Grundsätzlich liegt die höchste Ozonkonzentration am Nachmittag vor. Das hängt, wie oben bereits beschrieben, mit der Sonneneinstrahlung zusammen, die am Mittag am höchsten ist, wodurch die Ozonproduktion dann besonders stark angeregt wird. Entsprechend sollte man sich vor allem nachmittags schonen und die Aufenthaltszeit im Freien möglichst gering halten. Beste Zeit also für ein Mittagsschläfchen. Alle, die nicht auf ihre sportlichen Aktivitäten verzichten wollen, legen sich diese besser in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Dann ist auch die beste Zeit zum Lüften der eigenen Wohnung, um die Ozonkonzentration in den eigenen vier Wänden möglichst niedrig zu halten. 

Aktuell gestaltet sich das Wetter noch eher wechselhaft. Der Blick indie zweite Wochenhälfte lässt die Sonnenkinder aber endlich jubeln. Bereits am Mittwoch steigt die Sonnenscheindauer vor allem im Süden Deutschlands an, sodass dort vielleicht sogar schon die 30-Grad-Marke geknackt wird. Aber Grund zur Sorge wegen erhöhter Ozonkonzentration besteht zurzeit noch nicht. Unter www.dwd.de/tagesthema finden Sie die aktuellen Prognosen der maximalen 8-Stunden-Mittelwerte der Ozonkonzentration in Deutschland für Dienstag und Mittwoch (Quelle: www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten).

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

28.05.2015

Wenn die Luft zu dünn wird...

Sportlich, sportlich... auf der Tartanbahn des Sportplatzes auf normaler Meereshöhe sollte es für Euch ja kein Problem sein, die 100 Meter in unter 10 Sekunden zu laufen (der Weltrekord liegt bei 9,58 Sekunden)? Aber habt ihr es schon mal in den Bergen auf der Almhütte versucht? Schwindelig geworden? Kein Wunder, denn je höher wir kommen, um so mehr laufen wir Gefahr der "Höhenkrankheit" zu erlegen.
Sportlich, sportlich... auf der Tartanbahn des Sportplatzes auf normaler Meereshöhe sollte es für Euch ja kein Problem sein, die 100 Meter in unter 10 Sekunden zu laufen (der Weltrekord liegt bei 9,58 Sekunden)? Aber habt ihr es schon mal in den Bergen auf der Almhütte versucht? Schwindelig geworden? Kein Wunder, denn je höher wir kommen, um so mehr laufen wir Gefahr der "Höhenkrankheit" zu erlegen.

Noch vier Mal schlafen, dann beginnt zumindest für uns Meteorologen der Sommer! Mit bundesweit richtig sommerlichem Wetter ist in den nächsten Tagen allerdings nicht zu rechnen. Es bleibt eher unbeständig, windig und die 25 Grad Marke wird - wenn überhaupt - nur vereinzelt geknackt. Nichtsdestotrotz zieht es viele Wanderfreunde in die Berge, vielleicht auch, um der dicken Luft im Alltag vor allem in Ballungsräumen zu entfliehen. Zu dünne Luft ist aber ebenfalls nicht gesund: "Höhenkrankheit" ist das Stichwort.

Die Luft ist ein Gasgemisch, das zu etwa 21 % aus dem für uns lebenswichtigen Sauerstoff besteht. Auf die Luftmoleküle wirkt - genauso wie auf uns Menschen - die Schwerkraft. Daher sind in den bodennahen Schichten die meisten Luftmoleküle zu finden. Je weiter man dagegen in die Höhe steigt, desto weniger Moleküle sind in der Luft vorhanden und dementsprechend geringer ist auch der Luftdruck. Die partielle Zusammensetzung der Luft ist zwar in der Höhe nahezu unverändert, die Anzahl ihrer Moleküle (und damit auch der Sauerstoffgehalt) aber geringer.

Erst ab etwa 2500 m über dem Meeresniveau wirkt sich der Sauerstoffmangel spürbar auf den menschlichen Körper aus. Bereits in dieser Höhe kann vor allem bei nicht genügend akklimatisierten Personen die sogenannte akute Höhenkrankheit auftreten. Diese äußert sich beispielsweise durch Kopfweh, Übelkeit und/oder Schwindelgefühle. Oberhalb von etwa 3500 m (ü. NN.) kann es dann richtig gefährlich werden. Die Wahrscheinlichkeit an der Höhenkrankheit zu erkranken steigt rapide an. Auch die Bildung von Ödemen in Lunge oder Gehirn sind möglich, was im schlimmsten Fall tödlich ausgehen kann. In diesen Höhen ist es also umso wichtiger, seinem Körper die Zeit zu geben, sich der dünneren Luft anzupassen. Dabei ist die körpereigene Fitness übrigens nicht ausschlaggebend. Entscheidend sind Aufstiegsgeschwindigkeit (je langsamer, desto besser), erreichte Höhe (v.a. die Übernachtungshöhe) und die eigene Empfindlichkeit.

Für die kurzfristige Anpassung beschleunigt der Körper die Atmung, um dem eigenen Sauerstoffbedarf gerecht zu werden. Bei mehrtägigem Aufenthalt in großen Höhen beginnt er dann mit der Produktion roter Blutkörperchen, um mehr Sauerstoff pro Zeit in den Blutbahnen transportieren zu können. Doch oberhalb von etwa 7000 m (ü. NN.) würde selbst die beste Akklimatisation nichts mehr bringen, denn ab dieser Höhe kann der Körper den eigenen Sauerstoffbedarf kaum mehr decken, sodass er unweigerlich abbaut, was letztendlich für die meisten Menschen den sicheren Tod zur Folge hätte. Man spricht deshalb in diesen Höhen auch von der sogenannten Todeszone.

Zu dünne Luft ist also sehr schädlich, zu dicke ist vermutlich aber auch nicht wirklich förderlich. Ein Kompromiss wäre vielleicht ein Aufenthalt in einer urigen Almhütte auf z. B. 1500 m. Ob das gesünder ist, sei dahingestellt, gemütlicher wäre es aber auf jeden Fall.

Hinweis: Nähere Informationen zum Thema Höhenkrankheit findet Ihr auf der Webseite des "Hermann Buhl Trainings- & Forschungszentrum".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

21.05.2015

Sommerwetter auf Abwegen

Heiße Temperaturen gibt es derzeit nur im Süden Europas. In den deutschsprachigen Ländern ist es momentan eher kühl und leicht unbeständig.
Heiße Temperaturen gibt es derzeit nur im Süden Europas. In den deutschsprachigen Ländern ist es momentan eher kühl und leicht unbeständig.

Nachdem die vergangenen Tage in Sachen Sommerwetter kaum etwas zu bieten hatten, werden auch die nächsten Tage vermutlich wenig sommerlich. Es ist zwar noch Frühling (der meteorologische Sommer beginnt am 1. Juni), Ende Mai ist es sonst aber nicht selten schon sommerlich warm. Bis zum Ende dieses Monats gibt es jedoch nur spärliche Hinweise, dass eine sommerliche Episode anstehen könnte.

Seit vergangener Woche Donnerstag (14. Mai 2015) meldeten nur drei Stationen in Deutschland eine Tageshöchsttemperatur von mehr als 25 Grad, also einen Sommertag. Diese Temperatur wurde am vergangenen Montag (18. Mai 2015) knapp erreicht, wobei alle drei Stationen in Bayern lagen. Kitzingen markierte mit 25,2 Grad den höchsten Wert. Inzwischen wurde die warme Luft jedoch auch aus Bayern abgedrängt und durch deutlich kühle und feuchte Luftmassen ersetzt, die dort zu Dauerregen geführt haben und noch weiter führen werden. Im Dauerregen stieg die Temperatur zum Teil nur auf herbstlich anmutende 5 bis 9 Grad. In den etwas höher gelegenen Alpenregionen oberhalb von etwa 1000 m kamen zum Teil sogar Schneeflocken vom Himmel, ab 1500 m bildete sich gebietsweise eine geschlossene Schneedecke.

Der heutige Donnerstag und morgige Freitag sind weiterhin vom sich allmählich aber abschwächenden Dauerregen im Südosten geprägt, wobei es dort mit kaum zweistelligen Höchstwerten sehr kühl bleibt und eine warme Jacke unbedingt zu empfehlen ist. Auch in den anderen Teilen Deutschlands macht sich die eingeflossene kühle Meeresluft weiterhin bemerkbar, Temperaturen knapp über 20 Grad werden daher wohl nur vereinzelt im Westen und Südwesten erreicht. Immerhin gibt es außerhalb des Dauerregens im Südosten oft längeren Sonnenschein, sodass in der jetzt schon kräftigen Sonne eine wärmende Wirkung sicherlich zu spüren sein wird.

Für das Pfingstfest sieht es ähnlich aus (siehe Thema des Tages vom gestrigen Mittwoch, zu finden im Archiv unter http://www.dwd.de/tagesthema): Temperaturen in einer Spanne von 15 
bis 22 Grad, im Südosten bei abklingendem Dauerregen aber noch kühler. Sonst zum Teil länger Sonnenschein, ab Montag aber örtlich Schauer und Gewitter.

Ein Blick auf das Wetter nach Pfingsten zeigt, dass die Temperaturen bis zum Ende des Monats tagsüber weiterhin eher in einem Bereich zwischen 15 und 22 Grad zu erwarten sind. Die 25-Grad-Schwelle scheint damit in weiter Ferne, gleichwohl ist jedoch zu sagen, dass die Vorhersageunsicherheiten vor allem ab Dienstag deutlich zunehmen. Dabei offerieren die verschiedenen Wettermodelle durchaus auch sehr warme Varianten, die allerdings deutlich in der Unterzahl und daher nicht so wahrscheinlich sind.

Sucht man das Sommerwetter in Deutschland daher in den nächsten Tagen
also wohl vergeblich, sieht es in anderen Teilen Europas ganz anders
aus. Warm ist es z. B. im Südwesten der Iberischen Halbinsel, aber
auch in einem Streifen von Griechenland und der Türkei bis nach
Russland. Dort sind Temperaturen über 25 Grad, in Südosteuropa auch
über 30 Grad keine Seltenheit. Bleibt für die Sommerwetterfans unter
uns zu hoffen, dass die warme Luft bald nach Deutschland zurückkehrt.
Vielleicht ja passend zum Sommeranfang am 1. Juni. Ansonsten können
sich eben alle die Menschen freuen, die sich bei der zurzeit
vorherrschenden Witterung wohler fühlen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

 

18.05.2015

"Cumulonimbus mamma" als Gewittervorboten"

Mammatuswolken oder auch Gewittersäcke genannt, treten am Rande mächtiger Gewitterwolken auf.
Mammatuswolken oder auch Gewittersäcke genannt, treten am Rande mächtiger Gewitterwolken auf.

 

 

 

Vergangene Woche wurde wettertechnisch so einiges dargeboten: Von Gewittern mit eindrucksvollen Blitzen, über Stark- und Dauerregen, orkanartigen Windböen über 100 Kilometer pro Stunde, Hagelkörner so groß wie Golfbälle bis hin zu Tornados stellten sich deutschlandweit imposante Wetterphänomene zur Schau. Am Rande des Schauplatzes trat aber auch ein weiteres interessantes, vielleicht weniger bekanntes Phänomen auf - die sogenannten Mammatuswolken. Nicht nur für Meteorologen steht beim Verlassen der eigenen vier Wände der Blick zum Himmel auf der Tagesordnung. Und dabei kann man so einiges entdecken. Von "strahlendem Blau" bis hin zu Wolken in den unterschiedlichsten Formen und Variationen ist für jeden Wetterliebhaber etwas geboten. Besonders aufmerksamen Beobachtern fallen dabei Wolkenformationen auf, die nicht unbedingt alltäglich erscheinen. Per Email erreichten uns vergangene Woche Bilder eines sehr schönen Phänomens aus dem Raum Freiburg. Eine Wolkenform, die als Mammatuswolke bezeichnet wird oder genauer gesagt: Cumulonimbus mamma.

Auf den Arbeiten des englischen Apothekers Luke Howard (1772 - 1864) basierend, teilt man laut Internationalem Wolkenatlas der Weltorganisation für Meteorologie die zehn lateinisch benannten Wolkengattungen entsprechend der Höhe ihres Auftretens in der Atmosphäre auf. Dabei handelt es sich um vier sogenannte "Stockwerke", in denen die entsprechenden Wolkengattungen am häufigsten auftreten. Im untersten Stockwerk (0 - 2 km) sind dies Gattungen wie Stratocumulus und Stratus, im mittleren Stockwerk (2 - 7 km) treten hauptsächlich Altostratus und Altocumulus auf und im höchsten Stockwerk (5 - 13 km) findet man häufig Cirrus, Cirrocumulus sowie Cirrostratus vor. Mit dem vierten und letzten Stockwerk beschreibt man hochreichende Wolken wie Cumulus, Nimbostratus oder Cumulonimbus (Gewitterwolken), die sich über mehrere Stockwerke 

erstrecken können. Die zehn Wolkengattungen lassen sich dann mit vierzehn Wolkenarten, neun Unterarten und neun Sonderformen näher  charakterisieren. Im heutigen Thema des Tages interessieren wir uns aber für eine bestimmte Wolkengattung - Cumulonimbus - mit ihrer Sonderform "mamma". Allgemein kennt man sie auch als Mammatuswolken, wobei "Mammatus" vom lateinischen Wort "mamma" abgeleitet ist und übersetzt Brust bzw. Euter bedeutet. Diesen Namen verdankt diese Sonderform sicherlich ihrem Aussehen: brust- oder beulenartige Ausbuchtungen meist an der Wolkenuntergrenze. Aber nicht nur Cumulonimbus-Wolken treten mit der 

Eigenschaft mamma auf, auch Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus-, Altostratus- oder Stratocumulus-Wolken können sich im "blasenförmigen

Kleid" zeigen. In der beigefügten Fotografie (siehe www.dwd.de/tagesthema, Foto: Bernhard Keller) handelt es sich um Mammati an der Unterseite einer Cumulonimbuswolke, die über den Raum Freiburg hinweg zogen. Bis zum heutigen Tag gab es einige Erklärungsversuche und Spekulationen über den Entstehungsmechanismus dieses sehenswürdigen Phänomens, allerdings konnte bisher keine Theorie bewiesen werden. Man geht davon aus, dass es sich bei den Beulen um Kaltluftblasen handelt. Unter anderem wird spekuliert, dass Niederschlagspartikel eine Rolle bei der Bildung dieses Wolkenphänomens spielen. Aus der Wolke, die kälter und wesentlich feuchter ist, als die darunter liegende Luftschicht, fallen Niederschlagspartikel, die an der Wolkenuntergrenze in eine trockene, wärmer Luftschicht gelangen und  dort sehr schnell verdunsten (Übergang aus der flüssigen zur gasförmigen Phase) oder sublimieren (direkter Übergang aus der festen zur gasförmigen Phase ohne "Zwischenstufe" flüssig). Der Verdunstungs- bzw. Sublimationsprozess entzieht dabei der Umgebungsluft Energie, wodurch sich diese abkühlt und die Wolkenluft nach unten "reißt". Durch thermische Umlagerungen entstehen dann die nach unten gerichteten beulenförmigen Ausbuchtungen an der Wolkenunterseite. 

Die am vergangenen Mittwoch im Süden Freiburgs aufgetretenen Cumulonimbus mamma waren jedoch nicht nur faszinierend anzusehen, fast wie in einem Science-Fiction-Film. Sie traten sozusagen als Vorboten der von Frankreich her aufziehenden Gewitter mit heftigem Starkregen, Sturmböen und Hagel auf, die im weiteren Verlauf südostwärts Richtung Bodensee weiterzogen. Dabei kam es sogar zur Entwicklung von Tornados, die für heftige Schäden sorgten. Sollten Sie also zufällig in den Genuss dieser außerordentlich schönen, allerdings nicht allzu häufig auftretenden Wolkenform kommen, behalten Sie im Hinterkopf, dass diese von heftigen Gewittern gefolgt werden könnten.

 

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

 

15.05.2015

Ist der Mai wirklich ein Wonnemonat?

Der Wonnemonat Mai zeigt sich nicht immer von seiner sonnigen Seite. Er steht auch für den Beginn der Gewittersaison in Deutschland und den Alpenländern.
Der Wonnemonat Mai zeigt sich nicht immer von seiner sonnigen Seite. Er steht auch für den Beginn der Gewittersaison in Deutschland und den Alpenländern.

 

Verkommt der als "Wonnemonat" bekannte Mai zunehmend zum Gewitter- 
oder Regenmonat? Nachdem die ersten Monate des Jahres 2015, allen voran der Februar und der April, in weiten Teilen von Deutschland teils deutlich zu trocken ausfielen, scheint der Mai vielerorts wieder den Wasserhaushalt aufzufüllen. Wie schon im Mai der letzten beiden Jahre überwiegen auch in der ersten Maihälfte dieses Jahres in vielen Regionen von Deutschland wieder Stark- und Dauerregenfälle. 

Im den Maimonaten 2013 und 2014 lag Deutschland häufig am Rande bzw. 
im Zentrum eines hochreichenden Tiefdruckgebietes. In der Höhe bildete sich resultierend daraus eine südwestliche bis südliche, 2014 teilweise auch auf Ost drehende Strömung aus. Auch durch die südliche Grundströmung in Bodennähe konnte warme und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland transportiert werden, die durch den Tiefdruckeinfluss für länger anhaltende Regenfälle oder Schauer und Gewitter sorgte. 

Besonders hohe Niederschlagsmengen im Mai 2013 fielen, als Deutschland am Rande eines Höhentiefs lag, dessen Zentrum sich von den Westalpen über Oberitalien hinweg nordostwärts verlagerte. Während sich in der Höhe eine südöstliche, im weiteren Verlauf allmählich auf Ost drehende Strömung entwickelte, machte sich in Bodennähe zusehends der Einfluss eines Tiefs bemerkbar, das von den Ostalpen nach Böhmen zog. An dessen Westflanke stellte sich eine nordwestliche bodennahe Strömung ein. Die daraufhin nahezu vorhandene Gegenläufigkeit der Strömungen zwischen den bodennahen Schichten und denen in der Höhe generierte einen zusätzlichen Antrieb zum Aufsteigen der feuchten Luftmasse. In der Folge griffen teils heftige gewittrige Starkregenfälle von Osten her auf das Bundesgebiet über, 
die sich im weiteren Verlauf als schauerartig durchsetzter Dauerregen auf die mittleren Gebiete ausbreiteten. Vor allem in Sachsen und Bayern regnete es über Tage hinweg länger anhaltend. In 48 Stunden fielen damals vielerorts Regenmengen zwischen 100 und 200 Liter pro Quadratmeter, die gebietsweise zu Überschwemmungen führten.

Auch in 2014 war eine ähnliche längere Zeit vorherrschende Wetterlage für verhältnismäßig hohe Regenmengen verantwortlich. Damals verlagerte sich ein Höhentief unter Ausweitung von Westeuropa weiter nach Osten. Dabei unterstützte es die Entstehung einer Tiefdruckzone am Boden, die sich von Irland bis zum Balkan erstreckte. Nördlich davon stellte sich eine östliche, südlich davon eine westliche Strömung ein. Eingebettet in die Tiefdruckrinne war eine Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands, die quasistationär über mehrere Tage hinweg aktiv blieb. An dieser bildeten sich wiederholt 
schauerartige Niederschläge, die zeitweise mit teils unwetterartigen  Gewittern einher und im weiteren Verlauf in einen schauerartig durchsetzten Dauerregen übergingen. Vor allem in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über Hessen und Thüringen hinweg bis nach Sachsen fielen gebietsweise ergiebige Regenmengen. Im weiteren Verlauf verlagerte sich der Schwerpunkt der Niederschläge etwas weiter nach Norden, sodass auch im südlichen Bereich von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg beträchtliche Regenmengen zusammen kamen. 

Und wie sieht es in diesem Jahr aus?

Auch der Mai 2015 zeigt sich bisher in vielen Regionen eher von seiner eher nassen Seite. Allerdings sind die Niederschläge derzeit noch sehr ungleichmäßig verteilt. Während in der Mitte des Landes zur Halbzeit des Mais teilweise weniger als 25% des Referenzwertes des vieljährigen Mittels gefallen sind, weisen einzelne Gebiete im Norden und im Süden von Deutschland jetzt schon einen Regenüberschuss von bis zu 40% auf. Besonders nass fiel der Mai in Laage (Mecklenburg-Vorpommern) aus, wo schon über 200% der üblichen Regenmenge im Mai registriert wurden. Ein Großteil fiel dabei mit Durchzug eines Unwettergewitters am 5. Mai, das westlich davon sogar mit einem Tornado verbunden war und zu großen Schäden führte. Im Mittel fällt der Mai mit etwa 40% des Niederschlagssolls derzeit allerdings noch etwas zu trocken aus. 

"Wonnig" sieht in einigen Regionen Deutschlands -zumindest was die letzten Jahre betrifft-irgendwie anders aus!

 

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

 

12.05.2015

Ausflugswetter am Himmelfahrtstag?

Unbeständiges Wetter gibt es am Vatertag, vor allem im Süden von Deutschland.
Unbeständiges Wetter gibt es am Vatertag, vor allem im Süden von Deutschland.

 

Am Donnerstag steht der nächste gesetzliche Feiertag im Mai 2015 an: Christi Himmelfahrt. Neben der christlichen Bedeutung, nämlich der Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes und anschließender Auffahrt zu seinem Vater in den Himmel, hat sich der 40. Tag nach Ostern in Deutschland zum Vater-, Männer- bzw. Herrentag entwickelt. Entsprechend der Jahreszeit werden zu diesem Anlass viele Freiluftaktivitäten geplant, sei's als reine Männerausflüge oder als Ausflüge mit der ganzen Familie. Daher soll an dieser Stelle auf das Wetter am Himmelfahrtstag geschaut werden:

 

Der Donnerstag beginnt in der Mitte Deutschlands häufig gering bewölkt oder sogar wolkenlos und damit sehr freundlich. Im Norden sind die Wolken zunächst noch dichter und gelegentlich kann es vor allem von Mecklenburg-Vorpommern bis ins nördliche Brandenburg leicht regnen. Auch im Süden, etwa südlich der Donau, kommt es bei wolkigem Himmel noch aus der Nacht heraus zu Schauern und lokalen Gewittern, die im Laufe des Vormittages aber vorübergehend nachlassen oder gar abklingen.

Im weiteren Tagesverlauf zieht von Südwesten zunehmend kompaktere Bewölkung auf, so dass dann ab den Mittagsstunden bis in den Westen Schauer auftreten können, die sich bis zum Abend etwa bis zu einer Linie Niederrhein Rhön-Berchtesgadener Land ausbreiten. Lokal auch kräftigere Gewitter sind dann vor allem nach Süden hin möglich. Die Zone mit größeren Wolkenlücken verlagert sich von der Mitte Deutschlands zunehmend in den Nordosten. Die Sonne zeigt sich wahrscheinlich am häufigsten vom westlichen Nordrhein-Westfalen über das südliche Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und bis ins südliche Brandenburg sowie an Nord- und Ostsee. Besonders wenig Sonne wird dagegen im Süden, südlich einer Linie Karlsruhe-Regensburg, zu sehen sein.

Bei überwiegend schwachem Wind aus westlichen Richtungen steigen die  Temperaturen in der Nordhälfte Deutschlands auf 14 bis 18 Grad, an den Küsten von Nord- und Ostsee nur auf 10 bis 13 Grad. Im Süden liegen noch Reste der etwas wärmeren Luftmasse der Vortage, so dass dort trotz nur wenig Sonnenschein Höchsttemperaturen zwischen 18 und 24 Grad zu erwarten sind. Im Süden weht allerdings auch der Wind etwas böiger, im höheren Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb sowie in höheren Lagen der Alpen treten sogar starke bis stürmische Böen, in exponierten Lagen auch Sturmböen auf.

 

Soweit zu den Wetteraussichten für den Donnerstag, mit denen die Pläne für den Himmelfahrtstag vielleicht konkretisiert oder angepasst werden können. Also machen Sie das Beste aus den zwar nicht genialen, aber durchaus auch nicht ganz so schlechten Aussichten...

 

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

07.05.2015

Nach den Unwettern: Die Zeit der Tornado-Aufklärung

Mindestens 2, wenn nicht gar 5 Tornados wurden am Dienstag, 05. Mai 2015, in Norddeutschland (Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern) gesichtet. Ob Es Tornados waren, erfordert eine genaue Analyse der Schadensereignisse sowie "Sichtereignisse". © Grafik: www.dwd.de
Mindestens 2, wenn nicht gar 5 Tornados wurden am Dienstag, 05. Mai 2015, in Norddeutschland (Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern) gesichtet. Ob Es Tornados waren, erfordert eine genaue Analyse der Schadensereignisse sowie "Sichtereignisse". © Grafik: www.dwd.de

Zwei Tage nach den zum Teil schweren Gewittern in der Nordhälfte Deutschlands geht es vielerorts noch darum, die Schäden zu beseitigen - und das, was passierte, zu analysieren. Denn gerade den Tornados, die zwar besonders schadensträchtig sind, sich aber meist nur sehr kleinräumig auswirken, gebührt besondere Aufmerksamkeit bei der Nachbetrachtung der Unwetter. Handelt es sich bei den Verdachtsfällen tatsächlich um einen Tornado, oder sind die Schäden durch andere Wetterphänomene verursacht worden?

Am Dienstag, den 5. Mai 2015, zog eine markante Gewitterlinie über weite Teile Norddeutschlands hinweg. Heftiger Starkregen, mitunter großkörniger Hagel bis 5 cm und schwere Sturmböen waren mit von der Partie. Vereinzelt traten sogar Orkanböen auf. In die Gewitterlinie eingebettet waren besonders intensive Gewitterzellen, sogenannte Superzellen. Aufgrund der ganz spezifischen Struktur dieser Gewitter besteht dort, wo eine solche Superzelle aufzieht, eine besonders hohe Tornadogefahr. 

Insgesamt fünf Tornado-Verdachtsfälle wurden seit Dienstag allein über Deutschland auf unterschiedlichsten Wegen gemeldet (siehe die Übersichtskarte). In zwei Fällen wurde eine rotierende Luftsäule, die von der Wolke bis zum Erdboden reicht (nur dann ist es de facto ein Tornado), per Foto oder Video festgehalten. Meist handelt es sich aber um Augenzeugenberichte, zum Teil existieren Fotos und Videos von dem durch den vermeintlichen Tornado verursachten Schaden. In letzteren Fällen müssen für die Aufklärung zwingend weitere Recherchen und Untersuchungen der Schäden folgen.

Die Tornadoschäden sind recht spezifisch und unterscheiden sich von Schäden, die beispielsweise den auch fernab eines Tornados auftretenden Sturm- oder Orkanböen zuzuordnen sind. So verursachen Tornados vielfach eine Schneise der Verwüstung, die in Extremfällen viele Kilometer lang, teilweise aber auch unterbrochen sein kann. Außerhalb dieser Schneise sind die Schäden deutlich geringer, mitunter lassen sich sogar keine Schäden finden. Ganz typisch sind auch unterschiedliche Fallrichtungen von Bäumen und die sehr weite Verfrachtung von Gegenständen. 

Zwei der fünf Verdachtsfälle gelten bereits als bestätigt. Nahe Rampe bei Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern wurde um 18:20 Uhr ein Tornado gefilmt. Der Bodenkontakt der rotierenden Luftsäule erscheint durch die auf dem Video deutlich sichtbaren Aufwirbelungen von Material als gesichert. Gut zwanzig Minuten später ereignete sich ein weiterer Tornado in einem Gebiet zwischen Schwerin und Rostock, der weitaus häufiger und besser dokumentiert wurde. Der Tornado zog unter anderem durch die Kleinstadt Bützow und sorgte dort für verheerende Schäden. 

Noch unklar sind die weiteren drei Fälle in Ganderkesee (Niedersachsen, ca. 16 Uhr), Groß Laasch und Kreien (beide Mecklenburg-Vorpommern zwischen 18:20 und 18:40 Uhr). Darüber hinaus ist noch nicht gesichert, ob es sich wirklich um weitere drei voneinander unabhängige Tornadoereignisse handelt. Es ist durchaus denkbar, dass es sich bei den Fällen Groß Laasch und Kreien um einen "springenden" Tornado handelte, der keine durchgehende, sondern eine unterbrochene Schneise verursachte. Es ist nicht auszuschließen, dass dies auch für die beiden bestätigten Meldungen Rampe und Bützow gilt. Denn hier war ein und dieselbe Superzelle Geburtsstätte der beiden Tornados. 

Es liegt also noch viel Arbeit vor den Experten, die sich die Aufklärung von Tornado-Verdachtsfällen auf die Fahne geschrieben haben. Die Liste der Verdachtsfälle scheint in den nächsten Tagen wenigstens nicht länger zu werden. Zwar muss immer wieder mal mit Schauern und kurzen Gewitter gerechnet werden, diese werden allerdings nicht so heftig ausfallen wie am vergangenen Dienstag.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

30.04.2015

April, April, der weiß nicht, was er will!

Links April - rechts April. Schneebedeckte Blätter, frische Apfelbaumblüten. Beides ist im April "normal". Warum das so ist bzw. sein kann, woher also der "launische Ruf" des April stammt, erklären wir heute und hier auf schulwetter.com!
Links April - rechts April. Schneebedeckte Blätter, frische Apfelbaumblüten. Beides ist im April "normal". Warum das so ist bzw. sein kann, woher also der "launische Ruf" des April stammt, erklären wir heute und hier auf schulwetter.com!

Heute soll - sozusagen kurz vor Schluss - das typische Aprilwetter genauer unter die Lupe genommen werden. Nachdem der April in diesem Jahr über weite Strecken seinem Ruf nicht gerecht wurde und anstatt wechselhaftem Schauerwetter mit Sonnenschein und Trockenheit punktete, ließ er in der letzten Monatswoche nochmal seine Muskeln spielen und zeigte sich launisch wie eh und je. Mit Sonne und Wolken im Wechsel und teilweise kräftigen Schauern und Gewittern, die lokal durch Starkregen sogar schon Unwettercharakter enthielten. Sowie mit Schneefall bis in tiefere Lagen in den östlichen Mittelgebirgsregionen oder böigem Wind im Küstenumfeld rief der April fast das komplette Spektrum der Wettererscheinungen in kurzer Zeit ab.

Aber warum ist der April eigentlich ein Monat der Wettergegensätze? 

Viele Menschen erfreuen sich in dem einen Moment noch über die Sonne bei frühlingshaften, teilweise auch schon frühsommerlichen Temperaturen, da türmen sich plötzlich Wolken auf und es beginnt kurze Zeit später zu schauern, oder auch zu gewittern. Schnell werden die eigenen 4 Wände aufgesucht, nur um wenige Stunden später beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung dann festzustellen, dass die Temperatur auf deutlich kühlere Werte abgesunken ist. Doch warum ist dies so?

Dazu müssen wir uns im ersten Schritt die Sonne bzw. die Erde, die sich um sich selber und gleichzeitig auch um die Sonne dreht, genauer anschauen. Wäre die Erde nicht geneigt und hätte keine Eigendrehung, würde die Sonne ihre Energie auf die gleichen Gebiete der Erde abstrahlen. Bei einer abgestrahlten Sonnenenergie an der Sonnenoberfläche von 60 Mio. Watt pro Quadratmeter, die etwa 5800 Grad entspricht, kommen im Maximum nur noch 1367 Watt pro Quadratmeter (~ 15 Grad) am Oberrand unserer Atmosphäre (~ 100 km Höhe) an. Aufgrund der Erdrotation sowie der Drehung um die Sonne bei geneigter Erdachse können sich alle Regionen der Erde zumindest zeitweise über die wärmende Sonnenenergie freuen. Zudem entstehen dadurch die Jahreszeiten. Während die Sonne am 21. Juni im nördlichen Wendekreis (Nordsommer) und am 21. Dezember im südlichen Wendekreis (Nordwinter) steht, treffen ihre Strahlen am 21. März sowie am 23. September senkrecht auf den Äquator auf. Auf Basis dieser Gegebenheiten wurde das Jahr in vier Jahreszeiten getrennt. Dabei beschreibt der Nordsommer die Monate mit der größten Einstrahlung auf der Nordhalbkugel und der Nordwinter die Monate mit der geringsten Einstrahlung. Frühling und Herbst stellen dabei sogenannte Übergangsjahreszeiten dar. Im Winter kann somit die Nordhalbkugel bei langen Nächten und kurzen Tagen stark auskühlen, während sie sich im Sommer stark erwärmen kann. 

Berücksichtigt man nun noch, dass der Wärmehaushalt der Erde von der unteren Atmosphäre bestimmt wird, und immer einen Gleichgewichtszustand anstrebt, was z. B. einer einheitlichen Temperaturverteilung entspräche, wird der Wärmeüberschuss von den sonnenbevorzugten warmen Gebieten in die kälteren Regionen transportiert. Dies übernehmen z. B. die Ozeanströmungen und natürlich auch das Zusammenspiel der Hoch- und Tiefdruckgebiete.

Im Nordwinter sind die Temperaturgegensätze zwischen Äquator und Nordpol meist sehr stark, sodass die Druckgebilde Höchstleistung vollbringen müssen. Dagegen sind die Gegensätze im Sommer auf der Nordhalbkugel eher schwach, was oftmals zu einer geringeren Tiefdrucktätigkeit führt. In den Zwischenjahreszeiten, wie dem Frühling, wo sich der Sonnenzenit vom Äquator nach Norden bewegt oder im Herbst, wo er sich wieder über den Äquator hinaus nach Süden zurückzieht, liegt das Kampfgebiet zwischen kalter Luft aus dem Norden und warmer Luft aus dem Süden meist in den mittleren Breiten, z. B. auch über Mitteleuropa. 

Insbesondere im April trifft oftmals Polarluft auf schon deutlich erwärmte Festlandsluft aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum über Mitteleuropa zusammen. Dies führt immer wieder zu einem raschen Auf und Ab der Temperaturen, aber auch zu Schauern und teilweise schon ersten Gewittern. Durch die zunehmende Sonneneinstrahlung kann sich im Frühling auch bei uns der Boden relativ stark erhitzen und somit die unteren Schichten der darüberliegenden meist noch kühlen Luft erwärmen. Da warme Luft leichter ist, steigt sie auf und führt schließlich zur Wolkenbildung. Stellt sich zwischen den bodennahen Schichten und der Höhe (~ 5000 m) ein starker Temperaturgegensatz ein, steigt die Luft in große Höhen und es können sich bei ausreichend vorhandener Feuchte auch Gewitterwolken entwickeln. 

Im Herbst können wir den umgekehrten Effekt beobachten. Durch die längeren Nächte kühlt sich der Boden und somit auch die untere Luftschicht stark ab, sodass die Feuchte kondensieren kann und so zu dem für Oktober und November bekannten oftmals auch verbreiteten Nebel führt.

Blicken wir nun in den Mai hinein und berücksichtigen dabei weiter die zunehmende Sonneneinstrahlung und den immer öfter eintretenden Sieg der Warmluft gegenüber der Kaltluft so werden wir immer seltener mit Kaltlufteinbrüchen (Ausnahme: "die Eisheiligen") zu rechnen haben. Dafür nimmt in der nun beginnenden Sommersaison die Gewitterneigung weiter zu. 

Aber vielleicht macht der Mai als Wonnemonat ja auch seinem Namen alle Ehre und wir können uns über viele sonnige und warme Tage freuen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

27.04.2015

"Wenn der Hahn kräht auf dem Mist..."

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist...
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist...

Die Technik macht's möglich: Dank des Internets ist es einem möglich, von und für nahezu jeden Ort der Welt jederzeit eine Wettervorhersage einzuholen. Auch sonst wird man durch Rundfunk und Zeitungen wettertechnisch immer auf dem Laufenden gehalten. Daran war früher natürlich nicht zu denken. 

Da die Menschen und insbesondere die Landwirtschaft damals wohl mindestens genauso vom Wetter abhängig waren wie heute, wurde versucht, mit gezielten und zum Teil langjährigen Beobachtungen des Wetters, den weiteren Ablauf desselben vorherzusagen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden schließlich oftmals in Reimform niedergeschrieben und sind uns als sogenannte Bauernregeln bekannt.

Auch wenn ihr Eintreten bei wortwörtlicher Betrachtung häufig sehr stark mit dem Wörtchen "Zufall" in Verbindung steht, besitzen sie doch oftmals einen wahren Kern, vor allem, wenn man die Regeln etwas freier deutet.

Nehmen wir uns zum Beispiel mal die Siebenschläferregelung vor: "Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag.". Würde man jedes Wort davon auf die Goldwaage legen, so müsste man also annehmen, dass auf einen sonnigen und trockenen 27. Juni ebenso sonnige und trockene sieben Wochen folgen. Natürlich kann man aber das Wetter der nächsten Wochen nicht an einem bestimmten Tag festmachen. Nimmt man diese Regel allerdings ein bisschen lockerer und betrachtet den Wettercharakter zwischen Ende Juni und Anfang Juli, so liegt die Trefferquote - zumindest für die nächsten drei bis vier Wochen - im Norden Deutschlands bei bis zu 60 %, im Alpenvorland sogar bei etwa 70 %. Ähnlich verhält es sich mit den Eisheiligen und der Schafskälte: Hält man sich nicht allzu eng an den offiziellen Zeitraum, so gibt es auch hierbei eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit.

Doch wie steht es denn eigentlich mit zwei der wohl bekanntesten Bauernregeln: "Abendrot, gut Wetterbot." und "Morgenrot, schlecht Wetter droht."? Vor allem erstere "Behauptung" scheint mit der besonders in der Schifffahrt bekannten Regel "Abendrot macht Seemann tot." in eindeutigem Widerspruch zu stehen. Aber so komisch es auch klingen mag: Beide Thesen sind nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Auf den "Rot-Ton" kommt es nämlich an.

Zur Erklärung ein kurzer physikalischer Exkurs: Das Licht der Sonne setzt sich aus Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen zusammen, von der unser Auge nur einen geringen Anteil sehen kann. Dieser für uns sichtbare sogenannte Spektralbereich setzt sich aus den Regenbogenfarben zusammen, wobei Rot den langwelligen und Blau den kurzwelligen Wellenlängenanteil darstellen. Das Sonnenlicht wird nun an den in unserer Atmosphäre vorhandenen Partikeln (z.B. Wasserdampfteilchen) gestreut, d.h. es spaltet sich in die einzelnen Wellenlängenbereiche auf. Dabei wird der blaue Anteil stärker gestreut und somit auch stärker abgelenkt, als die rote langwellige Strahlung. 

Steht die Sonne nun relativ niedrig über dem Horizont (bei uns morgens und abends), so fällt auch ihre Strahlung entsprechend flach auf uns ein. Durch die starke Ablenkung ihres kurzwelligen Anteils (blau) kommt nur ihr roter Anteil bei uns an. Folglich sieht der Himmel für uns rötlich aus. Je feuchter nun die Luft ist, desto mehr Wasserdampfteilchen, also Streupartikel, befinden sich in ihr. Dadurch wird der Blauanteil noch mehr gestreut und der Himmel erscheint uns in einem tieferen Rot. Da feuchte Luft eher zur Wolken- und damit auch zur Niederschlagsbildung neigt, kann ein tiefrotes Himmelsbild durchaus ein Indiz für baldigen Regen sein. Ist die Luft dagegen trocken, erscheint der Himmel aufgrund mangelnder Streupartikel dagegen weniger rot und die Wahrscheinlichkeit für "Nass von oben" ist etwas geringer als bei feuchter Luft.

Unter dem Strich sind Bauernregeln aber eher nicht dazu geeignet, verbindliche Wettervorhersagen zu machen. Ein wahrer Kern lässt sich allerdings oftmals nicht leugnen. Mit 100 %-iger Sicherheit lässt sich wohl nur sagen, dass es egal ist, wer oder was, wann und wo kräht. Denn dann - um die Überschrift dieses Textes zu komplettieren - "ändert sich's Wetter oder es bleibt, wie's ist".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

16.04.2015

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer...

Auch wenn eine Schwalbe keinen Sommer macht - die Bauern müssen ihre Felder für die Wachstumsphase aufbereiten und pflegen: Das Getreide gedieh die vergangenen Tage prächtig.
Auch wenn eine Schwalbe keinen Sommer macht - die Bauern müssen ihre Felder für die Wachstumsphase aufbereiten und pflegen: Das Getreide gedieh die vergangenen Tage prächtig.

In den vergangenen Tagen gelangte die nach Mitteleuropa eingeströmte, mäßig warme atlantische Meeresluftmasse unter den Einfluss des Hochdruckgebietes PADMA. Die Aprilsonne strahlte vielerorts von einem azurblauen Himmel und sorgte für eine kräftige Erwärmung der unteren Luftschichten. 

So ist es kein Wunder, dass die Tageshöchsttemperaturen am gestrigen Mittwoch, den 15.04.2015, in Deutschland verbreitet über 20 °C lagen. Entlang der großen Flüsse Südwestdeutschlands, namentlich Rhein, Main, Mosel und Neckar, stieg die Temperatur sogar auf 25 °C oder mehr und man durfte dort im klimatologischen Sinne einen "Sommertag" erleben. 

Spitzenreiter innerhalb des Messnetzes des Deutschen Wetterdienstes war die Station Ohlsbach (Oberrheinische Tiefebene) mit 27,6 °C, gefolgt von Bad Kreuznach und Waghäusel-Kirrlach (bei Karlsruhe) mit jeweils 27,5 °C.

Auch in Österreich wurde verbreitet ein "Sommertag" mit 25 oder mehr erreicht: U.a. Eisenstadt, Graz, Stockerau, Krems, Gmunden und Jenbach knackten die magische Marke. Spitzenreiter wurde Innsbruck mit 26 Grad.

Die "Temperaturrekorde" für einen 15. April wurden in Deutschland jedoch nicht überboten, denn am 15.04.2007 war es an den oben genannten Stationen mit 27,8 °C, 28,1 °C bzw. 27,6 °C noch wärmer. Übrigens folgte dem warmen und sonnigen Frühjahr 2007 ein eher kühler und durchwachsener Sommer, was jedoch keineswegs zu Spekulationen über den Verlauf der warmen Jahreszeit in diesem Jahr anregen sollte. Man weiß es schlichtweg nicht... 

Was man weiß, ist das Wetter der kommenden Tage. Auf der Nordseite der Kaltfront, die Deutschland gerade von Nord nach Süd überquert, strömt frische Meeresluft polaren Ursprungs nach Mitteleuropa. So wird es deutlich kühler, insbesondere nachts sacken die Temperaturen in den Keller und verbreitet kann Bodenfrost auftreten. 

Auch wenn u.a. im niedersächsischen Northeim die ersten Schwalben gesichtet wurden, es dauert noch, bis der Sommer zu uns kommt...

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

07.04.2015

Hoch Mitteleuropa - wenn der Frühling loslegt

Traumhaftes Frühlingswetter heute im Klostergarten in Limburg an der Lahn zur Mittagszeit. Zu verdanken haben wir dies dem Hoch OSTRA, das derzeit für stabiles Hochdruckwetter über Mitteleuropa sorgt.
Traumhaftes Frühlingswetter heute im Klostergarten in Limburg an der Lahn zur Mittagszeit. Zu verdanken haben wir dies dem Hoch OSTRA, das derzeit für stabiles Hochdruckwetter über Mitteleuropa sorgt.

Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich durch weiträumige Luftdruckverteilungen und die daraus resultierenden Strömungsmuster, in Bodennähe sowie auch in den darüber liegenden Luftschichten. 

Das Wetter selbst wird dabei vor allem durch die Eigenschaften der in die Zirkulation einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten. 

Die seit Anfang April nach Mitteleuropa eingeflossene Meeresluft polaren Ursprungs kam in den letzten Tagen von Westen her unter Hochdruckeinfluss, denn über dem mittleren Nordatlantik entstand ein Hochdruckgebiet, das sich über die Britischen Inseln hinweg nach Osten verlagert, am morgigen Mittwoch mit seinem Schwerpunkt über der südlichen Nordsee liegt und folglich das Wetter in Mitteleuropa dominiert. 

Eine derartige Luftdruckverteilung kann man als "Hoch Mitteleuropa" (wissenschaftliche Abkürzung HM) klassifizieren. Die Frontalzone, also der Übergangsbereich zwischen subpolaren und subtropischen Luftmassen, verläuft dabei allgemein in einem weiten, polwärts gerichteten (im Meteorologenjargon "antizyklonal" genannten) Bogen über Skandinavien hinweg. Atlantische Tiefausläufer sind dann i.A. gezwungen, diesen Weg zu nehmen und halten sich von Mitteleuropa fern. Daher garantieren Hochdruckgebiete über Mitteleuropa normalerweise ruhiges und beständiges Wetter, je nach Jahreszeit also Winterkälte oder Sommerhitze. 

Im Frühjahr ist "Hoch Mitteleuropa" eher selten anzutreffen, wir haben es also nach Sonnen- und Mondfinsternis mit einer weiteren, kleinen und vielleicht ambivalenten Besonderheit der Natur zu tun. Denn in den kommenden Tagen sorgt der hohe Luftdruck einerseits für Sonnenschein und zunehmende Wärme, andererseits bei klarem Himmel auch noch für kalte Nächte mit Frostgefahr. Außerdem hat unser Frühlingshoch OSTRA eine "weiche Ostflanke", dort kann nämlich feuchte Ostseeluft einfließen, die vor allem in der Nordosthälfte Deutschlands für dichtere Bewölkung mit etwas Sprühregen sorgt. 

Zur visuellen Unterstützung des eben Erläuterten sei auf die im Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes unter der Rubrik "Spezielle Nutzer/Hobbymeteorologen" angebotenen Boden- und Höhenwetterkarten verwiesen. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

02.04.2015

Der Osterhase braucht ein dickes Fell!

Die meisten Chancen auf überwiegend sonniges, wenn auch nicht unbedingt mildes Osterwetter hat der Norden Deutschlands, insbesondere die Hansestadt Hamburg (unser Frühlingsbild des Tages). Ansonsten braucht der Hase generell ein dickes Fell - und verbreitet auch einen Regenschirm.
Die meisten Chancen auf überwiegend sonniges, wenn auch nicht unbedingt mildes Osterwetter hat der Norden Deutschlands, insbesondere die Hansestadt Hamburg (unser Frühlingsbild des Tages). Ansonsten braucht der Hase generell ein dickes Fell - und verbreitet auch einen Regenschirm.

Das lange Osterwochenende steht vor der Tür und wir Meteorologen werden wieder vermehrt mit Fragen konfrontiert wie: "Gibt es weiße Ostern?", "Können die Ostereier im Garten versteckt werden oder doch lieber im Haus?" oder ganz allgemein: "Wie wird das Wetter?"

Um diese Fragen zu beantworten und all jenen, die sich für das Wettergeschehen der nächsten Tage interessieren, etwas mehr Planungssicherheit zu verschaffen, sollen im heutigen Thema des Tages die Wetteraussichten für die Osterfeiertage erläutert werden - wenn auch mit dem unliebsamen Hinweis, dass die Vorhersagen noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind, da die Modellrechnungen noch keine klare Aussage liefern.

Der Karfreitag beginnt vielerorts mit einem Mix aus Sonne und Wolken, bevor sich im Westen und Südwesten Deutschlands ein Tiefausläufer mit dichten Wolken bemerkbar macht. Diese bringen dort in der zweiten Tageshälfte vom Niederrhein bis zum Ostallgäu Regen, in Kammlagen des Berglandes auch ein paar Schneeflocken. Sonst bleibt es wechselnd wolkig mit zeitweiligem Sonnenschein, wobei Ostseeurlauber in den Genuss der meisten Sonnenstunden kommen werden. Die ersten Osterfeuer haben also größtenteils gute Chancen, nicht von oben gelöscht zu werden. Das Quecksilber klettert am "stillen Feiertag" auf nicht wirklich frühlingshafte 7 bis 12 Grad.

In der Nacht zum Samstag sinkt die Temperatur unter klarem Himmel im Nordosten auf frostige Temperaturen bis -4 Grad, während die Temperaturen im Westen unter den dichten Wolken mit 5 bis 0 Grad immerhin im Plusbereich bleiben. Der Regen erfasst bis zum Morgen die gesamte Südwesthälfte von Nordrhein-Westfalen bis nach Bayern. 

Am Karsamstag dreht der Wind auf nördliche Richtungen, sodass noch etwas kühlere Polarluft zu uns gelangt. Die 10-Grad-Marke wird wahrscheinlich nicht mehr geknackt, eher stehen einstellige Werte zwischen 5 und 9 Grad auf dem Programm. Wer in München wohnt, am Samstag noch nichts vorhat und gerne im Auto sitzt, kann dem regnerischen Wetter dort entfliehen, indem er sich auf den Weg gen Norden macht, denn: Mit jedem Kilometer werden Wolken und Regen weniger und in Hamburg (sowie im gesamten Nord- und Ostseeumfeld) wartet eine sonnige, nahezu wolkenlose Belohnung. Alle anderen müssen sich auf zahlreiche schauerartige Regenfälle einstellen, die in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge mitunter kräftiger und länger anhaltend ausfallen können. 

In der Nacht zum Ostersonntag braucht der Osterhase beim Verstecken der Eier ein ganz schön dickes Fell. Abgesehen vom Küstenumfeld und der meist etwas milderen Rheinebene sinkt die Lufttemperatur verbreitet in den Frostbereich, in Erdbodennähe sogar auf winterlich anmutende -2 bis -8 Grad. Angst vor schmelzenden Schokoladeneiern muss also keiner haben, eher dass sie in Berglagen und im Alpenvorland im Schnee verschwinden!

Am Ostersonntag sind dann die Bewohner westlich des Rheins die Gewinner, zumindest was den Sonnenschein angeht. Aber auch die Küstenurlauber und alle Norddeutschen können die Sonnenbrille hervorholen. Sonst dominiert ein Mix aus Sonne und Wolken, allerdings besteht nur noch im Süden und Südosten ein größeres Schauerrisiko, wobei die ganze Niederschlagspalette, nämlich Regen, Schneeregen, Schnee oder Graupel vom Himmel kommen können. Die Temperaturhöchstwerte zum Eiersuchen am Nachmittag liegen je nach Sonnenscheindauer zwischen 7 Grad an der Donau und bis 12 Grad am Niederrhein.

Wenn in der Nacht zum Montag noch verspätet Eier versteckt werden, bekommt der Osterhase mindestens so kalte Pfoten wie eine Nacht zuvor, denn bei sternenklarem Himmel werden abgesehen vom äußersten Norden wieder frostige 0 bis -8 Grad erreicht!

Am Ostermontag verabschiedet sich das lange Wochenende dann vor allem im Südwesten sonnig. Von Norden ziehen ein paar Wolken ins Land, es bleibt aber fast überall trocken. Nur in Küstennähe, den östlichen Mittelgebirgen und am Alpenrand sollte man Regenjacke und Schirm bei einem Nachmittagsspaziergang einpacken, denn dort sind kurze Schauer unterwegs. Im Norden und Westen kann man sich aber über allmählich wärmere Luft freuen; immerhin stehen dort 10 bis 14 Grad den kühleren 6 bis 9 Grad im Südosten Deutschlands entgegen. 

Zusammengefasst zeigt sich das Aprilwetter an den Ostertagen also von seiner typisch launischen Seite: vielfach wechselhaft und kühl mit möglichen Schneeschauern, vor allem im Südwesten an Ostersonntag und -montag immerhin trocken und freundlich und ein Hauch wärmer. Aber eins ist sicher: Ein Orkan wie NIKLAS am vergangenen Dienstag steht uns nicht ins Haus. Also dann: Frohe Ostern!

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

30.03.2015

Windgeschwindigkeiten schneller als die Polizei erlaubt

Nicht immer und überall hat man einen Windmesser oder Anemometer parat. Wetter tritt ja überall auf und nicht nur an Wetterstationen. Mit einem "Dopplerradar" lassen sich auch Windgeschwindigkeiten berechnen, die nicht "herkömmlich" registriert werden können.
Nicht immer und überall hat man einen Windmesser oder Anemometer parat. Wetter tritt ja überall auf und nicht nur an Wetterstationen. Mit einem "Dopplerradar" lassen sich auch Windgeschwindigkeiten berechnen, die nicht "herkömmlich" registriert werden können.

Deutschland und Österreich erleben zurzeit bei einer kräftigen westlichen Strömung eine kleinen Sturmserie. Verbreitet treten dabei warnwürdige Windgeschwindigkeiten auf. Diese Wind- bzw. Sturmböen lassen sich nicht nur mittels vor Ort installierter Windmessgeräte direkt bestimmen (heute am 30. März z.B. 151 km/h auf dem Brocken im Harz, aber auch 141 km/h auf dem Säntis in den Schweizer Alpen). Eine weitere Möglichkeit der Abschätzung von Windgeschwindigkeit und -böen ist mithilfe von Doppler-Radarsystemen möglich. 

Aber was ist ein Doppler-Radarsystem genau und wie funktioniert es? Bei einer Radarmessung wird von dem Radarstandort aus ein sehr kurzer elektromagnetischer Impuls im Mikrowellenbereich in eine bestimmte Richtung ausgesendet. Dieser Impuls breitet sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aus. Trifft er auf einen Streukörper, d.h. beispielsweise ein Niederschlags- oder Staubpartikel, auf Insekten oder ähnliches, wird ein bestimmter Anteil des Impulses zurückgestreut und am Radarstandort registriert. Bei den Niederschlagsradarsystemen wird nun aus der Zeit zwischen Aussendung und Empfang des zurückgestreuten Impulses, also der Laufzeit des Impulses, die Entfernung des Streukörpers abgeleitet. Die Stärke des zurückgestreuten Signals lässt Rückschlüsse auf die Niederschlagsart und -intensität zu. 

Was passiert aber nun beim Dopplerradar? 

Der ausgesendete Impuls lässt sich generell als schwingendes Wellensignal mit gleichmäßigen Wellenbergen und -tälern beschreiben. Die Frequenz des Signals beschreibt die Anzahl dieser Berge und Täler in einem bestimmten Zeitintervall. Wird das Signal an einem ruhenden Streukörper reflektiert, empfängt man am Radarstandort den zurückgestreuten Anteil des Signals mit der gleichen Frequenz wie das gesendete Signal. Bewegt sich der Streukörper jedoch auf den Radarstandort zu, werden aufeinanderfolgende Wellenberge und -täler jeweils einen kleinen Moment früher zurückgestreut. Dadurch wird am Radarstandort im Vergleich zum gesendeten Signal in der gleichen Zeit eine höhere Anzahl an Wellenbergen und -tälern registriert. Es liegt also eine zeitliche Stauchung des Wellensignals vor. Folglich ist die Frequenz des rückgestreuten Signals höher als die des gesendeten. Umgekehrt kommt es zu einer zeitlichen Dehnung des Signals, also einer Frequenzerniedrigung, wenn sich ein Streukörper vom Radarstandort entfernt (siehe auch die Grafik zur Meldung des heutigen Tages). Diesen Effekt der Frequenzverschiebung bezeichnet man als Doppler-Effekt. Akustisch kennt man ihn meist von vorbeifahrenden Polizei- oder Krankenwagen. Während sich diese auf den ruhenden Beobachter zubewegen, registriert dieser das ausgesendete Signal des Martinshorns mit einer zeitlichen Stauchung, also einer erhöhten Frequenz. Das Gehör nimmt eine höhere Tonlage wahr. Nachdem der Krankenwagen den Beobachter passiert hat und sich von diesem entfernt, ändert sich jedoch die Tonlage. Das vom Beobachter registrierte Signal besitzt aufgrund des Doppler-Effekts eine niedrigere Frequenz, er nimmt eine tiefere Tonlage des Signals wahr. 

Mithilfe der Frequenzunterschiede zwischen gesendetem und rückgestreutem Radarsignal lassen sich nun beim Doppler-Radar die Geschwindigkeiten der Streukörper ableiten. Damit erhält man einen Aufschluss über die dort vorherrschenden Windgeschwindigkeiten relativ zum Radarstandort und kann Aussagen über potentielle, am Boden auftretende Windböen treffen.

Gibt das Radar nun von seinem Standort aus Impulse in verschiedene Höhen und Richtungen ab, können Streukörper in einem Umkreis von etwa 150 km in verschiedenen Höhen detektiert werden. Anschließend werden die Informationen der gesendeten und empfangenen Radarstrahlen zusammengetragen und ausgewertet. Damit lassen sie die Windverhältnisse flächendeckend und in verschiedenen Höhen in einem Radarbild darstellen. Bei der Betrachtung und Interpretation der Doppler-Radarbilder ist jedoch Vorsicht geboten. Partikel, die sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit genau auf das Radar zu bzw. vom Radar weg bewegen, weisen eine maximale Radialwindgeschwindigkeit auf, während Partikel, die sich mit der gleichen Geschwindigkeit exakt senkrecht zum Radarstandort bewegen, keine Radialwindgeschwindigkeit zeigen. Bei der Betrachtung des Doppler-Radars am Standort Flechtdorf am 29.03.2015 um 15 Uhr in 1000 m Höhe lassen sich Windgeschwindigkeiten von 24,5 m/s bis zu 31,5 m/s (113,4 km/h) in Richtung des Radarstandorts (Mitte des Fadenkreuzes) erkennen (siehe Grafik). Am Boden wurde beispielsweise in Düsseldorf im Westen des Radarstandorts eine Windböe von etwa 104 km/h registriert, was die Aussage des Doppler-Radars bestätigt. Anhand der Nulllinie (lila eingefärbt) kann man die Windrichtung (weißer Pfeil) ableiten. Auf dieser Nulllinie bewegen sich die Streukörper parallel zum Radarstandort.

Das Doppler-Radar stellt somit ein nützliches Hilfsmittel zur flächendeckenden Abschätzung von Windgeschwindigkeiten in bestimmten Höhen dar, mit denen unter anderem auch auf Windböen am Boden geschlossen werden kann.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

26.03.2015

Bislang Trockenheit zum Beginn der Vegetationsperiode

Die letzten Wochen waren in Mitteleuropa extrem trocken, das Erdreich zeigt oberflächlich erste Risse. Doch die kommenden Tage wird es immer öfter und auch kräftiger regnen, Landwirte und (Hobby)Gärtner können aufatmen.
Die letzten Wochen waren in Mitteleuropa extrem trocken, das Erdreich zeigt oberflächlich erste Risse. Doch die kommenden Tage wird es immer öfter und auch kräftiger regnen, Landwirte und (Hobby)Gärtner können aufatmen.

Die Vegetationsperiode hat begonnen, die Schneeglöckchen sind schon vielerorts verblüht und andere Frühblüher lassen die Köpfe hängen. Für die meisten von uns wird es Zeit, dass so langsam das Grün auch an Bäumen und Sträuchern Einzug hält. Nun brauchen die Pflanzen aber nicht nur zunehmende Temperaturen bei länger werdenden Tagen und damit mehr Tageslicht, sondern ganz dringend auch Regen. Derzeit sind die Böden allerdings meist sehr trocken. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede je nach Bodenbeschaffenheit, Lage und Region.

Zu Jahresbeginn waren die Böden dagegen verbreitet nass. Im Januar wurde das Monatssoll an Niederschlag, also das vieljährige Niederschlagsmittel des Monats, in Deutschland und Österreich deutlich übererfüllt. Dabei fielen im Landesdurchschnitt 84 Liter pro Quadratmeter, dies entspricht knapp 140 % im Vergleich zum 30-jährigen Mittelwert von 1961 bis 1990. Bereits der Februar war mit Ausnahme des Nordwestdeutschlands recht trocken: im Mittel wurden nur etwa 22 Liter pro Quadratmeter und damit nur 45 % des Februarsolls registriert. Im nun langsam zu Ende gehenden März setzte sich das Niederschlagsdefizit weiter fort, so dass bis einschließlich 25. März im Landesdurchschnitt nur rund 19 Liter pro Quadratmeter, respektive etwa 34 % des Monatsmittels für März, gefallen sind. Besonders wenig Regen fiel im Süden und Südwesten Deutschlands, mit Ausnahme des Alpenrandes und Alpenvorlandes.

Diese verbreitete Trockenheit lässt sich auch am sogenannten Waldbrandgefahrendindex (WBI) ablesen, der aus meteorologischen Parametern wie Lufttemperatur, relativer Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Niederschlagssummen errechnet wird. Während der Frühjahrsmonate fließt zudem die Schneehöhe in die Berechnung mit ein. Eine aktuelle, grafische Darstellung des WBI, die täglich auf der Warnseite des Deutschen Wetterdienstes unter der Rubrik Gefahrenindizes veröffentlicht wird, finden Sie unter www.dwd.de. Hierbei muss aber betont werden, dass dies nicht mit der Waldbrandgefahr gleichzusetzten ist. Der WBI dient einigen Landesforstbehörden als Einschätzungshilfe der Waldbrandgefahr, die dann gegebenenfalls in konkrete Waldbrandwarnungen umgesetzt wird.

Und nun kommt die gute Nachricht für die Natur und alle Gärtner unter uns: auch wenn das Niederschlagsdefizit im März wohl nicht ausgeglichen werden kann, bleibt es nicht so trocken wie in den vergangenen Wochen. Am heutigen Donnerstag kommt es dann schon zu gelegentlich etwas Regen. Ein nächstes Regengebiet erreicht heute Abend den Westen Deutschlands, um sich ebenfalls allmählich ostwärts zu verlagern. Viel Regen ist allerdings auch hier nicht drin, erst am Wochenende - und dann schwerpunktmäßig am Sonntag - ist mit flächendeckenden und teils kräftigen Regenfällen zu rechnen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.03.2015

Verwirrender Frühlingsanfang: meteorologisch, astronomisch oder phänologisch? Was nun?

Noch dominieren in der Natur die Schneeglöckchen und Krokusse, wie es unser Bild des Tages aus Schleswig-Holstein vom Wochenende zeigt. Doch vor allem im Südwesten Deutschlands sprießt schon die Forsythie. Frühling ist´s! Aber welcher nun? Wieso gibt es gleich drei unterschiedliche Bezeichnungen wie "meteorologisch", "astronomisch" und auch noch "phänologisch"? Das erklären wir Euch heute.
Noch dominieren in der Natur die Schneeglöckchen und Krokusse, wie es unser Bild des Tages aus Schleswig-Holstein vom Wochenende zeigt. Doch vor allem im Südwesten Deutschlands sprießt schon die Forsythie. Frühling ist´s! Aber welcher nun? Wieso gibt es gleich drei unterschiedliche Bezeichnungen wie "meteorologisch", "astronomisch" und auch noch "phänologisch"? Das erklären wir Euch heute.

Am Freitag, 20. März um 23:45 Uhr MEZ war es so weit: Aus astronomischer Sicht hat bei uns  auf der Nordhalbkugel der Frühling begonnen! Dass der meteorologische Frühling bereits am 1. März begann, wird  angesichts der überwiegend milden Witterung der letzten Tage wohl niemand in Zweifel stellen. Dass wir Meteorologen den Frühlingsanfang auf den 1. März datieren, hat keine vorhersagetechnischen, sondern ausschließlich statistische Gründe. In der Klimastatistik werden immer drei komplette Monate zusammengefasst, sodass auf diese Weise zum Beispiel Monats- oder Jahreszeitenmittelwerte einfacher erstellt und besser verglichen werden können.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, den Frühling zu definieren, nämlich über den Entwicklungsstand der Pflanzen (Phänologie). Aus dieser Sichtweise unterteilt sich der Frühling in Mitteleuropa in drei Phasen: Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Deren Eintritt wird über das Auftreten bestimmter Entwicklungsschritte von Pflanzen bestimmt. So hat der Vorfrühling mit dem Beginn der Blüte von Hasel und Schneeglöckchen schon fast überall in Deutschland Einzug gehalten. Mancherorts wurde sogar bereits die Blüte der Forsythie und somit der Erstfrühling beobachtet. Der Vollfrühling beginnt hingegen meist erst Ende April mit der Apfelblüte. Dabei beginnen die Phasen teils inhomogen über Deutschland verteilt. Der phänologische Frühlingsbeginn "wandert" mit etwa 30 bis 40 Kilometern pro Tag von Südwest nach Nordost. Auch in der Höhe wandert er mit zirka 30 Metern pro Tag langsam die Berge hinauf, wobei er an den Südhängen früher als an den Nordhängen beobachtet werden kann. Insbesondere spielen aber auch kleinräumige Klimaverhältnisse eine Rolle. So beginnen die einzelnen Frühlingsphasen in geschützten Lagen der großen Städte oft wesentlich eher als in freien Lagen auf dem Land. Den aktuellen Stand der phänologischen Entwicklung kannst Du übrigens unter www.dwd.de/phaenologie verfolgen.

Nun aber zurück zum astronomischen Frühlingsbeginn, also zum vergangenen Freitag. An diesem Tag spricht man von einer der beiden Tag-und-Nacht-Gleichen im Jahr (die andere ist zu Herbstbeginn). Schaut man aber in so manchem Kalender nach, wird man feststellen, dass die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ebenso wie die Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang bereits am vergangenen Mittwoch (18. März) zwölf Stunden betrug. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich damit begründen, dass aufgrund der "großen" optischen Dicke der Atmosphäre bei Sonnenauf- und -untergang das Licht der Sonne um 0,6 Grad abgelenkt wird. Dadurch erscheint uns die Sonne höher als sie tatsächlich steht und wir sehen die Sonne schon ca. vier Minuten eher als rein über die Astronomie möglich. Auch abends verlängert sich so der "Tag" um die gleiche Zeit. Zudem bezieht sich der Begriff der Tag-und-Nacht-Gleiche aus streng astronomischer Sicht auf den Mittelpunkt der Sonnenscheibe und nicht auf die oberste Kante.

Früher konnten Eure Eltern in der Schule lernen, dass der Frühlingsanfang üblicherweise auf den 21. März fällt. Betrachtet man aber das aktuelle Jahr und auch die zurückliegenden Jahre, lag der Zeitpunkt der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche stets am 20. März. Aber warum ist das so? 

Nun, die Ursache ist darin zu finden, dass das Jahr nicht exakt 365 Tage hat, sondern im Mittel 365 Tage 5 Stunden 49 Minuten und 1 Sekunde. Das heißt also, dass jeder Frühlingsanfang auf eine um knapp sechs Stunden spätere Uhrzeit fällt als der vorhergehende. (Schwankungen um den Mittelwert herum werden dabei unter anderem durch von anderen Planteten beeinflusste Erdbahnstörungen verursacht.) Nach vier Jahren hätte sich also der Frühlingsanfang um knapp 24 Stunden nach hinten verschoben. Der julianische Kalender führte - wie bereits zuvor schon einmal ein ägyptischer Kalender - einen Schalttag alle vier Jahre ein. Dieser Schalttag (heutzutage der 29. Februar) hat aber eine Überkompensierung zur Folge, da man um 24 Stunden korrigiert, aber der Frühlingsanfang nur ca. 23 Stunden 16 Minuten (4 mal 5 Stunden 49 Minuten) "wandert". Das bewirkt, dass der Frühlingsanfang nach einem Schaltjahrzyklus von vier Jahren im Mittel um etwa 44 Minuten zu früheren Zeitpunkten hin verschoben wird. Mit dem gregorianischen Kalender wird diese Überkompensation ausgeglichen, indem in drei von vier Hunderterjahren kein Schalttag eingeschoben wird. So war das Jahr 2000 ein Schaltjahr, 2100 bis 2300 sind jedoch keine.

Da jeder Schalttag eine Überkompensation bewirkt, die erst durch die Schaltregel für Hunderterjahre wieder korrigiert wird, läuft eine merkliche Verfrühung des Frühlingsanfangs (und natürlich auch der anderen Jahreszeitenanfänge) auf. Blickt man in die Historie und in die Zukunft, so kann man dies gut nachvollziehen: Zum Ende des 19. Jahrhunderts fiel der Frühlingsanfang stets auf den 20. März (Mitteleuropäischer Zeit). Durch das Auslassen des Schalttages im Jahr 1900 rutschte die astronomische Tag-und-Nacht-Gleiche nun bis einschließlich 1915 immer auf den 21. März. In der Folge fing der Frühling mal am 20., mal am 21. März an, wobei mit fortschreitenden Jahren der 20. März wieder überhand bekam. Im Jahr 2011 begann der Frühling zum letzten Mal in diesem Jahrhundert am 21. März und beginnt seither stets am 20. März. Im Jahr 2048 wird der Frühlingsanfang erstmals (um 23:34 Uhr MEZ) und dann immer öfter auf den 19. März fallen. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts werden der 19. und 20. März etwa gleich häufig vorkommen. Wegen des im Jahre 2100 ausfallenden Schalttages (siehe oben) wird der Frühlingsanfang zu Beginn des 22. Jahrhunderts wieder zwischen dem 20. und 21. März pendeln. 

Übrigens: Für die Berechnung des Osterdatums wird immer der 21. März verwendet. Der Ostersonntag liegt dann am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Diese Art der Berechnung kann manchmal dazu führen, dass Ostern astronomisch gesehen zum falschen Zeitpunkt gefeiert wird (sog. Osterparadoxie). Das ist das nächste Mal im Jahr 2019 der Fall. An dieser Stelle würden Ausführungen dazu aber zu weit führen. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

19.03.2015

Klare Sicht während der partiellen Sonnenfinsternis in Deutschland?

Vor allem in Süddeutschland sowie den Alpenländern hat man gute Sichtbedingungen um die Sonnenfinsternis zu Beobachten.
Vor allem in Süddeutschland sowie den Alpenländern hat man gute Sichtbedingungen um die Sonnenfinsternis zu Beobachten.

 

Wissen Sie noch, wo Sie am 11. August 1999 waren? Der eine oder andere wird sich nun fragen: Wieso? Was war denn an diesem besagten Datum?
Einige von Ihnen werden sich jedoch noch genau daran erinnern. Denn vor fast 16 Jahren konnte über Teilen Mitteleuropas eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Das Besondere an dieser Sonnenfinsternis war, dass sich der Kernschatten über weite Teile der Südhälfte Deutschlands bewegte. Wer nun auf die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland wartet, muss sich allerdings bis zum Jahr 2081 gedulden.

Dennoch gibt es bis dahin in einigen Regionen Europas zumindest eine partielle Sonnenfinsternis zu bestaunen. So auch am morgigen Freitag, dem 20. März 2015 in Deutschland. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einer "totalen" und einer "partiellen" Sonnenfinsternis? Aufgrund der riesigen Entfernung zwischen Mond und Sonne, gelingt es dem Mond, von einem Punkt auf der Erde aus beobachtet, die Sonne komplett zu verdecken, wobei der Kernschatten auf der Erdoberfläche nur maximal wenige Hundert
Kilometer breit ist. Um dieses kleinräumige Gebiet des Kernschattens herum befindet sich der Bereich, indem die partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden kann. Da dort der Beobachtungspunkt, der Mond und die Sonne nicht
genau auf einer Achse liegen, wird die Sonne vom Mond nur teilweise verdeckt (vom Beobachtungspunkt auf der Erde gesehen). In diesem Bereich des "Halbschattens", der im Durchmesser mehrere Tausend Kilometer aufweist, nimmt der Abdeckungsgrad der Sonne mit größer werdender Entfernung zum Kernschatten ab. Dazu finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema eine entsprechende schematische Abbildung
(Abb.1). 

Kommen wir nun zu den aktuellen Gegebenheiten der partiellen Sonnenfinsternis am morgigen Freitag. Um eine grobe Vorstellung vom Verlauf des Kernschattens (Region der totalen Sonnenfinsternis) sowie des Halbschattens (Region der partiellen Sonnenfinsternis) zu erhalten, sind auf der Abbildung 2 unter www.dwd.de/tagesthema diese Areale ungefähr abgesteckt. Der Kernschatten ist erstmals um 10:14 MEZ (Mitteleuropäische Zeit) östlich von Neufundland mit Sonnenaufgang zu beobachten (Beginn der Totalitätszone, s. Abb.2). Der rund 400 Kilometer breite Kernschatten wandert anschließend ostwärts über den Nordatlantik in Richtung Nordwesteuropa und überstreicht dabei die Färöer-Inseln sowie Spitzbergen. Auf dem Weg in Richtung Arktis endet die Totalitätszone etwa 69 km vom Nordpol entfernt (geographischen Koordinaten: 97°49' westl. Länge und 89°23' nördl. Breite). Damit verlässt der Kernschatten um 11:21 MEZ die
Erdoberfläche. Die maximale Andauer der totalen Finsternis wird östlich von Island erreicht und beträgt dort 2 Minuten 47 Sekunden. 

Das Gebiet des Halbschattens, also dort, wo die partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden kann, ist bedeutend größer und reicht vom nahen Ostatlantik über Grönland, Europa und Nordafrika bis in den Nahen Osten und nach Westasien hinein (Gebiete innerhalb der roten Linien, s. Abb.2). Je weiter man sich von der Totalitätszone entfernt, desto weniger wird die Sonnenscheibe vom Mond verdeckt. Speziell in Deutschland werden im äußersten Südosten maximal 67% und im äußersten Nordwesten etwa 83 % der Sonne verdunkelt (vgl. blaue Prozentangaben in Abb.2). Das Maximum der Abschattung wird im äußersten Südwesten Deutschlands etwa um 10:30 MEZ und im äußersten Nordosten um 10:50 MEZ erreicht.

Um dieses Naturschauspiel ungestört genießen zu können, muss zudem das Wetter mitspielen. Ob uns die Wolken landesweit einen Strich durch die Rechnung machen oder doch nur örtlich die Sicht zum Himmel trüben, wird nun im Anschluss beschrieben. Grundsätzlich verbleibt Deutschland unter Hochdruckeinfluss, der sich vom Ostatlantik über Mitteleuropa bis nach Russland erstreckt. Allerdings nähert sich ein Ausläufer eines schwachen Tiefs über Südnorwegen der deutschen Nordseeküste. Im Vorfeld dieses
Tiefausläufers gelangt bereits in den bodennahen Schichten etwas feuchtere Meeresluft in den Westen und Norden Deutschlands. Dies führt einerseits zu einer hochnebelartigen Bewölkung in einigen Gebieten Westdeutschlands und andererseits zu mittelhoher und hoher Bewölkung im Norden. Dahingegen bleiben die Mitte und der Süden Deutschlands weitestgehend unberührt von stärkeren Wolkenfeldern.

Konkret bedeutet dies, dass in Teilen Nordrhein-Westfalens und in den nördlichen Bereichen von Rheinland-Pfalz durch eine hochnebelartige  Bewölkung die Sicht nach oben sprichwörtlich vernebelt ist. Diese Hochnebeldecke wird sich voraussichtlich auch nur zögerlich auflösen.
Dennoch bestehen gute Chancen, dass sich zum Höhepunkt der partiellen
Sonnenfinsternis nur noch kleinere Hochnebelfelder am Himmel
befinden.Im Norden und Nordosten Deutschlands, genauer gesagt im Norden von Niedersachsen, in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und in
Brandenburg zeigen sich oftmals mittelhohe und hohe Wolken. Allgemein
besteht in diesem Bereich ein Nord-Süd-Gefälle bzgl. des Bedeckungsgrades. Hier stellen der Süden Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Niedersachsens den Übergangsbereich zwischen dem wolkigen oder bedeckten Norden und dem sonnigen Süden dar. In diesem Übergangsbereich bestehen allerdings gute Chancen, dass der Blick zur Sonne lediglich nur durch dünne Schleierwolken etwas getrübt wird.

Ganz anders sieht es hingegen im Süden und in der Mitte Deutschlands aus. Dort befinden sich die Bewohner auf der "Sonnenseite" und können die partielle Sonnenfinsternis ohne Einschränkungen beobachten. Auch das örtliche Auftreten dünner Schleierwolken sollte die Sicht auf die Sonne nicht maßgeblich beeinträchtigen. Lediglich entlang des Oberrheins besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich noch Reste von Nebel- oder Hochnebelfeldern bis zur partiellen Sonnenfinsternis halten.
Eine zusätzliche Grafik zu den oben beschriebenen Bewölkungsverhältnissen finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema. Die darin angegebenen Prozentangaben geben den Bedeckungsgrad der jeweiligen Gebiete an, wobei sich die kleinere Prozentangabe jeweils auf die südlichen Bereiche der farbig markierten Bereiche bezieht.

Also auf in den Süden oder in die Mitte Deutschlands, denn hier haben Sie bestimmt den "vollen Durchblick".

 

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

16.03.2015

Wettbewerb der Temperaturen

So wird die Lufttemperatur korrekt gemessen, in einer Wetterhütte.
So wird die Lufttemperatur korrekt gemessen, in einer Wetterhütte.

 

Wer kennt das nicht: Wir laufen in der wärmeren Jahreszeit durch die Straßen und finden innerhalb kürzester Zeit verschiedene Lufttemperaturen auf den "öffentlichen" Anzeigen diverser Geschäfte oder Informationstafeln. Die Unterschiede betragen durchaus 5 Grad innerhalb von ein paar Metern.

 

Wie kann das kommen? Zum einen sind das Unterschiede der einzelnen Thermometerbauarten, zum anderen hängt die gemessene Lufttemperatur auch von der Umgebung ab. Im heutigen Thema des Tages setzen wir voraus, dass uns perfekte Thermometer zur Verfügung stehen. Diese würden unter gleichen 

Umgebungsbedingungen die gleichen Temperaturen anzeigen.Die unterschiedlichen Umgebungsbedingungen sorgen aber dafür, dass auch perfekte Thermometer verschiedene Temperaturen anzeigen.

 

Es ist natürlich jedem klar, dass ein Thermometer, das von der Sonne beschienen wird, andere Temperaturen anzeigt als eines im Schatten. Das im Sonnenschein liegende Thermometer zeigt nämlich zusätzlich zur Lufttemperatur seine Eigenerwärmung durch die direkte Sonneneinstrahlung an. Daher sollten also Temperaturen im Schatten gemessen werden.

 

Wir bauen also ein Dach über das Thermometer, das so gestaltet ist, dass die Sonne das Thermometer selbst niemals erreichen kann. Dann kann aber immer noch ein von der Sonne über die Lufttemperatur erwärmter Gegenstand, z.B. eine Hauswand oder der Boden seine Strahlungsenergie an das Thermometer abgeben. Das Thermometer darf also von seiner dem direkten Sonnenlicht 

ausgesetzten Umgebung möglichst wenig "sehen". Daher muss es in einer Kiste seine Messungen machen.

 

Wir wissen, dass sich dunkle Gegenstände im Sonnenschein stärker erwärmen als helle. In einer schwarzen Kiste wird es also wärmer als in einer weißen Kiste. Wir wollen aber nicht die Lufttemperatur in einer Kiste messen, sondern die der Außenluft. Dazu muss die Kiste belüftet werden. Das macht man mit Lamellen, die so gestaltet sind, dass zwar die Luft, die bei Sonnenschein immer in Bewegung ist, durch die Kiste strömen kann, aber trotzdem keine Sonnenstrahlung direkt auf das Thermometer fällt. (Ein Bild dazu finden Sie, wenn Sie in der rechten Spalte unter dem Thema des Tages auf "mehr" drücken.)

 

Wir sehen also, dass die Temperaturen je nach Umgebungsbedingungen  unterschiedlich sein werden. Die oben beschriebene weiße Kiste heißt in der Meteorologie Thermometerhütte bzw. Wetterhütte und ist international genormt. 

Daher sind die offiziellen Messwerte vergleichbar. 

Im Gegensatz dazu sind die Umgebungsbedingungen der "öffentlichen" Thermometer unterschiedlich. Und daher sollten wir uns nicht wundern, dass wir so unterschiedliche Temperaturen innerhalb so geringer Entfernung sehen. Dabei gewinnt das Thermometer den Wettbewerb um die höchste Temperatur, das am stärksten von der Umgebung beeinflusst wird.

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

12.03.2015

Super-Zyklon in der Südsee

Während bei uns das Wetter so ziemlich "zum gähnen langweilig" ist (zumindest für die Wetterfrösche), muckt im Pazifik der Super-Zyklon PAM auf und bringt dort nicht nur die Atmosphäre durcheinander: die Sturmböen brachten bislang bis zu 215 km/h. © Satellitenbild: DWD
Während bei uns das Wetter so ziemlich "zum gähnen langweilig" ist (zumindest für die Wetterfrösche), muckt im Pazifik der Super-Zyklon PAM auf und bringt dort nicht nur die Atmosphäre durcheinander: die Sturmböen brachten bislang bis zu 215 km/h. © Satellitenbild: DWD

Ein kräftiger Wirbelsturm hat sich am 9. März 2015 bei etwa 8 Grad südlicher Breite und 170 östlicher Länge über dem Südpazifik gebildet und bedroht nun einige Südseeinseln. Am heutigen Donnerstagmorgen (Mitteleuropäischer Zeit) befindet er sich rund 350 km nordöstlich des Inselstaates Vanuatu, der zu den Südseeinseln gehört und seinerseits etwa 1800 km vor der Nordostküste Australiens liegt. Wirbelstürme in dieser Region werden als Zyklon bezeichnet und wie Hurrikane bekommen auch sie einen Namen. Der aktuelle Zyklon wurde auf "Pam" getauft und könnte in den nächsten Stunden zu einem der kräftigsten Zyklonen der letzten Jahre mit entsprechendem Schadenspotenzial in dieser Region werden.

Heute Morgen erreichte "Pam" mit seinem "Auge" von etwa 75 km Durchmesser Windgeschwindigkeiten von geschätzt 215 km/h in der Spitze. Damit ist er nach der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala für Wirbelstürme in die Kategorie 4 einzuordnen. Das Ende der Fahnenstange ist damit allerdings noch nicht erreicht, weil sich der Sturm unter günstigen Bedingungen mit warmen Meeresoberflächentemperaturen über 29 Grad noch weiter verstärken wird und am Freitag und Samstag für Windgeschwindigkeiten von 260 km/h sorgen soll. Nach Vorhersagen des japanischen Wetterdienstes sind sogar Spitzenböen bis 315 km/h möglich! Damit würde er die höchste Kategorie 5 erreichen und den Status eines Super-Zyklons bekommen. Die Bezeichnung "Super" setzt bei Zyklonen (und Taifunen) bei den Sturmböen mindestens eine Geschwindigkeit von 240 km/h voraus. Bei Hurrikanen wird in solch einem Fall meist das Präfix "Major" benutzt, dafür wären aber "nur" Windböen über 180 km/h nötig.

Immer wieder wird die Region im Südpazifik von starken Zyklonen heimgesucht. Zyklone der Kategorie 4 oder 5 kommen gar nicht so selten vor. 2014 beispielsweise sorgte Zyklon "Ita" (Kategorie 4) vom 4. bis zum 14. April für Windspitzen bis 250 km/h, als er sich südlich von Papua-Neuguinea in Richtung Australien verlagerte, um dort an der Nordostküste an Land zu gehen. "Gut" in Erinnerung geblieben ist auch Zyklon "Yasi" (Kategorie 4), der vom 30. Januar bis zum 3. Februar 2011 auf ähnlicher Zugbahn ebenso Australien erreichte und auch Windspitzen bis 250 km/h zu bieten hatte.

Von der Zugbahn her wandert Zyklon "Pam" von seinem aktuellen Standort nun in südliche Richtung weiter und bedroht damit vor allem die Inseln von Vanuatu. Ausläufer des Sturmtiefs sind wahrscheinlich aber auch bis zu den Fidschi-Inseln und nach Neu-Kaledonien zu spüren. Nach Berechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) in Reading ist ein Kerndruck von unter 910 hPa möglich, womit einer der tiefsten Kerndrücke der vergangenen Jahre erreicht werden würde. Andere Wetterdienste halten sogar 880 hPa für möglich, womit man nicht mehr weit entfernt ist vom tiefsten jemals auf der Erde festgestellten Luftdruck. Dieser liegt bei 870 hPa und wurde im Zentrum des Taifuns "Tip" auf dem Nordwestpazifik am 12. Oktober 1979 ermittelt.

Neben dem extremen Wind sind vor allem auch heftige Regenfälle eine unerwünschte Begleiterscheinung. Diese sind besonders auf Vanuatu zu erwarten. Bis zu 300 Liter Regen können dort innerhalb von 24 Stunden pro Quadratmeter niedergehen. Das ist gleichzusetzen mit 30 normal großen Eimern a 10 Liter Wasser! Zum Vergleich: In Deutschland fallen innerhalb eines Jahres ungefähr 800 Liter Regen.

Entsprechend der Zugbahn-Vorhersage gibt es auf Vanuatu, den Fidschi-Inseln und auf Neu-Kaledonien Warnungen vor dem Zyklon. Durch den extrem heftigen Regen und die Orkanböen ist mit starken Überschwemmungen und großen Zerstörungen zu rechnen.

Am Sonntag zieht "Pam" dann weiter in Richtung Südosten, sodass der Einfluss auf Vanuatu allmählich nachlässt. Gleichzeitig wird sich der Wirbelsturm abschwächen, weil ihm nun durch die weiter südlich nicht mehr ganz so hohen Meerestemperaturen die "Nahrung" rationiert wird.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.03.2015

Mal unsichtbar, mal weiß, mal grau

Waren am gestrigen Sonntag (wie hier in Stuttgart am Bärenschlössle) schön anzusehen: hohe Schleierwolken, auch CIRREN genannt, wanderten über den sonst tiefblauen Frühlingshimmel. Wie es zu diesen Wolken kommen kann, wird heute an dieser Stelle erklärt.
Waren am gestrigen Sonntag (wie hier in Stuttgart am Bärenschlössle) schön anzusehen: hohe Schleierwolken, auch CIRREN genannt, wanderten über den sonst tiefblauen Frühlingshimmel. Wie es zu diesen Wolken kommen kann, wird heute an dieser Stelle erklärt.

In den vergangenen Tagen haben sich Wolken oft nur als harmlose Schleier gezeigt, die den Himmel etwas milchig erscheinen ließen. Mancherorts war es vor allem am gestrigen Sonntag aber auch wolkenlos und die Sonne konnte von einem strahlend blauen Himmel scheinen. Der Grundbaustein der Wolken schwirrte allerdings trotzdem zahlreich durch die Luft - der Wasserdampf.

Wasserdampf befindet sich überall in der Luft, ist aber sehr inhomogen verteilt. Während an den Polen der Anteil am Luftgemisch nur gering ist, nimmt er in Richtung Tropen deutlich zu. In der Meteorologie bezeichnet man diesen Anteil am Gasgemisch der Atmosphäre als "Luftfeuchtigkeit". In der gasförmigen Phase kann man Wasserdampf nicht sehen, er ist wie viele Gase unsichtbar. Trotzdem spürt man sein Vorhandensein. 30 Grad im Sommer fühlen sich bei sehr trockenen Luftmassen ganz anders an, als wenn es schwül und feucht ist. Und auch winterliche Frosttemperaturen lassen sich in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit ganz unterschiedlich empfinden.

Es vergeht aber kaum ein Tag, an dem man das Vorkommen von Wasserdampf in unserer Atmosphäre nicht auch sieht. Er wird immer dann sichtbar, wenn er von der gasförmigen in die flüssige Phase übergeht. Das können morgendliche Bodennebelfelder, dampfende Flüsse und Seen, oder eben Wolken sein. Damit Wasserdampf in die flüssige Phase übergeht muss die Anzahl an Wassermolekülen eine bestimmte Konzentration aufweisen, sodass die Luft gesättigt ist. Abhängig ist diese Anzahl von der Temperatur. So kann wärmere Luft viel mehr Wassermoleküle aufnehmen, als kältere Luftmassen, bevor Sättigung herrscht und die Wassermoleküle in die flüssige Phase übergehen. Diesen Phasenübergang bezeichnet man dann als Kondensation.

Bei Nebel ist es vor allem die nächtliche Abkühlung, die zu Sättigung und Kondensation führt. Wenn die Luft abkühlt, dann kann die Luft immer weniger Wassermoleküle aufnehmen - die relative Luftfeuchtigkeit nimmt also zu. Irgendwann ist die Luft so kalt, dass die Umgebungsluft keine Moleküle weiter aufnehmen kann und damit Sättigung herrscht - die relative Luftfeuchtigkeit liegt dann bei 100 %. Da die Abkühlung kurz über der Erdoberfläche am stärksten ist, bildet sich in kalten Nächten häufig Bodennebel über Feldern und Wiesen.

Damit eine Wolke als sichtbares Element des Wasserdampfes in der Atmosphäre geboren wird, bedarf es ebenfalls einer Abkühlung der Luftmasse. Dafür ist in aller Regel die Vertikalbewegung verantwortlich. Darunter versteht man das Aufsteigen oder das Absinken von Luft. Wird ein Luftpaket gehoben, dann kühlt es sich ab. Dadurch steigt die relative Luftfeuchtigkeit an. Irgendwann ist schließlich Sättigung erreicht und voilà, eine Wolke ist geboren. Beim Absinken von Luft geschieht genau das Gegenteil, die Wolken lösen sich auf.

Aber warum kann man den Wasserdampf nun plötzlich sehen? Durch die Kondensation bilden sich kleine Wassertröpfchen, die viel größer sind als seine Bausteine, die Wassermoleküle. Nun kommt das Sonnenlicht mit ins Spiel. Dieses wird an den Tröpfchen gestreut. Entscheidend ist das Größenverhältnis der Wellenlängen der verschiedenen Farben, aus denen das Licht besteht (rot bis blau). Sind die Tröpfchen größer als die Wellenlänge des Lichtes, dann werden alle Farben gleich stark an Ihnen gestreut. Wolkentröpfchen haben eine Größe von 1 bis 15 µm, während sich die Wellenlänge des sichtbaren Lichtes zwischen 0.38 bis 0.78 µm bewegt, sodass diese Bedingung erfüllt ist. Dadurch erscheinen die Wolken weiß. Diesen Prozess nennt man in der Physik Mie-Streuung.

Nun sind Wolken aber nicht immer weiß. Entscheidend ist die Anzahl der Wolkentröpfchen. Gibt es viele von ihnen, so wird das von der Sonne zur Erde gelangende Licht mehrfach gestreut und nur ein geringer Anteil erreicht den Beobachter. Dadurch erscheinen mächtige Wolken oft grau, besonders bei Gewitterwolken fast schon beängstigend dunkelgrau. Ein wichtiger Faktor ist außerdem, in welcher Position man sich zur Wolke befindet und von wo die Sonne scheint. So können auch Schattenwürfe zu einem Abdunkeln führen.

Die Wolken in ihren verschiedenen Erscheinungsformen kann man in vielen Regionen Deutschlands übrigens auch wieder in der ersten Wochenhälfte begutachten. Allerdings nicht in der schönen weißen Schleierform, sondern eher als graue, tiefe Wolkenmasse.

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27.02.2015

Zwischenbilanz der Tropensturmsaison 2014/15 in Australien

Ziemlich aufgewühlt gibt sich das Wetter derzeit auf der anderen Seite unserer Weltkugel: obwohl Dank El Nino weniger Tropenstürme entstehen zeigt dieses Jahr, dass auch in einer "schwach aktiven Saison" heftige Ereignisse ebenfalls möglich sind:
Ziemlich aufgewühlt gibt sich das Wetter derzeit auf der anderen Seite unserer Weltkugel: obwohl Dank El Nino weniger Tropenstürme entstehen zeigt dieses Jahr, dass auch in einer "schwach aktiven Saison" heftige Ereignisse ebenfalls möglich sind:

Erst vor wenigen Tagen war in der internationalen Presse von zwei tropischen Zyklonen die Rede, welche den Norden und Osten Australiens heimgesucht haben, wobei das Pendant zum tropischen Zyklon ein Hurrikan im Atlantik wäre. Solch eine Nachricht lässt natürlich aufhorchen und man stellt sich die Frage, wie denn die Tropensturmsaison in diesem Bereich der Erde momentan verläuft und wie diese bisher vorhergesagt wurde.

Versuchen wir daher mal eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Die langjährige Saison rund um Australien verläuft vom 1. November bis zum 30. April und somit haben die Australier bereits mehr als die Hälfte der Saison überstanden. Die unter anderem vom Australischen Wetterdienst, dem "Bureau of Meteorology, BoM" erstellte Vorhersage ließ für die Saison 2014/15 eine durchschnittliche bis geringfügig unterdurchschnittliche Tropensturmsaison erwarten. Dabei wird das gesamte Vorhersagegebiet von Australien in 3 große Vorhersagebereiche aufgeteilt: einen westlichen, einen nördlichen und einen östlichen Bereich. Der nördliche Bereich wird hingegen nochmals in zwei Teilbereiche aufgespalten, in einen nordwestlichen und einen nördlichen Bereich. Der Süden von Australien verläuft bereits in der aktiven Westwindzone und weist somit neben zu kühlen Wassertemperaturen auch zu starke (West-)winde auf, die für eine Windscherung sorgen (Windzunahme mit der Höhe). Da Tropenstürme scherungsarme Bedingungen benötigen, ist diese Region von Australien also nicht von solchen Stürmen betroffen.

Im langjährigen Mittel, welches zwischen den Jahren 1970/71 und 2007/08 erstellt wurde, beläuft sich die durchschnittliche Anzahl von Tropenstürmen auf 11 (was diejenigen mit einschließt, die das Land nicht erreichen). In einem durchschnittlichen Jahr treffen vier Tropenstürme auf die Küsten Australiens.

Der Australische Wetterdienst gibt seine Tropensturmvorhersage in Form von Wahrscheinlichkeitsvorhersagen aus. Wenn wir den gesamten Vorhersagebereich von Australien betrachten, so wurde für die aktuelle Saison eine 34%-ige Wahrscheinlichkeit herausgegeben, dass eine leicht überdurchschnittliche Anzahl an Tropenstürme auftreten würde. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine 66%-ige Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Saison besteht. Anders ausgedrückt bedeuten diese Zahlen, dass in einem Zeitraum von 10 Jahren mit ähnlichen klimatologischen Bedingungen grob 3.5 Jahre mit einer überdurchschnittlichen und 6.5 Jahre mit einer unterdurchschnittlichen Saison erwartet werden. Es wird also gezeigt, dass mit der vorherrschenden klimatologischen Ausgangslage zwar die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige Saison deutlich höher ist, obwohl es in der Vergangenheit trotz dieser bestimmten klimatologischen Bedingungen jedoch auch aktivere Jahre gegeben hat. Daher kann auch in diesem Jahr aus rein statistischer Sicht ein solcher Fall nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Der Grund für die diesjährige Vorhersage einer normalen Tropensturmsaison lag im erwarteten El Nino, welcher historisch gesehen in den tropischen Gewässern vor Australien weniger Tropenstürme entstehen lässt (u.a. wegen Verschiebung der Aktivität in den zentralen Pazifik). Bisher traf die Vorhersage auch sehr gut zu, denn es traten im östlichen Bereich von Australien seit Beginn der Saison nur zwei tropische Zyklone (und ein tropischer Sturm) auf, wobei der langjährige Durchschnitt bei vier tropischen Zyklonen liegt. In der nördlichen Region wurde bisher gar nur ein tropischer Zyklon beobachtet (im Durchschnitt sind es drei). Doch dieses Jahr zeigt, dass auch in einer schwach aktiven Saison heftige Ereignisse ebenfalls möglich sind. Mit dem Landgang von gleich zwei starken tropischen Zyklonen (dem tropischen Zyklon LAM als Kategorie 4 und MARCIA als Kategorie 5 auf der 5-stufigen Intensitätsskala in Australien) am Freitag, den 20. Februar wurde Geschichte geschrieben. Ein gleichzeitiger Landgang am selben Tag von zwei solch intensiven Stürmen ereignete sich in Australien bisher noch nie. Die vorübergehend erhöhte Tropensturmaktivität und der gleichzeitige Landgang beider Stürme war jedoch nur ein unglücklicher Umstand. Nach letzten Erkenntnissen war dieses Ereignis einer sogenannten "äquatoriale Rossbywelle" zu "verdanken", die die nordöstlichen tropischen Meere vor Australien beeinflusste. Man kann sich diese atmosphärische Welle sehr stark vereinfacht so vorstellen, dass sie regional verstärkt Konvektion auslöst und somit Tropensturmbildungen fördert. Zudem wird die Windscherung in den Konvektionsbereichen vermindert, was die Bildung wie schon erwähnt die Bildung von Tropenstürmen begünstigt. Derartige Ereignisse sind in Langfristprognosen nicht vorhersagbar. 

In den letzten Wochen hat sich allerdings der El Nino nicht so "stark" entwickelt, wie in der ursprünglichen Langfristprognose angenommen wurde. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren tropischen Zyklons in den restlichen Monaten der Saison etwas an. Wenn man zudem die langjährige Statistik anschaut, erkennt man, dass nicht selten die stärksten Stürme zum Ende der Saison auftreten. Während der kommenden Tage jedoch deuten die Wetterkarten eine Fortdauer der ruhigen Lage an, sodass die Küstenbewohner nach diesem Doppelschlag vorerst durchatmen können.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

25.02.2015

Wintergewitter - wie entstehen sie?

Gewitter gibt es nicht nur im Sommer - auch im Winter können sie in Europa auftreten. Anfang der Woche gab es Blitz & Donner in weiten Teilen Deutschlands zu beobachten. Doch ihre Entstehung in der kalten Jahreszeit hat andere Ursachen als im Sommer, das erläutern wir heute nachfolgend:
Gewitter gibt es nicht nur im Sommer - auch im Winter können sie in Europa auftreten. Anfang der Woche gab es Blitz & Donner in weiten Teilen Deutschlands zu beobachten. Doch ihre Entstehung in der kalten Jahreszeit hat andere Ursachen als im Sommer, das erläutern wir heute nachfolgend:

Bereits seit dem vergangenen Wochenende treten sie so gut wie jeden Tag auf - die Rede ist von Gewittern. Beispielsweise zogen am Montagabend (23.02.2015) einzelne Gewitter von Westen her nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg. Sie gingen dabei lokal mit Graupel und Böen um 50 km/h (Bft 7) einher. 

Manch einer mag sich nun allerdings fragen: "Ich dachte, Gewitter treten nur im Sommer auf?" oder "Wie kann das sein...am Boden fehlen doch die warmen Luftmassen?" Daher widmen wir uns im heutigen Thema des Tages der Entstehung von Gewittern im Winter. 

Grundvoraussetzung für die Entstehung von Wintergewittern ist ein starker vertikaler Temperaturunterschied. Dabei muss, wie für jede Gewitterbildung, die Atmosphäre labil geschichtet sein. Stellen Sie sich also ein Luftpaket vor, welches wärmer als seine Umgebung ist. Da wärmere Luft leichter ist als kältere, kann das Luftpaket durch diesen Temperaturunterschied bis in große Höhen aufsteigen und Schauerwolken bilden. In unseren Breiten reicht im Winter die thermische Erwärmung des Bodens durch die Sonne bei weitem nicht aus, so muss gerade dann in großen Höhen der Troposphäre eine sehr kalte Luftschicht vorhanden sein. Als weitere Zutat muss zudem noch ausreichend Feuchtigkeit verfügbar sein. 

Das wäre also die Theorie, aber was bedeutet das in Zahlen? Als Faustregel kann man einen Temperaturunterschied von rund 30 Grad zwischen 1500 m (850 hPa) und 5500 m (500 hPa) annehmen (die Höhenangaben sind ungefähre Werte). Wenn für den Boden wintertypische Temperaturen um den Gefrierpunkt angenommen werden, die bei uns momentan verbreitet zumindest in der Nacht noch auftreten, so sollte in einer Höhe von 4 bis 8 km eine ausreichend dicke Luftschicht vorhanden sein, die ca. minus 35 Grad aufweist. Ist die Luft auch noch ausreichend feucht, so herrschen in der Atmosphäre gute Bedingungen für die Entstehung eines Wintergewitters. 

Im Winter ist die Nordsee verglichen zum Festland relativ warm und feucht. Dort kann der starke Temperaturunterschied "leichter" erreicht werden, sodass diese Wintergewitter häufig über der Nordsee und in Küstennähe auftreten. 

Wintergewitter entstehen somit nicht so einfach wie im Sommer und sind seltener. Auch die Blitzentladungen sowie die Lebensdauer fallen meist wesentlich geringer aus als bei kräftigen Sommergewittern. Dafür treten im Winter zusätzliche Phänomene auf. So werden Wintergewitter nicht nur von kräftigen Regen- oder Graupel-, sondern auch von Schneeschauern begleitet. Je nach Stärke des Gewitters und je nachdem wie kalt die Luft ist, ist auch ein kräftiges Schneetreiben möglich. Außerdem kann es innerhalb kurzer Zeit zu einem deutlichen Temperaturrückgang kommen. 

Betrachtet man sich das heutige Wettergeschehen, so lässt sich auch heute Mittag und am Nachmittag vor allem im Norden Deutschlands noch ein Potential für Wintergewitterentstehung finden. Dort kann es dann einzelne Gewitter mit Graupel und Windböen geben. Allerdings ist dafür heute auch vorerst der letzte Tag. Denn die höhenkalte Luft wird nach und nach ostwärts verdrängt, sodass selbst über der Nord- und Ostsee keine Gewitter mehr auftreten werden. In Süddeutschland wie Österreich sind heute keine Gewitter zu erwarten.

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24.02.2015

Winterliche Überraschung - wie der DWD das Wetter dreiteilt

Am Montag gab es in weiten Teilen Deutschlands eine "weiße Überraschung" - die für die Meteorologen allerdings nicht unbedingt eine "Überraschung" war sondern korrekt angekündigt wurde.
Am Montag gab es in weiten Teilen Deutschlands eine "weiße Überraschung" - die für die Meteorologen allerdings nicht unbedingt eine "Überraschung" war sondern korrekt angekündigt wurde.

Zwar war der Schneefall am gestrigen Montag angekündigt, der ein oder andere wird sich aber bestimmt etwas erstaunt die Augen gerieben haben, dass es in einigen Teilen Deutschlands längere Zeit zum Teil recht kräftig geschneit hat. So sind im Mittelgebirgsraum zum Teil über 10 cm Schnee gefallen. Selbst im Rhein-Main Gebiet hat sich in den Außenbezirken zumindest vorübergehend eine mehrere Zentimeter dicke Nassschneedecke ausbilden können.

Die Überraschung kam sicher bei vielen dadurch zu Stande, dass das Wettergeschehen an den Vortagen nicht unbedingt auf Schneefall schließen ließ. Aus Vorhersagersicht hielt sich das Erstaunen hingegen in Grenzen. Vielmehr lieferte die Prognose gute Hinweise auf dieses Ereignis und wurde entsprechend auch in den Vorhersagetexten verarbeitet. Im heutigen Thema des Tages geht es nun um die Vorhersage solcher winterlicher Wettererscheinungen, auch wenn dies ein komplexes Thema ist und nicht in der Kürze komplett abgehandelt werden kann. Daher soll es vielmehr darum gehen ganz allgemein die Grundzüge zu skizzieren.

Beim DWD arbeitet man hauptsächlich nach der sogenannten "Top-Down" -Methode. Dabei handelt es sich um eine Vorgehensweise bei der man von oben nach unten durch die Atmosphäre hindurch schaut und dabei die Verlauf von Temperatur und Feuchte betrachtet. Zum Verständnis sind folgende Grundlagen wichtig: Liegt die relative Feuchtigkeit nahe 100%, so kann der Wasserdampf in der Luft kondensieren und es bilden sich Wolken und später vielleicht auch Niederschlag. Entscheidend ist, bei welcher Temperatur dies geschieht. Liegen die Werte im Niveau der Wolkenbildung unterhalb von -10 Grad, dann entstehen verstärkt Eiskristalle. Bei Werten zwischen 0 und -10 Grad überwiegen hingegen unterkühlte Wassertröpfchen. Bei positiven Temperaturen gehen Eiskristalle und Schneeflocken wieder in die Flüssigphase über.

Der Meteorologe beginnt nun also mit der Durchschau und betrachtet dabei drei grundlegende Schichten:

(1) Wo bilden sich die Wolken?

Zunächst schaut man in den mittleren und höheren Luftschichten, in welcher Höhe und vor allem bei welcher Temperatur sich das erste Mal Wolken bilden. Geschieht dies bei Temperaturen unter -10 Grad, dann ist die Wahrscheinlichkeit für Eiskristalle sehr hoch, was eine wichtige Voraussetzung für Schnee ist. Bei höheren Temperaturen halten sich hingegen unterkühlte Wassertröpfchen, was eher zu Sprühregen führt.

(2) Gibt es Warmlufteinschübe?

Nun blickt man in die unteren Luftschichten. Im Winter ist es nicht untypisch, dass sich wärmere Luftmassen über eine noch kalte, bodennahe Schicht schieben (Inversion). Liegt die Temperatur in einer ausreichend dicken Schicht oberhalb des Gefrierpunktes, so können vorhandene Eiskristalle und Schneeflocken beim runter fallen zu Wasser schmelzen.

(3) Wie sieht es in Bodennähe aus?

Ein ganz wichtiger und auch schwierig vorherzusagender Parameter ist die Temperatur am Boden. Wenn sich dort beispielsweise noch Frost hält und die Böden gefroren sind, kann der in höheren Schichten geschmolzene Niederschlag oder der angesprochene Nieselregen beim Auftreffen schlagartig fest frieren, was zu gefährlichem Glatteis führt. Andererseits bleibt bei positiven Bodentemperaturen fallender Schnee vielleicht gar nicht am Boden liegen. Aufgrund verschiedener lokaler Verhältnisse und Unterschiede in der Beschaffenheit der Böden kann es größere Unterschiede auf engem Raum geben. So was es beispielsweise auch gestern im Rhein-Main-Gebiet, wo es in den Städten "grün" blieb und in den Außenbezirken weiß wurde. 

Hat man die Prognosen für den gestrigen Tag betrachtet, so lagen in den betroffenen Gebieten auf dem Niveau der Wolkenbildung die Werte deutlich unter -10 Grad (1), die Temperatur in den unteren Schichten nahm zwar zu, lag aber weitgehend unterhalb von 0 Grad (2) und die Bodentemperaturen bewegten sich um den Gefrierpunkt (3). Schnee war also zu erwarten, nur ob er auch im Flachland liegen bleiben würde, war aufgrund der oben erwähnten Schwierigkeiten noch etwas unsicher.

Ein wichtiger Parameter für die Wettervorhersage im Winter ist auch die Feuchttemperatur. Das ist die Temperatur die sich in der Umgebung einstellt, wenn Niederschlag in eine noch trockene Schicht fällt und sich damit Sättigung einstellt. In einer Atmosphäre ohne Temperaturumkehr mit der Höhe (Inversion), nutzt man als Faustregel den Wert von +1.5 Grad. Dieser bildet die Grenze zwischen Regen und Schnee. Oberhalb dieses Grenzwertes gibt es eher Regen, bei niedrigeren Werten Schnee. Auch das hat gestern sehr gut geklappt.

Es zeigt sich also wieder, dass der Meteorologe für eine gute Vorhersage die verschiedenen Atmosphärenschichten durchleuchten muss (3D), um keine bösen Überraschungen zu erleben..

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.02.2015

Wolkenklassifikation: Wenn der Lateiner mal durchbricht...

Schleier- bzw. "Feder"-wolken (lat. "Cirrus") sind mit die höchsten Wolken, die sich bei uns in der Atmosphäre bilden können. Sie sind in der Regel Vorboten einer Wetteränderung, die binnen 48 Stunden eintreten wird.
Schleier- bzw. "Feder"-wolken (lat. "Cirrus") sind mit die höchsten Wolken, die sich bei uns in der Atmosphäre bilden können. Sie sind in der Regel Vorboten einer Wetteränderung, die binnen 48 Stunden eintreten wird.

Sie treten in den verschiedensten Formen auf: mal als filigrane Schleier, mal als mächtige Ambosse oder bedrohliche Walzen. Die Rede ist von Wolken. Eine Wolke ist eine relativ dichte Ansammlung von winzigen Wassertröpfchen bzw. Eiskristallen in der Luft. Dabei kondensiert das Wasser bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 % an Staubteilchen, die als Kondensationskeime dienen. Aufgrund der sehr variablen Erscheinungsformen schien es zunächst nahezu unmöglich eine Klassifikation von Wolken zu erstellen. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts brachte der englische Pharmazeut und Hobbymeteorologe L. Howard mit seinem Klassifikationsschema Ordnung ins Chaos. Er teilte die Wolken wie in der Biologie üblich in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten ein. Seine Einteilung ist heute noch als internationale Klassifikation gebräuchlich und soll im Folgenden kurz erläutert werden.

Die Wolkenfamilien werden zunächst einmal nach der Höhe, in der die Wolken anzutreffen sind (Stockwerk), eingeteilt: Man unterscheidet zwischen hohen Wolken, die sich in mittleren Breiten in einer Höhe von 7 bis 13 km befinden, mittelhohe Wolken in einer Höhe von 2 bis 7 km und tiefe Wolken mit einer Höhe von 0 bis 2 km. Dann gibt es noch Wolken mit großer vertikaler Erstreckung. Dies sind Wolken, die so mächtig sind, dass sie sich über alle Stockwerke erstrecken.

Pro Familie gibt es in der Regel zwei Gattungen: Diese unterscheiden zwischen haufenförmigen Wolken (Cumulus) und schichtförmigen Wolken (Stratus). Im hohen Stockwerk gibt es eine weitere Gattung, die Schleierwolken (Cirrus), die vollständig aus Eiskristallen bestehen. In der unteren Schicht existiert noch eine Mischform zwischen Stratus und Cumulus (Stratocumulus). Insgesamt ergeben sich dann 10 Gattungen. Der Name der Wolke setzt sich nun aus dem Namen für das Stockwerk und der Gattung zusammen. Für hohe Wolken wird der Ausdruck Cirro-, für mittelhohe Wolken Alto- und bei vertikal mächtigen Wolken Nimbo- verwendet. Bei tiefen Wolken wird der Ausdruck weg gelassen.

Die Arten beschreiben dann die Gestalt der Wolken, zum Beispiel, ob sie linsenförmig (lenticularis) oder schichtartig (stratiformis) sind. In den Unterarten werden weitere Eigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit und Anordnung beschrieben.

Als Beispiel einer Klassifikation sei die Wolke Altocumulus stratiformis perlucidus angeführt. Dabei handelt es sich um eine mittelhohe flache Haufenwolke, die sich über eine große Fläche erstreckt und kleine Lücken zwischen den Wolkenteilen aufweist, durch die man den Himmel sieht. Auf gut Deutsch sind dies die allseits bekannten "Schäfchenwolken".

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20.02.2015

Wenn Zwillinge Achterbahn fahren

Die Wettermodelle berechnen in ca. 1.500 Meter Höhe über unseren Köpfen derzeit eine ziemliche Achterbahn-Fahrt der Prognosemodelle (© Grafik DWD). Was das ganze mit "Zwillingen" zu tun hat, erläutern wir nachfolgend:
Die Wettermodelle berechnen in ca. 1.500 Meter Höhe über unseren Köpfen derzeit eine ziemliche Achterbahn-Fahrt der Prognosemodelle (© Grafik DWD). Was das ganze mit "Zwillingen" zu tun hat, erläutern wir nachfolgend:

In den letzten Tagen, ja eigentlich in den letzten Wochen, wurde das Wetter bei uns in Deutschland und Österreich oft mit Worten wie "ruhig" oder "zu Nebel neigend" beschrieben. Gerne gewählt wurden auch Formulierungen wie "schwache Luftdruckgegensätze" und natürlich "Hochdruckeinfluss". Jetzt wird es bei uns in Mitteleuropa aber ein bisschen lebhafter, mit Niederschlägen und auflebendem Wind. In gewisser Weise begeben wir uns sogar auf eine Achterbahnfahrt, zumindest, wenn man einen Blick auf die Temperaturen in etwa 1,5 km Höhe richtet.

Eine entsprechende Abbildung findet Ihr hier zum Artikel oben. Sie zeigt für Offenbach, dem Standort des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die prognostizierte Entwicklung der Temperatur in etwa 1,5 km Höhe, genauer gesagt, da Meteorologen gerne mit Druckangaben arbeiten, in 850 Hektopascal (hPa). Zum Wochenende geht es mit der entsprechenden Temperatur rasant abwärts, am Montag dann wieder mit Schwung nach oben. Zumindest kurzfristig, denn schon am Dienstag folgt der nächste, dann wohl länger anhaltende "Absturz" - ein Auf und Ab wie auf einer Achterbahn, zumindest wie auf einer kleinen.

Die Grafik ist das Ergebnis von insgesamt 51 Modellläufen des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage. Das Modell der Kollegen wird dazu 50 Mal mit einer groben Auflösung und einmal mit einer hohen Auflösung gerechnet, wobei sich die Modellläufe alle in ihren Anfangsbedingungen unterscheiden. Alle? Nein! Es gibt ein "Zwillingspärchen", denn dem Modelllauf mit hoher Auflösung entspricht von den Anfangsbedingungen her genau ein Modelllauf mit grober Auflösung. 

Die beiden "Zwillinge" werden in der Grafik übrigens mit kräftigem Rot dargestellt, durchgezogen für den hoch aufgelösten Modelllauf, unterbrochen für den Modelllauf mit gröberer Auflösung. Der große Rest ist in dünnen punktierten Linien wiedergegeben. Die teils amöbenförmige, teils an grüne Ostereier (zu Beginn der Fastenzeit vielleicht ein Hoffnungsschimmer) erinnernde Hintergrundfarbe sagt etwas über die Wahrscheinlichkeit der zu erwartenden Temperatur aus. Dabei gilt: Je dunkler die Farbe, desto wahrscheinlicher wird sich die Temperatur in diesem Bereich bewegen. 

Man kann übrigens auch erkennen, dass einige Modellläufe gerne weiter Achterbahn fahren möchten. Innerhalb der blauen Ellipse steigt am Mittwoch die Temperatur bei einem Modelllauf wieder stark an. Eine Einzellösung, wie wir Meteorologen sagen? Ja und Nein. Ja, weil am Mittwoch sonst kein anderes Modell eine ähnlich deutliche Erwärmung bringt. Nein, weil am Donnerstag und Freitag durchaus einige weitere Modellläufe eine kräftige Erwärmung simulieren. Insgesamt wird die Streuung der Modellläufe in der zweiten Wochenhälfte größer - und damit die Unsicherheit der Vorhersagen. 

Da bleibt nur noch eine Frage: Warum interessiert uns die Temperatur in genau dieser Höhe? Nun, in dieser Höhe kann man die von der Erdoberfläche erzeugten kurzfristigen Einflüsse auf die Atmosphäre, wie beispielsweise die Reibung oder die turbulente Durchmischung, weitgehend vernachlässigen (natürlich gilt das nicht für die Gebirge). Mithin ist eine Temperaturänderung in dieser Höhe das Ergebnis der großräumigen Strömungsmuster. Und die sind nicht nur ein sehr wichtiger Aspekt der zukünftigen Wetterentwicklung. Sie haben auch eine sehr charmante Eigenschaft: Sie sind relativ leicht vorherzusagen! 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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19.02.2015

Kommt nochmal der Winter?

Weidenkätzchen sind ein untrügliches Zeichen, dass sich der Frühlings nähert. Bislang hält sich dieser Frühblüher aber meist noch vornehm zurück. Dennoch ist in diesem Jahr nicht mit einem eisigen März-Winter wie 2013 zu rechnen. Tendenziell wird der Start in den Frühling heuer eher normal oder gar zu warm verlaufen.
Weidenkätzchen sind ein untrügliches Zeichen, dass sich der Frühlings nähert. Bislang hält sich dieser Frühblüher aber meist noch vornehm zurück. Dennoch ist in diesem Jahr nicht mit einem eisigen März-Winter wie 2013 zu rechnen. Tendenziell wird der Start in den Frühling heuer eher normal oder gar zu warm verlaufen.

Derzeit herrscht ruhiges Hochdruckwetter. In den Gebieten, wo sich die Sonne zeigt, steigen die Temperaturen tagsüber auf schon vorfrühlingshafte Werte von 5 bis 11 Grad. Schnee hat es schon über eine Woche nicht mehr gegeben und in tiefen Lagen haben bereits erste Frühblüher ihre Blüten geöffnet. Jetzt werden sich viele fragen, ob der Frühling naht, oder ob es noch mal einen Wintereinbruch geben kann?

In den nächsten Tagen ändert sich die Großwetterlage in Mitteleuropa spürbar. Mit dem Kaltlufteinbruch in Nordamerika strömt auch kalte Luft über den relativ warmen Nordatlantik, sodass sich dort zahlreiche Tiefdruckgebiete bilden. Diese verdrängen bei ihrer Ostverlagerung unser mitteleuropäisches Hochdruckgebiet und ziehen ab dem Wochenende in rascher Abfolge über Nordeuropa von West nach Ost hinweg. Ihre Ausläufer sorgen auch im Bundesgebiet für wechselhaftes Wetter mit vielen Wolken und häufigem Regen. Dabei wird abwechselnd milde Atlantikluft und kühlere Subpolarluft herangeführt. Die Schneefallgrenze schwankt dadurch zwischen 400 und 1300 m. Der Winter bleibt also in den Bergen. Dort gibt es in den Kammlagen voraussichtlich bis Anfang März sogar noch einen Schneezuwachs, sodass dort die meist noch guten Wintersportbedingungen erhalten bleiben. Im Tiefland liegt das Temperaturniveau weiterhin bei etwa 5 bis 10 Grad. Aber auch dort kann es zeitweise zu Graupelschauern und leichten Nachtfrösten kommen. 

Und wie sieht es im gesamten Monat März aus? Brauchbare Wettervorhersagen sind bis zu maximal 10 Tagen im Voraus möglich. In manchen Fällen lässt sich sogar bis zu 14 Tagen ein grober Trend angeben. Um dennoch Aussagen machen zu können, müssen wir die Statistik bemühen. Was allerdings im März an Extremen alles möglich ist, zeigen uns die Jahre 2013 und 2014, die unterschiedlicher nicht sein konnten. 

Im März 2014 kam nach einem überaus milden Winter rasch der Frühling. Atlantische Tiefausläufer führten auf ihrer Vorderseite warme Luft nach Mitteleuropa. Deutschland verblieb überwiegend unter Hochdruckeinfluss, wobei sich die Temperaturen bei viel Sonnenschein meist zwischen 10 und 20 Grad bewegten. Ab Mitte März wurden dann sogar häufiger Temperaturen über 20 Grad gemessen. Der März 2014 war daher mit einer Abweichung von 3,5 Grad deutlich zu warm.

Im Gegensatz dazu stellte sich 2013 nach recht warmem Märzbeginn die Großwetterlage rasch um. Tiefdruckgebiete über Nordosteuropa zapften sibirische Kaltluft an, die sich über Ost- und Mitteleuropa ausbreitete. Dabei kam es nochmals zu intensiven Schneefällen, sodass Deutschland sogar im Tiefland längere Zeit überwiegend schneebedeckt war. Die Nachttemperatur sank Mitte März sogar nochmals verbreitet unter -15 Grad. Diese Wetterlage hielt im Wesentlichen bis Anfang April an, sodass dann in den Mittelgebirgen noch teilweise über 1 Meter Schnee lag. 

Ursache für diese Bandbreite an möglichen Witterungsextremen ist, dass durch den hohen Sonnenstand in den Subtropen bereits schon hohe Temperaturen herrschen, während die Kontinente im Norden noch sehr kalt sind. Je nach Strömungsverhältnissen kann sowohl warme, oder noch winterlich kalte Luft zu uns nach Mitteleuropa geführt werden. Statistisch gesehen, kommen kurze Wintereinbrüche im März häufiger vor. Allerdings hält sich in tiefen Lagen eine Schneedecke nur selten, da der Sonnenstand Mitte März bereits dem von Mitte September entspricht. So steigen die Temperaturen auch im Zustrom sehr kalter Luft trotz frostiger Nacht tagsüber meist über den Gefrierpunkt. Noch so ein extrem kalter März wie 2013 ist in diesem Jahr aber eher unwahrscheinlich. Damals war es in Sibirien teilweise bis zu 5 Grad zu kalt und Osteuropa war weitestgehend schneebedeckt. Zurzeit konzentriert sich der Kältepol bisher auf Nordamerika, während es in Sibirien und Nordosteuropa im Mittel eher zu warm ist. Auch ist die Schneebedeckung in Osteuropa vergleichsweise gering. 

Derzeit konzentriert sich der Winter also auf die Bergregionen, trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass es kurzzeitig nochmal einen Wintereinbruch bis in tiefe Lagen gibt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

18.02.2015

Ende einer meteorologischen Ära: Letzte Handanalyse von Bodenwetterkarten im Deutschen Wetterdienst

Die Bodenwetterkarte des 18. Februar 2015 - nach über 100 Jahren manueller Analyse von Bodenwetterkarten auf Papier mit Bleistift und Radiergummi werden die Analysen beim Deutschen Wetterdienst ab heute mit einem elektronischen Editor durchgeführt. Eine Ära geht zu Ende.
Die Bodenwetterkarte des 18. Februar 2015 - nach über 100 Jahren manueller Analyse von Bodenwetterkarten auf Papier mit Bleistift und Radiergummi werden die Analysen beim Deutschen Wetterdienst ab heute mit einem elektronischen Editor durchgeführt. Eine Ära geht zu Ende.

Wetter, Witterung und Klima der mittleren Breiten, also auch unser Deutschlandwetter, werden durch die zwischen den subtropischen Hochdruckgürteln und den Polarregionen anzutreffende Westwinddrift mit ihren einander abwechselnden Hoch- und Tiefdruckgebieten bestimmt. Diese Hoch- und Tiefdruckgebiete sind dreidimensionale Wirbel mit meist vertikaler Achse, deren Verlagerung von der Höhenströmung in der mittleren Atmosphäre gesteuert wird. Sie realisieren den Energieaustausch zwischen niederen und hohen geographischen Breiten, in dem an ihren Vorderseiten warme (subtropische, selten auch tropische) Luftmassen nordwärts und auf den Rückseiten kalte (polare bzw. subpolare) Luftmassen südwärts gelenkt werden. 

Dabei kommt der Begriff Front ins "Spiel". Als Front bezeichnet man die Schnittlinie einer Fläche am Boden bzw. auf der Bodenwetterkarte, welche zwei Luftmassen mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften voneinander trennt. Frontalzonen und Fronten bilden sich immer dann, wenn durch die atmosphärische Zirkulation bedingt, verschiedene Luftmassen gegeneinander strömen und seitwärts abgelenkt werden. Frontalzonen sind Ursprungsgebiete außertropischer Tiefdruckgebiete, welche verschiedene Luftmassen in ihre Zirkulation einbeziehen und in ihren Grenzgebieten folglich Fronten ausbilden. 

Innerhalb einer Luftmasse sowieso, aber auch beim Übergang von einer Luftmasse zu einer anderen erfolgt die horizontale Änderung dieser Eigenschaften (u.a. Temperatur, Dichte, Feuchtigkeit) streng genommen kontinuierlich. Sie kann aber so scharf sein, dass man faktisch von Grenzflächen zwischen den Luftmassen spricht. Vor allem die horizontale Temperaturänderung verläuft diskontinuierlich. Im Bereich einer Frontfläche vermischen sich Luftmassen mit unterschiedlichen Temperaturen und Wasserdampfgehalten. Die "Mischluft" ist übersättigt und es kommt zur Kondensation des Wasserdampfes, daher sind Fronten vielfach mit Wolken und Niederschlagsbildung verbunden. 

Wie auch immer, wer in den mittleren Breiten Wettervorhersage betreibt, kann sich dem Frontbegriff nicht entziehen. Folglich ist die Analyse von Bodenwetterkarten als Abbild des Ist-Zustandes des aktuellen Wetters aus mehreren Gründen in der täglichen Praxis im Vorhersagedienst unverzichtbar. Bei der Analyse von Bodenwetterkarten kommt das so genannte "Frontenkonzept" zum Tragen, das sich seit mehr als 100 Jahren in der synoptischen (d.h. "zusammenschauenden") Wetterkunde bewährt hat. Das Frontenkonzept erleichtert wesentlich die Beschreibung und Diagnose von Wetterlagen. 

Analysierte Bodenwetterkarten sind auch im Kreise der Nutzer (u.a. Krisenstäbe im Katastrophen-Management, Behörden, wissenschaftliche Institutionen) sowie in der interessierten Öffentlichkeit wohlbekannt und folglich eine vertraute und verständliche Darstellungsform (z.B. Zeitungswetterkarten). Außerdem werden die innerdienstliche Kommunikation der Meteorologen untereinander und die Verständigung mit weiteren Nutzern durch das Frontenkonzept deutlich verbessert. Die Einführung des Frontenkonzeptes in die numerische Analyse und Prognose konnte allerdings bisher nicht befriedigend gelöst werden, so dass hierbei die manuelle Bearbeitung überlegen ist. 

Wie gesagt, werden Fronten häufig von markanten Wetterereignissen begleitet. Die Frontenanalyse und deren Verlagerung bieten daher ein ideales Instrument zur Wetterüberwachung und -vorhersage. Insbesondere sommerliche Konvergenzen (Squall-Lines) mit der Gefahr von Unwettern durch konvektive Umlagerungen werden von numerischen Modellen nur unzureichend simuliert und können durch manuelle Analysen besser herausgearbeitet und somit überwacht werden. In der Kürzestfristprognose liefern Beobachtungsverfahren nach wie vor bessere Ergebnisse als die Numerik. Manuelle Fronten- und Konvergenzanalysen sind wesentlicher Bestandteil dieser Vorgehensweise. So werden Analysen zu einem unverzichtbaren Erfahrungsgewinn für die Wetterüberwachung und das Nowcasting insbesondere sommerlicher Schwergewitterlagen. 

Weiterhin bieten archivierte Bodenwetterkarten mit analysierten Fronten ein ideales Instrument für Recherchen jeglicher Art. Dadurch liefern solche Karten einen Beitrag zur klimatologischen Grundversorgung und für dokumentarische Zwecke, insbesondere auch für wissenschaftliche Arbeiten an Universitäten. Tropische Wirbelstürme, die in abgeschwächter Form auch das Wetter in Deutschland beeinflussen können, werden durch numerische Modelle bislang unzureichend aufgelöst und prognostiziert. Auch hierbei ist eine manuelle Analyse deutlich überlegen und hilfreich für die Bewertung der numerischen Prognosen. Schließlich wird das Frontenkonzept auch für Prognosekarten (TKBs) beibehalten, unbedingt muss auch hier Isaac Newtons Erkenntnis gelten: ohne die Kenntnis des Anfangszustandes ist keine Aussage über künftige Ereignisse möglich! D.h. ohne Frontenanalyse kann es auch keine vernünftige Frontenvorhersage geben! 

Nach über 100 Jahren manueller Analyse von Bodenwetterkarten - auf Papier mit Bleistift und Radiergummi - werden die Analysen im DWD ab heute, 18.02.2014, 12:00 UTC, mit einem entsprechenden elektronischen Editor ausschließlich am Bildschirm ("On Screen") durchgeführt. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

17.02.2015

Shades of grey

Die kalte Nebelsonne - derzeit reicht ihre Kraft (noch) nicht aus, sich durch das Grau durchzukämpfen: Aufgrund der hohen Albedo (Rückstrahlvermögen) der Nebeldecke wird der Großteil der Sonnenstrahlung sogar zurück ins All geworfen.
Die kalte Nebelsonne - derzeit reicht ihre Kraft (noch) nicht aus, sich durch das Grau durchzukämpfen: Aufgrund der hohen Albedo (Rückstrahlvermögen) der Nebeldecke wird der Großteil der Sonnenstrahlung sogar zurück ins All geworfen.

Nein, liebe SchülerInnen, an dieser Stelle erfolgt keine Rezension zu einer bekannten Buchreihe oder zu einem kürzlich angelaufenen Kinofilm. Vielmehr ist mit diesem Titel die Färbung des Himmels gemeint, der derzeit in einigen Teilen Deutschlands mal mehr, mal weniger in Grauschattierungen erscheint. 

Das liegt daran, dass wir es in Deutschland aktuell mit einer für den Herbst und Winter typischen Wetterlage unter Einfluss hohen Luftdrucks zu tun haben. Dabei hat sich in großen Teilen Deutschlands unter einer Inversion eine dichte Nebel- oder Hochnebeldecke  ausgebildet. Diese kann sich oft den ganzen Tag über zäh halten. Doch warum löst sich der Nebel manchmal nur zögerlich auf? 

Eine Nebelschicht lässt nur einen sehr geringen Teil der von der Sonne kommenden Sonnenstrahlung zum Erdboden durch. Aufgrund der hohen Albedo (Rückstrahlvermögen) der Nebeldecke wird der Großteil der Sonnenstrahlung zurück ins All geworfen. Daher erscheint die Nebeldecke vom Erdboden aus gesehen eben in Grautönen (womit wir wieder beim Titel wären), vom Flugzeug aus hingegen weiß. 

Jener geringe Anteil an Sonnenstrahlung, der die Vielzahl von Wassertröpfchen des Nebels durchdringt, erreicht die Erdoberfläche, die einen Großteil davon aufnimmt. Letztendlich gibt der Erdboden wieder Energie an die darüber befindliche Luftschicht ab. Genau dieser kleine Rest an Energie steht für die Erwärmung der Luft zur Verfügung und kann für die Auflösung des Nebels sorgen. Denn die Luft kann ab einer bestimmten Temperatur wieder genug Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, ohne dass es zur Kondensation kommt. Die Nebeltröpfchen verdunsten dann und der Nebel löst sich allmählich auf.

Aufgrund der Tatsache, dass Sonnenstrahlung an der Oberseite der Nebeldecke abgeschirmt wird, neigt der Nebel dazu, sich selbst zu erhalten. Zum Teil wird zwar ein Teil der Sonnenstrahlung in der Nebeldecke auch absorbiert und überführt einige Nebeltröpfchen vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatszustand. Grundsätzlich gilt jedoch, dass es umso schwieriger ist, den Nebel aufzulösen, je mächtiger die Nebelschicht ist. Das liegt daran, dass mit zunehmender Mächtigkeit immer weniger solare Strahlung zum Boden gelangt und auch mehr Energie notwendig ist, um die entsprechend zunehmende Anzahl von Nebeltröpfchen zu verdunsten. Diese spezifische Energie, die aufgewendet werden muss, um den Übergang der Wassermoleküle aus dem Wasserverband in die Atmosphäre zu ermöglichen, wird Verdunstungswärme genannt und beträgt bei einer Temperatur von 2 °C 2493 Joule pro Gramm. Dass das vergleichsweise viel ist, zeigt das folgenden Gedankenexperiment: Mit der zur Verdunstung von einem Gramm Wasser notwendigen Energie könnte man ebenso gut knapp 600 Gramm Wasser um ein Grad erwärmen. Allein daran wird deutlich, warum sich ausgedehnte Nebel- und Hochnebelfelder im Herbst und Winter manchmal über Tage hinweg nicht auflösen. Nicht zuletzt steht in diesen Jahreszeiten die Sonne flach am Himmel und die pro Fläche ankommende Sonnenenergie ist entsprechend geringer. 

So erwärmt sich die bodennahe Luftschicht bei Nebel und Hochnebel im Tagesverlauf kaum. Die Höchsttemperaturen bleiben gegenüber nebelfreien Gebieten deutlich zurück. Ein weiterer Effekt ist jedoch auch, dass es nachts infolge der Gegenstrahlung durch die Nebeldecke kaum auskühlt (Reflexion der langwelligen Wärmestrahlung des Bodens an der Unterseite des Nebels). Der Tagesgang der Temperatur ist also entsprechend gering ausgeprägt oder fast nicht vorhanden: Vielfach kommen vor allem jetzt in den Wintermonaten die Temperatur sprichwörtlich "nicht von der Stelle".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

13.02.2015

Feuchte ist nicht gleich Feuchte

Eine relative Luftfeuchte von 100 % bedeutet also, dass die Luft genauso viel Wasserdampf enthält, wie es ihr maximal möglich ist. Sie ist dann also gesättigt und kann keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen. Tut sie es doch, kondensiert dieser überschüssige Wasserdampf zu Tröpfchen und es entstehen Nebel oder Wolken. Unser Bild des Tages zeigt die Kondensation des Seewassers im morgendlichen Sonnenschein hin zu Nebel in den Französischen Alpen.
Eine relative Luftfeuchte von 100 % bedeutet also, dass die Luft genauso viel Wasserdampf enthält, wie es ihr maximal möglich ist. Sie ist dann also gesättigt und kann keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen. Tut sie es doch, kondensiert dieser überschüssige Wasserdampf zu Tröpfchen und es entstehen Nebel oder Wolken. Unser Bild des Tages zeigt die Kondensation des Seewassers im morgendlichen Sonnenschein hin zu Nebel in den Französischen Alpen.

Die Luftfeuchtigkeit ist eine der zentralen Größen in der Meteorologie. Sie lässt im Allgemeinen eine Aussage darüber zu, wie viel Wasserdampf sich in der Luft befindet. Ohne diesen Feuchteanteil würde es das Wetter, so wie wir es auf unserem Planeten kennen, nicht geben. Auf der Hand liegt beispielsweise, dass sich ohne Luftfeuchtigkeit keine Wolken und in der Folge auch kein Niederschlag bilden könnten. Wie es dann auf der Erde aussehen würde, darf sich jeder selbst ausmalen.

Feuchte, also der Wasserdampfgehalt in der Luft, ist demnach ungemein wichtig. Als Feuchtequelle infolge Verdunstung fungieren hierbei z.B. die Gewässer und die Vegetation. Doch Feuchte ist nicht gleich Feuchte. In der Meteorologie unterscheidet man eine Vielzahl verschiedener Feuchtemaße, mit denen man den Feuchtegehalt in Form von Angaben zur Luftfeuchtigkeit beschreiben kann. 

Am bekanntesten dürfte wohl die relative Luftfeuchte sein, hängt doch nicht zuletzt in vielen Haushalten ein entsprechendes Messinstrument (Hygrometer) an der Wand. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen und dem maximal möglichen Wasserdampfgehalt des betrachteten Luftvolumens (meistens 1 m³ Luft) und wird üblicherweise in Prozent (%) angegeben. Eine relative Luftfeuchte von 100 % bedeutet also, dass die Luft genauso viel Wasserdampf enthält, wie es ihr maximal möglich ist. Sie ist dann also gesättigt und kann keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen. Tut sie es doch, kondensiert dieser überschüssige Wasserdampf zu Tröpfchen und es entstehen Nebel oder Wolken.

Wie viel Wasserdampf nun ein bestimmtes Luftvolumen aufnehmen kann, hängt nun aber entscheidend von der Lufttemperatur ab, denn Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kältere. Das äußert sich zum Beispiel häufig darin, dass nachts die relative Luftfeuchte oftmals deutlich höher ist als tagsüber. In der Nacht sinkt die Lufttemperatur in der Regel und dementsprechend auch das Wasserdampf-Aufnahmevermögen der Luft. Der tatsächliche, also absolute Wasserdampfgehalt, bleibt dabei aber im Allgemeinen nahezu unverändert (wenn man von dem aus der Luft ausfallendem Tau oder Reif absieht, wodurch der Wasserdampfgehalt abnehmen würde). Nachts nimmt dann unter dem Strich die relative Luftfeuchte zu. Vor allem im Herbst und im Winter erreicht die relative Luftfeuchte dann auch gerne mal 100 %, sodass sich Nebel bildet.

Eben war die Rede vom absoluten Wasserdampfgehalt. Dieser beschreibt ein weiteres in der Meteorologie gebräuchliches Feuchtemaß, nämlich die absolute Feuchte. Sie gibt den tatsächlichen Wasserdampfgehalt des betrachteten Luftvolumens meist in Gramm pro m³ Luft an und ist, im Gegensatz zur relativen Luftfeuchte, temperaturunabhängig. 

Doch wie viel Wasserdampf kann denn nun 1 m³ Luft aufnehmen?

Physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgend nimmt die Sättigung der Luft mit steigender Temperatur exponentiell zu. So gilt bei einer Lufttemperatur von 0 Grad (Celsius) und einer Wasserdampfmenge von 5 g der Ausspruch "Oberkante Unterlippe", d.h., die Luft ist gesättigt und kann keinen weiteren Wasserdampf aufnehmen, ohne den Kondensationsprozess einleiten zu müssen. Bei 15 Grad ist bei knapp 13 g, bei 30 Grad erst ab 30 g Schluss mit der Wasserdampfaufnahme. Etwas mehr als 1 g Wasserdampf reicht dagegen schon aus, um die Luft bei frostigen -20 Grad "satt" zu bekommen.

Feuchte ist also nicht gleich Feuchte, aber egal ob relativ oder absolut: Relativ "feucht" hergehen wird es mit absoluter Sicherheit auch ab dem kommenden Wochenende für die nächsten vier Tage, denn die 5. Jahreszeit nähert sich ihrem Höhepunkt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

12.02.2015

Heute hü, morgen hott - quo vadis coelum?

Binäres Wetter? Gibt es auch - derzeit in Deutschland und Österreich sehr verbreitet! Es gibt nur 2 Faktoren: 0 = Nebel, 1 = Sonnenschein. Und den Joker "1" gezogen haben insbesondere Baden-Württemberg (unser Bild des Tages stammt vom Sonnenaufgang heute im Stuttgarter Nordwesten), Teile von NRW, weite Regionen von Ostdeutschland aber auch der größte Teil Österreichs.
Binäres Wetter? Gibt es auch - derzeit in Deutschland und Österreich sehr verbreitet! Es gibt nur 2 Faktoren: 0 = Nebel, 1 = Sonnenschein. Und den Joker "1" gezogen haben insbesondere Baden-Württemberg (unser Bild des Tages stammt vom Sonnenaufgang heute im Stuttgarter Nordwesten), Teile von NRW, weite Regionen von Ostdeutschland aber auch der größte Teil Österreichs.

Zugegeben, ein wenig Eitelkeit des Verfassers des heutigen "Themas  des Tages" schwingt schon mit bei der Erstellung der Überschrift. Aber irgendwann im Leben muss man es doch mal zeigen dürfen, dass man vor Jahrzehnten Latein in der Schule gebüffelt und darin sogar einen Abschluss geschafft hat. Wie weit seit ihr mit Eurem Latein? Am Ende? Doch genug der Koketterie, für alle Nicht-Altsprachler hier die kurze und völlig unspektakuläre Übersetzung von "quo vadis coelum": wie wird das Wetter?

Nun, die Kernfrage aller Kernfragen der Vorhersagemeteorologie wird tagtäglich quasi überall und von jedem, mal aus ernsthaftem Interesse, mal aber auch nur floskelhaft, gestellt. Warum also nicht auch mal im "Thema des Tages"? Immerhin stehen für Teile der deutschen Bevölkerung d i e Feiertage des Jahres unmittelbar vor der Tür - nicht Weihnachten, nicht Ostern, auch nicht der Geburtstag, nein, der Höhepunkt der Faschingszeit bricht an. Nicht nur zur heutigen Weiberfastnacht, auch am kommenden Wochenende, vor allem dann aber am Rosenmontag und Faschingsdienstag stehen zahlreiche Außenveranstaltungen meist in Form großer Straßenumzüge an, bei denen das Wetter eine sagen wir mal nicht unerhebliche Rolle spielt. Doch auch Nicht-Karnevalisten (meist Norddeutsche oder in die Alpen flüchtende Westdeutsche) können und dürfen an dieser Stelle weiterlesen, interessiert doch das Wetter der nächsten Tage (fast) alle von uns.

Aufmerksamen Lesern unserer Wetterberichte - und jetzt kommt Hü und Hott ins Spiel - wird in dieser Woche vielleicht aufgefallen sein, dass die Vorhersage über gewisse Inkonsistenzen verfügt. Ein Beispiel: Mal wurde für das Wochenende von Regen im Westen und Südwesten gesprochen, dann wieder sollte es eher trocken, teils trüb, teils sonnig werden. "Unentschlossenheit" heißt das Stichwort, was nicht nur ein irdisches, speziell menschliches Phänomen darstellt, auch die Natur und in diesem Fall die Atmosphäre scheint so etwas zu kennen. 

Verantwortlich für das Hin und Her ist die aktuelle Großwetterlage, die man vereinfacht auf das Duell GABRIELA vs. QUINN herunterbrechen kann. GABRIELA ist ein kräftiges Hoch über dem europäischen Kontinent, das seinen Schwerpunkt östlich unseres Vorhersageraums hat. Dem gegenüber steht das aktuell nicht minder kräftige Tief QUINN, das heute Mittag auf dem Atlantik einige hundert Kilometer westlich von Irland positioniert ist. Beide Luftdruckgebilde verfolgen unterschiedliche Interessen, und Deutschland liegt mittendrin im Kräftemessen der Protagonisten. Verantwortlich für die schwankenden Vorhersagen der vergangenen Tage sind die verschiedenen Computermodelle, die uns Meteorologen die Entwicklung des Wettergeschehens vorausberechnen. Mal wurde dem Tief mehr Durchsetzungsvermögen zugestanden, dann wieder wurde stärker auf das Hoch gesetzt, so dass unter dem Strich keine eindeutige Lösung auf der Karte stand. Und so viel sei an dieser Stelle schon verraten, selbst die heutigen Prognosen beinhalten immer noch gewisse Unschärfen. Eines kann man aber mit Bestimmtheit sagen: Extremes Wetter, gar Unwetter durch Sturm, Starkregen (-schneefall) oder vielleicht sogar Glatteis ist nicht zu erwarten, so dass die geplanten Umzüge rein von den atmosphärischen Rahmenbedingungen alle stattfinden können.

Zur Entwicklung: Hoch GABRIELA wird sich in den nächsten Tagen noch etwas verstärken, wobei es Unterstützung von einem weiteren Hoch (HANNE) von Nordeuropa her bekommt. Am Rosenmontag jedenfalls liegt das Hoch mit bemerkenswert hohem Luftdruck (etwas über 1050 hPa!) über dem Südwestzipfel Russlands. Bis dahin hat sich Kollege QUINN an den Westrand des europäischen Kontinents vorgearbeitet, wo er aber bereits am Wochenende erhebliche Probleme bekommt, seinen Weg nach Osten fortzusetzen. Grund für den Stopp ist die sogenannte blockierende Wirkung von GABRIELA respektive HANNE, die - im übertragenen Sinne - wie ein Prellbock wirken, gegen den das Tief nicht ankommt. QUINN hat jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder nach Norden oder Süden auszuweichen oder sich unweigerlich in das Schicksal des Ablebens zu begeben. So wie es heute aussieht, wird dem Tief wohl die zweite Variante nicht erspart bleiben, auch wenn es verzweifelt versucht, wenigstens noch einen Ableger zu produzieren. Dieses "Nachfolgetief" wird sich sehr wahrscheinlich aber im westlichen Mittelmeer etablieren, was für unser Wetter allenfalls von mittelbarer Bedeutung ist. QUINN selbst wird auf den Wetterkarten nur noch als nicht konturiertes Relikt irgendwo zwischen Nordfrankreich und südwestlicher Nordsee zu finden sein, und auch der zugehörige Tiefausläufer wird westlich von Deutschland verharren.

Wettertechnisch sieht es so aus, dass sowohl zur heutigen Weiberfastnacht als auch am morgigen Freitag "Binärwetter" auf dem Programm steht. Entweder wird die 0 gezogen, was graue Tristesse durch Nebel und Hochnebel bedeutet (betrifft den größten Teil des Landes). Oder es erscheint die 1, was Sonne satt bedeutet (vor allem in den Hochlagen, u.a. aber auch in Teilen des west- und ostdeutschen Tieflands). Je nach Sonnenangebot steigt oder verharrt die Temperatur tagsüber etwa zwischen 0 und 10°C, wobei es in höheren Lagen häufig wärmer wird als weiter unten (siehe dazu auch "Thema des Tages" von gestern Mittwoch, 10.02.2015, Stichwort "Inversion"). Am Wochenende schafft es der schwächelnde QUINN wahrscheinlich aber doch noch, ein paar Regenwolken in den Westen und Südwesten zu transportieren. Ob, und da wären wir wieder bei der bereits angesprochenen Unsicherheit, der Westen und Südwesten im Extremfall bis nach Thüringen und ins bayerische Schwaben reicht oder nur einen Streifen vom Rheinland bis zum Oberrhein markiert, ist derzeit immer noch offen. Selbst ein Szenario, wonach die Regenwolken vor der deutschen Grenze zu Frankreich und Benelux halt machen, ist nicht ausgeschlossen. Nach Osten und Nordosten zu bleibt es sehr wahrscheinlich trocken und die Vorhersage kapriziert sich dort eher auf die Frage "sonnig oder trüb", wobei der Verfasser an dieser Stelle eine Antwort schuldig bleiben möchte. Temperaturmäßig tut sich am Wochenende insgesamt wenig.

Blieben abschließend noch der Rosenmontag und Faschingsdienstag. In aller Kürze sieht es so aus, dass die Chancen auf einen trockenen Rosenmontag im gesamten Bundesgebiet gar nicht so schlecht stehen (im Osten sowieso, im Westen mit gewisser Restunsicherheit). Wo wie lange sich die Sonne die Ehre gibt, ist noch unsicher, nicht zuletzt, weil Nebel und Hochnebel weiterhin als potenzielle "Störenfriede" auftreten können. Am Dienstag deutet sich für die westlichen Landesteile Regen an, wenn nämlich der erwähnte Tiefausläufer aktiviert wird und ostwärts vorankommt. Schaun mer mal... 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

11.02.2015

Über den Wolken...

Über den Wolken.... kann nicht nur die Freiheit grenzenlos sein, sondern auch die Sonne scheinen. Ursache für die Trennung von "unten grau, oben blau" ist die sog. Inversionswetterlage.
Über den Wolken.... kann nicht nur die Freiheit grenzenlos sein, sondern auch die Sonne scheinen. Ursache für die Trennung von "unten grau, oben blau" ist die sog. Inversionswetterlage.

Die nach Mitteleuropa gelangte Nordseeluft kam unter dem Einfluss des mächtigen Hochdruckgebietes GABRIELA zur Ruhe. Jedoch im Winterhalbjahr sind derartige Hochdruckwetterlagen ambivalent. Einerseits sorgt vertikal absinkende, unter höheren Druck gelangende und sich durch Kompression adiabatisch erwärmende Luft prinzipiell für Bewölkungsauflösung und damit sonniges Wetter. Andererseits ist die Strahlungsbilanz der Erdoberfläche wegen des tiefen Sonnenstandes und der langen Nächte im Spätwinter in unseren Breiten noch deutlich negativ. Die absinkende und sich erwärmende Luft trifft also auf eine feucht-kühle Grundschicht.

In der Folge beobachtet man im vertikalen Temperaturverlauf in der Atmosphäre vom Erdboden ausgehend zunächst den üblichen Temperaturrückgang mit zunehmender Höhe, bevor die Temperatur plötzlich stark ansteigt. Diese "Temperaturumkehr" nennt man "Inversion". Weiter aufwärts sinkt die Temperatur erneut, und zwar durch die gesamte Troposphäre hindurch, bis bei Erreichen der Tropopause eine erneute Temperaturumkehr oder wenigstens vertikale Isothermie einsetzt. 

Inversionen fungieren allgemein als Sperrschichten, sie verhindern den vertikalen Austausch. In der atmosphärischen Grundschicht reichern sich unterhalb von Inversionen Kondensationskeime an. Durch nächtliche Abkühlung sinkt die Temperatur unter den Taupunkt und der in der feuchten Luftmasse Wasserdampf kondensiert. Somit kann sich am Boden Nebel bilden, in der Höhe unterhalb der Absinkinversion entstehen zunächst Schichtwolken (Stratus) bzw. Hochnebel, bei längerer Andauer der Wetterlage durch thermische Umlagerungsprozesse Haufenschichtwolken (Stratocumulus). 

Wegen der noch geringeren Intensität der solaren Strahlung zu dieser Jahreszeit lösen sich Nebel und Wolken am Vormittag oftmals nur zögernd, z.T. auch gar nicht auf. Dann kann in tiefen und mittleren Lagen trübes und bei Auftreten von Nebelnässen oder Sprühregen nasskaltes Wetter herrschen. Oberhalb der Inversion, etwa in Gipfellagen des Berglandes, dagegen klarer Himmel mit guter Fernsicht und milden Temperaturen. 

Die heutige Inversion ist in ganz Deutschlands sehr gut ausgeprägt, ihre Untergrenze, also der Beginn der vertikalen Temperaturzunahme, liegt bei 700 bis 800 m Höhe. So beträgt die aktuelle Temperatur heute um 09:00 UTC auf dem Brocken im Harz (Stationshöhe 1133 m) 6,3 °C (Taupunkt -10,7 °C, d.h. sehr trockene Luft) bei 70 km Sichtweite, während es in Braunlage am Fuße des Hochharzes (607 m Stationshöhe) -1,2 °C sind, dazu Nebel mit 300 m Sichtweite. 

Wer den Brocken oder andere deutsche Mittelgebirgsgipfel (wie z.B. Schwarzwald, Schwäbische Alb oder Bayerischer Wald) als auch die Alpengipfel bei prächtigem Sonnenschein über einem Meer aus Nebel und Wolken genießen möchte, sollte den jeweiligen Berg besteigen und sich zuvor im Internet einen Schnappschuss per Webcam gönnen. 

Und ach ja: beim nächsten Schultest bitte die "INVERSION" nicht mit der "INVASION" verwechseln... das ist ein ganz anderes Thema ;-)

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.02.2015

Ein krummer Rücken kann entzücken...

Das Wetter "macht den Buckel krumm". Oder ist es doch nur eine Socke an einem Fuß, der einen Kopfstand über Europa macht? In jedem Falle geht es nicht um Gesundheitsprävention am Rücken sondern darum, welche Folgen diese Wetterlage für die kommenden Tage hat! © Grafik: www.dwd.de
Das Wetter "macht den Buckel krumm". Oder ist es doch nur eine Socke an einem Fuß, der einen Kopfstand über Europa macht? In jedem Falle geht es nicht um Gesundheitsprävention am Rücken sondern darum, welche Folgen diese Wetterlage für die kommenden Tage hat! © Grafik: www.dwd.de

Nur keine Sorge, es geht heute nicht um Gesundheitsprävention, Schul- oder Freizeitsport und auch nicht um Vorschläge zum Auskurieren eventueller Verspannungen. Vielmehr soll ein Blick auf das Karnevals- bzw. Faschingswetter geworfen werden. Und dabei spielt ein "krummer Rücken" eine entscheidende Rolle. 

Schließlich hat es der Begriff des Rückens nicht nur in die Medizin, sondern auch in die Geowissenschaften geschafft. Begriffe wie Berg- oder Höhenrücken haben in der Geografie ihren festen Platz, und in der Meteorologie ist es der Höhenrücken, der bei den Liebhabern ruhiger, im Sommer auch oft freundlicher Wetterlagen für ein Lächeln sorgen kann. 

Die physikalische Größe, die man betrachtet, wenn von einem Höhenrücken gesprochen wird, ist das Geopotential. Der Begriff setzt sich aus "geos" und "potentia" zusammen, wobei das erste für "Erde", das zweite für "Fähigkeit" oder "Vermögen" steht. Man kann sagen: Das Geopotential gibt die Fähigkeit eines Teilchens an, im Schwerefeld der Erde Arbeit zu verrichten. Und da sich Arbeit am besten erledigen lässt, wenn man viel Energie besitzt (da geht es den physikalischen Teilchen wie den Menschen), ist das Potential auch direkt mit der Energie verknüpft. Daraus ergibt sich auch, dass das Geopotential primär in höheren Luftschichten betrachtet wird. 

Dabei gilt die Regel, dass die Energie eines Teilchens umso größer ist, je höher es sich über der Erdoberfläche befindet (Dies gilt zumindest dann, wenn man es sich einfach macht und andere Energieformen, wie z. B. die Bewegungsenergie, vernachlässigt). Die Teilchen mit viel Energie bilden in höheren Luftschichten einen "Potentialberg", eben jenen oben erwähnten Höhenrücken. Und ein solcher Rücken korrespondiert sehr oft mit hohem Luftdruck am Boden, wobei der höchste Druck am Boden und das höchste Geopotential in der Höhe oftmals durch dynamische Prozesse räumlich versetzt sind. 

Aber das soll uns jetzt nicht weiter stören. Die entscheidende Botschaft ist: Zur Mitte der Woche haben wir es mit einem, wenn auch recht krummen, Geopotentialrücken über Mitteleuropa zu tun (siehe Grafik). Die Form erinnert dabei ein wenig an eine auf dem Kopf stehende Socke. Bei uns in Deutschland herrscht dabei hoher Luftdruck. Entsprechend sollte es zur Weiberfastnacht trocken bleiben, und nach Nebelauflösung kann - zumindest in der Mitte und im Süden - auch mal länger die Sonne scheinen. Der Norden ist diesbezüglich schlechter dran, dort gibt es aber auch eindeutig weniger Karnevals- und Faschingshochburgen. 

Für den weiteren Verlauf des Wetters in den närrischen Tagen sind sich die Modelle noch nicht einig, es scheint aber wechselhafter und auch etwas windiger zu werden. Ob die Kamelle dann vom Winde verweht werden, muss sich noch zeigen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

http://www.meteodata-ltd.com

05.02.2015

Vom Mpemba-Effekt und Speiseeis

Es geht doch nichts über einen leckeren Eisbecher.... für viele auch mitten im Winter unverzichtbar. Doch kann heißes Wasser die Herstellung von Speiseeis beschleunigen? Das klären wir heute an dieser Stelle:
Es geht doch nichts über einen leckeren Eisbecher.... für viele auch mitten im Winter unverzichtbar. Doch kann heißes Wasser die Herstellung von Speiseeis beschleunigen? Das klären wir heute an dieser Stelle:

Schnee und Kälte dominierten in den letzten Tagen unsere Berichte. Auch in der heutigen Ausgabe wird es wieder kalt hergehen, allerdings wird dabei auch das Thema Hitze nicht zu kurz kommen.

Wenn man eine Schüssel mit kaltem oder lauwarmem Wasser vor sich hat und die Aufgabe bekommt, dieses Wasser so schnell wie möglich zu gefrieren, werden die meisten die Schüssel wohl rasch ins Eisfach stellen. Nur die wenigsten würden vermutlich auf die Idee kommen, das Wasser in der Schüssel zu erhitzen, bevor sie es ins Eisfach platzieren. Das Kuriose an der Sache: Unter bestimmten Bedingungen gefriert das zuvor erhitzte Wasser tatsächlich schneller als das vergleichsweise kältere. 

Verantwortlich für dieses Paradoxon zeigt sich der sogenannte "Mpemba-Effekt". Bereits Aristoteles hatte seinerzeit Bekanntschaft mit diesem Phänomen gemacht. Auch den Philosophen und Wissenschaftlern Bacon und Descartes "lief" dieser Effekt über den Weg, einen wirklichen Reim darauf konnten sie sich allerdings nicht machen und so geriet diese wissenschaftliche Frage mehr oder weniger wieder in Vergessenheit. Erst 1963 entdeckte Erasto B. Mpemba aus Tansania (damals noch Schüler) bei dem Versuch, Speiseeis herzustellen, diesen schließlich nach ihm benannten Effekt wieder.

Bis heute sind sich die Wissenschaftler uneinig über die genaue Ursache des Mpemba-Effekts, was sich in zahlreichen Theorien über diesen Sachverhalt widerspiegelt. Die wohl derzeit stärkste Theorie sieht als Hauptgrund die Verdunstung. Diese ist bei heißem Wasser stärker als bei kaltem, da dem heißen Wasser grob gesagt mehr Energie für die Verdunstung zur Verfügung steht als dem kalten. Bei gleicher Ausgangsmenge und Umgebungstemperatur (logischerweise unter 0 Grad) ist also bei Erreichen des Gefrierpunkts die Menge des ursprünglich heißen Wassers kleiner als die des nicht erhitzten Wassers. Da eine geringere Wassermenge weniger Wärme speichern kann als eine größere Wassermenge, gefriert diese geringere Menge auch schneller als die vergleichsweise größere und ursprünglich kältere.

Eine weitere Theorie besagt, dass im Wasser gelöste Salze dafür verantwortlich sind. Beginnt Wasser zu gefrieren, erhöht sich der Salzgehalt der noch flüssigen Wassermenge, wodurch der Gefrierpunkt des Wassers gesenkt wird (ähnlich wie beim Salzen der Straßen im Winter). Bei heißem Wasser fallen die Salze dagegen aus, d.h. sie setzen sich ab und verlieren dadurch ihren hinderlichen Einfluss auf den Gefrierprozess.

Weitgehend einig sind sich die Wissenschaftler hingegen, dass das Eintreten des Mpemba-Effekts stark von der verwendeten Menge, Oberfläche, Tiefe sowie der ursprünglichen Temperatur des Wassers und der Umgebungstemperatur abhängt. 

Einen sinnvollen, praktischen Nutzen des Mpemba-Effekts sieht der Großteil der Wissenschaftler übrigens nicht. Auch nicht bei der Speiseeisproduktion. Bei den momentanen Temperaturen in Deutschland dürften aber eh nur die wenigsten an ein leckeres Eis denken. Oder doch? So mit Schokoladensoße, feinen Nusssplittern, Vanille... oder doch mit Banane...?

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04.02.2015

"Brrr...ist das kalt und unangenehm!" - die gefühlte Temperatur

Unser Bild des Tages: ein Foto, das von alleine schon eine Menge Kälte ausstrahlt... doch auch wenn das Thermometer lediglich minus 5 Grad anzeigt, es gibt Faktoren wie den Wind, die dafür sorgen, dass wir diese eigentlich normale Wintertemperatur bis zu 15 Grad kälter empfinden können.
Unser Bild des Tages: ein Foto, das von alleine schon eine Menge Kälte ausstrahlt... doch auch wenn das Thermometer lediglich minus 5 Grad anzeigt, es gibt Faktoren wie den Wind, die dafür sorgen, dass wir diese eigentlich normale Wintertemperatur bis zu 15 Grad kälter empfinden können.

Derzeit ist in ganz Deutschland und Österreich nachts mit Frost, teilweise auch mit strengem Frost zu rechnen. Selbst tagsüber kann das Quecksilber im Thermometer an vielen Orten nicht über die Null-Grad-Grenze schreiten, sodass dort sogenannte Eistage herrschen. Die gemessenen Temperaturen entsprechen aber nicht immer unserer Empfindung, auch als Begriff "Windchill Effekt“ bekannt. 

Der Windchill Effekt beschreibt die Abkühlung der Haut durch eine erhöhte Windgeschwindigkeit. Das geschieht genau dann, wenn die Hauttemperatur über der Lufttemperatur liegt. Je nachdem wie stark die Differenz zwischen der Haut- und Lufttemperatur und wie hoch die Windgeschwindigkeit ist, fällt die sogenannte "Windchill Temperatur" (kurz: Windchill) aus. Diese Temperatur wird häufig in den USA als auch in Kanada genutzt, um die Bevölkerung vor der Gefahr von Gewebserfrierungen zu warnen (USA: http://www.nws.noaa.gov/om/windchill ; Kanada: http://www.msc.ec.gc.ca/windchill/index_e.cfm). 

Der Windchill beschreibt die Temperatur, bei der die gleiche windbedingte Abkühlungswirkung auf der Haut auftritt wie unter meteorologischen Standardbedingungen - ähnlich wie bei der gefühlten Temperatur. Allerdings werden hier nicht die Luftfeuchtigkeit sowie die Sonneneinstrahlung betrachtet, sondern nur der Einfluss des Windes. Daher eignet sich der Windchill zur Bewertung der thermischen Belastung nur bei überwiegend kalten (winterlichen) Wetterabschnitten, bei denen diese beiden Parameter nur einen geringen bis gar keinen Einfluss ausüben.

In Deutschland ist dagegen die „gefühlte Temperatur“ geläufiger, die auch die Grundlage für den z.B. vom DWD vorhergesagten "Thermischen Gefahrenindex" (Kältestress / Wärmebelastung) sowie den "Gefahrenindex - Wetterfühligkeit" (Auswirkungen auf das körperliche Befinden) darstellt.

Die gefühlte Temperatur beschreibt die Temperatur, die mit angemessener Kleidung, bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und Windstille (beispielsweise bei einem Spaziergang im Schatten) empfunden wird. Daher ist die gefühlte Temperatur unter warmen, sonnigen und windschwachen sommerlichen Bedingungen höher als die gemessene Temperatur. Im Winter fällt die gefühlte Temperatur vor allem bei windigem Wetter geringer aus. Im Extremfall können in Mitteleuropa  bis zu 15 Grad Unterschied zwischen gefühlter und gemessener Temperatur liegen.

Doch wie kann die gefühlte Temperatur bestimmt werden?

Der DWD nutzt dafür ein Modell, das den Wärmehaushalt des sogenannten "Klima-Michels" bewertet. Der Klima-Michel ist ein Modellmensch, der das Wärmeempfinden des Menschen wiedergeben soll. Dabei sind Parameter wie Größe, Gewicht oder Alter festgelegt. Die Bekleidung wird zwischen leichter Sommer- und dicker Winterbekleidung den meteorologischen Bedingungen angepasst. Die gefühlten Temperaturen zwischen 0 und 20 Grad würden Behaglichkeit bedeuten, gefühlte Temperaturen unter 0 Grad ein Kälte- und über 20 Grad ein Wärmegefühl.

Die Vorhersage der Lufttemperatur (in 2 m Höhe), des Windchills und der gefühlten Temperatur in Grad Celsius für Donnerstagmorgen (die Vorhersagen basieren auf den Daten des 4. Februar  00 UTC (1 MEZ) des deutschen COSMO-EU Modells): Während am Donnerstag um 7 MEZ die Lufttemperatur in Deutschland zwischen 0 und -15 Grad liegt, fallen die Werte der gefühlten Temperatur als auch des Windchills in den Bereich von -3 bis -24 Grad. Auffällig ist dabei die zum Teil starke Differenz zwischen der Lufttemperatur und dem Windchill bzw. der gefühlten Temperatur von meist über 5 Grad, häufig auch über 10 Grad. Zwischen dem Windchill und der gefühlten Temperatur fallen die Unterschiede von meist 2 Grad eher gering aus, wie es für die kalte Witterung zu erwarten ist. 

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03.02.2015

Was ist "Frost" - zwischen Empfinden und realem Meßwert gibt es Unterschiede

"Strenger Frost" definiert sich im Bereich von unter -10 bis -15 Grad. Diese Werte wurden vergangene Nacht an vielen Wetterstationen in weiten Teilen Baden-Württembergs, Bayern, im Osten der Schweiz und im Westen Österreichs gemessen.
"Strenger Frost" definiert sich im Bereich von unter -10 bis -15 Grad. Diese Werte wurden vergangene Nacht an vielen Wetterstationen in weiten Teilen Baden-Württembergs, Bayern, im Osten der Schweiz und im Westen Österreichs gemessen.

Am heutigen Dienstagmorgen konnte man in einigen Teilen Deutschlands einen richtigen "Kaltstart" erwischen: Im Süden ist die Temperatur recht verbreitet auf unter -10 Grad gefallen! "Spitzenreiter" in Sachen Frost mit -19,9 Grad war die auf der schwäbischen Alb auf 699 m Höhe gelegene Station Merklingen in Baden-Württemberg. Damit toppt diese Station sogar die 2964 m hoch gelegene Station auf der Zugspitze, die es "nur" auf -19,5 Grad geschafft hat. Auch sonst gab es in Deutschland verbreitet Frost zwischen 0 und -8 Grad, nur an wenigen Stationen in der Mitte und im Norden Deutschlands leuchtete noch ein leicht positiver Wert bis 1 Grad auf.

Auch in Österreich gingen die Temperaturen auf minus 1 (Wien) bis minus 19 Grad (Sonnblick) zurück - die tieferen Werte wurden durchwegs in West-Österreich gemessen (meist zweistellig) - während der Osten der Alpenrepublik nur einstellige Minusgrade registrierte.

In den nächsten Nächten bis mindestens zum kommenden Wochenende ist weiterhin überall mit Frost zu rechnen, gebietsweise auch tagsüber.

Frost lässt sich in vier Kategorien einteilen. Bei 0 bis -4 Grad spricht man vom leichten Frost, bei unter -4 bis -10 Grad vom mäßigen Frost. Strenger bzw. starker Frost herrscht bei unter -10 bis -15 Grad und sehr strenger bzw. sehr starker Frost bei Temperaturen unter -15 Grad. Weiterhin ist in der Meteorologie ein Frosttag als ein Tag mit einem Minimum der Temperatur unter 0 Grad definiert, dabei ist es nicht wichtig, zu welcher Uhrzeit der Frost auftrat. Für einen sogenannten Eistag darf die Temperatur zu keinem Zeitpunkt an einem Tag 0,0 Grad oder mehr erreichen.

Die niedrigste jemals in Deutschland offiziell gemessene Temperatur wurde am 12. Februar 1929 mit -37,8 Grad in Hüll, einem Ortsteil von Wolznack im Kreis Pfaffenhoffen in Oberbayern, erreicht. Das schließt nicht aus, dass es irgendwo in Deutschland ungemessen noch kälter war. Auch an anderen Orten Deutschlands kann es empfindlich kalt werden: In Görlitz (Sachsen) beispielsweise sank die Temperatur am 9. Februar 1956 bis auf -30,8 Grad. Sogar in Hamburg war es schon einmal -29,1 Grad kalt: am 13. Februar 1940. Da fühlen sich die -21,6 Grad in Frankfurt vom 13. Januar 1968 als tiefste Temperatur fast schon "warm" an. Weltweit gesehen sind aber noch viel tiefere Temperaturen möglich. So ging die Temperatur in Wostok in der Antarktis auf überaus eisig kalte -89,2 Grad zurück.

Ganz so kalt dürfte es in den nächsten Nächten in Deutschland nicht werden. Vielfach ist jedoch mäßiger Frost zwischen -5 und -10 Grad zu erwarten, nach Süden hin vor allem über Schneeflächen gebietsweise strenger Frost unter -10 Grad. Dort sind bei längerem Aufklaren wieder Werte von unter -15 Grad denkbar, sodass das Kriterium für sehr strengen Frost erneut erfüllt werden dürfte.

Tagsüber gibt es am heutigen Dienstag in Teilen Bayerns, Baden-Württembergs und in Richtung Ostsee häufig einen Eistag, d.h. es herrscht Dauerfrost. Sonst werden 0 bis 4 Grad erreicht. Bis zum Donnerstag wird es immer kälter (und trockener), weil die Strömung auf Ost dreht und kalte Luft aus Russland zu uns kommt. Dann dürften höchstens an den Küsten noch einige Stationen bei den Temperaturen tagsüber leicht in den Plusbereich gehen, in den Bergen herrscht mäßiger Dauerfrost. Zusammen mit dem böigen Nordostwind werden sich diese Temperaturen noch kälter anfühlen (Stichwort "Wind-Chill-Effekt") als sie ohnehin sind.

Zum Wochenende hin deutet sich vor allem im Norden und Westen eine leichte Milderung an, sodass dort wieder bis etwa 4 Grad Plus erreicht wird. Für alle anderen bleibt es beim Dauerfrost, am Sonntag könnte dann von Norden sogar eine neue Schneefront ins Land ziehen.

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30.01.2015

Bundesliga im weißen Kleid?

Die Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart: Hier empfängt der VfB am Samstag Borussia Mönchengladbach. Im Gegensatz zu den anderen Stadien ist es im Schwabenland wohl am ehesten trocken und Schneeschauer bleiben die Ausnahme.
Die Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart: Hier empfängt der VfB am Samstag Borussia Mönchengladbach. Im Gegensatz zu den anderen Stadien ist es im Schwabenland wohl am ehesten trocken und Schneeschauer bleiben die Ausnahme.

Dieses Wochenende ist es wieder so weit. Die Fußball Bundesliga in Deutschland startet in die Rückrunde. Dabei stehen gleich zu Beginn zahlreiche Spitzenbegegnungen auf dem Programm. Schon am Freitagabend empfängt der Tabellenzweite aus Wolfsburg den unangefochtenen Spitzenreiter aus München. Während die Bayern die Liga auf Langeweile einstimmen wollen, wittert der VFL noch mal seine Chance, sich etwas heranzupirschen. Am Samstag empfangen die Leverkusener die kriselnden Dortmunder, die Schalker Knappen die Fußballer aus Hannover und die Schwaben aus Stuttgart die Fohlen aus Gladbach. Alle Partien gleich mit wegweisender Brisanz. Ansonsten erhoffen sich die Kicker aus der Mainmetropole Frankfurt beim Tabellenletzten in Freiburg sowie auch die Neulinge aus Paderborn in Mainz erneut einen guten Start. Gleichermaßen richtet sich der Blick vieler Fußballfans am Wochenende in den Norden des Landes. Dort trifft am Samstag in Hamburg der schwankende Bundesliga Dino auf die karnevalserprobten Geißböcke aus Köln, sowie am Sonntag in Bremen die Kellerkinder aus Bremen und Berlin aufeinander. Auch die sonntägliche Partie in Augsburg, wo mit Augsburg und Hoffenheim zwei aufstrebende und durchaus zu überraschende Mannschaften aufeinandertreffen, verspricht Spannung. 

Allerdings scheint sich das Wetter nicht an das Ende der Bundesliga Winterpause zu halten und stattdessen noch mal richtig mit winterlichen Bedingungen durchzustarten. Dabei sorgt die Dank Sturmtief MISCHKA nach Deutschland eingeflossene, hochreichend kalte Meeresluft polaren Ursprungs bis auf weiteres für einen unbeständigen Wettercharakter mit Schneefällen zunehmend bis in tiefe Lagen. Das Ganze bei nasskalten Temperaturen um bzw. nur wenig über dem Gefrierpunkt. Doch was erwartet die Spieler im Detail?

Am Freitagabend in Wolfsburg besteht vor allem zu Spielbeginn noch die Möglichkeit von kurzen Schneeschauern. Diese ziehen jedoch allmählich ostwärts ab und die Wolken können nachfolgend vielleicht sogar etwas auflockern. Die Temperaturen bewegen sich dabei um den Gefrierpunkt. 

Am Samstagnachmittag sind die Temperaturen zwar meist etwas höher, doch vielerorts fallen Niederschläge. In Hamburg zum Beispiel muss bei Temperaturen um 2 Grad mit Schnee und Schneeregen gerechnet werden. Auch im Ruhrgebiet sind bei etwa 3 Grad kurze Schauer, die meist als Regen fallen, nicht völlig ausgeschlossen. Jedoch hat dort die Sonne eine Chance. Auch weiter nach Süden, vom Rhein-Main-Gebiet (Mainz) bis in den Breisgau (Freiburg), sind bei wechselnder Bewölkung und nasskalten 2 bis 3 Grad Regen- oder Schneeregenschauer zu erwarten. Dagegen bleibt es am Fußballnachmittag in Stuttgart bei etwa gleicher Temperatur und nur geringer Schauerneigung wohl weitgehend trocken. Häufig hängen aber dichte Wolken am Himmel und lassen der Sonne nur wenig Platz. Zum einstigen Topspiel Leverkusen gegen Dortmund, indem die schwarz-gelben Borussen endlich einen Schritt aus dem Tabellenkeller machen wollen, wechseln sich aufgelockerte und dichtere Bewölkungsabschnitte ab. Auch kurze Schneeregen- oder Schneeschauer sind bei Temperaturen um 1 Grad möglich.

Am Sonntag dann das gleiche Bild. Weiter wechselhaft mit Schauern. Während am Nachmittag in Bremen bei Temperaturen um 3 Grad jedoch nur selten mit Regen- oder Schneeregenschauern zu rechnen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit für Niederschläge am Abend in Augsburg etwas höher. Bei Temperaturen im leichten Frostbereich fallen diese dort dann auch als Schnee. Dank der Rasenheizung sollte sich jedoch das Grün des Rasens gegen das Weiß der Schneeflocken durchsetzen.

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29.01.2015

Viel Neuschnee in den Mittelgebirgen und in den Alpen

In den Alpen hat es in dieser Woche wiederholt kräftig geschneit, vielfach liegt auf den Bergen bereits mehr als ein halber Meter Schnee. Für die Gemsen in den Allgäuer Alpen kein Problem, wie es unser Bild des Tages zeigt!
In den Alpen hat es in dieser Woche wiederholt kräftig geschneit, vielfach liegt auf den Bergen bereits mehr als ein halber Meter Schnee. Für die Gemsen in den Allgäuer Alpen kein Problem, wie es unser Bild des Tages zeigt!

In dieser Woche wird das Wetter in Deutschland von Tiefdruckgebieten bestimmt. Dadurch kam es bereits in den letzten Tagen wiederholt zu Niederschlägen, die außer in tiefen Lagen bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt als Schnee fielen. So konnte die Schneedecke vor allem in den Mittelgebirgen und den Alpen um einige Zentimeter anwachsen. Besonders viel Neuschnee gab es in den letzten Tagen an den Alpen sowie im Alpenvorland.

Dabei ist zunächst das Tief Leonhard zu erwähnen. Es brachte teils länger anhaltende Niederschläge, die nur im Norden und Westen Deutschlands in tiefen Lagen noch als Regen, im Süden dagegen bis in die Niederungen als Schnee fielen. Auf diese Weise gab es zu den Alpen hin bereits in der Nacht zum Dienstag einen ersten markanten Schneeschub. Verbreitet kamen am Alpenrand zwischen 10 und 20 cm Neuschnee zusammen. Den größten Zuwachs innerhalb von 12 Stunden meldete am Dienstagmorgen die Station Jachenau-Tannern (Bayerische Voralpen) mit 24 cm. Sogar im Alpenvorland wie beispielsweise in Friedrichshafen am Bodensee wurden noch 10 cm Neuschnee gemeldet.  

Da der Schneefall am Dienstag an den Alpen weiter anhielt, kamen örtlich nochmals über 20 cm Neuschnee dazu, wie zum Beispiel in Oberstdorf im Allgäu oder im Berchtesgadener Land. Betrachtet man die von den deutschen Wetterstationen gemeldeten Gesamtschneehöhen von Mittwochfrüh, so war die Zugspitze mit 330 cm Spitzenreiter. Im östlichen Alpenraum bot nur die Station Sonnblick in Österreich mit 410 cm noch einen höheren Wert. Auch in Österreich wächst die Schneedecke in den Talllagen langsam an: Innsbruck meldet 18 cm, Aigen im Ennstal 10 cm. Auf deutscher Seite folgen der Zugspitze die Stationen Oberstdorf-Birgsau im Allgäu mit 70 cm und Aschau-Stein in den Chiemgauer Alpen mit 51 cm. 

Damit waren die maximalen Schneehöhen aber noch lange nicht erreicht. Nach einer kurzen Wetterberuhigung durch Hoch Friederike folgte im Laufe des Mittwochs Tief Mischka. Dessen Niederschlagsgebiet zog im Tagesverlauf von Nordwest nach Südost über Deutschland hinweg und erreichte schließlich in der Nacht zum heutigen Donnerstag den Süden Deutschlands. Dabei kam es erneut zu teils kräftigen Schneefällen. Bis heute früh wurden die höchsten Neuschneemengen im Allgäu gemeldet: So fielen beispielsweise in Oy-Mittelberg-Petersthal 21 cm, gefolgt von 19 cm an der Station Balderschwang. In Bezug auf die Gesamtschneehöhe bleibt die Zugspitze mit 340 cm weiterhin an erster Stelle, die zweithöchste Schneehöhe auf deutscher Seite meldet Balderschwang mit 82 cm. 

Aktuell hält der Schneefall an den Alpen weiter an, er wird aber im Laufe des Tages nachlassen. Dennoch ist dort bis heute Abend mit weiteren 5 bis 10 cm Schnee zu rechnen. In den anderen Regionen Deutschlands kommt es heute zu teils kräftigen Schneeschauern, so dass auch in den Mittelgebirgen nochmals einige Zentimeter dazu kommen werden. Dort herrschen schon aktuell mit Schneemengen meist zwischen 15 und 40 cm, im Harz und im Erzgebirge sogar mit über 50 cm gute Wintersportbedingungen. 

In den kommenden Tagen bleibt uns die feuchtkalte Luft erhalten. Dabei werden mehrere Tiefdruckgebiete zeit- und gebietsweise Schneefälle nach Deutschland bringen. Wo genau die Niederschlagsschwerpunkte liegen werden, ist derzeit noch nicht genau vorherzusagen. In jedem Fall ist in den Mittelgebirgen und an den Alpen mit weiterem Neuschneezuwachs zu rechnen, der gebietsweise kräftiger ausfallen kann. Auch in den tiefen Lagen wird es zeitweise schneien. Wahrscheinlich wird dort aber der Schnee bei Höchsttemperaturen über dem Gefrierpunkt nicht überall dauerhaft liegen bleiben.

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28.01.2015

Was kann die Wettervorhersage und was kann sie eben nicht?

Dank Wetterapps sind wir über das aktuelle Wetter vor Ort meist bestens informiert. Obwohl dafür ja eigentlich der Blick an den Himmel manchmal besser ist als auf das Display. Die Wettervorhersage im allgemeinen ist heute deutlich besser als vor 40 Jahren, doch immer noch gibt es viele Haken und Ösen der Technik, die eine "perfekte" Prognose vereiteln.
Dank Wetterapps sind wir über das aktuelle Wetter vor Ort meist bestens informiert. Obwohl dafür ja eigentlich der Blick an den Himmel manchmal besser ist als auf das Display. Die Wettervorhersage im allgemeinen ist heute deutlich besser als vor 40 Jahren, doch immer noch gibt es viele Haken und Ösen der Technik, die eine "perfekte" Prognose vereiteln.

Die meisten von uns besitzen mittlerweile Computer, Handy oder auch Smartphone, wodurch Informationen jeglicher Art sozusagen auf Knopfdruck verfügbar sind. Dank zahlreicher Wetter-Apps gilt dies auch für das aktuelle Wetter und natürlich auch die Vorhersage des Wetters bis zu 10 Tage im Voraus. Früher beschränkten sich die Informationsquellen auf Radio, Fernsehen oder Zeitung, bei denen man das Wetter für Bundesländer, Sendegebiete oder ganz Deutschland bzw. Österreich zu hören und sehen bekam - also den groben Wetterablauf für ein mehr oder weniger großes Gebiet. Mit den heutigen technischen Hilfsmitteln werden punktgenaue Vorhersage des Wetters für beliebig kleine Gebiete, ja sogar Stadtteile erwartet. Stellt sich nun die Frage, ob diese Erwartungen überhaupt erfüllt werden können...

Fest steht, dass sich die Güte der Vorhersagen in den letzten Jahrzehnten durch die Weiterentwicklung aufwendiger Computermodelle und nicht zuletzt durch die deutliche Steigerung der Rechnerkapazitäten deutlich verbessert hat. Aussagen, die man vor vielleicht 40 Jahren zum Wetter der nächsten 1 bis 2 Tage machen konnte, sind heute mit ähnlicher Genauigkeit für die nächsten 5 bis 6 Tage möglich. Dennoch ist die Vorhersagbarkeit des Wetters zeitlich und räumlich weiterhin beschränkt. Die Ursachen dafür liegen einerseits im System der Atmosphäre selbst, die nämlich ein sogenanntes "chaotisches System" ist. D. h. kleinste Schwankungen können zu großen Unterschieden in der Prognose führen. Das Modell benötigt für die Berechnungen einen möglichst genauen Anfangszustand, der durch die weltweiten Beobachtungen des aktuellen Wetters mit unterschiedlichen, aber natürlich international vergleichbaren Messsystemen gegeben ist. Diese Beobachtungen können Messfehler aufweisen, außerdem gibt es auf dem Globus große Gebiete (z.B. die Ozeane), wo nur selten Messungen verfügbar sind. Rechnet nun das Modell mit falschen bzw. ungenauen Anfangswerten, so wirkt sich das auf die Vorhersagegüte aus. Andererseits ist die Auflösung der Wettermodelle, die sogenannte Gitterweite, begrenzt. Die Vorhersagemodelle berechnen das Wetter nämlich für festgelegte Gitterpunkte auf der Erdkugel. Die Entfernung zwischen den Punkten wird durch die Gitterweite bestimmt. Die Modelle können also nicht beliebig kleine Phänomene auflösen. Kleinräumige Wettererscheinungen wie lokale Schauer oder Gewitter oder Phänomene, die stark von lokalen Gegebenheiten beeinflusst werden, wie z. B. Nebel, können nicht oder nur schlecht aufgelöst werden. Dann wird vom Modell zwar das Potenzial der Luftmasse bzw. der Wetterlage erkannt, punktgenaue Vorhersagen sind so aber immer noch nicht möglich. Daher ist eine postleitzahlgenaue Vorhersage auch "nur" eine Mittelung aus den umliegenden Gitterpunkten.

Des Weiteren ist die Vorhersagbarkeit für verschiede Wetterparameter wie Temperatur, Niederschlag, Luftdruck usw. unterschiedlich gut und zudem abhängig von der Großwetterlage: Das Wetter an einem bestimmten Ort ist bei Tiefdruckeinfluss größeren Veränderungen unterworfen als das Wettergeschehen bei einem stabilen Hochdruckgebiet, bei dem es meist wenig Änderungen über mehrere Tage gibt. Im Einflussbereich von Tiefdruckgebieten herrscht wechselhaftes Wetter, bei dem sich Regenphasen mit Zeiträumen zwischenzeitlicher Wetterberuhigung abwechseln. So kann sich der zeitliche Ablauf in den Vorhersagen schnell mal um einen halben Tag verschieben - und dann gibt es unter Umständen komplett anderes Wetter als noch vor 2 Tagen gedacht...

Die heutige Technik kann also jedem einen sehr guten und schnellen Überblick über das aktuelle Wetter liefern, die Schwächen bei der punktgenauen Vorhersage, wie sie vielerorts angeboten wird, sollte man sich allerdings bewusst machen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

27.01.2015

Schneedrama in Amerika - Schneeflocken hierzulande

Schneebedeckte Straßen - wie aktuell am Alpenrand und den österreichischen Westalpen - sind eine typische Wintererscheinung. In den USA allerdings kann ein Schnee-Blizzard auch im Flachland schnell mal einen halben Meter Schnee abladen. Dann geht in den Staaten vielfach gar nichts mehr.
Schneebedeckte Straßen - wie aktuell am Alpenrand und den österreichischen Westalpen - sind eine typische Wintererscheinung. In den USA allerdings kann ein Schnee-Blizzard auch im Flachland schnell mal einen halben Meter Schnee abladen. Dann geht in den Staaten vielfach gar nichts mehr.

Die wetterbedingten Schlagzeilen werden derzeit vom Wettergeschehen an der Ostküste der USA beherrscht. Im Bereich der Neuenglandstaaten kommt es am heutigen Dienstag zu einem Schneesturm, davon gestreift wird auch noch die US-amerikanische Hauptstadt Washington. Ein Tiefdruckgebiet, das sich vom nordamerikanischen Kontinent in Richtung Atlantik verlagert, intensiviert sich auf seinem Weg in Richtung Küste durch sehr starke Temperaturgegensätze zwischen einer sehr kalten, arktischen Luftmasse an der Rückseite (Westseite) des Tiefs, die nach Süden geführt wird, und einer sehr milde und feuchte Luft aus den Subtropen, die an der Vorderseite (Ostseite) nach Norden transportiert wird. Im Gepäck hat dieses kräftige Tiefdruckgebiet für die Neuenglandstaaten einerseits intensive Schneefälle, andererseits auch starke bis stürmische Winde, die zu starken Schneeverwehungen und damit enormen Behinderungen führen dürften. Das Maximum der Schneefälle mit teils über 50 cm Neuschnee bis Mittwochabend wird entlang der Küste nördlich von New York über Boston bis zur kanadischen Grenze erwartet. Solche Blizzards, wie Schneestürme in Amerika genannt werden, treten in unterschiedlich starker Ausprägung im nordamerikanischen Winter durchaus immer wieder auf.

Nicht ganz so dramatisch ist die Situation in Deutschland

Das Frontensystem eines Nordmeertiefs hat uns mittlerweile überquert. Allerdings kommt es an den Alpen sowie in etwas abgeschwächter Form auch am Erzgebirge zu einer Stausituation. Die Niederschläge überqueren die genannten Bergregionen nur mit Mühe - sie werden dort angestaut. So kommt es zu länger anhaltenden Niederschlägen, die überwiegend als Schnee fallen. Diese Stausituation wird insbesondere an den Alpen bis in die Nacht zum Mittwoch andauern. Bis zum heutigen Dienstagmorgen sind dabei bereits folgende 24-stündige Neuschneemengen registriert worden (in Klammern aktuelle Gesamtschneehöhen):

Erzgebirge: 5 bis 12 cm (10 bis 25 cm, auf dem Fichtelberg 48 cm) Alpen/Alpenvorland: 10 bis 24 cm (meist 30 bis 50 cm, auf der Zugspitze 285 cm)

Spitzenreiter der 24-stündigen Neuschneemenge (alle am bayerischen Alpenrand): Jachenau-Tannern 24 cm, Obere Firstalm 23 cm, Reit im Winkel 19 cm, Lenggries 18 cm, Mittenwald 18 cm, Oberstdorf-Birgsau 16 cm.

Bis zum Abend wird vor allem an den Alpen mit weiteren 10 bis 15, lokal auch um 20 cm Neuschnee gerechnet, am Erzgebirge sollen es 5 bis 10 cm sein. In der kommenden Nacht zum Mittwoch lassen an den Alpen die Schneefälle allmählich nach, zuvor können in der ersten Nachthälfte jedoch nochmals um 5 cm, lokal auch um 10 cm Neuschnee fallen.

Hierzulande sind Schneestürme, wie sie aktuell an der US-Ostküste stattfinden, meist weniger intensiv, da die Temperaturunterschiede im Normalfall nicht so stark ausgeprägt sind. Die Gründe dafür liegen in der Verteilung der Land- und Wassermassen in Europa. Auch die Ausrichtung der Alpen trägt dazu bei, die für Nord-Süd-Strömungen ein recht großes Hindernis darstellen. Es kommt daher eher selten vor, dass Luftmassen polaren Ursprungs direkt auf feuchte, subtropische Luftmassen treffen. Große Schneemengen werden bei uns eher im Bergland durch Stausituationen, wie wir sie zum Beispiel aktuell an den Alpen vorfinden, erreicht. Deutlich seltener sind die Niederungen von starken bzw. anhaltenden Schneefällen betroffen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

26.01.2015

Über Löcher in Wolken und Bäuchen

Als wäre ein Locher an den Wolken angesetzt worden und hätte den blauen Himmel reingestanzt: Eine "Hole Punch Cloud", zu Deutsch "Locher-Wolke". Dieses Foto gelang H. Raab am 17. August 2008 nahe Linz in Österreich.
Als wäre ein Locher an den Wolken angesetzt worden und hätte den blauen Himmel reingestanzt: Eine "Hole Punch Cloud", zu Deutsch "Locher-Wolke". Dieses Foto gelang H. Raab am 17. August 2008 nahe Linz in Österreich.

Wieso, weshalb, warum? - Kleine Kinder können ganz schön hartnäckig sein, wenn es darum geht, Gott und die Welt verstehen zu wollen. Oft zaubern sie Erwachsenen mit ihren Fragen ein nachsichtiges Lächeln aufs Gesicht, manchmal können sie einen aber auch ganz schön ins Schwitzen bringen. Die Frage "können Flugzeuge eigentlich Löcher in die Wolken fliegen?" wird von vielen Erwachsenen vermutlich mit einem knappen "Nein" abgetan, dabei ist sie alles andere als naiv und durchaus einer genaueren Betrachtung wert.

Unter gewissen Umständen "bohren" Flugzeuge tatsächlich Löcher in die Wolken und sorgen so für ein imposantes Wetterphänomen, das bei den Betrachtern oft für Erstaunen sorgt. Die entstehenden Wolken heißen "Hole-punch-clouds", was aus dem Englischen übersetzt "Locher-Wolken" heißt; ein Beispiel ist mit unserem Bild des Tages von heute dargestellt (Quelle: Wikimedia.org, Link s.u.!).

Voraussetzung für die Entstehung ist eine Wolkenschicht mit unterkühlten Wassertröpfchen. Diese Wassertröpfchen können bis zu -40 Grad im flüssigen Zustand bleiben, denn es fehlt ihnen an feinen Partikeln, sogenannten Kristallisationskeimen, mit deren Hilfe sie in die feste Eisphase übergehen könnten. Wenn nun aber ein Flugzeug durch eine solche Wolke fliegt, werden die Tröpfchen über den Tragflächen oder an der Spitze des Propellers verwirbelt, die Luft dehnt sich aus und für eine gewisse Zeit fällt der Luftdruck. Dadurch sinkt die Temperatur blitzartig um bis zu 30 Grad und die flüssigen unterkühlten Wassertröpfchen gefrieren zu Eiskristallen.

Ein Gesetz der Atmosphärenphysik (Bergeron-Findeisen) besagt, dass Eiskristalle auf Kosten von flüssigen Tropfen wachsen; das bedeutet, die Eiskristalle dienen den unterkühlten Wassertropfen nun als Kristallisationskeim, sodass immer mehr Tropfen an den Eiskristallen festfrieren. Die Eiskristalle wachsen und wachsen und werden schließlich so schwer, dass sie herunterfallen und es zu schneien beginnt. 

In der Höhe wird der Umgebung durch das Anlagern der Wassertropfen Feuchtigkeit entzogen und die Wolken lösen sich auf. Der Prozess  beginnt auf relativ kleinem Raum und dehnt sich dann kreisförmig aus. Forscher fanden heraus, dass diese Locher-Wolken bis zu vier Stunden bestehen bleiben können und im Extremfall bis zu 100 km Durchmesser erreichen.

Wenn ein kleines Kind Dir also das nächste Mal sprichwörtlich "Löcher" in den Bauch fragt, nehme die Fragen ernst - vielleicht kannst Du ja bei der Suche nach einer Antwort auch selbst noch etwas lernen. Denn Du weisst ja: "Wer nicht fragt, bleibt dumm"!

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

Quelle Foto: commons.wikimedia.org/wiki/File:HolePunchCloud.jpg

23.01.2015

Was für eine Maskerade!

Nicht nur die Faschingszeit kennt die Maskerade. Das geht auch beim Wetter: da gibt es "Maskierte Kaltfronten". Die haben allerdings nun nicht unbedingt Masken auf, weshalb wir nun auch nicht gerade ein passendes Bild dazu haben... Was das Wetter für Maskeraden betreibt, erklären wir nachfolgend.
Nicht nur die Faschingszeit kennt die Maskerade. Das geht auch beim Wetter: da gibt es "Maskierte Kaltfronten". Die haben allerdings nun nicht unbedingt Masken auf, weshalb wir nun auch nicht gerade ein passendes Bild dazu haben... Was das Wetter für Maskeraden betreibt, erklären wir nachfolgend.

Manch einer hat sich vielleicht bereits auf einem der nun vielerorts stattfindenden Faschingsbälle vergnügt, ob verkleidet oder nicht. Doch was hat das jetzt bitte mit dem Wetter zu tun? Natürlich ist es wichtig, zu wissen, ob man sich bei der Hin- und Rückreise zu diesen Veranstaltungen auf glatte Straßen einstellen muss oder nicht, doch das soll hier nicht Thema sein.

In der Tat spielt sich auch beim Wetter hin und wieder eine Maskerade ab. "Maskierte Kaltfronten" sind das Stichwort (bzw. die Stichwörter). Würde man bei einer Quizshow die Frage gestellt bekommen "Was passiert hinter einer Kaltfront? - A: Es wird kälter. B: Es wird wärmer.", würden viele sicherlich Antwort A "Es wird kälter." wählen. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn tatsächlich kann die Temperatur mit Durchzug einer Kaltfront auch ansteigen (zumindest in den bodennahen Luftschichten). Man spricht dann von einer maskierten Kaltfront (kurz auch: maskierte Front).

Maskierte Fronten treten hauptsächlich im Winter auf. Nachts strahlt der Boden Wärme ab und kühlt sich dadurch stärker ab, als die darüber befindliche Luft in den untersten Atmosphärenschichten. In der Folge nimmt dort die Temperatur mit der Höhe zu und man spricht von einer so genannten Inversion. 

Im Sommer hat sich eine nächtliche Inversion meist schon in den Vormittagsstunden wieder aufgelöst, da die recht steil einfallende Sonnenstrahlung den Boden rasch erwärmt. Im Winter kann sich eine Inversion aufgrund der langen Nächte und der nur flachen Einstrahlung vor allem bei ruhigen Hochdrucklagen schon mal mehrere Tage halten. In den Niederungen ist eine Inversion auch häufig noch mit zum Teil zähem Nebel oder Hochnebel verbunden, während auf den Bergen, oberhalb der Inversion, die Sonne scheint. In der Meteorologie spricht man auch von einer schlechten Durchmischung der Luftschichten. Bildlich gesprochen fehlt bei einer solchen Lage der Löffel, der diese "Suppe" mal so richtig umrührt. 

Hier kommt nun unsere maskierte Front ins Spiel. Mit dem Durchzug der Kaltfront wird die bodennahe Kaltluft mit der darüber befindlichen wärmeren Luft vermischt. Als Endergebnis befindet sich nun am Boden wärmere und darüber vergleichsweise kältere Luft, die Inversion wurde also abgebaut. Damit sind diese Luftschichten nun gut durchmischt.

Zur Veranschaulichung dieses Prozesses ein kleines Beispiel, das Sie zuhause ganz einfach nachmachen können: Schüttet man Essig und Öl in ein Glas, so wird man nach kurzer Zeit feststellen, dass sich der Essig aufgrund seiner höheren Dichte am Boden des Glases ausbreitet und darüber das vergleichsweise leichtere Öl zu liegen kommt. Der Essig repräsentiert also die kalte, das Öl die wärmere Luft. Verschließt man nun das Glas und schüttelt es (entspricht dem Durchzug der Kaltfront), sieht man, dass sich beide Flüssigkeiten vermischt haben, der Glasinhalt ist nun also gut durchmischt.

Neben dem anschaulichen Aspekt hat obiges Beispiel aber auch noch einen weiteren praktischen Nutzen. Denn mit der Essig-Öl-Mischung lässt sich sicherlich ein leckeres Salatdressing zaubern.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

22.01.2015

Gibt es ein Schnee-Intermezzo?

Schnee gab es in diesem Winter weder viel noch lang. Am Wochenende wird es in Deutschland und am Alpenrand wieder mal schneien. Aber weder viel noch lange liegenbleibend. Somit bleibt am Ende wohl als gängige „Wintersportart“ wieder nur das Joggen übrig...
Schnee gab es in diesem Winter weder viel noch lang. Am Wochenende wird es in Deutschland und am Alpenrand wieder mal schneien. Aber weder viel noch lange liegenbleibend. Somit bleibt am Ende wohl als gängige „Wintersportart“ wieder nur das Joggen übrig...

Viele "Flachlandtiroler" dürften sich in diesem Winter bisher ziemlich im Stich gelassen gefühlt haben ob der bisher wenigen Tage mit einer durch Schnee weiß eingehüllten Landschaft. Diese gab es bislang bevorzugt in höheren Lagen zu bewundern. Im Westen und Norden Deutschlands meldeten einige Wetterstationen (z.B. Bremen, Emden, Rheine, Braunschweig, Köln und Trier) bisher sogar keinen einzigen Tag mit einer Schneedecke. Dabei wird die Schneehöhe jedoch immer morgens um 7 Uhr ermittelt, sodass eine vorübergehende Schneedecke, die bis zum nächsten Morgen wieder geschmolzen ist, nicht "zählt". Am Wochenende könnte sich das nun ändern.

Für Spannung in Sachen Schnee sorgt dabei ein Tief namens "Kurt", dessen Zentrum am heutigen Donnerstagmorgen zwischen dem südöstlichen Grönland und Island zu finden ist. Bis zum Samstag zieht es (die Namensgebung könnte sich noch ändern) in die Grönlandsee weiter, schickt aber seine ziemlich lang gestreckten Ausläufer bis nach Deutschland. Diese erreichen am Samstagmorgen mit Schneefall oder Schneeregen den Nordwesten. Zuvor gab es eine Nacht, die mit Tiefstwerten zwischen 0 und minus 6 Grad verbreitet frostig gewesen sein dürfte, was die Chancen auf Schneefall (im Sinne der Winterfans) erhöht, aber natürlich auch für Glätte auf Straßen und Wegen sorgen wird.

Im Vormittagsverlauf kommen die Ausläufer des Tiefs langsam nach Südosten voran, bis zum Samstagmittag erreicht der zugehörige Schneefall (in tiefen Lagen teils auch Schneeregen) eine Linie von der westlichen Ostsee über das nördliche Hessen bis nach Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Etwa von der Nordsee bis ins Emsland lassen die Niederschläge dann nach, gleichzeitig erreicht ein Schwall über dem Meer erwärmte Polarluft die Region. Dort steigt die Temperatur daher leicht in den Plusbereich, sodass es einer möglichen Schneedecke schon wieder an den Kragen geht und sich der gefallene Schnee in Schneematsch verwandelt. Daher ist es auch fraglich, ob am Sonntagmorgen an den dortigen Wetterstationen ein Tag mit Schneedecke registriert werden kann.

Am Samstagnachmittag zieht das Schneefallgebiet unter allmählicher Abschwächung bis zu einer Linie Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg weiter. Dann trocknet es voraussichtlich von Schleswig-Holstein bis ins Rheinland ab und höchstens vereinzelt ziehen dort noch Schnee-, Regen- oder Graupelschauer durch. Auch in diesen Regionen ist mit leichten Plusgraden zu rechnen, was einer möglichen Schneedecke ebenso abträglich sein dürfte.

In den anderen Regionen werden Temperaturen um 0 Grad oder leicht darüber erwartet, im Bergland bleibt es beim Dauerfrost. Am Oberrhein sind jedoch bis zu 3 Grad plus möglich, weshalb es dort mit der Ausbildung einer Schneedecke nicht so einfach wird. Zudem kommt der Schneefall bis zum Abend nach aktuellem Stand noch nicht in Brandenburg, Sachsen und den östlichen Teilen Bayerns bzw. Österreich an. Das passiert erst in der Nacht zum Sonntag, dann schwächen sich die Niederschläge aber noch weiter ab.

Am Sonntagmorgen gibt es noch letzte Schneefälle am Alpenrand und im Erzgebirge, die erst im Tagesverlauf nachlassen. Spannend wird dann die Frage sein, welche Stationen einen Tag mit Schneedecke melden werden und welche nicht. Die neueste Gesamtschneehöhenvorhersage der deutschen Modellkette sieht ganz gute Chancen für viele Teile Deutschlands, dass Sonntagmorgen etwas Weißes zu sehen ist. Am Sonntag selber werden meist leichte Plusgrade erwartet, sodass der gefallene Schnee für viele Flachlandtiroler bald wieder Geschichte sein wird und es bei einem Schnee-Intermezzo bleibt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

21.01.2015

Viel Regen am Mittelmeer

Bonjour Tristesse - das gilt heute auch in der Toskana (unser "Bild des Tages" mit der Regenstimmung nahe Siena). Regen im Winter im Mittelmeerraum ist normal wie notwendig, doch in diesem Winter ist es dort spürbar nasser als sonst!
Bonjour Tristesse - das gilt heute auch in der Toskana (unser "Bild des Tages" mit der Regenstimmung nahe Siena). Regen im Winter im Mittelmeerraum ist normal wie notwendig, doch in diesem Winter ist es dort spürbar nasser als sonst!

Am heutigen Mittwoch herrscht in Deutschland weitgehend ruhiges Winterwetter. Deutlich turbulenter gestaltet sich das Geschehen dagegen derzeit im Mittelmeerraum. Einzelne Tiefdruckgebiete sorgen dort wiederholt für teils kräftige Niederschläge, zeitweise in Verbindung mit Gewittern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tiefdruckgebiete im Winter über das Mittelmeer hinweg ziehen. Wäre das nicht der Fall, wäre es in den Mittelmeerländern extrem trocken. Bemerkenswert ist aber die augenblickliche Intensität der Tiefdrucktätigkeit. 

Die niederschlagsreiche Phase im Mittelmeerraum begann bereits am vergangenen Wochenende. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein kleinräumiges Tief über dem Norden Italiens. Es blieb über 24 Stunden relativ stationär, so dass es nicht nur kräftig regnete, sondern am Alpensüdhang auch kräftig schneite. Dabei kamen vielerorts über 30 cm Neuschnee zusammen, vor allem in den höheren Lagen des Tessins fiel mehr als ein halber Meter Neuschnee. 

Erst im Laufe des Sonntags hatte sich das Tief Richtung Sizilien verlagert und schlug dann schließlich einen Kurs Richtung südosteuropäisches Festland ein. Auf diesem Weg blieb es recht wetteraktiv, so dass es über Süditalien, Sizilien und auf dem Balkan viel Niederschlag gab. 

Etwa zur gleichen Zeit zog ein weiteres Tief vom Atlantik kommend über die Iberische Halbinsel hinweg. Es brachte ebenfalls teils hohe Regenmengen. So fielen beispielsweise an der spanischen Station Jerez de la Frontera innerhalb von wenigen Stunden 45 Liter Regen pro Quadratmeter, in Malaga waren es immerhin noch 34 Liter pro Quadratmeter. 

Am Montag erreichte das Tief schließlich das westliche und zentrale Mittelmeer, wo es auch derzeit noch relativ ortsfest verharrt. Die Folge sind starke und teils länger anhaltende Niederschläge in den angrenzenden Küstengebieten. 

Aufsummiert über die letzten zwei Tage gab es die ergiebigsten Regenfälle in Kroatien. So meldete beispielsweise die Station Dubrovnik insgesamt über 120 Liter Regen pro Quadratmeter, wobei der größte Teil des Niederschlags am Montag fiel. Nicht weniger nass war es in Süditalien, Tunesien, Algerien, Marokko, Spanien und Südfrankreich, wo seit Montag an einigen Stationen über 50 Liter pro Quadratmeter Regen registriert wurden. 

Am heutigen Mittwoch regnet es vor allem noch auf der italienischen Seite des Tyrrhenischen Meeres, rund um das Ligurische Meer, aber auch entlang der kroatischen Küste. Dabei können örtlich erneut bis zu 50 Liter pro Quadratmeter vom Himmel fallen. 

Ein Abklingen der Niederschläge ist laut den aktuellen Niederschlagsvorhersagen auch in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Weiterhin wird sich über dem Mittelmeer tiefer Luftdruck halten. Allerdings verlagert sich der Schwerpunkt der Tiefdrucktätigkeit etwas nach Osten. Dann sind aus heutiger Sicht von den ergiebigen Niederschlägen nicht nur Algerien, Tunesien, Italien und die Balkanländer betroffen, sondern auch Griechenland und die ägäischen Inseln. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

20.01.2015

Die Bestimmung der Schneefallgrenze

Wie sich aus dieser Höhenwetterkarte die Schneefallgrenze berechnen lässt, wird im Text erläutert. Das Foto hingegen zeigt die optischen Auswirkungen einer Schneefallgrenze in den Alpen.
Wie sich aus dieser Höhenwetterkarte die Schneefallgrenze berechnen lässt, wird im Text erläutert. Das Foto hingegen zeigt die optischen Auswirkungen einer Schneefallgrenze in den Alpen.

Gerade jetzt in den Wintermonaten taucht in den Wetterberichten immer wieder eine Angabe über die "Schneefallgrenze" auf. Dabei wird sich der ein oder andere interessierte Leser schon einmal gefragt haben: "Wie kann man die Schneefallgrenze berechnen? Wie kann ich diese für meinen Standort ermitteln?" 

Im Alltagsgebrauch wird oftmals die Schneefallgrenze mit der Nullgradgrenze gleichgesetzt. Diese Annahme ist jedoch nicht ganz richtig, da es sich nicht um ein absolutes Niveau handelt, in dem der Schnee augenblicklich in Regen übergeht. In der Meteorologie wird mit der Schneefallgrenze eine oft mehrere hundert Meter dicke Schmelzschicht, die räumlich unterhalb der Nullgradgrenze anzufinden ist, bezeichnet. In dieser Schicht beginnen die Schneekristalle unterschiedlich schnell zu schmelzen und es kommt zur Bildung von Schneeregen oder Regen. Die Mächtigkeit dieser Schmelzschicht hängt jedoch von der Feuchtigkeit der Luftschicht unterhalb der Nullgradgrenze ab. 

Um die Schneefallgrenze, genauer gesagt die Schmelzschicht, in der der Schnee vollends in die flüssige Phase übergeht, zu bestimmen, muss zunächst die Nullgradgrenze berechnet werden. Hierzu eignet sich die Betrachtung einer speziellen Höhenwetterkarte, die die Temperaturverteilung in 850 hPa (Hektopascal) darstellt. Darin ist die Temperaturverteilung in einem Druckniveau von 850 hPa dargestellt. Zu sehen sind Linien gleicher Temperatur, die als Isothermen bezeichnet werden. Im mittel befindet sich dieses Niveau auf einer durchschnittlichen Höhe von etwa 1460 m. In der Realität variiert die Höhe der 850 hPa-Fläche in Hoch- und Tiefdruckgebieten nach oben bzw. nach unten. In der Beispielkarte sind die Isothermen als weiße Grenzlinien der Farbflächen in einem Abstand von 2 Grad Kelvin zu sehen, wobei die Zahlen die jeweilige Temperatur in "Grad Celcius" angeben. Die einzelnen Höhen, in der sich das 850 hPa - Niveau befindet, werden durch schwarze Linien gekennzeichnet. In der Meteorologie sind dies Linien gleichen Geopotentials und werden als Isohypsen bezeichnet. Die Höhe dieser Isohypsen wird in der Einheit [gpdam] (geopotentielle Dekameter) angegeben, wobei dieser Wert mit zehn multipliziert ungefähr die Höhe in "Meter" ergibt.

Mit Hilfe dieser Wetterkarte können wir nun zum einen die Temperatur und zum anderen die Höhe, in der die Temperatur vorliegt, für eine spezielle Region bestimmen. Um die Nullgradgrenze zu berechnen, benötigen wir jedoch eine weitere Größe und zwar die Temperaturabnahme mit der Höhe. Da diese einerseits in Abhängigkeit von der Luftfeuchte stark variieren und ohne weitere Hilfsmittel nicht genau festgelegt werden kann, nehmen wir bei Schneefall als Näherung einen konstanten Wert von 0,65 Kelvin pro 100 Meter (feuchtadiabatischer Temperaturgradient) an. Dieser Wert sollte bei einer stabil geschichteten Atmosphäre ein gutes Ergebnis erzielen. Im Falle einer Inversion, also einer Temperaturzunahme mit der Höhe, führt diese Näherung zu einem unbrauchbaren Ergebnis. Damit kennen wir jetzt alle Parameter zur Bestimmung der Nullgradgrenze. Um nun die Vorgehensweise zu verdeutlichen, folgt nun ein kleines aktuelles Rechenbeispiel für Berlin an Hand der Beispielkarte: Über Berlin befindet sich heute in direkter Nähe die -6 Grad Isotherme (genauer Wert: -6,5 Grad) zwischen der Isohypse in 138 und 139 gpdam Höhe, sodass die 850 hPa-Fläche über Berlin genau in der Mitte dieser zwei Isohypsen in einer Höhe von 138,5 gpdam liegt. Multipliziert man diesen Wert mit zehn so erhält man eine Höhe von 1385 m. Setzen wir uns nun bei diesem Ausgangsniveau von 1385 m Höhe und einer Umgebungstemperatur von -6,5 Grad auf eine Schneeflocke und "segeln" mit ihr in Richtung Erdboden, erwärmt sich die Umgebungsluft um 0.65 Grad pro 100 Höhenmeter. Dies bedeutet also, dass nach etwa einer Fallstrecke von 1000 m die Lufttemperatur bis auf 0 Grad angestiegen ist. Somit liegt die Nullgradgrenze etwa bei 385 m (1385 m - 1000 m) über dem Meeresspiegel. 

Jetzt stellt sich die Frage, wann die Schneeflocke auf ihrem Weg in Richtung Erdboden komplett geschmolzen ist. Hierzu ist unter anderem die Kenntnis über die Luftfeuchtigkeit in den Luftschichten unterhalb der Nullgradgrenze von großer Bedeutung. Bei einer nahezu gesättigten Luft, d. h. die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 100 %, beginnt der Schmelzprozess direkt mit Erreichen der Nullgradgrenze. Ist die relative Luftfeuchte kleiner als 100 %, wird der Schneeflocke durch Sublimation (direkter Übergang von der festen Phase in die Dampfphase) Wärmeenergie entzogen, was zu einer Verzögerung des Schmelzprozesses führt. Fällt also der Schnee in eine relativ trockene Luftschicht bei Temperaturen über null Grad, so kann es auch mehrere hundert Meter unterhalb der Nullgradgrenze sowie bei deutlichen Plusgraden von bis zu 7 Grad Celsius schneien. 

Um nun eine exakte Vorhersage über die Dicke der Schmelzschicht erstellen zu können, müsste zu jeder Zeit und für jeden Ort aktuelle Messungen über die vertikale Temperatur- und Feuchteverteilung der Atmosphäre vorliegen. Dies ist jedoch in keiner Weise realisierbar, jedoch für einen kurzfristigen Zeitraum näherungsweise durch Modellvorhersagen möglich. Hat man diese Modellberechnungen nicht zur Hand, kann als Richtwert eine etwa 200 bis 300 m dicke Schmelzschicht unterhalb der Nullgradgrenze angenommen werden. In unserem Beispiel würde also oberhalb einer Höhe von ungefähr 85 m über dem Meeresspiegel der Niederschlag in Form von Schnee fallen. Somit würde nach unseren Berechnungen heute Mittag am Flughafen Berlin-Tegel (35 m über dem Meeresspiegel) der Niederschlag lediglich in Form von Regen fallen. Berücksichtigen wir jedoch durch die gemachten Annahmen einen Fehler von etwa +/-100 m, so ist es durchaus möglich, dass in Berlin auch Schneeregen oder Schnee fallen kann. Aktuelle Beobachtungen bestätigen dies. 

Wollen Sie in Zukunft für Ihre Region eine eigene Prognose über die Schneefallgrenze erstellen, können Sie auf der Internetseite http://www1.wetter3.de/gfs025.html auf jegliche Wettermodellkarten frei zugreifen. Im linken Reiter können Sie dann unter "Parameter" auch die hier verwendete 850 hPa-Temperatur-Karte aufrufen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

19.01.2015

Wie sind die Wintersportbedingungen?

Ein untrügliches Zeichen für zu wenig Schnee auf den Skipisten sind stehende bzw. marginal schneebedeckte Skilifte, wie unser Foto aus den Alpen zeigt. In Betrieb befindliche Skilifte sind auch in dieser Woche im Alpenraum die Ausnahme.
Ein untrügliches Zeichen für zu wenig Schnee auf den Skipisten sind stehende bzw. marginal schneebedeckte Skilifte, wie unser Foto aus den Alpen zeigt. In Betrieb befindliche Skilifte sind auch in dieser Woche im Alpenraum die Ausnahme.

Nach dem relativ warmen und stürmischen Wetter der vergangenen Wochen sind die Temperaturen in Deutschland nun deutlich gesunken, sodass es auch wieder Frost in tiefen Lagen gibt. Nun stellen sich viele Wintersportler die Frage, wie sich die Schneeverhältnisse in den Skigebieten weiter entwickeln. 

Hat es nach Weihnachten gerade so viel Schnee in den Mittelgebirgen gegeben, dass brauchbare Bedingungen für Wintersport herrschten, so hat das starke Tauwetter Anfang des Jahres dem Schnee extrem zugesetzt. Unterhalb von 1000 m war die Schneedecke fast überall ganz abgeschmolzen.

Jetzt führen zwar schwache Tiefdruckgebiete kühlere subpolare Meeresluft heran, aber der leichte Kaltlufteinbruch hat in den Mittelgebirgen bisher kaum Schnee gebracht. Spitzenreiter ist der Brocken, der mit dem Altschnee noch auf 34 cm kommt, gefolgt vom Fichtelberg im Erzgebirge mit 24 cm. Sonst sind es in Lagen um 900 m nur 5 bis 10 cm. Langlauf ist mit Einschränkungen in den Mittelgebirgen nur in den Gipfellagen des Thüringer Waldes, Erzgebirges, Hochschwarzwaldes sowie im höheren Bayerischen Wald möglich, wo sich noch die Reste des Dezemberschnees gehalten haben. Auf den Skihängen sieht es Dank Kunstschnees etwas besser aus, sodass noch einige Lifte in Betrieb sind.

Besser ist die Situation am Alpenrand und in den deutschen wie österreichischen Alpen. Eine schleifende Kaltfront brachte am Samstag 15 bis 25, in Staulagen über 30 cm Neuschnee, wodurch sich die Wintersportbedingungen deutlich verbessert haben und viele Lifte wieder in Betrieb gehen konnten. Mit Sonnenschein auf den Bergen und Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt es vielerorts perfektes Wintersportwetter.

Trotz des Neuschnees ist die Gesamtschneehöhe aber für die Jahreszeit immer noch deutlich zu niedrig. Wer richtig viel Schnee haben will, der sollte in die Schweiz und da ins nördliche Tessin oder nach Goms fahren. Dort sorgte ein Genua-Tief am Samstag für kräftige Neuschneefälle mit Mengen von 50 - 80 Zentimeter.

Wie geht die Wetterentwicklung nun weiter? In der Nacht zum Dienstag zieht ein schwaches Schneefallgebiet von Südfrankreich aus über den Schwarzwald und Franken nach Sachsen und Brandenburg. Dabei werden aber im Schwarzwald, Thüringer Wald, Fichtel- und Erzgebirge erneut nur wenige Zentimeter Neuschnee erwartet. Die kühle Witterung bleibt uns zwar noch bis über das Wochenende hinaus erhalten, aber Neuschnee wird es kaum geben, sodass sich der Schneemangel in den Mittelgebirgen fortsetzt. Trotzdem erlauben die frostigen Nachttemperaturen die Produktion von Kunstschnee, sodass sich die Situation an den Skihängen verbessern lässt.

Nach mehreren, zum Teil sehr schneereichen Wintern ist das die zweite Saison in Folge, die sehr schneearm ausfällt. In der Vergangenheit war es aber schon häufiger so, dass mehrere, überaus warme Winter hintereinander aufgetreten sind.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

13.01.2015

Niederschläge lassen Pegel ansteigen

Wiederholte kräftige Niederschläge und Tauwetter in den Mittelgebirgen und den Bergen sorgen nun in Mitteleuropa für steigende Bach- und Flußpegel.
Wiederholte kräftige Niederschläge und Tauwetter in den Mittelgebirgen und den Bergen sorgen nun in Mitteleuropa für steigende Bach- und Flußpegel.

Das Wetter in Deutschland wird derzeit von Tiefdruckgebieten bestimmt, die in rascher Abfolge vom Atlantik kommend meist über die Nordsee hinweg in Richtung Nordosteuropa ziehen. Dabei gelangt auf der Südseite dieser Tiefdruckgebiete mit einer westlichen bis südwestlichen Strömung milde und vor allem feuchte Atlantikluft zu uns. Das bedeutet für das Wetter in Deutschland häufige Niederschläge und diese fallen aufgrund der milden Witterung meist als Regen. 

Vor allem das vergangene Wochenende, an dem sogar einige Temperaturrekorde zu verzeichnen waren, wird vielen nicht nur als besonders stürmisch und mild, sondern auch als besonders nass in Erinnerung sein. 

Dabei fielen über den Zeitraum von Freitagfrüh bis Montagfrüh vielerorts zwischen 15 mm und 25 mm Niederschlag. Insbesondere an den Nordhängen der Mittelgebirge und der Nordalpen, aber auch in Teilen des Nordens und Nordwestens waren es teils über 40 mm. Zählt man noch den vergangenen Donnerstag und den gestrigen Montag dazu, so liegen die Summen gebietsweise über 50 mm. Fast alles davon ging als Regen nieder, nur in den Hochlagen der Mittelgebirge und an den Alpen fiel am Sonntag zeitweise auch etwas Schnee.

Insgesamt sind in den ersten 13 Tagen des Januars bereits in vielen Gegenden Deutschlands deutlich mehr als 50 % der mittleren Januarmonatssumme gefallen. An einigen Stationen des Deutschen Wetterdienstes wurde das Monatssoll sogar bereits überschritten. Betrachtet man nur den bis heute erreichten prozentualen Anteil der mittleren Monatssumme, so ist momentan die Station Montabaur (Rheinland-Pfalz) mit 51,9 mm Spitzenreiter. Das entspricht 155 % der normalen Januarmenge. An zweiter Stelle steht Augsburg (Bayern), dort wurden mit bisher 45 mm bereits 122 % des Monatssolls erreicht. Die höchste absolute Niederschlagssumme verzeichnet bisher die Station Großer Arber im Bayerischen Wald mit 155 mm. Das entspricht für diesen Ort 119 % der mittleren Monatssumme. 

Die Auswirkungen des bisher nassen Januars zeigen sich aber nicht nur anhand der Niederschlagsstatistik. Auch die Pegelstände entlang der Flüsse in Deutschland sind aufgrund der beachtlichen Regenmengen über das Wochenende deutlich angestiegen. Allerdings kommt hier noch ein weiterer Aspekt zum Tragen. Mit der einströmenden milden Luft setzte bis in höhere Lagen Tauwetter ein. So waren beispielsweise von den am Freitag gemeldeten 52 cm Schnee auf dem großen Arber am vergangenen Sonntag nur noch 26 cm übrig. Ähnlich stark taute der Schnee auch in anderen Mittelgebirgen ab. Die Summe der aus der Schneeschmelze resultierenden Wassermenge und der Regenmenge bezeichnet man als Niederschlagsdargebot. Dieses ließ die Pegel einiger Flüsse deutlich ansteigen. 

Derzeit melden vor allem in Bayern einige Flusspegel kleines bis mittleres Hochwasser. Davon betroffen sind insbesondere die Donau und der Main sowie ihre Nebenflüsse. Aber auch in anderen Gegenden Deutschlands führen die Flüsse überdurchschnittlich viel Wasser mit sich. 

Schaut man sich die Prognosen der nächsten Tage an, so ändert sich nichts Grundlegendes an der momentanen Wetterlage. Somit setzt sich das wechselhafte Wetter mit wiederholten und gebietsweise auch kräftigeren Regenfällen fort. 

Akkumuliert über die kommenden Tage fällt der meiste Niederschlag voraussichtlich im Norden und Westen Deutschlands. Im Süden und Südosten fallen die Mengen hingegen geringer aus. Somit dürfte sich zumindest dort die Hochwasserlage etwas entspannen, während in den anderen Gebieten mit einem gleichbleibendem Pegel oder gar einem weiteren Ansteigen zu rechnen ist. 

Die aktuelle Entwicklung der Pegelstände in Deutschland können Sie jederzeit unter www.hochwasserzentralen.de und in Österreich unter http://ehyd.gv.at/?g_card=pegelaktuell# verfolgen.

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12.01.2015

Wohin hat sich der Winter verzogen? - Ein Blick über den Tellerrand!

Die einen haben "ein Bett im Kornfeld", die anderen dafür ein "Iglu auf der grünen Wiese". Während Griechenland im Schnee versinkt, tobt das milde Westwetter bei uns.
Die einen haben "ein Bett im Kornfeld", die anderen dafür ein "Iglu auf der grünen Wiese". Während Griechenland im Schnee versinkt, tobt das milde Westwetter bei uns.

Ein Blick auf die Höchsttemperaturen vom gestrigen Sonntag, den 11. Januar 2015, zeigt schnell, dass nicht nur in Deutschland die Temperaturen derzeit überdurchschnittlich hoch ausfallen. Die Orkantiefs "Elon" und "Felix" machten nicht über Südskandinavien halt, sondern arbeiteten sich weit nach Osten bis in den sibirischen Raum vor. Damit verbunden bildete sich eine ausgeprägte Zone tiefen Luftdrucks von der Südspitze Grönlands bis zum Ural aus. Gleichzeitig weitete sich das Azorenhoch nach Westen und Osten aus und nahm schließlich ein Gebiet von Neufundland über die Iberische Halbinsel hinweg bis nach Griechenland ein. Zwischen den beiden markanten Druckgebilden herrscht eine kräftige westliche Strömung vor, die milde Atlantikluft über West- und Mitteleuropa hinweg bis nach Russland transportiert. Resultierend ist es in weiten Teilen Europas wenig winterlich. Auf den Britischen Inseln sowie in Mitteleuropa lagen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 10 Grad. Selbst in Polen, Weißrussland, der Ukraine sowie dem Baltikum war es flächendeckend frostfrei. Auch Moskau meldete leicht positive Temperaturen. Im Mittelmeerraum konnte bei Temperaturen um 20 Grad sogar schon der Frühling begrüßt werden. 

Doch wo hat sich der Winter mit Frost und Schnee versteckt? In Europa gibt es derzeit nur eine Region, in der sich eine frostige Winterlandschaft ausgebreitet hat. Auf der Rückseite von Orkantief "Felix", das sich mit Kern über dem Nordwesten Russlands befindet, fließen kalte polare Luftmassen nach Nordskandinavien ein. Etwa nördlich einer Linie Reykjavik-Oslo-Stockholm-St. Petersburg-Volgoda herrscht tatsächlich Dauerfrost. Für Temperaturen unter -20 Grad muss man sich jedoch schon auf die nordwärtige Seite des Polarkreises begeben, wobei etwa zwischen Tromso und Murmansk bei Höchstwerten teils unter -40 Grad der Kältepol Europas zu finden ist. 

Der Temperaturverteilung entsprechend sind nennenswerte Schneehöhen in Mittel- und Südosteuropa lediglich im höheren Bergland zu finden. Auch Polen ist weitgehend schneefrei. Vom Baltikum über Weißrussland und der Ukraine hinweg bis zum Schwarzen Meer schmilzt die geringe Altschneeauflage weiter dahin. Von Norwegen bis Russland ist dagegen noch ausreichend Schnee vorhanden. Bei meist 10 bis 60 cm, im Bergland teils auch deutlich über 100 cm, kann auf Hundeschlitten oder Schneemobil als Fortbewegungsmittel zurückgegriffen werden. 

Etwas kälter als bei uns in Mitteleuropa ist es derzeit in Nordamerika. Bei hohem Luftdruck von Alaska über weite Teile Kanadas und der USA hinweg bis zur Ostküste sickert Kaltluft, vor allem in den mittleren Regionen, weit nach Süden ein. Allerdings kann bei Höchstwerten von etwa -15 Grad an der Grenze zu Kanada und bis +25 Grad in Florida in den USA nicht von einer Kältewelle gesprochen werden (vgl. Graphik 3). Lediglich nachts fallen die Temperaturen bei vielerorts klarem Himmel tief in den Keller. Dabei herrscht bis in den Norden Texas Nachtfrost. Im Raum Washington gingen die Temperaturen in der Nacht zum Sonntag auf Werte um -10 Grad zurück. Im Bereich der großen Seen wurden Tiefstwerte von teils unter -30 Grad registriert. 

Auch in den nächsten Tagen bleibt die derzeitige Wetterlage erhalten.Während in Nordamerika weiterhin hoher Luftdruck dominiert und dort bei der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen für viel Sonne sorgt, verbleiben Mitteleuropa und somit auch Deutschland weiter in einer kräftigen westlichen Strömung, mit stürmischem Wind und bei Zufuhr milder Atlantikluft. Der vorläufige Höhepunkt wird dabei am morgigen Dienstag erreicht, an dem im Südwesten und Süden Deutschlands die Höchsttemperaturen wieder bis nahe an die 15 Grad steigen können. Auch nachts ist es abgesehen von den Regionen südlich der Donau frostfrei. Dafür muss im Norden und in der Mitte wiederholt mit leichtem bis mäßigem Regen gerechnet werden. Erst zum Wochenende hin könnte sich wieder typisches "Rückseitenwetter" mit tiefen Temperaturen und sogar Schnee teils bis in tiefe Lagen durchsetzen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.01.2015

Felix bringt den vorläufigen Höhepunkt der aktiven Westlage

Derzeit ein Tummelplatz der Sturmtiefs: Der Nordatlantik und der Kontinent wird vom Zentraltief "Christian" und seinen "Brüdern" beeinflusst bzw. heimgesucht. Über Schottland gab es bereits bis zu 200 km/h starke Orkanböen. © Karte DWD/Wetterpate.de
Derzeit ein Tummelplatz der Sturmtiefs: Der Nordatlantik und der Kontinent wird vom Zentraltief "Christian" und seinen "Brüdern" beeinflusst bzw. heimgesucht. Über Schottland gab es bereits bis zu 200 km/h starke Orkanböen. © Karte DWD/Wetterpate.de

Ob man das Wetter in der aktuellen Wintersaison nun gut findet oder nicht, eines kann man nicht bestreiten, für reichlich Abwechslung in der Wetterküche ist in jedem Fall gesorgt. So war der Dezember recht windig und brachte den ein oder anderen kräftigen Sturm gebracht, sodass die Windenergie einen neuen Rekordwert verzeichnen durfte. Kurz nach Heiligabendzeigte sich der Winter dann von seiner kalten Seite und brachte vielen Regionen Schnee, Glätte und Dauerfrost.

Und nun sind Sturm und Regen zurück. Verantwortlich dafür ist das steuernde Zentraltief Christian, an dessen Südflanke immer wieder Randtiefs von West nach Ost wandern. Diese intensivieren die allgemeine Sturmsituation nochmal zusätzlich. Schon der gestrige Donnerstag brachte vor allem der Südhälfte des Landes mit Randtief "Daniel" einiges an Wind. Am heutigen Tage ist nun Tief "Elon" verantwortlich für die Verschärfung der Windsituation. Bis zum Vormittag wurden die stärksten Windgeschwindigkeiten vor allem auf den Bergen erreicht. So wurden auf dem Brocken 161 km/h, auf dem Fichtelberg 133 km/h und auf dem Feldberg im Schwarzwald 120 km/h gemessen, also volle Orkanstärke. Heute bleibt es dabei ... im Flachland muss verbreitet mit stürmischen Böen und Sturmböen (bis 85 km/h) gerechnet werden, in freien Lagen treten zudem einzelne schwere Sturmböen auf (bis 100 km/h). Das gilt für den Norden und Osten und in der Nacht auf Samstag für den Süden. An der See und im Bergland weht der Wind teils mit Orkanstärke. Genaue Details entnehmen Sie bitte den aktuellen Warnungen und Warnlageberichten.

Den vorläufigen Höhepunkt liefert am morgigen Samstag schließlich Tief Felix, das sich derzeit noch westlich der Britischen Inseln befindet. Unter einer raschen Intensivierung wird das Orkantief bis Samstagmittag bis zur norwegischen Westküste gezogen sein. Sein Kerndruck soll dann bei etwa 945 hPa liegen. Diese recht weit nördliche Zugbahn verhindert, dass "Felix" seine volle Kraft über Deutschland entfaltet. Nichtsdestotrotz wird es verbreitet stürmisch.

Die Entwicklung im Detail:

Samstagvormittag in Deutschland: Die Warmfront von Tief Felix überquert Deutschland bereits in den Nachtstunden und bringt vor allem den Weststaulagen der Mittelgebirge viel Regen. Dahinter kommt ein Schwall sehr milder Luft nach Deutschland voran. So steigt die Temperatur nach einer schon recht milden Nacht mit zum Teil zweistelligen Tiefstwerten im Westen am Tage auf 10 bis 15 Grad, lokal am Oberrhein und in Südostbayern auch bis 17 Grad. Deutschland befindet sich also zunächst im sogenannten Warmsektor. Typisch dafür ist eine stabile vertikale Luftschichtung, die verhindert, dass die stärksten Winde, die in höheren Luftschichten zu finden sind, bis zum Boden durchgemischt werden. Die höchsten Windgeschwindigkeiten konzentrieren sich zunächst also auf die Hochlagen der Mittelgebirge. Dort muss verbreitet mit schweren Sturmböen (bis 100 km/h) bis hin zu Orkanböen (um 120 km/h) gerechnet werden. Im Tiefland treten zunächst starke bis stürmische Böen (bis 70 km/h), in freien Lagen auch einzelne Sturmböen (bis 85 km/h) auf. 

Samstagnachmittag und -abend in Deutschland: Im Laufe der zweiten Tageshälfte macht sich schließlich die Kaltfrontvon Tief Felix auf den Weg und breitet sich rasch von Nord nach Süd über Deutschland aus. In der ersten Nachthälfte erreicht sie schließlich auch Süddeutschland. Der Durchgang der Kaltfront bildet den Höhepunkt der Windentwicklung in vielen Gebieten und stellt die gefährlichste Entwicklung dar. Die kalte Luft schiebt sich wie ein Keil unter die vorgelagerte warme Luft. Dadurch können nun auch größere Windgeschwindigkeiten aus den höheren Luftschichten heruntergemischt werden. Dies ist insbesondere gegeben, wenn sich entlang der Kaltfront Gewitter ausbilden sollten. Mit der Front werden Sturmböen und schwere Sturmböen (bis 100 km/h) erwartet. Bei Gewittern sind auch einzelne orkanartige Böen (bis 115 km/h) bis ins Tiefland nicht ausgeschlossen. Auf den Berggipfeln bleibt es bei voller Orkanstärke. Die Warnlage sollte also aufmerksam verfolgt werden! 

Mit dem Kaltfrontdurchgang ist auch ein kräftiger Temperatursturz verbunden. So fällt die Temperatur zum Teil um mehr als 10 Grad innerhalb kurzer Zeit. Die Tiefstwerte liegen dann nur noch wenig über dem Gefrierpunkt und die Niederschläge südlich der Donau gehen am Sonntagmorgen allmählich bis in tiefe Lagen in Schnee über. 

Am Sonntag liegt ganz Deutschland unter dem Einfluss höhenkalter Luft polaren Ursprungs. Durch die Kaltluft in der Höhe nimmt der Temperaturunterschied zwischen tieferen und höheren Luftschichten zu. Man spricht in diesem Fall von einer "labilen Schichtung". Die Folge sind häufige Schauer und einzelne Gewitter, die Graupel und zum Teil auch Schnee bis in tiefere Lagen mitbringen. Im Bergland fällt allgemein Schnee und am Alpenrand kann es in der ersten Tageshälfte noch länger anhaltend und ergiebig schneien. Zudem lebt der Wind im Tagesverlauf wieder verbreitet auf. Vor allem in Verbindung mit Schauern und Gewittern muss mit stürmischen Böen und einzelnen Sturmböen gerechnet werden. An der See und im Bergland sind schwere Sturmböen möglich, auf exponierten Berggipfeln Böen bis in den Orkanbereich.

Auch die neue Woche beginnt mit wechselhaftem und teils stürmischem Wetter, wenngleich insgesamt auf einem etwas niedrigeren Niveau als am morgigen Samstag. Dazu steigen die Temperaturen wieder deutlich an. Eine richtige Beruhigung ist wohl frühestens in Richtung des darauffolgenden Wochenendes möglich.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

08.01.2015

Sturmserie bis zum Wochenende

An der Britischen Atlantikküste und auch der Nordseeküste werden die nächsten Tage heftig aufgepeitschte Wellen "anlanden". Aber auch in den Mittelgebirgen und am Alpenrand sind insbesondere heute Abend heftige Sturmböen zu erwarten!
An der Britischen Atlantikküste und auch der Nordseeküste werden die nächsten Tage heftig aufgepeitschte Wellen "anlanden". Aber auch in den Mittelgebirgen und am Alpenrand sind insbesondere heute Abend heftige Sturmböen zu erwarten!

Wie bereits am gestrigen Mittwoch hier (einen Tag nach unten scrollen) bereits beschrieben, sorgt eine stramme Westströmung und in ihr eingebettete Tiefausläufer bis einschließlich Samstag für nasses, mildes, vor allem aber auch sehr stürmisches Wetter. Aber wie stürmisch wird es denn jetzt genau?

Die sich nun einstellende Westwindwetterlage ist prädestiniert für ein verbreitet hohes Sturmpotenzial über Europa. Tiefdruckgebiete nisten sich dabei über dem Nordatlantik und Nordeuropa ein, während sich ein Hochdruckgebiet von den Azoren her über weite Teile des Mittelmeerraumes erstreckt. Dazwischen stellt sich eine Westströmung ein. Je größer das Luftdruckgefälle zwischen dem im Mittel vorherrschenden Tief im Norden und dem Hoch im Süden, desto größer ist das Sturmpotenzial.

Entscheidend dafür, ob es zu einem verbreiteten gefährlichen Sturm kommt oder nicht, ist allerdings nicht unbedingt der im Mittel vorherrschende Luftdruck in den jeweiligen Regionen bzw. die dazwischen vorherrschende Luftdruckdifferenz. Vielmehr sind es die mitunter in die Westströmung mitgeführten Randtiefs, die an ihren Südflanken nochmals eine kurzzeitige Verschärfung des Luftdruckgradienten herbeiführen. Diese Randtiefs sind im Gegensatz zu den großen, steuernden und eher "trägen" Zentraltiefs kleinräumigere und sich sehr schnell verlagernde Luftdruckgebilde. Da sich diese Randtiefs oft schwierig vorhersagen lassen und sie durchaus von entscheidender Bedeutung sein können, schenken wir Meteorologen ihnen besondere Aufmerksamkeit.

Bereits am heutigen Donnerstag verschärft sich der Luftdruckgradient an der Südflanke eines Zentraltiefs namens "Christian", das sich mit seinem Kern zwischen Grönland und Island befindet. Am markantesten ist die Windentwicklung in der Mitte und im Süden Deutschlands, wo am Abend und in der Nacht zum Freitag stürmische Böen (Windstärke 8) bis ins Flachland auftreten können. In exponierten Lagen der Mittelgebirge sind orkanartige Böen (Windstärke 11) nicht auszuschließen.

Höhepunkt 1:

Zum Freitagmorgen schwächt sich der Südwestwind zumindest in der Mitte und im Süden vorübergehend ab, um im weiteren Verlauf allgemein wieder deutlich zuzunehmen. Ursache dafür ist Randtief "Elon", das sich vom Nordatlantik her über Schottland nach Skandinavien verlagert und an seiner Südflanke den Luftdruckgradienten verschärft. Es sind dann verbreitet starke bis stürmische Böen (Windstärke 7 bis 8) zu erwarten, in Norddeutschland Sturmböen (Windstärke 9). Böen bis Stärke 11 (orkanartige Böen) treten auf den Inseln sowie in exponierten Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen auf.

Höhepunkt 2:

Nach kurzfristiger Entspannung schwingen sich die Windgeschwindigkeiten im Verlaufe des Samstages zum finalen Höhepunkt auf. Ein sich noch weitaus intensiver entwickelndes Randtief "Felix" macht sich vom Nordatlantik her kommend auf dem Weg zur südnorwegischen Küste. Nach derzeitigem Stand erreicht das Tief einen minimalen Luftdruck von 945 bis 950 hPa. Es verwundert daher nicht, dass überall mit warnrelevanten Böen zwischen Windstärke 8 und 9 gerechnet werden muss. Auf den Bergen und an den Küsten weht Sturm der Stärke 11 bis 12 (Orkan). Mit Durchzug der Kaltfront von "Felix" am Nachmittag greifen die hohen Windgeschwindigkeiten auch weiter bis ins Norddeutsche Tiefland über. Besonders bei Schauern und Gewittern treten dort dann vorübergehend schwere Sturmböen (Windstärke 10) und einzelne orkanartige Böen (Windstärke 11) auf.

Zum Sonntag flaut der Wind allmählich etwas ab. Die Westwetterlage und damit auch ein latentes Potenzial für weitere Stürme bleiben aber bis auf Weiteres erhalten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

07.01.2015

Winterschlaf - auch der Winter geht in den Schlafmodus über

Kein Schnee auf den Bäumen - kein Schnee in Sicht. Im Gegenteil, der Winter legt den "Winterschlaf" ein. Da es stürmisch und mild wird, werden die Bäume allerdings gefährdet sein: Windbruch ist zu erwarten.
Kein Schnee auf den Bäumen - kein Schnee in Sicht. Im Gegenteil, der Winter legt den "Winterschlaf" ein. Da es stürmisch und mild wird, werden die Bäume allerdings gefährdet sein: Windbruch ist zu erwarten.

Einige Säugetiere wie der Igel, der Siebenschläfer oder das Murmeltier halten einen längeren Winterschlaf. In dieser unterschiedlich lang dauernden Phase (der Siebenschläfer z. B. schläft fast 6 bis 7 Monate, daher sein Name) verfallen die Tiere in einen schlafähnlichen Zustand, der nur gelegentlich unterbrochen wird. Darüber hinaus gibt es bei einigen Tieren noch die Winterruhe, die nicht so intensiv verläuft wie der Winterschlaf. Ein typischer Vertreter ist der Braunbär. In die sogenannte Winterstarre begeben sich Fische, Frösche, Eidechsen, Schildkröten und Insekten, aber nur, wenn es sehr kalt wird. Wird es Frühling und draußen wieder wärmer, erwachen die Tiere.

Bezogen auf das aktuelle Wettergeschehen könnte man in den nächsten Tagen auch von einem "Winterschlaf" (oder besser einer "Winterstarre") reden. Allerdings ist dieser - anders als bei den Tieren - mit einer merklich wärmeren und ziemlich stürmischen sowie nassen Phase verbunden. Der Winter selber legt sich also zur Ruhe und macht in Deutschland eine Pause.

Eingeleitet wird diese Periode bereits am heutigen Mittwoch. Die Ausläufer des Tiefs "Bob" über dem Nordmeer bringen mit einer zunehmend auf West drehenden Strömung einen ersten Schub milder Luft mit sich. Zugleich erweist sich Bob als Baumeister für die vom Atlantik nachkommenden Tiefs. Denn schon in der Nacht zum Donnerstag folgt ihm Tief "Christian", der sein Handwerk ebenso gut versteht und mit der westlichen Strömung und zunehmend kräftigem Wind neuerlich milde Luft nach Deutschland schaufelt. So können am Donnerstagnachmittag im Rheinland fast 10 Grad erreicht werden.

Das Ende der Fahnenstange bedeutet dies allerdings noch lange nicht. Mit der nun aufgebauten strammen westlichen Strömung erreichen immer neue Tiefausläufer mit stürmischem Wind und immer milderer Luft Deutschland. Am Freitag werden damit im Westen verbreitet über 10 Grad erreicht (siehe dazu die Grafiken zum Wetter am Freitag, 09.01.2015 und am Samstag, 10.01.2015, zu finden rechts auf www.dwd.de in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]) . Am Samstag kommt es dann zum vorläufigen Höhepunkt der "Wärmewelle". Landesweit sind - bis auf höhere Lagen - zweistellige Temperaturen zu erwarten! Am wärmsten wird es im Westen und Süden, dort sind örtlich durchaus sogar 15 Grad möglich.

Damit wird sich, sicherlich zum Unmut aller Skiliftbetreiber und Wintersportler, bis in hohe Lagen Tauwetter einstellen. Die Schneefallgrenze steigt am Samstag auf über 2000 m. Zusammen mit dem teils kräftigen Regen der Tiefdruckgebiete und dem schmelzenden Wasser des Schnees muss mit einem hohen Eintrag an Wasser in die Flüsse gerechnet werden, sodass die Pegel einiger Flüsse steigen werden.

Das ungewöhnlich milde Wetter findet dann voraussichtlich am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag sein Ende. Von Nordwesten greift eine Kaltfront auf Deutschland über, sodass die Schneefallgrenze wieder deutlich sinkt, allerdings nicht bis in tiefste Lagen. Während der Winter in höheren Lagen daher wieder erwacht, schläft er unten weiter. Und mit ihm auch die Winterschlaf haltenden Tiere, die durch das vorübergehend sehr milde Wetter höchstens kurzzeitig mal wach werden dürften. Also weiterhin Gute Nacht, ihr lieben Tiere!

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

05.01.2015

Die Ruhe vor dem Sturm

Heute Traumwetter im Allgäu und Kleinwalsertal! Genießen - denn Ende der Woche kommt das nächste Sturmtief...
Heute Traumwetter im Allgäu und Kleinwalsertal! Genießen - denn Ende der Woche kommt das nächste Sturmtief...

Ab dem heutigen Montag beruhigt sich vorübergehend das Wetter in Deutschland. Grund dafür ist das Hochdruckgebiet "Antonia", das sich endlich durchsetzen konnte und nun von der Iberischen Halbinsel bis zur Nordsee reicht. Dadurch bleibt es weitgehend trocken und bei aus Nordwesten einströmender polarer Meeresluft zumindest tagsüber nur mäßig kalt. Nur im Nordosten von der Lübecker Bucht bis zum Erzgebirge fällt noch etwas Niederschlag, der zu einem abziehenden Ausläufer von Tief "Bob" bei Island gehört. Oberhalb 300 m fällt der Niederschlag als Schnee. 

Bis Dienstag wird es dann aber überall trocken sein, allerdings verhindert dann eine meist dichte Wolkendecke den Sonnenschein. Wer die Sonne dennoch genießen möchte, sollte am Dreikönigstag einen Ausflug in das höhere Bergland unternehmen. Dort fällt die Temperatur sogar teilweise milder aus als in den Tälern.

Die gerade eingekehrte Wetterberuhigung ist aber nur von kurzer Dauer. Denn in der Nacht zum Mittwoch greifen von Nordwesten her die nächsten Ausläufer von "Bob" auf das Bundesgebiet Deutschland über und es wird wieder wechselhaft. Die Wolken werden dichter und zunächst fällt gefrierender Regen. Dadurch kann es gebietsweise sehr glatt werden. Nach kurzer Glättephase steigt die Temperatur auf Werte über Null, sodass der Regen nicht mehr am Boden gefriert. Im Laufe des Mittwochs erreicht das Niederschlagsband schließlich den Süden und Osten. Auch dort tritt zuerst gefrierender Regen auf, der nach Süden hin zunehmend in Schneeregen übergeht. In den Kammlagen der östlichen Mittelgebirge als auch in den Alpen fällt Schnee. Auf der Rückseite der Ausläufer lockern die Wolken wieder auf, sodass man bereits zum Mittag im Nordwesten die ersten Sonnenstrahlen genießen kann.

Doch wie die Überschrift verrät, kommt im weiteren Verlauf auch noch Sturm auf: Die Umstellung auf eine stürmische Westwetterlage beginnt bereits in der Nacht zum Donnerstag. Ein Tief, das momentan westlich von Neufundland liegt und wahrscheinlich den Namen "Christian" erhält, entwickelt sich auf seiner Zugbahn nach Island zu einem Sturmtief. Der zugehörige Ausläufer erreicht uns in der Nacht zum Donnerstag. Dann frischt der Wind auf und vor allem an der Küste und im Bergland sollte mit Sturmböen gerechnet werden. Am Donnerstag breitet sich das Starkwindfeld auf ganz Deutschland aus, sodass verbreitet stark böiger Südwestwind auftritt, der auf den Bergen als auch an der Küste stürmisch ausfällt.

Am Wochenende bleibt es nach jetzigem Stand bei dem wechselhaften und vor allem sehr windigen Wetter. Da das neue Randtief, das unser Wetter ab der Nacht zum Samstag beeinflusst, etwas südlicher zieht und einen tieferen Kerndruck als das Tief zuvor besitzt, wird dann der Höhepunkt der stürmischen Wetterlage zu erwarten sein. Verbreitet treten dann stürmische Böen aus West auf. In der Norddeutschen Tiefebene als auch auf den Bergen ist dann mit (schwerem) Sturm zu rechnen, an der Küste sowie in den Kammlagen der Alpen, auf dem Brocken und dem Fichtelberg sind sogar Windgeschwindigkeiten bis Orkanstärke (über 100 km/h) zu erwarten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

30.12.2014

Wetterroulette bringt Umstellung - Schneereport und Ausblick auf die Silvesternacht

Die Aussichten für das Feuerwerk zum Jahreswechsel sind in Deutschland und Österreich abgesehen von vielfach ziemlich frostigen Temperataturen leider nicht überall "sichttauglich": Regional wird dichter Nebel erwartet.
Die Aussichten für das Feuerwerk zum Jahreswechsel sind in Deutschland und Österreich abgesehen von vielfach ziemlich frostigen Temperataturen leider nicht überall "sichttauglich": Regional wird dichter Nebel erwartet.

Während sich ausgangs der Weihnachtsfeiertage die Großwetterlage nach dem Durchzug von Sturmtief "Hiltrud" umstellte und sich der Wintermodus bis in tiefe Lagen einstellte, dreht das Wetter nun wieder am großen Rad. Im Norden und Nordwesten sickerte schon am gestrigen Montag etwas mildere Luft ein, sodass dort die Niederschläge wieder in Regen oder Schneeregen übergingen. Zum Jahresbeginn setzt sich im ganzen Land wieder zunehmend eine Westwetterlage durch. Damit verbunden werden mit einer teils kräftigen westlichen bis nordwestlichen Strömung über dem Meer erwärmte Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland geführt. In der Mitte und im Süden Deutschlands setzt sich die Milderung zunächst aber nur zögerlich durch. Erst ein Sturmtief zum Jahresbeginn wird voraussichtlich die kalte Luft in tiefen und mittleren Lagen komplett ausräumen. Der Winter kann im Tiefland also nur als kurzes Intermezzo angesehen werden. In den höheren Mittelgebirgslagen sowie in den Alpen sorgt die kräftige nordwestliche Strömung jedoch für stärkere und teils auch länger anhaltende Niederschläge. Je nachdem, ob die Republik vorder- oder rückseitig der durchziehenden Tiefdruckgebiete liegt, schwankt die Schneefallgrenze zwischen 400 und 1000 Meter. Vor allem in den höheren Lagen wächst die Schneedecke also weiter an.

Am heutigen Dienstagmorgen wurden um 7 Uhr folgende Spitzenschneehöhen in Deutschland gemessen: 

Zugspitze (Bayern): 170 cm

Oberreute (Bayern): 60 cm

Immenstadt-Reute (Bayern): 59 cm

Rettenberg-Kranzegg (Bayern): 58 cm

Oberstdorf (Bayern): 57 cm

Oy-Mittelberg-Petersthal (Bayern): 52 cm

Reit im Winkel (Bayern): 48 cm

Ramsau (Bayern): 46 cm

Freudenstadt-Kniebis (Baden-Württemberg): 45 cm

Dachsberg-Wolpadingen (Baden-Württemberg): 45 cm

In den Skigebieten des Landes heißt es zumindest in mittleren und höheren Lagen Ski- und Rodel gut:

Thüringer Wald: 2 bis 15 cm (z.B. Neuhaus am Rennweg 14 cm)

Rothaargebirge: 5 bis 35 cm (z.B. Kahler Asten 24 cm)

Rhön: 5 bis 20 cm (z.B. Birx/Rhön 17 cm)

Harz: 4 bis 35 cm (z.B. Brocken 32 cm)

Erzgebirge: 5 bis 40 cm (z.B. Carlsfeld 29 cm)

Schwarzwald: 10 bis 50 cm (z.B. Freudenstadt-Kniebis 45 cm)

Schwäbische Alb: 10 bis 45 cm (z.B. Stötten 38 cm)

Bayerischer Wald: 10 bis 40 cm (z.B. Lindberg-Buchenau 30 cm)

Alpen: 15 bis 170 cm (z.B. Zugspitze 170 cm)

In Österreich melden:

Hohe Warte (Wien): 6 cm

Algen (Ennstal): 7 cm

Feuerkogel: 40 cm

Bregenz: 44 cm

Sonnblick: 357 cm

In der Nacht zum morgigen Mittwoch (Silvester) schwenkt erneut ein Tiefausläufer durch, der in weiten Teilen des Landes wiederholt leichte Niederschläge bringt. Bei Tiefstwerten zwischen 6 und 0 Grad fällt im Norden meist die flüssige Phase. Südlich der Mittelgebirgsschwelle können noch ein paar Zentimeter Schnee fallen. Im Tagesverlauf setzt sich von Westen her dann vorübergehend Zwischenhocheinfluss durch, sodass die Niederschläge allmählich abklingen. Zum Jahreswechsel schneit es lediglich im östlichen Mittelgebirgsraum noch. Zwischen Dresden und Berlin fällt gelegentlich Regen oder Sprühregen. Ansonsten bildet sich lokal Nebel, der das Feuerwerk zu "verschlucken" droht. Beste Chancen auf gute Sicht gibt es im Nordwesten des Landes sowie südlich der Donau. Die Temperaturen erreichen dabei um Mitternacht Werte zwischen 6 Grad an der Nordseeküste und bis -8 Grad an den Alpen. In einigen Alpentälern kann es sogar noch etwas kälter sein. In Berlin wird das neue Jahr bei Temperaturen um 5 Grad begrüßt. In München müssen sich die Bürger bei frostigen Temperaturen bis -4 Grad warm einpacken. Auch in Freiburg (-3 Grad) oder Saarbrücken (0 Grad) muss mit leichtem Frost gerechnet werden. In Frankfurt wird es dagegen wohl noch leicht im positiven Bereich bleiben. In Hamburg (um 3 Grad), und Köln (um 2 Grad) starten die Bürger für die Jahreszeit mit relativ milden Werten ins neue Jahr.

Im letzten Jahr (Jahreswechsel 2013/2014) gab es von den Temperaturen her ebenfalls ein Nord-Süd-Gefälle. Dabei lagen die Werte etwa im gleichen Temperaturspektrum. Während auf den Inseln positive 6 Grad herrschten, bibberten die Bürger im Südosten bei frostigen Werten um -5 Grad, wobei es um Mitternacht weitgehend trocken blieb. Lediglich im äußersten Westen kam leichter Regen auf. 

Liebhaber eines sehr frostigen Jahreswechsels sollten sich in diesem Jahr europaweit in den Osten oder Südosten und dort speziell in der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien umsehen. Auch im gesamten Alpenraum muss mit strengem Frost gerechnet werden. Dort können um Mitternacht die Temperaturen bei Aufklaren über Schnee teilweise auf Werte um -15 Grad absinken. Wesentlich milder und teilweise wenig winterlich zeigt sich dagegen der skandinavische Raum. Von Finnland bis Norwegen beginnt das neue Jahr mit Temperaturen zwischen -2 und +8 Grad. Weltweit gesehen wären auch viele Regionen in Nordamerika sowie Sibirien und Teile des Nordosten Russlands für einen winterlichen Start ins neue Jahr zu haben. Östlich des Urals fallen im kontinentalen Klima die Werte sogar bis auf -50 Grad. Die tiefsten Werte treten dort im Raum Werchojansk auf. In der Mongolei sowie im Norden Chinas pendeln sich die Werte meist zwischen -10 und -30 Grad ein. Wärmer bleibt es hingegen Richtung Pazifik. An der chinesischen Küste werden zum Jahreswechsel wohl Temperaturen zwischen 0 und 15 Grad herrschen. In Kanada werden fast flächendeckend nur geringfügig mildere Temperaturen zwischen -5 und -30 Grad erwartet. Lediglich an der Pazifikküste bleibt es mit Werten um 0 Grad etwas wärmer. Auch in den USA erreichen die Mitternachtstemperaturen zwischen den Rocky Mountains und den "Großen Seen" Werte im strengen Frostbereich (< -10 Grad). Selbst im Norden Texas im Süden der USA werden nur um 0 Grad erwartet. 

Wer jedoch gerne einmal einen Jahreswechsel unter sommerlichen Bedingungen feiern möchte, sollte sich noch schnell auf die Südhalbkugel begeben. Dort ist derzeit Sommer. In Australien sind dabei nächtliche Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad drin. Auch in Afrika und Südamerika feiern die Menschen bei nächtlichen Werten über 15 Grad den Jahreswechsel.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

29.12.2014

Frostig kalter und weißer Jahreswechsel?

Das traditionelle Scheibenkratzen wird wohl die kommenden Tage uns nicht erspart bleiben. Auch der Jahreswechsel 2014/15 wird winterlich frostig-kalt verlaufen bei bis zu minus 15 Grad.
Das traditionelle Scheibenkratzen wird wohl die kommenden Tage uns nicht erspart bleiben. Auch der Jahreswechsel 2014/15 wird winterlich frostig-kalt verlaufen bei bis zu minus 15 Grad.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und viele fiebern der letzten Feierlichkeit des Jahres 2014 entgegen. Am besten lässt sich das Feuerwerk an Mitternacht natürlich im Freien bestaunen. Im Folgenden soll deshalb beschrieben werden, wo aus heutiger Sicht mit welchem Wetter am Jahreswechsel zu rechnen ist. 

Am Mittwoch, den 31.12, halten sich fast überall dichte Wolken, aus denen insbesondere in einem Streifen vom Nordosten bis in die südlichen Landesteile ein paar Schneeflocken vom Himmel fallen. Im äußersten Südosten (also von Passau bis zum Berchtesgadener Land) stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich der letzte Tag des Jahres hingegen mit etwas Sonnenschein verabschiedet. Dabei gibt es große Temperaturgegensätze in Deutschland: Während es an der Nordsee bei +6 Grad am wärmsten ist, bleibt es mit Werten um +2 Grad in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet bereits etwas kühler. In Bayern bleibt das Quecksilber-Thermometer verbreitet unter dem Gefrierpunkt. Am Alpenrand und in Österreich werden bei Höchstwerten von -8 Grad die letzten Vorbereitungen für die Silvesterparty am besten zu Hause in der warmen Stube getroffen. 

In der Silvesternacht können etliche Feuerwerke bei meist bewölktem Himmel genossen werden. Im Süden und Westen können die Raketen auch in Richtung einiger Wolkenlücken starten, mancherorts bildet sich auch dichter Nebel. Die gute Nachricht: abgesehen von Feuerwerkskörpern fällt meist nichts vom Himmel, nur vom Nordosten bis in die Mitte Deutschlands muss mit ein paar Flocken (oder Tropfen) gerechnet werden. Dabei gibt es stellenweise knackig kalte Temperaturen: Bei -10 Grad in München und bis zu -15 Grad in einigen Alpentälern sind dicke Handschuhe zum Anstoßen empfehlenswert, in Köln reicht bei Werten um oder knapp unter dem Gefrierpunkt die dünnere Variante aus. In Hamburg sowie im gesamten Norden bleibt es mit Werten zwischen 0 und 4 Grad am wärmsten. 

tueDas neue Jahr startet dann recht freundlich: Im Westen und im Süden Deutschlands zeigt sich vielfach die Sonne, nur in der Mitte und im Norden und Nordosten halten sich die Wolken etwas hartnäckiger, wobei es aber auch dort meist trocken bleibt. Bei +4 Grad im Norden, +2 Grad im Westen und Osten und 0 bis -5 Grad in Österreich, Bayern und Baden-Württemberg sollte bei einem Spaziergang am Neujahrstag insbesondere in den südlichen Landesteilen eine wärmende Pudelmütze nicht vergessen werden. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.12.2014

Der Schnee - eine weiße Pracht

Bei Temperaturen um 0°C fällt Schnee meist in Form großer, lockerer Schneeflocken (mehrere cm Größe möglich) aus zusammengeketteten Kristallen, bei tieferen Temperaturen in Form von kleineren und meist einfach gebauten Schneesternchen, Eisplättchen oder Eisnadeln.
Bei Temperaturen um 0°C fällt Schnee meist in Form großer, lockerer Schneeflocken (mehrere cm Größe möglich) aus zusammengeketteten Kristallen, bei tieferen Temperaturen in Form von kleineren und meist einfach gebauten Schneesternchen, Eisplättchen oder Eisnadeln.

"Morgen, Kinder, wirds was geben

morgen werden wir uns freun!

Welch ein Jubel, welch ein Leben

wird in unsrem Hause sein!

Einmal werden wir noch wach,

heißa, dann ist Weihnachtstag!"

(Text : Philipp von Bartsch ( 1770-1833 ))

Morgen also weihnachtet es mal wieder sehr! Doch zumindest am Heiligenabend wird die feierliche Stimmung in Deutschland wieder einmal nicht von der weißen leise rieselnden Pracht begleitet. Stattdessen fegt der kräftige bis stürmische Wind bei milden Temperaturen vielerorts Regen vor sich her, der selbst die Lichter an Bäumen verschwimmen lässt. Doch was fasziniert viele an der festen Phase des Niederschlags? Was ist Schnee? 

Schnee ist fester Niederschlag aus meist verzweigten kleinen Eiskristallen. Diese haben gewöhnlich die Form von hexagonalen Plättchen und Säulen oder Sternchen von zarter Struktur in vielfältigen Variationen. Die Kristallform hängt hauptsächlich von der Temperatur sowie von dem Grad der Übersättigung des Wasserdampfes der Luft bei der Bildung ab. Bei tieferen Temperaturen bilden sich Plättchen oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen eher sechsarmige Dendriten (Sterne).

Schnee entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers (Wasser kann ohne Verunreinigungen bis zu -48 °C flüssig bleiben) an Kristallisationskeimen (z. B. Staubteilchen) anlagern und dort gefrieren. Dieser Prozess kommt vor allem bei Temperaturen unter -12 °C in Gange. Dabei entstehen Eiskristalle, die meist weniger als 0,1 mm groß sind und durch verschiedene physikalische und chemische Prozesse weiter anwachsen. Bei gleicher Oberflächengestalt und Temperatur ist der Sättigungsdampfdruck über Wasser höher als über Eis. Der vorhandene Wasserdampf schlägt sich darum durch Resublimation (Übergang vom gasförmigen in den festen Aggregatzustand) direkt an den Eiskristallen nieder. Durch das zunehmende Gewicht fallen die Eiskristalle nach unten. Dabei wachsen sie durch das Zusammenstoßen mit unterkühlten Wolkentropfen weiter an. Die größte Komplexität der Schneekristalle zeigt sich besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit, da diese auch noch filigranere Strukturen das Wachsen zulässt. 

Bei Temperaturen um 0°C fällt Schnee meist in Form großer, lockerer Schneeflocken (mehrere cm Größe möglich) aus zusammengeketteten Kristallen, bei tieferen Temperaturen in Form von kleineren und meist einfach gebauten Schneesternchen, Eisplättchen oder Eisnadeln. Da Schneeflocken eine große Oberfläche und somit einen hohen Luftwiderstand haben, fallen sie mit Geschwindigkeiten von etwa 4 km/h verhältnismäßig langsam. Kommen sie in einen turbulenten Bereich, beginnen sich die Schneeflocken zu verwirbeln. Dabei tendieren sie dazu, sich hintereinander anzuordnen und dann einander einzuholen. 

Zumindest bis Donnerstagmorgen, also über die Heilige Nacht hinweg, wird sich die weiße feste Phase in Deutschland weiter rarmachen. Dafür regieren weiter Wind und Regen. Erst im Verlauf des ersten Weihnachtsfeiertages sinkt die Schneefallgrenze ab, sodass im höheren Bergland erste Schneeflocken beobachtet werden können. Ab dem 2. Weihnachtsfeiertag sind dann einzelne Schneeschauer auch bis in tiefere Lagen möglich. Eine Schneedecke sollte sich wahrscheinlich aber nur oberhalb von 300 bis 400 Metern ausbilden können. Daher gilt weiter:

Adventus Schnee

Seit Tagen und Tagen nur Regen,

da wäre die weiße Pracht ein Segen.

Sehnsüchtig schauen wir hinauf.

Oben gibt es Schnee zu Hauf.

Nur wenige Meter fehlen.

Will uns Petrus gar quälen.

Advent, Zeit des Wartens,

aber nicht auf Weiß im Garten.

So gedulden wir uns weiter

und nehmen es eben heiter.

Gummistiefel und Schirm

sind bunter als jeder Firn.

© Christa Katharina Dallinger, 2007

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

22.12.2014

Weihnachts-vor-wetter 2014: im Süden mild und trocken, im Norden stürmisch und nass

Auf der Zugspitze liegen aktuell 100 cm Schnee - übertrumpft wird dies vom Sonnblick in Österreich mit 332 cm der weissen Pracht. Doch für Weihnachten müssen wir uns überwiegend mit grün-grau begnügen...
Auf der Zugspitze liegen aktuell 100 cm Schnee - übertrumpft wird dies vom Sonnblick in Österreich mit 332 cm der weissen Pracht. Doch für Weihnachten müssen wir uns überwiegend mit grün-grau begnügen...

Seit nunmehr fast 2 Wochen haben wir es mit einer sogenannten Westwetterlage zu tun. Dabei wandern Tiefdruckgebiete in rascher Abfolge über den Nordatlantik und Skandinavien nach Nordosteuropa. Vor allem in der Nordhälfte Deutschlands führt dies häufig zu kräftigem, teils auch stürmischem Wind. Die zugehörigen Ausläufer sorgen für einen wechselhaften Wettercharakter mit oftmals dichten Wolken und wiederholten Regenfällen. Je nachdem ob die Strömung gerade eher aus Südwest oder aus Nordwest kommt, bedeutet das bei uns im Winter sehr milde oder etwas kühlere Temperaturen. So richtig kalt wird es dabei jedoch auch bei einer Nordwestströmung meist nicht, denn selbst wenn die herangeführte Luft polaren Ursprungs ist, erwärmt sie sich auf dem weiten Weg über das relativ warme Meer bereits so stark, dass von einem echten Kälteeinbruch nicht gesprochen werden kann. Nachhaltig Schnee fällt dann, wenn überhaupt, nur in mittleren und höheren Lagen.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass auch die aktuellen Schneehöhenmessungen eher mager ausfallen. Denn nur ab etwa 800 m Höhe liegt auf den Mittelgebirgen und in den Alpen zurzeit etwas Schnee. 

Messstationen mit mehr als 1 cm Schneedecke in Deutschland heute morgen:

Zugspitze (Bayern, 2965m): 100 cm

Brocken (Sachsen-Anhalt, 1133m): 16 cm

Wasserkuppe (Hessen, 921 m): 4 cm

Neuhaus am Rennweg (Thüringen, 845 m): 3cm

Fichtelberg (Sachsen, 1213 m): 3 cm

Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen, 877 m): 3 cm

Schmücke (Thüringen, 937 m): 2 cm

Schneemeldungen aus Österreich von heute morgen:

Feuerkogel (1621 m): 2 cm

Sonnblick (3111 m): 332 cm

Nach der am vergangenen Wochenende kurzeitig vorherrschenden Nordwestströmung und den damit verbundenen etwas kühleren Temperaturen, geht es nun bis einschließlich Heiligabend (24.12.) mit einer milden und kräftigen Westströmung weiter. Dabei bleibt es vor allem in der Nordhälfte unbeständig, teils stürmisch und es fällt auch in höheren Mittelgebirgslagen der Niederschlag wieder als Regen. Entsprechend geht es wohl auch den letzten Schneeresten auf den Mittelgebirgen an den Kragen. 

Erst danach dreht die Strömung wieder auf nördlichere Richtungen. Damit wird ab dem ersten Weihnachtsfeiertag (25.12.) maritime Polarluft angezapft, sodass es teils bis in mittlere Lagen wieder etwas winterlicher wird. Außerdem kann sich dann auch mal bis ins Tiefland kurzzeitig etwas Schnee verirren. Meist wird sich die Witterung am ersten und zweiten Weihnachtstag (25./26.12.) in tiefen Lagen aber eher nasskalt und windig anfühlen. Denn Schnee wird es dort wohl nur temporär und in Verbindung mit einzelnen kurzen Schauern, eventuell auch Graupelgewittern geben.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

18.12.2014

Weihnachtsmann auf der Suche nach stabilem Wetter: Das Europawetter im Überblick

Kurz vor der Bescherung legt der Weihnachtsmann eine kurze Pause ein und sucht in den Wetterkarten nach ruhigem winterlichen Wetter, damit er weiss, ob seine Rentiere Räder oder Ski verwenden müssen...
Kurz vor der Bescherung legt der Weihnachtsmann eine kurze Pause ein und sucht in den Wetterkarten nach ruhigem winterlichen Wetter, damit er weiss, ob seine Rentiere Räder oder Ski verwenden müssen...

Kurz vor Weihnachten ist nun die Zeit gekommen, wo man einen Blick auf das aktuelle Wetter in Europa, aber auch auf die voraussichtliche weitere Entwicklung bis Weihnachten werfen kann. Wo ist es denn besonders warm, wo entsprechend der Jahreszeit eher kalt und wo muss mit viel Niederschlag gerechnet werden? Allerdings sei gleich gesagt, dass bei der vorherrschenden Wetterlage die Unsicherheiten bezüglich der Art von Weihnacht (ob grün oder weiß) in manchen Regionen Europas weiter andauern. 

Beginnen wir mit dem Südwesten Europas. Dort sorgt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet dafür, dass sich sehr milde Luftmassen von Portugal über Spanien bis nach Frankreich ausgebreitet haben. Dabei sorgen Absinken im direkten Einflussbereich des Hochs und trockene Luft über der Iberischen Halbinsel für sonniges Wetter. Die Kombination aus Sonneneinstrahlung und milder Luft aus subtropischen Gefilden lässt die Temperatur dort auf angenehme 15 bis 19 Grad, entlang der Küsten Spaniens teils über 20 Grad ansteigen. Weiter nach Norden, in Richtung Frankreich, zeigen sich bereits die Tücken von Hochdrucklagen so spät im Jahr. Dadurch, dass sich hochreichend milde Luft nach Norden "ergießt", entsteht eine stabile Atmosphärenschichtung (warme Luft über kalter sorgt für die Ausbildung einer sogenannten Inversion), entlang derer sich Hochnebel ausbreiten kann. Zudem erfassen Fronten weite Bereiche Frankreichs in abgeschwächter Form, sodass auch wiederholt mit Regen gerechnet werden muss. Trotz fehlender Sonneneinstrahlung steigen auch hier die Temperaturen auf 12 bis 16 Grad (in Südfrankreich bis 18 Grad).

Bleiben wir doch noch in den warmen Gefilden und schauen ostwärts in Richtung Italien und Türkei. Dort sorgt ein schwach ausgeprägtes Tiefdruckgebiet in höheren Schichten der Troposphäre vor allem über dem warmen Wasser des Mittelmeers (19 bis 23 Grad Wassertemperatur von West nach Ost) für wiederholt auftretende Schauer und Gewitter. Die Temperatur liegt tagsüber bei 15 bis 20 Grad, sinkt dank des warmen Mittelmeers auch nachts nur geringfügig auf 16 bis 13 Grad ab. Insgesamt gesehen also eine ruhige und nicht zu Unwetter neigende Wetterlage.

Wie sieht es nun an Weihnachten nach den letzten Modellrechnungen aus? Für den Mittelmeerraum deutet sich vor allem für die Bereiche von Spanien und Portugal bis nach Italien keine grundlegende Wetterumstellung an, sodass mit einer Fortdauer der ruhigen und nach einer vorübergehend etwas kühleren erneut mit einer milden Phase zu rechnen ist. Nur für die Bereiche östlich von Griechenland gehen die Modellvorhersagen doch noch deutlich auseinander, wobei von angenehm warmem bis kaltem Wetter noch alles möglich ist.

Verlassen wir nun aber die wettertechnisch gesehen ruhigen Gefilde und nähern uns turbulenteren Gebieten an. Von Irland über Deutschland bis nach Estland ist der Kampf um die Vorherrschaft der unterschiedlich temperierten Luftmassen in vollem Gange. Am heutigen Donnerstag überspannt ein ausgeprägter Warmsektor Gebiete wie Irland, Großbritannien, Deutschland und Dänemark, wo die Höchsttemperaturen auf über 10 Grad ansteigen werden. Dieser Übergangsbereich ist aber auch geprägt durch viel Wind und wiederholt von West nach Ost durchziehende Regengebiete. Von winterlichem Wetter, selbst in den Mittelgebirgslagen, können wir nicht weiter entfernt sein. Mit Blick auf Weihnachten ist es jedoch verständlich, dass in dieser Zone mit sich abwechselnden Luftmassen weiterhin keine absolut sichere Vorhersage für die Weihnachtszeit erstellt werden kann. Wiederholt entwickeln sich im Bereich der Luftmassengegensätze Tiefs, teils auch Sturmtiefs, die die Luftmassen neu vermischen. Was mit am sichersten erscheint, ist die Vorhersage, dass der Wind in diesen Gebieten bis an Weihnachten böig, teils auch stürmisch mal aus West bis Südwest und mal aus Nordwest wehen wird. Zudem erhalten bei solch beständigen Westwindwetterlagen vor allem die Highlands in Schottland, aber auch der Südwesten des Skandinavischen Gebirges besonders viel Niederschlag (aufsummierte Niederschlagsmengen bis Weihnachten bei deutlich über 100 Liter pro Quadratmeter).

Doch wo in Europa findet man denn nun überhaupt noch frostige Temperaturen? Hierzu muss man wirklich weit nach Norden gehen, nämlich in die nördlichen Bereiche Norwegens und Schwedens. Dort sorgen Höchsttemperaturen um minus 10 Grad für tief winterliche Gefühle. Zeitweilig auftretende Niederschläge fallen dort als Schnee, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann die momentane Behausung des Winters in Europa gefunden zu haben. Kälte und Schnee scheinen sich in diesen Bereichen auch die Tage vor Weihnachten halten zu wollen.

Eine weitere Begebenheit, die winterliche Bedingungen z.B. im mitteleuropäischen Tiefland erschweren dürfte, ist die Tatsache, dass die Europa umgebenden Wasserflächen für diese Jahreszeit viel zu hohe Temperaturen aufweisen; sei es das Mittelmeer, die Nordsee oder die Ostsee mit positiven Abweichungen von teils mehr als 2 Kelvin. Somit muss damit gerechnet werden, dass aus Nord oder Nordwest herangeführte Kaltluftmassen über den warmen Wasserflächen entsprechend erwärmt werden. 

Zusammengefasst scheint also die momentan vorherrschende Dreiteilung des Wetters auch in Richtung Weihnachten andauern zu wollen; mit kalter Winterluft im Norden, milder Mittelmeerluft im Süden und dazwischen einem turbulenten Übergangsbereich mit abwechselnd milderen und kälteren Phasen. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

17.12.2014

Weiße Weihnachten? Wohl weniger!

"Weisse Weihnachten" gab es in Deutschland und Österreich flächendeckend zuletzt 2010. In diesem Jahr ist es inzwischen nahezu ausgeschlossen - es sei denn man wohnt hoch genug in den Alpen...
"Weisse Weihnachten" gab es in Deutschland und Österreich flächendeckend zuletzt 2010. In diesem Jahr ist es inzwischen nahezu ausgeschlossen - es sei denn man wohnt hoch genug in den Alpen...

Nur noch eine Woche bis Heiligabend, der Endspurt beginnt! Schnell noch die letzten Geschenke besorgen, einen schönen, dicht gewachsenen Baum aussuchen und die kulinarischen Köstlichkeiten für das Festmahl auftreiben - dann kann der für viele Menschen schönste Tag des Jahres kommen. Wer träumt dabei nicht von Spaziergängen bei klarer Winterluft auf knirschendem Schnee, einer warmen Stube, in der man sich anschließend aufwärmen und die dicken Schneeflocken vor dem Fenster beobachten kann und von Schneemännern im Garten? Von allen Seiten hört man (und insbesondere wir Meteorologen) deshalb schon seit einigen Wochen immer dieselbe Frage: Gibt es dieses Jahr weiße Weihnachten?

Heute, 7 Tage vor dem Fest, lässt sich aus den Wetterkarten diverser Computermodelle eine erste, wenn auch noch mit Unsicherheiten behaftete Prognose, abgeben. Soviel vorweg: Die Wetterlage ist für ein weißes Fest alles andere als optimal: Zwischen einem kräftigen Tief bei Island und einem Hoch über den Azoren strömt milde Atlantikluft zu uns, die anstelle von Schnee eher viele Wolken, Wind und Regen im Gepäck hat. Diese "Westlage" ändert sich normalerweise auch nicht so schnell, wenn sie sich einmal festgefahren hat. Die einzige Variation besteht derzeit darin, dass der Wind mal aus Nordwest, mal aus Südwest kommt und somit das Thermometer mal tiefere, mal höhere Werte anzeigt. 

Am morgigen Donnerstag und Freitag beispielsweise blasen die Windfahnen aus Südwest und wir bekommen verbreitet zweistellige Plusgrade. Zudem sorgen atlantische Tiefausläufer mit Regen dafür, dass auch die letzten Zentimeter Schnee auf den Mittelgebirgen dahinschmelzen. Am kommenden Wochenende dreht die Strömung dann wieder auf Nordwest, es wird etwas kühler und im Bergland können erneut ein paar Flocken fallen. Eine Schneedecke im Tiefland steht hingegen immer noch nicht auf dem Programm. Bis Weihnachten werden demnach meist Tageshöchstwerte über 5 Grad erwartet.

Eine länger anhaltende Frostperiode in Deutschland könnte sich beispielsweise einstellen, wenn sich über Nordeuropa ein Hochdruckgebiet, und im Bereich des Mittelmeers ein Tiefdruckgebiet etablieren würde, wodurch der Weg frei wäre für kalte Festlandsluft aus dem Osten. Die Wettermodelle sind sich jedoch ziemlich einig, dass das in nächster Zeit nicht eintreten wird - und selbst wenn, hätte die frostige Luft aus Russland auch noch einen ziemlich weiten Weg zu uns.

Die wahrscheinlichere Variante sieht so aus, dass weiterhin feuchte Atlantikluft an den Weihnachtsfeiertagen unser Wetter bestimmen wird. Das bedeutet viel Wind (vor allem im Norden), viele Wolken, aus denen zeitweise Regen fällt (nur in den höheren Mittelgebirgen vielleicht ein paar Schneeflocken) und etwas Sonne am ehesten im äußersten Süden. Bei milden 5 bis 10 Grad müssen wir wohl von den Erinnerungen an Weihnachten 2010 zehren, als in vielen Städten eine hohe weiße Schneedecke lag.

Aber wie auch immer das Wetter in einer Woche auch aussehen wird - wir müssen es nehmen, wie es kommt. Und vielleicht gibt es ja doch noch eine weiße Bescherung. Es ist ja schließlich Weihnachten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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16.12.2014

Bringt uns Tief ENGEL den Winter? Wunschdenken vs. Realität

Orkane im Winter haben vielfach die "Nebenwirkung" des Windbruchs in den Wäldern. Ist der Boden durchfeuchtet und zu warm, können Orkanböen flachwurzelnde Bäume "mit links" zum umfallen bringen. Sturmtief ENGEL eröffnet am Mittwoch bei uns eine neuerliche Sturmphase.
Orkane im Winter haben vielfach die "Nebenwirkung" des Windbruchs in den Wäldern. Ist der Boden durchfeuchtet und zu warm, können Orkanböen flachwurzelnde Bäume "mit links" zum umfallen bringen. Sturmtief ENGEL eröffnet am Mittwoch bei uns eine neuerliche Sturmphase.

In den letzten Tagen zogen wie an einer Perlenschnur aufgereiht immer wieder Tiefdruckgebiete von der Ostküste Kanadas über den Atlantik in Richtung Nordeuropa. Diese brachten Deutschland eine überwiegend wechselhafte und teils stürmische Wetterphase. Nachdem heute der Ausläufer von Tief DORIS ihr "Unwesen" in einigen Regionen Deutschlands treibt, steht bereits das nächste Tiefdruckgebiet mit dem Namen ENGEL über dem Nordatlantik in den Startlöchern.

Was hat nun ENGEL im Gepäck? Vielleicht den Winter?

Bevor wir dieser Frage nachgehen, schauen wir zunächst einmal auf die Entstehung von ENGEL. Den Ursprung findet Tief ENGEL bei Kap Farvel an der Südspitze Grönlands. Dort kam es am gestrigen Montag zu einem markanten Kaltluftausbruch über der Labradorsee in Richtung Süden. Mit Unterstützung der Orografie des grönländischen Kontinents wurde durch verschiedene physikalische Wechselwirkungen in der Atmosphäre Tief ENGEL vor der Südspitze Grönlands "geboren". Sein Kerndruck betrug am Dienstag 00 UTC etwa 986 hPa.

Durch die sehr günstige Lage des Tiefs ENGEL zum Verlauf des Jetstreams (schmales, bandartiges Starkwindfeld in der oberen Troposphäre, das u. a. für eine Entwicklung von Tiefdruckgebieten unumgänglich ist) kommt es bei einer östlichen Verlagerung in Richtung Island zu einer rasanten Tiefentwicklung, die sich in einem deutlichen Druckfall des Tiefzentrums äußert. Am Mittwochmorgen soll ENGEL Island erreicht haben und einen Kerndruck von ungefähr 955 hPa aufweisen. Der Höhepunkt der Entwicklung wird für den frühen Mittwochnachmittag mit einem Druck zwischen 950 und 955 hPa erwartet. Nachfolgend bleibt dieses Tief unter Abschwächung bis zum Freitag nahezu stationär über Island bestehen, bevor es seine Reise in Richtung Skandinavien fortsetzt.

Welchen Einfluss hat nun ENGEL auf das Wetter in Deutschland und Österreich?

Wirft man einen Blick auf die derzeitige Druckverteilung über Westeuropa, so steht Tief ENGEL ein ausgeprägtes Azorenhoch gegenüber. Diese Konstellation wird auch morgen bzw. am Donnerstag in etwa so vorzufinden sein. Zwischen diesen beiden Druckzentren werden mit einer westlichen Strömung recht milde Luftmassen vom Atlantik nach Mitteleuropa geführt. Diese milden Luftmassen erreichen uns mit Durchzug der Warmfront im Laufe des morgigen Mittwochs. Dabei setzt die Erwärmung zunächst im Westen und Nordwesten ein und greift dann mit der Ostwärtsverlagerung der Warmfront auf die östlichen und südlichen Landesteile über. Die größten Auswirkungen der Zufuhr dieser milden Meeresluft auf die Temperatur zeigen sich am morgigen Tag zunächst nur im äußersten Westen und Nordwesten. Dort werden Höchstwerte zwischen 7 und 9 Grad erreicht. 

Mit der Warmfront gehen teils länger anhaltende Niederschläge einher, die zunächst bis in tiefere Lagen in Form von Schnee fallen können. Die Schneefallgrenze steigt jedoch mit Passage der Warmfront relativ schnell auf über 1000 m an. Im Stau der östlichen und südöstlichen Mittelgebirge kann sich die Kaltluft noch etwas länger halten, sodass der Anstieg der Schneefallgrenze etwas verzögert wird. Jedoch wird sich auch dort mehr und mehr der Regen durchsetzen, womit das Schneetreiben vielerorts nur von kurzer Dauer sein wird.

Zudem spielt der Wind eine Rolle, da mit weiterer Verlagerung von Tief ENGEL in Richtung Nordeuropa die Druckgegensätze über Deutschland allmählich zunehmen. Dies führt bei allgemein auflebendem Wind zu einzelnen Windböen bis 60 km/h (Bft 7) im küstennahen Tiefland sowie in den westdeutschen Mittelgebirgen und zu stürmischen Böen bzw. Sturmböen (Bft 8 bis Bft 9) an der Küste und auf den höheren Berggipfeln. 

Somit bringt ENGEL weder den Winter noch großartige Schneemengen mit sich, sondern läutet eher einen recht milden, teils stürmischen und regenreichen Wetterabschnitt ein.

Ein kurzer Blick auf das Wettergeschehen am Donnerstag bestätigt dies noch einmal. Neben verbreitet auftretenden Regenfällen legt der Wind im Vergleich zum Vortag noch etwas zu. So können in mittleren Lagen verbreitet Windböen, in höheren Lagen sowie an der Küste stürmische Böen und Sturmböen auftreten. In exponierten Gipfellagen sind dann auch schwere Sturmböen möglich.

Darüber hinaus haben sich die milden Luftmassen im gesamten Bundesgebiet und auch in Österreich durchgesetzt, was sich in einem deutlichen Anstieg der Maximaltemperaturen äußert. So haben Temperaturen von 6 bis 9 Grad in den östlichen und südöstlichen Mittelgebirgen sowie an und in den Alpen und 10 bis 14 Grad in den restlichen Regionen Deutschlands eher einen frühlingshaften Wettercharakter.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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15.12.2014

Der absolute "Warnsinn"! - Winteredition

Die Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Bundesrepublik: Je bunter, desto "warnsinniger", wenn es um Unwettergefahren geht. Im Sommer sind es eher die Gewitter, im Winter Schnee und Frost, vor denen gewarnt wird.
Die Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Bundesrepublik: Je bunter, desto "warnsinniger", wenn es um Unwettergefahren geht. Im Sommer sind es eher die Gewitter, im Winter Schnee und Frost, vor denen gewarnt wird.

Der ein oder andere Leser wird sich vielleicht an das Thema des Tages "Der absolute "Warnsinn"!" vom 04. August 2014 dieses Jahres erinnern. Darin wurden diverse Warnungen sowie die dazu gehörigen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienst (DWD) vorgestellt, sodass Sie einen Überblick darüber bekommen konnten, was alles zur Einfärbung dieser Warnkarte führen kann. Der Jahreszeit entsprechend lag das Hauptaugenmerk damals auf den Warnungen vor Gewittern sowie deren Begleiterscheinungen.

Zur Winterzeit ändert sich der Fokus naturgemäß etwas. Schneefall, Schneeverwehungen, Frost, Glätte, Glatteis, Tauwetter und Sturm stehen nun hauptsächlich auf der Agenda. Auf den Wind wird im Folgenden allerdings nicht mehr explizit eingegangen. Zwar können sich auch im Winter noch Gewitter bilden, verglichen zur sommerlichen Jahreszeit treten diese allerdings doch stark reduziert und nicht in der sommerlichen Intensität auf. Daher folgt nun ausschließlich die Winteredition der Warnungsübersicht.

Das Grundgerüst der Warnungen bleibt zu jeder Jahreszeit unverändert: Es gibt vier Warnstufen, die farblich voneinander getrennt sind. Man unterscheidet zwischen der "normalen" Wetterwarnung (gelb), der markanten Wetterwarnung (ocker), der Warnung vor Unwetter (rot) und der Warnung vor extremem Unwetter (dunkelrot).

Beschäftigen wir uns zunächst mit der niedrigsten Warnstufe (gelb): Wird mit Neuschneemengen bis 5 cm innerhalb von 6 Stunden, bis 10 cm in 12 Std., bis 15 cm in 24 Std. oder bis 20 cm in 48 bis 72 Stunden gerechnet, ist eine entsprechende Schneefallwarnung fällig. Während 5 cm Neuschnee vor allem in Ballungsräumen wohl ein Verkehrschaos mit sich bringen würde, dürfte das im höheren Bergland vermutlich niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Daher greift oberhalb von 800 m die sogenannte Einzelfallentscheidung, d.h. bei Erreichen der Warnkriterien wird in diesen Lagen nur gewarnt, wenn es der Meteorologe als notwendig erachtet. Ebenfalls mit gelb bewarnt werden Gebiete, in denen verbreitet Glätte aufgrund von überfrierender Nässe und/oder sehr starke Reifablagerung auftritt. Dazu kommen noch Nebel, im Bergland zusätzlich auch Nebel durch aufliegende Wolken, die als warnwürdig gelten, sobald die Sicht unter 150 m liegt.

Die nächste Warnstufe beinhaltet die markanten, ockerfarbenen Wetterwarnungen. In Sachen Schneefall äußert sich das darin, dass nun beispielsweise vor 5 bis 10 cm Neuschnee innerhalb von 6 Std. gewarnt wird. Für die Zeiträume 12, 24, 48 und 72 Std. gibt es entsprechend höhere Warnschwellen. Nähere Informationen dazu finden Sie auf unserer Startseite bei Klick auf [mehr] oben rechts neben der Warnkarte und dann auf "Erläuterungen und Kriterien" in der linken Spalte. Konnte sich eine lockere 5 bis 10 cm hohe Schneedecke bilden, so wird bei wiederholt auftretenden Böen der Stärke 6 bis 7 Bft (zwischen 39 und 64 km/h) eine Warnung vor Schneeverwehungen ausgegeben.

Richtig gefährlich wird es beim Thema Glatteis. Aufgrund von kleinräumigem oder kurzzeitigem gefrierenden Regen oder Sprühregen ist dann eine entsprechende "ocker"-Warnung notwendig.Ebenfalls zur markanten Warnstufe gehört die Warnung vor strengem Frost, d.h., dass überörtlich eine Lufttemperatur unter -10 Grad erwartet wird. Aber auch Plustemperaturen können Warnungen mit sich bringen. Tauwetter ist das Stichwort. Wird dabei zum Beispiel mit einer Abflussmenge von 25 bis 40 l/qm innerhalb von 12 Std. gerechnet, so ist eine entsprechende "ocker"-Warnung fällig.

Mit der nächsthöheren Warnschwelle gelangen wir in den Unwetterbereich. Landkreise, für die Unwetterwarnungen ausgegeben werden, weisen eine rote Einfärbung auf. Von unwetterartigem Schneefall ist die Rede, wenn zum Beispiel 10 bis 20 cm innerhalb von 6 Std. (oberhalb von 800 m 20 bis 30 cm im selben Zeitraum) erwartet werden. Bei einer lockeren Schneedecke von mehr als 10 cm Höhe sowie wiederholt auftretenden Böen ab 8 Bft (ab 65 km/h) sehen die Meteorologen in Sachen Schneeverwehungen rot. Tritt verbreitet Glatteis am Boden oder an Gegenständen auf, wird ebenfalls die rote Karte gezogen. Auch Tauwetter kann unwetterartig ausfallen, wobei dann mit einer Abflussmenge von beispielsweise mehr als 40 l/qm innerhalb von 12 Std. gerechnet wird.

Reicht selbst eine Warnung vor Unwetter nicht mehr aus, so muss die höchste Warnstufe bemüht werden. Für eine Warnung vor extremem Unwetter, repräsentiert durch die Farbe Dunkelrot, werden bezüglich Schneefalls mehr als 20 cm Neuschnee innerhalb von 6 Std. (oberhalb von 800 m mehr als 30 cm im selben Zeitraum) erwartet. Fegen wiederholt Windböen ab 8 Bft über eine mehr als 25 cm hohe, lockere Schneedecke, wird eine Warnung vor extrem unwetterartigen Schneeverwehungen ausgegeben. Für Tauwetter und Glatteis existiert dagegen keine "Alarmstufe Dunkelrot". 

Unter dem Strich lässt sich also sagen: je bunter die Warnkarte des Deutschen Wetterdienst, desto "warnsinniger" das Wettergeschehen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

12.12.2014

Die stürmische BILLIE

Wilde Nordsee: Sturmtief BILLIE sorgt heute an der Küste für Sturmböen bis über 100 km/h. Eine schwere Sturmflut ist jedoch nicht zu befürchten, dafür braucht es "andere Kaliber" von Sturmtiefs, um den "Blanken Hans" zu beschwören.
Wilde Nordsee: Sturmtief BILLIE sorgt heute an der Küste für Sturmböen bis über 100 km/h. Eine schwere Sturmflut ist jedoch nicht zu befürchten, dafür braucht es "andere Kaliber" von Sturmtiefs, um den "Blanken Hans" zu beschwören.

Es wurde ja bereits seit Tagen angekündigt und erwartet, dass der heutige Freitag besonders in der Mitte und im Norden Deutschlands ein teils stürmischer Tag werden würde. Und auch wenn es für die Bewohner Norddeutschlands jetzt kein außergewöhnlich starker Sturm sein wird, so sorgten die vergangenen sehr ruhigen Wochen dafür, dass sich dieser Wetterwechsel deutlich bei jedermann bemerkbar machen wird. Wie so oft stellt man sich nun die Frage, welches "Wetterungetüm" genau für diesen windigen Wetterabschnitt verantwortlich gemacht werden kann.

Um die Ursachen verstehen zu können, muss man seinen Blick nach Westen richten, dorthin wo für uns über das Jahr gesehen in den meisten Fällen das abwechslungsreiche Wetter seinen Ursprung hat. In den vergangenen Tagen wurde von einem kräftigen Tiefdruckgebiet namens ALEXANDRA berichtet. Dieses Tiefdruckgebiet bildete sich am 8.12. südlich von Grönland und zog im Verlauf des 9.12. unter beachtlicher Verstärkung über Island in das südliche Gebiet des Europäischen Nordmeeres. Auch wenn man auf Island sicherlich einiges an Wind gewohnt ist, so waren Böen um oder teils deutlich über 150 km/h in einigen Bereichen der Insel auch dort sicherlich nichts Alltägliches. Durch die Orographie angefacht konnte die Windgeschwindigkeit lokal extreme Werte erreichen, wie einige Stationen im Nordwesten der Insel im Verlauf des Nachmittags zeigten (Botn i Sugandafirdi (270 m) über N.N. mit über 220 km/h oder Gemlufallsheidi (250 m über N.N.) mit 205 km/h). Dieser mächtige Orkan sorgte nun rückseitig für einen markanten Ausbruch polarer Luftmassen von Grönland, wobei eisige Luftmassen mit Werten von deutlich unter - 10 Grad Celsius über den Nordatlantik südwärts geführt wurden. Hiermit wurde nun der Grundstock für unseren windigen Tag gelegt. 

Wieso das? Tiefdruckgebiete benötigen Bereiche mit Temperaturgegensätzen. Je ausgeprägter diese sind, umso stärker kann die mögliche Tiefdruckentwicklung ausfallen. In diesem Fall sorgte das Azorenhoch dafür, dass warme und feuchte Luftmassen über dem nördlichen Atlantik nach Norden geführt wurden, die auf die südwärts stoßenden kalten Luftmassen trafen. Es konnte sich eine ausgeprägte Luftmassengrenze ausbilden, die von Neufundland quer über den Nordatlantik bis zur Biskaya reichte. Jetzt wurde nur noch eine Störung entlang dieser Luftmassengrenze benötigt, die dafür sorgt, dass sich diese gegensätzlichen Luftmassen vermischen, also die warme Luft nach Norden geführt wird, während die kalte Luftmasse rückseitig nach Süden gelenkt wird. 

In der Nacht zum Donnerstag (10. auf den 11. Dezember) war dies rund 1000 km östlich von Neufundland der Fall, wo eine schwache Verformung der Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) in den Modellkarten ausgemacht werden konnte. Diese Störung konnte nun als eine "Welle" bezeichnet werden und als sie ein eigenständiges Tiefdruckzentrum mit abgeschlossenen Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) entwickelte, erreichte sie das Stadium eines Randtiefs. BILLIE war über dem nördlichen Atlantik geboren. Die Bereiche mit entsprechend markanten und hochreichenden Temperaturgegensätzen (in der Meteorologie als Frontalzone bekannt) beherbergen auch sehr hohe Windgeschwindigkeiten in großen Höhen. Dies war auch bei BILLIE der Fall, bliesen doch die Winde in 8 bis 9 km Höhe mit über 250 km/h von West nach Ost. Kein Wunder, dass sich das Randtief entsprechend rasch nach Osten verlagerte.

Im Verlauf der vergangenen Nacht überquerte BILLIE Irland und Großbritannien rasch von West nach Ost und sorgte besonders entlang des Ärmelkanals und dem Norden Frankreichs für teils schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10). Ausgangs der Nacht zum heutigen Freitag erreichte BILLIE dann die Nordsee und wird im heutigen Tagesverlauf zügig weiter nach Nordosten ziehen. Dabei wird im Flachland von Norddeutschland und der Mitte ein stark auffrischender Südwestwind erwartet, wobei auch wiederholt mit Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) gerechnet werden muss. Besonders entlang der Küstengebiete, aber auch im oberen Bergland werden schwere Sturmböen, teils auch orkanartige Böen bis 110 km/h (Bft 11) erwartet. Auf dem Brocken treten teils extreme Orkanböen von über 140 km/h (Bft 12) auf.

Es muss gesagt werden, dass dieses Ereignis jedoch noch relativ glimpflich verläuft. Um diese Aussage verstehen zu können, muss man sich kurz vor Augen führen, was die Stärke eines Sturmwirbels ausmacht. Es ist nicht nur die Tiefe des Kerndrucks (also der Luftdruck im Tiefzentrum) sondern die Ausprägung des Luftdruckgradienten, der die Stärke des Windes bestimmt (wobei natürlich beides Hand in Hand geht, denn je tiefer der Kerndruck, umso wahrscheinlicher ist auch ein entsprechend kräftiger Druckgradient vorhanden). Steht dem Tiefdruckgebiet ein kräftiges Hochdruckgebiet gegenüber, baut sich ein entsprechend starker Luftdruckgradient auf, der für die starken Winde sorgt. In unserem Fall stand BILLIE jedoch nur eine relativ schwache Hochdruckbrücke gegenüber, die sich vom westlichen Mittelmeer über Italien bis zum Schwarzen Meer erstreckte. Zudem sorgt das sich rasch abschwächende Azorenhoch dafür, dass auch rückseitig von BILLIE der Luftdruckgradient rasch aufgefächert wurde. Es gibt somit also mehrere Gründe, wieso der Luftdruckgradient nicht so intensiv ausfiel, wie er hätte ausfallen können. Dies wird jedoch die Menschen in weiten Teilen Deutschlands heute wenig interessieren, wenn sie sich dem windigen, teils auch stürmischen Wetter aussetzen müssen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Schäden durch BILLIE in Grenzen halten werden.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

11.12.2014

Wo zum Donner steckt der Winter?

Das Bild des Tages.... ist so ziemlich genau 4 Jahre alt. Im Dezember 2010 lagen Deutschland und Österreich unter einer dicken Schneedecke und die "Weisse Weihnacht" war gesichert. Heuer scheint der Winter überall zu sein, nur nicht bei uns...
Das Bild des Tages.... ist so ziemlich genau 4 Jahre alt. Im Dezember 2010 lagen Deutschland und Österreich unter einer dicken Schneedecke und die "Weisse Weihnacht" war gesichert. Heuer scheint der Winter überall zu sein, nur nicht bei uns...

Diese Frage mag frostempfindlichen Zeitgenossen unangenehm erscheinen, aber zehn Tage nach Beginn des meteorologischen Winters und knapp zwei Wochen vor Weihnachten drängt sie sich schon in unser Bewusstsein. Wenn auch der vielerorts trübe Himmel manchem aufs Gemüt schlagen mag, erscheinen doch die deutschen Tiefsttemperaturen derzeit eher mild. 

Schauen wir daher nach Nordamerika: In großen Teilen Kanadas und Alaskas herrscht klirrende Kälte, nur in den Küstenregionen ist es mild. Spitzenreiter auf dem amerikanischen Kontinent bei den heutigen Tiefsttemperaturen, gemessen um 00:00 UTC, ist die Station Eureka (Nunavut, Ellesmere Island, 79°58'N, 85°56'W, 10 m Höhe) mit -40,4 °C, gefolgt von Thomsen River (Nunavut, Victoria Island, 73°11'N, 119°48'W, 41 m Höhe) mit -39,8 °C und Mould Bay (Nordwest-Territorien, 76°05'N, 119°49'W, 1 m Höhe) mit -36,1 °C. 

Noch deutlich kälter war es in der vergangenen Nacht im Osten Sibiriens. Dort wurden um 00:00 UTC in Bolschoi Toko (56°15'N, 131°11'E, 961 m Höhe) sogar -49,4 °C beobachtet, in Bujaga (59°32'N, 127°06'E, 277 m Höhe) -47,3 °C und in Chjul'Bju (57°35'N, 131°05'E, 254 m Höhe) waren es -46,5 °C. Alle diese Stationen liegen im Föderationskreis Russisch-Fernost. 

Neben der topografischen Begünstigung in hoch gelegenen Tälern des Stanowoigebirges bzw. des Aldanhochlandes, wo sich Kaltluftmassen ansammeln können, dürfte die Hauptursache für derartige Extremwerte das ostsibirische Kältehoch sein, das in der höheren Atmosphäre von tiefem Luftdruck überlagert wird. 

Die eingeflossene, am Boden unter hohem Luftdruck stehende Luftmasse kommt zur Ruhe, wird insbesondere bei klarem Nachthimmel über Schneeflächen durch strahlungsbedingte Auskühlung der bodennahen Luftschichten immer kälter und wirkt schließlich Klima bildend. Dauerhafte winterliche Kältehochs trifft man vor allem auch in der Antarktis. 

Zum Vergleich: an der russischen Südpolar-Station Wostock, dem Kältepol der Erde, wurden "nur" -41,5 °C gemessen. Dort ist allerdings Polarsommer. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

10.12.2014

Turbulentes Wettergeschehen Dank "ALEXANDRA"

"Schietwetter" ... Regen, Sturm & nasskalte Temperaturen. Orkantief "ALEXANDRA" bringt derzeit Schwung in die europäische Wetterküche!
"Schietwetter" ... Regen, Sturm & nasskalte Temperaturen. Orkantief "ALEXANDRA" bringt derzeit Schwung in die europäische Wetterküche!

In den letzten Wochen sorgte der Einfluss eines beständigen Hochdruckgebietes über Osteuropa für weitgehend ruhiges und vielfach trübes Wetter in Deutschland. Nun hat sich die Lage umgestellt, so dass uns heute und in den kommenden Tagen ein deutlich turbulenteres Geschehen erwartet. 

Das osteuropäische Hoch ist zwar nicht verschwunden, aber es hat sich über den Ural hinweg nach Sibirien zurückgezogen. Stattdessen hat sich zwischen dem Azorenhoch und Tief "Alexandra" über dem Nordatlantik eine kräftige Westströmung eingestellt. Dadurch kann sich wieder atlantische Luft bei uns durchsetzen. Tief "Alexandra" wurde bereits im gestrigen Thema des Tages angekündigt. Sein Zentrum liegt derzeit mit einem Kerndruck von etwa 955 hPa südöstlich von Island. "Alexandra" zieht ostwärts Richtung Norwegen auf einer relativ nördlichen Zugbahn, so dass das zugehörige Windfeld heute vor allem in der Nordhälfte Deutschlands für turbulentes Wetter sorgt. Die stärksten Böen traten bisher auf Helgoland mit 101 km/h (Bft 10) auf, gefolgt von List auf Sylt mit 97 km/h (Bft 10). Auf dem Brocken gab es Orkanböen bis 123 km/h (Bft 12). 

Heute tagsüber bleibt es unter dem Einfluss von "Alexandra" windig, insbesondere im Norden Deutschlands sowie in höheren Lagen muss weiterhin mit Sturmböen (Bft 8 bis 10) gerechnet werden. Im Binnenland beziehungsweise in den Niederungen werden maximal Windböen der Stärke Bft 7 erreicht. In Süddeutschland ist der Wind mit Ausnahme der Höhenlagen deutlich schwächer. 

Tief "Alexandra" wird im Laufe des morgigen Donnerstages Richtung Nordmeer weiter ziehen und sich dabei abschwächen. In der starken atlantischen Westströmung wird sich dann aber bereits das nächste Sturmtief entwickeln und in Richtung Europa vorankommen. Es wird in der Nacht zum Freitag über die Britischen Inseln hinweg ziehen und schließlich am Freitagmittag mit einem Kerndruck von etwa 985 hpa über Dänemark liegen. Somit schlägt es eine südlichere Zugbahn ein als Tief "Alexandra". Das bedeutet, dass der Wind stärker wird als heute, und es werden dann nicht nur im Norden, sondern gebietsweise auch in der Mitte Deutschlands teils bis in tiefe Lagen Sturmböen erwartet. Zudem sind an der Nordseeküste sowie in exponierten Höhenlagen einzelne Orkanböen (Bft 11 bis 12) möglich. 

Die westlichen Winde bringen uns allerdings nicht nur Tiefdruckgebiete, sie sorgen zudem für die Zufuhr relativ milder Luft. Schon heute werden im Nordwesten Deutschlands bis zu 8 Grad erreicht. Mit dem am Freitag vermehrt auf Südwest drehenden Wind werden die Temperaturen sogar noch etwas ansteigen, sodass im Südwesten und Westen örtlich bis zu 11 Grad erreicht werden können. Im Osten und Süden hält sich zunächst noch etwas kältere Luft, aber schon morgen wird auch dort die mildere Luft angekommen sein. Kälter bleibt es hingegen in den Höhenlagen, so dass dort weiterhin mit örtlich glatten Straßen aufgrund von leichtem Schneefall oder überfrierender Nässe gerechnet werden muss. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.12.2014

Alexandra die Windige - schwerer Orkan über Schottland

An der schottischen Atlantikküste werden heute und morgen am Mittwoch Wellen mit mehr als 15 Meter Höhe erwartet. Bereits jetzt wurden in den Highlands Windböen von mehr als 140 km/h gemessen.
An der schottischen Atlantikküste werden heute und morgen am Mittwoch Wellen mit mehr als 15 Meter Höhe erwartet. Bereits jetzt wurden in den Highlands Windböen von mehr als 140 km/h gemessen.

Nachdem die letzten Wochen in Deutschland beim Wetter in überwiegend ruhigen Bahnen verliefen, kommt nun wieder Bewegung in die Atmosphäre. Dafür sorgt ein atlantisches Orkantief, dass "Alexandra" heißt und sich am heutigen Dienstagmorgen mit einem Kerndruck von unter 950 Hektopascal (hPa) zwischen Grönland und Island befindet. Die Ausläufer des Tiefs erfassen in der Nacht zum Mittwoch auch Deutschland.

Modell-Vorhersagen zufolge kann der Kerndruck des Tiefs heute Mittag zum Höhepunkt seiner Entwicklung einen Wert von unter 940 hPa erreichen. Solch niedrige Druckwerte sind in Europa nicht an der Tagesordnung. Zum Vergleich: Das Orkantief "Kyrill", das am 18. Januar 2007 auch über Deutschland hinwegfegte, wies einen niedrigsten Luftdruck von knapp unter 960 hPa auf. Und sogar bei "Lothar", der am 2. Weihnachtsfeiertag im Dezember 1999 wütete, gab es "nur" einen Minimalwert von 962 hPa. Deutschlandweit wurde der tiefste Druck am 27. November 1983 mit 954,4 hPa in Emden (Niedersachsen) gemessen.

Glücklicherweise für uns schlägt "Alexandra" einen nördlicheren Kurs ein als "Kyrill" oder "Lothar", deren Zentren damals über Teile Mitteleuropas hinwegzogen. So wird sich das Zentrum des aktuellen Tiefs in den nächsten Tagen mit Werten zwischen 950 und 960 hPa im Seegebiet zwischen Island und den Britischen Inseln einfinden, bevor es zum Wochenende hin unter Auffüllung und damit Abschwächung Richtung Skandinavien weiterzieht.

Das Sturmfeld von "Alexandra" trifft somit nicht mit voller Wucht auf Deutschland. Am stärksten wird voraussichtlich der nördliche Teil der Britischen Inseln betroffen sein, dort wurden bereits heute Morgen Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von 120 bis 143 km/h (Beaufort 12) gemessen. Bis einschließlich Donnerstag sind in diesem Bereich verbreitet weitere Orkanböen über 120 km/h zu erwarten, einzelne Modell-Vorhersagen zeigen sogar Spitzenböen bis 180 km/h! Neben dem Sturm werden auch extrem hohe Wellen mit Höhen von 10 bis 15 m erwartet, die vor allem auf die Westküsten Irlands und Schottlands treffen sollen.

In Deutschland frischt der Wind in der Nacht zum Mittwoch auf, wenn die Ausläufer von "Alexandra" mit einigen Niederschlägen (Schnee, Regen oder gefrierender Regen) und anfänglich erhöhter Glättegefahr Deutschland erreichen. Nach derzeitigem Stand kommt es an der Nordsee und in höheren Mittelgebirgslagen dann zu Sturmböen oder schweren Sturmböen bis 90 km/h (Bft 10) aus Süd bis Südwest (siehe dazu auch die Grafik der Spitzenböen in der Nacht zum Mittwoch, 10.12.2014, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]).  Vereinzelte orkanartige Böen über 103 km/h (Bft 11) sind in exponierten Lagen an der Nordsee bzw. auf den Nordseeinseln möglich, auf dem Brocken im Harz auf 1133 m Höhe dagegen ziemlich wahrscheinlich. Weiter landeinwärts ist im Verlauf der Nacht mit Böen bis 70 km/h (Bft 8), in der Mitte noch mit Böen bis 60 km/h (Bft 7) zu rechnen. Im Süden bleibt es noch windschwach.

Dieses windige Wetter dominiert dann bis Freitag. Die Windstärken werden im ähnlichen Bereich wie in der Nacht zum Mittwoch liegen. Am Donnerstag wird es auch im Süden windiger. Am Freitag verstärkt sich der Wind noch etwas, sodass selbst im Flachland häufiger stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) vorkommen. Allerdings sind weiterhin nur in Richtung Nordsee und in den höheren Mittelgebirgslagen schwere Sturmböen (Bft 10), vereinzelt auch orkanartige Böen (Bft 11) wahrscheinlich. Eine überregionale Unwetterlage bezüglich des Sturms scheint derzeit aber nicht ins Haus zu stehen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

08.12.2014

Raureif, Raueis, Raufrost - Was denn nun?!

Die letzten Tage musste die Straßenmeistereien in Deutschland und Österreich vielfach ausrücken und Bäume massiv zurückschneiden, die in Folge von Raueis umzustürzen drohten bzw. Äste gebrochen waren.
Die letzten Tage musste die Straßenmeistereien in Deutschland und Österreich vielfach ausrücken und Bäume massiv zurückschneiden, die in Folge von Raueis umzustürzen drohten bzw. Äste gebrochen waren.

Bis gestern, zum 2. Advent, herrscht in den Hochlagen der Mittelgebirge bei frostigen Temperaturen zum Teil dichter Nebel vor. Alles, was sich für längere Zeit an freier Luft befindet, wurde dort mit einer immer weiter wachsenden Eisschicht umhüllt. Zwar fehlt vielfach der Schnee, die gewaltigen Eismassen sorgen aber trotzdem für einen durchweg winterlichen Eindruck - ganz im Gegensatz zu den eher grauen und tristen Niederungen. Die Eisablagerungen sind allerdings nicht nur schön anzusehen, sondern sorgen aufgrund der Eislast beispielsweise für abbrechende Äste oder gar umstürzende Bäume. Auch kommt es auf Straßen und Gehwegen mitunter zu gefährlicher Glätte. Begriffe wie "Raureif", "Raueis", "Raufrost" und "Reifglätte" fallen im Zusammenhang mit den derzeit in den Mittelgebirgen vorherrschenden Bedingungen. Doch was beschreibt nun welches Phänomen?

Die uns umgebende Luft beinhaltet stets eine bestimmte Menge an Wasserdampf. Dieser ist gasförmig und in der Regel unsichtbar. Dabei gilt: Je kälter die Luft, desto weniger Wasserdampf kann sie aufnehmen. Bei fortschreitender Abkühlung ist irgendwann ein Punkt erreicht, der sogenannte Taupunkt, an dem die Luft bezüglich des Wasserdampfes gesättigt ist (100% relative Luftfeuchtigkeit). Der Wasserdampf kann nicht mehr in der Luft gehalten werden und kondensiert zu kleinsten Wassertröpfchen, die sich bei Temperaturen über 0 Grad Celsius als Nebel in der Luft halten oder als Tau an Gegenständen niederschlagen. Auch bei einem Taupunkt unter 0 Grad Celsius kann sich Nebel bilden, während die Wassertröpfchen an den Gegenständen gefrieren und dort so nicht mehr als Tau, sondern als Eis in Erscheinung treten.

Die sich bei dichtem Nebel und Temperaturen meist zwischen -2 und -10 Grad Celsius bildenden, sehr fest anhaftenden "Eisfahnen" nennt man Raueis oder Raufrost. Die kleinsten, unterkühlten Wassertröpfchen aus dem Nebel werden durch Wind an die kalten Gegenstände getrieben und gefrieren dort. Je stärker der Wind desto stärker auch die Raueisbildung. Die "Eisfahnen" zeigen dabei dem Wind entgegen. Meist kommt es bei der Raueisbildung an Gegenständen zu Lufteinschlüssen, wodurch das Raueis weiß-grau und undurchsichtig erscheint. Bei sehr langsamer Anlagerung und Gefrieren der Wassertröpfchen kann sich unter Umständen aber auch ein klares, durchsichtiges Eis ohne Lufteinschlüsse ausbilden. Diese Unterform des Raueises wird als "Klareis" bezeichnet.

Im Gegensatz zu Raueis und Klareis tritt Raureif meist bei deutlich tieferen Temperaturen auf. Üblicherweise muss das Quecksilber unter -8 Grad sinken, damit effektiv Raureif gebildet werden kann. Zusätzlich benötigt es eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 90 %. Trotz der noch nicht vollends gesättigten Luft kann ein Teil des Wasserdampfes aus dieser bereits "ausgeschieden" werden. Bei besonders tiefen Temperaturen geht das Wasser aber nicht mehr vom gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand über, sondern direkt in den festen. Dieser Prozess, der besonders an den unterkühlten Gegenständen auftritt, wird als Resublimation bezeichnet. Kennzeichnend für den durch Resublimation entstehenden Raureif ist die kristalline Struktur, wie sie auch bei Schneeflocken unter einer Lupe zu bestaunen sind. Häufig zeigen sich nadelförmige Eiskristalle an den Gegenständen. Eisblumen, die man in seltenen Fällen an Fensterscheiben entdecken kann, sind eine Sonderform des Raureifs.

"Nebelfrostablagerungen" ist die Sammelbezeichnung für die abgesetzten Niederschläge Raureif, Raueis und Klareis. Wie bereits im ersten Absatz angedeutet, können Nebelfrostablagerungen auch für eine ausgeprägte Glättesituation auf Straßen und Gehwegen sorgen. Hierfür verwendet man den Begriff "Reifglätte". Denn Nebelfrostablagerungen können sich nach oben genannten Prozessen selbstverständlich auch auf Straßen und Gehwegen bilden. Raureif und Raueis werden durch Begehen und Befahren zusammengepresst und gefrieren dabei nach kurzzeitigem Verflüssigen zu einer zum Teil spiegelglatten Eisfläche. Ähnlich geschieht dies auch mit den Nebelfrostablagerungen, die sich an den Ästen der Bäume gebildet haben und anschließend auf die Straßen und Gehwege fallen. Letzterer Vorgang ist wahrscheinlich sogar der häufiger vorkommende.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

Erster Wintereinbruch - gefährliche Reifablagerungen durch Hochnebel

Durch Nebel und Hochnebel bildeten sich in den letzten Tagen in den Mittelgebirgen auf den Bäumen gefährliche Reifablagerungen (wie in unserem Bild diese Woche auf der Schwäbischen Alb), die zunehmend vereisen und so für Reifbruch und gesperrte Straßen sorgen.
Durch Nebel und Hochnebel bildeten sich in den letzten Tagen in den Mittelgebirgen auf den Bäumen gefährliche Reifablagerungen (wie in unserem Bild diese Woche auf der Schwäbischen Alb), die zunehmend vereisen und so für Reifbruch und gesperrte Straßen sorgen.

Nach einem deutlich zu warmen Herbst hielt der Winter am gestrigen Mittwoch mit Glatteis und erstem Schnee auch in tiefen Lagen Einzug. Die Vorgeschichte dieser ersten winterlichen Wetterlage ist allerdings nicht gerade typisch für einen Wintereinbruch. In den vergangenen Jahren brachte meist eine Kaltfront aus Norden oder Nordwesten den ersten Schnee. Auf ihrer Rückseite flossen meist arktische Luftmassen ein, die auch kalt genug waren, um im Tiefland für Frost zu sorgen. 

Dieses Jahr stellte sich die Situation vollkommen anders dar. Ein kräftiges Hoch liegt schon seit längerer Zeit über Osteuropa und weitete seinen Einfluss auch auf Mitteleuropa aus. Im Zusammenspiel mit einem intensiven Mittelmeertief stellte sich eine östliche Strömung über Deutschland ein. Dabei sorgte die östliche Bodenströmung für Kaltluftnachschub aus Russland, zusätzlich konnte die Luft unter dem Hochdruckgebiet bodennah aber auch noch kräftig auskühlen, sodass es ab dem vergangenen Wochenende im Norden und Osten sogar für leichten Dauerfrost reichte. In der Höhe führte das Mittelmeertief allerdings relativ warme Luft aus südlichen Breiten zu uns, die sich über die schwerere bodennahe Kaltluft legte. In der Meteorologie spricht man dann von einer Inversionswetterlage. An der Grenze zwischen Warm- und Kaltluft bildete sich dichter Hochnebel, der sich etwa auf der Höhe der Mittelgebirgsgipfel ausbreitete. Dieser sorgte nicht nur dafür, dass es trotz Hochdruckeinfluss trüb blieb, sondern führte im Zusammenspiel mit starkem Ostwind auf den Berggipfeln für immense Reifablagerungen. Diese waren so stark, dass unter der Reiflast ganze Bäume umknickten. Im Erzgebirge, Hochsauerland sowie Taunus sind noch immer einige Straßen wegen Reifbruchs gesperrt.

Reifbruch stellte aber nicht die einzige Gefahr dar. In der Nacht zum Mittwoch kam es an der Nordflanke des hochreichenden Mittelmeertiefs zu Niederschlägen, die von Tschechien über Westsachsen und Thüringen nach Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, ins Saarland sowie nach Baden-Württemberg zogen. Diese brachten nicht nur den ersten Schnee, sondern gebietsweise auch gefrierenden Regen mit gefährlicher Glatteisbildung, die dazu führte, dass sogar zeitweise Teile einiger Autobahnen gesperrt werden mussten. Während in der Nordhälfte bis in eine Höhe von etwa 1400 m Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschten, lag die Temperatur zwischen etwa 1400 und 1800 m gebietsweise über 0 Grad. Dies ist eine ziemlich tückische  Wetterlage. In dieser wärmeren Luftschicht konnte der aus den darüber liegenden Wolken herausfallende Schnee teilweise zu Regen schmelzen, wobei dieser in die kalte bodennahe Luftschicht fiel und dort auf den teilweise gefrorenen Boden traf und sofort zu Glatteis wurde.

Während dieser gefrierende Regen besonders im Osten auftrat, konnte im Westen meist Schnee beobachtet werden. Den meisten Schnee gab es jedoch nicht wie üblich auf den Gipfeln der Mittelgebirge, sondern gerade in tieferen Lagen. Die größte Schneehöhe wurde in Eschbronn-Mariazell in mittleren Lagen des Schwarzwaldes mit 16 cm gemessen. Dann folgte auch schon das Saarland mit 9 cm in Neunkirchen-Wellesweiler. Auch Kaiserslautern war mit 7 cm ganz oben mit dabei.

Doch wie geht es mit dem Winterwetter weiter? Bereits am heutigen Donnerstag führt ein Atlantiktief auf seiner Vorderseite wieder mildere Luft heran, sodass es dem Schnee an den Kragen geht. Dauerfrost gibt es dann kaum noch und am ehesten auf den Gipfeln der westlichen Mittelgebirge. Ab dem Wochenende stellt sich dann wechselhaftes, nasskaltes und zunehmend windiges Wetter mit zeitweiligem Schnee in den Mittelgebirgen und Regen im Tiefland bei Höchstwerten um 5 Grad ein.

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01.12.2014

Tief "Xandra" sorgt wieder für viel Regen im Mittelmeerraum

Tief "Xandra" sorgt von Spanien über Frankreich hinweg bis nach Italien und dem Balkan für erneut teilweise sintflutartige Regenfälle. © Grafik DWD.de
Tief "Xandra" sorgt von Spanien über Frankreich hinweg bis nach Italien und dem Balkan für erneut teilweise sintflutartige Regenfälle. © Grafik DWD.de

Das hochreichende und großräumige Tiefdrucksystem "Xandra" über dem westlichen Mittelmeer öffnet wieder die Schleusen des Himmels und lässt Teile der Mittelmeerküste, von Spanien über Frankreich hinweg bis nach Italien, im Wasser versinken.

Verantwortlich für die kräftige Entwicklung des Tiefs sind drei wesentliche Komponenten. In einer Höhe von etwa 5500 Metern verfügte "Xandra" bei Temperaturen von unter -20 Grad über relativ kalte Luftmassen. Am Boden dagegen "heizte" das mit 17 bis 20 Grad noch immer recht warme Mittelmeerwasser die bodennahen Schichten auf. Entsprechend stellte sich eine Temperaturdifferenz zwischen dem Boden und der Höhe von teils über 40 Grad (Kelvin) ein. Da warme Luft leichter als kalte Luft ist, steigt die warme Luft auf, während die kalte Luft absinkt. Resultierend kommt es zu starken vertikalen Umwälzungen: Je größer der Temperaturunterschied, desto stärker der vertikale Luftaustausch! Beim Aufsteigen kühlt sich die über dem Mittelmeer mit viel Feuchte angereicherte warme Luft jedoch allmählich ab. Da kältere Luft aber weniger Feuchte aufnehmen kann, steigt die relative Luftfeuchtigkeit bei diesem Vorgang stetig an. Erreicht die Luft eine Feuchte von 100%, so beginnt der Wasserdampf in der Luft zu kondensieren. Es entstehen kleine Wolkentröpfchen. Gleichzeitig setzt der Kondensationsprozess Energie frei, die wiederum die vertikalen Umwälzungen weiter verstärkt. Der Auftrieb der Wolkentropfen wird also größer, sodass die entstehenden Wolken bis in große Höhen erstrecken. Die Wassertröpfchen entwickeln sich dabei prächtig. Durch verschiedene physikalische Prozesse steigern sie ihre Größe und somit auch ihr Gewicht. Erst wenn ihre Gewichtskraft größer als die Auftriebskraft ist, fallen sie aus der Wolke heraus. Die Folge sind kräftige, teils gewittrige Regengüsse, die in kurzer Zeit enorme Wassermengen bringen können.

Beispielhaft dafür reicht ein Blick auf den Mittelmeerraum, wo derzeit "Xandra" wütet. Am Samstag und in der Nacht auf Sonntag drückte sie die Gewitterwolken von Osten gegen die Küsten Spaniens und Südwestfrankreichs sowie die Pyrenäen. Unterstützt durch Reibungs- und Staueffekte fielen dort innerhalb von 24 Stunden zwischen 20 und 120 Liter pro Quadratmeter. Im südfranzösischen Raum Perpignan wurden im gleichen Zeitraum sogar bis 170 Liter Regen gemessen. Die Fluten und Erdrutsche sorgten für Verwüstungen und chaotische Verhältnisse. Am Sonntag und in der Nacht auf Montag haben sich die Niederschläge weiter nach Osten ausgeweitet und somit zum wiederholten Male in diesem Jahr auch Italien und Südostfrankreich ins Visier genommen. Dort wurden bis Montagmorgen innerhalb von 24 Stunden vielerorts zwischen 10 und 40, lokal auch bis 50 Liter pro Quadratmeter gemessen. Aber auch zwischen Valencia und Perpignan fielen nochmals 15 bis 45 Liter Regen pro Quadratmeter. Selbst auf den häufig sonnenverwöhnten Balearen schüttete es aus Kübeln. Dabei waren Regenmengen bis zu 35 Liter pro Quadratmeter keine Ausnahme. Am heutigen Montag und am morgigen Dienstag verlagern sich die Regenmassen von "Xandra" nach Korsika und Sardinien sowie an die Westküste Italiens. Danach erwischt es dann auch noch Bosnien/Herzegowina und Montenegro.

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28.11.2014

Wo ist es am kältesten?

Die Tür steht auf - für frostige Temperaturen auch in Deutschland und Österreich. Doch während bei uns bestenfalls östlich der Elbe ordentliche Minustemperaturen auftreten, hat der Ural in Russland bereits bis zu minus 19 Grad auf der Habenseite.
Die Tür steht auf - für frostige Temperaturen auch in Deutschland und Österreich. Doch während bei uns bestenfalls östlich der Elbe ordentliche Minustemperaturen auftreten, hat der Ural in Russland bereits bis zu minus 19 Grad auf der Habenseite.

Meteorologisch gesehen neigt sich der Herbst dem Ende zu: Am 1. Dezember, also bereits am kommenden Montag, beginnt der Winter. Da kann man sich durchaus schon einmal fragen, wo derzeit "Väterchen Frost" regiert und vor allem wie kalt es dort ist. 

In Deutschland lag der Kältepol, sieht man vom Fichtelberg und der Zugspitze ab, in der Nacht zum heutigen Freitag in Lichtentanne (bei Zwickau, Sachsen). Dort wurden -4,4 °C als Tiefstwert gemessen. Tagsüber steigt die Temperatur im Nordosten Deutschlands meist nur auf 0 bis 5 °C, während es im Westen mit etwas Sonne und auf der Leeseite der Mittelgebirge mit 7 bis 10 °C noch mild bleibt. Örtlich könnten sogar bis nahe 14 °C erreicht werden. Dieses Temperaturgefälle zwischen dem Nordosten und dem Westen unserer Republik bleibt im Wesentlichen auch in den nächsten Tagen erhalten. Allerdings "mildern" sich die Temperaturunterschiede etwas ab und das Temperaturniveau geht allgemein allmählich zurück. 

Europaweit war es in der vergangenen Nacht in Furmanowo mit -19,0 °C am kältesten, zumindest wenn man die westlich des Flusses Ural gelegenen Teile Kasachstans zu Europa zählt. Frostige Nächte gibt es derzeit vom Uralgebirge bis in die Mitte Deutschlands und vom Norden Lapplands bis nach Bulgarien und zum Kaukasus. Dauerfrost herrscht dagegen tagsüber in weiten Teilen Nord- und Osteuropas. So wird für das nordschwedische Kvikkjokk für heute eine Höchsttemperatur von gerade einmal -9 °C erwartet. Solch kalte Temperaturen sind für den kleinen Ort allerdings nicht ungewöhnlich, fällt dort doch oftmals bereits Anfang Oktober der erste Schnee. Die umliegenden Gebirgszüge gestalten das Wetter in Kvikkjokk merklich kontinentaler als an der nur gut 100 km entfernten norwegischen Küste. 

Vor kurzem ging die Kältewelle und ihre massiven Schneefälle in Buffalo in Nordamerika durch die Medien. Zweistellige Frostgrade findet man in erster Linie in weiten Teilen Kanadas, Alaskas und im Norden der zusammenhängenden US-Bundesstaaten. Negativer Spitzenreiter war dabei Old Crow (Yukon/Kanada) mit -40,3 °C. An den Großen Seen wurden Tiefstwerte zwischen -1,2 °C am Ontariosee und -28,4 °C am Oberen See verzeichnet.

Gegenüber den Tiefsttemperaturen, die in Sibirien gemessen wurden, könnte man diesen Wert sogar fast noch als "mild" einstufen. Chabardino meldete -52,7 °C als Tiefstwert. Vom Allzeit-Rekord für permanent bewohnte Gebiete ist dies noch weit entfernt. Dieser wurde mit -67,7 °C gleich an zwei Stationen registriert: in Werchojansk am 5.2. und 7.2.1892 sowie im bekannteren Oimjakon am 6.2.1933. In Oimjakon sind am Sockel des Kältepol-Denkmals -71,2 °C aus dem Jahr 1926 vermerkt. Diese sind aber, ebenso wie eine 1916 gemessene Temperatur von -81,2 °C, offiziell nicht anerkannt, da ersterer Wert nicht instrumentell bestimmt, sondern nur hochgerechnet worden sein soll. In beiden Orten wird das Wetter von einem extremen Kontinentalklima bestimmt. Oft findet man im Gebiet um Oimjakon stark ausprägte Kältehochs. Zusätzlich werden solch niedrige Temperaturen durch die Topografie im Ostsibirischen Bergland noch begünstigt. 

Am absoluten Kältepol der Erde, nämlich in Wostok (Antarktika) wurden am 21.7.1983 unglaubliche -89,2 °C gemessen. Derzeit herrscht auf der Südhalbkugel aber Polarsommer - der Tiefstwert fiel in Wostok mit -42,2 °C also bedeutend moderater aus. 

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27.11.2014

Wetterausblick für das erste Adventswochenende

In diesen Tagen beginnt die Weihnachtsmarkt-Saison, am Sonntag ist 1. Advent. Doch das Wetter wird wenig weihnachtlich-winterlich verlaufen. Immerhin: Es wird langsam aber sicher spürbar kälter!
In diesen Tagen beginnt die Weihnachtsmarkt-Saison, am Sonntag ist 1. Advent. Doch das Wetter wird wenig weihnachtlich-winterlich verlaufen. Immerhin: Es wird langsam aber sicher spürbar kälter!

Auch wenn die aktuelle Wettersituation noch nicht so recht winterlich erscheint, sind es jedoch nur noch wenige Tage bis zum ersten Advent.Viele assoziieren mit "Advent" die "Vorweihnachtszeit" und denken gleich an "Weiße Weihnachten". Beim Schlagwort "Weiße Weihnachten" ist es dann auch schon so weit: Die dabei oft gestellte Frage nach dem ersten Schnee lässt nicht lange auf sich warten. Für einige von uns hat sich die Frage bereits erübrigt, denn in den letzten Wochen gab es bereits in den höheren Lagen der Mittelgebirge sowie in den Alpen den ersten Schnee. Ob dieser nun am kommenden ersten Adventswochenende auch in tieferen Lagen bevorsteht bzw. ob es überhaupt irgendwo in Deutschland Schnee gibt, wird nun unter anderem in einem kurzen Wetterausblick beschrieben.

Am Samstag liegen wir voraussichtlich im Übergangsbereich von einem Hoch über Russland und Nordosteuropa und einem Tiefdruckkomplex über der Iberischen Halbinsel und Nordafrika. Dabei bestimmt jedoch noch der hohe Luftdruck das deutsche Wettergeschehen. Am Sonntag verschiebt sich einerseits das Hochdruckzentrum in Richtung Baltikum und andererseits kommt es zur Verlagerung des Tiefs in Richtung Sardinien und Korsika. Damit verstärken sich die Druckgegensätze über Mitteleuropa, was schließlich zu einer Windzunahme führt. Der Wind, genauer gesagt die Windrichtung, spielt am Wochenende auch eine ausschlaggebende Rolle. Denn durch die beschriebene Druckkonstellation liegen wir in einer östlichen Strömung. Im Winter ist dies oftmals gleichbedeutend mit der Zufuhr von eisigen Luftmassen aus Sibirien und Russland. Nach der doch ungewöhnlich milden Herbstphase, die auch in Osteuropa und Russland für eine positive Temperaturanomalie sorgte, ist die nun zu uns strömende Luft nicht ganz so eisig. Auswirkungen hat dies aber zunächst nur auf den Osten und Nordosten Deutschlands. Nach der nun großräumigen Betrachtung der Druckverteilung werfen wir nun einen Blick auf die regionalen Auswirkungen.

Der Samstag beginnt überwiegend neblig oder hochnebelartig bedeckt. Nun stellt sich die schwierige Frage: "Wo und wann wird sich der Nebel auflösen?" Schaut man sich dazu eine Auswahl von Wettermodellen an, dann gibt es die größten Übereinstimmungen für Sonne im Westen und Südwesten sowie am Alpenrand und in den Mittelgebirgen. Eher schlecht sieht es hingegen für einige Regionen vom Nordwesten über die Mitte bis in den Osten Deutschlands aus. Aber auch Flusstäler und Niederungen werden bei den Sonnenstunden allgemein benachteiligt sein. Darüber hinaus bleibt es trocken. Bei einem Blick auf die Höchstwerte am Nachmittag zeigt sich eine Zweiteilung. Hier macht sich im Norden und Osten mit 0 bis 4 Grad bereits die kühle Luft aus Russland und Osteuropa bemerkbar. In den anderen Regionen ist es mit 4 bis 8 Grad etwas wärmer. Mit Sonnenunterstützung und bei Föhn auf der Leeseite der Mittelgebirge kann die Temperatur auch noch etwas darüber liegen. Dabei weht der Ostwind schwach bis mäßig, an der Küste auch stark böig.In der Nacht zum Sonntag ist es teils hochnebelartig bedeckt, teils aber auch gering bewölkt oder klar, wobei sich insbesondere in der Mitte und im Süden Nebel bilden kann. Bei frostigen Tiefstwerten zwischen +3 und -4 Grad ist streckenweise mit Glätte zu rechen.

Am Sonntag zeigt sich nach Auflösung von Nebel oder Hochnebel vielerorts die Sonne. Geringere Chancen auf etwas Sonnenschein bestehen wiederum in den Flusstälern. Hier sind z. B. die Donauniederungen und der Oberrheingraben zu nennen. Besonders in diesen Regionen kann es auch den ganzen Tag über neblig-trüb oder hochnebelartig bedeckt bleiben. Zudem wird weiterhin kein Niederschlag erwartet. Die Temperaturverteilung über Deutschland zeigt wiederum ein Nordost-Südwest Gefälle. Bei Temperaturmaxima von 0 bis 3 Grad wird es in der Nordosthälfte erneut etwas kühler als in den sonstigen Regionen, wo das Quecksilber auf 4 bis 7 Grad ansteigt. Insgesamt geht mit der östlichen Strömung aber das Temperaturniveau allgemein etwas nach unten.

Zusammengefasst zeigt sich am ersten Adventswochenende in Deutschland und Österreich ein ruhiges Spätherbstwetter mit kleinen "nebligen Schönheitsfehlern". So steht einem Ausflug, wie bspw. dem Besuch eines Weihnachtsmarktes in der Nähe, mit Hinblick auf das Wetter nichts im Wege. Auch wenn am Wochenende noch kein Schnee in Sicht ist, bringen zumindest die Temperaturen mancherorts einen Hauch von Winter.

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26.11.2014

Und immer, immer wieder taucht der Nebel auf...

Manchmal schon ziemlich gespenstisch - herbstlicher Morgennebel in Flussniederungen. Doch warum "steigt" der Nebel immer aus feuchten Flusstälern auf? Das erläutern wir heute hier an dieser Stelle:
Manchmal schon ziemlich gespenstisch - herbstlicher Morgennebel in Flussniederungen. Doch warum "steigt" der Nebel immer aus feuchten Flusstälern auf? Das erläutern wir heute hier an dieser Stelle:

"Und immer, immer wieder geht die Sonne auf" - so lautet eine Strophe aus dem gleichnamigen Schlager von Udo Jürgens. Immer, immer wieder ist aber in den letzten Wochen die Rede von Nebel gewesen. Dies ist zwar nicht ungewöhnlich für den November in unseren Breiten, dafür aber umso ärgerlicher, wenn im Wetterbericht von einer stabilen Hochdrucklage zu hören ist und der sehnsüchtig erwartete Sonnenschein hinter dem trüben und nasskalten Dauergrau verborgen bleibt. 

Dass sich Nebel bildet, weil die Luft abkühlt und den in ihr enthaltenen Wasserdampf nicht mehr halten kann, dürfte bekannt sein. Genauer gesagt kühlt sich dabei die bodennahe Luftschicht unter ihren Taupunkt (Temperatur, bei der die Luft etwa 100% relative Luftfeuchtigkeit aufweist) ab, sodass die Luft übersättigt ist und der überschüssige Wasserdampfanteil auskondensiert. Günstige Bedingungen zur Nebelbildung im Winterhalbjahr bestehen, wenn zuvor eingeflossene feuchte und milde Luft aus dem Mittelmeerraum unter Hochdruckeinfluss gerät und zur Ruhe kommt. Diese Art des Nebels nennt man Strahlungsnebel. 

Die stärkste Abkühlung erfolgt in der Luftschicht direkt über dem ausgekühlten Erdboden, sodass zumindest im unteren Bereich der Atmosphäre von 400 m bis etwa 1000 m über NN eine ungewöhnliche Situation auftritt: In der Höhe liegt dann eine wärmere Luftmasse als unmittelbar am Boden. Man spricht in diesem Fall von einer Temperatur-Inversion, bei der die Temperatur mit der Höhe also zunimmt und nicht sinkt. Im Bereich des Hochdruckgebiets kann die Inversionsschicht am Unterrand der warmen Luftschicht nur schwer abgebaut werden, da die Winde für eine Durchmischung der wärmeren mit der kalten Luftmasse zu schwach sind. 

Die Nebelbildung setzt dem entsprechend auch zunächst in Erdbodennähe ein und weitet sich dann gegebenenfalls auf die gesamte bodennahe Luftschicht aus. Besonders betroffen sind Flusstäler und feuchte Wiesen. Wenn dort Wasser von der Oberfläche verdunstet, tritt bei dem Feuchteanstieg in der Luft eine zusätzliche Abkühlung ein, die vielleicht genau das eine Grad liefert, welches zur Unterschreitung des Taupunktes im Laufe der Nacht noch benötigt wird. 

Am Vormittag kann sich der Nebel dann unter zögernder Temperaturzunahme ganz oder nur zum Teil auflösen und zum Teil bis zur Inversionsschicht aufsteigen, um dort als Hochnebel den Blick auf die Sonne zu trüben oder komplett zu verdecken. 

Wer dem Dauergrau durch Nebel und Hochnebel also gerne mal entfliehen möchte, sollte sich die Kammlagen der Mittelgebirge oder die Alpen als Ausflugsziel setzen also Regionen oberhalb der Inversionsschicht, die derzeit bei etwa 800 bis 900 m liegt. Ansonsten kann man nur darauf hoffen, dass der Wind wieder etwas zunimmt und die atmosphärische Grundschicht durchmischt, um die Inversion und den Nebel aufzulösen. Dies geschieht aber meist mit dem Annähern eines Tiefs und dieses bringt ohnehin wieder Wolken, die den Blick auf die Sonne nehmen. 

Und immer, immer wieder bleibt das Dauergrau...

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25.11.2014

Radiosondenmessung: Mild auf den Bergen, kalt in den Niederungen

Um Temperaturunterschiede in der Atmosphäre messen zu können, braucht es entweder einen Berg - oder wenn gerade mal keine geologische Hilfe da ist eben eine "Radiosonde". Diese kann präzise Höhenmeter für Höhenmeter mit meteorologischen Parametern erfassen. © Grafik www.dwd.de
Um Temperaturunterschiede in der Atmosphäre messen zu können, braucht es entweder einen Berg - oder wenn gerade mal keine geologische Hilfe da ist eben eine "Radiosonde". Diese kann präzise Höhenmeter für Höhenmeter mit meteorologischen Parametern erfassen. © Grafik www.dwd.de

Ein interessantes Wetterphänomen konnte man in der Nacht zum Montag in den südlichen Mittelgebirgen sowie den Alpen beobachten. Während sich in den Niederungen kalte Luft mit Temperaturen meist zwischen 0 und 5 Grad angesammelt hatte, war es in höheren Lagen bei Temperaturen über 10 Grad deutlich milder. Ganz besonders ausgeprägt war diese Situation im bayerischen Alpenvorland. So wurden an der Station Hohenpeißenberg in einer Höhe von 977 Metern um 5:30 MEZ frühlingshafte 16,7 Grad Celsius gemessen. Im etwa 200 Meter tiefer liegenden Altenstadt dagegen lag die Temperatur nur noch bei 7 Grad und in den noch tiefer liegenden Regionen bei 1 bis 5 Grad. Im 550 Meter hoch gelegenen Wielenbach wurde zur gleichen Zeit beispielsweise ein Wert von 2,7 Grad registriert. 

Diese Temperaturverhältnisse sind insofern interessant, als die Temperatur in der untersten Schicht der Erdatmosphäre, der sogenannten Troposphäre, mit zunehmender Höhe normalerweise abnimmt. Ist dies nicht der Fall, nimmt also die Temperatur mit der Höhe zu, so spricht man von einer Inversion (von lateinisch "inversio", die Umkehrung). 

Um diese Temperaturumkehr zu erklären, müssen wir die Windverhältnisse in der unteren Troposphäre betrachten. Im Radiosondenaufstieg der Wetterbeobachtungsstation Oberschleißheim (484 m) ist zum Zeitpunkt 24. November 2014, 00 UTC der gemessene Verlauf der Temperatur (durchgezogene Linie), des Taupunkts als Maß für die Feuchte (gestrichelte Linie) und des Windes (Symbole am rechten Bildrand) in Abhängigkeit von der Höhe dargestellt. Anhand des Temperaturverlaufs ist zu erkennen, dass die Temperatur bis zu einer Höhe von etwa 700 m zunächst abnimmt. Ein Blick auf die Windmessungen zeigt, dass in dieser Schicht ein schwacher Wind aus östlicher Richtung vorherrscht. Dies liegt daran, dass sich der Süden Deutschlands in der Nacht zum Montag am Rande eines umfangreichen Hochs über Osteuropa befand. Im Bereich dieses Hochs hatte sich ein Reservoir an kalter Luft gebildet, welche schließlich mit diesem Ostwind unter anderem in den Süden Deutschlands geführt wurde. Hinzu kommt, dass die Luft bei herbstlichen oder winterlichen Hochdrucklagen durch die langen Nächte je nach Bewölkungsverhältnissen in Bodennähe stark abkühlt und die Wärme nach oben abgestrahlt wird. 

Oberhalb dieser bodennahen Kaltluftschicht nimmt die Temperatur schlagartig zu, verbunden mit einer Drehung des Windes zunächst auf Süd, später auf Südwest. Dies bedeutet, dass in der Höhe mit einer südwestlichen Strömung deutlich mildere Luft aus dem Süden beziehungsweise Südwesten Europas herangeführt wurde. Besonders spürbar war die milde Luft in Höhen von 900 bis 1200 Meter, wobei der Höchstwert in etwa 1000 Meter lag. Erst oberhalb dieser Höhe setzte dann die üblicherweise zu erwartende Temperaturabnahme ein. Somit lag die Station Hohenpeißenberg exakt im Bereich der wärmsten Luft. 

Auch der Verlauf des Taupunkts im Radiosondenaufstieg von Oberschleißheim ist typisch für eine Inversionslage. Bis in eine Höhe von etwa 700 Meter sind Temperatur- und Taupunktskurve nahezu identisch. Ist die Differenz zwischen Temperatur und Taupunkt gering, so beträgt die relative Feuchte nahezu 100%. In dem Maße, in dem die Temperatur dann zunimmt, geht der Taupunkt zurück. Hohe Differenzen zwischen Temperatur und Taupunkt bedeuten eine geringe relative Feuchte, so dass die Luft in der Höhe nicht nur warm, sondern auch sehr trocken war. 

Am gestrigen Montag und in der vergangenen Nacht zum Dienstag war der Temperaturunterschied nicht mehr ganz so ausgeprägt, da die Strömung sowohl am Boden als auch in höheren Luftschichten aufgrund eines von Westen herannahenden Hochs allmählich auf nördliche bzw. östliche Richtungen drehte. Dadurch wurde die warme Luft auch in der Höhe wieder verdrängt. 

Erstellt mit Material des DWD

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24.11.2014

Die "O-bis-O-Regel" für Winterreifen?!

Ein Bild aus "besseren" Wintertagen - bei diesen Straßenbedingungen sind Winterreifen unverzichtbar und Pflicht. Wer bei Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnehmer. Doch von wann bis wann genau soll man nun sein Auto umrüsten? Das erklären wir nachfolgend:
Ein Bild aus "besseren" Wintertagen - bei diesen Straßenbedingungen sind Winterreifen unverzichtbar und Pflicht. Wer bei Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnehmer. Doch von wann bis wann genau soll man nun sein Auto umrüsten? Das erklären wir nachfolgend:

Jedes Jahr stellen sich die Autofahrer die Frage, von wann bis wann sie Winterreifen aufziehen sollten. Viele Versicherungen und Automobilclubs verweisen dabei wiederholt auf die sogenannte "O-bis-O-Regel". Demnach sollten die Autofahrer von Oktober bis Ostern wintertaugliche Reifen am Auto montiert haben. Jedoch müssen bei der Wahl der Reifen zusätzlich auch die regional unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse berücksichtigt werden. Das Rheinland kann man diesbezüglich z. B. nicht mit dem höher gelegenen Voralpenland vergleichen. 

Viele Kraftfahrzeughalter verzichteten wegen der wenig winterlichen Witterung der letzten Wochen bisher auf einen Reifentausch auf Winterpneus. Doch mit fortschreitender Jahreszeit in Richtung Winter sinken die Temperaturen alleine aus klimatologischer Sicht langsam ab. Während bisher meist nur die typisch herbstlichen Wettererscheinungen wie Nebel oder rutschige Straßen durch feuchtes Laub die Autofahrer beschäftigten, muss nun vor allem nachts gebietsweise auch mit Glätte durch überfrierende Nässe oder Reif gerechnet werden. Die durch die Jahreszeit bedingt längeren Nächte kann die bodennahe Atmosphäre nachts schon erheblich auskühlen. Vor allem bei klarem Himmel reichen tagsüber positive, teils sogar zweistellige Höchstwerte nicht aus, um ein nächtliches Absinken der Temperatur in den Frostbereich zu verhindern. Zudem ist jederzeit eine kurzfristige Umstellung der Wetterlage auf den Wintermodus möglich. Zwar sind mittelfristig in den nächsten Tagen kein Schnee und Eis zu erwarten, doch mehren sich in den Wettermodellen Hinweise auf eine der Jahreszeit entsprechende winterliche Witterung. 

Sollte es bei Schnee oder Glätte zu Unfällen durch Autos mit Sommerreifen kommen, so setzen die Autofahrer neben ihrem Leben auch ihren Versicherungsschutz teilweise aufs Spiel. Die Kaskoversicherung kann mit dem Verweis auf grob fahrlässiges Verhalten einen Teil der Leistung verweigern. Und die Kfz-Haftpflichtversicherung kann den Fahrer in Mithaftung nehmen, wenn ein Unfall auf falsche Reifen zurückzuführen ist.

Doch was macht die Winterreifen aus?

Autoreifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Sie beeinflussen maßgeblich das Fahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. In Mitteleuropa fahren Autos meist auf asphaltierten Straßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen -15 °C und +60 °C. "Sommer"-Gummimischungen verhärten bereits bei niedrigen Plus-Graden, womit sich die Haftung auf der Straße spürbar reduziert. Winterreifen-Typen bleiben weich und verfügen zudem über ein spezielles Lamellen-Profil, das auf Schnee und Eis besonders gut greift - also bei Witterungsbedingungen, die überall in Deutschland und auch durchaus schon um den Gefrierpunkt herum anzutreffen sei, erklärte der ADAC.

In den kommenden Nächten muss in Teilen des Landes mit winterlichen Straßenverhältnissen durch Glätte infolge überfrierender Nässe gerechnet werden. Durch die Kombination von Nebel und Hochnebel mit lokalem Sprühregen und vorherigem oder nachfolgendem längeren Aufklaren können die Straßen gebietsweise glatt werden. Teilweise liegen die nächtlichen Werte jedoch auch bei Nebel um oder unter dem Gefrierpunkt, sodass dieser ebenfalls gefrieren und somit zu Reifglätte führen kann. Begünstigt sind dabei vor allem weniger befahrene Straßen abseits der Autobahnen. Aber auch die Verkehrswege über Brücken oder durch Senken sind besonders für Glätte durch Reif oder überfrierende Nässe anfällig.

Die Zeit der Winterreifen ist also angebrochen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass von Oktober bis tief in den April hinein immer wieder Kälteeinbrüche mit kurzfristigem Schneefall bis ins Flachland auftreten können. Bei solchen Wetterverhältnissen muss an die Vernunft der Autofahrer appelliert werden. Nicht auf Winterreifen umgerüstete Fahrzeuge sollten bei winterlichen Bedingungen vielleicht besser stehen bleiben.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

20.11.2014

Lake Effect Snow - Rekordschneefälle in den USA

Schnee ... haben die Menschen rund um Buffalo derzeit nun wahrlich genug. Zwischen einem halben und 1,5 Meter Schnee fielen dort binnen 48 Stunden. In Europa bringen ähnliche Wetterlagen allerdings in der Regel nicht mehr als einen halben Meter der weissen Pracht.
Schnee ... haben die Menschen rund um Buffalo derzeit nun wahrlich genug. Zwischen einem halben und 1,5 Meter Schnee fielen dort binnen 48 Stunden. In Europa bringen ähnliche Wetterlagen allerdings in der Regel nicht mehr als einen halben Meter der weissen Pracht.

Gestern haben wir die Entstehung vom "Lake Effect"- Schnee beschrieben. Weltweit gesehen funktioniert dieser Prozess nirgendwo so effektiv wie entlang der Ostseiten der Großen Seen im Grenzgebiet von Kanada und der USA. Auch jetzt haben Teile der USA mit einer extremen Kältewelle zu kämpfen, die Rekordschneefälle bei Buffalo (Staat New York), verursacht durch den "Lake Effect", brachte.

Verursacht wurde dieser Kaltlufteinbruch vor etwa einer Woche durch die Überreste des Supertaifuns "Nuri", der sich bei den Aleuten in ein sehr starkes außertropisches Tief umwandelte und außerordentlich warme Luft bis in die Arktis führte. Dadurch hat sich in den USA ein ungewöhnliches Strömungsmuster eingestellt. An der Westküste wölbte sich ein starkes "warmes" Hochdruckgebiet auf, wobei die sehr warme Luft weiterhin auf direktem Wege nach Norden bis in die Arktis geführt wurde. Gleichzeitig entwickelte sich ein kräftiges Tief über der Mitte und dem Osten Nordamerikas. Auf seiner Rückseite dringt die arktische Kaltluft sehr weit nach Süden vor. 

Die Folge ist eine starke Kältewelle in großen Teilen der USA, bei der die Temperaturen bis zu 9 Grad unter dem für die Jahreszeit normalen Werten liegen. In vielen Regionen war es noch nie so frühzeitig so kalt. 

Diese extrem kalte Luft strömte auch über die Großen Seen, die immer noch eine Wassertemperatur von teilweise über 8 Grad haben. Dabei steigt die leichtere feuchte Luft über dem warmen Wasser in der eingeflossenen schweren Kaltluft auf, wobei der Wasserdampf kondensiert und sich kräftige Niederschlagsbänder bilden. 

Besonders ausgeprägt war ein solches Niederschlagsband am Eriesee, das über Buffalo an Land zog und dort Unmengen an Schnee ablud. In 24Stunden fielen bis zu 1,5 m Schnee. Das ist Rekord für die USA. Das Niederschlagsband war jedoch nur sehr schmal, sodass es einige Kilometer entfernt nur wenige Zentimeter gab. In den nächsten Tagen wird es in den betroffenen Gebieten jedoch deutlich wärmer, sodass dann kräftiges Tauwetter einsetzt.

Zwar sind solche extremen Schneefäll, wie in den USA, an deutschen Seen so nicht möglich, aber auch wir müssen uns während der Winterzeit immer wieder mit dem "Lake Effect" Schnee beschäftigen. Ein Beispiel dafür wäre Anfang Februar 2013 am östlichen Bodensee, wo in Bregenz binnen 24 Stunden mehr als 50 cm Neuschnee fielen und für teils chaotische Straßenverhältnisse sorgten. Natürlich dürfte auch der Stau am Bregenzer Wald für einen zusätzlichen Beitrag gesorgt haben. Die Küsten der Ostsee werden ebenfalls manchmal von solchen Schneebändern heimgesucht.

Auch wenn momentan die kalte Luft fehlt, um solch ein regionales Phänomen bei uns zu erzeugen, so werden wir in diesem Winter dank der allgemein noch warmen Wassertemperaturen sicherlich noch das eine oder andere Mal von diesem Effekt hören. Wir dürfen gespannt sein ...

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

19.11.2014

Lake Effect Snow - Entstehung einer lokalen Schneemaschine

Streicht eisiger Wind über warmes Wasser, entstehen in den Herbst- und Wintermonaten kräftige Schneefälle. Ist die Wasserfläche abgekühlt bzw. zugefroren, verringert sich die Gefahr eines "Lake Effect Snow", da die Temperaturunterschiede geringer sind.
Streicht eisiger Wind über warmes Wasser, entstehen in den Herbst- und Wintermonaten kräftige Schneefälle. Ist die Wasserfläche abgekühlt bzw. zugefroren, verringert sich die Gefahr eines "Lake Effect Snow", da die Temperaturunterschiede geringer sind.

Im vergangenen Herbst wurde bereits bei uns kurz über den Einfluss und die Auswirkungen des warmen Wassers (z.B. der Nord- und Ostsee) auf das lokale Wetter entlang der Küsten geschrieben (der Fokus hierbei waren Gewitter und Tornados). Entstandene kräftige Niederschläge waren vor allem ein Resultat von kühlerer Luft in höheren Schichten der Troposphäre (2-3 km über Meeresniveau), die über das sehr warme Wasser strich.

Ein ähnliches Phänomen kann man nun auch im Winter erleben, wobei dieses jedoch deutlich kräftiger ausfällt, mit entsprechend größeren Auswirkungen in den betroffenen Gebieten. Es spielen hier nicht nur die Temperaturunterschiede von Wasseroberfläche und Luft eine Rolle, sondern weitere meteorologische Parameter. Das Phänomen wird als "Lake Effect Snow" (LES) bezeichnet.

Besonders intensiv fällt der LES im Norden der Vereinigten Staaten (USA) entlang der Großen Seen aus, weshalb wir den Fokus mal auf diese Region legen. Dieser Effekt kann jedoch weltweit an jeder Wasseroberfläche beobachtet werden, die eine entsprechende Größe aufweist und von einer kalten Luftmasse überstrichen wird. Trotz des relativ leichten physikalischen Grundverständnisses handelt es sich hierbei um ein sehr komplexes Phänomen, welches hinsichtlich der Lage und Intensität bis heute nur schwer vorhergesagt werden kann. Der LES findet in organisierten "Bändern" statt, die aus kräftigen Schneeschauern, teils auch Wintergewittern zusammengesetzt sind. Mal handelt es sich hierbei um ein einziges und kräftiges Niederschlagsband, mal um eine Vielzahl von schwächeren Bändern. Doch was macht die Entstehung dieser Bänder aus?

Rückseitig eines kräftigen Tiefdruckgebietes wird sehr kalte Luft von Kanada südwärts in den Norden und Nordosten der USA gelenkt. Diese Luftmasse weist neben den geringen Temperaturen auch eine entsprechend niedrige Feuchte auf (kalte Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen als wärmere). Die trocken-kalte Luft erreicht nun die Großen Seen und überströmt diese von Nordwest nach Südost. Dabei wird der "Motor des LES" angeworfen, denn zwischen der warmen Wasseroberfläche (momentan bei 6 bis 10, teils bis 13 Grad) und der eisigen kanadischen Kaltluft entwickeln sich markante (vertikale) Temperaturgegensätze. Sie sorgen dafür, dass die Luftmasse von unten her labilisiert wird (kalte Luft, die über warme Luft strömt sorgt dafür, dass Luftpakete aufsteigen können), wobei diverse Studien zeigten, dass zwischen der Wasseroberfläche und der Temperatur in 1.5 km über Grund eine Differenz von mindestens 13 Grad Celsius bestehen muss. Dies sorgt dann für genügend Energie, damit sich kräftige und langlebige Niederschlagsbänder bilden können.

Natürlich muss für diesen Prozess gewährleistet sein, dass die Wasseroberfläche auch nicht zugefroren ist, was den (latenten) Wärmetransfer von Wasser in die Luft unterbinden würde. Da die Großen Seen weltweit gesehen die größte Frischwasserquelle darstellen (ausgenommen der Polareiskappen) und somit dank des geringen Salzgehaltes zügig mit dem Gefrieren beginnen, nimmt das Risiko des LES im Verlauf des Winters allmählich ab. 

Je weiter die kalte Luft nun über das warme Wasser strömt, umso labiler wird diese Luftmasse und umso mächtiger (in der Vertikalen) wird diese labile Schicht. Für kräftige LES-Ereignisse ist es daher wichtig, dass die labile Luftmasse nicht ungehindert (vertikal) wächst, was bedeuten würde, dass sich die (potentielle) Energie immer weiter verteilen würde. Ziel ist es, dass die ganze Labilität in einer begrenzten Schicht zur Verfügung gestellt wird, damit sie zur Bildung von kräftigen Schneeschauern "freigelassen" werden kann. Dies wird durch einen sogenannten Deckel (eine stabile Schichtung mit etwas wärmerer Luft) in 2-3 km über Grund gewährleistet, der in besonders labilen Fällen auch deutlich höher liegen kann.

Ein weiterer Mechanismus für die organisierten Schneebänder ist der Wind, der nur eine geringe Richtungsänderung mit der Höhe aufweisen darf. Wenn der Wind zu stark mit der Höhe zunimmt oder aber der Wind mit der Höhe markant dreht, können sich keine organisierten und langlebigen Bänder ausbilden, da sie z.B. regelrecht zerrissen werden. Schon eine Windrichtungsänderung von wenigen Grad kann dafür sorgen, dass sich die Bänder in eine andere Region verlagern. Dies kann während eines Ereignisses mehrmals vorkommen."Der arme Wettervorhersager, der solch ein Ereignis erfassen und in entsprechende Warnungen ummünzen muss!"

Neben all diesen "Zutaten" sorgt natürlich auch die Orographie für eine Unterstützung. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist die Reibung über den Wasserflächen der Seen deutlich geringer als über Land, sodass sich Konvergenzen (Bereiche, wo Winde aus unterschiedlichen Richtungen zusammenströmen und Aufsteigen) entlang der Küsten ausbilden können. Förderlich ist es auch, wenn von Süden her noch Feuchte herangeführt, die sich mit der kalten Luft über den Großen Seen vermischt.

Die entstandenen Niederschlagsbänder sorgen dank ihrer geringen Breite von meist nur wenigen Kilometern dafür, dass z.B. ein Ort im Schnee versinkt, während in den Nachbarorten deutlich weniger oder gar kein Schnee fällt. Schneefallraten von 10 bis 15 cm pro Stunde inklusive Blitz und Donner sind in manchen Bändern möglich, so dass gewaltige Neuschneemengen fallen können (z.B. 195 cm binnen 24 h vom 11. bis zum 12. Januar 1997 in Montague, New York).

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

18.11.2014

Hoch "Fennoskandien", überwiegend zyklonal

Das Hoch ROBIN liegt derzeit über "Fennoskandien", wetterbestimmend ist heute jedoch das Tiefdruckgebiet THEA, welches heute noch den größten Teil Kontinentaleuropas einnimmt. Grafik: © DWD.de
Das Hoch ROBIN liegt derzeit über "Fennoskandien", wetterbestimmend ist heute jedoch das Tiefdruckgebiet THEA, welches heute noch den größten Teil Kontinentaleuropas einnimmt. Grafik: © DWD.de

Der Jahresverlauf der Witterung in einem Gebiet der mittleren Breiten besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich durch großräumige Luftdruck- bzw. Geopotentialverteilungen und die daraus resultierenden Strömungsmuster, in Bodennähe sowie in den darüber liegenden Luftschichten. 

Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in das Zirkulationsregime einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten. 

Die derzeitige Großwetterlage kann man als zyklonal geprägtes "Hoch Fennoskandien" (wiss. Abkürzung HFz) klassifizieren, wobei "zyklonal" für Tiefdruckeinfluss in Mitteleuropa steht. HFz zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in West-Ost-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Nord-Süd-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind etwa in derselben Größenordnung. 

Konkret liegt Deutschland südwestlich des Hochdruckgebietes ROBIN, welches sich über die gesamte Osteuropäische Ebene erstreckt und seinen Schwerpunkt über Mittelrussland hat. Wetterbestimmend ist jedoch das Tiefdruckgebiet THEA, welches heute noch den größten Teil Kontinentaleuropas einnimmt und sich morgen auf Ostmittel- und Südosteuropa beschränkt. 

Unterschiedliche Luftmassen werden in THEAs Zirkulation einbezogen, dabei sorgt relativ warme und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum für ergiebige Niederschläge insbesondere in den Südlichen Kalkalpen und den Küsten der nördlichen Adria. 

Erstellt mit Material des DWD

14.11.2014

NURI bringt den USA Winterwetter

In den USA hat der Winter erstmals zugeschlagen (© Grafik www.dwd.de)! Es kam in Texas zu einem Temperatursturz von bis zu 30 Grad - einmal vom Hochsommer in den Winter in nur 9 Stunden.
In den USA hat der Winter erstmals zugeschlagen (© Grafik www.dwd.de)! Es kam in Texas zu einem Temperatursturz von bis zu 30 Grad - einmal vom Hochsommer in den Winter in nur 9 Stunden.

Fans kalter und schneereicher Witterung hierzulande werden zurzeit neidvoll gen Westen über den Atlantik hinweg nach Nordamerika blicken. Während sich in weiten Teilen Europas bis auf Weiteres noch keine winterlichen Verhältnisse einstellen wollen, ereignete sich über dem nordamerikanischen Kontinent in dieser Woche der erste markante Wintereinbruch. Verbreitet stehen dort derzeit eisige Temperaturen und stellenweise kräftige Schneefälle auf der Tagesordnung - und werden es auch noch einige Zeit bleiben.

Am Montag (10.11.) machte sich eine Kaltfront, von Kanada her kommend, auf, um sich mit einem sprichwörtlichen "Affenzahn" zwischen den Rocky Mountains und dem Mittleren Westen südwärts durchzuschlagen. Nachdem sie schließlich auch die westlichen Südstaaten überquert hatte, erreichte sie am vergangenen Mittwoch (12.11.) die Golfküste. Die Kaltfront trat nicht wirklich wetteraktiv in Erscheinung, was heißen soll, dass es nicht zu signifikanten Begleiterscheinungen wie kräftigen Niederschlag kam. Nichtsdestotrotz sorgte sie an den Orten, über die sie hinweg gezogen war, für einen plötzlichen Windsprung von südlichen auf nördliche Richtungen und einen rasanten Temperatursturz. Nicht selten konnte man binnen weniger Stunden einen Temperaturrückgang von mehr als 30 Kelvin beobachten.

In Amarillo/Texas wurde am Montag (15 Uhr Ortszeit) beispielsweise noch eine Temperatur von +28 Grad Celsius gemessen, nur neun Stunden später -2 Grad Celsius. Dies entspricht einem Rückgang von 30 Kelvin - vom Sommer in den Winter innerhalb kürzester Zeit. Mit Ausnahme der Gebiete nahe der Golf- und Ostküste sowie des Südwestens herrscht Dauerfrost. Im Norden der Great Plains und Rocky Mountains ist es besonders kalt geworden. Dort liegen die Höchsttemperaturen meist zwischen -10 und -20 Grad, in den Nächten sinkt das Quecksilber teilweise sogar auf Werte unter -30 Grad. So zum Beispiel in Casper/Wyoming, wo sich die Luft am Donnerstagmorgen (Ortszeit) auf -33 Grad abkühlte.

Es stellt sich nun die Frage, wieso es dort zu einem derart heftigen Kaltluftausbruch kommen konnte. Die Initialzündung für den ersten markanten Wintereinbruch der Saison gab letztendlich Taifun NURI, der Ende Oktober und Anfang November mit enormer Intensität über dem Pazifischen Ozean wirbelte. Auf seinem Weg nordwärts schwächte sich NURI zunächst ab und wandelte sich zu einem außertropischen Tiefdruckgebiet um. Just nach der Interaktion mit der über dem Nordpazifik zu dieser Zeit besonders stark ausgeprägten Polarfront bekam NURI einen neuen, kräftigen Entwicklungsschub. Am 8. November sank der Bodendruck in Kernnähe auf bemerkenswerte 920 hPa - Rekord! Seit Aufzeichnungsbeginn wurde von einem außertropischen Tiefdruckgebiet über dem Nordpazifik noch nie ein solch niedriger Kernluftdruck erreicht. An seiner Ostflanke führte NURI viel Warmluft vom Nordpazifik über Alaska und Westkanada nach Norden, wodurch dort ein hochreichendes Hochdruckgebiet gestützt werden konnte. An der Ostflanke dieses sich verstärkenden Hochdruckgebietes stellte sich in der Folge wiederum eine nördliche Strömung ein, sodass Arktikluft angezapft und über das zentrale Kanada und weite Teile der Vereinigten Staaten südwärts geführt werden konnte. Wieder einmal sorgte ein ehemaliger Wirbelsturm als außertropisches Tiefdruckgebiet für eine maßgebliche Veränderung der großräumigen Strömungskonfiguration und damit für eine Umstellung der Wetterlage.

Die charakteristischen orografischen Eigenschaften des nordamerikanischen Kontinents begünstigen zudem den weit nach Süden ausgreifenden Kaltluftvorstoß. Im Gegensatz zu den West-Ost ausgerichteten Alpen fehlen über Nordamerika solche natürlichen Hindernisse. Die sich Nord-Süd erstreckenden Rocky Mountains stellen für einen südwärts gerichteten Kaltluftvorstoß keinerlei Hürde dar.

Nach kurzzeitiger Entspannung deutet sich für die nächste Woche ein neuerlicher Kaltluftausbruch für Amerika an, der dann auch verstärkt die östlichen Landesteile südlich und östlich der Großen Seen erfassen könnte.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

12.11.2014

Im Süden nass, im Norden warm - die Alpen als Wetterscheide par excellence

Bislang glänzt der Alpenraum noch nicht mit ausreichend Schnee für ein paar Hüftschwünge auf den Pisten. Schon im letzten Winter 13/14 hatten die Skifahrer auf der Alpennordseite das Nachsehen - während die Alpensüdseite im Schnee erstickte. Aktuell steht dasselber Wetterphänomen für den Winter 14/15 schon wieder an: Auf der Alpensüdseite gehen derzeit enorme Regen- wie Schneemengen nieder!
Bislang glänzt der Alpenraum noch nicht mit ausreichend Schnee für ein paar Hüftschwünge auf den Pisten. Schon im letzten Winter 13/14 hatten die Skifahrer auf der Alpennordseite das Nachsehen - während die Alpensüdseite im Schnee erstickte. Aktuell steht dasselber Wetterphänomen für den Winter 14/15 schon wieder an: Auf der Alpensüdseite gehen derzeit enorme Regen- wie Schneemengen nieder!

Interessierten Beobachtern des hiesigen Wettergeschehens ist es bereits im vergangenen Winter aufgefallen: Die überproportionale Häufung von sogenannten Südlagen, bei denen Luftmassen subtropischen Ursprungs gen Norden verfrachtet werden und in bzw. an den Alpen für krasse Wettergegensätze auf einer vergleichsweise kleinen Strecke sorgen. So wurde im Winter 2013/14 die Alpensüdseite mit meterhohen Schneemassen "zugeschüttet", während die Skifahrer auf der Nordseite teilweise froh sein konnten, überhaupt ein paar Schwünge ansetzen zu können.

Ob sich dieses Szenario im bevorstehenden Winter wiederholen wird, vermag niemand zu sagen. Tatsache ist aber, dass sich auch der laufende Herbst durch wiederholte Südlagen auszeichnet, als wolle uns die Atmosphäre sagen "seht her, wenn sich erst mal eine bestimmte Strömungskonfiguration eingestellt hat, dann bleibt es für einige Zeit dabei". Wie lange diese Zeit dauern wird, ist wie gesagt offen, gleichwohl dürfte es einige eingefleischte Pessimisten unter den Winterfans hier vor Ort geben, die die aktuelle Wetterlage auch auf den kommenden Winter projizieren und damit eine erneute Schneearmut am nördlichen Alpenrand sowie in den Mittelgebirgen ableiten. Nun, der Verfasser beteiligt sich schon von Berufs wegen nicht an solchen Spekulationen, sondern möchte an dieser Stelle die aktuelle Situation etwas genauer durchleuchten. Seit vergangenem Sonntag fällt nämlich südlich der Alpen, vor allem direkt am Südhang des Gebirges, dauerhafter und vielfach ergiebiger Niederschlag, während auf der Alpennordseite Föhn, Sonne und (November-)Wärme das Thema sind.

Das Prinzip einer solchen Wetterlage ist aber eigentlich immer das gleiche. Während über dem nahen östlichen Nordatlantik (also knapp westlich des europäischen Kontinents) tiefer Luftdruck herrscht, befindet sich über Ost-, teils auch über Nordeuropa ein Hochdruckgebiet. In Folge dieser Konstellation stellt sich über dem Süden und der Mitte Europas eine südliche Strömung ein, die über das Mittelmeer streicht und dabei reichlich Wasserdampf aufnimmt (aktuelle Oberflächentemperatur um 20°C). Trifft diese Luftmasse dann auf die weitgehend west-ost-exponierten Alpen, wird sie zum Aufsteigen gezwungen, was wiederum Wolken- und Niederschlagsbildung zur Folge hat. Im Norden der Alpen kommt davon nicht mehr viel oder gar nichts an, dort ist dann die Luft trocken und nicht selten warm. 

Kommen wir zur aktuellen Bilanz. In den vergangenen drei Tagen kam es vor allem in Teilen Südfrankreichs und Norditaliens sowie in der Südschweiz zu andauernden und kräftigen Regenfällen, die teilweise noch durch Gewitter verstärkt wurden. Entsprechend gab und gibt es Überschwemmungen, aber auch die Gefahr von Erdrutschen, Schlammlawinen oder Murenabgängen ist ziemlich hoch.Aufsummiert über die vergangenen drei Tage kamen z.B. in der Südschweiz, vor allem im Tessin an vielen Orten bis 200 Liter pro Quadratmeter (l/qm) Niederschlag zusammen, örtlich sogar noch etwas darüber. Die Schneefallgrenze lag dabei mit meist 1700 bis 2000 m ziemlich hoch. An der knapp 1900 m hoch gelegenen Station Robiei wurden in 72 Stunden 240 l/qm Niederschlag registriert, im gerade mal 420 m hoch gelegenen Cevio (knapp 20 km nordwestlich von Locarno) waren es 187 l/qm. Locarno selbst kam am Flughafen Monti (366 m) auf 139 l/qm, Lugano (rund 270 m) auf 114 l/qm und Stabio (rund 350 m) im Südzipfel des Tessins auf 141 l/qm (siehe auch Grafik, rechts unter Thema des Tages auf [mehr] klicken). Am Lago Maggiore beispielsweise herrscht die höchste Gefahrenstufe für Überschwemmungsgefahr (mehr zu den Verhältnissen in der Schweiz finden Sie bei den Kollegen des Schweizer Wetterdienstes unter meteoschweiz.ch unter den Rubriken "Aktuelles" oder "Tagesaktualität"). Imposant ist auch die Regensumme der ligurischen Metropole Genua, wo seit Sonntagabend etwa 290 l/qm gefallen sind (interpolierte Menge, da ein 12-stündiger Messwert fehlt).

Während es südlich der Alpen also teilweise "Land unter" zu vermelden gab, litt der eine oder andere auf der Nordseite des Gebirges möglicherweise unter Kopfschmerzen. Kräftiger Südföhn sorgte nämlich nicht nur für schweren Sturm oder Orkanböen auf einigen Alpengipfeln, sondern auch für trockene Luft, Sonnenschein und hohe Temperaturen. Unmittelbar am deutschen Alpenrand stieg die Temperatur am Dienstag auf über 15°C, in Oberstdorf offiziell sogar auf 20,1°C. Dagegen wurden rund um München nur 8 oder 9°C registriert. 

Im Laufe des heutigen Mittwochs bricht der Föhn allmählich zusammen und auch die Stauniederschläge im Süden verlagern sich unter Abschwächung langsam nach Osten. Am Donnerstag und teils auch noch am Freitag stellt sich eine Niederschlagspause ein, bevor zum Samstag hin neue kräftige Regenfälle (in höheren Lagen Schneefälle) auf der Karte stehen. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

11.11.2014

"Ich geh mit meiner Laterne..." bei Wolken, Föhn und Wärme

Beim Martinsumzug heute Abend müssen sich die Laternengänger nicht dick verpackt & vermummt auf den Weg machen. Auch die Narren am Rhein werden nicht zu sehr mit den Zähnen klappern müssen - es ist schlicht "für die Jahreszeit" viel zu warm...
Beim Martinsumzug heute Abend müssen sich die Laternengänger nicht dick verpackt & vermummt auf den Weg machen. Auch die Narren am Rhein werden nicht zu sehr mit den Zähnen klappern müssen - es ist schlicht "für die Jahreszeit" viel zu warm...

Zum 11. November eines jeden Jahres gibt es sehr unterschiedliche Assoziationen: Viele Menschen denken wahrscheinlich als erstes an Sankt-Martins-Umzüge mit Laternen, an das Martinsgansessen oder auch an Martinssingen. Mit diesen Bräuchen wird in vielen Orten Mitteleuropas der Festtag des Heiligen Martin von Tours gefeiert.

In den Karnevalshochburgen am Rhein wird dem heutigen 11.11 aber aus einem ganz anderen Grund entgegengefiebert, denn um 11 Uhr 11 beginnt dort die "Fünfte Jahreszeit" und dann heißt es wieder: die Narren sind los!

Die Meteorologen und Wetterinteressierten denken vielleicht auch an den sogenannten "Martinssommer" - eine in Mitteleuropa in vielen Jahren vorkommende Schönwetterperiode um den 11. November, in der es für die Jahreszeit zu mild ist. Oft ist das der letzte markante Warmluftvorstoß vor der kalten Jahreszeit. Trifft der Martinssommer auch dieses Jahr zu? Oder muss das knappe Samba-Röckchen heute doch lieber durch ein flauschiges Bärenfell-Kostüm ersetzt werden? 

Die erste Frage ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Ein typischer Martinssommer wird durch ein Hochdruckgebiet über Mittel- oder Osteuropa verursacht, wodurch warme Luft aus südlichen Breiten nach Deutschland geführt wird. Derzeit hat sich zwar ein Hochdruckgebiet über Osteuropa aufgebaut, das auch milde Luft aus dem Süden zu uns lenkt, allerdings kann man nicht von einer stabilen Schönwetterperiode reden. Es ziehen nämlich immer wieder atlantische Tiefdruckgebiete von West nach Ost über Nordeuropa hinweg und beeinflussen mit ihren Fronten das Wetter in Deutschland. Dadurch ist der Charakter des Wetters in diesen Tagen eher wechselhaft.

Am heutigen Dienstag bleibt es aber bis auf ein paar Regentropfen ganz im Westen immerhin trocken, sodass ein Regenschirm (ob nun als Schutz für Laterne oder Kostüm) meist überflüssig ist. Sonnenschein kann sich trotzdem nicht überall durchsetzen: Meist überwiegen heute die Wolken am Himmel, die besten Chancen auf blauen Himmel haben der Nordwesten Deutschlands, der Alpenrand wie auch weite Teile Österreichs. 

Um noch einmal auf die Kleiderfrage zurückzukommen: Mit dicken Handschuhen brauchen die Kinder ihre Laternen heute nicht zu halten: Die Thermometer klettern am Nachmittag auf 8 bis 14 Grad, am Alpenrand dürfen sich Kinder und Jecken gleichermaßen dank des Föhneffekts sogar über Werte um 17 Grad freuen.

Wer jedoch gedenkt, bis tief in die Nacht hinein unter freiem Himmel zu verweilen, sollte eine warme Jacke mitnehmen. Denn während Tief STEPHANIE auf dem Atlantik mit dem nächsten Tiefausläufer näher rückt, sinkt die Temperatur in den Frühstunden des Mittwochs auf 9 bis frische 2 Grad ab.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

10.11.2014

Wann wird es endlich wieder Winter?

Die "Tür steht offen" für den Winter mit Frost und Schnee - doch heuer lässt er sich wohl noch etwas Zeit. Während in den Alpen der erste Schnee für gewöhnlich im Oktober fällt (und heuer ja auch schon gekommen ist), muss man an der Nordseeküste mit Pech bis zum Januar auf den "ersten Schnee" warten.
Die "Tür steht offen" für den Winter mit Frost und Schnee - doch heuer lässt er sich wohl noch etwas Zeit. Während in den Alpen der erste Schnee für gewöhnlich im Oktober fällt (und heuer ja auch schon gekommen ist), muss man an der Nordseeküste mit Pech bis zum Januar auf den "ersten Schnee" warten.

So fragt sich sicher ein wohl nur geringer Prozentsatz unserer Leser. Aber wie sollte es eigentlich sein?

Frost zumindest ist in einem November nichts Ungewöhnliches. Am Monatsanfang hatten gut ein Viertel unserer Stationen schon mal Frost, um den 10. November sind es bereits gut drei Viertel. Im gesamten Monat haben wir nur von der Greifswalder Oie, einer kleinen Insel in der Ostsee südöstlich von Rügen, noch niemals eine Frostmeldung bekommen.

Und ab wann liegt Schnee? 

Etwa einmal alle 10 Jahre haben wir die erste geschlossene Schneedecke Mitte September in den Alpen und auf den Gipfellagen des Bayerischen Waldes. Im Laufe des Oktobers gesellen sich die höheren Mittelgebirgslagen, die Voralpen bis in den Münchner Raum und die Schwäbische Alb dazu. Bis zum 10. November alle Mittelgebirgslagen und bis zum 20. November liegt dann der größte Teil des übrigen Deutschlands unter frühem Schnee. Ausgenommen davon ist im Wesentlichen das Rheintal, der äußerste Norden und Nordwesten und die Ostseeküste südlich von Rügen, wo es dann frühestens Anfang Dezember schneit.

Im Mittel allerdings ist die erste Schneedecke erst später zu erwarten. Bis zum 10. November finden wir sie nur auf den Gipfellagen der Mittelgebirge östlich des Rheins und in den Alpen. Bis Ende November sind die Mittelgebirgslagen auch westlich des Rheins und die hoch gelegenen Niederungen Süddeutschlands wie zum Beispiel das Donautal an der Reihe. Anfang Dezember liegt normalerweise, abgesehen vom Rheintal, die erste Schneedecke südöstlich einer Linie Kiel Aachen.Zuletzt erreicht der Schnee Friesland nördlich von Emden. Dort hat man im langjährigen Mittel bis Mitte Januar Zeit, sich auf eine Schneedecke vorzubereiten.

In der Realität kommt die erste Schneedecke etwas früher als es die Statistik feststellt. Grund dafür ist das Messverfahren. Die Schneedecke wird morgens um 7 Uhr festgestellt. Wenn der Schnee nach 7 Uhr des Vortages fiel und bis zum aktuellen Beobachtungstermin geschmolzen ist, taucht er in der Statistik nicht auf und geht daher in die Extrem- und Mittelwerte der ersten Schneedecke überhaupt nicht ein.

Und wie sieht es in diesem Jahr aus? 

Der erste Schnee auf den Gipfellagen lag am 21. Oktober, was dort ziemlich genau dem Erwartungswert entspricht. Auch am Alpenrand lag der erste Schnee "pünktlich" am ersten Novemberwochenende. Wenn das so normal weiter geht, dann können Sie mit der obigen Darstellung über das mittlere Eintreffen der ersten Schneedecke feststellen, ab wann Sie sich auf eine weiße Winterlandschaft "freuen" können.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

07.11.2014

Reif für den Winter

Unser Foto zeigt Raureif, wie er durch Nebel bei frostigen Temperaturen an Pflanzen wie Ästen auftreten kann und bizarre Kunstwerke aus Eis entstehen.
Unser Foto zeigt Raureif, wie er durch Nebel bei frostigen Temperaturen an Pflanzen wie Ästen auftreten kann und bizarre Kunstwerke aus Eis entstehen.

Wer heute schon früh aus dem Haus musste, wird sich vielleicht sehnlichst wieder zurück ins warme Bett gewünscht haben. Denn vielerorts war es ganz schön frisch, in der Mitte und im Süden Deutschlands wurden Lufttemperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, vereinzelt auch darunter gemessen.

Die Autofahrer hatten aber neben einer kalten Nase noch mit anderen Tücken zu kämpfen: Zum einen führten Reifablagerungen vereinzelt zu glatten Straßen. Der ein oder andere mag sich jetzt vielleicht fragen: Wie kann das passieren, obwohl es am gestrigen Tag doch gar nicht geregnet hat?

Der Grund dafür ist recht einfach: Wenn in kalten Nächten die Temperatur unter null Grad liegt und weiter absinkt, kann die Luft ab einer bestimmten Temperatur die Feuchtigkeit nicht mehr halten und der Wasserdampf gefriert (Resublimation). Diese Eisablagerung auf trockenen Straßen führt also zur Reifglätte. Besonders anfällig sind derzeit Brücken, da sie nicht vom warmen Erdboden geschützt, sondern gänzlich von der kalten Luft umgeben sind und so schneller auskühlen.

Verbreiteter war aber nicht Reif das Problem, sondern Nebel. Darin herrschten heute früh mancherorts so schlechte Sichten, dass Nebelscheinwerfer und/oder Nebelschlussleuchten zum Einsatz kommen mussten. Vielleicht ist dem ein oder anderen schon einmal aufgefallen, dass im Scheinwerferlicht gut die flüssigen Tröpfchen im Nebel zu erkennen sind. Wenn diese unterkühlten Wassertropfen vom Wind an ein Hindernis geweht werden, frieren sie dort auf der Stelle an (man sagt dazu auch "spontanes Gefrieren"). Das Ergebnis ist Raureif. Dieser wächst übrigens in die Richtung, aus der der Wind kommt. 

Wer morgens kleine, klare Eiströpfchen auf der Autoscheibe sieht, hat es meist mit gefrorenem Tau zu tun. Tau entsteht ähnlich wie Reif, nur liegt die Lufttemperatur dabei über dem Gefrierpunkt, sodass sich der Wasserdampf in Tröpfchen umwandelt und nicht direkt in Eis. (Kleine Anmerkung: Reif kann also als "kalter Bruder des Taus" angesehen werden). Sinkt die Temperatur im Laufe der Nacht unter den Gefrierpunkt, gefrieren die flüssigen Tautröpfchen.

Eindeutig zu unterscheiden von den oben genannten Ablagerungen ist gefrierender Regen. Wenn warme Regentropfen auf eine kalte Oberfläche treffen und gefrieren, ist oft ein dicker Eisfilm die Folge. In einem solchen Fall sollte man sich über das Scheibenkratzen keine Gedanken machen - besser lässt man das Auto wegen der erhöhten Glättegefahr gleich stehen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

06.11.2014

Winter 2014/15: Wann wird es "richtig" kalt?

Die junge Generation wird langsam ungeduldig: wann kommt der erste Schnee? Wie in unserem „Bild des Tages“ vom 28. Oktober 2012, als es bereits bis runter ins Flachland weiss wurde... doch davon sind wir in diesem Jahr weit weg, ein Ende der Wärmephase ist nicht zu sehen.
Die junge Generation wird langsam ungeduldig: wann kommt der erste Schnee? Wie in unserem „Bild des Tages“ vom 28. Oktober 2012, als es bereits bis runter ins Flachland weiss wurde... doch davon sind wir in diesem Jahr weit weg, ein Ende der Wärmephase ist nicht zu sehen.

Bereits der September 2014 war in Deutschland um 1,6 Grad wärmer als das Mittel der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Oktober 2014 wurde dann sogar ein Temperaturplus von 2,9 Grad erzielt. Der aktuelle November setzte in den ersten 5 Tagen des Monats noch einen drauf: Sagenhafte 6,5 Grad beträgt die positive Abweichung! Von Frost, Kälte und Schnee fehlt dagegen (wenn man sich nicht gerade in Lagen über 600 oder 800 m Höhe befindet) in diesem Herbst bisher fast jede Spur. Stellt sich die Frage, wann er denn kommt, der erste "richtige" Kaltlufteinbruch des Herbstes?

Ein kurzer Blick auf ganz Europa zeigt, wo sich der Winter "versteckt" hat: In Teilen Skandinaviens und im nördlichen sowie nordöstlichen Russland hat er tatsächlich Einzug gehalten! Dort gibt es aktuell Dauerfrost und gebietsweise eine geschlossene Schneedecke. Am höchsten lag der Schnee am heutigen Donnerstagmorgen mit bis zu 30 cm im nordnorwegischen Lyngen. Auch sonst ist von Nordnorwegen über Nordfinnland bis nach Nordrussland häufig eine 5 bis 25 cm hohe Schneedecke anzutreffen. Aber auch in unserer Nähe gibt es schon Schneepanoramen bei frostigen Temperaturen, nämlich in den höheren Lagen der Alpen.

Um die Kälte aus nördlichen bzw. nordöstlichen Gefilden anzuzapfen, müsste sich die seit Wochen eingefahrene Großwetterlage jedoch komplett ändern. So dominierten in Mitteleuropa seit September fast ausschließlich Wetterlagen mit westlichen, südwestlichen oder südlichen Strömungen. Auf diesem Weg fanden immer wieder milde bis warme Luftmassen den Weg zu uns. Auf der anderen Seite gab es kaum Tage, an denen Ost- oder Nordwind Kälte zu uns brachte.

Am heutigen Donnerstag gelangt zwar vorübergehend mal etwas kühlere Meeresluft von der Nordsee zu uns, bei Tageshöchstwerten von 4 bis 11Grad sind wir - abgesehen von höheren Lagen am Alpenrand - aber weiterhin weit entfernt von winterlichen Wettererscheinungen. Immerhin sinkt die Temperatur in der kommenden Nacht deutlicher ab als in den Nächten zuvor, sodass bei längerem Aufklaren stellenweise leichter Frost oder gebietsweise zumindest Frost in Bodennähe auftreten kann. Am Wochenende steigt die Temperatur tagsüber dann schon meist wieder auf zweistellige Werte, nachts gibt es nur noch vereinzelt Frost oder Frost in Bodennähe. Damit bleibt der Winter bis auf Weiteres auf Distanz zu uns.

Ein Blick in die Mittelfristkarten zeigt, dass die "Chancen" auf Winterwetter in Deutschland weiterhin nur marginal sind. Eine komplette Änderung der Großwetterlage scheint sich nicht durchzusetzen. Zwar werden die Vorhersagen zum Ende des Vorhersagezeitraums hin unsicherer, die meisten Wettermodelle zeigen aber eben keinen Wintereinbruch an. Winterwetterfans können sich also zurzeit kaum Hoffnungen machen. Im "schlimmsten" Fall hält sich das Wetter sogar an die für den heutigen Tag gültige Bauernregel: "Wie's Wetter an Leonhardi (6. November) ist, bleibt's bis Weihnachten gewiss".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

05.11.2014

Wenn der Föhn aus den Alpen heraus bläst

"Föhnfische" über den Bergen in den Alpen. Der Föhn sorgte am Dienstag in München für knapp 23 Grad sonnige Wärme, auf der Alpensüdseite hingegen gab (und gibt es noch) prasselnden Dauerregen bzw. Schneefall im Hochgebirge.
"Föhnfische" über den Bergen in den Alpen. Der Föhn sorgte am Dienstag in München für knapp 23 Grad sonnige Wärme, auf der Alpensüdseite hingegen gab (und gibt es noch) prasselnden Dauerregen bzw. Schneefall im Hochgebirge.

Während in Teilen Deutschlands recht ruhiges Wetter herrscht, schlägt das Wetter in den Alpen derzeit größere Kapriolen. Im Tessin gab es kräftigen Niederschlag mit Mengen von bis zu 160 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden. Am Alpennordrand schien derweil bei Temperaturen von bis zu 23 °C (München) verbreitet die Sonne. Jedoch kam es am Alpennordrand zu schweren Sturmböen und auf den Alpengipfeln sogar zu Orkanböen. Auf der Zugspitze wurden beispielsweise Spitzenböen von 173 km/h gemessen. Die Ursache für diese hohen Windgeschwindigkeiten war der Föhn. Vorderseitig eines Tiefdruckkomplexes, der von Südfrankreich bis nach Skandinavien reichte, wurde mit einer kräftigen südlichen Strömung feuchte Mittelmeerluft gegen den Alpensüdrand geführt, wodurch es dort zu kräftigen Stauniederschlägen kam und sich eine typische Föhnlage einstellte.

Doch was genau ist "Föhn"? Nach der Definition der Weltmeteorologischen Organisation (WMO) ist Föhn " in der Regel ein Wind auf der Leeseite eines Gebirges, der beim Abstieg eine Erwärmung und Trocknung erfährt."

Wie entsteht eigentlich Föhn? Dazu gibt es mehrere Theorien. In den meisten Lehrbüchern findet man noch die "thermodynamische Föhntheorie", die auch als "Schweizer Föhntheorie" bezeichnet wird. Nach dieser Theorie staut sich die Luft an der Luvseite und wird zum Aufsteigen gezwungen, wodurch sich Wolken und Niederschlag bilden. Durch die Niederschlagsbildung wird Kondensationswärme frei, die die Luft erwärmt. Beim Aufsteigen der Luft verringert sich die Abkühlung somit auf nur noch etwa 0,65 Grad pro 100 m. Auf der Leeseite sinkt dann diese Luft ab und erwärmt sich trockenadiabatisch mit 1 Grad pro 100 m. Somit kommt die Luft auf der Leeseite wärmer an. Durch den warmen Fallwind lösen sich zudem die Wolken auf. Das Problem an dieser Theorie ist, dass Niederschlag auf der Luvseite nötig ist. Jedoch tritt Föhn auch häufig ohne Niederschlag auf. Des Weiteren wird der Grund für das Absinken der Warmluft auf der Leeseite, was zu Sturmböen führen kann, nicht erklärt, denn dynamische Prozesse fehlen in dieser Theorie.

Eine modernere Erklärung liefert die sogenannte "hydraulische Föhntheorie". Vereinfacht dargestellt bleibt bei dieser Theorie die anströmende Luft im Luv des Gebirges liegen und bildet so eine Art "Kaltluftsee". Die Föhnluft im Lee kommt aus darüber liegenden Luftschichten aus einer Höhe von 2000 m - 4000 m. Sie ist gegenüber der "Oberfläche" des "Kaltluftsees" wärmer und trockener und fließt über den Kamm. Dort "stürzt" die Luft auf der Leeseite "hinunter" und erwärmt sich dabei um 1 Grad pro 100 m. Vereinfacht kann man sich diesen Prozess als Wasser vorstellen, das über ein Wehr fließt. Dabei wird die potenzielle Energie (Lageenergie aufgrund der Höhenlage) der Luft in kinetische Energie (Bewegungsenergie) umgewandelt, wodurch es zu einer Beschleunigung der Luft kommt. Zur Entwicklung der starken Winde tragen auch weitere Effekte, wie das Durchströmen von engen Gebirgspässen sowie Talformen, Turbulenzen usw. bei. So wirkt sich der Föhn in jedem Tal unterschiedlich aus. Schwierig für die Vorhersage ist, wann sich der Föhn gegenüber der häufig vorhandenen bodennahen Kaltluftschicht im Lee durchsetzen kann und wann er zusammenbricht. Oft gibt es bei Föhnlagen Temperaturunterschiede von 10 Grad auf engstem Raum.

Derzeit treten auf exponierten Alpengipfel noch Orkanböen auf, doch im Laufe des Tages wird der Föhn auch an den Ostalpen zusammenbrechen. Eine Kaltfront bringt dann kräftigen Regen, der im Laufe der Nacht am Alpennordrand ab etwa 800 m in Schnee übergeht.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

04.11.2014

Enorme Regensummen am Alpensüdrand und in Ligurien erwartet

Im Tessin (im Bild der Comer See) werden bis morgen bis zu 300 Liter Regen und Schnee pro Quadratmeter erwartet.
Im Tessin (im Bild der Comer See) werden bis morgen bis zu 300 Liter Regen und Schnee pro Quadratmeter erwartet.

Zwar fällt auch im Südwesten Deutschlands gebietsweise etwas mehr Regen. Diese Mengen sind aber rein gar nichts im Vergleich zu den Niederschlagssummen die heute und am Mittwoch von der ligurischen Küste bis zum Alpensüdrand fallen sollen. Wodurch werden diese heftigen Niederschläge ausgelöst und was kommt auf die Gebiete zu? Darum soll es im heutigen Thema des Tages gehen.

Um zu verstehen, wie es zu den Regenmassen kommen kann, hilft zunächst ein Blick auf die aktuelle Großwetterlage. So erstreckt sich tiefer Luftdruck von Spanien über Frankreich und die Britischen Inseln bis nach Skandinavien. Demgegenüber befindet sich vom östlichen Mittelmeerraum, über das Schwarze Meer bis nach Westrussland hoher Luftdruck. Diese Druckverteilung hat zu Folge, dass sich über Mitteleuropa und auch in den betroffenen Gebieten eine kräftige südwestliche Strömung einstellt.

Die Luftmassen, die für die Niederschläge sorgen, haben also ihren Ursprung über dem westlichen Mittelmeerraum. Schaut man sich die Wassertemperaturen in diesem Gebiet an, so findet man Werte im Bereich zwischen 20 und 22 Grad. Traditionell hat der Mittelmeerraum Ende des Sommers bis in den Herbst hinein die höchsten Wassertemperaturen. Dadurch ist die Luft, die über das Mittelmeer strömt, warm und kann sich mit viel Wasserdampf anreichern.

Diese wasserdampfreichen Luftmassen werden nun mit der kräftigen südwestlichen Strömung über den Golf von Genua zur ligurischen Mittelmeerküste gelenkt. Dort gibt es aber ein Problem: Kurz hinter der Küste befindet sich nämlich eine Gebirgskette, die zu den Apenninen gehört - die Ligurische Apenninen. Seine höchste Erhebung reicht bis 1800 m. Die feuchte Luft prallt also mit voller Kraft gegen das Gebirgshindernis, das wie eine Barriere wirkt. Da es kein richtiges Weiterkommen gibt, wird ein Teil der Feuchtigkeit an der Gebirgskette wie ein Schwamm ausgepresst. Da gleichzeitig der Zustrom aus Südwesten beständig anhält und zudem und noch Gewitter eingelagert sind, können sich in den küstennahen Gebieten große Regenmengen entladen.

Das gleiche passiert auch noch etwas weiter nördlich. Dort liegt eine noch viel mächtigere Gebirgskette - die Alpen. Direkt hinter dem Ligurischen Apennin gibt es zunächst ein Niederschlagsminimum, sodass in der Poebene kaum nennenswerte Niederschlagsmengen erreicht werden. An den zum Teil über 4000 m hohen Alpen stauen sich die Luftmassen aber erneut und haben nun kaum noch eine Chance daran vorbei zukommen. Die Folge ist, dass nun auch noch der Rest der in Luft vorhandenen Feuchtigkeit komplett in Wolken und Regen verwandelt werden, sodass enorme Stauniederschläge zustande kommen. Dies gilt am heutigen Dienstag vor allem für die Westalpen, am morgigen Mittwoch etwas abgeschwächt auch für die weiter östlich gelegenen Gebiete.

Am Alpennordrand sorgt die Konstellation übrigens für fast sommerliche Gefühle. Wenn die Luft über die Alpen strömt ist sie mittlerweile ziemlich trocken und kann sich dadurch, wenn sie auf der Nordseite wieder herunter strömt, rasch erwärmen. So lag die Temperatur am Bodensee bereits in den Frühstunden bei 19 Grad.

Zurück zu dem Niederschlagsereignis. Wieviel Niederschlag ist nun eigentlich zu erwarten. Die verschiedenen Modelle bringen recht einheitlich sehr hohe Mengen. Diese liegen in Ligurien und an den Westalpen bis Mittwochmorgen zwischen 150 und 300 l/qm in 24 h. Lokal ist sicherlich auch noch etwas mehr möglich. Damit man sich eine Vorstellung machen kann hier mal ein kleiner Vergleich: In Berlin liegt die durchschnittliche Jahressumme (!) des Niederschlags bei 600 l/qm. In den angesprochenen Gebieten wird also vereinzelt die Hälfte dieser Menge innerhalb eines Tages erreicht. Zur Veranschaulichung hat der DWD eine Prognosekarte online gestellt.

Es ist jetzt schon absehbar, dass dies nicht ohne Folgen bleiben wird. Das kann man sich auch leicht vorstellen, wenn man sich auszumalen versucht, wie diese Regenmassen über Flüsse wieder zum Meer transportiert werden sollen. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass die Schneefallgrenze ziemlich hoch liegt (meist zwischen 1500 und 2000 m). Dadurch ist auch kaum Entlastung durch eine eventuelle Bindung des Flüssigwassers in die feste Phase zu erwarten.

Es kommen also einige schwere Stunden für die Bewohner der betroffenen Gebiete zu, während sich am Alpennordrand vielleicht der eine oder andere bei Sonne und Wärme am Nachmittag ein frisches Getränk genehmigen wird.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

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03.11.2014

Wenn Böhmen die Luft ablässt...

Von Dresden aus geht der Elberadweg Richtung Sächsische Schweiz bzw. Böhmen. Doch wer heute nach Süden fährt, muss sich auf einen kräftigen Gegenwind einstellen.
Von Dresden aus geht der Elberadweg Richtung Sächsische Schweiz bzw. Böhmen. Doch wer heute nach Süden fährt, muss sich auf einen kräftigen Gegenwind einstellen.

Wer am heutigen Montag von Dresden aus in der Sächsischen Schweiz mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg die schöne Landschaft erkunden möchte, der sollte lieber erst einmal mit dem Zug bis nach Tschechien fahren und von dort aus wieder nach Deutschland mit dem Rad. Nur so bleiben dem geneigten Radfahrer wohl Flüche wegen des steten Gegenwindes erspart, denn der Böhmische Wind weht wieder. 

Beim Böhmischen Wind, der in Bayern auch Böhmwind genannt wird, handelt es sich um ein regionales Windsystem. Eine Vorbedingung für seine Entstehung ist ein nahezu ortsfestes Hochdruckgebiet über dem östlichen Mitteleuropa, in dem die Luft großräumig absinkt. Im Böhmischen Becken herrscht dann höherer Luftdruck als westlich davon. Zudem bildet sich im Winterhalbjahr im Einflussbereich des Hochs oft eine über mehrere Tage anhaltende Inversion (stabile Schichtung der Atmosphäre, bei der die Temperatur mit der Höhe zunimmt), sodass sich das Böhmische Becken mit einer etwa 800 bis 1000 Meter mächtigen Kaltluftschicht anfüllen kann. Aufgrund der Tatsache, dass kalte Luft schwerer ist als warme, sinkt sie zu Boden. Daher bildet sich dort ein kleinräumiges Kältehoch. Die nun vor Ort lagernde Kaltluft neigt wegen des fehlenden Austauschs mit darüber liegenden Luftschichten außerdem noch zu Nebel- und Hochnebelbildung. Ins angrenzende Sachsen und Bayern kann sie sich aufgrund der Orografie nicht ausbreiten. Nicht nur, aber auch dadurch, herrscht in Sachsen und Bayern aber relativ gesehen niedrigerer Luftdruck. Nun ist die Natur bestrebt, diese Unterschiede auszugleichen, was durch Wind geschieht, welcher bekanntlich vom hohen zum tiefen Luftdruck weht. Jedoch behindern die Randgebirge, durch die Böhmen von drei Seiten umgeben ist, diesen Ausgleich. Dieser ist nur auf zwei verschiedenen Wegen möglich: 

Einerseits kann die Inversionsobergrenze etwas höher liegen als die Kammlagen des Osterzgebirges. Dann schwappt die Kaltluft über die Kammlagen, wo sie für eine ziemlich dicke "Nebelsuppe" sorgt. Die Kaltluft, die über den Kamm streicht, weht als Fallwind in die Täler. Weiter westlich ist das Erzgebirge höher, weshalb dort die Kamm- und Gipfellagen wolkenfrei und wärmer sind. Andererseits kann die Kaltluft auch bei niedrigerer Inversionsobergrenze direkt in die Durchbruchtäler als kalter Fallwind abfließen. Der Wind wird in den Durchbruchstälern durch Kanalisationseffekte noch verstärkt. Aufgrund des Gefälles fließt die Kaltluft im Tal selbst immer schneller, sodass Sturmböen, teilweise sogar schadensträchtige Orkanböen, auftreten können. Im Winter können sich daher bei vorhandener Schneedecke innerhalb kurzer Zeit hohe Schneeverwehungen bilden. Außerdem liegen die Temperaturen im Elbtal aufgrund der einfließenden Kaltluft deutlich niedriger als im Umland, im Winter herrscht oft Dauerfrost.

Besonders betroffen vom Böhmischen Wind sind in Ostbayern die Täler mit einer Ost-West-Ausrichtung, in Sachsen die mit einer Ausrichtung Südost-Nordwest (bspw. Elbe) bzw. Süd-Nord (Spree, Neiße). Die Ausgleichströmung hält so lange an, wie über dem Böhmischen Becken höherer Luftdruck herrscht, was im Winter mitunter ein bis drei Wochen dauern kann. Oft haben heranziehende Warmfronten nicht die nötige Kraft, die lagernde Kaltluft auszuräumen. Erst eine Durchmischung, wie sie beispielsweise durch eine kräftige Kaltfront verursacht wird, bringt den Böhmischen Wind zum Erliegen. 

Wie eingangs erwähnt, sollte der "Elberadler" derzeit die richtige Fahrtrichtung wählen. Der Böhmische Wind wird in Ostsachsen aus jetziger Sicht wohl bis zum Mittwochvormittag anhalten. Dabei werden zunächst Windböen bis 60 km/h erwartet, später sind stürmische Böen bis 75 km/h nicht ausgeschlossen. Lichtenhain-Mittelndorf meldete heute Morgen bereits Böen von 58 km/h, Görlitz von 54 km/h.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

31.10.2014

Gruselwetter mit Schönheitsfehlern! - Eher "Halloween-" oder doch mehr Reformationstag?

Die Tradition der "Kürbis-Gestaltung" am 31. Oktober stammt nicht aus den USA sondern aus Irland. Dass es heute Abend aber "Süßes oder Saures" geben soll, ist ein Import aus den USA...
Die Tradition der "Kürbis-Gestaltung" am 31. Oktober stammt nicht aus den USA sondern aus Irland. Dass es heute Abend aber "Süßes oder Saures" geben soll, ist ein Import aus den USA...

Halloween benennt die Volksbräuche am Abend und in der Nacht vor dem "Hochfest" Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November. Entgegen der Meinung vieler stammt dieser Brauch nicht direkt aus den USA, sondern wurde ursprünglich in den katholisch gebliebenen Gebieten der Britischen Inseln gefeiert. Erst durch die irischen Einwanderer fanden diese den Weg über den Atlantik auf den amerikanischen Boden. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts fand "Halloween" wieder den Weg zurück. Bevor er jedoch bei den Kindern und Jugendlichen in Deutschland an Bekanntheit gewann, machte der Brauch in Frankreich Station. Auch die Sitte, Kürbisse zu verzieren und aufzustellen, hat den Ursprung in Irland. Die Kürbisse mit Ihren Fratzen sollten böse Geister abschrecken und im Eingangsbereich der Häuser etwas Licht spenden. Die Tradition, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und mit dem Spruch "Süßes oder Saures" die Bewohner auffordern ihnen Süßigkeiten zu geben, entwickelte sich jedoch in den USA. 

Die evangelischen Christen gedenken dagegen am 31. Oktober der Reformation durch Martin Luther. Dieser soll am Tag vor Allerheiligen im Jahre 1517 insgesamt 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen haben. Reformationsgottesdienste sollen meist am Abend des 31. Oktobers an die Geschehnisse erinnern.

Ob nun die Kinder und Jugendliche auf der Suche nach Süßigkeiten unterwegs sind, ältere Generationen zu Gruselpartys aufbrechen oder evangelisch Gläubige den Weg zur Kirche finden, sind doch alle Menschen zumindest indirekt auch vom Wetter abhängig. Doch wie wird es nun?

Zumindest tagsüber sorgt derzeit ein kräftiges Hochdruckgebiet "Quinn" nach zögerlicher Nebelauflösung in Teilen Deutschlands für freundliches und trockenes Herbstwetter. Jedoch ist die Nebel- oder Hochnebeldecke mancherorts so dick, dass es den ganzen Tag grau in grau bleibt. Die Temperaturen liegen bei Sonnenschein mit 13 bis 21 Grad für die Jahreszeit auf einem sehr milden Niveau. Lediglich im Dauernebel bleibt es mit Werten meist unter der 10-Grad-Marke deutlich kühler. In der Nacht auf den 1. November verdichtet sich der Nebel, zu Halloween passend, vielerorts wieder und sorgt für eine gespenstige Stimmung. Nachtschwärmer in der Mitte und im Süden sollten zudem auf ihrem Gruseltrip eine dickere Jacke anziehen. Während im Norden die Tiefstwerte bei 8 bis 12 liegen, kann die Temperatur in der Südhälfte vor allem bei zeitweiligem Aufklaren auf Werte zwischen 6 und 0 Grad absinken. 

Die Bewohner Irlands, wo ja wie beschrieben die Anfänge von "Halloween" zu finden sind, kommen, was das Wetter betrifft, noch etwas schlechter weg. Dort muss heute tagsüber mit leichtem Regen gerechnet werden, der in der Nacht dann einen schauerartigen Charakter annimmt. Da auch noch ein mäßiger bis starker Wind pfeift, muss dort die Jacke regen- und windfest sein. Bei Temperaturen um 10 Grad kann jedoch das Innenfell herausgenommen werden.

In Amerika können sich die Bewohner von der Ost- bis zur Westküste vielerorts über sonniges und trockenes Wetter freuen. Ausnahmen bilden der Nordwesten des Landes westlich der Rocky Mountains sowie die Regionen rund um die großen Seen. Dort kann es auch häufiger stärker bewölkt sein und zeitweise etwas regnen. An der Grenze zu Kanada können auch ein paar Schneeflocken fallen. Auch die Temperaturen von teilweise 0 Grad an der Grenze zu Kanada beim Lake Superior und 23 Grad in San Francisco zeigen ein herbstliches Temperaturniveau. Weiter südlich liegen die Temperaturen von Florida bis zur Grenze Mexikos mit Werten zwischen 23 und 34 Grad jedoch noch im hochsommerlichen Bereich. In der Nacht kann es jedoch stark auskühlen, sodass die Besucher von Abendveranstaltungen auch dort den Körper mit einer dicken Jacke schützen sollten. Lediglich südlich von San Francisco sowie an der Ostküste der USA, von Washington bis Miami, bleiben die Temperaturen bei Werten zwischen 10 und 20 Grad auch nachts im milden bis warmen Bereich, sodass ein Wärmeschutz nicht unbedingt notwendig ist. Doch überwiegen dort viele Wolken mit wiederholten Regenfällen und sorgen so für ein ungemütliches Schmuddelwetter. 

Ob nun in Deutschland, Irland oder der USA, ich wünsche allen ein schönes "Halloween" bzw. einen besinnlichen Reformationstag. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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28.10.2014

Turbulentes Wetter im Süden Norwegens und Schwedens

Während in Deutschland und Österreich die "Windhosen" auf "Halbmast" wehen, geht es in Skandinavien zur Zeit heftig zur Sache: In Südwestnorwegen wurden gestern bereits 191 km/h gemessen, auch die nächsten Tage bleibt es dort extrem stürmisch.
Während in Deutschland und Österreich die "Windhosen" auf "Halbmast" wehen, geht es in Skandinavien zur Zeit heftig zur Sache: In Südwestnorwegen wurden gestern bereits 191 km/h gemessen, auch die nächsten Tage bleibt es dort extrem stürmisch.

Das kräftige Hochdruckgebiet PITTER, das sich von Russland über Mitteleuropa bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt, sorgt auch am heutigen Dienstag in Deutschland für ruhiges Wetter. Teils dichte Bodennebel- oder Hochnebelfelder aber auch viel Sonnenschein bestimmen das Wettergeschehen und zaubern dem einen ein sonniges Lächeln aufs Gesicht oder sorgen bei dem anderen im Dauergrau des Nebels für eine eher gedrückte Stimmung. Weiter nördlich in Europa, genauer gesagt im Süden Schwedens und Norwegens gestaltet sich das Wetter bei Weitem nicht so zahm. In diesen Regionen prallen maritime Polarluft und maritime Subtropikluft aufeinander, die für eine üppige Palette an markanten  Wettererscheinungen sorgen.

Bereits seit mehreren Tagen kann man verfolgen, wie Luft tropischen Ursprungs aus dem Bereich der östlichen Karibik über den Nordatlantik in Richtung Europa geführt wird. Diese Luftmasse verlor auf ihrem langen Weg nach Osten zwar allmählich ihre tropischen Eigenschaften (sehr warm und sehr feucht), da sie die warmen Wassermassen der Tropen sukzessive verließ. Beim Erreichen des östlichen Atlantiks weist sie aber noch immer einen hohen Feuchtegehalt auf. Diese Luftmasse wird heute vorderseitig eines kräftigen Tiefdruckgebietes, das sich vom Europäischen Nordmeer bis in den östlichen Atlantik erstreckt, über Irland und Großbritannien hinweg auf direktem Wege nach Südnorwegen gelenkt. Dort trifft sie auf die Ausläufer des Skandinavischen Gebirges, wo es seit gestern wiederholt sehr kräftig geregnet hat (Takle mit 78 l/qm und Kvamskogen-Jonshogdi mit 80 l/qm Niederschlag im Südwesten Norwegens in einem Zeitraum von Montag 06 UTC bis Dienstag 06 UTC). Auch am heutigen Dienstag werden im Stau entlang der Südwestküste Norwegens anhaltende und kräftige Niederschläge erwartet, wobei die Wettermodelle Niederschlagsmengen von teils über 100 l/qm in 24 Stunden andeuten. Binnen 48 Stunden (also seit dem gestrigen Montag bis Mittwochfrüh) können somit regional über 200 l/qm Niederschlag fallen. Zwar ist diese Region viel Regen sicherlich gewöhnt (hier befindet sich auch die Stadt Bergen, eine der regenreichsten Großstädte Europas), aber solche Regenmengen in so kurzer Zeit dürften auch dort zu stark anschwellenden Flüssen und lokalen Überschwemmungen führen.

Dem bereits beschriebenen kräftigen Tiefdruckgebiet ORSOLYA steht dasebenso mächtige Hoch PITTER gegenüber. Beide Protagonisten schaufeln auch in den nächsten Tagen vereint Warmluft auf direktem Weg von Spanien und den Azoren über die Nordsee in Richtung Südschweden. Diese Luft ist vor allem sehr hochreichend warm, wobei in 1500 m Höhe über Meeresniveau die Temperatur verbreitet auf über 10 Grad Celsius ansteigt. Dies bedeutet in dieser Höhe eine positive Temperaturabweichung vom 30-jährigen klimatologischen Mittel (1985 bis 2014) um mehr als 10 Kelvin. Doch die Jahreszeit ist schon fortgeschritten und der Sonnenstand entsprechend niedrig, sodass bodennah nicht das ganze Ausmaß der Wärme gespürt wird (zum Vergleich: im Sommer könnte man bei solch hohen Temperaturen bodennah Maximalwerte von über 25 Grad Celsius erwarten). Doch auch so können die Bewohner Südschwedens einen für die Jahreszeit außergewöhnlich warmen Tag mit Temperaturmaxima von 12 bis 16 Grad Celsius genießen, örtlich sogar mehr. Hier zeigt der Herbst nochmals seine schöne und goldene Seite. Doch was haben diese angenehmen Temperaturen mit dem "turbulenten Wetter" zu tun? Auch sie spielen eine gewichtige Rolle.

Durch das Heranführen der sehr warmen Luft baut sich von der Nordsee über den Süden Norwegens und die Mitte Schwedens bis zum Bottnischen Meerbusen eine ausgeprägte Luftmassengrenze auf, da gleichzeitig vom Europäischen Nordmeer Polarluft südostwärts in Richtung Norwegen geführt wird. Teils betragen die Temperaturunterschiede in 1.5 km Höhe 15 Kelvin oder mehr entlang dieser Luftmassengrenze, die als Kaltfront ganz allmählich südostwärts wandern wird. Diese sorgt nicht nur für die bereits erwähnten heftigen Regenfälle in Südnorwegen, sondern geht auch mit einer sehr kräftigen Südwestströmung einher. Teils werden dabei von den Wettermodellen in einer Höhe von 1500 m über Meeresniveau Orkanböen (über 120 km/h, Bft 12) vorhergesagt. Dies wird auch durch Meldungen von gestern gestützt (z.B. Juvvasshoe [1893 m in Südwestnorwegen] mit 191 km/h). Somit kann man in den Bergregionen Südnorwegens bis Mittelschwedens weiterhin schwere Sturmböen, teils auch Orkanböen erwarten. Im Lee der Berge können diese Böen auch als Föhnsturm bis in tiefe Lagen durchgreifen und für entsprechende Schäden sorgen, aber auch lokal die Temperaturen noch weiter in die Höhe treiben. Erst in Richtung Südschweden schwächt sich der Wind allmählich ab, kann aber auch dort noch zeitweise  stürmisch auffrischen.

Die oben beschriebene Kaltfront wird sich im Verlauf der Nacht zum Mittwoch allmählich weiter südostwärts verlagern und ausgangs der Nacht den Westen Schwedens erreichen. Während rückseitig im Südwesten Norwegens der anhaltende Starkregen abklingt und bei markanter Abkühlung mehr und mehr in Schneeschauer übergeht, sorgen vorderseitig stürmischer Südwestwind und die warme Luftmasse erneut für eine außergewöhnlich warme Nacht im Süden Schwedens, wo an vielen Orten die Tiefsttemperatur nicht unter 10 Grad Celsius fallen wird. Normalerweise treten um diese Zeit bereits Nachtfröste auf. 

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass eben diese Kaltfront - wenn auch unter starker Abschwächung - im Verlauf des Mittwochs und Donnerstags auch unser Wetter in Deutschland beeinflussen wird, sodass man dann neben dem Wechsel aus Sonne und ausgedehnten Wolkenfeldern auch mit etwas Regen rechnen muss. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

27.10.2014

Ende des sonnigen Herbstes absehbar

Traumwetter in den Alpen mit 5 Grad plus selbst in 2000 Meter Höhe Ende Oktober. Allerdings geht das sonnige Herbstwetter Mitte dieser Woche wohl zu Ende, die letzten Oktobertage werden wieder Tiefausläufer aktiv.
Traumwetter in den Alpen mit 5 Grad plus selbst in 2000 Meter Höhe Ende Oktober. Allerdings geht das sonnige Herbstwetter Mitte dieser Woche wohl zu Ende, die letzten Oktobertage werden wieder Tiefausläufer aktiv.

Die ausgesprochenen sonnigen Herbsttage (Stichwort "Goldener Oktober") sind vorerst gezählt. Zunächst aber noch zu den freundlichen Tagen dieser Woche. Das sind genauer gesagt der heutige Montag und der morgige Dienstag. Was bringt uns denn eigentlich diesen freundlichen Wetterabschnitt? Dazu müssen wir einen Blick in Richtung Osten werfen, denn dort befindet sich Hoch PITTER. Sein Zentrum mit einem Luftdruck von etwa 1042 hPa (Hektopascal) befindet sich derzeit etwa nördlich des Kaspischen Meeres. Der Einflussbereich von PITTER ist jedoch bedeutend größer, denn der hohe Druck dominiert von Spanien aus über ganz Mitteleuropa und den Westen Russlands bis in den Osten Kasachstans. Der Hochdruckkeil über Mitteleuropa sorgt schließlich dafür, dass die vom Atlantik kommenden Tiefdruckgebiete auf ihrem Wegnach Osten abgeblockt werden. Die einzige Möglichkeit einer weiteren Verlagerung besteht nun darin, eine nördlichere Zugbahn einzuschlagen, um über Nordeuropa gen Osten zu ziehen. 

Diese Druckkonstellation, die uns bis Mittwoch erhalten bleibt, sorgtin Deutschland für nochmals vielfach sonnige Herbsttage. Ein eher nicht so erfreulicher Aspekt bei Hochdrucklagen im Herbst ist der Nebel. Dieser wird auch in den kommenden Tagen eine immer wiederkehrende Begleiterscheinung sein. Trotz des anfänglichen Nebelskönnen nach dessen Auflösung heute und morgen wieder einige Sonnenstunden gezählt werden. Lediglich in der Nähe von Gewässern undFlusstälern im Süden Deutschlands besteht ein gewisses Risiko, dass sich der Nebel auch den ganzen Tag über halten kann. Mit Sonnenunterstützung werden dann nochmals Höchstwerte zwischen 10 und 17 Grad erreicht. Dort, wo sich der Nebel nicht auflöst, liegt die Temperatur allerdings gerade einmal bei 7 bis 9 Grad.

Am Mittwoch sind die sonnigen Herbsttage dann vorerst einmal vorüber. Mit einem voraussichtlichen Kerndruck von etwas über 1030 hPa schwächt sich der Einfluss von Hoch PITTER über Mitteleuropa allmählich ab. Dies eröffnet den Ausläufern der atlantischen Tiefs dann die Möglichkeit auf Mitteleuropa überzugreifen. So wird bereits am Mittwochmorgen eine Kaltfront den Nordwesten Deutschlands erreichen und bei starker Bewölkung für erste Niederschläge sorgen. Im weiteren Tagesverlauf verlagert sich diese Front jedoch nur langsam in Richtung Mitte. Nach Auflösung der morgendlichen Nebelfelder kann sich im Vorfeld der Kaltfront im äußersten Osten undan den Alpen die Sonne aber noch längere Zeit zeigen. Mit 10 bis 14 Grad bleiben die Temperaturwerte meist im zweistelligen Bereich. Lediglich im Südosten bzw. bei zähem Nebel bleiben die Temperaturen einstellig.

Am Donnerstag kommt die Kaltfront weiter südostwärts voran und sorgt im gesamten Bundesgebiet für einen trüben Wettercharakter. Bei überwiegend starker Bewölkung hat die Sonne kaum eine Chance hinter den Wolken hervorzukommen. Zudem kann aus der dichten Bewölkung auch zeitweise etwas Regen fallen. Dennoch steigt das Quecksilber erneut auf 10 bis 14 Grad. Im Westen sowie am Oberrhein können sogar vielerorts 16 Grad erreicht werden. 

Nachdem sich Hoch PITTER in Richtung Osteuropa zurückgezogen hat, stehen den Tiefdruckgebieten über dem Ostatlantik Tür und Tor offen. Zwischenzeitlich hat sich südwestlich von Island ein Tiefdruckgebiet mit einem Kerndruck von voraussichtlich unter 980 hPa gebildet, in dessen Einfluss wir zunehmend gelangen. Die Ausläufer dieses Tiefs bestimmen am Freitag maßgeblich unser Wetter. Jedoch ist der genaue Wetterablauf noch etwas unsicher. Die Modelle zeigen derzeit nur schwach ausgeprägte Fronten, die auch meist nur über die Nordhälfte Deutschlands ziehen. Dies würde dort neben einer starken Bewölkung nur vereinzelt zu leichtem Regen oder Sprühregen führen. In Richtung Süden wären die Chancen auf etwas Sonne hingegen etwas höher.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

24.10.2014

"(Ex-) Gonzalo" ist weg - eine kurze Bilanz und wie es weiter geht

In den Alpen hat EX-GONZALO die Berge oberhalb von 1000 Meter tief eingeschneit. Die nächsten Tage wird es in den Bergen jedoch milder und sonniger, die Schneedecke wird langsam wieder abschmelzen.
In den Alpen hat EX-GONZALO die Berge oberhalb von 1000 Meter tief eingeschneit. Die nächsten Tage wird es in den Bergen jedoch milder und sonniger, die Schneedecke wird langsam wieder abschmelzen.

Ex-Hurrikan "Gonzalo" läutete in den letzten Tagen den deutschen Herbst nun endgültig ein. Bereits in den letzten Tagen wurden die Entwicklung und Zugbahn "Gonzalos" sowie seine begleitenden Wetterereignisse beschrieben. Heute soll nach diesem turbulenten Wetterabschnitt nun eine kurze Bilanz folgen. 

Während Deutschland im Einflussbereich "Gonzalos" lag, wurden im Messnetz des DWD maximale Windböen bis Orkanstärke (Feldberg im Schwarzwald: 148 km/h bzw. >Bft 12) registriert. Nach weitgehend stürmischen Tagen wurde es auch deutlich kälter. So brachte uns "Gonzalos" kühle Temperaturen, die nur selten die 15 Grad-Marke überschritten. Auch die gemessenen Tiefsttemperaturen deuten darauf hin, dass der Winter nicht mehr allzu fern ist: Während heute im äußersten Nordwesten, etwa nordwestlich einer Linie Ruhrgebiet - Lübecker Bucht, noch verbreitet zweistellige Tiefsttemperaturen um 11 Grad gemessen werden konnten, sank das Thermometerquecksilber südlich dieser Linie häufig auf Werte um 5 Grad. In den höheren Berglagen trat sogar Frost auf.

Ein weiteres Wetterereignis, das uns "Gonzalo" bescherte, war der Niederschlag. In den Nordweststaulagen der Mittelgebirge als auch der Alpen regnete es ergiebig. Dort sind seit Dienstagmorgen meist über 40 Liter pro Quadratmeter, an den Alpen sogar häufig über 100 Liter pro Quadratmeter (Spitzenwert: 166 l/qm in Aschau im Chiemgau) an Regen gefallen. Durch die kühle Luft sank auch die Schneefallgrenze, sodass es oberhalb von 700 bis 900 Meter wiederholt Schnee- und Graupelschauer gab. In den Mittelgebirgen konnten am Mittwochmorgen sogar geschlossene Schneedecken von beispielsweise 3 Zentimetern auf dem Brocken und jeweils 1 Zentimeter auf der Wasserkuppe und dem Thüringer Wald gemeldet werden. Diese Schneedecken sind aber bereits größtenteils wieder weggeschmolzen. Auf dem Hohenpeißenberg konnten sich von den ursprünglich gefallenen 20 cm aber noch 8 cm halten. Auf der Zugspitze fielen seit Dienstagmorgen 122 cm Schnee, sodass heute um 8 Uhr immer noch eine Gesamtschneehöhe von 105 cm gemeldet werden konnte. In Österreich ist der Sonnblick mit 270 cm Gesamtschneehöhe ebenfalls weiterhin tief verschneit.

Doch lohnt es sich für die Wintersportler die Skier und Co aus dem Keller hervorzuholen? Um zum Hohenpeißenberg zu fahren wohl eher nicht. Dort wird die Schneedecke aufgrund durchweg positiver Temperaturen immer dünner. Aber auf der Zugspitze und weiteren Bergen in den Alpen mit ähnlich hoher Schneedecke und vergleichbarem Temperaturverlauf besteht Hoffnung: Die Temperaturen bewegen sich tagsüber nahe dem Gefrierpunkt und in der Nacht sogar darunter, sodass sich die Schneedecke länger halten kann. Auch das Wetter spielt am Wochenende mit: nach Nebelauflösung viel Sonne, wenig Wolken und trocken!

In den anderen Landesteilen setzt sich auch meist freundliches Wetter durch - wenn sich der Nebel auflöst. Dann kann das trockene Herbstwetter neben einem Mix aus Sonne und Wolken genossen werden. Nur der Nordwesten kommt nicht in den Einflussbereich von Hoch "Pitter". Denn dort nähert sich schon der nächste Ausläufer eines noch unbenannten Tiefdruckgebietes südlich von Grönland. So bleibt es dort am Samstag bedeckt und es muss mit etwas Regen gerechnet werden. Erst am Sonntag lockern auch im Nordwesten die Wolken zunehmend auf, sodass sich in den Gebieten, wo sich der Nebel auflöst, die Sonne zeigen kann.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

22.10.2014

"Gonzalo" bringt den Herbst mit all seinen Facetten

Ex-Hurricane GONZALO zerzaust nicht nur die Wolken Dank Sturmböen von bis zu 148 km/h - er sorgt auch an den Alpen heute für den ersten richtigen Wintereinbruch und beendet den bis Montag in den Alpen noch herrschenden "Spätsommer".
Ex-Hurricane GONZALO zerzaust nicht nur die Wolken Dank Sturmböen von bis zu 148 km/h - er sorgt auch an den Alpen heute für den ersten richtigen Wintereinbruch und beendet den bis Montag in den Alpen noch herrschenden "Spätsommer".

Mit den heutigen Ausführungen soll der Schlussakt aus dem gestrigen "Thema des Tages" aufgriffen und nun im Nachgang detaillierter untergliedert werden. Nachdem uns die Kaltfront nach Osten verlassen hat und rückseitig das Land mit kalter Luft polaren Ursprungs flutete, hat der Herbst nun überall Einzug gehalten. Während in den letzten Wochen lediglich der teils zähe Nebel an den Herbst erinnerte, brachte bzw. bringt "Ex-Gonzalo" gleich sämtliche Wettererscheinungen der dritten Jahreszeit hervor. Mit diesem beschäftigt sich im Folgenden der 5. und  somit für dieses Theaterstück letzte Akt. 

5. und letzter Akt: "Gonzalo und der Herbst in all seinen Facetten"

Mit dem Durchzug von Gonzalos Kaltfront (erster Höhepunkt) drehte der Wind auf west- bis nordwestliche Richtung und lebte stark bis stürmisch auf. Im Mittel wurden durch einen großen Luftdruckunterschied zwischen "Ex-Gonzalo" und einem Hochdruckgebiet im Ostatlantik Windgeschwindigkeiten zwischen 25 und 50 km/h, in Süddeutschland teilweise auch bis 60 km/h erreicht. Die Spitzenwindgeschwindigkeiten (Böen) lagen jedoch häufig um das Doppelte höher. Durch die teils linienartig strukturierten kräftigen Schauer und Gewitter konnte die starke Höhenströmung, die in etwa 1500 m Höhe Windgeschwindigkeiten von teils deutlich über 100 km/h aufwies, "angezapft" und zum Boden heruntergemischt werden. Die Folge waren vor allem in Süddeutschland maximale Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke. Die höchsten Windgeschwindigkeiten im offiziellen Messnetz des DWD im ohne Berücksichtigung der Bergstationen wurden in Stuttgart (Schnarrenberg) mit 122 km/h (Bft 12) und Stimpfach-Weipertshofen (Baden-Württemberg) mit 119 km/h (Bft 12) gemessen. Orkanartige Böen fegten beispielhaft auch über Lindau (112 km/h), Harburg (112 km/h) und Feuchtwangen-Heilbronn (112 km/h). Im Bergland erreichten die Böen auf dem Feldberg im Schwarzwald mit einer maximalen Windgeschwindigkeit von 148 km/h (Bft 12) den höchsten Wert, gefolgt von der Hornisgrinde im Nordschwarzwald (115 km/h) und Klippeneck in der Schwäbischen Alb (115 km/h). In der sich rückseitig einstellenden kräftigen nordwestlichen Strömung legte vor allem auch an der Küste der Wind nochmals zu. Während am gestrigen Dienstag, dem 21. Oktober, dort lediglich Windgeschwindigkeiten bis 79 km/h (Norderney) gemessen wurden, lebten diese in der Nacht deutlich auf und erreichte gegen Morgen (zweiter Höhepunkt) Spitzenwindgeschwindigkeiten von 115 km/h (Bft 12) in der Deutschen Bucht. Auch im Binnenland wird in Schauernähe tagsüber wieder mit stürmischen Böen oder Sturmböen gerechnet.

In Österreich wurden gestern Abend mit 137 km/h auf dem Feuerkogel (1621 m) sowie in Wien (Hohe Warte) mit 101 km/h ebenfalls Sturm- bzw. Orkanböen beobachtet, heute (22.10.) wurden auf dem 1442 Meter hohen Schöckl sogar 144 km/h erreicht.

Neben starkem bis stürmischem Wind führte "Ex-Gonzalo" auch kalte Luft nach Deutschland und Österreich, sodass die Temperaturen auf Talfahrt gingen. Wurden am Montag selbst im höheren Bergland noch Höchstwerte von über 14 Grad erreicht, so werden die höchsten Temperaturen am heutigen Mittwoch verbreitet zwischen 5 und 10 Grad, im Süden teilweise sogar um 15 Grad niedriger ausfallen. Schon in der Nacht zeigten lediglich die Thermometer an der See noch Temperaturen im zweistelligen Bereich. Ansonsten lagen die Tiefstwerte meist zwischen 7 und 2 Grad, im Bergland wurde es oberhalb von etwa 1000 Metern sogar frostig. Da der Temperaturrückgang auch mit kräftigen Niederschlägen einherging, zeigten sich am Morgen einzelne Bergspitzen in Weiß. So fielen auf dem Brocken bis heute 8 Uhr 3 cm Neuschnee. Auch auf der Wasserkuppe konnte eine geschlossene Schneedecke von 1 cm gemessen werden. Schon etwas mehr liegt jedoch auf der Zugspitze, die 15 cm meldete. Auch im heutigen Tagesverlauf wird es oberhalb von etwa 700 bis 900 Meter wiederholt Schnee- oder Graupelschauer geben. In den Staulagen von Erzgebirge, Bayerischem Wald und den Alpen schneit es sogar länger anhaltend. Dort können bis Freitag oberhalb von 1200 m lokal Schneemengen bis zu einem Meter zusammenkommen. Ansonsten sollte sich oberhalb von 1000 Metern allerdings nur kurzzeitig eine geringe Schneedecke ausbilden können. 

Unterhalb der Schneegrenze fiel bzw. fällt der Niederschlag in flüssiger Form. An den nördlichen Berghängen der Mittelgebirge und der Alpen bleiben die Regenwolken hängen und es regnet länger anhaltend und schauerartig verstärkt. Dabei fallen vor allem in den östlichen Mittelgebirgen und den Alpen bis Freitagmorgen vielerorts zwischen 50 und 90 Liter pro Quadratmeter, an den Alpen lokal sogar bis 120 Liter. 

Ansonsten beruhigt sich das Wetter ab Donnerstag von Nordwesten her spürbar. Die Niederschläge klingen ab und der Wind lässt nach. Nachfolgend bekommt dann wieder der typische herbstliche zähe Nebel eine Chance, der weite Teile Deutschlands in eine gräuliche Hülle taucht. 

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21.10.2014

Hurricane (Ex-)Gonzalo und der Tanz der Blätter

Wer noch ein paar Bilder mit buntem Herbstlaub machen will - der sollte sich heute sputen! Denn der Wind frischt zur Zeit überall Dank Ex-Hurricane GONZALO stark auf und wird die Bäume leerfegen.
Wer noch ein paar Bilder mit buntem Herbstlaub machen will - der sollte sich heute sputen! Denn der Wind frischt zur Zeit überall Dank Ex-Hurricane GONZALO stark auf und wird die Bäume leerfegen.

Ein warmes, fast sommerliches Oktoberwochenende liegt hinter uns. Die Reihen im Zuschauerraum sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein actionreiches Theaterstück über den Herbst steht auf dem Programm und dann soll auch noch Gonzalo die Hauptrolle spielen, ein Schauspieler, der aus den Tropen stammt. Das Licht wird verdunkelt, der Vorhang öffnet sich und das Stück beginnt.

1. Akt : "Gonzalos Geburt"

Es ist der Abend des 12. Oktober 2014, als Gonzalo östlich der Kleinen Antillen aus einer tropischen Störung heraus das Licht der Wetterwelt erblickt. Schon früh erkennt der noch kleine Tropensturm seine Bestimmung und wächst rasch heran. Bereits in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober erreicht Gonzalo die Kategorie eines Hurrikans. Vom 15. bis zum 17.Oktober ist der tropische Sturm schließlich auf dem Höhepunkt seines Schaffens und wird in die Kategorie 4 eingestuft. Innerhalb seines Windfeldes werden Geschwindigkeiten über 200 km/h (einminütiges Mittel) erreicht. Die Bermudainseln bekommen die Macht der Wellen und des Windes mit voller Härte zu spüren, auch wenn der Hurrikan zu diesem Zeitpunkt schon in die Kategorie 2 herunter gestuft wurde.

2. Akt: "Gonzalos Verwandlung"

Gonzalo wandert unter Abschwächung zunächst nach Norden, ehe er bei Neufundland plötzlich nach Osten abbiegt, gesteuert von der Höhenströmung, der Westdrift der mittleren Breiten, in die Gonzalo nun einbezogen wird. Das ist auch die Zeitpunkt in dem sich der Sturm nicht nur vorübergehend deutlich abschwächt, sondern eine umfangreiche Verwandlung erfährt. Das fehlende warme Wasser und die kräftigen Winde in höheren Luftschichten sorgten dafür, dass Gonzalo seinen warmen Kern verliert. Als Ersatz dafür bilden sich eine Kalt- und eine Warmfront, wie es für Tiefs der mittleren Breiten typisch ist. Gonzalo hat sich also von einem tropischen System zu einem außertropischen Tiefdruckgebiet umgewandelt.

3. Akt: "(Ex-)Gonzalo mit neuer Kraft"

Die Wandlung zu einem Tief hat Gonzalo offenbar gut getan und er konnte sich unter Einbezug polarer Luftmassen bis zum heutigen Tag erneut deutlich verstärken. Aktuell befindet sich das Sturmtief vor der schottischen Ostküste und erlebt mitten im Herbst seinen zweiten Frühling als außertropisches Tief. Mit einem Kerndruck von 977.5 hPa befindet es sich derzeit auf einem neuen Höhepunkt. Im Laufe des heutigen und morgigen Tages wandert Ex-Gonzalo von der Nordsee über Niedersachsen und die östlichen Bundesländer hinweg in Richtung Balkan. An seiner Westflanke baut sich ein kräftiger Luftdruckgradient zu einem Hoch über der Biskaya auf. Diese Luftdruckunterschiede möchte die Natur ausgleichen und das funktioniert über den Wind. Dieser transportiert Luftpartikel vom Hoch zum Tief, ganz so wie Wasser von einem hohen Berg in ein tiefes Tal hinabfließt. Durch die Rotation der Erde und die dadurch aufgrund der Trägheit resultierenden Corioliskraft, werden die Luftteilchen abgelenkt und strömen in einem gewissen Winkel um das Tief gegen den Uhrzeigersinn herum.

Schlussakt: "Gonzalo und seine Folgen"

Mit der Entwicklung werden zwei Höhepunkte erwartet. Den ersten Paukenschlag gibt es mit der Passage der Kaltfront, die am heutigen Nachmittag den Westen Deutschlands erreicht und südostwärts wandert. Mit dieser Linie werden teils kräftige Schauer und auch Gewitter erwartet, die Sturmböen, teils auch schwere Sturmböen bis ins Flachland bringen können. Insbesondere im Süden sind auch orkanartige Böen möglich. Zudem sinkt die Temperatur nach Kaltfrontpassage deutlich ab, sodass in den höheren Bergen Schnee fällt. Den zweiten Schwerpunkt bringt dann der morgige Tag. In der Kaltluft gibt es im Tagesverlauf wiederholt schauerartig verstärkte Niederschläge, wobei der flotte Höhenwind, der Ex-Gonzalo begleitet nach unten gemischt werden kann. Dann sind erneut Sturmböen, vereinzelt auch schwere Sturmböen möglich. Im Bergland treten auch orkanartige Böen auf. Zudem gibt es im Nordstau der östlichen Mittelgebirge und am Alpenrand intensive Niederschläge, wobei sich oberhalb von 1000 m eine Schneedecke ausbilden soll. Kaum bemerkbar macht sich der Sturm im Nordosten von Deutschland.

Nach dem Ende der beeindruckenden Vorstellung verlassen die Zuschauer den Saal und treten auf die Straße. Die Bäume haben ihre Blätter verloren, die nun wild am Boden hin und her tanzen. Die zuvor grauen Berge haben eine weiße Haube bekommen. So schnell kann es also gehen und allen wird klar: Gonzalo hat den Herbst gebracht!

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20.10.2014

Ein letzter "Sommertag"

Im Kleinwalsertal (unser Bild zeigt das Walmendinger Horn) wurden selbst auf 1.500 Meter Höhe am Sonntag, 19. Oktober 2014 noch 20 Grad gemessen!
Im Kleinwalsertal (unser Bild zeigt das Walmendinger Horn) wurden selbst auf 1.500 Meter Höhe am Sonntag, 19. Oktober 2014 noch 20 Grad gemessen!

Der "Sommertag" ist die klimatologische Bezeichnung für einen Tag, an dem die unter gewissen Standardbedingungen in zwei Metern Höhe über Grund gemessene Lufttemperatur 25 °C erreicht oder überschreitet. Dabei sind stets Temperaturangaben "im Schatten" gemeint. 

Das am Sonnabend in Mitteleuropa wetterbestimmende Hochdruckgebiet OZ hatte sich gestern bereits nach Osteuropa verlagert. Gleichzeitig griff das kräftige Tiefdrucksystem NOA mit seinen Ausläufern auf Westeuropa über. 

Infolge dieser Luftdruckverteilung wurde, gleich einer riesigen Umwälzpumpe, mit südlichem bis südwestlichem Wind recht warme Luft zu uns geführt. Bei meist geringer Bewölkung oder gar wolkenlosem Himmel tat die Sonne ihr Übriges und heizte noch einmal kräftig ein. 

So ist es kein Wunder, dass die Temperatur gestern in Deutschland verbreitet deutlich über 20 °C stieg, nur im Bergland und an der See blieb es kühler. Teile des Südwestens durften einen letzten, klimatologischen Sommertag mit prächtigem "Straßencafe- oder Biergartenwetter" erleben. 

Spitzenreiter innerhalb des Messnetzes des Deutschen Wetterdienstes war die Station Ohlsbach (Badische Weinstraße, 176 m Höhe) mit einem Temperaturmaximum von 25,8 °C; auf den Plätzen folgten Bad Dürkheim (Deutsche Weinstraße, 107 m Höhe) mit 25,5 °C und Lahr (Baden, 155 m Höhe) mit 25,3 °C. Aber auch Emmendingen (Breisgau, 201 m Höhe) und Metzingen (am Fuße der Schwäbischen Alb, 355 m Höhe) brachten es auf 25,2 °C bzw. 25,0 °C. 

In Österreich hatte am Sonntag der Flughafen Salzburg „die Nase vorn“: 24 Grad zeigte dort die Quecksilbersäule, gefolgt von Windischgarsten und Jenbach mit jeweils 23 Grad. Ein „Sommertag“ wurde aber in der Alpenrepublik nicht verzeichnet.

Ist das normal, stehen wir nicht am Beginn des Spätherbstes? Nun ist einerseits der gestrige Sonntag in Ohlsbach zwar der wärmste 19. Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, andererseits gab es in der zweiten Oktoberhälfte in Deutschland bereits ähnliche oder noch höhere Temperaturen. Beispielsweise wurden am 19.10.2012 in Quedlinburg (am Harz, 142 m Höhe) und in Bad Kohlgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen, 750 m Höhe) jeweils sogar 28,1 °C gemessen. 

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17.10.2014

Ein schöner Rücken kann auch entzücken -Traumwetter am Wochenende

Am Wochenende wird in den Alpen bestes "Sommerwetter" mit 20 bis 25 Grad erwartet - die Paraglyder sind mit Sicherheit heute am Freitag schon dabei die Taschen zu packen, um am Samstag & Sonntag wieder "abzuheben".
Am Wochenende wird in den Alpen bestes "Sommerwetter" mit 20 bis 25 Grad erwartet - die Paraglyder sind mit Sicherheit heute am Freitag schon dabei die Taschen zu packen, um am Samstag & Sonntag wieder "abzuheben".

Das Wochenende steht bevor, und wie es in den vergangenen Tagen öfters schon angekündigt wurde, scheint der "Wettergott" uns zumindest in Süddeutschland und Österreich zwei "tolle" freie Tage im Sinne von viel Sonnenschein und nochmals hohen Temperaturen bescheren zu wollen. Was aber hat der in der Schlagzeile erwähnte Rücken damit zu tun?

In der Regel wird bei einer Wettervorhersage die gesamte Troposphäre betrachtet, die je nach Breitengrad unterschiedlich hoch ist. So reicht diese Schicht am Pol im Durchschnitt etwa bis in 6 - 8 km Höhe, bei uns bis in 10 - 12 km und am Äquator bis in 12 - 14 km, teilweise sogar bis 17 km.

Um nun die dynamischen Vorgänge in der Höhe beurteilen zu können, benutzt der Vorhersagemeteorologe oftmals sogenannte 500 hPa-Geopotenzial-Karten. 500 hPa entsprechen etwa der Hälfte des Luftdruckes in Bodennähe. Auf diesen Karten sind Linien zu finden, die Isohypsen genannt werden. Isohypsen verbinden Orte gleicher Höhe, auf denen derselbe Luftdruck (hier 500 hPa) herrscht. Diese Höhe wird Geopotenzial genannt und in den Karten in geopotenziellen Dekametern (gpdm) angeben. Ein Wert von z. B. 552 gpdm entspricht dabei einer Höhe von etwa 5500 Metern.

Je mehr "leichte" Warmluft nun in der Höhe vorhanden ist, desto höher liegt das 500-hPa-Niveau. Bei kalter "schwerer" Luft liegt es entsprechend niedriger. So ergeben sich analog zu einer Bodendruckkarte Hochs und Tiefs, wobei der Meteorologe dann von Höhenhoch und Höhentief spricht. Dreidimensional betrachtet entstehen zwischen den Hoch- und Tiefzentren Wellenberge und Wellentäler (aus Luft). Bei Wellentälern wird die Bezeichnung "Höhentrog" verwendet, bei Wellenbergen spricht man von "Höhenrücken oder Höhenkeilen". Weil diese Begriffe in der Wettervorhersage aber alltäglich sind, wird unter Meteorologen oft die Bezeichnung "Höhen-" einfach weggelassen.

Am bevorstehenden Wochenende zeigt sich nun ein solcher Wellenberg über Deutschland und Österreich. Dieser "schöne" Rücken hat zur Folge, dass in höheren Luftschichten über uns eine absinkende Luftbewegung eingeleitet wird. Absinken wiederum bedeutet, dass der Druck am Boden steigt, es dort also hohen Druck gibt bzw. sich ein Hochdruckgebiet bildet. Mit dem Absinken sind Wolkenauflösung und Erwärmung verbunden.

Die Zutaten für ein warmes und sonniges Wochenende sind also angerührt, jetzt müssen sie nur noch richtig vermischt werden. Als "Störenfried" wird aber wohl Tief "Margit I" vor der britischen Küste fungieren. Ausläufer dieses Tiefs erreichen den Norden Deutschlands und bringen dichte Wolken mit, wovon selbst in der Mitte Deutschlands noch einige ankommen. Darüber hinaus gibt es am Samstag im nordwestlichen Niedersachsen und in Schleswig-Holstein, am Sonntag dann im gesamten Küstenumfeld zeitweise Regen, der sich Sonntagabend sogar bis etwa zu einer Linie Rheinland - Vorpommern ausbreitet.

Als weitere "Störenfriede" könnten auch noch Nebel oder Hochnebel auftreten, die sich im Herbst und Winter gerne in den langen klaren Nächten bilden. Diese müssen - sofern vorhanden - morgens also erst einmal von der Sonne aufgelöst werden. Mancherorts kann das etwas länger dauern.

Sind Nebel und Hochnebel dann aber doch verschwunden, gibt es am Samstag und Sonntag in Süddeutschland (und Österreich) und zum Teil eben auch in der Mitte Deutschlands heiteres oder sonniges Wetter bei nur lockeren Wolken. Die Temperaturen erreichen am Samstag im Norden 16 bis 20 Grad, sonst 18 bis 22 Grad. Am Sonntag werden im Norden immerhin 17 bis 21 Grad, nach Süden hin sogar 19 bis 24 Grad, örtlich vielleicht 25 Grad erreicht. Die beste Gelegenheit, noch einmal einen Ausflug ins Grüne oder die Berge zu unternehmen.

Ein weiterer Wermutstropfen ist aber auch schon zu erkennen. So fängt der Rücken am Sonntag schon wieder an zu schwächeln und verzieht sich allmählich nach Osten. Damit wird es zum Start der neuen Woche überall wechselhafter bei allmählich immer weiter zurückgehenden Temperaturen. Genießen Sie also den schönen Rücken, bevor "normales" Herbstwetter Einzug hält.

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14.10.2014

Die Physik des Regenschirms

Man könnte ja nun den alten Spruch anbringen: „Und, wer hat´s erfunden, eh? Die Schweizer!“ Denn es war der Schweizer Physiker Daniel Bernoulli, der im 18. Jahrhundert herausfand, dass Luft, die an einem Ort schneller strömt als in der Umgebung, an diesem Ort einen Unterdruck erzeugt., sprich etwas wird angesaugt und nicht weggeblasen. Und genau deswegen klappen Regenschirme unter bestimmten Bedingungen immer nach oben - immer dann wenn man es gar nicht gebrauchen kann.
Man könnte ja nun den alten Spruch anbringen: „Und, wer hat´s erfunden, eh? Die Schweizer!“ Denn es war der Schweizer Physiker Daniel Bernoulli, der im 18. Jahrhundert herausfand, dass Luft, die an einem Ort schneller strömt als in der Umgebung, an diesem Ort einen Unterdruck erzeugt., sprich etwas wird angesaugt und nicht weggeblasen. Und genau deswegen klappen Regenschirme unter bestimmten Bedingungen immer nach oben - immer dann wenn man es gar nicht gebrauchen kann.

Sie kennen es sicherlich: Es regnet. Es stürmt. Und Sie kämpfen mal wieder mit dem Regenschirm! Ganz egal, wie Sie ihn halten, es passiert immer wieder: Er klappt nach oben um. Und das, obwohl der Wind nicht von unten in den Regenschirm hinein geweht hat. Ärgerlich! Jetzt könnten Sie, wie einst Billy Joe Thomas, singen: "Raindrops keep falling on my head." (auf Deutsch: "Regentropfen fallen immer wieder auf meinen Kopf."). Aber woher kommt dieses Phänomen? Warum klappen Regenschirme manchmal nach oben um, obwohl der Wind sie doch eigentlich nach unten drücken müsste?

Die Antwort auf unsere Frage lieferte der schweizer Physiker Daniel Bernoulli schon im 18. Jahrhundert. Vereinfacht gesagt, fand er heraus, dass Luft, die an einem bestimmten Ort schneller strömt als in der Umgebung, an diesem Ort einen Unterdruck erzeugt. Dieser Unterdruck bewirkt dann, dass das Objekt angesaugt und nicht weggeblasen wird.

Wie kann man sich das beim Regenschirm plausibel machen? Bei Windstille herrscht über und unter dem Schirm derselbe Druck. Wird der Regenschirm nun aber von Luft angeströmt, dann stellt dieser für sie ein Hindernis dar. Um dieses zu umgehen, wird die Luft über den Schirm gelenkt. Man stelle es sich so vor: ein Regenschirm unter Regenwolken, der Wind kommt von West (nach Ost, also von links nach rechts). Wird der "Luftkanal" zur Schirmmitte enger (weil der Schirm in der Mitte "höher" ist als am Rand), beschleunigt die Luft ähnlich wie in einer Düse. Im Vergleich zur Umgebungsluft strömt die Luft dort nun also schneller. Nach Bernoulli nimmt der Druck über dem Schirm folglich ab, unter dem Schirm bleibt der Druck nahezu unverändert. Diesen Druckunterschied möchte die Natur ausgleichen: Der Regenschirm klappt nach oben um.

Der "Bernoulli Effekt" ist nicht nur dafür verantwortlich, dass wir bei Regen und Wind trotz Schirms manchmal nass werden. Er ist auch der Grund dafür, dass bei Sturm manche Häuser abgedeckt werden und Türen bei Durchzug nicht aufgedrückt werden, sondern zuschlagen. Auch beim Duschen hat Bernoulli seine Finger im Spiel. Das von oben herunter prasselnde Wasser reißt Luft mit nach unten. Im Vergleich zur Umgebung entsteht wieder ein Luftstrom mit größerer Geschwindigkeit, ein Unterdruck wird erzeugt und der Duschvorhang wird angezogen.

Wer jetzt denkt: "Herr Bernoulli kann mir gestohlen bleiben!", sollte aber auch bedenken, dass der "Bernoulli-Effekt" unter anderem der Grund dafür ist, dass wir nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit dem Flugzeug in den Urlaub reisen können. Denn er sorgt für den nötigen Auftrieb, den das Flugzeug zum Abheben braucht.

Noch einmal zurück zu unserem Regenschirm: Für all diejenigen, die trotz Sturms und Regens vor die Tür müssen, könnte die Erfindung des Holländers Gerwin Hoogendorn interessant sein. 2004 entwickelte der Industriedesignstudent den innovativen "Sturmschirm". Durch seine aerodynamische Form (ähnlich die eines Helms eines Radrennfahrers) soll er von selbst die ideale Position im Wind finden und Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h trotzen.

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13.10.2014

Regenzeit in Westafrika

Im tropisch-wechselfeuchten Westafrika hat die Regenzeit begonnen - im Urwald treten zur Zeit z.T. heftige Gewitter mit Starkregenfällen auf.
Im tropisch-wechselfeuchten Westafrika hat die Regenzeit begonnen - im Urwald treten zur Zeit z.T. heftige Gewitter mit Starkregenfällen auf.

Das Klima der Region wird wesentlich vom Westafrikanischen Monsunsystem (Nord-Süd-Verlagerung der sog. Innertropische Konvergenzzone) bestimmt und als tropisch-wechselfeucht bezeichnet, mit mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten im nordhemisphärischen Winter bzw. Sommer. Nach Norden hin, in Richtung Sahelzone, verkürzen sich die Regenperioden, bis sie schließlich im Wüstenklima der Sahara verschwinden. In Richtung Äquator verlängert sich die feuchte Zeit und an der Guineaküste herrscht tropisches Regenklima mit ganzjährigen Niederschlägen. 

Drei Wochen nach der herbstlichen Tagundnachtgleiche verläuft die Innertropische Konvergenzzone (ITCZ), ein im Laufe des Jahres den Sonnenhöchstständen folgender, durch starke Konvektion verursachter weltumspannender Tiefdruckgürtel, über Westafrika bei circa 5 Grad nördlicher Breite. In seinem Bereich treten, mit Schwerpunkt in der zweiten Tageshälfte, meist von heftigen Gewittern begleitete Starkregenfälle (Zenitalregen) auf. Auch wenn diese raum-zeitlich stark variieren und bisweilen unregelmäßig sind, stellen sie doch eine klimatische Konstante - die westafrikanische "Regenzeit" - dar. 

Beispielsweise fielen innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute früh 06:00 UTC am Flughafen von Malabo (03°48'N, 008°39'E, 50 m Seehöhe) auf der zu Äquatorial-Guinea gehörenden Insel Bioko 253 L/m² (= mm) Regen in den Messbecher, im ca. 1500 km weiter westlich gelegenen Tabou (Elfenbeinküste, 04°33'N, 007°31'W, 21 m Seehöhe) waren es 149 mm. Im Einzugsbereich der großen Flüsse Niger und Volta gab es weitere, teils ergiebige Niederschläge, die jedoch im Landesinneren rasch an Intensität abnahmen. 

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10.10.2014

Tief Katrin bringt Deutschland gleich drei gefühlte Jahreszeiten!

Im Taubertal bei Rothenburg ob der Tauber (unser Bild) an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern wurden gestern bis zu 26 Grad gemessen, ein waschechter "Sommertag" mitten im Oktober, wie es ihn zuletzt 2009 gegeben hat. Am wärmsten war es aber am 09. Oktober in Bregenz (Österreich) mit 28,2°C.
Im Taubertal bei Rothenburg ob der Tauber (unser Bild) an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern wurden gestern bis zu 26 Grad gemessen, ein waschechter "Sommertag" mitten im Oktober, wie es ihn zuletzt 2009 gegeben hat. Am wärmsten war es aber am 09. Oktober in Bregenz (Österreich) mit 28,2°C.

Das Wetter in Deutschland zeigte sich in den letzten Tagen, wie auch heute sehr differenziert. Während sich die Bürger im Küstenumfeld bei einem windigen Mix aus Sonne und Wolken mit Schauern sowie auch einzelnen Gewittern in den April zurückversetzt sahen, haben im Süden und Südosten wie Österreich ein fast wolkenloser Himmel und sommerliche Temperaturen zu vollen Biergärten und Liegewiesen geführt. Dazwischen in einem breiten Streifen vom Saarland und Rheinland-Pfalz über Hessen und Thüringen hinweg bis nach Brandenburg ist das gefühlte Jahr dagegen schon etwas vorausgeeilt. Teils länger anhaltender Regen und dichte Wolken wirken dort dunkel und kalt wie im tiefsten November.

Verantwortlich für diesen doch sehr unterschiedlichen Wettercharakter ist das ausgeprägte und großräumige Tiefdrucksystem Katrin mit Kern bei den Britischen Inseln. Im Zusammenspiel mit Hoch Nikolai mit Zentrum über Russland, dessen Einfluss bis nach Süditalien reicht, hat sich über Deutschland eine kräftige südwestliche Strömung eingestellt. In diese ist eine Luftmassengrenze (Front) eingebunden, die sich wiederkehrend leicht wellt, sich allerdings bis auf geringe räumliche Abweichungen quasistationär von der Iberischen Halbinsel über Zentralfrankreich und der Mitte Deutschland hinweg bis in die Ostsee erstreckt. Diese Luftmassengrenze trennt sehr warme Luft im Südosten von kühlerer Luft im Nordwesten des Landes.

Als Luftmassengrenze oder auch Front bezeichnet man einen mehr oder weniger breiten Übergangsbereich (20 bis 200 km) zwischen zwei Luftmassen. In den Wetterberichten findet der Begriff Luftmassengrenze häufig Verwendung, wenn sich ein Frontenverlauf von einer ursprünglich senkrecht zur Strömung befindlichen Lage in eine strömungsparallele Lage umwandelt. Als Folge dessen können an einer solchen Luftmassengrenze, je nachdem, welche der beiden parallel zueinander fließenden Luftmassen gegen die andere vordringt bzw. aktiv wird, abwechselnd Kalt- und Warmfrontabschnitte, also sogenannte Wellen, auftreten. Da bei strömungsparalleler Frontlage (quasistationäre Luftmassengrenze) die von den wetteraktiven Prozessen betroffenen Gebiete über einen längeren Zeitraum mit Niederschlägen versorgt werden, kann dies dort ggf. zu Überschwemmungen führen.

Auch Tief Katrin mit deren quasistationären Frontenlage sorgt entlang dieser für länger anhaltende und schauerartig verstärkte Niederschläge. Seit Dienstag, den 07. Oktober fielen vor allem in einem Streifen zwischen Eifel und Pfälzer Wald über Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und das südliche Niedersachsen hinweg bis nach Mecklenburg größere Niederschlagsmengen. Innerhalb von 72 Stunden wurden verbreitet über 25 Liter pro Quadratmeter gemessen. Vor allem vom Rothaargebirge bis nach Luxemburg fielen vielerorts sogar über 45 Liter. Spitzenreiter war dabei die Station Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen, Kreis Siegen-Wittgenstein) mit insgesamt 73,4 Litern pro Quadratmeter. Gefolgt von Battenberg an der Eder (Hessen, Waldeck Frankenberg) mit 71,6 Litern und Driedorf (Hessen, Lahn-Dill-Kreis) mit 71 Litern. Diese hohen Niederschlagsmengen führten dazu, dass die Flüsse nach doch eher trockenen Vormonaten wieder gut gefüllt sind. Besonders an den Oberläufen kleinerer Flüsse kam es auch zu leichten Überschwemmungen. 

Nicht weit entfernt von dieser Luftmassengrenze mit Ihren Niederschlägen hat es die Menschen in Bayern und Teilen Baden-Württembergs bei wolkenlosem Himmel in die Biergärten gezogen. Südöstlich von Main und Neckar ist sehr warme Luft eingeflossen, die mit Föhnunterstützung für sommerliche Höchstwerte sorgte. Den Höhepunkt erreichten die Temperaturen am gestrigen Donnerstag, an dem sie im Süden verbreitet auf über 24 Grad anstiegen. Die höchsten Werte in Deutschland zeigten die Thermometer in Notzingen (Baden-Württemberg) und Sachsenheim (Baden-Württemberg) mit 27,2 bzw. 27.1 Grad an. Nur geringfügig niedrigere Temperaturen wurden bei rund 27 Grad im Alpenvorland zwischen München und Kiefersfelden gemessen. Auf Österreicher Seite schlug der Föhn sogar noch deutlicher zu. Dort stieg die Temperatur in Bregenz auf beachtliche 28,2 Grad an. Gleichzeitig mussten jedoch die Menschen im Regen entlang der Luftmassengrenze mit Werten um 16 Grad leben. So ungerecht kann das Wetter sein. Doch im Jahresmittel gleicht sich doch meistens alles wieder aus. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

08.10.2014

Sturmtief KATRIN I bringt vielerorts ein "laues Lüftchen" - Sommer in Spanien

Sonniges Barcelona - trotz bereits fortgeschrittener Jahreszeit und tief stehender Sonne dürfen sich die Katalanen heute über blauen Himmel und um die 26 bis 28 Grad freuen! Bei uns hat hier nur der Südwesten Deutschlands und Österreich die Nase vorn - ansonsten dominiert Sturmtief KATRIN das Wetter in Westeuropa.
Sonniges Barcelona - trotz bereits fortgeschrittener Jahreszeit und tief stehender Sonne dürfen sich die Katalanen heute über blauen Himmel und um die 26 bis 28 Grad freuen! Bei uns hat hier nur der Südwesten Deutschlands und Österreich die Nase vorn - ansonsten dominiert Sturmtief KATRIN das Wetter in Westeuropa.

Ein ausgeprägtes Sturmtief mit dem Namen KATRIN I liegt am heutigen Mittwochvormittag mit seinem Zentrum rund 300 km westlich von Irland und sorgt in weiten Bereichen Westeuropas für windiges und sehr wechselhaftes Wetter. Es beeinflusst mit seinen Ausläufern einen Bereich von der Biskaya bis nach Schweden. Aber wie entstand eigentlich dieses kräftige Tief?

Bereits Ende September verstärkten sich die Temperaturgegensätze südlich von Grönland. Frostig kalte Luft strömte über die Baffin-Bucht südwärts und erwärmte sich nur zögernd, da die Wassertemperaturen von Nord nach Süd gesehen gerade einmal 0 bis 8 Grad Celsius betrugen. Auch vom eisigen Landesinneren Grönlands wurde die Luft südwärts geführt und traf dort auf die deutlich wärmere Atlantik-, ja teils sogar Subtropikluft. Während entlang der Südspitze Grönlands in den vergangenen Tagen die Höchsttemperaturen kaum über 7 Grad Celsius stiegen, konnten die Bewohner Neufundlands teils nochmals Temperaturen von über 20 Grad Celsius genießen. Solch markante Temperaturgegensätze in diesen Regionen sind meist die Geburtsstätte für sehr kräftige Tiefdruckentwicklungen. Daher verwundert es nicht, dass sich südlich von Grönland seit Ende September wiederholt mächtige Sturm-, teils auch Orkantiefs bilden konnten, die dort sehr stürmisches Wetter brachten. Im Zuge dieser wiederholten Tiefdruckentwicklungen entstand eine ausgeprägte Luftmassengrenze, die sich von Neufundland bis zum östlichen Atlantik erstreckte.

Seit dem Wochenende verlagerte sich der Schwerpunkt der Tiefdruckaktivität allmählich von Island südostwärts und hat nun Irland und Großbritannien erreicht. Da jedoch mit NIKOLAI ein sehr kräftiges und zähes Hochdruckgebiet über dem Westen Russlands liegt und somit den Weg nach Osten versperrt, kann sich KATRIN I auch nur sehr zögernd verlagern und verweilt bis zum kommenden Wochenende mehr oder weniger vor Ort. Die Luftmassengrenze, die sich mittlerweile von den Azoren bis nach Südschweden erstreckt, verlagert sich somit in den kommenden Tagen nur geringfügig. Sie trennt weiterhin sehr warme Luft im Süden (24-27 Grad auf den Azoren oder bis 29 Grad im Süden und Osten Spaniens) von deutlich frischerer Luft im Norden (Großbritannien mit 12 bis 16 Grad). KATRIN I sorgt in den kommenden Tagen immer wieder dafür, dass sich entlang dieser Luftmassengrenze Störungen (in der Meteorologie auch als "Wellen" bekannt, da sie keinen abgeschlossenen Tiefdruckkern aufweisen) ausbilden, die rasch ostwärts nach Deutschland ziehen.

Bereits heute intensiviert sich der Wind über Frankreich im Verlauf des Mittags im Zuge der Annäherung einer Welle mit Windgeschwindigkeiten von teils über 100 km/h in 1500 m über Grund. Dieses Windfeld erreicht bis zum Abend auch die Mitte und den Westen Deutschlands. Wie stark letztendlich der Wind in Bodennähe weht, entscheiden neben der Stärke des Höhenwindes aber auch andere Faktoren. Wichtig ist, dass der Wind aus solchen Höhen "herabgemischt" werden kann. Es darf sich zum Beispiel keine Inversion zwischen dem Bereich mit stärkeren Höhenwinden und dem Erdboden ausbilden, die dieses Herabmischen unterbinden könnte. Eine Inversion ist ein stabiler Atmosphärenzustand, bei dem warme über kälterer Luft zu liegen kommt und die Durchmischung der vertikal gesehen unterschiedlich temperierten Luftmassen unterdrückt. Solch eine Inversion bildet sich zwar häufig bei ruhigen Strahlungsnächten aus, wo sich die bodennahe Luftmasse rasch abkühlen kann, doch auch bei Warmluftzufuhr kann sich diese entwickeln, wenn wärmere über kühlere Luft geführt wird.

Letzteres wird auch heute der Fall sein, da mit Annäherung der Welle eine Warmfront bis zum Mittag von Frankreich in den Westen Deutschland herangeführt wird. Es ist daher zu erwarten, dass die stärksten Winde nicht bis ins Tiefland durchgreifen können und sich die stürmischen Böen mehr auf das Bergland beschränken, da die Bergregionen entlang oder knapp über der Inversion zu finden sein werden. So wird sich der Wind von Tief KATRIN I im Tiefland häufig nur wie ein "laues Lüftchen" anfühlen, was man nicht unbedingt erwartet, wenn man es mit einem Sturmtief zu tun hat.

Vorsicht jedoch ist bei Schauern und Gewittern geboten. Deren durch Regen erzeugte kalte Abwinde durchbrechen solch stabilere Schichtungen, sodass kurzfristig und eng begrenzt stärkere Höhenwinde herabgemischt werden können. Dies würde den Westen Deutschlands zum Abend hin betreffen, wenn sich von Westen eine schwache Kaltfront annähert und somit die Gefahr von Schauern und einzelnen Gewittern etwas zunimmt. Zudem sorgt die Kaltfront auch für eine Durchmischung der Luftmasse und für einen Abbau der Inversion. Daher können die Höhenwinde deutlich besser bis zum Boden hin durchgreifen. Übrigens zeigt KATRIN I nicht weit entfernt ihr wahres Ich. In Großbritannien ist die Luftmasse heute Nachmittag deutlich labiler geschichtet und verbreitet treten teils kräftige Schauer und Gewitter mit stürmischen Böen auf. Sogar vereinzelte Tornados sind hier möglich.

Nach einer vorübergehenden Wetterberuhigung wird bereits in der Nacht zum Donnerstag von Frankreich her die nächste Welle erwartet, die mit Wind und viel Regen über die Mitte und den Nordosten Frankreichs in den Westen Deutschlands ziehen soll. Erneut nähert sich im Zuge der Wellenpassage eine schwache Warmfront an, die erneut für stabilere Verhältnisse sorgt und verhindert, dass der Wind bis zum Boden durchgreifen kann. Daher bleiben in Westdeutschland die stürmischen Böen auch weiterhin auf die Bergregionen beschränkt.

In der Folge schwächt sich KATRIN I über Großbritannien rasch ab, sodass der Südwestwind überall sukzessive nachlässt. Da sich die Luftmassengrenze jedoch weiterhin von Frankreich bis nach Deutschland erstreckt, bleibt das wechselhafte und teils zu lang anhaltenden und kräftigen Niederschlägen neigende Wetter jedoch weiter erhalten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

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07.10.2014

Laubverfärbung und Blattfall

Buntes Herbstlaub - ein Blickfang für jedes Auge und Kameras. Doch warum sind die Blätter unterschiedlich schnell verfärbt? Und wieso jeden Herbst zu anderen Zeiten?
Buntes Herbstlaub - ein Blickfang für jedes Auge und Kameras. Doch warum sind die Blätter unterschiedlich schnell verfärbt? Und wieso jeden Herbst zu anderen Zeiten?

Der Herbst ist bei uns eingezogen und das Wetter zeigt sich am heutigen Dienstag in vielen Teilen Deutschlands von seiner typisch herbstlichen Seite mit Regen und Wind. Ausnahme sind nur Österreich und weite Teilen Bayerns. Entsprechend der Jahreszeit reagiert auch die Natur mit herbstlichen Erscheinungen, sodass z. B. einige Bäume neben grünen Blättern schon gelbe, braune oder rote Blätter haben. Wann aber beginnen sich die Blätter der Bäume üblicherweise zu verfärben und von den Ästen zu fallen?

Blattverfärbungen werden im Herbst ausgelöst, wenn der Sonnenstand immer niedriger und die Tageslänge immer kürzer werden und vor allem die nächtlichen Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken. Dabei sollte es mehrere sehr kühle Nächte hintereinander geben. Ist es soweit, wird das in den grünen Blättern vorherrschende Chlorophyll schneller abgebaut, d. h. der Baum zerlegt das Chlorophyll in seine Bausteine und holt es in die dicken Äste und den Stamm zurück. Dort werden sie bis zum nächsten Frühjahr eingelagert und dann wiederverwertet. Blattverfärbungen stellen sich also nicht nur aufgrund der kürzeren Tage ein, sondern auch im Zusammenhang mit der aktuellen Witterung.

In der Phänologie, die sich mit Einfluss der Witterung auf die jahreszeitlichen Entwicklungsphasen der Pflanzen befasst, wird der sogenannte Vollherbst durch den Beginn des Fruchtfalls der Stiel-Eiche und der Rosskastanie markiert. In den Jahren 1981-2010 fiel diese Phase in Deutschland in die Zeit um den 19. September. Die Tage zum Ende des Vollherbstes hin werden mit dem Beginn der Blattverfärbung von Obstgehölzen und wildwachsenden Bäumen in Zusammenhang gesetzt.

Der dem Vollherbst folgende Spätherbst beginnt statistisch gesehen am 16. Oktober (Bezugszeitraum ebenfalls 1981-2010). Leitphase ist die Blattverfärbung der Stiel-Eiche. Definiert man nun 2 Hälften des Vollherbstes, so liegt etwa der 2. Oktober in der Mitte. Dieser Termin markiert mehr oder weniger das Datum, an dem die Blattverfärbung in Deutschland beginnt. Wie man auch dieses Jahr sehen konnte, gab es natürlich schon vorher Blätter, die sich verfärbt hatten.

Der früheste Vollherbstbeginn seit 1951 wurde am 10. September 2007 beobachtet, wobei damals etwa am 24. September die Blattverfärbung einsetzte. Den spätesten Vollherbstbeginn gab es am 28. September (1962, 1991), wobei in diesen beiden Jahren hochgerechnet um den 11. Oktober die Blattverfärbung begann. Interessanterweise zeigt der lineare Trend des mittleren Eintrittsdatums des Vollherbstes seit 1951, dass dieser immer früher im Jahr liegt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Blattverfärbung im Allgemeinen zwischen dem 24. September und dem 11. Oktober beginnt. Bezogen auf das laufende Jahr 2014 kann man nach dem aktuellen Meldestand für die Fruchtreife der Rosskastanie vom 13. September als Beginn des Vollherbstes ausgehen. Damit setzte die Blattverfärbung ungefähr am 27. September ein und somit etwa 5 Tage früher als im Mittel. Ursache des frühen Termins könnten einige sehr kalte Nächte um den 24. September herum gewesen sein.

Phänologisch betrachtet wird der Spätherbst nicht nur von der Blattverfärbung der Stiel-Eiche markiert, sondern auch vom Laubfall vieler wild wachsender Bäume (z. B. der Eberesche). Als Mittelwert von 1981 bis 2010 hat sich, wie bereits oben geschrieben, der 16. Oktober herausgestellt. Damit dauert es etwa 2 Wochen, bis nach der Blattverfärbung der Laubfall beginnt. Besonders früh, bereits am 9. Oktober, begann dieser 2002. Späte Jahre waren 1991 und 2006, in denen der Laubfall erst am 20. Oktober einsetzte. Der lineare Trend des mittleren Eintrittsdatums des Spätherbstes zeigt, dass dieser - entgegen des Trends beim Vollherbst - immer später im Jahr liegt.

Nach aktuellem Meldestand ist etwa für den 13. Oktober der Beginn des Spätherbstes zu erwarten, also 3 Tage früher als üblich. Schon in wenigen Tagen werden die Bäume damit voraussichtlich in der Mehrheit ihre Blätter abwerfen (auch wenn natürlich zum Teil schon einige Blätter gefallen sind). Durch das derzeit milde Wetter wäre aber auch noch eine Verzögerung möglich.

Die alte Bauernregel, die besagt: "Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein" lässt sich übrigens nicht belegen. Sie steht wissenschaftlich auf sehr wackeligen Beinen. Wie der Winter wird, können uns die Bäume also auch heute leider noch nicht verraten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

06.10.2014

Südwestwetterlage sorgt für "Goldenen Oktober" in Südostdeutschland und Österreich

Mitte/Ende dieser Woche sind die Alpen bzw. das Alpenvorland wohl der sonnige Sieger: bis zu 27 Grad prognostizieren die Wettermodelle für Bayern und Österreich.
Mitte/Ende dieser Woche sind die Alpen bzw. das Alpenvorland wohl der sonnige Sieger: bis zu 27 Grad prognostizieren die Wettermodelle für Bayern und Österreich.

Schon die erste Oktoberwoche verlief deutlich zu warm, denn abgesehen von den Hochnebelgebieten gab es vielerorts jede Menge Sonne und Temperaturen über 20 Grad. Diese eher spätsommerlich anmutende Witterung wird sich auch in der neuen Woche fortsetzen, wobei der Höhepunkt gegen Ende der Woche erwartet wird. Dann bringt eine ausgeprägte Südwestwetterlage den "Goldenen Oktober" vor allem in die Südosthälfte Deutschlands und weiten Teilen Österreichs.

Bei einer Südwestwetterlage liegt ein umfangreiches Tiefdruckgebiet bei Großbritannien, das sich meist bis in die Region westlich der Iberischen Halbinsel erstreckt. Gleichzeitig befindet sich hoher Druck über dem östlichen Mittelmeer, Ost- und Südosteuropa. In Mitteleuropa stellt sich dadurch eine kräftige südwestliche Strömung ein, wobei subtropische Luftmassen über Spanien oder dem westlichen Mittelmeerraum zu uns geführt werden. Südwestwetterlagen sind meist für längere deutlich zu milde Witterungsabschnitte in Mitteleuropa verantwortlich. So war sie zum Beispiel auch die vorherrschende Wetterlage im überaus milden vergangenen Winter. Die Zahl der Südwestwetterlagen ist in den letzten 100 Jahren deutlich gestiegen. 

Eine Südwestwetterlage wird auch in den nächsten Tagen bei uns für eine sehr milde Witterung sorgen, wobei die Südosthälfte wie Österreich noch dazu von einem Osteuropahoch beeinflusst wird. So werden dort am Ende der Woche bei viel Sonnenschein gebietsweise sommerliche Höchstwerte erwartet. Besonders am Nordrand der östlichen Mittelgebirge und am Alpenrand, wo föhnige Effekte die nächtliche bodennahe Kaltluftschicht schnell ausräumen können, wird es am wärmsten. Lokal sind dort sogar bis zu 27 Grad zu erwarten. Die Höchsttemperatur liegt dabei bis zu 10 Grad über der für die Jahreszeit normalen Temperatur. Solche starken Temperaturabweichungen sind für Anfang Oktober jedoch nichts Ungewöhnliches und kamen in der Vergangenheit häufiger vor. Demnach ist der Allzeitrekord vom 7. Oktober 2009, der in Müllheim im Markgräfler Land (Baden-Württemberg) mit 30,9 Grad gemessen wurde, wohl nicht in Gefahr. Anders sieht es mit den Temperaturen in Senken und Muldenlagen aus. In den typischen Nebellöchern, wie zum Beispiel dem Donautal, löst sich der nächtliche Nebel voraussichtlich nur zögernd auf, sodass es dort deutlich kälter bleibt. Das Nachsehen hat in dieser Woche wieder mal die Nordwesthälfte. Sie liegt unter dem Einfluss des britischen Tiefdruckgebietes, das dort für viele Wolken, Schauer und Gewitter sorgt.

Wie lange hält aber das sonnige Wetter danach im Südosten noch an? 

Voraussichtlich nicht sehr lange. Das Hochdruckgebiet über Osteuropa verlagert seinen Schwerpunkt wahrscheinlich schon im Laufe des kommenden Wochenendes nach Russland. Dadurch können atlantische Tiefausläufer auf ganz Deutschland übergreifen, die die warme Luft auch aus dem Süden Deutschlands vertreiben. Dann wird es überall wechselhaft und deutlich kühler. Doch es kann auch anders kommen und die Südwestströmung über das Wochenende hinaus anhalten. Warten wir´s ab!

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03.10.2014

Das Brockengespenst und andere Nebelerscheinungen

Besonders in den Bergen trifft man bei dichtem Nebel auf seltsame Erscheinung - gespenstisch.
Besonders in den Bergen trifft man bei dichtem Nebel auf seltsame Erscheinung - gespenstisch.

 

Die aktuelle Wetterlage mit anhaltendem Hochdruckeinfluss sorgt dafür, dass Nebel zurzeit ein Thema ist und bis zum Wochenende auch bleibt. Bereits am vergangenen Montag (29.09.2014) wurde dessen Entstehung im Thema des Tages beschrieben. Heute soll es um besondere optische Erscheinungen gehen, die bei Nebel auftreten können.

Herrscht dichter Nebel vor, so kann ein aufmerksamer Beobachter mit der Sonne im Rücken etwas ganz spezielles, nämlich das sogenannte "Brockengespenst" (s. rechts unter "Thema des Tages" => [mehr] => Abbildung "A") entdecken. Der Schatten des Beobachters erscheint dann
stark vergrößert und dreidimensional. Da die Wolken- oder Nebelwand keine glatte Oberfläche besitzt und ständig in Bewegung ist, bewegt sich der Schatten gespenstisch hin und her, obwohl sich der Beobachter selbst nicht bewegt. 

Somit wäre der zweite Teil des Begriffs erklärt. Der erste hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass auf dem Brocken das oben genannte
Phänomen zuerst beschrieben wurde. Trotz ca. 300 Nebeltagen im Jahr tritt dort die Erscheinung nicht so häufig auf wie in den Alpen. Allerdings ist auch eine andere Bezeichnung geläufig. Das sogenannte "Sudelfeldmonster", benannt nach dem Sudelfeldpass in den Bayerischen Alpen (1123 m ü. NN.), beschreibt aber dasselbe Phänomen. 

Entsteht ein solches "Brockengespenst" oder "Sudelfeldmonster", so kann häufig noch dazu eine farbige, ringförmige Leuchterscheinung um den "Kopf" herum beobachtet werden. Diesen "Heiligenschein" nennt man "Glorie" (s. Abbildung "B"). Die Glorie entsteht dadurch, dass an den winzigen Wassertropfen des Nebels bzw. der Wolken (Berge in Wolken) die Sonnenstrahlen gestreut und anschließend in die Spektralfarben aufgespalten werden.

Da der Schatten und damit auch die Glorie im Gegenpunkt der Sonne entstehen, ist ein ganz bestimmter Blickwinkel notwendig. Der Beobachter kann also eine Glorie um den Kopf des "Gespenstes" am besten von einem erhöhten Standpunkt aus ausmachen. Je weiter die Nebelwand vom Beobachter entfernt ist, desto kräftiger sind die Farben und desto größer ist die Glorie. Dabei wird der Schatten des Beobachters, also das Brockengespenst, kleiner. 

Das Brockengespenst und vor allem die Glorie können vom Flugzeug aus besonders gut beobachtet werden. Denn dann ist ein geeigneter erhöhter Standpunkt gegeben. Hierbei gilt auch: Je weiter in diesem Fall die Hochnebel- oder Wolkendecke vom Flugzeug entfernt ist, desto kleiner wird zwar der Schatten des Flugzeuges, aber desto größer und farbenprächtiger die Glorie.

Neben dem Brockengespenst und der Glorie lässt sich noch ein weiteres optisches Phänomen im Nebel beobachten: der Nebelbogen (s. Abbildung  "C"). Dieser ist dem Regenbogen sehr ähnlich. Das Band des Nebelbogens ist meistens doppelt so breit und erscheint nicht in den typischen Regenbogenfarben. Die Wassertropfen im Nebel sind deutlich kleiner als Regentropfen, sodass sich die Spektralfarben bzw. einzelnen Farbanteile zu einem weißen Bogen überlagern. Auch hier gilt die Devise: ein erhöhter Standpunkt, z.B. bei Bodennebel ein Hügel, bewirkt eine bessere Beobachtung des optischen Phänomens.

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02.10.2014

Deutschlandwetter im September 2014

Das Septemberwetter in Deutschland gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Eine Auswertung der 2000 DWD Stationen ergab folgendes Ergebnis:
Das Septemberwetter in Deutschland gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Eine Auswertung der 2000 DWD Stationen ergab folgendes Ergebnis:

 

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland. Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2014*
1. Platz Rheinfelden (Baden-Württemberg) 16,9°C (Abweich. +1,7 Grad)
2. Platz Helgoland (Schleswig-Holstein) 16,9°C (Abweich. +2,0 Grad)
3. Platz Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 16,8°C (Abweich. +1,5 Grad)

Besonders kalte Orte im September 2014*
1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 11,4°C (Abweich. +1,5 Grad)
2. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 11,7°C (Abweich. +2,0 Grad)
3. Platz Carlsfeld (Sachsen) 11,8°C (Abweich. +2,0 Grad)

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2014**
1. Platz Marktschellenberg (Bayern) 238,4 l/m² (184 Prozent)
2. Platz Bischofswiesen-Winkl (Bayern) 189,8 l/m² (157 Prozent)
3. Platz Kreuth-Glashütte (Bayern) 183,5 l/m² (122 Prozent)

Besonders trockene Orte im September 2014**
1. Platz Gifhorn-Kästorf (Niedersachsen) 6,2 l/m² (12 Prozent)
2. Platz Großenkneten-Ahlhorn (Niedersachsen) 6,8 l/m² (13 Prozent)
3. Platz Bad Essen-Brockhausen (Niedersachsen) 8,3 l/m² (14 Prozent)

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2014**
1. Platz Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern) 210 Stunden (134   Prozent)
2. Platz Arkona (Mecklenburg-Vorpommern) 204 Stunden (120 Prozent)
3. Platz Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) 199 Stunden (122 Prozent)

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2014**
1. Platz Eschwege (Hessen) 74 Stunden (60 Prozent)
2. Platz Eisenach (Thüringen) 82 Stunden (59 Prozent)
3. Platz Bad Hersfeld (Hessen) 88 Stunden (62 Prozent)

Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990). 

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station
(int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

 

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01.10.2014

Land unter in Montpellier

Heute (01. Oktober 2014) scheint in Montpellier bei 27 Grad wieder die Sonne vom Himmel, als hätte es die schweren Unwetter nicht gegeben...
Heute (01. Oktober 2014) scheint in Montpellier bei 27 Grad wieder die Sonne vom Himmel, als hätte es die schweren Unwetter nicht gegeben...

Während in Deutschland weitestgehend ruhiges Herbstwetter vorherrscht, geht es in Teilen des Mittelmeerraumes weiterhin turbulent zu. Brennpunkt in Bezug auf Unwetter war zu Beginn dieser Woche die Küstenregion zwischen dem spanischen Valencia und dem französischen Marseille. Besonders schlimm traf es am Montag und Dienstag Montpellier. Die am Löwengolf gelegene Stadt stand am Dienstagmorgen nach schweren Gewittern mit heftigen und wiederholt auftretenden Starkregenfällen teilweise meterhoch unter Wasser. Tausende Menschen mussten vor den Fluten fliehen oder wurden in Notunterkünften untergebracht. Vor knapp zwei Wochen wurde die gleiche Region schon einmal von Starkregenfällen ähnlicher Intensität getroffen.

Nicht nur die Schwere der Unwetter ist bemerkenswert, sondern auch die Tatsache, dass die betroffene Region zur gleichen Zeit in eine langgestreckte Bodenhochdruckzone eingebettet war. Diese erstreckte sich von den Azoren bis zur Balkanhalbinsel. Unterbrochen wurde das Hochdruckgebiet nur von einer schmalen Rinne relativ niedrigen Luftdruckes, die am Montag zunächst von Nordalgerien bis Spanien, später dann bis Frankreich reichte. Die Tiefdruckrinne korrelierte mit einem besonders in der Höhe ausgeprägten Tief, das sich vom nahentlantik her über die Biskaya und Nordspanien ostwärts verlagerte. Dabei gelangte kalte Luft in hohen über die feuchtwarme Luft der unteren Luftschichten. Der sich dadurch verstärkende Temperaturrückgang mit der Höhe ist ein günstiger Entwicklungsfaktor für Gewitter. Wie die DWD-Bodenluftdruckanalyse vom Montag, 20 Uhr MESZ, zeigt, wurde in der Tiefdruckrinne eine Konvergenzlinie analysiert. Dort strömt Luft zusammen, sodass ihr keine andere Möglichkeit bleibt, als aufzusteigen. Dieser vertikale Luftmassentransport forciert die Entwicklung hochreichender Gewittersysteme, die schließlich entlang der Konvergenzlinie von Süd nach Nord zogen.

In der Nacht auf Montag brachten Gewitter vor allem in Katalonien enorme Niederschlagsmengen. In Girona fielen 132 l/qm innerhalb von 12 Stunden, in Barcelona "immerhin" noch 96 l/qm. Ungleich heftiger ging es dann am Montag und in der Nacht auf Dienstag im Großraum Montpellier zur Sache. Wiederholt schwere Gewitter luden exorbitante Niederschlagsmengen ab. Dienstagfrüh wurde an der Station in Montpellier eine 24-stündige Summe von 299,5 l/qm gemeldet, davon gingen 184,0 l/qm alleine zwischen 13 und 15 UTC am Montag nieder. Innerhalb von zwei Stunden fiel damit etwa die dreifache Monatssumme (62 l/qm), die auf Grundlage des vieljährigen Mittels 1961-1990 zu erwarten wäre. Dies entspricht einem neuen Allzeitrekord für die zweistündige Niederschlagsmenge in Frankreich. Der ehemalige Rekord datierte vom 16. September 2014, wurde also gerade einmal 13 Tage zuvor aufgestellt - an einer Station, die nur wenige Kilometer westlich von Montpellier gelegen ist (Saint-Gervais-sur-Mare, 178,4 l/qm).

Im Laufe des Dienstags und in der Nacht zum Mittwoch verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewitter weiter ostwärts. Damit waren nun insbesondere die provenzalische Mittelmeerküste und Nordwestitalien betroffen. Allerdings blieben die Intensitäten der Niederschläge und auch die daraus resultierenden Auswirkungen recht weit hinter denen des Großraumes Montpellier zurück.

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30.09.2014

Taubildung - wenn Wasserdampf „satt“ wird

Wunderschön anzuschauen - Tautropfen in der Natur. Nur um sie genießen zu können, empfiehlt sich wasserfestes Schuhwerk. Wie genau die "Taubildung" funktioniert, erklären wir Euch heute!
Wunderschön anzuschauen - Tautropfen in der Natur. Nur um sie genießen zu können, empfiehlt sich wasserfestes Schuhwerk. Wie genau die "Taubildung" funktioniert, erklären wir Euch heute!

Wer am frühen Morgen bzw. Vormittag eine Wanderung durch die Natur unternimmt, sollte sich für wasserdichtes Schuhwerk entscheiden. Obwohl es zuvor nicht geregnet hat, sind Wiesen und Feldwege dennoch nass. Dieses Phänomen beruht auf der Taubildung, die im Folgenden näher erläutert wird.

Der in der Luft maximal mögliche Wasserdampfgehalt hängt von der Lufttemperatur ab. Dabei gilt: je höher die Temperatur, desto mehr Wasserdampf kann die Luft aufnehmen. Kühlt sich die Luft dann ab, erreicht sie bei einer bestimmten Temperatur Wasserdampfsättigung. Einfacher gesagt, die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit beträgt 100 Prozent. Diejenige Temperatur, bei der Sättigung eintritt, wird auch als "Taupunkttemperatur" bezeichnet. Physikalisch gesehen herrscht ein Gleichgewicht zwischen Verdunstung und Kondensation. Sinkt nun die Temperatur z. B. in Erdbodennähe unter den Taupunkt, kann die Luft den Wasserdampf nicht mehr halten und es kommt zum Übergang vom gasförmigen in den flüssigen Zustand des Wasserdampfs (Kondensation), der sich anschließend an Gegenständen in Form von kleinsten Wassertröpfchen niederschlägt. Diese Wassertröpfchen werden folglich als "Tau" bezeichnet. Bilden sich die Wassertröpfchen durch Kondensation nicht an Oberflächen, sondern in der Luft, so spricht man von Dunst oder Nebel. Eine detailliertere Erläuterung über die Nebelbildung finden Sie auch im gestrigen "Thema des Tages". 

Wann genau tritt dieses Phänomen der Taubildung auf?

Damit die Lufttemperatur am Erdboden bzw. in den untersten Luftschichten unter die Taupunkttemperatur sinkt, muss eine starke Wärmeausstrahlung (Wärmeabgabe) stattfinden. Diese tritt in besonderem Maße ein, wenn in der Nacht die tagsüber aufgenommene Wärmeenergie bei wolkenlosem Himmel nahezu ungehindert in höhere Atmosphärenschichten wieder abgegeben werden kann. Dabei ist Windstille von großem Vorteil, da dadurch der Nachschub an wärmerer Luft in den bodennahen Luftschichten ausbleibt und infolgedessen die Auskühlung nicht behindert wird. Der Höhepunkt der nächtlichen Auskühlung wird bei klarem Himmel um die Zeit des Sonnenaufgangs herum erreicht. Dies ist zugleich häufig der Zeitpunkt, an dem die nächtliche Tiefsttemperatur registriert wird. Diese Art der Taubildung wird in der Meteorologie auch als "Strahlungstau" bezeichnet.

Eine andere Form der Tauentstehung ist der "Advektionstau". Zu Advektionstau kommt es, wenn nach einer Phase kühleren Wetters feuchtwarme Luft herangeführt wird, deren Taupunkt oberhalb der Temperatur der umströmten Gegenstände liegt. Dies führt in direkter Umgebung der Gegenstände zur Feuchtesättigung und zur Kondensation des Wasserdampfs. Die Intensität von Advektionstau kann beachtlich sein, weil die Feuchteübersättigung wesentlich stärker ausfällt als bei Strahlungstau.

Wenn in der jetzigen Jahreszeit die Nächte wieder länger werden, ist der Zeitraum der nächtlichen Auskühlung ausreichend um den Taupunkt zu erreichen. Somit kann in der freien Natur oftmals der morgendliche Tau beobachtet werden.

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29.09.2014

The Fog - Nebel... aber wir wollen ja nicht gleich ergrauen...

"The Fog – Nebel des Grauens" ist ein Horrorfilm von John Carpenter - und wir sind nun auch wieder mitten drin in der "Nebelsaison". Für die einen ist "Nebel" einfach nur eine graue Suppe, doch die Meteorologen unterscheiden hier bis ins kleinste Nebeltröpfchen!
"The Fog – Nebel des Grauens" ist ein Horrorfilm von John Carpenter - und wir sind nun auch wieder mitten drin in der "Nebelsaison". Für die einen ist "Nebel" einfach nur eine graue Suppe, doch die Meteorologen unterscheiden hier bis ins kleinste Nebeltröpfchen!

Noch sorgt das Altweibersommerhoch KIERON für sonniges und warmes Wetter in den meisten Teilen von Deutschland. Am gestrigen Sonntag wurden am Oberrhein verbreitet nochmals sommerliche Temperaturen von 25 Grad erreicht. Gleichzeitig wurde aber in Donauwörth im Donautal bei dichtem Nebel nur eine Höchsttemperatur von 12 Grad registriert. Dies erinnert uns daran, dass bei einer Hochdrucklage im Herbst nicht immer Sonnenschein bei milden Temperaturen vorherrscht. Die Nebelneigung nimmt ab Ende September unter Hochdruckeinfluss deutlich zu.

Nebel entsteht in mit Wasserdampf gesättigter Luft. Luft kann nur einen gewissen Anteil an Wasserdampf aufnehmen. Je niedriger die Temperatur, desto weniger Wasserdampf kann die Luft enthalten. Ist die Luft nun mit Wasserdampf gesättigt (d.h. sie kann nicht mehr Wasserdampf aufnehmen), kondensiert überschüssiger Wasserdampf an kleinen Staubteilchen, die als Kondensationskeime wirken. Es entstehen mikroskopisch kleine Wassertröpfchen, die die Sicht in der Luft trüben. Sinkt nun die Sichtweite unter 1 km, so spricht man von Nebel. Nebel unterscheidet sich von Wolken nur durch Bodenkontakt. In der Meteorologie differenziert man verschiedene Arten von Nebel, die sich durch ihre Entstehung unterscheiden. Der mit herbstlichen oder winterlichen Hochdruckgebieten einhergehende Nebel ist ein typischer Abkühlungsnebel. Man spricht auch von Strahlungsnebel. Durch die langwellige Ausstrahlung kühlt sich die Luft in den länger werdenden Nächten bei Aufklaren stärker ab. Durch die Abkühlung kann die Luft weniger Wasserdampf halten und ist irgendwann gesättigt. Besonders in Tallagen und Niederungen, wo sich die schwere kalte Luft ansammeln kann, bildet sich dann Nebel. Dieser kann sich im Herbst und Winter den ganz Tag über halten, da die geringe Sonneneinstrahlung die Luft tagsüber häufiger nicht mehr entsprechend erwärmen kann, um den Nebel aufzulösen. Eine weitere Form von Abkühlungsnebel, ist orographischer Nebel, bei dem feuchte Luft an Berghängen aufsteigt und sich abkühlt, bis sich Nebel bildet.

Wird feuchtwarme Luft über einen kälteren Untergrund geführt und kühlt sich diese dabei bis zur Sättigung ab, spricht man von Advektionsnebel.

Verdunstungsnebel entsteht immer dann, wenn die Luft mit mehr Feuchtigkeit angereichert wird. Zum Beispiel kann dieser durch Verdunstung über Seen, Flüssen oder über dem Meer entsteht.

Eine weitere Nebelart ist der Mischungsnebel, bei dem sich zwei Luftmassen mit unterschiedlicher Temperatur und Feuchtigkeit mischen und dadurch Sättigung erreicht wird.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

26.09.2014

Mit der Radiosonde in große Höhen

An 14 Standorten des DWD (wie in unserem Bild am DWD Standort Stuttgarter Schnarrenberg) starten alle 12 Stunden (um 00 und 12 UTC) Radiosonden auf, um die meteorologischen Messwerte in der Atmosphäre zu erfassen.
An 14 Standorten des DWD (wie in unserem Bild am DWD Standort Stuttgarter Schnarrenberg) starten alle 12 Stunden (um 00 und 12 UTC) Radiosonden auf, um die meteorologischen Messwerte in der Atmosphäre zu erfassen.

Unser „Thema des Tages“ führt oft einen Gedanken über das Wetter weiter. Heute widmen wir uns einem Gerät, das wesentlich zur Erfassung von Wetterdaten in der Höhe beiträgt und Häufig gar nicht so sehr im Fokus steht. Es ist die Radiosonde.

Seit über 100 Jahren schon lässt man meteorologische Messgeräte an Ballonen in die Atmosphäre steigen um zu erfahren, wie sich der Zustand der Luft mit zunehmender Höhe verändert. Denn Bodenmessungen allein genügen bei weitem nicht, um den Zustand der Troposphäre, den unteren wetterwirksamen Teil der Atmosphäre, zu erfassen. Die moderne Radiosonde ist ein nur zigarettenschachtelgroßes Gerät, das im Wesentlichen Temperatur, Luftdruck, Feuchte, aber auch andere relevante physikalische Größen misst und die Daten per Funk an eine Bodenstation übermittelt. Über GPS erhält man heute die Position der Sonde. An einen mit Helium gefüllten Gummiballon gebunden steigt diese bis in Höhen von über 20 km auf. 

Doch wofür diese Arbeit in Deutschland an 14 Standorten alle 12 Stunden (um 00 und 12 UTC) Radiosonden starten zu lassen? Aus den Daten können allerlei nützliche Informationen herausgelesen werden. Durch die Erfassung des Temperaturverlaufs beispielsweise ermittelt man Lage und Anzahl möglicher Inversionen (Schichten mit einer Temperaturzunahme mit der Höhe), die bei längerem Bestand darunter für hohe Schadstoffkonzentrationen (Smoglage) sorgen können. Smog entsteht häufig unter Hochdruckeinfluss bei Inversionswetterlagen, bei denen kein reger Austausch der Luftmassen stattfinden kann. Kombiniert mit dem Temperaturverlauf lässt sich das Feuchteprofil zum Beispiel für eine Abschätzung der Wolkenhöhen verwenden. Auch lassen sich so Entstehungswahrscheinlichkeit und Intensität von Gewittern abschätzen. Die GPS-Daten verwendet man, um Windrichtung und -stärke bis in den oberen Bereich der Troposphäre zu ermitteln. Windmessmethoden über Satellit oder Flugzeug sind oft unzuverlässig, sodass man sie mit den Radiosondendaten abgleichen kann. Für die Satellitenmessung müssen Wolken vorhanden sein, aus dessen Zuggeschwindigkeit auf die Winddaten geschlossen werden kann. Und bei Flugzeugmessungen liegt es auf der Hand, dass Flugdaten nur entlang der Flugrouten erstellt und erfasst werden können. Zuletzt werden alle Daten in die Vorhersagemodelle integriert, sodass diese mit besseren Randbedingungen rechnen können. Ab einer bestimmten Höhe platzt der sich bei abnehmendem Luftdruck immer weiter ausdehnende Ballon. Die Sonde selbst gleitet dann mit einem kleinen Fallschirm wieder hinunter, um unten möglichst keinen größeren Schaden anzurichten.

Aber haben Sie schon einmal eine Radiosonde mit Fallschirm gesehen? Müssten diese nicht vielerorts zu finden sein? Der Wetterdienst selbst sammelt sie nicht mehr ein. Andere Menschen aber haben es sich zum Hobby gemacht, die abgestürzten Sonden zu entdecken und aufzulesen. Diese sogenannten "Radiosondenjäger" verfolgen die Flugbahn und versuchen diese so schnell wie möglich zu finden. Bei mehreren Jägern gewinnt der schnellste. Das Souvenir dürfen sie dann behalten. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

24.09.2014

Der "Sonnenstaat" Kalifornien wartet auf Regen

Kalifornien erlebt zur Zeit mit die schlimmste Trockenheit bzw. Dürre seit es an der Westküste der USA Wetteraufzeichnungen gibt. Die Flüsse sind ausgetrocknet, die gesamte Region wartet hilflos auf Regen.
Kalifornien erlebt zur Zeit mit die schlimmste Trockenheit bzw. Dürre seit es an der Westküste der USA Wetteraufzeichnungen gibt. Die Flüsse sind ausgetrocknet, die gesamte Region wartet hilflos auf Regen.

Kalifornien, der bevölkerungsreichste Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, wunderschön am Pazifischen Ozean gelegen mit Beinamen wie "Goldener Staat" oder Beschreibungen wie "Das Land, aus dem die Träume sind" (Der SPIEGEL, Nr.3/1976), hat ein sehr ernst zunehmendes, meteorologisches und hydrologisches Problem. Dieses ist weltweit das am frühesten dokumentierte klimatologische Ereignis und wird als ein nicht ungewöhnliches und wiederholt auftretendes Charakteristikum des Weltklimas gesehen: die Dürre.

Die Definition von Dürre lautet: "Eine Periode ungewöhnlich trockenen Wetters, die lange genug andauert, um wirtschaftlichen Schaden oder Schaden an der Umwelt hervorzurufen." (National Climate Data Center). Da dieses Naturphänomen ein schleichendes ist, kann man schwer sagen, ab wann eine Dürre beginnt, um entsprechend Vorkehrungen treffen zu können. Dies war auch in Kalifornien der Fall.
Kalifornien ist es gewohnt, dass die saisonalen Niederschläge starke und schwer vorhersagbare Schwankungen aufweisen, was die Niederschlagsvorhersage für einen längeren Zeitraum stark erschwert. Im Fall der nun schon länger anhaltenden Trockenheit begannen sich in Kalifornien die ersten Anzeichen Ende 2011 zu mehren, dass es zunehmend trockener werden würde. Jedoch verliefen die folgenden Monate wenig spektakulär und immer wieder konnten vom Pazifik heranziehende Niederschlagsgebiete den Vormarsch der Trockenheit abschwächen oder scheinbar temporär unterbrechen. Über das gesamte Jahr 2012 gesehen begann sich jedoch die Trockenheit von Monat zu Monat allmählich auf weite Bereiche Kaliforniens auszuweiten. Nach einem außergewöhnlich nassen Beginn des Winters 2012/13 verschärfte sich die Trockenheit in der Folge dann dramatisch. Die Messperiode von Januar bis Juni 2013 war die trockenste seit Beginn der 118-jährigen Messreihe in Kalifornien, wobei weite Bereiche Kaliforniens während dieser Zeit beinahe überhaupt keinen Niederschlag erhielten. Aus meteorologischer Sicht war der Grund für diese Niederschlagsanomalie ein beständiges und sehr kräftiges Hochdruckgebiet über dem nordöstlichen Pazifik. Dieses sorgte vor allem während der Winterzeit dafür, dass die sonst für Kalifornien niederschlagsbringenden Tiefdruckgebiete auf einer außergewöhnlich nördlichen Zugbahn vorbeizogen. Regionen wie Alaska erlebten im Herbst und Winter 2013/14 ungewöhnlich warme Temperaturen mit viel Niederschlag (u.a. resultierte daraus der seit 2010 weltweit massivste Erdrutsch am "Mt La Perouse", der auch in internationalen Medien für Aufsehen sorgte). Währenddessen ging die Trockenheit in Kalifornien weiter. Der Winter 2013-14 rangierte in der Liste der trockensten Winter zwar "nur" auf dem dritten Platz, aber wenn man das gesamte Jahr 2013 betrachtet, so muss man feststellen, dass es das trockenste seit mindestens 100 Jahren in Kalifornien war.

Neben der Trockenheit wurden in beinahe erschreckender Regelmäßigkeit Temperaturrekorde gebrochen: sowohl Tagesrekorde als auch Monatsrekorde. Vergleicht man die Temperaturen des saisonalen Abschnitts Januar bis Juni von 2014 mit dem des bisher wärmsten Jahres (1934), so liegt dieser Wert um mehr als 1 Grad Celsius über dem bisherigen Rekord. Solch eine Abweichung ist aus klimatologischer Sicht gesehen beträchtlich. Zusammengefasst setzt sich die Dürre nun bisher aus 3 Jahren zusammen, wobei in dieser Zeitspanne das bisher trockenste Jahr (2013) zu finden ist.

Auswirkungen der Dürre fanden erst vor Kurzem den Weg in die internationalen Medien. Es handelt sich dabei um einen Waldbrand, welcher unter dem Namen "King Fire" in Zentralkalifornien binnen 24 Stunden um mehr als das Doppelte anwuchs. Durch ein komplexes Zusammenspiel von Wind, Temperatur und Bewölkung mit der sehr trockenen Vegetation kommt es immer häufiger zu solch explosionsartigen Ausweitungen von Waldbränden. Das bedeutet, dass diese noch unberechenbarer und gefährlicher sind. Und leider steht die gefährliche Zeit der Waldbrände erst noch bevor, die sich im Herbst beginnend bis in den Winter erstreckt.

Natürlich hat solch eine Dürre auch massive Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen. Hervorgehoben seien hier z.B. die Farmer. Seit Generationen bewirtschaftete Ländereien stehen vor dem endgültigen Aus. Der wirtschaftliche Schaden geht bereits in die Milliarden und steigt von Tag zu Tag und von Monat zu Monat immer weiter an. Die Dürre macht sich auch in Großstädten bemerkbar. Der Verkauf künstlichen Rasens boomt und zum ersten Mal in der Geschichte Kaliforniens wurden 3 Gesetzentwürfe zur sinnvollen und nachhaltigen Verwendung von Grundwasser verabschiedet. Der enorme Grundwasserverbrauch zusammen mit der andauernden Dürre lässt die Wasserspeicher (z.B. Talsperren) in Kalifornien mit einer enormen Rate absinken, sodass zu befürchten ist, dass diese in den kommenden Monaten bereits Rekordtiefststände erreichen werden.
Auch wenn die ersten Klimavorhersagen für die kommenden Monate noch sehr unsicher sind, so deutet sich keine durchgreifende und nachhaltige Verbesserung der Lage in Kalifornien an. Zwar ist die Möglichkeit für einen regenreichen Winter gegeben (im Zuge der erwarteten schwachen Entwicklung des El Nino. Doch einerseits ist der Zusammenhang eines schwachen El Nino mit einem regenreichen Winter in Kalifornien bisher kaum zu belegen und daher sehr unsicher, andererseits steht unausweichlich auch wieder ein neuer Sommer im kommenden Jahr bevor. Kalifornien hat bis jetzt ein Niederschlagsdefizit von mindesten einem Jahressoll und dies wird selbst mit einem feuchteren Winter kaum ausgeglichen werden können. Von daher muss davon ausgegangen werden, dass die Dürre auch die kommenden Jahre über ein großes Thema sein wird. Das Warten auf den dringend benötigten Niederschlag geht also weiter im Sonnenstaat der Vereinigten Staaten von Amerika.

Quelle: Die statistischen Daten und Auswertungen wurden vom National Climate Data Center, NCDC der National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA entnommen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

23.09.2014

"Medicane" - Ein Wirbelsturm am Mittelmeer

Ein Wirbelsturm am Mittelmeer? Mitnichten - sie schauen nur so aus und heißen auch nicht "Hurricane" sonder "Medicane". Ihre Struktur sieht aus wie die der bekannten Wirbelstürme, doch die Lebensdauer von "Medicanes" ist kurz und ihre Ausdehnung gering. © Satbild DWD.de 1982
Ein Wirbelsturm am Mittelmeer? Mitnichten - sie schauen nur so aus und heißen auch nicht "Hurricane" sonder "Medicane". Ihre Struktur sieht aus wie die der bekannten Wirbelstürme, doch die Lebensdauer von "Medicanes" ist kurz und ihre Ausdehnung gering. © Satbild DWD.de 1982

Gerne richten wir mal wieder den Blick über den Tellerrand hinaus und berichten über interessante meteorologische Phänomene weltweit. Vor allem dann, wenn sich das hiesige Wetter eher ruhig und weniger ereignisreich präsentiert. Genau dies deutet sich für den heutigen Dienstag an. Denn hinter der Kaltfront von Tief GUDRUN, die Deutschland bereits gestern vollständig überquert hatte, floss deutlich kühlere Atlantikluft ein. Die zuvor wetterwirksame feuchtwarme und zu Schauern und Gewitter neigende Luft wurde dabei nach Süden und Osten verdrängt. Gleichzeitig legt sich nun Hoch JOSEF von den Britischen Inseln her kommend mit seinem Kern über Mitteleuropa und bringt die angesprochene, vorübergehende Wetterberuhigung.

Der Blick richtet sich deshalb heute zum westlichen Mittelmeer. Ein besonders in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tiefdruckgebiet liegt derzeit über der Iberischen Halbinsel. Angefüllt mit reichlich kühler Luft verlagert es sich zögerlich ostwärts und überstreicht dabei auch das westliche Mittelmeer. Zwischen dem noch sehr warmen Meereswasser, den von dem Wasser erwärmten niedrigen Luftschichten und den sich im Zuge der Tiefdruckverlagerung stark abkühlenden hohen Luftschichten verstärkt sich die Temperaturabnahme mit der Höhe. Dies begünstigt die Entwicklung hochreichender Quellwolken, die zu größeren Gewittersystemen heranreifen können. Am Boden sind solche "Gewittercluster" mit Luftdruckfall verbunden, sodass sie sich in der Bodenanalyse als relatives Minimum des Luftdruckes manifestieren. Bekanntlich "wirbelt" die Luft um einen solchen Tiefdruckkern entgegen des Uhrzeigersinns, womit auch die Gewitter eine derartige Rotation um den Kern aufweisen.

Fällt der Luftdruck nun stark genug, was direkt mit einer Zunahme der Rotationsgeschwindigkeit der Gewitterwolken um das Tiefdruckzentrum verbunden ist, bildet sich in einigen Fällen ein wolkenfreies "Auge" im Kern des Tiefs. Absinkende und sich erwärmende Luftmassen sorgen dort für Wolkenauflösung. In Satellitenbildern wirken solche "Gewittertiefs" über dem Mittelmeer damit wie tropische Wirbelstürme (siehe dazu das Satellitenbild vom 26.01.1982, © DWD.  Und tatsächlich bestehen einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden meteorologischen Phänomenen. Beide besitzen einen relativ zur Umgebung warmen Kern, in der Regel keine Kalt- und Warmfronten und beide Phänomene beziehen ihre Energie hauptsächlich aus dem warmen Meereswasser. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass in den 1980er Jahren die Bezeichnung "Medicane" für diese subtropischen Wirbelstürme aufkam, eine Komposition aus den englischen Begriffen "Mediterranean" (Mittelmeer) und "Hurricane" (tropische Wirbelstürme über dem Nordatlantik).

Trotz der angeführten Ähnlichkeiten gibt es aber auch Unterschiede zwischen den beiden Stürmen. Abgesehen davon, dass die stärksten Medicanes meist kleinere Ausmaße (200 bis 300 km Durchmesser), eine geringere Lebensdauer (ca. 48 Stunden) und auch eine nicht ganz so stark ausgeprägte Bodenzirkulation haben, ist ihr warmer Kern oft nur auf die untersten Troposphärenschichten beschränkt. In einigen Fällen wird er sogar von relativ zur Umgebung kälterer Luft überlagert. Tropische Wirbelstürme dagegen weisen während ihres Höhepunktes einen durchweg warmen Kern bis hin zu höheren Luftschichten auf. Ein weiterer Unterschied besteht in der räumlichen Anordnung der Windmaxima. Bei tropischen Wirbelstürmen werden die höchsten Windgeschwindigkeiten nahe des Sturmzentrums im Bereich der sogenannten "Eyewall" (Wolkenwand des Sturmauges) registriert, während die stärksten Böen bei Medicanes eher in den spiralförmig angeordneten Gewittersystemen weiter vom Zentrum entfernt auftreten. Übrigens, ab Geschwindigkeiten in Orkanstärke (112 km/h) spricht man bei einem subtropischen Sturm über dem Mittelmeer erst von einem "Medicane". Bemerkenswert sind auch die Niederschlagsmengen bis 500 Liter auf den Quadratmeter in 24 Stunden, die die Gewittersysteme in einigen Fällen abladen.

Nun aber zurück zur aktuellen Situation im westlichen Mittelmeerraum. Dort entwickeln sich, vor allem im Umfeld der Balearen, seit gestern unter genannten Bedingungen große, zusammenhängende Gewittersysteme. In der Bodenanalyse lässt sich aber noch kein eigenständiger Tiefdruckkern am Boden ausmachen. Die Gewitter sind vielmehr eingebettet in eine sich von der Iberischen Halbinsel bis hin zur Adria erstreckenden Tiefdruckzone. Allerdings deuten einige Wettermodelle bis Dienstagabend und Mittwoch eine Zunahme der Gewitteraktivität und weiteren Luftdruckfall an, sodass sich womöglich doch ein neuer Tiefdruckkern entwickeln könnte. Ob es für einen waschechten Medicane reicht, ist aber zu bezweifeln. Ein gelegentlicher Blick auf den Satellitenfilm und den ästhetischen "Gewitterwirbel" lohnt sich aber allemal. Ob sich die Urlauber rund um das westliche Mittelmeer über diese Entwicklung freuen, ist aber dann doch eher fraglich.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

22.09.2014

Astronomischer Herbstbeginn

Herbst im Allgäu - meteorologisch begann der Herbst bereits am 1. September, astronomisch (kalendarisch) startet er morgen früh um 04.29 Uhr durch. Der Sommer ist nun definitiv vorbei.
Herbst im Allgäu - meteorologisch begann der Herbst bereits am 1. September, astronomisch (kalendarisch) startet er morgen früh um 04.29 Uhr durch. Der Sommer ist nun definitiv vorbei.

Aus Gründen der praktischen, statistischen Klimatologie startet der meteorologische Herbst stets am 1. September. Viele Zeitgenossen empfanden allerdings den diesjährigen August schon nicht mehr als Sommermonat. Am morgigen Dienstag, den 23. September 2014, ist auf der Nordhalbkugel nun auch astronomischer Herbstbeginn. 

Um 04:29 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ), überquert die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn durch den Tierkreis (Ekliptik) den Himmelsäquator in südlicher Richtung. Am Herbstanfang geht die Sonne überall auf der Erde nahezu im Osten um 06:00 Uhr wahrer Ortszeit (WOZ) auf und im Westen um 18:00 Uhr WOZ unter und "theoretisch" herrscht Tagundnachtgleiche (lat. Äquinoktium). 

Theoretisch, denn weil zur Definition des Herbstbeginns (Schnittpunkt zwischen Ekliptik und Himmelsäquator) die Sonnenmitte verwendet wird, beim Sonnenauf- und Untergang über dem Horizont aber die Sonnenoberkante zählt, ist der lichte Tag morgen noch etwas länger als die Nacht. Die Brechung des Sonnenlichtes in den unteren Schichten der Atmosphäre, die eine scheinbare Anhebung der Sonnenscheibe bewirkt, verstärkt diesen Effekt noch um einige Minuten. Somit findet die wirkliche Tagundnachtgleiche ein paar Tage später statt. 

Der astronomische oder kalendarische Herbst bildet den Abschnitt zwischen Herbsttagundnachtgleiche und Wintersonnenwende, die Sonne wandert auf der Ekliptik südwärts. Der Tagbogen der Sonne auf der Nordhalbkugel und damit die Tageslängen werden kürzer, die Mittagshöhe der Sonne über dem Horizont sinkt und der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung wird kleiner. Folglich wird es im klimatologischen Mittel bei uns immer kälter. Auf der Südhalbkugel dagegen beginnt morgen der Frühling. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

19.09.2014

Schottland ist nicht so nass wie man denkt...

Bestes Wetter in Schottland ist Gerüchten zufolge immer dann, wenn der Regen senkrecht fällt. Doch so nass ist es dort gar nicht, es gibt bei uns vielfach wesentlich mehr Regen als bei den Schotten!
Bestes Wetter in Schottland ist Gerüchten zufolge immer dann, wenn der Regen senkrecht fällt. Doch so nass ist es dort gar nicht, es gibt bei uns vielfach wesentlich mehr Regen als bei den Schotten!

Schottland hat entschieden. Und die Mehrheit hat mit "Nein" gestimmt. Damit bleibt "Groß-Britannien" groß und ungeteilt. Vielleicht hätten sich die Wahlberechtigten auf der Insel ja für eine Veränderung entschieden, wenn sie über ihr Wetter hätten abstimmen können. Schließlich gilt dieses bei den Untertanen ihrer Majestät - diplomatisch formuliert - als durchwachsen. Aber auch diesbezüglich bleibt es auf der Insel wie gehabt: speziell in Schottland milde Winter und teils mäßig warme Sommer, und dabei sind manche Ecken auch noch ziemlich regenreich. 

Aber mit dem Finger auf die Nachbarn zeigen ist bezüglich des Niederschlages nicht angebracht. Schließlich ist die vieljährige mittlere Regensumme in Edinburgh mit etwa 625 mm (Liter pro Quadratmeter) etwa so hoch wie die in Hoyerswerda. Und dass in Glasgow 1110 mm Niederschlag im Jahr fallen, löst bei den Bewohnern von Zwiesel im Bayerischen Wald nur ein Schulterzucken aus. Schließlich werden dort im vieljährigen Mittel 1130 mm gemessen. Was Wir daraus lernen? Die klimatologische Kluft zwischen den Britischen Inseln und dem westeuropäischen Festland ist bezüglich der Niederschläge gar nicht so groß wie man oft denkt, eine klare (Unter-) Teilung sogar eher schwierig. 

Zumal es auch in Deutschland zeit- und gebietsweise richtig nass zugehen kann, was in der vergangenen Nacht im Ruhrgebiet mal wieder zu sehen war. Unwetter sind dabei vor allem im östlichen Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen beobachtet worden. Dabei ist der Spitzenreiter im offiziellen DWD-Messnetz die Station Lünen-Seseke mit 69 mm. 

Typisch für Schauer und Gewitter ist dabei, dass die Niederschläge in kurzer Zeit fallen. Entsprechend haben auch die 1-stündigen Niederschlagssummen einiges zu bieten. In Waltrop-Abdinghof verzeichnete der Regenmesser zwischen 23 Uhr und Mitternacht 32 mm, immerhin 24 mm waren es im gleichen Zeitraum in Westerholt und dem oben schon erwähnten Lünen-Seseke. Auch typisch für Schauer und Gewitter: Die Zugbahnen sind anhand der Niederschlagsmengen oft klar vom Umland abzutrennen. So kann man Nordrhein-Westfalen bezüglich der Niederschläge der vergangenen Nacht in 3 Regionen unterteilen. Südlich einer Linie Düren - Dormagen - Arnsberg fielen oft nur wenige mm Regen, die Hauptniederschläge deckten einen Streifen vom Niederrhein über das Ruhrgebiet nach Ostwestfalen ab, und nördlich von Münster blieb es dann sogar trocken. 

Und in Deutschland bleibt das Wetter ungerecht. Folglich kann man Deutschland heute in 3 Regionen teilen, zwei sonnige Gebiete im Nordosten und Südosten und ein großes wechselhaftes "Restgebiet", in dem es verbreitet zu Schauern und Gewittern kommt, die auch kräftig ausfallen können. Im Gegensatz zu Deutschland präsentiert sich das Vereinigte Königreich bezüglich des Wetters aktuell gänzlich ungeteilt: Überall grau und trüb, regnerisch und Höchstwerte um 20 Grad - genauso, wie man es sich gerne vorstellt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

16.09.2014

Untrügliche Zeichen des Herbstes

Der Herbst naht - nicht nur erkennbar an den ersten bunten Blättern in der Natur sondern auch an den typischen morgendlichen Nebelschwaden, die über Wiesen und Feldern entstehen.
Der Herbst naht - nicht nur erkennbar an den ersten bunten Blättern in der Natur sondern auch an den typischen morgendlichen Nebelschwaden, die über Wiesen und Feldern entstehen.

Wer in diesen Tagen wachen Auges durch die Natur geht, für den ist der nahende Herbst unübersehbar. Die ersten Zugvögel verlassen Mitteleuropa, in Gärten und auf Feldern reifen Früchte und Getreide, das Laub der Bäume und Sträucher wirkt zunehmend welk. 

Tagsüber ist es noch warm, die Verdunstung entsprechend hoch und die Luft kann sich mit Wasserdampf anreichern. Jedoch sind die Nächte schon lang und bewirken eine merkliche Abkühlung. Bei Erreichen des Taupunktes kondensiert der in der Luft enthaltene Wasserdampf. So entsteht meist in der zweiten Nachthälfte oder gegen Morgen in der Nähe des Erdbodens sogenannter feuchter Dunst oder Nebel. 

Die bei der Kondensation entstehenden Dunst- oder Nebeltropfen bewirken eine Verschlechterung der Sicht. Praktischerweise unterscheidet man Dunst und Nebel anhand der horizontalen Sichtweite in Augenhöhe. Beträgt sie weniger als 1 km, spricht man von Nebel, andernfalls von Dunst. 

Bei der Entstehung von Dunst erfolgt Kondensation auch ohne vollständige Wasserdampfsättigung, die entstehenden Tropfen haben Radien zwischen 0.1 und 1 µm. Bei relativer Luftfeuchte von 100 % bildet sich Nebel. Dessen Tropfengröße hängt von der Menge des vorhandenen Wasserdampfes und der Anzahl der Kondensationskerne ab. 

Man findet ein ganzes Tropfenspektrum, leichter Nebel weist Radien von 1 bis 5 µm auf, dichter Nebel hat Tropfenradien von 10 bis 20 µm. Die größten Nebeltropfen in dichtem, nässendem Nebel können mit 50 µm die Größe von Tautropfen erreichen. Wegen der Größe der Nebeltropfen ist die Streuung des Lichtes von seiner Wellenlänge unabhängig - Nebel erscheint also weiß. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

15.09.2014

Jagdsaison auf dem Ostpazifik und Atlantik

"Hurrikanjäger", im engl. auch als "hurricane hunters" bekannt, sind derzeit im Atlantik und Pazifik im Einsatz, um für die internationale Luftfahrt über den Ozeanen eine sichere Flugroute zu ermöglichen. Die Hurrikanjäger fliegen nämlich direkt in die Stürme und ermitteln viele Messdaten, die dann ausgewertet und u.a. den regulären Piloten als Wetterinformation weitergegeben werden.
"Hurrikanjäger", im engl. auch als "hurricane hunters" bekannt, sind derzeit im Atlantik und Pazifik im Einsatz, um für die internationale Luftfahrt über den Ozeanen eine sichere Flugroute zu ermöglichen. Die Hurrikanjäger fliegen nämlich direkt in die Stürme und ermitteln viele Messdaten, die dann ausgewertet und u.a. den regulären Piloten als Wetterinformation weitergegeben werden.

In den letzten Tagen und Wochen wurde immer wieder auf die noch laufende Hurrikansaison im Atlantik und Ostpazifik hingewiesen. Dabei wurden die entsprechenden Daten wie Intensität oder Zugbahn der jeweiligen Tropenstürme aufgezeigt. Doch woher stammen diese Daten? Sind dies Schätzungen oder gar Meldungen von Schiffen, die versuchen, den Sturm auf hoher See zu überwinden?

Die Intensitätsabschätzung von Tropenstürmen ist ein hoch komplexes Verfahren, das sich aus einer Fülle von Daten wie Radar- und Satellitendaten zusammensetzt.  Alle Verfahren zu beschreiben würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen und daher soll der Fokus auf eine spezielle Messmethode gelenkt werden: die "Hurrikanjäger", im engl. auch als "hurricane hunters" bekannt.

Den Hurrikanvorhersagern, wie denjenigen des "National Hurricane Center" (NHC) in Miami, Florida (USA) stehen zwar, wie oben angedeutet, eine Fülle von Daten zur Verfügung, doch leider haben die meisten Messmethoden einen gewissen Grad der Ungenauigkeit.  Direktmessungen aus dem Zentrum eines Tropensturms sind daher von Nöten, um die Informationen in Modelle einspeisen oder um die aktuellen Daten direkt an die Vorhersager weiterleiten zu können. Hier kommen die Hurrikanjäger ins Spiel. Für die Jäger aus den USA lautet der eigentliche Name: " 53rd Weather Reconnaissance Squadron".  Die ersten Jäger flogen bereits während des 2. Weltkrieges in die Zentren von Tropenstürmen und seitdem haben solche Messflüge an Bedeutung und Wichtigkeit nichts eingebüßt. Alle Arbeitsplätze, vom Piloten über Meteorologen bis hin zum Navigator, sind Teil der amerikanischen Luftwaffe "Air Force" und erfordern auch eine entsprechende militärische Ausbildung.

Das "Jagdgebiet" der nordamerikanischen Jäger erstreckt sich über eine riesige Wasserfläche vom zentralen Atlantik im Osten bis zur Internationalen Datumsgrenze des Pazifiks im Westen, die in der Nähe des 180. Längengrads (von der Beringsee und den Aleuten bis östlich von Neuseeland) zu finden ist.

Sobald sich nun also über dem offenen Meer eine tropische Störung (eine noch unorganisierte Ansammlung von Gewittern) entwickelt, fliegt in diese Region ein Flugzeug, wobei  jedoch die weitere Entwicklungsmöglichkeit der Störung entsprechend positiv aussehen muss, damit solch ein teils sehr langer und kostspieliger Flug gerechtfertigt werden kann. Ziel ist die Frage zu beantworten, ob die Störung bereits eine geschlossene Zirkulation des Windes (auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn) aufweist oder nicht. Dies ist deshalb von Interesse, da von diesem Moment an bei einer bestimmten gemessenen mittleren Windgeschwindigkeit die Klassifikation einer solchen Störung erfolgt: z.B. zu einer "Tropischen Depression" bei  mittleren Windgeschwindigkeiten von weniger als 63 km/h  oder zu einem Tropensturm (63 bis 119 km/h). Ausprägung der Wellen (Wellenhöhe, Aussehen der Wellenkämme etc.) geben einen Hinweis auf Windgeschwindigkeiten. Zudem werden auch Temperatur- und Druckmessungen vorgenommen.

Wenn sich nun eine geschlossene Zirkulation ausgebildet hat, wird das System wiederholt durchflogen, wobei dies in verschiedenen Mustern erfolgt. Diese Flugmuster sollen so viel wie möglich vom Tropensturm erfassen (das Zentrum und die Außenbereiche).  Während des Fluges werden ununterbrochen Daten zum NHC übermittelt, die z.B. in Wettermodelle gespeist werden, damit diese ihre Vorhersagen hinsichtlich der weiteren Entwicklung verbessern können. Während schwächere Tropenstürme in einer relativ niedrigen Höhe durchflogen werden können, müssen starke Hurrikans (Kategorie 3 oder mehr) in einer Minimumhöhe von 3 km Höhe durchquert werden. Starke Ab-/und Aufwinde sorgen für eine sehr variable Flughöhe. Mit Hilfe von sogenannten "Dropsonden" werden vertikale Messungen von Temperatur, Windgeschwindigkeit und -richtung, Feuchte und Höhe über Grund vorgenommen. "Dropsonden" sind spezielle Wetterballone, die besonders im Zentrum eines Tropensturms zur Ermittlung des tiefsten Drucks und der stärksten Windgeschwindigkeiten aus dem Flugzeug geschossen werden.  Oder anders ausgedrückt: Die Jäger schießen mit Sonden auf ihre Beute (Tropenstürme).

Da die Flugzeuge jedoch von Menschen geflogen werden und Treibstoff benötigen, müssen längere Missionen immer wieder unterbrochen werden. Dieses Problem wird neuerdings durch unbemannte Flugzeuge der "National Aeronautics and Space Administration" (NASA), sogenannte "NASA Global Hawk UASs" überbrückt. Sie können über 30 Stunden hinweg ununterbrochen bis in eine Höhe von ungefähr 16,5 km über Grund Messungen vornehmen. Erste Tests dieser sehr teuren Fluggeräte wurden bereits 2010 durchgeführt und kommen nun regelmäßig zum Zuge (jedoch vorerst nur im Atlantik).

Mithilfe der Daten soll vor allem die Vorwarnzeit erhöht werden, in dem die Vorhersagemodelle mit den zusätzlichen Daten besser abschätzen sollen, wann z.ein Tropensturm auf eine Küste treffen wird. Aber auch die Zugbahngenauigkeit soll erhöht werden, denn man kann sich sicherlich vorstellen, dass die Evakuierung eines ganzen Küstenabschnitts Millionenkosten verursacht, was bei unvorhergesehenen Zugbahnänderungen zu einer sehr teuren Fehlvorhersage werden kann.

Wie gefährlich die Arbeit auch für die Jäger sein kann, zeigte ein Absturz am 26. September 1955, als ein Flugzeug in den Hurrikan "Janet" flog und südlich von Jamaika in der Karibik vom Radar verschwand.  Im Westpazifik gingen zwischen 1944 und 1974 gleich drei Maschinen in Taifunen (dasselbe meteorologische Phänomen u.a. im Nordwestpazifik entsprechend eines Hurrikans im Atlantik)verloren, wobei dort die Mess- und Beobachtungsflüge im Jahr 1987 eingestellt wurden.

Gestern Nacht wurden im Hurrikan ODILE (Ostpazifik) und im Hurrikan EDOUARD (Nordatlantik) Messflüge unternommen, die folgende Daten lieferten:  ODILE mit einem Kerndruck von 923 hPa und Bodenwinden von rund 170 km/h, EDOUARD mit einem Kerndruck von 969 hPa und Windgeschwindigkeiten von 130 km/h. ODILE ging heute um 6.45 Uhr deutscher Lokalzeit in Niederkalifornien (Mexiko) an Land, wobei die Station "Cabo San Lucas" einen anhaltenden Wind von 144 km/h und Böen bis 187 km/h meldete (Daten: NHC). EDOUARD verstärkt sich indes auf offenem Meer weiter und bedroht kein Land.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

12.09.2014

Kaltlufttropfen bringt dem Osten und Süden Dauerregen

"Sauwetter elendiges" schallt heute der Ruf von Österreich über Bayern bis an den Rhein. Tief DAGMAR lässt es regnen, regnen.... und regnen. Warum und wieso soviel (schon wieder), erläutern wir heute an dieser Stelle.
"Sauwetter elendiges" schallt heute der Ruf von Österreich über Bayern bis an den Rhein. Tief DAGMAR lässt es regnen, regnen.... und regnen. Warum und wieso soviel (schon wieder), erläutern wir heute an dieser Stelle.

Bereits am Mittwoch machte sich ein Höhentief im Nordosten und Osten Deutschlands und weiten Teilen Österreich in Form zahlreicher Schauer und Gewitter bemerkbar, die im Verlauf des gestrigen Donnerstags auch auf die Mitte und den Süden Deutschlands übergriffen. Derweil verwandelte sich das Höhentief in einen sogenannten Kaltlufttropfen. Wie am 8. September bereits beschrieben, bedeutet die Umwandlung eines Höhentiefs in einen Kaltlufttropfen, dass sich das bodennah unter einem Höhentief befindliche Bodentief abschwächt und auflöst. Übrig bleibt ein eng begrenztes Gebiet kalter Luft in 4 bis 6 km Höhe. 

Neben dieser strukturellen Eigenschaft zeichnen sich Kaltlufttropfen durch typische Wetterentwicklungen aus. Auf der in Zugrichtung gesehenen Vorderseite des Kaltlufttropfens wird besonders in der Höhe deutlich kältere Luft herangeführt, was in der Meteorologie als "Kaltluftadvektion" bezeichnet wird. Dabei strömt kalte über warme Luft. Dies hat zur Folge, dass die Luft bestrebt ist aufzusteigen, um den Temperaturunterschied auszugleichen. Dieser Prozess ist umso stärker ausgeprägt, je größer die vertikalen Temperaturunterschiede sind und es entwickeln sich dann hochreichende Quellwolken. Diese bringen Schauer und Gewitter, was wir ja besonders am Mittwoch im Nordosten und am gestrigen Donnerstag in der Mitte und im Süden Deutschlands gesehen haben, als der Kaltlufttropfen von Ostdeutschland über die Mitte nach Süden zog.

Leider hat jedoch so ein Kaltlufttropfen auch eine weniger schöne Rückseite, denn hier findet von den Temperaturen her gesehen ein komplett gegensätzlicher Prozess statt. Da die Luft um ein Tief herum gegen den Uhrzeigersinn strömt, gelangt warme und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum nach Norden. Dies bedeutet, dass es zu länger anhaltenden Niederschlägen kommt. Dem aufmerksamen Leser dürfte Böses schwanen, da der Kaltlufttropfen doch gestern auf direktem Weg nach Süden zog und uns somit allmählich die weniger schöne Rückseite zuwendet. 

In der Tat soll der Kaltlufttropfen am heutigen Freitag Norditalien und die Adria erreichen. Dadurch sorgt er nun dafür, dass feuchte Luft von der 22 bis 24 Grad warmen Adria auf direktem Weg über den österreichischen Alpenraum und Tschechien in den Osten und Süden Deutschlands geführt wird. Somit wird die eh schon weniger schöne Rückseite in der Folge für Österreich sowie den Osten und Süden Deutschlands umso unattraktiver, da mit dieser üppigen Feuchtequelle kräftige Regenfälle von Osten her aufziehen. Die kräftigsten Regenfälle treten entlang der Dinariden und der Ostalpen auf, wo flächendeckend 50 bis 80 l/qm Niederschlag erwartet werden. Im Stau der Gebirge kann entlang der nordöstlichen Adria auch lokal bis 100 l/qm Niederschlag binnen 24 h erwartet werden (Dubrovnik im Osten Kroatiens meldete von Donnerstag 18 Uhr bis Freitag 06 Uhr eine 12-stündige Regensumme von 69 l/qm).

Bei uns wird der heutige Freitag von der Oberlausitz bis zu den Mittelgebirgen und bis zu den Alpen verregnet. Besonders im Staubereich der östlichen Mittelgebirge, in Bayern aber auch in Teilen der Nordalpen (Österreich) regnet es so kräftig, dass das Niederschlagsereignis über 24 h hinweg das Dauerregenkriterium mit 20 bis 40 l/qm binnen 24 h erreichen wird. In Staulagen der Alpen sowie in Bayern kann die Niederschlagsmenge teils 50 l/qm überschreiten. Da es bevorzugt im Südosten Bayerns/Salzburger Land und entlang der Nordalpen bis Sonntag wiederholt mit Unterbrechungen kräftig regnet, werden dort binnen 48 Stunden um 60 l/qm erwartet, in Staulagen der Nordalpen teils darüber.

Im Verlauf des heutigen Nachmittags nimmt die Gefahr von kräftigen Schauern und Gewittern im Osten Deutschlands zu. Entsprechend der Herkunft der sehr feuchten Luftmasse muss daher auch mit Starkregen gerechnet werden.

Einzig der Nordwesten und äußerste Westen Deutschlands profitieren von Hoch HELMUT, welches über Skandinavien liegt und mit seinen Ausläufern die Regenwolken fernhält. Somit können sich die Menschen dort auf einige Sonnenstunden freuen.

Ein weiteres Kuriosum fällt einem ins Auge, wenn man sich die Temperaturen betrachtet. Erwartungsgemäß werden diese bei Dauerregen in Süddeutschland bei herbstlichen 13 oder 14 Grad Celsius hängen bleiben. Im Nordwesten Deutschlands, wo neben einigen Wolkenfeldern die Sonne häufig scheint, steigen die Temperaturen hingegen auf bis zu 21 Grad Celsius. Deutschlandweit gesehen jedoch die höchsten Temperaturen dürften im äußersten Osten Deutschlands erwartet werden, wo im Zuge der Schauer und Gewitter zunehmend warme Luft herangeführt wird. Dort, wo sich die Sonne kurz zwischen den Niederschlägen zeigt, werden schwül-warme 23 oder gar 24 Grad erreicht.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass in den Westalpen die Schneefallgrenze vorübergehend auf unter 2000 m sinkt. Da die kälteste Luft in der Höhe jedoch in Richtung Nordbalkan weiterzieht, ist das Absinken der Schneefallgrenze jedoch nur ein vorübergehendes Phänomen und sollte beim Nachlassen der Niederschläge rasch wieder ansteigen.

Und während Tief DAGMAR im weiteren Verlauf allmählich weiter auf den Balkan zieht, steht laut einiger Wettermodelle bereits der nächste Kaltlufttropfen in den Startlöchern, um im Verlauf des Sonntags von der Ostsee auf den Norden Deutschlands überzugreifen. Die Entwicklung und Zugbahn dieses Kaltlufttropfens ist der Natur dieser Phänomene entsprechend jedoch noch sehr unsicher. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

09.09.2014

USA 2014: Das Jahr der Extreme

Das Death Valley in den USA: im "Tal des Todes" wurde mit 56,7 Grad Celsius am 10. Juli 1913 der Hitze-Weltrekord gemessen und seither nicht überboten. Dabei bot das Jahr 2014 in den USA bereits einige Kapriolen, aber keine neuen Hitzerekorde.
Das Death Valley in den USA: im "Tal des Todes" wurde mit 56,7 Grad Celsius am 10. Juli 1913 der Hitze-Weltrekord gemessen und seither nicht überboten. Dabei bot das Jahr 2014 in den USA bereits einige Kapriolen, aber keine neuen Hitzerekorde.

Anfang September haben wir im Thema des Tages einen Rückblick auf den vergangenen meteorologischen Sommer (Juni bis August) gegeben. "Anfangs sehr warm, später deutliche Abkühlung" und "Zu Beginn trocken und warm - dann viele heftige Gewitter und nass", hieß es. Diese prägnanten Schlagzeilen sind durchaus sinnvoll und auch im Sinne einer fachlich korrekten und vollständigen Bewertung der Geschehnisse, wenn sich Wetterextreme  (hier Temperatur und Niederschlag) zu einem dem vieljährigen Mittelwert nahezu entsprechenden Durchschnitt nivellieren. War das Wetter bezüglich des Mittelwertes wirklich immer und überall "normal", oder resultiert der Durchschnittswert aus einer räumlichen und/oder zeitlichen Aneinanderreihung gegensätzlicher Extreme? Folgendes Beispiel zeigt, von welcher fundamentalen Bedeutung es ist, neben der Bildung von räumlichen und zeitlichen Durchschnittswerten auch stets deren Zustandekommen zu hinterfragen.

Wir wollen nun über den "großen Teich" nach Nordamerika reisen. Vor allem hinsichtlich der Temperatur erlebten die Vereinigten Staaten von Amerika bis jetzt ein Jahr der Extreme und Rekorde. Richtet man den Blick auf die Sommermonate, dann ergab sich folgendes Bild: einige Städte im Nordwesten der USA verzeichneten den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Der Beginn der Wetteraufzeichnungen liegt wohlgemerkt vielfach über 100 Jahre zurück. Oft liegen die positiven Abweichungen vom vieljährigen Mittel bei 3 Grad, mit Spitzenwerten um 4 Grad (zum Vergleich: der deutsche Rekordsommer von 2003 kam auf eine Abweichung von 3,3 Grad). Von den größten Anomalien betroffen sind besonders die Pazifikstaaten Kalifornien, Oregon und Washington.

In Medford (Oregon) beispielsweise wurde ein Temperaturmittel von 23,8 Grad Celsius registriert und der alte Rekord von 1967 damit gleich um 0,6 Grad übertroffen. So oder so ähnlich sieht es in vielen Städten der oben erwähnten US-Staaten aus. Zeitgleich geht der Sommer in den meisten anderen US-Staaten als eher kühler, im Umfeld der "Great Lakes" und in den Staaten der nördlichen "Great Plains" sogar als rekordverdächtig kalter und zudem auch nasser in die Geschichtsbücher ein. Einige Großstädte warten dort immer noch - und in diesem Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch vergeblich - auf Temperaturen über der 90-Grad-Fahrenheit-Marke (entspricht etwa 32 Grad Celsius). Diese Tatsache ist als durchaus bemerkenswert einzustufen, gibt es doch über dem nordamerikanischen Kontinent sonst regelmäßig Hitzewellen, die bis weit in den Norden vorstoßen. Chicago erreichte diese Marke nur dreimal in diesem Sommer, wobei ganze siebzehn Tage mit Temperaturen über 32 Grad Celsius statistisch gesehen zu erwarten sind.

Betrachtet man nun den Zeitraum von Januar 2014 bis Juli 2014, findet sich eine vergleichbare Verteilung der Temperaturextrema. Erstaunlich und laut Klimaportal der NASA absolut beispiellos ist das gleichzeitige Auftreten von rekordverdächtig warmen und rekordverdächtig kalten Regionen über diesem vergleichsweise langen Zeitraum. Nahezu die gesamte Westhälfte der USA weist deutlich zu hohe Durchschnittstemperaturen für diesen Jahresabschnitt auf. Von Kalifornien über Nevada bis nach Arizona purzelten sogar häufig entsprechende Rekorde. Dem gegenüber steht eine zu kalte Osthälfte (mit Ausnahme von Südflorida und einigen küstennahen Regionen), wo vor allem in einem Streifen von den "Great Lakes" bis an den Golf von Mexiko besonders hohe negative Abweichungen der Durchschnittstemperaturen vom vieljährigen Mittel auftraten.

Als mögliche Ursache für diese Kontraste wird ein nahezu stationäres und im Wesentlichen seit Dezember letzten Jahres in Erscheinung tretendes Hochdruckgebiet über dem Ostpazifik genannt. Zwischen diesem Hoch und einem Tief, das sich weiter östlich über einen langen Zeitraum etablieren konnte, stellte sich über weite Strecken eine nördliche Strömung ein. Damit konnte über den zentralen und östlichen Gebieten der USA einerseits in den Wintermonaten kalte Luft aus hohen Breiten angezapft und bis weit nach Süden verfrachtet werden. Andererseits wurden im Sommer Warmluftvorstöße nach Norden weitestgehend unterbunden. Dagegen konnten sich die Luftmassen im Westen der USA insbesondere in den Sommermonaten unter dauerhaftem Hochdruckeinfluss besonders stark erwärmen.

Auch wenn es sich hierbei um ein "Extrembeispiel" handelt, zeigt es doch, dass Durchschnitte, Mittelwerte u. Ä. nur statistische Werkzeuge sind, die mit Vorsicht und vor allem nicht ohne zusätzlichen Kommentar zu genießen sind. Man stelle sich vor, es lägen im genannten Fall nur über die gesamte Fläche der Vereinigten Staaten gemittelte Werte zur Verfügung. So würde ein dem vieljährigen Mittel nahezu entsprechender Wert herauskommen. Daher bedarf es zur vollständigen Bewertung der meteorologischen Bedingungen eines genaueren Studiums.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

08.09.2014

Ja ist denn schon wieder Ostern?!

Das Wetter legt uns die kommenden Tage ein "Ei", ein sog. Höhentief, das die Form eines Ei hat. Es wird mitten über Ostdeutschland liegen und uns den Spätsommer vermiesen. Grafik © DWD.de
Das Wetter legt uns die kommenden Tage ein "Ei", ein sog. Höhentief, das die Form eines Ei hat. Es wird mitten über Ostdeutschland liegen und uns den Spätsommer vermiesen. Grafik © DWD.de

Es könnte alles so schön sein. Über dem Norden von Europa entwickelt sich im Laufe der Woche ein umfangreiches Hochdruckgebiet, das von den Britischen Inseln über Skandinavien bis nach Westrussland reicht. Dadurch dreht die Strömung auf nordöstliche Richtungen, sodass atlantische Tiefausläufer keine Chance haben auf Deutschland überzugreifen. Nach dem (spät)sommerlichen Wochenende könnte sich also das freundliche Wetter fortsetzen und der erste Herbstmonat würde den eher tristen August etwas aufwiegen.

Immer, wenn wir Sätze im Konjunktiv schreiben, ahnen Ihr aber schon, dass da noch etwas kommen muss. Das oben Gesagte entwickelt sich zwar genau so, wie eben beschrieben, allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit. So ging es bisher nur über die Wetterentwicklung in Bodennähe. Um das Wetter vorherzusagen, bedarf es allerdings einer Berücksichtigung aller Atmosphärenschichten. Man muss also auch schauen, was sich in höheren Sphären tut. Ganz speziell schauen wir einfach mal auf eine Druckfläche von 500 hPa. Das machen wir Meteorologen sehr gern, dass wir statt festen Höhen Druckflächen verwenden. Die 500-hPa-Fläche liegt etwa auf einer Höhe von 5600 m stellvertretend für die mittleren Atmosphärenschichten. 

Liegt nun die 500-hPa-Fläche in bestimmten Regionen niedriger als in der Umgebung, so ist das normalerweise auch gleichzusetzen mit tiefem Luftdruck am Boden. Wagen wir nun den Blick auf den kommenden Donnerstag, dann sieht man, dass über dem Osten von Deutschland die 500 hPa Fläche recht niedrig liegt. Dort wird also ein Tiefdruckgebiet in der Höhe vorhergesagt. Wir Meteorologen sprechen dann von einem „Höhentief“. 

In der Regel steht ein in der Höhe befindliches Tief auch immer in Verbindung mit einem Tiefdruckgebiet am Boden. Oder anders gesagt: Die Bildung von Bodentiefs wird gesteuert von der Entwicklung in den mittleren und höheren Atmosphärenschichten und damit eben auch von den Höhentiefs. Manchmal kann es aber auch vorkommen, dass man trotz eines Tiefs in der Höhe, in den Bodenwetterkarten nur flache oder gar keine Gebiete mit tiefem Luftdruck findet. Ist dies der Fall, dann bezeichnen wir solche Höhentiefs mit dem Namen "Kaltlufttropfen". Die Bezeichnung kommt daher, dass sich diese in den mittleren und höheren Luftschichten befindlichen Tiefs vor allem durch eine eingebettete kalte Luftmassenblase auszeichnen. Diese Höhenkaltluft verursacht als Kaltlufttropfen häufig Schauer und auch Gewitter. Dementsprechend ist dies auch das vorherrschende Wetterthema in den betroffenen Gebieten.

Derzeit befindet sich das Höhentief über der Nordsee und kann auch noch nicht als Kaltlufttropfen bezeichnet werden, da sich am Boden korrespondierend Tief BIGI befindet. Während sich BIGI im Wochenverlauf abschwächt, bleibt das Tief in der Höhe fit und verlagert sich bis zum Donnerstag ganz allmählich in den Osten Deutschlands.

Und was hat das nun mit Ostern zu tun? Die aufmerksamen Leser unter Euch zu unserem "Thema des Tages" wissen es bestimmt. Diese Kaltlufttropfen sehen auf den Wetterkarten der Meteorologen immer aus wie kleine runde oder ovale Ostereier, die zudem noch die Eigenschaft haben können, recht unkoordiniert von A nach B zu "eiern". Das wiederum ist recht schwierig vorherzusagen. Dementsprechend ist auch im Detail noch nicht klar, welche genaue Zugbahn der Kaltlufttropfen im weiteren Verlauf nehmen wird und wie kräftig er dabei bleibt.

Wie dem auch immer sei, fest steht: Trotz des "tollen" Hochs nördlichvon uns und der nordöstlichen Strömung wird es im Wochenverlauf wohl nur in wenigen Gebieten Deutschlands für lupenreines Spätsommerwetter reichen und auch das Temperaturniveau geht wieder zurück. Die Hoffnung auf Altweibersommer darf aber durchaus bestehen bleiben, denn ein Skandinavienhoch ist viel beständiger, als irgendein "herumeierndes Kaltluftei".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

05.09.2014

Herbst am Mittelmeer: Wenn Unwetter fast alltäglich werden

Die italienische Toskana, wie man sie eigentlich im Herbst nicht erleben will: graue Wolken, viel Regen. Doch leider gehört das heuer im Mittelmeerraum früher als sonst zum täglichen (Wetter-)Leben...
Die italienische Toskana, wie man sie eigentlich im Herbst nicht erleben will: graue Wolken, viel Regen. Doch leider gehört das heuer im Mittelmeerraum früher als sonst zum täglichen (Wetter-)Leben...

Kennt ihr bereits das "High Impact Weather" (HIW) des westlichen Mittelmeerraum? Es handelt sich dabei um Wetterlagen, die hohes Schadenspotenzial mit sich bringen. Meist eher kleinräumige Tiefdruckgebiete, die sich am Mittelmeer bevorzugt in den Herbstmonaten September bis November entwickeln, führen teilweise zu erheblichen Niederschlagsmengen. Zwar wollten wir mit diesem Artikel natürlich nicht den "Teufel an die Wand malen", allerdings muss konstatiert werden, dass sich eine eben solche Wetterlage in den ersten Septembertagen im Umfeld der Adria bereits manifestierte. Denn in Italien und den westlichen Balkanländern sorgten wiederholt auftretende, schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen für beträchtliche Schäden.

Am 1. und 2. September arbeiteten sich die Gewitter vom nördlichen Adria-Umfeld auf breiter Front sukzessive südwärts vor. Besonders in Italien und Kroatien gab es Überflutungen und Erdrutsche, viele Straßen waren nach den Unwettern unpassierbar. An einigen Stationen fiel binnen weniger Stunden doppelt so viel Niederschlag wie durchschnittlich im ganzen September. Als Beispiel soll an dieser Stelle die Station Dubrovnik (Kroatien) genannt sein, die eine 24-stündige Niederschlagssumme von 191,0 Litern auf den Quadratmeter registrierte. Zum Vergleich, im gesamten September sind dort auf Grundlage des vieljährigen Mittels nur 89,4 Liter Regen auf den Quadratmeter zu erwarten. Auch Hvar (130,0 l/qm) und Komiza (107,3 l/qm) im Südosten Kroatiens meldeten beachtliche Mengen. Ganz besonders intensive Gewitterzellen brachten zudem großkörnigen Hagel hervor. Zum Teil wurden die Hagelkörner so groß wie Golfbälle. Sturmböen ließen als weitere Begleiterscheinung viele Bäume umstürzen, so beispielsweise in der italienischen Hauptstadt Rom.

Auch am 3. und 4. September gab es weitere Gewitter, die punktuell sehr heftig ausfielen. Brennpunkt war nun insbesondere das südliche Umfeld der Adria. Im italienischen Pescara wurde am 3. September eine 24-stündige Niederschlagssumme von 192,0 Litern auf den Quadratmeter gemeldet. Dies entspricht etwa der dreifachen durchschnittlichen Monatssumme für September. Am 4. September wurde der nördliche Teil der italienischen Region Apulien am heftigsten getroffen. Durch die Straßen des kleinen Städtchens San Marco in Lamis walzten meterhohe Wasser- und Schlammlawinen, die alles mit sich rissen, was ihnen in die Quere kam. Im nahegelegenen Monte Sant'Angelo gingen 134,0 Liter Regen auf den Quadratmeter binnen 24 Stunden nieder. Am Tag zuvor sogar 141,0 Liter, sodass im 48-stündigen Zeitraum insgesamt 275,0 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen. Im Anbetracht dieser Zahlen, ist es nicht verwunderlich, dass es dabei zu größeren Schäden gekommen ist.

Wie ist nun diese turbulente Wetterphase zu erklären? Wie schon in der Einleitung dieses Artikels angedeutet und im Thema des Tages vom 31. August erläutert, kommt es in den Herbstmonaten verstärkt zu Tiefdruckentwicklungen im Mittelmeerraum. Entscheidend sind die im Herbst noch sehr warmen und sich nur zögerlich abkühlenden Wasseroberflächentemperaturen im Zusammenspiel mit den ersten, kräftigeren Kaltluftvorstößen, die vor allem in höheren Luftschichten für eine vorübergehende, deutliche Abkühlung sorgen. Das sich dadurch einstellende große Temperaturgefälle zwischen niedrigen und höheren Luftschichten begünstigt die Entstehung von kräftigen Schauern und Gewittern sowie das fortwährende Heranreifen von Tiefdruckgebieten.

Ende August erfolgte ein solcher Kaltluftvorstoß in Form eines mit kalter Luft angefüllten Höhentiefs, also eines Tiefs, das sich nur in den höheren Luftschichten abzeichnete. Dieses auch passend als "Kaltlufttropfen" bezeichnete Höhentief verlagerte sich mit seinem Kern von der Nordsee kommend über Deutschland und die Alpen hinweg nach Italien und weiter südostwärts. Über Italien und dem warmen Mittelmeer angekommen, war es schließlich maßgeblich beteiligt bei der Initiierung einer neuen Zyklogenese - wie wir Meteorologen eine Tiefdruckentwicklung fachmännisch bezeichnen. Da das Höhentief nun fortlaufend an ein korrelierendes Bodentief gekoppelt war, verlagerte es sich nun nicht mehr als "Kaltlufttropfen", sondern als Teil eines hochreichend ausgeprägten Tiefdruckkomplexes weiter. Dies allerdings mit abnehmender Geschwindigkeit, sodass die Gebiete um das Adriatische Meer herum über Tage hinweg mit dessen Auswirkungen zu kämpfen hatten - Unwetter wurden in diesen ersten Septembertagen leider und im wahrsten Sinne des Wortes zum Alltag.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

04.09.2014

Knapp daneben ist auch vorbei: Sonnenverwöhntes Nordeuropa

Nahezu bretteben zeigt sich zur Zeit der Kattegat zwischen Dänemark und Schweden (im Hintergrund die Hafenstadt Frederikshavn in Dänemark). Hoch GÖRGE sorgt hier für traumhaftes Spätsommerwetter bei einem nahezu makellos blauen Himmel...
Nahezu bretteben zeigt sich zur Zeit der Kattegat zwischen Dänemark und Schweden (im Hintergrund die Hafenstadt Frederikshavn in Dänemark). Hoch GÖRGE sorgt hier für traumhaftes Spätsommerwetter bei einem nahezu makellos blauen Himmel...

Hurrikans, die das Wetter in Mitteleuropa bestimmen, sind ja an sich nichts Unbekanntes. Doch in diesem Jahr ist es auffällig, wie sehr diese Stürme bisher unser Sommerwetter beeinflusst haben. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die aktuell laufende Hurrikansaison im Atlantik bisher als "leicht unterdurchschnittlich" angesehen werden kann.

"Bertha" und "Cristobal" waren die einzigen Tropenstürme der Saison, denen es gelang, bis auf den Nordatlantik und vor die Tore Europas zu ziehen. Solche Ex-Hurrikans sind immer für das Wetter in Europa interessant. Sie sorgen nicht selten durch ihre Stärke (als Sturm- oder gar Orkantiefs über dem Nordatlantik) für eine komplette Umstellung der vorherrschenden Wetterlage.

Trotz der relativ inaktiven Saison wurde wie bereits erwähnt Ende August ein Tropensturm auf die Reise gen Osten geschickt. Sein Name war "Cristobal", nach seiner Umwandlung in ein außertropisches Tief "Ex-Cristobal". Auf diesen Sturm waren alle Augen gerichtet, denn er sollte beständigeres und stabileres Wetter nach Mitteleuropa bringen. Im Thema des Tages vom 28. August wurde bereits der Lebensweg des Tropensturms aufgezeigt. In der Folge soll nun auf seine Auswirkungen eingegangen werden.

"Ex-Cristobal" zog als veritables außertropisches Sturmtief mit einem Kerndruck von unter 970 hPa auf direktem Wege nach Island und überquerte die Insel unter Abschwächung im Verlauf des 31. August von Südwest nach Nordost. Für uns in Deutschland war die frohe Nachricht, dass wir vorderseitig von "Ex-Cristobal" zu liegen kommen sollten und so warme Luft nach Europa strömen sollte. Dies war dann auch der Fall. 

Als ein Beispiel möge die Station "Lerwick" auf den Shetlands, nordöstlich von Schottland dienen. Ballonaufstiege ermittelten am 30. August in 4 km Höhe über Grund eine Temperatur von -11 Grad. 24 Stunden später im Zuge der Warmluftzufuhr von "Ex-Cristobal" stieg sie auf - 4 Grad an. Dies mag als nicht viel erscheinen, erleben wir doch immer wieder mal spürbare Temperaturanstiege oder -rückgänge mit Durchzug von Warm- oder Kaltfronten. In dieser Höhe über Grund jedoch sind das aber keine unerheblichen Temperaturdifferenzen. Solch eine hochreichende Erwärmung sorgt für die Ausbildung eines kräftigen Hochdruckgebietes, das eben nicht nur bodennah, sondern bis in mittlere Troposphärenschichten (z.B. 4 bis 5 km) ausgeprägt und somit stabiler und langlebiger ist. 

Die genaue Zugbahn von "Ex-Cristobal" war ausschlaggebend, wo sich dieses Hochdruckgebiet bilden würde und auf welcher Seite des Hochs wir in Deutschland liegen würden. Leider fand in diesem Fall der Vorstoß der warmen Luft recht weit nördlich statt, nämlich über Skandinavien. Wieso "leider" sei in der Folge kurz dargestellt:

Aktuell können wir das Ergebnis von "Ex-Cristobals" Warmluftvorstoß auf unseren Wetterkarten sehen. Hoch "Görge" liegt mit einem Kerndruck von über 1030 hPa über der Ostsee. Deutschland ist auf der Südflanke dieses Hochs zu finden und die Luftmasse, die zu uns geführt wird, rührt aus dem Balkan. Dort tobt seit Tagen ein kräftiges Höhentief und sorgt für zahlreiche kräftige Schauer und Gewitter. Heute (Donnerstag) und morgen ziehen in der südöstlichen Strömung wiederholt die Reste dieser Schauer und Gewitter in Form von ausgedehnten Cirrenfeldern über weite Bereiche Deutschlands. Besonders in Süd- und Westdeutschland können diese Wolkenfelder auch zeitweise recht dicht ausfallen. Ausgenommen davon ist Norddeutschland, wo die Nähe zum Hoch und die aus dem Hoch ausfließende trockene Luft für sonnigeres Wetter sorgen. Das dürfte die Urlauber zum Beispiel an Nord- und besonders der Ostsee erfreuen.

Zum Wochenende verlagert sich das bestimmende Hochdruckgebiet jedoch unter Abschwächung nach Osten und erlaubt einem für die Wettervorhersage tückischen Wetterelement in die Vorhersage  einzugreifen: sogenannte "Kaltlufttropfen" (Höhentiefs ohne dazugehöriges Bodentief) oder "Höhentiefs". Dies sind sehr engräumige Gebiete mit höhenkalter Luft, die dank ihres geringen Durchmessers von den Wettermodellen nur schwer erfasst werden können, sodass die Zugrichtung und Intensität auch nur schwer vorhergesagt werden kann. Abgeschlossene Höhentiefs treten besonders gerne bei sogenannten blockierenden Wetterlagen auf, also wenn sich die Wettersysteme nur sehr langsam und sich nicht wie bei einer Westwindwetterlage rasch von West nach Ost verlagern. Genau solch eine Lage haben wir die kommenden Tage. 

Eine Tiefdruckrinne, welche sich aus mehreren kleinräumigen Höhentiefs zusammensetzt, wird für Freitag in West-/ und Nordwestdeutschland erwartet. Diese erfasst am Samstag dann ganz Deutschland. Entsprechend der Struktur solcher Höhentiefs wird kühlere Luft in 4 bis 6 km Höhe über dem warmen Grund geführt. Dadurch nimmt die Temperatur mit der Höhe rasch ab. Das heißt, die Luftmasse wird labiler und es treten Schauer und Gewitter auf. 

Trotz der Wolken und Niederschläge steigen die Temperaturen besonders am Freitag und Samstag auf sommerliche Werte um 25 Grad. Die Meteorologen haben jedoch ein Auge auf die Entwicklung eines weiteren und noch kräftigeren Kaltlufttropfens, der zum Wochenende nach Übereinstimmung der meisten Modelle über die Nordsee langsam in Richtung Deutschland driften soll. Wie stark die Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland sein werden ist noch sehr unsicher, aber besonders der Süden könnte davon erst einmal wenig zu spüren bekommen. 

Finnland. Schweden und Anfangs auch Dänemark hingegen profitieren von "Ex-Cristobals" Warmluftzufuhr, denn in den kommenden Tagen zeigt sich dort bei beständig stabilem und sonnigem Wetter der Spätsommer von seiner besonders schönen Seite. Daher lassen sich hinsichtlich der positiven (sonnigen und spätsommerlich warmen) Auswirkungen von "Ex-Cristobal" zusammenfassend nur sagen: knapp daneben ist leider auch vorbei...

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

01.09.2014

Herbstlicher Wettercharakter zum meteorologischen Herbstanfang

Im September tauchen in Deutschland und Österreichs Mittel- wie Hochgebirgen in den Tallagen wieder die herbstlichen Nebelfelder auf. So man "von oben" im Sonnenschein draufschauen kann, hat der Nebel durchaus seine positiven Aspekte!
Im September tauchen in Deutschland und Österreichs Mittel- wie Hochgebirgen in den Tallagen wieder die herbstlichen Nebelfelder auf. So man "von oben" im Sonnenschein draufschauen kann, hat der Nebel durchaus seine positiven Aspekte!

Am heutigen 1. September beginnt nach meteorologischer Zeitrechnung der Herbst. Damit das die Meteorologen in diesem Jahr nicht vergessen, zeigt sich das Wetter schon mal entsprechend herbstlich. Bei Tiefstwerten zwischen 13 und 6 Grad, im höheren Bergland teils bis 3 Grad, konnte sich schon vielerorts dichter Nebel bilden. Im Südosten von Deutschland und an den Alpen wie in Österreich regnete es länger anhaltend. Eine Schneefallgrenze von um 2000 Meter kann dabei ebenfalls als Indiz für die herbstliche Saison gewertet werden. Gleichermaßen beginnen auch die Blätter an den Bäumen zunehmend die Farben gelb und rot anzunehmen. 

Zwar scheint der Spätsommer in dieser Woche tagsüber mit viel Sonne und zum Teil sommerlichen Temperaturen in weiten Teilen von Deutschland vorzudringen, doch besonders nachts streckt doch der Herbst weiter seine Fühler nach Mitteleuropa aus. Feststellen kann man dies an dem zunehmenden Tagesgang der Temperaturen. Während am Tag mit Sonnenunterstützung Höchstwerte zwischen 20 und 27 Grad erreicht werden, sinken die Temperaturen in der Nacht meist schon über 10 Grad ab. 

Der Grund liegt im abnehmenden Tageslicht. Während zum Sommeranfang am 21. Juni die Sonne knapp 16,5 Stunden am Himmel steht, müssen sich die Menschen in Deutschland in dieser Woche schon mit etwas über 13 Stunden begnügen. Zum kalendarischen Herbstanfang am 23. September werden es dann schon keine 12,5 Stunden mehr sein. Die geringste Menge an Tageslicht erwarten wir dann zum Winteranfang am 22. Dezember. 

Mit dem abnehmenden Sonnenlicht nehmen, wie oben schon angedeutet, auch die herbstlichen Wetter- und Umwelteigenschaften und somit auch Gefahren zu. So kann fallendes Laub insbesondere bei feuchten oder nassen Wetterbedingungen auf den Straßen für eine gefährliche Rutschbahn sorgen. Da sich das Wetter in den nächsten Tagen in weiten Teilen Deutschlands jedoch trocken und schwachwindig zeigt, sollte diese Gefahr derzeit eher nur lokal begrenzt eine Rolle spielen. 

Anders sieht es mit dem Nebel aus. Besonders der sogenannte Strahlungsnebel hüllt die Landschaften in bodennahen Schichten zunehmend in einen weiß-grauen Schleier. Der Strahlungsnebel beruht dabei im Wesentlichen auf bodennahes Auskühlen. Bei klarem Himmel gibt der Boden viel Wärme an die Luft ab und kühlt somit stark aus. Umso länger die Nacht dauert, desto stärker kann der Boden bei wolkenlosen Verhältnissen auskühlen. Zeitlich verzögert kühlt der Boden schließlich auch die unteren Luftschichten ab. Verfügt die Luftschicht über eine ausreichende Menge an Feuchte, kann diese ab einer bestimmten Temperatur (Sättigung der Luft mit Wasserdampf) zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Nachfolgend bilden sich bodennahe Wolken, die wir als Nebel wahrnehmen. Für Autofahrer können diese Nebelfelder aufgrund einer raschen Verschlechterung der Sichtverhältnisse sehr tückisch sein. Oftmals können die Sichtweiten lokal sogar unter 100 Meter sinken.

Erst wenn die Sonne am Himmel höher steigt und die Luft wieder erwärmt, löst sich der Nebel wieder auf. Die dann wieder wärmere Luft kann eine größere Menge an Feuchte aufnehmen, sodass die kleinen Nebeltröpfchen verdunsten und der Luft wieder als Wasserdampf erhalten bleiben. 

Auch in den nächsten beiden Nächten muss vor allem im Westen und Süden von Deutschland erneut mit Nebelbildung gerechnet werden. Gebietsweise sind dabei auch wieder Sichtweiten unter 150 Meter zu erwarten. Entsprechend sollte in den betroffenen Regionen die Fahrgeschwindigkeit den Verhältnissen angepasst werden. Erst in der zweiten Wochenhälfte nimmt die Nebelneigung vielerorts deutlich ab. Ausschlaggebend dafür sind zum einen die etwas höheren Temperaturen in der Nacht und zum anderen die abnehmende Luftfeuchte.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

29.08.2014

Nach dem Sommer ist vor dem Sommer

Für viele war der Sommer 2014 eine Katastrophe. Es gab aber auch heiße und sonnige Phasen, wie z.B. an Pfingsten.
Für viele war der Sommer 2014 eine Katastrophe. Es gab aber auch heiße und sonnige Phasen, wie z.B. an Pfingsten.

Der Sommer neigt sich meteorologisch dem Ende zu. Lässt man die vergangene Woche Revue passieren, dann war einem das schon länger klar. Der diesjährige August zählt dabei sicher nicht zu den besten Monaten. Dennoch ist der Sommer 2014 weit besser, als sein Ruf.

Das häufigste Problem liegt darin, woran man sich so erinnert, wenn man das Wort "Sommer" in den Raum wirft. Ganz vordergründig sind dabei vor allem Ereignisse, die entweder am nächsten an der Gegenwart liegen oder negativ aufgefallen sind. Dass es aber durchaus auch positive Aspekte gab, wird dabei meist verdrängt. Genauso wie die Tatsache, dass der diesjährige Sommer mit seinen Höhen und Tiefen mehr als typisch für das von der Westwindzone geprägte Mitteleuropa ist. Hitzesommer wie 2003 mit wochenlangem Schönwetter sind stattdessen die große Ausnahme.

Einen solchen Ausnahmesommer erlebt, oder besser erlebte, indes der äußerste Osten Kanadas - Neufundland. Wie schon im Juni und Juli sorgten dort sehr warme Luftmassen auch im August wieder für neue Rekorde. Neue Rekorde gab es auch auf der anderen Seite des Atlantiks. In Katesbridge in Nordirland wurden am Morgen des 24. Augusts ein Minimum von -1.9 °C gemessen. Und auch Quickborn, knapp nördlich von Hamburg, schrammte in der Nacht auf den 26. August mit einem Minimum von 1.6°C nur um ein halbes Grad am Allzeit-Augustrekord von 1956 vorbei. An anderen Stationen hat es hingegen für einen neuen Rekord gereicht, so z.B. in Barth bei Zingst (2.8 Grad), Neuhütten/Spessart (3.4 Grad) oder List/Sylt (8.3 Grad).

Aber muss man den Sommer nun tatsächlich negativ in Erinnerung behalten? Das Witterungsverhalten orientiert sich bekanntlich nicht am genauen Datum im Jahr. So ist vielen der vergangene Winter sicher noch als verfrühter Frühling in Erinnerung und das Frühjahr ließ schon Wochen vor dem meteorologischen Beginn an den Sommer erinnern. Warum sollte also nicht auch der Herbst einen sommerlichen Touch besitzen?

Einen kleinen Blick in den meteorologischen Herbst lassen die neusten Wettermodelle in jedem Fall zu. Wie im gestrigen Thema des Tages schon angedeutet kann ausgerechnet ein Ex-Hurrikan helfen, der Sonne und den Temperaturen in Deutschland neuen Schwung zu verleihen und der derzeit festgefahrenen Großwetterlage ein Ende zu setzen. Cristobal befindet sich derzeit noch in Hurrikanstärke knapp südlich von Neufundland und durchläuft gerade den Umwandlungsprozess von einem tropischen System zu einem außertropischen Sturmtief. Eingelagert in die nordhemisphärische Westwindzone soll sich sein
Kerndruck auf unter 975 hPa vertiefen.

Cristobal zieht als kräftiges Sturmtief weiter nach Island und löst sich dann allmählich auf. Und was bringt uns das? Auf der Vorderseite von Cristobal kann sich ein Hochdruckgebiet etablieren, das diesmal nicht den Zweitnamen Eintagsfliege trägt. Häufiger Sonnenschein sowie wolkenarmes und trockenes Wetter sind die Folge.

Gleichzeitig gelangen Mitteleuropa und Deutschland in eine südwestliche Strömung mit der warme Luftmassen aus Südeuropa herangeführt werden. Die vorhergesagten Maxima liegen für Mitte bis Ende kommender Woche zwischen 21 und 27 Grad. Nur nachts kann es in den doch schon recht langen Nächten (gut 10 Stunden) schon etwas frischer werden mit Tiefstwerten zwischen 14 und 9 Grad. Der Sommer ist als mitnichten passe und auch kalendarisch gesehen ist noch etwas Zeit.

Ob die sommerliche Witterung allerdings den gesamten Herbst prägen wird, ist jetzt natürlich noch nicht abzusehen. Jetzt kann man sich aber erst einmal auf die Rückkehr des milden und sonnigen Wetters Mitte kommender Woche freuen. 

Und wenn sich die Jahreszeit dann auch irgendwann nicht nur meteorologisch sondern auch kalendarisch und witterungstechnisch von uns verabschiedet, gilt wie in jedem Jahr: "Nach dem Sommer ist vor dem Sommer." 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

28.08.2014

Wirbelsturm Cristobal auf dem Weg nach Europa

Island - das Land der Gysire und Vulkane, im Bild der Myrdallgletscher. Die Insel am Polarkreis wird wohl in Kürze von Hurricane CHRISTOBAL Besuch bekommen. Dann sieht die Landschaft nicht mehr ganz so "nett" aus wie auf unserem Bild des Tages.
Island - das Land der Gysire und Vulkane, im Bild der Myrdallgletscher. Die Insel am Polarkreis wird wohl in Kürze von Hurricane CHRISTOBAL Besuch bekommen. Dann sieht die Landschaft nicht mehr ganz so "nett" aus wie auf unserem Bild des Tages.

Nach Wirbelsturm Bertha macht sich wieder ein Hurrikan auf den Weg nach Europa. Hurrikan Cristobal befindet sich derzeit vor der Ostküste Amerikas und wird von der "National Oceanic and Atmospheric Administration" (NOAA) einem der Wetterdienste der USA als Hurrikan der Stufe 1 auf der Saffir-Simpson Skala geführt. Anstatt in Richtung amerikanisches Festland weiter zu ziehen, bewegte er sich jedoch mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h in nordnordöstliche Richtung. Im direkten Umfeld erreicht das Windfeld von Hurrikan Cristobal derzeit maximale Windgeschwindigkeiten von teilweise über 120 km/h. Dabei transportiert er vorderseitig sehr warme und feuchte Luft nach Norden. 

Auch auf seiner weiteren Zugbahn, die ihn den Prognosen zufolge an der Südspitze Neufundlands vorbei in Richtung Island führt, wird Cristobal voraussichtlich bis weit auf den Atlantik hinaus mit dem Status eines Hurrikans versehen bleiben. Dabei wandelt sich Cristobal jedoch zunehmend in ein außertropisches Sturmtief um. Damit lässt die Rotationsgeschwindigkeit des Systems etwas nach, sodass die Windgeschwindigkeiten zunächst bei "nur noch" um 100 km/h liegen sollten. 

Über das Wochenende hinweg wird er von der westlichen Höhenströmung eingefangen und nach Osten geführt. Damit verbunden nimmt die Verlagerungsgeschwindigkeit Fahrt auf. Durch zyklogenetische Prozesse (verstärkende Prozesse eines Sturmtiefs) kann zudem der Kerndruck weiter absinken. Für weiterreichende und detaillierte Informationen über die Umwandlung von Hurrikans in außertropische Sturmtiefs können Sie das Thema des Tages vom 9. August ("Die wandelbare BERTHA") lesen. 

In der Nacht auf Montag soll sich der ehemalige Hurrikan Cristobal mit einem Kerndruck um 970 hPa westlich von Island befinden. Bis dahin sind die Prognosen der deutschen Modellkette und des Globalmodells des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) bezüglich Intensität und Zugbahn noch nahezu identisch. Erst in der Folge nehmen die Unterschiede zwischen den Modellen wieder, teils deutlich, zu. Während im Globalmodell des Deutschen Wetterdienstes (GME) die ostwärtige Verlagerung von Cristobal durch ein ausgeprägtes und quasi stationäres Hochdruckgebiet über Skandinavien frühzeitig abgebremst wird und er nachfolgend an der Ostküste Islands vorbei nach Norden wandert, lässt das europäische Globalmodell (EZ) den ehemaligen Hurrikan weiter nach Osten bis zur Küste Norwegens vordringen, bevor er ebenfalls nach Norden eindrehen soll. 

Diese Differenzen haben jedoch keinen größeren Einfluss auf das Wetter in Deutschland. Lediglich für Skandinavien und dort vor allem für Norwegen sind die Modellunterschiede bezüglich der zu erwartenden Niederschlagsmenge und Windgeschwindigkeiten von erheblicher Bedeutung. 

Da Cristobal mit hoher Wahrscheinlichkeit das europäische Festland wesentlich weiter nördlich als der ehemalige Wirbelsturm "Bertha" trifft, bleiben West- und Mitteleuropa weitgehend von seinen Auswirkungen verschont. Stattdessen kann auf der Südflanke der Zugbahn von Cristobal das Azorenhoch weit nach Osten vordringen und teilweise sogar eine Brücke zum Russlandhoch bilden. Nachfolgend würde sich in weiten Teilen Deutschlands eine Wetterberuhigung durchsetzen. Lediglich im Umfeld der Ostsee sowie im Osten gibt es noch größere Unsicherheiten. Einige Modelle simulieren anfangs noch tiefen Luftdruck über Polen, der das Wetter in den benannten Regionen bis Mittwoch noch leicht wechselhaft lässt. Ab Mittwoch sollten nach derzeitigem Stand jedoch auch dort die sonnigen Anteile deutlich zunehmen. Allerdings würden die Temperaturen nicht im gleichen Maße ansteigen. Da das Hochdruckzentrum wohl über Dänemark (GME) bzw. Benelux (ECMWF) zu liegen kommt, würde sich eine östliche bis nordöstliche Strömung einstellen, die nur mäßig warme Luft nach Deutschland transportiert.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

27.08.2014

Hoch Nordmeer-Island, überwiegend zyklonale Wetterlage

Sonnenschein PUR Dank Hoch FRANK herrscht derzeit im Norden von Schottland - in unserem Bild die Highlands bei Tongue.
Sonnenschein PUR Dank Hoch FRANK herrscht derzeit im Norden von Schottland - in unserem Bild die Highlands bei Tongue.

Der Jahresverlauf der Witterung in einem Gebiet der mittleren Breiten besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich durch großräumige Luftdruck- bzw. Geopotentialverteilungen und die daraus resultierenden Strömungsmuster, in Bodennähe sowie in den darüber liegenden Luftschichten. 

Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in das Zirkulationsregime einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten. 

Die derzeitige Großwetterlage kann man als zyklonal geprägtes "Hoch Nordmeer-Island" (wiss. Abkürzung HNz) klassifizieren, wobei "zyklonal" für "tiefdruckbeeinflusst" steht, denn Mitteleuropa wird vom südlichen Zweig der Frontalzone erfasst. HNz zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in West-Ost-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Nord-Süd-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind in derselben Größenordnung. 

Konkret liegt Mitteleuropa seit gestern südöstlich des Hochdruckgebietes FRANK, welches sich zwischen den Britischen Inseln, Island und Skandinavien erstreckt und seinen Schwerpunkt etwa bei den Shetland-Inseln hat. Im Zusammenspiel mit dem über Karelien liegenden Tiefdruckwirbel ZELDA gelangt mit nördlicher Strömung Meeresluft polaren Ursprungs nach Mitteleuropa und traf dort auf latent wärmere Luftmassen atlantischen und mediterranen Ursprungs. 

Infolgedessen etablierte sich eine Tiefdruckrinne mit einer ausgeprägten Luftmassengrenze, die sich vom Atlantik bis nach Osteuropa erstreckt. Derartige Situationen sind berüchtigt, denn so entstandene Frontensysteme sind oftmals quasi-stationär oder verlagern sich nur langsam und bilden lang andauernde und ergiebige Niederschlagsgebiete. 

Seit Montagabend kam es in den mittleren und südlichen Teilen Deutschlands gebietsweise zu intensivem Dauerregen, besonders in dem Streifen zwischen Nordschwarzwald und Fränkischer Alb/Unterbayrischem Hügelland, aber auch im Bayrischen Wald sowie Teilen des Rheinischen Schiefergebirges und des Hessischen Berglandes. 

Spitzenreiter innerhalb des DWD-Meßnetzes bei den vierundzwanzigstündigen Niederschlagsmengen bis heute früh 06:00 UTC war die Station Kösching (nördlich von Ingolstadt, 417 m Höhe über dem Meeresspiegel) mit 56 L/m² (= mm), gefolgt von Baiersbronn-Ruhestein (Nordschwarzwald, 916 m) und Straubenhardt-Schwann (bei Pforzheim, 421 m) mit jeweils 55 mm. Innerhalb von achtundvierzig Stunden fielen in Straubenhardt 65 mm, in Körsching 66 mm, und in Baiersbronn sogar 76 mm Regen. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

25.08.2014

Wasserhosen in Europa

Wenn starke Gewitterzellen über das Wasser streichen entstehen so genannte Wasserhosen.
Wenn starke Gewitterzellen über das Wasser streichen entstehen so genannte Wasserhosen.

Wie bereits im Thema des Tages am 15. August 2014 beschrieben, weisen die meisten Wasserflächen in Europa im diesjährigen August überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen auf. Besonders im Osten und Norden der Ostsee und im Osten des Mittelmeers traten teilweise positive Temperaturabweichungen von mehr als 4 Kelvin (K) (Temperaturdifferenzangabe entspricht 4 Grad Celsius) auf. Die entsprechende Gefahr von heftigen Niederschlägen wurde in diesem Thema des Tages bereits diskutiert, doch es soll noch auf ein weiteres Phänomen aufmerksam gemacht werden, welches sich besonders bei solch warmen Wassertemperaturen vermehrt entwickelt: die Wasserhose (oder wie die Dänen liebevoll sagen: "skypumpe").

Eine Wasserhose ist nichts anderes als eine Großtrombe oder ein Tornado, nur dass dieses Wetterphänomen im Gegensatz zu den Tornados über Land in mehreren Situationen entstehen kann.

Zunächst einmal können sich Wasserhosen in Verbindung mit kräftigen und langlebigen Gewittern entwickeln. Besonders kräftig können diese Wasserhosen in Verbindung mit sogenannten Superzellen ausfallen. Superzellen sind langlebige, rotierende Gewitter, die entstehen, wenn die Atmosphäre labil geschichtet ist und dabei die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zunimmt (Windscherung) und sich die Windrichtung ebenfalls mit der Höhe ändert. Durch solch ein Zusammenspiel von zur Verfügung stehender Energie und Windscherung entstehen Gewitter, die über Stunden leben und weite Distanzen zurücklegen können. 

Die Atmosphäre muss aber nicht immer so wild sein, wenn es um die Entwicklung von Wasserhosen geht, denn es gibt auch noch eine weitere Möglichkeit der Entstehung. Diese Entwicklung ist auch unter dem Begriff "Schönwetter" Wasserhosen bekannt, denn es müssen nicht einmal Schauer und Gewitter vorhanden sein; teils reichen auch Konvektionswolken (Kumulus- oder auch Haufenwolken genannt) zu deren Entstehung aus. In diesem Fall spielt die warme Wasseroberfläche eine große Bedeutung. Besonders in den Übergangsmonaten wie dem Herbst, wenn kühle Luft in 3 bis 5 km Höhe über die noch warmen Meere oder Seen streicht, kann sich eine teils sehr labile Schichtung ausbilden. Nun wird häufig ein Mechanismus benötigt, der für die Entwicklung von Schauern und Gewittern sorgt, was meist eine Konvergenz ist. Entlang einer Konvergenz strömen Winde aus unterschiedlichen Richtungen bodennah zusammen und sorgen für aufsteigende Luft, die kondensiert und Wolken bildet. Dies ist häufig entlang der Küsten der Fall, wo der Wind reibungsbedingt abgebremst wird und seine Richtung ändert. So bilden sich langlebige und ausgedehnte Küstenkonvergenzen aus. Entlang solcher Konvergenzen sorgen die unterschiedlichen Windrichtungen und teilweise auch die variablen Windgeschwindigkeiten dafür, dass die Luft beginnt, horizontal zu verwirbeln und zu rotieren. Die Rotation ist sehr schwach und ist nichts Ungewöhnliches, jedoch ändert sich das, wenn sich über solch einer Konvergenz ein Aufwind bildet (wie zum Beispiel in Form eines Schauers oder Gewitters). Nun kann unter solch einem Aufwind die horizontal rotierende Luft in die Vertikale gehoben werden. Je stärker nun der Aufwind wird, umso stärker wird diese vertikale Rotation konzentriert und beschleunigt und es kann zur Kondensation und zur Bildung einer sogenannten "funnel cloud" kommen. Sobald diese die Wasseroberfläche berührt wird sie als "Wasserhose" bezeichnet. 

Die meisten Wasserhosen fallen mit einer Lebensdauer von meist weniger als 20 Minuten unter die Kategorie "kurzlebig" und weisen geringe Windgeschwindigkeiten auf, verglichen zum Beispiel zu den Wasserhosen unter Superzellen. Dennoch können auch bei solch kurzlebigen Ereignissen Windgeschwindigkeiten bis 120 km/h auftreten. Eine Gefahr geht hierbei über Wasser vor allem für Segler und Schiffe aus, jedoch können diese bei Auftreffen auf Land für lange Schneisen der Zerstörung sorgen. Ein Beispiel ist eine Wasserhose in Venedig, die am 12. Juni 2012 an Land ging und für eine über 10 km lange Schadensspur sorgte. Von Interesse ist sicherlich, dass während des 
Landgangs einer solchen Wasserhose auch nicht selten die aus der oberflächennahen Schicht der Meere oder Seen angesaugten Lebewesen wie Fische oder Frösche über Land zu Boden fallen. In zahlreichen Geschichtsbüchern ist von solch merkwürdigem Tierregen immer wieder die Rede und diese Ereignisse können auf dieses Wetterphänomen zurückgeführt werden.

Während der vergangenen Tage gab es in Europa zahlreiche Wasserhosen,
die in beide Kategorien eingeteilt werden können. Tief "Wilma" dürfte besonders den Bewohnern entlang der Nord- und Ostsee noch in Erinnerung sein, welche kühle Atlantikluft über die sehr warme Nord- und Ostsee führte. Neben den teils heftigen Regenfällen entlang der recht stationären Küstenkonvergenzen kam es 
auch zur Ausbildung von Wasserhosen und "funnel clouds". Seit Mitte August wurden zahlreiche Meldungen von Nordfrankreich bis hin nach St. Petersburg in der European Severe Weather Database (ESWD) registriert. Ein weiterer Schwerpunkt war im zentralen Mittelmeer zu finden und dort besonders im Golf von Genua und der nördlichen Adria. Dort jedoch ereigneten sich die Wasserhosen in Verbindung mit kräftigen Gewittern und waren entsprechend von den Auswirkungen her teilweise schadensträchtiger als die Ereignisse weiter im Norden. Seit Mitte August wurden in diesen Bereichen über 60 solcher Meldungen registriert, was an sich für solch einen großen Zeitraum keine außergewöhnlich hohe Zahl ist, jedoch für Mitte August als recht beachtlich angesehen werden kann.

Jedoch geht nun für die kommenden Augusttage die Zeit der Wasserhosen besonders über dem Mittelmeer allmählich dem Ende entgegen, denn mit einem sich verstärkenden Hochdruckgebiet sollte die Gewitteraktivität in diesem Bereich deutlich abgeschwächt werden und auch die Temperaturen in 3 bis 5 km Höhe erwärmen sich nachhaltig. Weiter im Norden über der Ostsee hingegen sorgt Höhenkaltluft auch die kommenden Tage über erneut für regional förderliche Bedingungen zur Bildung von Wasserhosen, die an dem ein oder anderen Küstenstreifen wieder für Aufregung und nicht selten für beeindruckende Fotografien sorgen werden.

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

 

 

22.08.2014

Es geht auch anders

Besonders in den vergangenen Nächten wurde es mit einstelligen Temperaturen verbreitet recht kalt. Auch in den kommenden Nächten wird es noch einmal sehr frisch werden.
Besonders in den vergangenen Nächten wurde es mit einstelligen Temperaturen verbreitet recht kalt. Auch in den kommenden Nächten wird es noch einmal sehr frisch werden.

Wer derzeit morgens vor die Tür geht, wird mitunter ziemlich "kalt erwischt". Denn auch am heutigen Freitagmorgen fielen die Temperaturen häufig wieder unter die 10 Grad-Marke. Im nord-bayerischen Bad Königshofen wurden in der vergangenen Nacht sogar nur 2,1 Grad als Tiefstwert gemessen. Wer bei diesem Wetter morgens nur mit einem dünnen Sommerjäckchen herausgeht, der wird unter Umständen frieren.

Temperaturen unter 10 Grad in der Nacht sind im Spätsommer eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dass es aber sogar 4 Nächte in Folge mit verbreiteten Tiefstwerten unter 10 Grad wie in diesem Jahr gibt, kommt dann doch nicht so oft vor.

Auch tagsüber wurden in den letzten Tagen in Deutschland eher herbstliche Temperaturen verzeichnet. Für die Jahreszeit zu kühle 15 bis 20 Grad vermeldeten die Wetterstationen in der Mehrzahl, nur hier und da zeigten die Thermometer mal mehr als 20 Grad an. Einen Sommertag mit einer Temperatur über 25 Grad gab es zuletzt am 13. August 2014, an dem im brandenburgischen Manschnow an der Grenze zu Polen 25,4 Grad erreicht wurden. Seit 9 Tagen fehlt vom Hochsommer bundesweit also jede Spur.

Dass der Hochsommer in der 2. August-Hälfte in Deutschland aber durchaus noch einmal voll zuschlagen kann, zeigte sich im Jahr 2012. Damals gab es in einer Phase vom 18. bis zum 21. August häufig Höchstwerte von über 30 Grad, teils auch von über 35 Grad. Am 20.August 2012 wurden zum Höhepunkt der Hitzewelle in Dresden-Hosterwitz sogar 39,8 Grad gemessen! Das sind fast 20 Grad mehr als im aktuellen Jahr. Zudem traten nachts auch oft Tropennächte auf, bei der die Temperatur vielerorts nicht mal mehr unter 20 Grad sank. Das, was damals also nachts nicht unterschritten wurde, schaffen wir heute tagsüber oft nicht. Welch ein Gegensatz!

Solch große Temperaturunterschiede sind im August möglich, weil am Mittelmeer im Spätsommer meist heißes bis sehr heißes Wetter mit über 30 Grad vorherrscht. Dort kann sich unter Hochdruckeinfluss mit viel Sonnenschein im ganzen Sommer die Luft immer weiter erwärmen. Kommt diese heiße Luft dann wie im August 2012 mit südlichen bis südwestlichen Winden nach Deutschland, so kann es eben auch bei uns sehr heiß werden (siehe dazu auch die Bodendruckanalyse vom 19.08.2012, zu finden rechts auf www.dwd.de in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Auf der anderen Seite ist es in Richtung 
Nordmeer meist deutlich kühler. Strömt diese Luft zu uns, dann ist es bei uns entsprechend kalt, zumal sich die Luft beim Überstreichen der Nordsee auch kaum noch erwärmt.

Ein Comeback des Hochsommers ist für die letzten August-Tage derzeit weiterhin nicht in Sicht. Die Temperaturen verharren eher im Bereich der 20-Grad-Marke, dazu gibt es immer wieder Phasen mit Schauern und Gewittern. Für viele wird dieses Wetter aber angenehmer sein als die doch sehr belastende Hitze der Hochsommerphase im August 2012.

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

21.08.2014

Sonne und Erde im Strahlungsgleichgewicht

Die Oberflächenstrahlungstemperatur der Sonne beträgt etwa 6000 °C, die dabei abgesendete Strahlungsleistung liegt in der Größenordnung von 10 hoch 26 Watt (das ist eine Zahl mit 26 Nullen). (Zum Vergleich: Ein großes Atomkraftwerk erzeugt eine Leistung von etwa 10 hoch 9 Watt.)
Die Oberflächenstrahlungstemperatur der Sonne beträgt etwa 6000 °C, die dabei abgesendete Strahlungsleistung liegt in der Größenordnung von 10 hoch 26 Watt (das ist eine Zahl mit 26 Nullen). (Zum Vergleich: Ein großes Atomkraftwerk erzeugt eine Leistung von etwa 10 hoch 9 Watt.)

 

Auch wenn es in diesen Tagen aufgrund der häufig starken Bewölkung und der recht bescheidenen Temperaturen hierzulande manch einer gar nicht glauben mag, die Sonne strahlt fortan. Und zwar sozusagen mit der Erde um die Wette, denn Sonne und Erde befinden sich in einem Strahlungsgleichgewicht.

Die Oberflächenstrahlungstemperatur der Sonne beträgt etwa 6000 °C, die dabei abgesendete Strahlungsleistung liegt in der Größenordnung von 10 hoch 26 Watt (das ist eine Zahl mit 26 Nullen). (Zum Vergleich: Ein großes Atomkraftwerk erzeugt eine Leistung von etwa 10 hoch 9 Watt.)

Doch diese gigantische abgestrahlte Energiemenge kommt nicht komplett bei uns an, denn aus Sicht der Sonne ist die Erde nur ein winziger Punkt im gesamten Weltall. Und somit erreichen unseren "Blauen Planeten", bedingt durch den großen Abstand zum Zentralgestirn, wie man unsere Sonne auch nennt, "nur" etwa 10 hoch 17 Watt. Das sind bei genauer Berechnung und im Zenit stehender Sonne auf der Oberseite der Atmosphäre (der Grenze zum Weltall) 1368 Watt pro Quadratmeter. Mit diesem Wert trifft die Sonnenstrahlung auf die Kreisfläche des
Erdumfangs auf und wird im Allgemeinen als "Solarkonstante" bezeichnet. 

Durch die Erddrehung (Tag/Nacht) trifft im Mittel auf die gesamte Erdkugel nur ein Viertel von den oben erwähnten 1368 Watt pro Quadratmeter auf, d.h. die Sonne strahlt also nur mit einem Viertel der Solarkonstante, also mit 342 Watt pro Quadratmeter in Richtung Erdoberfläche. Durch die Reflexion der Sonnenstrahlung an Wolken, Schnee usw. werden dabei jedoch 30 % (mittleres Rückstrahlungsvermögen/Albedo der Erde) sofort wieder an das Weltall  zurückgeben. Somit dezimiert sich die effektive mittlere Einstrahlung der Sonne am Erdboden auf 239 Watt pro Quadratmeter. Damit sich die Erde im Laufe der Zeit nicht immer weiter erwärmt, wird diese Energie nicht gespeichert, sondern mit demselben Betrag wieder Form von Wärmestrahlung an das Weltall zurückgegeben. Die von der Sonne ankommende Einstrahlung steht also im Gleichgewicht mit der Abstrahlung der Erde an den Kosmos. Bevor dies jedoch geschieht, sorgt eine Vielzahl an Umwandlungsprozessen für den Antrieb unseres
Klimasystems und ist somit auch für unser Wetter zuständig.

Mittels des Stefan-Boltzmannschen Strahlungsgesetzes lässt sich anhand der oben genannten 239 Watt pro Quadratmeter die  Strahlungsgleichgewichtstemperatur der Erde berechnen. Diese liegt  bei -18 °C (vgl. Sonne 6000 °C). 

Auf die gleiche Weise lässt sich auch die Strahlungstemperatur anderer Planeten herleiten. Ein interessantes Beispiel ist der Planet Venus. Obwohl der Abstand zur Sonne im Vergleich zur Erde deutlich geringer ist, liegt die Strahlungsgleichgewichtstemperatur der Venus bei lediglich -46 °C. Grund dafür ist die extrem hohe Albedo, diese liegt bei fast 78 %. Als krasser Kontrast dazu beträgt die mittlere Bodenoberflächentemperatur auf der Venus menschenfeindliche +477 °C. Dieser große Unterschied zwischen Strahlungsgleichgewichtstemperatur und Bodenoberflächentemperatur liegt am Treibhauseffekt. Dieser ist durch die Zusammensetzung der dortigen Atmosphäre sehr stark ausgeprägt. Denn der Hauptbestandteil ist mit 95 % das auch auf der Erde viel diskutierte klimarelevante Treibhausgas "Kohlendioxid".

Auch auf der Erde sorgt der natürliche Treibhauseffekt mit seinen verschiedensten Treibhausgasen für eine Erwärmung. Zum Glück nicht mit derselben Ausprägung wie auf der Venus. Dennoch ergibt sich eine Erhöhung der Strahlungsgleichgewichtstemperatur von -18°C um +33 °C, sodass eine menschenfreundliche mittlere Erdoberflächentemperatur von +15 °C erreicht wird.

Relativ einfach zeigt sich durch die obigen Erläuterungen, dass die Strahlungsgleichgewichtstemperatur der Planeten durch die Abstrahlung der Sonne, den Abstand zu ihr und durch die Albedo der einzelnen Planeten festgelegt ist. Dagegen steht die Bodenoberflächentemperatur mittels des Treibhauseffektes in starker Abhängigkeit zur Zusammensetzung der Atmosphäre des jeweiligen Planeten.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

 

20.08.2014

Sommerwetterfans stehen im Regen

Besonders am frühen Morgen ist es zur Zeit sehr frisch mit einstelligen Temperaturen. Da kann man durchaus schon mal an den Herbst denken.
Besonders am frühen Morgen ist es zur Zeit sehr frisch mit einstelligen Temperaturen. Da kann man durchaus schon mal an den Herbst denken.

 

Westliche bis nördliche Luftströmungen waren in den vergangenen Tagen
bei uns in Deutschland vorherrschend. Damit wurde die zuvor über Wochen dominierende schwül-warme (teils auch heiße) Luft mit 25 bis 30 Grad oder noch mehr durch maritime Polarluft mit maximal 15 bis 20 Grad ersetzt. Seit letzter Woche Montag haben sich diese relativ tieferen Temperaturen nun im Bundesgebiet etabliert.

In der Nacht zum heutigen Mittwoch sank die Temperatur in einigen westlichen Mittelgebirgen sogar bis nahe 3 Grad ab. Die tiefste Temperatur wurde mit 3,2 Grad im hessischen Gilserberg-Moischeid (etwa 60 km südwestlich von Kassel) gemessen. In der Eifel gab es im belgischen Elsenborn nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt mit einer Minimumtemperatur von 0,8 Grad fast sogar Luftfrost! Ähnlich niedrig waren auf deutscher Seite die Temperaturen am Boden (in 5 cm Höhe). Mehrfach zeigten die Thermometer als tiefste Bodentemperatur nur 1,0 Grad an: In Manderscheid-Sonnenhof und Montabaur (beide in Rheinland-Pfalz) sowie in Meinerzhagen-Redlendorf und Eslohe (beide in Nordrhein-Westfalen).

Manch einem "Sommerfan" dauert dieses für die Jahreszeit zu kalte Wetter nun schon wieder deutlich zu lange an. Nochmals sommerliche Temperaturen wären da eher wünschenswert, am besten natürlich mit längerem Sonnenschein. Tatsächlich wird es in der kommenden Woche bei 20 bis 25 Grad wieder wärmer, dabei bleibt es aber weiterhin wechselhaft.

Ursache des voraussichtlich wieder wärmeren Wetters ist eine Strömungsänderung, die sich etwa ab Montag einstellt. Das aktuell und bis zum Wochenende noch dominierende Skandinavientief "Wilma" (im Zusammenspiel mit Randtief "Xiomara") verliert dann mehr und mehr seinen Einfluss auf Deutschland. Dafür geraten wir auf die Südostflanke eines neuen atlantischen Tiefs bei den Britischen Inseln. Da der Wind auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn um die Tiefdruckgebiete herum weht, wird aus der aktuellen nördlichen bis nordwestlichen Strömung zum Anfang der kommenden Woche kurzzeitig eine südwestliche Strömung.

Dass es nicht wesentlich über die 25 Grad hinaus geht (was nach meteorologischer Definition ein Sommertag wäre), liegt ebenso an dem Tief über den Britischen Inseln. Es bestimmt im Verlauf der nächsten Woche zunehmend das Wetter in Deutschland. Dabei wird mit der Verlagerung des Tiefs aus der anfänglichen südwestlichen Strömung bald wieder eine mehr westliche, die dann nicht mehr ganz so warme Luft vom Atlantik bringt. Zudem ist durch den Tiefdruckeinfluss auch wolkenreiches und zu Schauern und Gewittern neigendes Wetter zu erwarten, was die Temperaturen ebenfalls dämpfen wird.

Bleibt für die Sommerwetterfans zu hoffen, dass das Wetter im restlichen August noch etwas "in petto" hat und am Ende des Monats nochmals eine sommerliche Phase hervorzaubert. Ansonsten muss man eben auf den "Altweibersommer" vertrauen, der im September auf eine Phase wärmeren und trockeneren Wetters hoffen lässt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

19.08.2014

Windmessung

Üblicherweise erfolgt die Windmessung über ein solches Halbschalenanemometer. Auch als Schlaenkreuzanemometer bekannt.
Üblicherweise erfolgt die Windmessung über ein solches Halbschalenanemometer. Auch als Schlaenkreuzanemometer bekannt.

 

Seit gut anderthalb Wochen - seit Ex-Hurrikan BERTHA auf uns traf - ist es vor allem an der Küste sehr windig. Selbst im Binnenland war der Wind immer wieder mal kräftig zu spüren. Nach BERTHA kam nämlich ein weiteres kräftiges Tiefdruckgebiet namens WILMA, das uns bis heute ein windiges und eher herbstliches Wetter beschert. 

Was Wind überhaupt ist und was das mit WILMA zu tun hat, wurde bereits im Thema des Tages vom 18.08.2014 erklärt. Nun soll es um die Frage gehen, wie überhaupt eine verwertbare Aussage über die Eigenschaften des Windes getroffen werden kann. Um den Wind eindeutig zu charakterisieren, muss neben der Windgeschwindigkeit auch dessen Richtung gemessen werden. 

Zur Messung der Windgeschwindigkeit benötigt man ein sogenanntes Anemometer (Griech. anemos = Wind; s. Abbildung unter "Thema des Tages" => [mehr]). Im Deutschen Wetterdienst wird ein Schalenkreuzanemometer eingesetzt, das die gebräuchlichste Anemometerart darstellt. Dieses Messgerät besteht aus einem Kreuz halbkugelförmiger Hohlschalen, die einem Eiskugellöffel ähneln. Weht der Wind gegen bzw. in diese Schalen, setzt sich der Stern in eine 
Rotationsbewegung. Aus der Rotationsgeschwindigkeit wird dann die Windgeschwindigkeit abgeleitet. 

Die Windgeschwindigkeit wird üblicherweise in "Meter pro Sekunde" (m/s), "Kilometer pro Stunde" (km/h) oder als Windstärke in einer Skala ("Beaufort" von Bft 0 = Windstill bis Bft 12 = Orkan) angegeben. In der See- und Luftfahrt ist die Einheit "Knoten" (kt) gebräuchlich, was "Seemeile oder nautische Meile pro Stunde" bedeutet. Wer diese Zusammenhänge der einzelnen Windgeschwindigkeiten auf Natur und Infrastruktur genauer wissen möchte, kann sich auf www.dwd.de/lexikon unter "Beaufort-Skala" nähere Informationen 
einholen.

Bei den Windangaben wird häufig von Böen oder "böig" gesprochen. Damit ist die größte, innerhalb eines bestimmten Zeitraums - meist 10 Minuten oder einer bis mehrerer Stunden - gemessene Windgeschwindigkeit gemeint, also die Windspitze bzw. das -maximum im besagten Zeitraum.

Soll gleichzeitig die Windrichtung erfasst werden, kombiniert man das Schalenkreuzanemometer mit einer Windfahne. Die gemessene Windrichtung wird in Grad angegeben und beschreibt die Richtung aus der der Wind kommt. Dabei bedeuten 0 Grad (= 360 Grad) Nord, 90 Grad Ost, 180 Grad Süd und 270 Grad West. 

Die Windmessgeräte werden fernab von größeren Hindernissen auf einer freien Fläche und zumeist in 10 Meter Höhe angebracht, da der Wind in den darunterliegenden Höhen zu stark von lokalen Effekten wie z.B. Kanalisierungseffekten beeinflusst sein könnte. 

Am gestrigen Montag (18.08.2014) wurden im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes verbreitet Böen der Stärke Bft 7 (50-61 km/h, 14-17 m/s, 28-33 kt) registriert, nur der äußerste Südosten blieb von dem starkem Wind "verschont". Sowohl an der Küste als auch in Berglagen wurden häufig Windstärken zwischen Bft 8 und Bft 9 (62-88 km/h, 17-24 m/s, 34-47 kt) verzeichnet und an einigen wenigen Orten sogar fast eine orkanartige Böe von Bft 11 (103-117 km/h, 28-32 m/s, 56-63 kt) gemessen. 

Damit wurde der Höhepunkt der Windaktivität vorerst erreicht. Heute werden nur noch im höheren Bergland und an der See starke bis stürmische Böen (Bft 7-8), vereinzelt auch Sturmböen (Bft 9) erwartet. Dort, wo Schauer und Gewitter auftreten, kann der Wind zeitweise auch im Binnenland stark bis stürmisch wehen.

 

Erstellt mit Material des DWD, © SAT-Bild DWD 2014 http://www.dwd.de

18.08.2014

Windige Wilma

Besonders im Norden von Deutschland sorgt das Tief "Wilma" für ordentlich Wind und Regen. Weiter südlich sind es nur einzelne Schauer, dafür spürt man landesweit die kühle polare Meeresluft am heutigen Montag.
Besonders im Norden von Deutschland sorgt das Tief "Wilma" für ordentlich Wind und Regen. Weiter südlich sind es nur einzelne Schauer, dafür  spürt man Landesweit die kühle Polare Meeresluft am heutigen Montag.

 

WILMA ist nicht nur Namensgeber für den bisher stärksten registrierten Hurrikan (2005 im Golf von Mexiko und vor der Küste von Florida), sondern auch für das derzeitige auch für Deutschland wetterbestimmende Sturmtief über Norwegen.

Auf der Westflanke dieses Tiefs gelangt besonders in der Höhe sehr kalte Luft nach Norddeutschland, was anschaulich in der Grafik unter "Thema des Tages" [mehr] zu sehen ist. Über der Mitte Deutschlands ist in 5,5 km Höhe ein starker Temperaturgegensatz sichtbar. In diesem Grenzbereich zwischen kalter und warmer Luft entsteht starker Wind bis in große Höhen, der diese Diskrepanzen auszugleichen versucht. Das schmale Starkwindband stellt den sogenannten 
"Jetstream" dar, der oft durch seine beschleunigende Wirkung auf Transatlantikflügen (in ca. 9 bis 11 km Höhe) von West nach Ost genutzt wird.

Was hat das nun mit unserem Wetter in Deutschland zu tun? Zwischen der eingangs erwähnten höhenkalten Luft von Tief WILMA und dem warmen Nordseewasser ist ebenfalls ein großer - diesmal aber vertikaler - Temperaturunterschied entstanden, der für die Ausbildung hochreichender Schauer- und Gewitterwolken sorgt. Diese können am heutigen Montag insbesondere auf den Nordfriesischen Inseln zu erheblichen Regensummen führen, vor allem dann, wenn sich sogenannte "Schauerstraßen" ausbilden, in denen die Schauer immer wieder über dieselben Gebiete ziehen. Bis zum heutigen Montagabend können dort über 60 Liter pro Quadratmeter zusammen kommen.

Auch in den anderen Teilen Deutschlands erinnert das windige Schauerwetter heute und in den nächsten Tagen mehr an den Herbst. Nur im Süden bahnt sich die Sonne zum Wochenstart längere Zeit ihren Weg durch größere Wolkenlücken.

Nun kann man über das Wetter denken, wie man möchte - aber es sorgt für ausgleichende Gerechtigkeit. Denn während in den vergangenen Wochen an den Küsten oftmals die meisten Sonnenstunden registriert wurden, war es im Süden oft grau. Nun ist es genau umgekehrt. 

Hartgesonnte Nordseeurlauber sollten bei einem Gang nach Draußen also die "Badelatschen" besser durch Gummistiefel ersetzen. Ein Regenschirm ist hingegen nur bedingt hilfreich, denn WILMA hat nicht nur Regen, sondern auch Sturmböen bis in die Mitte Deutschlands im Gepäck. Bereits am gestrigen Sonntag sorgte das Tief für Orkanböen in England: An der Ostküste wurden dort bis 141 km/h gemessen.

WILMA bläst also in den kommenden Tagen nicht nur strammen Wind in die Windräder, sondern pus

Erstellt mit Material des DWD, © SAT-Bild DWD 2014 http://www.dwd.de

15.08.2014

Die außergewöhnlich warme Ostsee

Die Meerestemperatur hat großen Einfluss auf unser Wetter. Besonders warmes Wasser spendet der Atmosphäre viel Energie.
Die Meerestemperatur hat großen Einfluss auf unser Wetter. Besonders warmes Wasser spendet der Atmosphäre viel Energie.

 

 

Bereits am 3. August wurde im Thema des Tages über das außergewöhnlich warme Sommerwetter im Norden Europas berichtet. Dabei sorgte dort ab Ende Juni eine Umstellung der Großwetterlage für anhaltend warmes und stabiles Sommerwetter mit monatlichen Temperaturabweichungen von 2 bis teils über 6 Kelvin (K) (Temperaturdifferenzangabe entspricht 6 Grad Celsius). Wie hat sich
diese Witterung auf die Meere vor allem im Norden Europas ausgewirkt?

Wasser reagiert bekanntlich sehr träge, wenn es um seine Erwärmung oder Abkühlung geht. Grund hierfür ist die sogenannte "spezifische Wärmekapazität" mit dem physikalischen Formelzeichen "c". Dabei beschreibt "c", wie viel Wärme von einem Kilogramm eines bestimmten  Stoffes (wie Luft oder Wasser) abgegeben oder aufgenommen werden muss, wenn sich seine Temperatur um ein Kelvin (1 K) ändern soll. Wasser besitzt ein "c" von 4,19 kJ/(kg K), wobei "J" die Energieeinheit "Joule" bedeutet. Somit muss z.B. 1 Liter Wasser eine Wärmeenergie von 4,19 kJ aufnehmen, wenn es um 1 K erwärmt werden soll, was etwa der vierfache Wert für Luft ist. Große Gewässer wie Meere können somit auch erhebliche Mengen an Wärme aufnehmen oder abgeben. Sie fungieren sozusagen als Langzeitgedächtnis des Wetters der letzten Monate. Daher verwundert es auch nicht, wenn dank der anhaltenden Wärme in Skandinavien in der Folge von außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen gesprochen werden muss.

Wie aber wird nun die Wassertemperatur ermittelt? Punktuell gibt es Messstationen an den Ufern, auf Plattformen, Schiffen oder auch auf  schwimmenden Bojen. Die erste Art der Automatisierung fand mit
Schiffsmessungen statt. Der unterschiedliche Tiefgang von Schiffen machte jedoch Vergleiche der Messungen sehr schwierig und außerdem wurde nur entlang der wenigen Schiffsrouten regelmäßig gemessen. Seit den 80-er Jahren können aber nun flächendeckend die Wassertemperaturen mit Hilfe von Satelliten weltweit ermittelt werden. Bei der Berechnung der Wasseroberflächentemperatur ist vor allem der "Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer, MODIS"
besonders emsig, da er die Erde pro Tag etwa 14 mal umrundet und
ständig neue Daten liefert. Dem Satelliten ist es möglich, die Temperatur aus der obersten 1 mm tiefen Schicht einer Wasseroberfläche zu ermitteln.

Aber es sind ja nicht nur die Oberflächenwassertemperaturen von Interesse, sondern auch die der tieferen Schichten. Hier seien sogenannte Ankerbojen erwähnt, mit denen sehr gute Vertikalprofile erstellt werden können, was vor allem im Pazifischen Ozean mit der El Nino/La Nina Vorhersage von großer Bedeutung ist. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte "Tropical Atmosphere Ocean Triangle
Trans-Ocean Buoy Network" oder kurz: TAO/TRITON. Auch driftende Bojen sind eine große Hilfe, wo Messungen in zuvor festgelegten Tiefen vorgenommen werden. Mit mehr als 3000 Driftbojen weltweit ist  die Abdeckung sicherlich nicht vergleichbar mit den Satellitendaten, aber dennoch von großer Hilfe. In Europa befinden sich viele Bojen rund um Großbritannien und in der Biskaya, während sonst vor allem die satellitengestützten Messungen verwendet werden.

Kommen wir nun aber von den Messmethoden zu den aktuellen Bedingungen. In der Ostsee befindet sich die Temperatur der Wasseroberfläche momentan auf einem sehr hohen Niveau mit verbreitet über 20, teils bis 23 Grad. Sehen Sie hierzu auch das beigefügte Bild der Wasseroberflächentemperaturen vom DMI Centre for Ocean and Ice [auf der DWD Startseite rechts unter "Thema des Tages" und dort auf  "mehr" klicken]. Das bedeutet eine klimatologische Abweichung (Referenzperiode 1971 bis 2000) von verbreitet mehr als 2 bis 3
Kelvin, im nördlichen Bottnischen und dem Finnischen Meerbusen sogar
von über 4 Kelvin. Diese erheblichen Temperaturabweichungen beziehen
sich nur auf die unmittelbare Wasseroberfläche. Das zeigt sich deutlich in den Gebieten, wo ablandige Winde das Wasser aufwühlen und die Temperatur rasch auf unter 15 Grad drücken. 

Dennoch sorgen solch markante Temperaturabweichungen immer für Sorgenfalten bei den Meteorologen, denn nun ist ein außergewöhnliches Wärmereservoir vorhanden, das nur auf die ersten stärkeren Tiefdruckgebiete wartet, um aktiviert zu werden. Durch das Advehieren von hochreichend kalter Luft vom Atlantik über das warme Wasser der Ostsee entsteht ein großer Temperaturunterschied zwischen Wasseroberfläche und der Luft in der Höhe. Dies unterstützt eine rege Schauer- und Gewittertätigkeit. Letzte Vorhersagekarten verschiedener Wettermodelle deuten in der kommenden Woche auf ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Schweden und Norwegen hin. Dieses lenkt kühle Atlantikluft von Südwest nach Nordost über die sehr warme Ostsee, wobei die Luft während des langen Weges über die Ostsee sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Es ist nun nicht verwunderlich, dass in küstennahen Gebieten von Südfinnland bis nach Litauen mit teils heftigen Regenfällen und Gewittern
gerechnet werden muss. Dasselbe gilt für die küstennahen Gebiete der Nordsee, dem Skagerrak und Kattegat, wo Wassertemperaturen von über 20 Grad vorherrschen. Einen ersten Vorgeschmack haben die Menschen entlang der Nordsee- und Ostseeküste bereits erhalten, wo in den letzten Tagen immer wieder kräftige Regenschauer und Gewitter auftraten, die durch das warme
Wasser nochmals verstärkt wurden (z.B. heute (Freitag) bei Gewitterdurchzug auf Hiddensee-Vitte mit 43 l/qm von 5 bis 7 Uhr MESZ).

Bildlich zusammengefasst kann man sich das hier Beschriebene wie ein
Pendel vorstellen. Auf der einen Seite des Pendels die heißen Sommermonate, die für die Erwärmung des Wassers gesorgt haben und auf der anderen Seite die Meere, die die gespeicherte Energie im Herbst und Winter wieder abgeben. Da nun das Pendel in den letzten Wochen vor allem in Skandinavien in eine Richtung sehr stark ausgeschlagen hat (Hitze, Trockenheit, Waldbrände), ist zu befürchten, dass der gegenläufige Ausschlag in den kommenden Wochen und Monaten stärker als normal und somit mit heftigen Niederschlagen ausfallen könnte.
Bleibt zu hoffen, dass dies ohne größere Schäden einhergehen wird.

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14.08.2014

Die "Gezeiten" als Spielball von Sonne und Mond

 

Die Sommerferien sind Urlaubszeit. Auch in diesem Jahr zieht es wieder viele Urlauber an die See. Wer sich für die Nordsee entscheidet, sollte vorab ein Blick in den "Gezeiten-Kalender" werfen. Denn das Schwimmen ist nicht zu allen Zeiten möglich. Zweimal am Tag zieht sich das Meer weit zurück und es kommt die typische  Wattlandschaft zum Vorschein. Die lädt dann zum Wattwandern ein und hat somit ebenfalls ihre Reize. Die Entdeckungstour durch die Welt des Watts sollte jedoch noch vor der Flut abgeschlossen sein, um nicht vom Wasser eingeschlossen zu werden. Zusammen dauern Ebbe und Flut etwa 12 Stunden und 25 Minuten, wobei die Flut den Zeitraum gekennzeichnet, in dem das Wasser ansteigt. Bei Ebbe dagegen sinkt der Wasserstand wieder.

 

Doch wie kommt es zu diesem Phänomen? Wer oder was ist für die sogenannten Gezeiten verantwortlich?

 

Die Gezeiten oder "Tiden" sind periodische Wasserbewegungen der Ozeane, die von der Anziehungskraft zwischen Erde und Mond bzw. Erde und Sonne angetrieben werden. Grundsätzlich üben Körper (Massen) eine physikalische Wechselwirkung (Anziehung) auf andere Körper aus, wobei die Anziehung mit der Entfernung zwischen den Massen abnimmt. Des Weiteren gilt: je mehr Masse ein Körper hat, desto stärker ist die Anziehung. Auf der Erde bewirkt die Erdanziehung (Gravitation), dass alle Körper nach unten fallen, sofern sie nicht daran gehindert
werden. Aus diesem Grund können die Menschen auch auf der Erde gehen. Ohne die Anziehungskraft der Erde würden wir frei in der Gegend umherfliegen. Jedoch ziehen auch wir die Erde an. Dies merken wir allerdings nicht. Der Effekt ist aber vernachlässigbar, weil wir
viel weniger Masse als die Erde haben und damit eine viel geringere Anziehungskraft auf diese. Im Sonnensystem bestimmt die Gravitation bzw. die gegenseitige Anziehung die Bahnen der Planeten, Monde, Kometen und Satelliten (technisch und astronomisch).

Durch die Gravitation ziehen die Erde den Mond und der Mond wiederum die Erde an. Da Wasser flüssig, also beweglich ist, kann der Mond mit seiner Anziehungskraft das Wasser auf der Erde sogar ein Stück zu sich hin "ziehen". An der Erdseite, die dem Mond gerade zugewandt ist, hebt sich der Wasserspiegel der Meere also sichtbar etwas an. Soentsteht dort ein sogenannter "Flutberg". Da sich die Erde um sich selbst dreht, wandert sie innerhalb von 24 Stunden unter diesem
"Flutberg" hindurch.

 

Zusätzlich du diesem, dem mondzugewandten, "Flutberg", kann man noch einen zweiten "Flutberg" auf der gegenüberliegenden Erdseite beobachten. Dieser basiert auf der Rotation der Erde und des Mondes
um den gemeinsamen Schwerpunkt (Drehpunkt). Durch die nach außen wirkende Fliehkraft oder auch Zentrifugalkraft wird das Wasser der Meere von der Erde weg geschleudert. Ein Beispiel für die Fliehkraft
ist das Kettenkarussell. Je schneller es sich dreht, umso größer wird die Fliehkraft und umso höher "schweben" auch die Fahrer in der Luft. Die Fliehkraft, die bei der Rotation von Erde und Mond entsteht, ist somit für den zweiten, gegenüberliegenden "Flutberg" verantwortlich.

 

Jedoch hat auch die Sonne einen Einfluss auf Ebbe und Flut. Durch die große Entfernung zwischen Erde und Sonne ist der Einfluss auf die Gezeiten aber nicht einmal halb so groß wieder Einfluss des Mondes. Stehen allerdings Sonne, Erde und Mond auf einer Linie, was bei Voll- und Neumond der Fall ist, hat die Sonne eine verstärkende Wirkung.
Bei dieser Konstellation addieren sich die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond. Der Tidenhub, also der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut, ist dann besonders groß und es kommt zur sogenannten Springtide oder Springflut. Diese kann vor allem bei einer Sturmflut sehr gefährlich sein, da diese zusätzlich zur Springflut das Wasser in die Buchten drücken kann und somit den Wasserpegel weiter erhöht.

 

Bei zu- und abnehmendem Halbmond stehen Erde, Mond und Sonne etwa in einem rechten Winkel zueinander. Die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne wirken dann gegeneinander und die Flutberge sind kleiner als bei einer sonstigen Flut. Diese besondere Gezeitenform nennt man
Nippflut.

 

Derzeit haben wir am Vormittag das Niedrigwasser (Ebbe) und am Nachmittag Hochwasser (Flut). Somit könnte man nach dem Frühstück den Urlaubstag mit einem Wattspaziergang beginnen, um später am Nachmittag an Strand und Meer etwas zu relaxen. Allerdings muss dann noch das Wetter mitspielen. Dieses zeigt sich jedoch zunehmend "herbstlich". Wiederholt ziehen von Westen Schauer und auch einzelne Gewitter durch. Bei Temperaturen um 20 Grad und böigem Wind könnte ein Pullover anstatt Badehose sinnvoll sein.

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13.08.2014

Hochsommer auf Abwegen

Trüb und grau präsentierte sich heute vielerorts das Himmelsbild. Wer auf heißes Sommerwetter steht muss sich derzeit in den östlichen Mittelmeerraum begeben.
Trüb und grau präsentierte sich heute vielerorts das Himmelsbild. Wer auf heißes Sommerwetter steht muss sich derzeit in den östlichen Mittelmeerraum begeben.

 

Vielfach kühles und windiges Schauerwetter, selbst bei längerem Sonnenschein steigt die Temperatur kaum auf die meteorologische Sommermarke von 25 Grad. Ex-Hurrikan "Bertha" vertrieb unser Hochsommerwetter am vergangenen Wochenende. Wir fragen uns, wo ist es hin?

Der bisherige Sommerverlauf brachte selten stabiles und sonniges Wetter. Häufig wurde es nach kurzen sonnigen Phasen schnell schwül und gewittrig. Doch immerhin blieb die Temperatur meist auf recht hohem Niveau. Dies handelt uns in Deutschland in den meteorologischen Sommermonaten bis dato einen "Wärmeüberschuss" ein. Denn gemittelt über alle Stationen des Deutschen Wetterdienstes liegt die  Durchschnittstemperatur derzeit bei 17,5 Grad Celsius und damit immerhin 1,3 Grad über dem vieljährigen Mittel der Monate Juni bis  August. Es gibt keine Station, die eine negative Abweichung aufweist. Am geringsten fällt die positive Temperaturabweichung zum vieljährigen Mittel noch in Löhnberg-Obershausen (+0,2 Grad) im hessischen Lahntal aus. Doch nun wird bei Höchsttemperaturen
verbreitet unter 25 Grad sowie teils sehr kühlen Nächten an diesen positiven Anomalien "geknabbert". 

Gerade während der aktuellen Ferienzeit fragen sich viele, welche Urlaubsregionen mit wirklich badetauglichem Wetter locken. Nach sommerlichen Temperaturen suchen wir in Mittel-, West- und Nordeuropa
bis zum kommenden Wochenende vergeblich. An den Nordsee- und Atlantikküsten werden am Tage meist nur 15 bis 20 Grad erreicht. An den Ostseeküsten bis hoch zum Bottnischen Meerbusen sind immerhin Werte knapp über 20 Grad möglich, genauso wie übrigens auch an der Biskaya. Dazu sorgt in all diesen Regionen fortwährender
Tiefdruckeinfluss für einen wechselhaften Wettercharakter. 

Ganz anders sieht im östlichen Mittelmeerraum, auf der Balkanhalbinsel sowie im östlichsten Europa nördlich und östlich des Schwarzen Meeres aus. Dort scheint bei verbreitet 30 bis stellenweise 40 Grad meistens die Sonne von einem nur gering bewölkten Himmel. Werte um 30 Grad findet man auch am westlichen Mittelmeer. Schauer und Gewitter sorgen bis zum Wochenende aber insbesondere an der
nördlichen Adria, in Norditalien, Südfrankreich und im Bereich der Balearen zeitweise für Abkühlung. Trockener und noch heißer ist es nur in der Mitte und im Süden der Iberischen Halbinsel. Bei Höchstwerten zwischen 35 und 40 Grad ist dort Schwitzen angesagt (siehe dazu die Grafik der Höchsttemperaturen, zu finden rechts auf
www.dwd.de in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]).

Apropos Schwitzen: Bevor Ex-Hurrikan "Bertha" für eine nachhaltige Umstellung der Wetterlage sorgte, kam es in Teilen Skandinaviens und des Baltikums in diesem Sommer zu einer Vielzahl sehr warmer und sonnenscheinreicher Tage. Über Nordskandinavien und Nordwestrussland regenerierte sich in den vergangenen Wochen wiederholt eine Hochdruckzone, während sich über West- und Mitteleuropa häufig tiefer Luftdruck etablierte. Dazwischen wurde in einer östlichen bis
südlichen Strömung trockenwarme Luft herangeführt. Teilweise traten Temperaturen über 30 Grad bis in Gebiete nördlich des Polarkreises auf. In Balnak im Norden Norwegens wurde am 10. Juli 2014 beispielsweise eine Maximaltemperatur von 32,6 Grad registriert. Im finnischen Lahti, auch bekannt durch die jährlich stattfindenden
Skisprungwettbewerbe, kam es zwischen 18. Juli und 11. August zu insgesamt 25 Sommertagen in Folge. Für skandinavische Verhältnisse ungewöhnlich große Waldbrände waren die Folge der anhaltenden Trockenheit.

Anfang August verlagerte sich der Schwerpunkt der Hitze verstärkt zum Baltikum und Nordwestrussland. So wurde zum Beispiel in Ventspils an der Ostseeküste Lettlands zunächst am 3. August mit 36,7 Grad und ein Tag später am 4. August 2014 mit 37,8 Grad gleich zweimal der Landesrekord für die Tageshöchsttemperatur überboten. Dieser hatte seit dem 4. August 1948 bestand. Damals wurden in Daugavpils 36,6
Grad erreicht. 

Ob es bei uns in diesem Sommer auch noch einmal derart heiß wird, ist nicht abzusehen. Die Wahrscheinlichkeit sehr heißer Tage nimmt mit der weiter fortschreitenden Jahreszeit natürlich auch immer weiter ab. Zumindest zu Beginn der neuen Woche deutet sich ein zögerlicher Vorstoß wärmerer Luftmassen aus Südwesten an. Dann sind vor allem in der Südhälfte Deutschlands wieder Temperaturen über 25 Grad möglich. Beständiges Sommerwetter erscheint aber nach wie vor ziemlich unwahrscheinlich. In dieser Hinsicht haben uns die Nord- und Osteuropäer bereits ganz schön was vorgemacht.

 

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12.08.2014

Schauerstraßen in Nordfriesland

Besonders im Umfeld von Nordsee und Ostsee bilden sich sogenannte "Schauerstraßen", die lokal erhebliche Regenmengen mit sich führen können.
Besonders im Umfeld von Nordsee und Ostsee bilden sich sogenannte "Schauerstraßen", die lokal erhebliche Regenmengen mit sich führen können.

 

In den letzten Wochen zeigte sich der "Wettergott" im äußersten Norden Deutschlands, zumindest was den Sonnenschein betrifft, von seiner großzügigen Seite. Im Juli waren besonders die Stationen an den Nord- und Ostseeküste sowie in Schleswig-Holstein diesbezüglich unter den Spitzenreitern zu finden. In Rostock wurden 303,1 Sonnenstunden registriert, was dort 30 % "mehr" Sonne als im
vieljährigen Mittel entspricht. Helgoland kam auf 284,9 Sonnenstunden (127 %) und Schleswig auf ebenfalls überdurchschnittliche 273,8 Stunden Sonne (128 %). Zum Vergleich: Stuttgart konnte nur 202,8 Sonnenstunden verzeichnen (86 %) und Kempten sogar nur 175,3 (79 %). 

Auch im August ließ sich im Norden der Sonnenschein bisher, verglichen mit den restlichen Landesteilen, nicht lumpen, wenngleich kaum größere regionale Unterschiede vorhanden sind. Nichtsdestotrotz stechen Bremen nach dem ersten Drittel des Monats mit bereits 78,8 Std.(41 %) und Helgoland mit 86,2 Std. (39 %) neben Dresden mit 77,5 Std. (39 %) und Leipzig mit 75,4 Std. (39 %) heraus.

Der "Nachteil" des häufigen sonnigen Wetters - zumindest für die Natur - findet sich allerdings in der Niederschlagssumme. Während der Großteil Deutschlands mit deutlich über 100 % (in Erfurt sogar über 400 %) des Monatsniederschlags des vieljährigen Mittels bedacht wurde, fielen in Schleswig beispielsweise mit 44,2 l/qm nur 48 % Regen. Auch im August zeigt sich der Norden bisher überwiegend von der trockenen Seite. Ganz vorne mit dabei ist Hamburg, wo lediglich 7,8 l/qm (11 %) in diesem Monat gefallen sind.

Zumindest im Norden Schleswig-Holsteins und speziell in Nordfriesland sollte dieses Niederschlagsdefizit jetzt aber erst einmal Geschichte sein. Der Grund hierfür liegt in einem hochreichenden Tiefdruckkomplex, der sich derzeit über der nördlichen Nordsee befindet. Hochreichend bedeutet, dass diese Tiefdruckzone nicht nur am Boden, sondern in der gesamten Troposphäre (bis in ca. 13 km Höhe) zu finden ist.

In der Höhe ist dieses Tief "gefüllt" mit kalter Luft, die am gestrigen Montag in den Nordwesten Deutschlands einströmte. Dort sank die Temperatur in etwa 5,5 km Höhe seit Sonntag von Werten um -13 Grad auf unter -20 Grad. Ein solcher Temperaturrückgang macht sich oftmals auch am Boden bemerkbar. Labilität ist das Stichwort. Unter einer labilen Schichtung der Luft versteht man eine starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe bzw. einen großen Temperaturunterschied zwischen bodennahen und höheren Luftschichten. Dies kann einerseits durch eine Zunahme der Temperatur am Boden, andererseits aber auch wie zurzeit durch eine Abnahme der Temperatur in der Höhe geschehen. In dieser labil geschichteten Luft können sich in der Folge Schauer
und Gewitter entwickeln, da die wärmere und damit auch leichtere Luft vom Boden bis in große Höhen aufsteigen kann und auf ihrem Weg zu Wolkentröpfchen kondensiert.

Normalerweise bilden sich solche Schauer- und Gewitterwolken bevorzugt im Sommer am Nachmittag, wenn durch die Sonneneinstrahlung die bodennahen Luftschichten bereits stark erwärmt werden konnten. Gegen Abend bzw. zur Nacht hin lösen sie sich allerdings auch meist rasch wieder auf, da dann die Sonnenunterstützung immer mehr schwindet. Dadurch kühlen sich die bodennahen Luftschichten wieder ab und der Unterschied zur Temperatur in der Höhe wird geringer. 

Im Nordseeumfeld "denken" Schauer und Gewitter derzeit allerdings nicht daran, nachts eine Pause einzulegen. Verantwortlich dafür ist die etwa 18 bis 21 Grad warme Nordsee, die im Gegensatz zum Festland nachts fast überhaupt nicht abkühlt. Gepaart mit der oben beschriebenen Höhenkaltluft nimmt die Labilität der Luft auch nachts kaum ab, wodurch Schauer und Gewitter auch dann noch immer aktiv bleiben. Aufgrund ihrer hohen Verlagerungsgeschwindigkeit in der strammen
Höhenströmung auf der Südflanke des Nordseesturmtiefs fällt aus den einzelnen Schauern und Gewittern nicht allzu viel Regen. Da sich diese allerdings immer wieder neu bilden und wiederholt über dieselben Gebiete ziehen, kommen aufsummiert lokal doch recht hohe Niederschlagssummen zusammen. Man spricht dabei von der Ausbildung so genannter "Schauerstraßen". Bis heute früh 8 Uhr fielen innerhalb von 12 Stunden beispielsweise in Leck an der deutsch-dänischen Grenze 26 l/qm und im benachbarten Glücksburg-Meierwik 22 l/qm. 

Auch am heutigen Dienstag sowie in der Nacht zum Mittwoch lässt die Schauer- und Gewittertätigkeit an der Nordsee kaum nach. Bis Mittwochfrüh werden für Nordfriesland nochmals zwischen 20 und 25 l/qm und bis Donnerstagfrüh weitere 10 bis 15 l/qm jeweils innerhalb von 24 Stunden erwartet. Danach beruhigt sich die Lage dort etwas, denn die Temperatur in der Höhe steigt wieder um ein paar Grad an. Der unbeständige Wettercharakter setzt sich aber auch im weiteren
Verlauf fort, wie auch im übrigen Deutschland.

 

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11.08.2014

Sturmtief "Bertha" teils zahm wie eine Katze, teils wild wie ein Löwe

Hauptsächlich starke Sturmböen brachte die Kaltfront von Tief Berrtha am gestrigen Abend. Nachfolgend erwartet uns nun kühles Wetter, geprägt von frischer Meeresluft.
Hauptsächlich starke Sturmböen brachte die Kaltfront von Tief Berrtha am gestrigen Abend. Nachfolgend erwartet uns nun kühles Wetter, geprägt von frischer Meeresluft.

 

Am gestrigen Sonntag sind die Ausläufer des ehemaligen tropischen Wirbelsturms "Bertha" über Deutschland hinweg gezogen und haben den Hochsommer zumindest vorübergehend beendet. Der Wirbelsturm gliedertesich am Wochenende dem nordwesteuropäischen Tief "Thekla" an und übernahm dessen Regie.

Auf der Südflanke von "Ex-Bertha", die sich gestern mit Zentrum über den Britischen Inseln befand, wurde nochmals ein Schwall schwülwarmer Luft aus südlichen Breiten nach Deutschland geführt. Mit Sonnenunterstützung stiegen die Temperaturen im Osten und Südosten bis auf Werte von 32 Grad. Von Westen näherte sich dann aber rasch eine Kaltfront, die deutlich kühlere Luft im Schlepptau hatte. Sie flutete Deutschland am Abend und in der Nacht zum Montag von West nach Ost. 

Doch diese Wetterumstellung ging nicht überall still und leise vonstatten, denn die beiden Luftmassen zeigten deutliche Temperaturunterschiede, sodass direkt an der Luftmassengrenze starke vertikale Umwälzungen der Luft zu erwarten waren. Die kalte Luft schiebt sich dabei unter die warme Luft und hebt diese. Je größer die Temperaturdifferenz ist, desto stärker steigt die Luft demnach auf. Dabei entwickeln sich dann hochreichende Wolken, die nachfolgend kräftige Schauer und Gewitter bringen können, wobei wie in einem Paternoster warme Luft in die Höhe transportiert werden und kalte Luft gleichzeitig nach unten fällt. 

Durch diese vertikale Luftumwälzung können größere Windgeschwindigkeiten aus höheren Luftschichten als Böen zum Boden gemischt werden. Da auch Sturmtief Bertha vor allem im Westen und Norden ein ausgeprägtes Starkwindfeld in der Höhe mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h mit sich führte, ließ dies das 
Auftreten von schweren Sturmböen und lokal auch orkanartigen Böen erwarten. 

Gleichzeitig war die vor der kalten Luft gelagerte warme Luft auch sehr feucht, sodass die Wolken mit Werten von bis zu 60 l/qm über einen hohen potentiellen Wassergehalt verfügten, der dann in kräftigen Schauern und Gewittern als Niederschlag zum Boden fallen kann. 

Da zusätzlich Boden- und Höhenwind aus unterschiedlichen Richtungen wehten und somit eine starke Windscherung vorlag, war ein hohes Potential für die Ausbildung von sogenannten "Superzellen" bis hin zu Windhosen oder Tornados gegeben. Von den Vorhersagemodellen wurden dafür Signale hauptsächlich vorab der Kaltfront an einer Konvergenzlinie (vgl. Konvergenz unter www.dwd.de -> Wetterlexikon) prognostiziert. 

Viele meteorologische Parameter ließen daher für Meteorologen den Schluss zu, dass sich im Westen und Norden mit Durchzug der Kaltfront plus vorgelagerter Konvergenz unwetterartige Gewitter mit Starkregen, schweren Sturmböen und großkörnigem Hagel bilden würden. Insbesondere die hohen Windgeschwindigkeiten waren ein großes Gefahrenpotential, denn durch die volle Belaubung der Bäume kann der Wind diese voll angreifen und wie Streichhölzer umfallen lassen. 

In der Nachsicht mutete sich Bertha mit ihren Ausläufern vielerorts jedoch wie eine zahme Katze an. Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fielen die Gewitter an der Luftmassengrenze wesentlich schwächer als erwartet aus. Auch die vorlaufende Konvergenz bildete sich dort nicht, da dichte Wolken die dafür notwendige Einstrahlung schon frühzeitig verhinderten. 

Weiter südlich, im Bereich von Rheinland-Pfalz sowie in Süd- und Mittelhessen, waren dagegen die Voraussetzungen für schwere Gewitter gegeben. Von Frankreich her bildete sich schon am Vormittag vor der Luftmassengrenze (Kaltfront) die besagte Konvergenzlinie aus, die sich im weiteren Verlauf nach Rheinland-Pfalz und Hessen hinein verlagerte. An dieser entwickelten sich in der Folge tatsächlich schwere Gewitter. Diese gingen teilweise mit schweren Sturmböen, lokal sogar orkanartigen Böen einher. In Bad Schwalbach im Taunus 
(Hessen) wurde in diesem Zusammenhang eine sogenannte "Funnel Cloud"   beobachtet. Medien schreiben gleichzeitig von einer Windhose, die mitten durch den Ort zog. Die Folge waren große Schäden. Allein in Bad Schwalbach wurden über 60 Dächer abgedeckt. Aber auch von der Pfalz über Südhessen hinweg bis nach Unterfranken sorgten Gewitterböen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 122 km/h (Weinbiet) für große Windbruchschneisen im Waldbestand. 

Der nachfolgenden Kaltfront fehlte dann jedoch im südlichen Teil weitgehend die Energie, sodass die Wetteraktivität an dieser auf dem Weg nach Osten sogar gebietsweise komplett ausfiel. 

 

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08.08.2014

Tropische Wirbelsturmaktivität 2014

Die vier Wirbelstürme über dem Pazifik zeigen sich wie an einer Perlenkette aufgereiht weiterhin schön im Satellitenbild von letzter Nacht. Neben "Genevieve" hat auch "Julio" nun ein deutlich sichtbares "Auge" (kleines wolkenloses Gebiet inmitten des Sturms). © SAT-Bild DWD.DE
Die vier Wirbelstürme über dem Pazifik zeigen sich wie an einer Perlenkette aufgereiht weiterhin schön im Satellitenbild von letzter Nacht. Neben "Genevieve" hat auch "Julio" nun ein deutlich sichtbares "Auge" (kleines wolkenloses Gebiet inmitten des Sturms). © SAT-Bild DWD.DE

Tropenstürme sind weltweit bekannt und werden mit unterschiedlichen Bezeichnungen geführt. Im Atlantik und dem Ostpazifik werden sie als "Hurrikan", im Westpazifik und in Ostasien als "Taifun", in Australien als "Willy-Willy" und im Indischen Ozean als "Zyklon" bezeichnet.

In den vergangenen Tagen tobten und toben noch in vielen tropischen Regionen gefährliche Wirbelstürme. Besonders im westlichen Pazifik gab es zwei bedrohliche Stürme. So bildete sich nach Angaben des japanischen Wetterdienstes (Japan Meteorological Agency, "JMA") Mitte Juli etwa 800 km nordwestlich der Südsee der Tropensturm "Nakri". Bis Anfang August zog er über das Ostchinesische ins Gelbe Meer weiter und wies mittlere Windgeschwindigkeiten von maximal 70 - 80 km/h auf. Dieses tropische System wird weniger durch den Wind, sondern eher durch die gewaltigen Regenmassen in Erinnerung bleiben, die es in Südwestjapan und Südkorea brachte. Aufgrund seiner langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit und großen Ausdehnung wurde beständig sehr feuchte Luft in diese Regionen geführt. In einer südlich von Südkorea vorgelagerten Insel namens "Jeju Island" fielen in weniger als 48 Stunden 868 Liter Regen auf den Quadratmeter (l/qm) und in Shikoku (Südwestjapan) sogar über 1000 l/qm. Verglichen zu dem durchschnittlich in Deutschland fallenden Jahresniederschlag von 750 l/qm sind dies schon äußerst extreme Werte. Rekordverdächtig ist das jedoch noch nicht, wenn man sich den Rekordhalter namens "Aurere" auf La Reunion im Indischen Ozean in Erinnerung ruft, wo sage und schreibe 2467 l/qm in 48 Stunden vom 8. bis 10. April 1958 gefallen sind (Quelle: Hurricane Research Division, "HRC").

Ebenfalls über dem Westpazifik entwickelte sich am 28. Juli 2014 aus einer tropischen Störung der Tropensturm "Halong", der am 2. und 3. August den Status eines Supertaifuns mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 260 km/h und Böen über 300 km/h erreichte (Kategorie 5 auf der 5-stufigen "Saffir-Simpson-Skala"). Dies sind jedoch keine direkten Windmessungen, sondern Abschätzungen anhand einer Satellitenbildanalyse, der sogenannten "Dvorak Analyse". Hierbei verrät die auf unterschiedlichen Satellitenbildern gesehene Struktur die mögliche Stärke eines Sturms (u.a. bestimmte Wolkenstrukturen, Ausprägung und Temperatur des "Auges"). Im Nord- und Zentralatlantik, wo Messflüge von sogenannten "Hurricane Hunters" und somit auch Echtzeitmessungen in tropischen Stürmen durchgeführt werden, zeigt sich, dass diese Art der Abschätzung geeignet ist (Abweichungen des Windes von nur durchschnittlich 8 km/h zwischen Messung und Abschätzung bei normalen Entwicklungen). Somit war "Halong" der bisher stärkste Wirbelsturm der noch laufenden Saison im Westpazifik (Mai bis Oktober). Zu Beginn des kommenden Wochenendes trifft er zwar in stark abgeschwächter Form auf Japan, sorgt dort aber erneut für schweren Sturm und sintflutartige Regenfälle.

Auch im Ostpazifik toben derzeit mehrere, teils sehr gefährliche Wirbelstürme. So entstand am 26. Juli "Genevieve" etwa 2500 km westlich der Küste Mittelamerikas und zieht seitdem einsam ihre Bahn nach Westen, ohne der Inselgruppe Hawaii zu nahe zu kommen. Der Sturm überquerte dabei die Zuständigkeitsbereiche gleich dreier Tropensturmzentren (östlich von 140° West das National Hurricane Center, "NHC", zwischen 140° West und 180° das Central Pacific Hurricane Center, "CPHC" und westlich von 180° das Regional Specialized Meteorological Center, "RSMC Tokyo") und legte bisher eine Entfernung von beachtlichen 4900 km zurück. "Genevieve" hat sich nun mitten über dem Pazifik zu einem mächtigen Supertaifun der Kategorie 5 aufgebläht und wird noch für längere Zeit auf den Wetterkarten zu finden sein. Seine Lebensdauer von bisher 15 Tagen ist bereits bemerkenswert und könnte sich noch deutlich erhöhen, jedoch ist der bisherige Rekord von 31 Tagen durch Hurrikan/Taifun "John" aus dem Jahr 1994 wohl kaum zu erreichen.

War "Genevieve" mit den Bewohnern von Hawaii noch gnädig, so droht den Inseln mit den beiden neuen Hurrikans "Iselle" und "Julio" ein sehr ungewöhnliches Ungemach. Ungewöhnlich nicht vom Zeitpunkt des Auftretens her, denn der August ist klimatologisch gesehen im zentralen Pazifik der aktivste Monat für tropische Stürme, sondern dass gleich zwei Tropenstürme den Inselstaat binnen weniger Tage bedrohen. Momentan überquert die zu einem Tropensturm abgeschwächte "Iselle" die Hauptinsel Hawaii (oder auch "Big Island") von Südost nach Nordwest mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 110 km/h sowie heftigen Niederschlägen von 150 bis 300 l/qm binnen kurzer Zeit. Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn im Jahre 1950 wurde die Hauptinsel direkt von einem Hurrikan getroffen, wohl aber schon einmal von einer tropischen Störung (schwächerer Tropensturm). Bereits zum Samstag und Sonntag soll sich dann Tropensturm "Julio" unter Abschwächung auf sehr ähnlicher Zugbahn den Inseln nähern. Auch wenn dieser Sturm nach letzten Berechnungen knapp nördlich an den Inseln vorbeiziehen soll, so sorgt er mit einem Schwall an tropischer Feuchte erneut für heftige Regenfälle und stürmischen Wind. Sollte "Julio" aber doch noch 3 Tage nach "Iselle" als Hurrikan auf die Inseln von Hawaii treffen, wäre dieser Doppelschlag etwas Einmaliges für diese Region.

Zuletzt sei noch der ehemalige Tropensturm "Bertha" über dem Nordatlantik erwähnt, der am Wochenende als normales Tiefdrucksystem nach Europa zieht und voraussichtlich am Sonntag auf die Britischen Inseln trifft. Zu diesem Zeitpunkt bezieht er seine Energie nicht mehr vom warmen Meerwasser, sondern aus den horizontalen Temperaturkontrasten zwischen den 12 bis 15 Grad auf Island und um 27 Grad auf den Azoren. Dies ist u.a. ein Kriterium für außertropische Tiefdruckentwicklungen. Neben viel Regen und Wind für den genannten Bereich wird "Ex-Bertha" vor allem durch ihre ostwärts ziehende Kaltfront auch bei uns in Deutschland von Interesse sein, da diese ab Montag einen nachhaltig kühleren, windigen und wechselhaften Witterungsabschnitt einleiten wird. Somit sieht man, dass Entwicklungen weit ab in den Tropen nach einer gewissen Zeit auch für das europäische Wetter von großer Wichtigkeit sein können.

Erstellt mit Material des DWD, © SAT-Bild DWD 2014

06.08.2014

Wie lange hält das warme und gewittrige Wetter noch an?

Auch ein Harry Potter kann an dem wechselhaften Sommer nichts ändern. Der Hogwarths-Express kämpft sich heute durch die Regenwolken von Tief THEKLA, das sich über den Britischen Inseln breit gemacht hat…
Auch ein Harry Potter kann an dem wechselhaften Sommer nichts ändern. Der Hogwarths-Express kämpft sich heute durch die Regenwolken von Tief THEKLA, das sich über den Britischen Inseln breit gemacht hat…

Die Temperatur lag im Juli in Deutschland 2,3 Grad über dem langjährigen Mittel. Der Juli war somit besonders im Osten Deutschlands teilweise deutlich zu warm. Mit etwa 164 % des normalen Niederschlags gehörte er zu den 10 niederschlagsreichsten Julimonaten seit Aufzeichnungsbeginn. Ursache dafür war eine lang anhaltende und stabile Wetterlage, bei der ein kräftiges Hoch über Skandinavien lag. Gleichzeitig befand sich ein Tiefdruckgebiet über West- und Mitteleuropa. In der Meteorologie spricht man auch von einer "High-over-Low-Wetterlage" (zu Deutsch Hoch-über-Tief-Lage). Zwischen diesen beiden Druckgebilden gelangte mit einer meist südöstlichen Strömung warme bis heiße und sehr feuchte Luft nach Deutschland, die ihren Ursprung im Mittelmeer hatte und über den Balkan, Tschechien und Polen nach Deutschland geführt wurde. Der äußerste Norden wurde hingegen von dem Hoch beeinflusst, so dass dort deutlich freundlicheres Wetter vorherrschte. In der fast schon tropisch anmutenden Luftmasse bildeten sich unter dem Tiefdruckeinfluss hingegen ständig kräftige Schauer und Gewitter, die durch ihre meist langsame Zuggeschwindigkeit für Starkregen mit teilweise extremen Mengen sorgten, wodurch es zu lokalen Überflutungen kam. Diese Wetterlage hält im Wesentlichen seit Anfang Juli bis jetzt an und bestätigt erneut die Siebenschläfer-Regel. Nun stellt sich die Frage, ob es bis Mitte August tatsächlich mit diesem Wetter noch so weiter geht?

Das aktuelle warme und wechselhafte Sommerwetter wird auf jeden Fall bis zum Wochenende anhalten. Lediglich die Gewitteraktivität nimmt heute und auch in den nächsten Tagen durch sich wiederholt einstellenden schwachen Hochdruckeinfluss vorübergehend ab.

Jedoch deutet sich für das Wochenende eine Umstellung an. Dann überquert uns eine Kaltfront, die sehr wahrscheinlich wieder kräftige Gewitter bringt. Vorher wird es aber besonders im Süden und Osten nochmal richtig heiß. Dort wird am Wochenende vielerorts erneut die 30-Grad-Marke geknackt. Hinter der Kaltfront wird dann deutlich kühlere Atlantikluft herangeführt. Die weitere Entwicklung ist dann zwar noch recht unsicher, dennoch ist eine komplette Umstellung der Wetterlage wahrscheinlich. So deuten die meisten Wettermodelle ab dem Wochenbeginn eine sogenannte Westwetterlage an. Bei einer Westwetterlage wandern Tiefdruckgebiete, die sich häufig südlich von Grönland bilden, in rascher Abfolge meist zwischen dem 50. und 60. Breitengrad vom Nordatlantik über die Nordsee nach Skandinavien und anschließend nach Ost- oder Nordosteuropa. Dabei überqueren ihre Ausläufer Mitteleuropa und sorgen dann besonders im Norden Deutschlands für recht unbeständiges Wetter. Im Süden gibt es dagegen häufiger auch Sonnenschein. Zudem ist besonders im Norden mit viel Wind zu rechnen. Die Temperaturen liegen dann mit etwa 19 bis 24 Grad in einem für die Jahreszeit leicht zu kühlen Bereich. 

Eine Westwetterlage ist für August eher ungewöhnlich. Sie tritt häufiger im Spätherbst und im Winter auf. Wie lange diese Wetterlage dann anhalten würde, lässt sich derzeit noch nicht sagen. In den vergangen Jahren blieben jedoch reine Westwetterlage im Sommer selten längere Zeit stabil.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

04.08.2014

Der absolute "Warnsinn"! Was die Warnkarte des DWD zu Unwettern bedeutet

Die Warnkarte des DWD ist seit Tagen ziemlich gelb, rot und dunkelrot gefärbt. Doch was bedeuten die Hinweise des Deutschen Wetterdienst im Detail? Wir erklären es heute hier auf schulwetter.com
Die Warnkarte des DWD ist seit Tagen ziemlich gelb, rot und dunkelrot gefärbt. Doch was bedeuten die Hinweise des Deutschen Wetterdienst im Detail? Wir erklären es heute hier auf schulwetter.com

In den vergangenen Tagen und Wochen sah die Warnkarte, die ihr rechts oben auf www.dwd.de findet, immer recht farbenfroh aus. Zumeist zeigten sich dort gelb, ocker, rot und zum Teil auch dunkelrot eingefärbte Gebiete und manch einer wird sich wohl gefragt haben, welcher Farbkasten denn da ausgelaufen ist. Im "ruhigsten" Fall, d.h. wenn keine Warnungen nötig sind, wird die Warnkarte blau angezeigt. Das war in letzter Zeit allerdings die Ausnahme. Welche Warnschwellen (zumindest im Sommer) genau hinter den verschiedenen Farben stecken, soll im Folgenden kurz aufgeführt werden.

Warnstufe "gelb" bedeutet "Wetterwarnung". Damit diese Kategorie erreicht wird, muss sich zum Beispiel ein Gewitter entwickeln, bei dem Windböen von höchstens 64 km/h, weniger als 15 l/qm Niederschlag in einer Stunde und kein Hagel erwartet werden. Wird in dieser Warnstufe vor Windböen gewarnt, so liegen diese zwischen 51 und 64 km/h (7 Bft). Des Weiteren wird "gelb" gewarnt, wenn Nebel mit einer Sichtweite unter 150 m auftritt.

Seht ihr auf der Warnkarte ockerfarbene Landkreise, bedeutet dies, dass dort vor "markantem Wetter" gewarnt wird. Dazu zählen beispielsweise Gewitter, bei denen mit Sturmböen (62-88 km/h, 8-9 Bft) oder sogar schweren Sturmböen (88-102 km/h, 10 Bft) und/oder Starkregen (15-25 l/qm in 1 h bzw. 20-35 l/qm in 6 h) und/oder kleinkörnigem Hagel gerechnet werden muss. Die verwendeten "und/oder" deuten bereits darauf hin, dass nicht alle drei Kriterien für eine "Ocker"-Warnung erfüllt sein müssen, sondern eine Überschreitung bereits dafür ausreicht. Starkregen und (schwere) Sturmböen können natürlich auch ohne Blitz und Donner auftreten, wobei dann ebenfalls die eben beschriebenen markanten Warnschwellen gelten. Zudem gibt es den Dauerregen, der je nach Dauer eines der folgenden Kriterien erfüllen muss: 25-40 l/qm in 12 h, 30-50 l/qm in 24 h, 40-60 l/qm in 48 h oder 60-90 l/qm in 72 h.

Wenn die obere Warnschwelle für markantes Wetter nicht mehr ausreicht, müssen wir uns, wie so oft in den vergangenen Tagen, mit dem Thema "Unwetter" beschäftigen und die Farbe Rot findet ihren Einsatz in der Warnkarte. Gewitter gehen dann mit orkanartigen oder Orkanböen (103-140 km/h, 11-12 Bft) und/oder heftigem Starkregen (25-40 l/qm in 1 h bzw. 35-60 l/qm in 6 h) und/oder Hagel mit einem Durchmesser von mehr als 1,5 cm einher. Bei Dauerregen sehen die Warnmeteorologen des DWD "rot", wenn entweder 40-70 l/qm in 12 h, 50-80 l/qm in 24 h, 60-90 l/qm in 48 h oder 90-120 l/qm in 72 h erwartet werden.

Die höchste Warnstufe besitzt die Farbe Dunkelrot und bedeutet "extremes Unwetter". Bei Gewittern muss dann mit extremen Orkanböen von über 140 km/h und/oder extrem heftigen Starkregen mit mehr als 40 l/qm in 1 h bzw. mehr als 60 l/qm in 6 h gerechnet werden. Hagel hat auf die Überschreitung der "normalen" Unwetterwarnung keinen Einfluss, auch wenn natürlich auch große Hagelkörner bei solchen Gewittern dabei sein können. Damit beim Dauerregen die höchste Warnschwelle erreicht wird, muss davon ausgegangen werden, dass verbreitet über 70 l/qm in 12 h, 80 l/qm in 24 h, 90 l/qm in 48 h oder 120 l/qm in 72 h Niederschlag fallen.

Um ein Beispiel für eine dunkelrote Warnung bzw. ein extremes Unwetter zu finden, muss man nicht weit zurückblicken. Am gestrigen Sonntag wurden beispielsweise an der Station Lieberose, nördlich von Cottbus, 62 l/qm innerhalb einer Stunde gemessen. 

Was jetzt noch fehlt sind die "violetten" Warnungen. Nein, dabei handelt es sich nicht, wie man vermuten könnte, um ein noch extremeres Unwetter, sondern um eine starke Hitze- und/oder UV-Belastung. Wird an zwei Tagen in Folge eine gefühlte Temperatur von über 32 Grad und zusätzlich eine nur geringe nächtliche Abkühlung erwartet, wird eine Hitzewarnung ausgegeben. Für eine erhöhte UV-Intensität hängt die Warnschwelle zum einen von der Region und zum anderen vom Zeitraum ab. Die genauen Kriterien dazu, aber auch zu den bereits genannten Wetter- und Unwetterwarnungen findet ihr auf unserer Startseite www.dwd.de bei Klick auf [mehr] oben rechts neben der Warnkarte und dann in der Leiste links unter "Erläuterungen und Kriterien".

Auch das Wettergeschehen heute und in den Folgetagen wird nicht ohne Warnung an uns vorübergehen, wenngleich die Farbe Rot wohl zumindest bis Mittwoch immer seltener zu sehen sein wird.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

01.08.2014

Neues Ungemach droht - erneute Gewitterfront in Sicht

Schon am Wochenende drohen uns erneut verbreitet z.T. heftige Gewitter. Der Juli 2014 war bereits einer der gewittrigsten Hochsommermonate, die Mitteleuropa je verzeichnete. Der August scheint nun daran anknüpfen zu wollen...
Schon am Wochenende drohen uns erneut verbreitet z.T. heftige Gewitter. Der Juli 2014 war bereits einer der gewittrigsten Hochsommermonate, die Mitteleuropa je verzeichnete. Der August scheint nun daran anknüpfen zu wollen...

Das Wetter im Sommer 2014 folgt seit der Siebenschläferzeit (Ende Juni/Anfang Juli) einem Muster. Hochdruckgebiete werden bald wieder durch Tiefdruckgebiete abgelöst, sodass sich seitdem einige (wenige) trockene Tage mit Sonnenschein mit sehr gewitter- und starkregenträchtigen Phasen abwechseln. Das Temperaturniveau in Deutschland bewegte sich dabei stets auf einem hohen bis zuweilen sehr hohen Niveau.

Die Siebenschläferregel besagt: "Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt". Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Ausdehnung der Regel nicht nur auf den Stichtag (27. Juni), sondern auf den Zeitraum Ende Juni bis Anfang Juli, diese meteorologische Singularität in Deutschland tatsächlich eine Trefferquote von 60 bis 70 % aufweist. Nach Norden hin nimmt diese aber etwas ab.

In der Tat hat sich nun im vergangenen Juli oben beschriebenes Muster herauskristallisiert. So gab es in Deutschland vom 1.-6. Juli Hochdruckeinfluss (Hoch "Yoshiki"), vom 7.-14. Juli dann Tiefdruckeinfluss (Tief "Michaela", am Ende auch noch Tief "Nike"). Vom 15.-19. Juli war Hoch "Aymen" für trockeneres Wetter zuständig, dann folgte vom 20.-22. Juli Tief "Paula". Vom 23.-25. Juli hatte Hoch "Bertram" die Fäden in der Hand, vom 26.-30. Juli nochmals Tief "Paula" und abschließend Tief "Quintia". Letztlich waren diese Druckkonstellationen dafür verantwortlich, dass immer wieder warme bis heiße und zunehmend auch feuchte Luft aus südlichen Gefilden zu uns gelangte. Außerdem sorgten sie für die teils exorbitanten Regenmengen, die im Juli lokal beobachtet wurden. Dabei waren 60 bis 100 Liter Regen auf den Quadratmeter in 6 Stunden beileibe keine Seltenheit.

Nun sind wir wieder in eine Phase mit Hochdruckeinfluss eingetreten. Die ist allerdings erneut nicht von längerer Dauer, weshalb die Kollegen des Instituts für Meteorologie in Berlin auch keinen Namen für das Hoch vergeben haben. Dafür hat ein vor den Britischen Inseln liegendes Tief einen Namen bekommen: "Susanne". Genau das bewegt sich mit seinen Ausläufern am Wochenende auf Deutschland zu und beendet den Zwischenhocheinfluss.

Damit stehen bald wieder Gewitter auf der "Speisekarte" des Wetters. Wo diese Gewitter dann allerdings zu "verzehren" sind, ist noch ungewiss. Nach aktuellster Einschätzung dürften am heutigen Freitag nur die südlichen Mittelgebirge und der Alpenrand in den "Genuss" von lokalen Gewittern kommen. Größere Mengen werden allerdings wohl nicht angeboten, will heißen, dass meist "nur" 15 bis 25 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen. Ganz vereinzelt kann es auch mal etwas mehr sein.

Am Samstag sind sich alle Wettermodelle ziemlich uneinig, was und wieviel tagsüber gegessen bzw. verdaut werden soll. Die einen mögen Schauer und Gewitter mit etwas Regen, die anderen lieber Sonnenschein und "Trockenes". Wer sich also vom Ersteren satt werden will, muss wahrscheinlich auf die Nacht zum Sonntag warten. Dann besteht im Südwesten lokal die Möglichkeit für größere "Häppchen". Die beziehen sich vor allem auf den Starkregen, unwetterträchtige 40 bis 60 Liter Regen auf den Quadratmeter oder mehr in kurzer Zeit sind dann wieder möglich. Auch am Sonntag gibt es gebietsweise diese "Happen", dann vor allem in Ostdeutschland.

Das zu erwartende Wetter folgt also weiterhin dem Siebenschläfer-Muster. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass wir auch in den nächsten drei Wochen dieses Wetter serviert bekommen. Schaut man sich die Vorhersagen der kommenden Woche an, so geht es in der Tat sommerlich warm und wechselhaft weiter. Mitte der Woche baut sich dabei Hochdruckeinfluss auf, der zum Ende der Woche hin neuerlich durch ein Tief beendet werden könnte. Nichts Neues also von der "(Wetter-) Front".

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

30.07.2014

Endlich mal, zumindest kurz, durchatmen!

Ein Regenbogen ist an schwül-feuchten Tagen wie diesen wie ein "Silberstreif" am Horizont. Für gut 2 Tage wird die Luft über Mitteleuropa nun mal etwas trockener...
Ein Regenbogen ist an schwül-feuchten Tagen wie diesen wie ein "Silberstreif" am Horizont. Für gut 2 Tage wird die Luft über Mitteleuropa nun mal etwas trockener...

In den letzten Tagen riss die Unwetterserie in Sachen Gewitter, vor allem mit Starkregen nicht ab. Ständig mussten die Einsatzkräfte ausrücken um vollgelaufene Keller auszupumpen oder Straßen von den Wassermassen zu befreien. Umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen oder Erdrutsche waren keine Seltenheit. Die Niederschlagsmengen waren zum Teil erheblich, wie beispielsweise in Münster, aber auch in anderen Städten wie Potsdam, Mainz oder Saarbrücken, um hier nur wenige zu nennen, hieß es zum Teil "Land unter" und die Feuerwehren waren ständig im Einsatz.

Und auch am heutigen Mittwoch muss nochmals vor allem im Osten und Südosten mit teils kräftigen Schauern und Gewittern gerechnet werden. Südöstlich einer Linie von Usedom über den Harz bis zum Breisgau besteht erneut erhöhte Unwettergefahr mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. Je weiter man von dieser Linie in den Nordwesten geht, desto geringer ist das Gewitterrisiko. Doch wie kommen diese Gegensätze zustande?

Die Kaltfront eines Tiefs über Schweden erstreckt sich diagonal über Deutschland von der Ostseeküste bis zum Saarland. Da sich die Luft um ein Tief gegen den Uhrzeigersinn dreht, kommt sie vor der Front aus Südwesten. Es fließt also nochmals feucht-warme und labile Luft heran. Im Tagesverlauf des heutigen Mittwochs verlagert sich diese Front mit der labilen und gewitterträchtigen Luftmasse langsam nach Osten. Dahinter strömt nun aus Nordwesten deutlich stabilere und auch etwas kühlere Luft ein, die das Schauer- und Gewitterrisiko minimiert. Somit kann in diesen Regionen einmal durchgeatmet werden, denn neben ein paar wenigen Wolken zeigt sich verbreitet die Sonne und es kommt - wenn überhaupt - nur zu wenigen Gewittern. Zudem ist die Wärmebelastung nicht mehr so hoch wie an den vergangenen Tagen, denn die Luftmasse ist nicht mehr so schwül. Dagegen müssen der Osten und Südosten nochmals aufpassen, denn es besteht erneut die Gefahr von kräftigen Schauern und Gewittern. Doch auch dort wird die unwetterträchtige Luft verdrängt und spätestens am morgigen Donnerstag beruhigt sich auch im Osten und Südosten das Wetter.

Bis zum Samstag scheint, zum heutigen Stand der Vorhersage, das ruhigere Wetter anzuhalten und erst am Sonntag kann es wieder verbreitet Schauer und Gewitter geben. Doch bis dahin genießen wir erst einmal die kurze Ruhepause!

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

29.07.2014

"Wie viel Regen ist eigentlich während des letzten Gewitters vom Himmel gefallen?"

Eines der ersten in der Meteorologie verwendeten Messgeräte ist der vom Meteorologen Gustav Hellmann im Jahr 1886 entwickelte und nach ihm benannte Hellmann-Regenmesser. Dieser besteht aus einer kreisrunden und horizontal ausgerichteten Auffangfläche mit einer Größe von 200 Quadratzentimeter.
Eines der ersten in der Meteorologie verwendeten Messgeräte ist der vom Meteorologen Gustav Hellmann im Jahr 1886 entwickelte und nach ihm benannte Hellmann-Regenmesser. Dieser besteht aus einer kreisrunden und horizontal ausgerichteten Auffangfläche mit einer Größe von 200 Quadratzentimeter.

Diese oder eine ähnliche Frage werden sich viele von uns in den letzten Tagen gestellt haben. Durch die in den letzten Wochen vielerorts aufgetretenen kräftigen Gewitter kam es in Verbindung mit Starkregen zu lokalen Überschwemmungen oder vollgelaufenen Kellern. Anschließend wird z. B. in den Medien von großen Niederschlagsmengen berichtet, die innerhalb kurzer Zeit zu Boden fielen. Um diese Mengenangaben zu erhalten, müssen die Regenmengen möglichst genau sowie zeitnah erfasst werden. Dabei gibt es verschiedenste Vorgehensweisen bzw. Messmethoden, die nun im Folgenden kurz vorgestellt werden. 

Eines der ersten in der Meteorologie verwendeten Messgeräte ist der vom Meteorologen Gustav Hellmann im Jahr 1886 entwickelte und nach ihm benannte "Hellmann-Regenmesser" (siehe unser Foto). Dieser besteht aus einer kreisrunden und horizontal ausgerichteten Auffangfläche mit einer Größe von 200 Quadratzentimeter. Anschließend gelangen die aufgefangenen Regentropfen durch einen Trichter in einen darunter liegenden Auffangbehälter. Mit Hilfe eines geeichten Messglases kann dann die gefallene Regenmenge in "Liter pro Quadratmeter" oder in "Millimeter Wassersäule" angegeben werden. Die Nachteile dieser Methode sind einerseits das tägliche manuelle Entleeren des Auffangbehälters sowie eine begrenzte Messgenauigkeit.

Eine Weiterentwicklung dieser Methode stellt die Kippwaage dar. Dabei ist der Aufbau des Messgerätes analog zum Regenmesser nach Hellmann. Der einzige Unterschied besteht in der Messmethode. Unterhalb des Trichters befinden sich in diesem Fall zwei gegenüberliegende Kammern, die durch eine senkrechte Wand getrennt sind und nach außen hin flach zulaufen. Dieses Gebilde ist so befestigt, dass es nach rechts und nach links kippen kann (ähnlich einer normalen Wippe). Dadurch gelangen die aufgefangenen Tropfen solange in eine Kammer bis diese kurz vor dem Überlaufen zu schwer wird und zur Seite umkippt. Dadurch entleert sich die Kammer und die gegenüber liegende Kammer kann sich füllen. Dabei wird die Anzahl der einzelnen Wippenschläge automatisch registriert, wodurch bei bekannter Kammergröße auf die gefallene Niederschlagsmenge geschlossen werden kann. Um bei dieser als auch bei der Hellmann Variante festen Niederschlag messen zu können, muss eine Heizung eingebaut werden, damit der aufgefangene Hagel, Graupel oder Schnee zuvor in die flüssige Phase übergeht.

Ein weiteres Messverfahren stellt das Wägeprinzip dar. Hier gelangt der aufgefangene Niederschlag über den Trichter ebenfalls in einen Behälter. Bei dieser Methode wird jedoch nicht das Volumen gemessen, sondern mittels einer empfindlichen elektronischen Waage das Gewicht des Wassers. Da ein Kubikzentimeter Wasser genau ein Gramm wiegt, kann daraus direkt die Niederschlagsmenge ermittelt werden. Bei einer hohen zeitlichen Auflösung ermöglicht dieses Verfahren zudem die Bestimmung der Niederschlagsintensität. Darüber hinaus kann mit Hilfe des Wägeprinzips fester Niederschlag direkt erfasst werden. 

Alle diese Messmethoden zeigen allerdings Schwächen bei starken oder böigen Winden. Dies führt dazu, dass die Regentropfen nicht senkrecht auf die Auffangfläche fallen, sondern unter einem bestimmten Winkel oder darüber hinweg geweht werden. Infolgedessen wird eine zu geringe Menge registriert.

Eine der modernsten und zukunftsträchtigsten Techniken zur flächendeckenden Niederschlagsmessung stellt das Regenradar dar, was an dieser Stelle aber nicht näher erläutert werden soll. Nun heißt es beim nächsten Niederschlagsereignis Daumen drücken, dass bei der deutschlandweit begrenzten Anzahl an Messstationen auch das nächste kleinräumige Gewitter über eine Messstation hinwegzieht.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

28.07.2014

Starkniederschläge und Straßenverkehr

Unser Foto zeigt aufziehenden Starkregen - die Ursache für "Aquaplaning" für Autos auf den Straßen. Wann es ab welchen Niederschlägen und mit welchen Reifen gefährlich wird, erläutert der nachfolgende Text.
Unser Foto zeigt aufziehenden Starkregen - die Ursache für "Aquaplaning" für Autos auf den Straßen. Wann es ab welchen Niederschlägen und mit welchen Reifen gefährlich wird, erläutert der nachfolgende Text.

In diesen Tagen liest und hört man in den Wetterberichten im Zusammenhang mit sommerlichen Gewittern immer wieder das Wort "Starkregen". In relativ kurzer Zeit - von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden - fällt dabei intensiver, meist schauerartig verstärkter Regen. In den Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes stellen Niederschlagsintensitäten von 10 mm (= 10 L/m²) pro Stunde oder 20 mm innerhalb von sechs Stunden markante Warnschwellen dar (Warnfarbe "Ocker" auf der Warnkarte), 25 mm pro Stunde oder 35 mm in sechs Stunden sind Warnschwellen für Unwetter (Warnfarbe "Rot") und 40 mm pro Stunde oder 60 mm in sechs Stunden signalisieren extreme Unwetter (Warnfarbe "Violett"). 

Starkniederschlagsereignisse sind meist lokal begrenzt. Kurze Starkregen fließen zwar schnell ab, können aber ein plötzliches Anschwellen von Flüssen und Kanälen, vollgelaufene Keller sowie Bodenerosionen verursachen. Angaben über maximale Niederschlagsintensitäten sind auch von bautechnischem Interesse, z.B. für die Dimensionierung wasserbaulicher Anlagen. Vor allem aber stellen plötzlich auftretende "Wolkenbrüche" ein verkehrstechnisches Problem dar und so mancher Autofahrer hat bereits unangenehme Bekanntschaft mit Aquaplaning gemacht. 

In diesem Zusammenhang sei ein kleiner verkehrstechnischer Exkurs erlaubt: Auf einem beispielsweise in einer Bodensenke gelegenen Fahrbahnstück ist bei Starkregengüssen ein Wasserfilm von 1 cm Höhe (das entspricht "nicht abgeflossenen" 10 Litern pro Quadratmeter) keine Seltenheit. Ein PKW-Reifen der Größe 205/55 R16 hat einen Umfang von 200 cm und eine Breite von 20.5 cm. Pro ganzer Umdrehung des Rades müsste er 4.1 Liter Wasser verdrängen, um Griffigkeit zur Fahrbahn zu gewährleisten. Fährt man mit 75 km/h (das sind 21 m/s), so macht der Reifen 10.5 Umdrehungen pro Sekunde und verdrängt dabei 43 Liter, das ganze vierrädrige Fahrzeug also 172 Liter Wasser pro Sekunde, was der Füllmenge einer üblichen Badewanne entspricht. 

Übrigens gewährleisten die in letzter Zeit in Mode gekommenen, größeren Räder mit breiteren Reifen bei trockener Straße eine bessere Griffigkeit. Auf nasser Fahrbahn verdrängen sie mehr Wasser als ihre schmaleren Varianten, schwimmen aber bei zu hohen Geschwindigkeiten eher auf und fördern so das Aquaplaning. Wie auch immer, ordentliche Pneus und eine der Witterung sowie den Fahrbahnverhältnissen angepasste Fahrgeschwindigkeit sollten für jeden Kraftfahrer eine Selbstverständlichkeit sein. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

25.07.2014

Hagel - Entstehung und Auftreten

Hagel mit einem geringen Durchmesser richtet wenig Schaden an - ist er aber 2 cm im Durchmesser groß oder größer, kann er erheblichen Schaden anrichten.
Hagel mit einem geringen Durchmesser richtet wenig Schaden an - ist er aber 2 cm im Durchmesser groß oder größer, kann er erheblichen Schaden anrichten.

Sommerzeit ist Gewitterzeit. Auch gestern gab es wieder teils schwere Gewitter, besonders betroffen waren Hessen und der Norden von Rheinland-Pfalz. Viele dieser Gewitter gingen mit Hagel einher, so zum Beispiel bei einem Unwetter im Westerwald, wo sich gestern eine mehrere Zentimeter hohe Hageldecke akkumulierte. Doch wie entsteht eigentlich Hagel?

Hagel ist immer mit kräftigen Schauern und Gewittern verbunden. In diesen herrschen kräftige Aufwinde, die sogar Geschwindigkeiten von über 30 m/s erreichen können. In den unteren und mittleren Schichten besteht die Gewitterwolke aus unterkühlten Wassertröpfchen, die bis zu einer Temperatur von -40 °C im flüssigen Zustand verbleiben können, insofern sie nicht an Kristallisationskeimen zu Eis gefrieren. Als Kristallisationskeime dienen Aerosole (meist Staubpartikel), an denen einige dieser unterkühlten Wassertropfen zu Eiskristallen gefrieren. Diese wachsen zum einen durch Sublimation von Wasserdampf auf ihrer Oberfläche, zum andern gefrieren weiter unterkühlte Wassertropfen an den Eiskristallen fest. Es bildet sich zunächst Graupel. Mit wachsendem Radius gefrieren durch das größere Volumen immer mehr unterkühlte Wassertropfen fest, sodass sich eine immer schnellere Wachstumsrate ergibt und sich aus den Graupelkörnern größere Eiskörner bilden, die irgendwann so stark an Gewicht zunehmen, dass sie vom kräftigen Aufwind nicht mehr in der Schwebe gehalten werden können und zu Fallen beginnen. Beim Fallen durch die Wolke gefrieren weiter Wolkentropfen fest. Da die Aufwindgeschwindigkeiten in einer Wolke variieren, gelangen die Hagelkörner häufig während des Fallens wieder in stärkere Aufwindbereiche, wodurch sie wieder nach oben gerissen werden und dabei weitere Wolkentröpfchen aufsammeln können. Meist durchlaufen Hagelkörner mehrere Zyklen von Auf- und Abbewegungen, ehe sie zu Boden fallen.

Wie groß die Hagelkörner bei einem Gewitter werden können, hängt größtenteils von der Stärke des Aufwindes und dem Wolkenwassergehalt ab. Besonders starke Aufwinde findet man in sogenannten Superzellen-Gewittern. Diese haben einen ständig rotierenden Aufwindbereich. Sie sind für die meisten großen Hagelereignisse mit Korndurchmessern von über 4 cm verantwortlich. 

Bis zu 2 cm Korndurchmesser verursacht Hagel nur leichte Schäden an Pflanzen. Hagelgrößen von über 2 cm können Früchte beschädigen und Risse in Gewächshausgläsern verursachen. Ab etwa 3 cm Größe entstehen Schäden an Autos und kleinere Äste werden von Bäumen abgeschlagen. Ab 6 cm Korndurchmesser können Dachschindeln durchschlagen werden und es besteht ernsthafte Verletzungsgefahr.

Das größte in Deutschland registrierte Hagelkorn hatte einen Durchmesser von 14 cm und wurde am 6. August 2013 bei Undingen auf der schwäbischen Alb gefunden. Solche Hagelkorngrößen werden bei den Gewittern heute und am Wochenende zwar nicht erwartet, dennoch kann es wieder zu lokalen Hagelereignissen kommen, wobei vereinzelt Hageldurchmesser von 3 cm möglich sind.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

24.07.2014

Großwetterlagen: Hoch Nordmeer-Fennoskandien, überwiegend zyklonal

Ein Hoch über Fennoskandien sorgt für sonniges Wetter bei uns? Noch nicht gehört? Dann mal nachlesen: denn es gibt Großwetterlagen über Europa, die auf genau dieses Hoch angewiesen sind!
Ein Hoch über Fennoskandien sorgt für sonniges Wetter bei uns? Noch nicht gehört? Dann mal nachlesen: denn es gibt Großwetterlagen über Europa, die auf genau dieses Hoch angewiesen sind!

Der Jahresverlauf der Witterung an einem Ort oder in einem Gebiet der mittleren Breiten besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich durch großräumige Luftdruck- bzw. Geopotentialverteilungen und die daraus resultierenden Strömungsmuster in Bodennähe sowie in den darüber liegenden Luftschichten. 

Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in das Zirkulationsregime einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten. 

Die derzeitige Wetterlage kann man als zyklonal geprägtes "Hoch Nordmeer-Fennoskandien" (wiss. Abkürzung HNFz) klassifizieren, wobei "zyklonal" für "tiefdruckbeeinflusst" steht, denn gebietsweise muss mit gewittrigen Störungen gerechnet werden. Insgesamt überwiegt die zonale, konkret in Ost-West-Richtung verlaufende Strömungskomponente im Vergleich zum meridionalen, hier in Nord-Süd-Richtung orientierten Anteil. 

Aktuell liegt Mitteleuropa an der Südflanke der Hochdruckzone BERTRAM, die sich vom Europäischen Nordmeer über "Fennoskandien" erstreckt. Unter "Fennoskandien", auch Fennoskandinavien oder Fennoskandischer Schild genannt, wobei "Fenno" Finnland bedeutet, versteht man die aus Skandinavien, Finnland, Karelien und der Kola-Halbinsel bestehende geologisch-geographische Einheit. 

Über Südeuropa und dem Mittelmeerraum herrscht am Boden tiefer Luftdruck. Folglich fließt mit östlicher bis nordöstlicher Strömung im Sommer mäßig warme Festlandsluft aus Russland nach Mitteleuropa. Durch ein Höhentief über Mitteleuropa werden in der feucht-labilen Luftmasse Schauer oder Gewitter ausgelöst. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.07.2014

Ein kleiner Rückblick auf sehr regnerische Tage

Nach dem vielen Regen zeigt sich nun über Mitteleuropa Dank Hoch BERTRAM wieder öfter die Sonne und bringt das Sommerwetter zurück.
Nach dem vielen Regen zeigt sich nun über Mitteleuropa Dank Hoch BERTRAM wieder öfter die Sonne und bringt das Sommerwetter zurück.

In den vergangenen Tagen gab es in weiten Teilen Deutschlands mit Ausnahme des Nordostens immer wieder unwetterartige Wettererscheinungen, die vor allem mit Gewitter oder Stark- bzw. Dauerregen einhergingen. Am heutigen Mittwoch kehrt nun vorerst eine Wetterberuhigung ein.

Bereits am Samstag hatte sich ein Tiefdrucksystem namens PAULA vom Nordatlantik bis zur Iberischen Halbinsel etabliert. Deutschland selbst lag noch im Einflussbereich von Hoch AYMEN. Da sich die Luft um ein Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn bewegt und um ein Hoch mit dem Uhrzeigersinn, wurde auf der Ostflanke von PAULA zunächst heiße und später zunehmend feuchtere Luft aus Südwesteuropa nach Deutschland geführt. Am Sonntag kam PAULA bis nach Frankreich voran und es bildete sich tagsüber durch die Aufheizung des Bodens eine weitere Tiefdruckrinne, die von der Nordsee quer über Deutschland bis zum Erzgebirge und im Verlauf bis zum Balkan reichte. Dadurch wurde die heiße, aber noch trockene Luft im Norden und Osten des Landes von etwas kühlerer, aber sehr feuchter Luft in der Südwesthälfte getrennt.

Die Folge dieser Luftmassengegensätze waren vor allem im Grenzgebiet starke Gewitter, die teils unwetterartig ausfielen. Damit verbunden traten Hagel, Sturmböen und vor allem Starkregen auf. Da einige Gebiete zum Teil wiederholt von kräftigen Gewitterzellen überquert worden sind, nahm der Regen schon fast einen dauerhaften Zustand an.

So fielen von Sonntag bis Montagmorgen vor allem am Oberrhein beträchtlich hohe Niederschlagssummen in kurzer Zeit, wie beispielsweise in Kehl-Odelshofen (Baden-Württemberg) mit knapp 91 mm in 24 Stunden. Aber auch in den westlichen Landesteilen regnete es teils heftig. Dort wurden zum Beispiel in Eckelsheim (Rheinland-Pfalz) rund 55 mm in 24 Stunden gemessen. 

Am Montag drängte die Tiefduckrinne Hoch AYMEN weiter nach Nordosten ab. Dadurch blieb zwar der Schwerpunkt der Niederschläge über dem Süden Deutschlands, insgesamt aber vergrößerte sich das teilweise schauerartig verstärkte und gewittrig durchsetzte Regengebiet. Dies reichte zu diesem Zeitpunkt bis an die Mittelgebirge. Nur noch der äußerste Norden und Nordosten, also in einer Linie vom Emsland bis zur Lausitz blieb es aufgrund des Hochdruckeinflusses trocken.

Der Schwerpunkt der Niederschläge lag auch am vergangenen Montag weiterhin in Süddeutschland. Dort sind verbreitet Niederschlagssummen von über 50 mm gefallen, wobei solche Summen zum Teil in sehr kurzer Zeit niedergegangen sind. Spitzenreiter waren der Feldberg (Baden-Württemberg) mit 94 mm und Ottobeuren (Bayern) mit 88 mm/24h. An den Mittelgebirgen sind bis Dienstagfrüh 24-stündige Summen zwischen 35 und 50 mm gemessen worden.

Am Dienstag kippte die ehemals Nord-Süd verlaufende Achse des Tiefdrucksystems auf eine West-Ost Richtung und erfasste ein Gebiet von der Mitte Deutschlands bis zum Schwarzen Meer. Das Hochdruckgebiet mit Zentrum über Nordeuropa, jetzt mit dem Namen BERTRAM, konnte dann etwas weiter nach Süden durchgreifen und auch südlich der Mittelgebirge wirksam werden. Somit strömte nicht nur in den Norden sondern auch in die Mitte Deutschlands zunehmend trockenere Luft, während im Süden weiterhin die feuchte Luftmasse dominierte, in der es weiterhin zu intensiven Regenfällen kam. Die Niederschläge nahmen in den südlichen Landesteilen - durch Stau an den Mittelgebirgen und Alpen verstärkt - teilweise Dauerregencharakter an. So wurden am Dienstag bis Mittwochmorgen in Ihringen (Baden-Württemberg) bis zu 42 mm in 24 Stunden gemessen. In Österreich fielen in Schärding 111 mm, in Freistadt 96 mm, sonst waren es zwischen 7 und 71 mm.

Insgesamt fielen seit Sonntag also in einigen Gebieten Deutschlands deutlich über 100 l/qm bzw. mm. Am meisten Regen gab es am Feldberg im Schwarzwald mit einer (72-stündigen) Summe von 156,7 mm, gefolgt von Kehl-Ohldeshofen (120,9 mm, Baden-Württemberg) und Ottobeuren (101,8 mm, Bayern). Diese teils extremen unwetterartigen Entwicklungen der vergangenen Tage hatten enorme Schäden wie Hochwasser und Überschwemmungen zur Folge.

Im Laufe des heutigen Mittwochs wird das Tiefdrucksystem PAULA die Alpen überqueren. Dadurch kehrt in Deutschland vorerst eine Wetterberuhigung ein und es ist mit überwiegend freundlichem und vor allem meist trockenem Wetter zu rechnen. Nach Südosten hin bleibt es aber stärker bewölkt und besonders in den Mittelgebirgen können sich im Tagesverlauf einzelne Schauer oder Gewitter entwickeln. 

In den kommenden Tagen bis zum Wochenende wird es aber wieder unbeständiger und das Gewitterrisiko mit einem Potential von kräftigeren Entwicklungen steigt. Schwere Gewitter sollten aber die Ausnahme sein.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

21.07.2014

Wolken und ihre Bezeichnungen: was Cirren und Cumulus humilis sind

Friedlich miteinander am Himmel vereint: Cirren, Cirrocumulus und Altocumulus. Für die einen "Fachchinesisch", für Wetterfrösche "Umgangssprache"...
Friedlich miteinander am Himmel vereint: Cirren, Cirrocumulus und Altocumulus. Für die einen "Fachchinesisch", für Wetterfrösche "Umgangssprache"...

Immer wieder fallen in der Fachsprache der Meteorologen Begriffe wie Cirrus oder Stratocumulus. Diese Begriffe geben Wolkentypen an. Aber wonach klassifiziert man Wolken und was bedeutet das? Diese Frage beantworten wir heute:

Zunächst soll erklärt werden, was eine Wolke ist bzw. wie sie entsteht. Wolken sind eine sichtbare Anhäufung von Wasserdampf, die aus feinsten Wassertröpfchen oder Eiskristallen bestehen. Wolken entstehen, wenn der in der Atmosphäre enthaltene Wasserdampf an sogenannten Kondensationskernen bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100% kondensiert und Wassertröpfchen bzw. durch Gefrieren Eiskristalle bildet. Als Kondensationskerne bzw. -keime dienen beispielsweise Salzpartikel oder Staub. Je nach genauem Entstehungsprozess der Wolke und somit auch der Zusammensetzung der Wolkenpartikel entstehen die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Wolken. 

Die erste Wolkenklassifikation wurde von dem englischen Pharmazeuten und Hobbymeteorologen Luke Howard im Jahre 1803 erstellt. Er teilte die Wolken in Anlehnung an die Biologie in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten ein. Seine Einteilung ist heute noch in der verbesserten Klassifikation der WMO (World Meteorological Organization) als internationale Klassifikation gebräuchlich und soll im Folgenden kurz erläutert werden. 

Grundsätzlich werden bei der Wolkenklassifikation das Erscheinungsbild, die Form, Größe und Gestalt der Wolke und die hervorgerufenen optischen Effekte wie Schatten oder Lichtdurchlässigkeit mit einbezogen. Daraus ergeben sich 4 Wolkenfamilien, 10 Wolkengattungen, 14 Wolkenarten, 9 Wolkenunterarten und 9 Sonderformen und Begleitwolken. 

Die Wolkenfamilien lassen sich durch die Wolkenhöhe ("Stockwerke“, die angegebenen Werte gelten für die mittleren Breiten) festlegen: 

- tiefe Wolken in einer Höhe von 0 bis 2 km,

- mittelhohe Wolken in einer Höhe von 2 bis 7 km und 

- hohe Wolken in einer Höhe 5 bis 13 km. 

Wolken, die eine große vertikale Erstreckung besitzen und sich somit über alle "Stockwerke" erstrecken, stellen die vierte Wolkenfamilie dar. 

Die Gattungen teilen in der Regel die Familien in zwei Formen auf: haufenförmige Wolken (Cumulus) und schichtförmige Wolken (Stratus). Die hohen Wolken besitzen eine weitere Gattung, die sogenannten Schleierwolken (Cirrus), die vollständig aus Eiskristallen bestehen und Kondensstreifen ähneln. Im tiefen "Stockwerk" existiert noch eine Mischform aus Stratus und Cumulus (Stratocumulus), die prinzipiell wie eine schichtförmige Wolke ausschaut, in der aber noch markante Strukturen zu erkennen sind. Ist die Familie und Gattung der Wolke bekannt, ergibt sich der Name bzw. die Bezeichnung der Wolke. Für die tiefen Wolken gibt die Gattung den Namen vor. Bei hohen Wolken kommt ein "Cirro-" vor die Gattungsbezeichnung, bei mittelhohen ein "Alto-" und bei vertikal mächtigen Wolken ein "Nimbo-".

Die Wolkenart wird durch die Gestalt der Wolke bestimmt. So erhält beispielsweise eine linsenförmige Wolke den Beinamen lenticularis oder eine hakenförmige Wolke den Beinamen uncinus. Die Unterarten klassifizieren die Wolken dann noch genauer, z. B. erhält eine Wolke, die die Sonne besonders gut durchscheinen lässt, die Unterart translucidus.

Am Ende soll noch ein Beispiel zur Veranschaulichung angeführt werden. Die im Volksmund unter Schönwetterwolken bekannten Cumulus sind tiefe Wolken. Je nach genauer Erscheinungsform erhalten sie den Beinamen (Wolkenart): 

- humilis: horizontale Erstreckung ist höher als die vertikale, also breiter als hoch

- mediocris: mittelgroß

- congestus: vertikale Erstreckung ist höher als die horizontale, also höher als breit 

Beispielbilder aller Wolkenbezeichnungen lassen sich im internationalen Wolkenatlas einsehen. Die deutsche Fassung ist z.B. unter "Wolkenatlas" im Wetterlexikon unter www.dwd.de/lexikon verfügbar.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

17.07.2014

"36 Grad und es wird noch heißer...(?)"

Am Samstag werden selbst an den Nordseestränden bis zu 30 Grad erwartet - dann dürften auch die letzten Strandkörbe belegt sein!
Am Samstag werden selbst an den Nordseestränden bis zu 30 Grad erwartet - dann dürften auch die letzten Strandkörbe belegt sein!

Nein, ganz so brütend heiß wird es dann doch nicht, aber nichtsdestotrotz zeigt der Sommer in den kommenden Tagen, was er drauf hat. Denn zumindest bis Samstag steigt das "Quecksilber" bundesweit peu à peu an. 

Während sich bereits am heutigen Donnerstag die Hitzeliebhaber zunächst nur im Südwesten Deutschlands auf 30 Grad und mehr freuen dürfen, wird am Freitag verbreitet die 30 Grad Marke geknackt. Am Oberrhein werden sogar 34 Grad erwartet. Der Samstag legt dann noch eine Schippe drauf: Fast ganz Deutschland wird Höchsttemperaturen über 30 Grad verzeichnen können. Entlang des Rheins werden die Thermometer Werte um 34 Grad anzeigen, ganz vereinzelt sind sogar 36 Grad denkbar. Nur in Küstennähe und in den Hochlagen der Mittelgebirge bleibt es etwas kühler.

Die gefühlten Temperaturen liegen allerdings noch ein paar Grad darüber. Dadurch besteht heute und in den kommenden Tagen bei gefühlten 30 bis 38 Grad verbreitet eine mittlere bis hohe gesundheitliche Gefährdung bezüglich der Wärmebelastung. Die gefühlte Temperatur lässt sich aus tatsächlicher Temperatur, Luftfeuchte, Wind, Strahlung und dem menschlichen Verhalten (Aktivität und Bekleidung) ermitteln. Die Beziehung zwischen gefühlter Temperatur und der gesundheitlichen Gefährdung hängt allerdings stark von einem selbst ab, sodass manch einer solch hohe Temperaturen vielleicht sogar als angenehm empfindet. 

Nichtsdestotrotz werden in den kommenden Tagen wohl viele Menschen Eisdielen und Freibäder ansteuern. Wer möchte, kann sich für dieses Badewetter zum einen bei Hoch AYMEN bedanken, das sich derzeit über Mitteleuropa befindet und für viel Sonne sorgt, zum anderen aber auch bei einer Tiefdruckzone über dem Ostatlantik, auf deren Vorderseite sehr warme bis heiße Luft von Südwesten her nach Deutschland gelangt.

Ein Ausläufer dieser Tiefdruckzone bringt dann am Sonntag von Westen her eine Abkühlung in Form von kräftigen Schauern und Gewittern. Nach derzeitigem Stand bleibt das Temperaturniveau dabei aber auch in der kommenden Woche mit meist 25 bis 30 Grad in einem für die Jahreszeit angemessenen Bereich. Per definitionem gilt nämlich ein Tag erst als Sommertag, wenn die Temperatur 25 Grad oder mehr erreicht.

Besonders heiß war und ist es momentan im Südwesten Europas. Gestern wurden am Flughafen von Córdoba, im Süden Spaniens, 42,9 Grad gemessen, in Madrid (609 m ü. NN) 38,5 Grad. Mehr als 10 Grad kühler war es dagegen im, am Mittelmeer gelegenen, Barcelona mit 27,9 Grad. Auch heute werden in Spanien wieder verbreitet Höchsttemperaturen um 35, in der Spitze sogar über 40 Grad erwartet.

Als Kälteliebhaber könnte man nun auf die Idee kommen, vor der Hitze zu fliehen. Sibirien sollte man dabei allerdings nicht als Zufluchtsregion wählen. In Jakutsk zum Beispiel wurden am gestrigen Mittwoch 31,4 Grad gemessen und auch in den kommenden Tagen steigt dort die Temperatur auf Werte um 30 Grad. Da kommt man wohl alleine schon vom Lesen dieser Werte ins Schwitzen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

16.07.2014

Gibt es noch Sportereignisse neben der Fussball-WM?

Auf der "Tour de France" kommen die Sportler am 20. Juli auch nach NIMES (unser Foto). Allerdings stecken ihnen zuvor 222 km Tour-Etappe in den Knochen, so dass sie wohl kaum Zeit finden werden, die römische Arena zu besuchen.
Auf der "Tour de France" kommen die Sportler am 20. Juli auch nach NIMES (unser Foto). Allerdings stecken ihnen zuvor 222 km Tour-Etappe in den Knochen, so dass sie wohl kaum Zeit finden werden, die römische Arena zu besuchen.

Bei vielen Deutschen droht nach den letzten ereignisreichen und erfolgreichen Fußball-WM-Wochen Leere einzukehren. Doch dies ist nicht nötig. Es gibt doch noch weitere Sportereignisse, bei denen sich das Mitfiebern lohnt. Etwas in der Versenkung verschwunden ist da zum Beispiel die "Tour de France"! 

Seit dem 5. Juli fahren die weltweit erfolgreichsten Radrennfahrer um das "Gelbe Trikot". Vor allem aus deutscher Sicht verläuft die diesjährige Frankreich-Rundfahrt bisher sehr erfolgreich. Auf den ersten 10 Etappen gab es schon fünf deutsche Etappensiege. Alleine drei Siege erkämpfte sich dabei der deutsche Sprinter Marcel Kittel. Nachdem am gestrigen Dienstag der erste Ruhetag dazu diente, wieder Kraft zu tanken, machen sich die Fahrer nun auf den Weg in die Alpen. Während heute und morgen zwei bergige, aber noch nicht hochalpine Etappen folgen, stehen den Fahrern am Freitag und Samstag dann die höchsten Bergkategorien bevor. 

Doch auf welches Wetter müssen sich die Fahrer und natürlich auch die Zuschauer in den nächsten Tagen einstellen? 

Auf der heutigen 11. Etappe führt es die Radfahrer von "Besancon" nach "Oyonnax" an den Rand der Alpen. Dabei können sich das Tourfeld und auch die Radsportfans bei nur wenigen Wolkenfeldern über längere sonnige Abschnitte freuen. Bei einem leichten Nordwind, der für die Radrennfahrer meist Rückenwind bedeutet, können sich im Tagesverlauf lokal einzelne Quellwolken bilden. Es sollte jedoch größtenteils trocken bleiben. Bei Höchstwerten am Nachmittag um 25 Grad kommen die Teilnehmer schon ins Schwitzen.

Auch in den nächsten Tagen ändert sich an der Großwetterlage und somit auch an dem regionalen Wetter nur wenig. Der Alpenraum sowie das französische Zentralmassiv, wohin die Fahrer am Donnerstag einen kurzen Abstecher machen, liegen weiterhin auf der Westflanke eines ausgeprägten Hochdruckgebietes mit Zentrum über Norddeutschland. Dabei zeigt sich der Himmel meist nur gering bewölkt. Am Nachmittag bilden sich jedoch örtlich Quellwolken. Vor allem in den Alpen können nachfolgend auch ein paar kurze Schauer fallen. 

Die Temperaturen steigen noch weiter an und erreichen am Donnerstag entlang der Etappe Höchstwerte um 31 Grad. Am Freitag werden diese Temperaturen sogar noch etwas übertroffen. Insbesondere im Rhonetal, das das Tourfeld auf dem Weg in die Hochalpen durchquert, sollen schon mittags Werte um 33 Grad herrschen. Selbst am Zielort "Chamrousse", in 1730 Meter Höhe, werden am Nachmittag Temperaturen von immerhin warmen 25 Grad erwartet. 

Auch am Samstag, auf der Königsetappe in den Alpen von "Grenoble" nach "Risoul" (1855m), werden sich die Temperaturen bei oftmals nur gering bewölktem Himmel und viel Sonnenschein zwischen 20 und 25 Grad, in den Tälern teilweise auch bis 30 Grad bewegen. Im Tagesverlauf nehmen jedoch die Quellwolken deutlich zu und am Abend sind dann auch Schauer und Gewitter, die auch kräftig ausfallen können, im Bereich des Möglichen. 

Während also für die Zuschauer heiße Sommertage mit viel Sonnenschein anstehen, muss sich das Fahrerfeld durch die Hitze quälen.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

14.07.2014

Einfach nur Wetter - der Sommer kommt zurück!

Nach dem feucht-schwülen Durcheinander, das teilweise unwetterartig die vergangenen Tage über die Bühne ging, folgt die kommenden Tage Azorenhoch AYMEN und beschert uns eine trockene Hitzewelle
Nach dem feucht-schwülen Durcheinander, das teilweise unwetterartig die vergangenen Tage über die Bühne ging, folgt die kommenden Tage Azorenhoch AYMEN und beschert uns eine trockene Hitzewelle

Fußball, was ist das? Ja, es gibt jemanden, der heute einfach nur über das Wetter berichtet: 

Die vergangene Woche war geprägt von einem ausgedehnten, hochreichenden Tiefdruckkomplex, der sich vom Nordatlantik bis weit in den Mittelmeerraum erstreckte. Das korrespondierende Bodentief legte sich quer über Deutschland und hörte auf den Namen "Michaela".  An seiner Ostflanke wurde gegen den Uhrzeigersinn sehr feuchte und warme Luft vom Mittelmeer über Osteuropa bis in die Nordhälfte Deutschlands geführt, während der Süden in deutlich kühlerer Luft verblieb. Entlang dieser ausgeprägten Luftmassengrenze (bis zu 20 Grad Temperaturunterschied auf engstem Raum) entwickelten sich auf der nördlichen "warmen" Seite immer wieder kräftige Gewitter, die vor allem aufgrund von heftigem Starkregen teils unwetterartig waren. In der Südhälfte gab es in der kühleren, jedoch ebenso feuchten Luft zwar seltener Gewitter, aber dennoch viel Niederschlag, teils in Form von unwetterartigem Dauerregen. Nach dem zu trockenen Frühling und auch noch zu trockenen Juni wird der Juli diese Serie wohl unterbrechen. In einigen Regionen Deutschlands ist nämlich aufgrund der sehr regenreichen vergangenen Woche das Monatssoll an Niederschlag bereits erreicht oder überschritten.

Am heutigen Montag überwiegen vielerorts noch die Wolken und es gibt erneut einige teils gewittrige Regenschauer. Vor allem in Richtung Südosten sind auch einzelne kräftigere Gewitter möglich. Am Nachmittag lockern von Westen die Wolken aber bereits immer öfter auf. Die Temperatur steigt auf Werte um 20 Grad im höheren Bergland und an den Küsten und bis zu 26 Grad in der Lausitz sowie im Rhein-Main-Gebiet.

Doch nun stellt sich die Wetterlage allmählich um, denn das Azorenhoch streckt seine Fühler Richtung Mitteleuropa aus. Tief "Nike", das zurzeit über Dänemark liegt, wird sukzessive nach Norden abgedrängt. Gleichzeitig rückt Hoch "Aymen" von der Biskaya weiter nordostwärts vor, zudem wird dabei von Westen wieder trockenere Luft herangeführt. Völlig ungetrübt wird das Wetter aber nicht sein, denn im Norden streifen zwischenzeitlich schwache Tiefausläufer das Land und auch sonst können sich aus Tagesgang bedingten Quellwolken einzelne, teils gewittrige Regenschauer bilden. Die kommenden Tage werden sich aber wettertechnisch zunehmend sommerlich gestalten, denn mit der Zufuhr warmer Subtropikluft von Südwesten wird es Tag für Tag auch etwas wärmer.

Bis zum Ende der Woche nehmen die Sonnenanteile immer weiter zu. Gewitter bleiben zunächst eher die Ausnahme und peu à peu wird es auch deutlich wärmer. Die heißesten Tage werden aus heutiger Sicht der Freitag und der Samstag mit verbreitet hochsommerlichen Temperaturwerten um 30 und örtlichen Maxima bis 34 Grad am Oberrhein. Dann steigt jedoch von Westen langsam auch wieder das Risiko für kräftige Gewitter.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

11.07.2014

"Weltmeisterliches" Wetter zum Finale?

Noch sind die Stadionränge leer - am Sonntag um 21 Uhr wird das anders aussehen. Leider wird das Wetter am Wochenende bei uns nicht beständig sein, Schauer und Gewitter immer wieder zu erwarten.
Noch sind die Stadionränge leer - am Sonntag um 21 Uhr wird das anders aussehen. Leider wird das Wetter am Wochenende bei uns nicht beständig sein, Schauer und Gewitter immer wieder zu erwarten.

Diese ereignisreiche Woche wird vielen von uns noch für längere Zeit in Erinnerung bleiben. Tief Michaela hat Deutschland immer noch fest im Griff und sorgte schon in den vergangenen Tagen in weiten Teilen Deutschlands für Chaos. Zum einen kam es durch unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel zu umgestürzten Bäumen und vollgelaufenen Kellern. Zum anderen führte ergiebiger Dauerregen mit bis zu 100 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden im Süden und in der Mitte Deutschlands zu lokalen Überschwemmungen und zum Übertreten diverser Bäche und kleineren Flüssen. Wenn es auch nicht das turbulente Wettergeschehen ist, was in Erinnerung bleibt, dann aber der historische Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Brasilien bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft. Jetzt muss nur noch das Wetter zum Wochenende mitspielen, wenn am Sonntagabend das Finalspiel Deutschland gegen Argentinien angepfiffen wird. Beginnen wir aber zunächst mit dem Wettergeschehen am heutigen Freitag:

Heute kommt es bei wechselnder bis starker Bewölkung vor allem in der Mitte Deutschlands im Tagesverlauf zu teils kräftigen Schauer und Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. Örtlich sind auch unwetterartige Entwicklungen möglich. An den Alpen fällt bei bedecktem Himmel länger anhaltender, teils schauerartig verstärkter Regen, der nur sehr zögerlich nachlässt. Sprichwörtlich auf der Sonnenseite des Wettergeschehens stehen der Norden und Nordosten. Dort kommt die Sonne häufiger zum Vorschein. Es bleibt trocken und mit Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad sommerlich warm. Im Süden sowie im Mittelgebirgsraum steigt das Thermometer auf 19 bis 24 Grad. In der Nacht werden sich die Niederschläge in Form von schauerartigem und gewittrigem Regen vornehmlich auf den Süden und Südwesten beschränken. 

Am Samstag dürfen sich die Bewohner der Nord- und Osthälfte auf einen sonnenscheinreichen und trockenen Tag freuen. Lediglich der äußerste Nordosten kann am Nachmittag zeitweise von einzelnen Schauern und Gewittern heimgesucht werden. Im Süden und Westen Deutschlands wie in Österreich ist es hingegen wechselnd bewölkt, wobei insbesondere in den Nachmittagsstunden wieder mit Schauern und teils kräftigen Gewitterentwicklungen gerechnet werden muss. Die Höchsttemperatur erreicht Werte zwischen 20 und 26 Grad. In der Nacht zum Sonntag bleibt es weitestgehend trocken. Nur im Südwesten und Westen gibt es noch schauerartig verstärkte Regenfälle.

Am Sonntag scheint im Norden und Nordosten zunächst noch die Sonne. Im restlichen Bundesgebiet als auch in Österreich ist es überwiegend wechselnd bis stark bewölkt mit erneuten Schauern und kräftigen Gewittern, die sich allmählich nordostwärts ausbreiten. Der äußerste Osten und Nordosten bleiben jedoch davon weiterhin verschont. Dort steigt die Temperatur mit 24 bis 26 Grad auf ein sommerliches Niveau. Sonst liegen die Temperaturen im Bereich zwischen 20 und 24 Grad. Während des Finalspiels am Abend gehen die Public-Viewing Veranstaltungen im Nordosten und Osten des Landes ohne Niederschläge über die Bühne. In den restlichen Gebieten können sich die am Nachmittag entstandenen Schauer und Gewitter gebietsweise bis in die Nacht hinein retten. Die Intensität der Niederschläge lässt aber von Osten her allmählich nach, sodass der Abpfiff des Spiels sowie der eventuelle Gewinn der Weltmeisterschaft dennoch vielerorts im Trockenen gefeiert werden kann. Im Süden und Westen sollten Regenschirm und Regenjacke dennoch zur Ausrüstung gehören. Dort muss auch in der gesamten Nacht hier und da mit Schauern und Gewittern gerechnet werden. 

Ein kurzer Ausblick auf die neue Woche zeigt eine zunehmende Wetterbesserung mit wieder ansteigenden Temperaturen. Einzelne Schauer oder Gewitter werden dennoch nicht ganz ausbleiben. 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

10.07.2014

"Michaela" stellt das Wetter auf den Kopf

Sonnenuntergang in der Flensburger Förde: dort ist derzeit hochsommerliches Wetter mit traumhaften Sonnenuntergängen zu genießen, während der sonst sonnenverwöhnte Süden im Regen und Wolkenmeer erstickt...
Sonnenuntergang in der Flensburger Förde: dort ist derzeit hochsommerliches Wetter mit traumhaften Sonnenuntergängen zu genießen, während der sonst sonnenverwöhnte Süden im Regen und Wolkenmeer erstickt...

Tief MICHAELA sorgt seit Beginn dieser Woche für ein äußerst turbulentes Wettergeschehen in Deutschland. Auch im Laufe des gestrigen Mittwochs gab es besonders in der Mitte und im Süden Deutschlands weitere anhaltende Niederschläge. Im Norden entwickelten sich dagegen wieder teils schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel. Bis Mittwochabend (9. Juli, 20 Uhr MESZ) kamen in einem Streifen vom Erzgebirge bis zur Eifel und zum Niederrhein verbreitet zwischen 60 und 100 l/qm binnen 48 Stunden zusammen, eng begrenzt (Bobeck/Thüringen: 111,0 l/qm; Bergheim/Nordrhein-Westfalen: 110,1 l/qm) auch noch etwas mehr. Dabei trugen oft sowohl Dauerregen als auch Schauer und Gewitter zur Niederschlagssumme bei. Vielerorts fiel so viel Regen wie sonst durchschnittlich im gesamten Monat Juli. Sie mag zwar vielen unangenehm erscheinen, aber diese nasse Wetterphase ist durchaus ein Segen für die Natur, die vor allem nach Süden und Südwesten zu in den vergangenen Wochen unter anhaltender Trockenheit litt. 

Das üppige "Nass" von oben war aber nicht das einzig Bemerkenswerte. Eine scharfe Luftmassengrenze lag am Mittwoch eingebettet in das Tiefdruckgebiet MICHAELA quer über Deutschland. Sie trennte sehr warme Luft, die aus östlicher Richtung in den Norden einfloss, von deutlich kühlerer Meeresluft, die aus westlicher Richtung in den Süden eindrang. Begünstigt durch fehlende Sonneneinstrahlung und anhaltende Regenfälle "schaffte" es das Quecksilber auf der kühlen Seite der Luftmassengrenze nur mit Mühe auf 10 bis 15 Grad, im Norden Deutschlands in der Warmluft bei zeitweiligem Sonnenschein dagegen auf Werte bis 31 Grad. Man wird fast dazu verleitet zu sagen, dass MICHAELA das Wetter gewissermaßen "auf den Kopf stellte". Denn gerade die "Wärmehochburgen" im Süden mussten mit herbstlich anmutenden Temperaturen vorlieb nehmen, während sich der im Sommer oft kühlere Norden über badetaugliche Werte freuen durfte. So kam beispielsweise Gardelegen in der Altmark bereits auf 27 Grad, während im nur gut 100 km weiter südlich gelegenen Quedlinburg zeitgleich nur 17 Grad gemessen wurden. In Schneifelforsthaus in der Eifel war es mit 9 Grad sogar noch deutlich frischer. Nördlich des Tiefs MICHAELA war die Bewölkung deutlich geringer. 

Im Tagesverlauf verlagerte sich MICHAELA langsam südwestwärts. Die feuchtwarme Luft kam dabei an der Nordflanke ebenfalls weiter west- und südwärts voran und damit auch die kräftigen Gewitter. Das ist auch der Trend für den weiteren Verlauf des heutigen Donnerstag. Schauer und kräftige Gewitter treten somit insbesondere von Brandenburg über Sachsen-Anhalt, Südniedersachsen bis nach Nordhessen und Nordrhein-Westfalen auf. Im Südosten, später auch im Süden und vor allem an den Alpen und in Österreich, kommen dagegen neue, ergiebige Regenfälle auf, die gebietsweise bis Freitagabend anhalten. Die Ausnahme bildet nur der äußerste Norden Deutschlands. Dorthin streckt Hochdruckgebiet ZEUS über Skandinavien und Nordwestrussland seine Fühler aus, sodass die Sonne längere Zeit vom Himmel lacht.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

http://www.meteodata-ltd.com

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09.07.2014

Am Tag danach - es regnet

Der 7:1 Kantersieg der Deutschen Nationalelf über Brasilien wurde nur von den anhaltenden Regenfällen "überschattet"
Der 7:1 Kantersieg der Deutschen Nationalelf über Brasilien wurde nur von den anhaltenden Regenfällen "überschattet"

Es ist geschafft! Nach dem spektakulären Halbfinalsieg am gestrigen Dienstag hat am 13.7. Deutschland mal wieder die Chance Fußballweltmeister zu werden. Nicht auszudenken, wenn Deutschland verloren hätte und viele viele Tränen geflossen wären. Denn "Flüssiges" gab und gibt es derzeit genug, wenn man das aktuelle Wettergeschehen betrachtet.

Nachdem gestern Brasilien zum "Spielball" der deutschen Nationalmannschaft wurde, ist Deutschland derzeit selbiger des Wetters. Tief MICHAELA sorgt in weiten Teilen Deutschlands für sehr nasses Wetter, wie es bereits gestern beschrieben wurde. Während am Dienstag im Norden und Osten heftige Schauer und Gewitter für zum Teil sehr hohe Niederschlagssummen in kurzer Zeit sorgten, kamen besonders in einem Streifen vom Niederrhein bis zum Erzgebirge und Bayerischen Wald sowie an den Alpen über einen längeren Zeitraum enorme Regenmengen zusammen. 

Bis heute früh fielen beispielweise im Thüringer Wald und im südlichen Allgäu verbreitet über 50 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Am Niederrhein sowie an Erzgebirge und Bayerischem Wald und Teilen Mittelfrankens und der Oberpfalz meldeten viele Stationen zwischen 30 und 50 l/qm in 24 Stunden. Spitzenreiter, was die 24-stündigen Niederschlagssummen angeht, war Lindberg-Buchenau im Bayerischen Wald mit 103,2 l/qm, Stützengrün-Hundshübel im Erzgebirge mit 83,0 l/qm und Katzhütte im Thüringer Wald mit 82,0 l/qm.

Auch in Österreich kamen ordentliche Regenmengen zusammen, so meldete Schärding 49 l/qm in nur 24 Stunden und Lunz 37 l/qm. Auf dem Feuerkogel (auf 1621 m Höhe) kamen auch stolze 38 l/qm zusammen.

An der Spitze der einstündigen Regenmengen in Deutschland hatte am Dienstag die Station Sprenge bei Hamburg die Nase vorne. Dort fielen bei einem heftigen Gewitter zwischen 20 und 21 Uhr 52,6 l/qm. Auch Neuruppin in Brandenburg (32,8 l/qm), Bottmersdorf-Klein Germersleben bei Magdeburg (31,3 l/qm) und Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge (31,1 l/qm) konnten enorme Regensummen binnen einer Stunde verzeichnen.

Am heutigen Mittwoch hat vor allem der Westen, die Mitte und der Süden Deutschlands noch mit zum Teil sehr ergiebigen Regenfällen zu tun. Im Nordosten, Norden und später auch im Nordwesten geben dagegen kräftige Gewitter den Ton an, die örtlich unwetterartig ausfallen können.  In Österreich überwiegen lediglich die Wolken und es gibt nur noch wenige Regen.

Auch in den kommenden Tagen sieht es nicht nach ruhigem und beständigem Wetter aus. Viele werden hoffen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am kommenden Sonntag nicht nur den WM-Pokal "nach Hause" bringt, sondern auch sommerliches "Badewetter" im Gepäck hat.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data, Foto: © Fotoagentur-Stuttgart.de

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08.07.2014

Temperatursturz mit viel Regen in Deutschland und Österreich

Derzeit zeigt sich der Himmel über weiten Teilen Deutschlands wie Österreichs in verschiedensten Grau-Schattierungen von Dunkelgrau über Mittelgrau und Bleigrau bis zu Regengrau und einfach nur Grau.
Derzeit zeigt sich der Himmel über weiten Teilen Deutschlands wie Österreichs in verschiedensten Grau-Schattierungen von Dunkelgrau über Mittelgrau und Bleigrau bis zu Regengrau und einfach nur Grau.

Das Sommerwetter gestaltet sich dieses Jahr bisher äußerst abwechslungsreich: Mal warm oder gar heiß, mal fröstelig kühl. Mal musste der Schirm als Schutz gegen die Sonne dienen, mal gegen den Regen. Ein ständiges auf und ab also - während es am vergangenen Wochenende mit Temperaturen um 30 Grad verbreitet richtig heiß war, erwartet uns ab heute in weiten Teilen des Landes kühle Luft unter dichten Regenwolken. 

Die "Schuldige" heißt MICHAELA - ein Tief, das derzeit über Deutschland liegt und deren Kaltfront noch sehr warme und feuchte Luft im Osten von der bereits frischeren Luftmasse in den übrigen Landesteilen trennt. 

In der schwülen Sommerluft im Nordosten und Osten Deutschlands sowie rund um Wien (dort wird es heute noch einmal örtlich über 30 Grad heiss) bilden sich heute immer wieder Gewitter, die zum Teil mit Starkregen, Hagel und Sturmböen einhergehen und sehr heftig ausfallen können. Auf dem Weg zum Public Viewing sollte dort heute Abend also besser noch mal aufs Radar geschaut werden. Von den dort herrschenden heißen Temperaturen ist im übrigen Deutschland wie Westen Österreichs kaum was zu spüren: Vielfach werden heute nicht einmal 20 Grad erreicht, morgen schafft es das Thermometer mancherorts mit Müh und Not auf 15 Grad.

Tief MICHAELA sorgt außerdem für heftige Regenfälle; bereits in der vergangenen Nacht hat sich kräftiger Regen von Süddeutschland nordwestwärts ausgebreitet und lokal zu unwetterartigen Regenmengen geführt. 

Am heutigen Dienstag erfasst der Regen auch die Landesteile von der Nordsee über den Thüringer Wald bis zum Erzgebirge wie den Alpenraum. Dabei werden verbreitet akkumulierte Niederschläge bis in die Nacht zu Donnerstag zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter erwartet, regional auch über 70 Liter. Eine genauere Aussage, also wie viel Regen an welchem Ort fällt oder wo das Niederschlagsmaximum sein wird, ist zu jetzigem Zeitpunkt nur schwer möglich, denn die Computermodelle sind sich dessen nicht ganz einig. 

Die gute Nachricht kommt zum Schluss, denn pünktlich zum kommenden Wochenende deutet sich eine Wetterentspannung mit sommerlicheren Temperaturen und etwas mehr Sonnenschein an.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

07.07.2014

Irrtümer bei Gewittern - Wahrheit oder Gerücht?

Ein Gewitter im Anmarsch? Wie bringt man sich am besten in Sicherheit? Wir haben mal die 8 "Gewitterweisheiten" durchleuchtet, also "geblitzdingst"....
Ein Gewitter im Anmarsch? Wie bringt man sich am besten in Sicherheit? Wir haben mal die 8 "Gewitterweisheiten" durchleuchtet, also "geblitzdingst"....

Kräftige Gewitter haben am gestrigen Sonntagabend vor allem den Westen und Südwestens Deutschlands heimgesucht und dabei einige Schäden verursacht. Auch in den nächsten Tagen ist weiterhin mit Gewittern zu rechnen, insbesondere im Norden und Osten Deutschlands. Weisheiten über Gewitter gibt es viele. Einige davon sollen im Folgenden beleuchtet werden.

Weisheit 1: Bei Gewittern sollte man sich flach auf den Boden legen!

Das tut man besser nicht! Wenn man keine Möglichkeit hat, in einem Gebäude oder in einem Auto Schutz zu finden, sucht man sich am besten eine Senke, hockt sich mit den Armen um die Beine geschlungen hin und stellt die Füße eng beieinander. Damit verringert man die Schrittweite, womit bei einem möglichen Blitzschlag weniger Strom durch den Körper fließt. Legt man sich dagegen flach hin, kann den Strom in voller Länge durch den Körper fließen und so mehr Schaden anrichten.

Weisheit 2: Im Auto ist man sicher!

Das stimmt weitestgehend! Ein Auto wirkt als sogenannter Faradayscher Käfig, der einen Blitz an seiner Karosserie und den Reifen in den Boden ableitet. Autos aus Metall sind dabei besser als solche aus Kunststoff, trotzdem ist man in beiden weitestgehend sicher. Auf jeden Fall sollten aber Fenster und Türen geschlossen werden.

Weisheit 3: "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen!"

Bloß nicht! Bäume an sich sind meistens höher als ihre Umgebung, womit sie für einen Blitz ein gutes "Ziel" darstellen. Dabei ist es relativ egal, ob es sich um eine Eiche oder eine Buche handelt. Der Glaube, dass Buchen nicht so häufig vom Blitz getroffen werden wie Eichen, rührt möglicherweise aus der Tatsache, dass Blitzschäden an Buchen nicht so gut zu sehen sind wie an Eichen. Buchen führen den Blitz direkt in den Boden ab, während bei Eichen der Blitz auch an einer anderen Stelle der Rinde wieder austreten kann und es so zu sichtbaren Schäden kommt. Im Wald ist es die beste Wahl, sich an eine Stelle mit jungen Bäumen zu begeben, die etwas entfernt (3 bis 5 m) von den größeren Bäumen stehen. Dann gilt wieder die Regel mit dem Hinhocken (siehe oben). Hat man nur die Wahl zwischen einem freien Gelände und einem Wald, ist der Wald die bessere Wahl.

Weisheit 4: Im Gebäude ist man sicher! Telefonieren und Duschen sollte man aber nicht.

Ja und Nein! Im Gebäude ist man weitgehend sicher, es sollte aber über einen Blitzschutz verfügen, was in Deutschland meistens der Fall ist. Telefonieren und Duschen sind möglich, wenn Telefon- und Wasserleitungen unterirdisch verlaufen, was auch in vielen Teilen Deutschlands der Fall ist. Ist man sich diesbezüglich jedoch nicht sicher, verzichtet man besser darauf. Fernseher und elektrische Geräte trennt man besser ganz vom Strom, da es durch Blitzeinschläge in der nahen Umgebung zu Überspannungsschäden an den Geräten kommen kann.

Weisheit 5: Bei Gewittern kann man weiter Fußball oder Golf spielen. 

Irrtum! Es ist sogar höchst fahrlässig, sich bei einem Gewitter noch auf dem Spielfeld aufzuhalten. Immer wieder hört man in den Medien Berichte über vom Blitz getroffene Golf- oder Fußballspieler. Sogar ganze Mannschaften wurden schon "erwischt". Es liegt in der Verantwortung der Schiedsrichter und Spieler, das Spiel für die Zeit des Gewitters zu unterbrechen.

Weisheit 6: Im Flugzeug kann nichts passieren!

Stimmt! Ein Flugzeug ist ebenfalls ein Faradayscher Käfig. Bei einem Blitzeinschlag fließt der Strom über die Außenhülle ab. Nur in extremen Ausnahmefällen ist denkbar, dass die Elektronik einen Schaden erleidet und selbst dann gibt es meist Ersatzsysteme. Um die Gefahren aber zu minimieren (auch durch den turbulenten Wind), umfliegen die Piloten ein Gewitter nach Möglichkeit. 

Weisheit 7: Ein Blitz schlägt niemals zweimal an derselben Stelle ein.

Falsch! Es gibt sogar Ziele für den Blitz, die besonders attraktiv sind. So wird das Empire State Building in New York durchschnittlich 25 Mal im Jahr getroffen.

Weisheit 8: Ein Blitz verläuft von oben nach unten.

Nein! Der nicht sichtbare Vorblitz sucht sich über Verästelungen zwarvon der Wolke zum Erdboden seinen Weg. In der Nähe des Bodens kommt ihm dann von einer hohen Stelle der Fangblitz entgegen. Treffen sich beide, kommt es zum Hauptblitz. Dabei wandert die Entladung von unten nach oben. Eine Richtung beim Blitz ist nun aber nicht zu erkennen, da diese Entladung sehr schnell geht. Der Blitz erscheint mehr als ein Aufflackern, als dass er eine Richtung hat.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

04.07.2014

Wochenendwetter wird unbeständiger

Blau oder Grau - das ist die entscheidende Frage an diesem Wochenende. Und hinzu kommt die Frage: Schauer oder doch heftige Gewitter? In jedem Falle wird das Wochenende für die Wetterfrösche spannend was die lokale Prognose betrifft...
Blau oder Grau - das ist die entscheidende Frage an diesem Wochenende. Und hinzu kommt die Frage: Schauer oder doch heftige Gewitter? In jedem Falle wird das Wochenende für die Wetterfrösche spannend was die lokale Prognose betrifft...

Gestern (3. Juli) haben wir an dieser Stelle bereits über Ferien- und Reisewetter für die nächste Woche berichtet. Doch nicht jeder hat das Glück dann auch wirklich Urlaub zu haben. Viele werden sich für die Freizeitgestaltung mit dem Wochenende im Inland begnügen müssen oder auch wollen.

Mitteleuropa liegt zurzeit zwischen dem Hochdruckgebiet "Yoshiki" das seinen Schwerpunkt über Osteuropa hat und dem Tief "Lucia" mit Zentrum bei Island. Die daraus resultierende südwestliche Strömung über Deutschland sorgt für die Zufuhr heißer und zunehmend feuchter Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum. Dies schlägt sich auch in den am heutigen Freitag erwarteten Tageshöchsttemperaturen mit Werten zwischen warmen 25 und heißen 32 Grad nieder. Dabei bringt der schwache Hochdruckeinfluss zunächst noch verbreitet sonniges Wetter. Mit einer Tiefdruckrinne nähern sich jedoch im Laufe des Tages von Südwesten dichtere Wolken und nachfolgend Schauer und Gewitter. In der energiereichen, schwül-heißen Luft sind dabei im Südwesten, später auch im Süden und Westen unseres Landes durchaus kräftige Gewitter mit Unwetterpotential zu erwarten, die dann im Laufe des Abends und der Nacht langsam nordostwärts ziehen. Bei nachmittäglichen und abendlichen Freiluftaktivitäten sollte man also vor allem in der Südwesthälfte des Landes den Himmel im Auge behalten und die vom Deutschen Wetterdienst zeitnah ausgegebenen Gewitterwarnungen unter www.wettergefahren.de beachten.

Am Wochenende bleibt die grundsätzliche Luftdruck-Konstellation bestehen, somit wird die südwestliche Strömung über Deutschland und Österreich aufrechterhalten. Jedoch kommt dann zusätzlich von Nordwesten ein Tiefausläufer mit ins Spiel und vor allem im Nordwesten Deutschlands fließt etwas kühlere Luft ein. 

Der Samstag wird in der Westhälfte, aufgrund dichter Wolkenfelder und der Zufuhr etwas kühlerer Luft mit Tageshöchstwerten um 24 Grad nicht mehr ganz so warm und ungetrübt wie der Vortag. Dort wird es zwar auch noch einige Regenschauer geben, einzelne Gewitter fallen dabei aber weniger kräftig aus als am Vortag. In der Osthälfte wird es dagegen, bei teils aufgelockerter Bewölkung und Tageshöchsttemperaturen bis zu 30 Grad, noch einmal heiß und die oben erwähnte Tiefdruckrinne sorgt im Laufe des Samstags dann in dieser Region für teils kräftige Gewitter.

Am Sonntag greift von der Nordsee der Ausläufer eines Tiefs bei Island nur zögerlich auf den Nordwesten Deutschlands über und bei "gedämpften" Tageshöchsttemperaturen um 23 Grad wird dort oft nasses und wechselhaftes Wetter erwartet. In der Südosthälfte wird es dagegen bei längeren heiteren Abschnitten mit Temperaturwerten bis 30 Grad wiederum heiß. In diesem Gebiet sind am Nachmittag jedoch örtlich wieder teils kräftige Gewitter möglich. Das Wochenende wird also wettertechnisch durchwachsen…

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

03.07.2014

Urlaubsfeeling - Sommer, Sonne, Strand und was es sonst noch braucht...

Strandwetter auf Kreta - das östliche Mittelmeer ist in den Sommermonaten immer ein Sonnen- und Wärmegarant. Das können die Briten, Schotten, Waliser und Iren nicht von sich behaupten...
Strandwetter auf Kreta - das östliche Mittelmeer ist in den Sommermonaten immer ein Sonnen- und Wärmegarant. Das können die Briten, Schotten, Waliser und Iren nicht von sich behaupten...

"Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl", so oder so ähnlich hat sich der ehemalige Fußballprofi Andreas Möller einmal in einem Interview geäußert. Und mancher wird aktuell vom Urlaubsfeeling her ein gutes Gefühl haben. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen, wo am Montag die Sommerferien beginnen, aber auch in Berlin, Brandenburg und Hamburg, wo die Schüler im weiteren Verlauf der kommenden Woche jubelnd aus ihren Klassenzimmern stürmen können. Auch in Österreich ist es ab dem Wochenende soweit!

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie wird denn das Wetter zum Urlaubsbeginn? An dieser Stelle soll versucht werden, diese Frage zumindest für Europa und die angrenzenden Regionen zu diskutieren. Bezüglich der Temperaturen wird sich ein recht eindeutiges Nord-Süd- bzw. Nordwest-Südost-Gefälle einstellen. Dabei werden am Mittelmeer verbreitet Werte von um oder über 30 Grad erreicht. Die Spitzenreiter sollten dabei im Süden der Iberischen Halbinsel und an der Türkischen Riviera zu finden sein. Aber auch auf dem Balkan, rund ums Schwarze Meer und bis nach Weißrussland soll es hochsommerlich werden. Ein Sonnengarant ist natürlich auch die Ägäis (die griechische Inselwelt). Während von Frankreich bis zum Baltikum und nach Ostfinnland ein Streifen zu finden sein wird, der mit Temperaturen von etwa 25 Grad für einen mitteleuropäischen Sommer recht normal ist, kommen die Höchstwerte von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien mit Werten um 20 Grad nicht "aus dem Quark". 

Während ein solch weiter "Vorausblick" auf die Temperaturen durchaus Erfolg versprechend ist, gestaltet sich die Sache beim Wetter aufgrund der Vielzahl der Einflussfaktoren etwas schwieriger. Dennoch sei hier kurz gesagt, dass es rund ums Mittelmeer, aber auch in Osteuropa verbreitet freundlich zu werden scheint. In West- und Mitteleuropa hingegen deutet sich wechselhaftes Wetter mit Schauern und Gewittern an. Mit anderen Worten: Während die Italiener und Spanier nach ihrem frühen Ausscheiden bei der Fußball-WM von der Sonne getröstet werden, weint der Himmel auch nächste Woche noch mit den Briten um die Wette.

Womit wir wieder beim Thema Fußball wären - und damit auch bei der Frage, wie das Wetter morgen zum Spiel Deutschland-Frankreich hierzulande werden wird. Aktuell sieht es so aus, dass am Nachmittag von Frankreich her dichtere Wolken in den Südwesten ziehen. Während der ersten Halbzeit (und dem 1:0 :-)) kann es dann in Südbaden und im südlichen Schwarzwald, während der zweiten Halbzeit (und dem 2:0 :-)) vom Oberrhein bis zum Werdenfelser Land Schauer und Gewitter geben. Da die Schauer und Gewitter auch Starkregen, Sturmböen und Hagel im Gepäck haben können, heißt es in den angesprochenen Regionen, aber auch im restlichen Südwesten und Süden, neben der Leinwand oder dem Bildschirm auch den Himmel im Blick zu behalten. 

Eines ist aber jetzt schon klar: Während morgen in Deutschland nur der Südwesten und Teile des Südens schlechtwettergefährdet sind, wird es in Frankreich verbreitet und teils kräftig regnen. Wenn also der Ausgang des Fußballspiels noch mit - ganz kleinen - Unsicherheiten behaftet sein sollte, im Wetterwettbewerb werden wir uns am morgigen Freitag auf jeden Fall durchsetzen, zumal es in weiten Teilen Deutschlands den ganzen Tag noch sonnig und trocken bleibt.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

01.07.2014

Farbenprächtiges am Himmel - der Zirkumhorizontalbogen

Wir hatten leider in der Redaktion (noch) nicht das Glück, einen "Zirkumhorizontalbogen" am Himmel fotografieren zu können - lediglich ein typischer Regenbogen kam uns schon mal vor die Linse.
Wir hatten leider in der Redaktion (noch) nicht das Glück, einen "Zirkumhorizontalbogen" am Himmel fotografieren zu können - lediglich ein typischer Regenbogen kam uns schon mal vor die Linse.

Der Himmel bietet häufig ganz besondere Wolkenbilder und manchmal kann man sich besonders glücklich schätzen, nämlich dann, wenn besondere Leuchterscheinungen zu sehen sind. Einen solchen Moment konnten aufmerksame Beobachter am vergangenen Donnerstag zum Beispiel im Stuttgarter Raum beobachten und zum Teil auch bildlich festhalten: eine sog. Haloerscheinung - und zwar den "Zirkumhorizontalbogen".

Unter dem Begriff Halo ist eine Gruppe optischer Phänomene von Ringen, Bögen, Flecken oder Säulen gemeint, die durch Spiegelung (Reflexion) und Brechung (Refraktion) von Licht an in der Luft schwebenden Eiskristallen entstehen. Welche Erscheinung an welcher Stelle des Himmels auftritt, hängt von der Größe und Orientierung der Eiskristalle sowie vom Winkel, unter dem das Sonnenlicht auf die Kristalle trifft, ab. Die Eiskristalle, die Voraussetzung für das Entstehen von Halos sind, findet man in Cirruswolken. Dabei handelt es sich um hohe Wolken, die in unseren Breiten in einer Höhe von 8 bis 12 km auftreten und umgangssprachlich auch als Schleierwolken bezeichnet werden.

Der Zirkumhorizontalbogen im Besonderen entsteht an horizontal, also waagerecht ausgerichteten Eiskristallen. Die Eiskristalle sind sogenannte Plättchen - flache Prismen mit einer sechseckigen Grundfläche. Bei der Entstehung des Zirkumhorizontalbogens muss die Sonne sehr hoch am Himmel stehen, so dass der Sonnenstrahl in eine Seitenfläche des Eiskristalls eintreten und an der unteren Basisfläche wieder austreten kann. An den Grenzflächen von Eiskristall und Umgebungsluft wird der Sonnenstrahl gebrochen. Die unterschiedlichen Anteile des spektralen Sonnenlichtes werden dabei verschieden stark abgelenkt, so dass das sichtbare, weiße Sonnenlicht in seine Farbanteile aufgespalten wird (Dispersion). Damit entsteht eine regenbogenfarbene Leuchterscheinung.

Wie bereits erwähnt, ist eine der Hauptbedingungen für die Entstehung eines Zirkumhorizontalbogens ein sehr hoher Sonnenstand. Erst ab einer Sonnenhöhe von 57,8 ° zeigt sich der Bogen unterhalb der Sonne am Horizont. Im Norden Deutschlands besteht daher nur an wenigen Tagen um die Sommersonnenwende die Möglichkeit, einen Zirkumhorizontalbogen zu sehen. In Richtung Bayern und Baden-Württemberg sind die Voraussetzungen der Sonnenhöhe von Anfang Mai bis Anfang August gegeben. Allerdings beträgt auch dort der maximale Sonnenstand nur 65 °, die maximale Helligkeit erreicht der Zirkumhorizontalbogen jedoch erst bei einer Sonnenhöhe von 67,9 °. Deshalb ist er in Deutschland nie in seiner vollen Pracht und Farbigkeit zu sehen. Je weiter man auf der Nordhalbkugel also nach Süden kommt, umso eindrucksvoller kann der farbenprächtige Bogen sein und auch die Häufigkeit seines Auftretens steigt deutlich an.

Auch wenn der Zirkumhorizontalbogen nicht überall beobachtet werden kann, lohnt doch immer ein Blick gen Himmel...

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

26.06.2014

Unwetterserie im Süden und Südosten Europas

Dunkel drohend ziehen seit einigen Tagen in Süd- und Südosteuropa die Wolken auf, entladen sich in heftigen Unwettern. Wir geben heute einen Überblick auf das, was passiert ist.
Dunkel drohend ziehen seit einigen Tagen in Süd- und Südosteuropa die Wolken auf, entladen sich in heftigen Unwettern. Wir geben heute einen Überblick auf das, was passiert ist.

In den vergangenen Tagen traten in einigen europäischen Ländern, hauptsächlich in den südlichen, wiederholt Unwetter auf. Es kam zu schweren Gewittern, die von extremem Starkregen, Hagel und Sturm begleitet wurden. 

Zu Beginn dieser Woche etablierte sich eine scharfe Luftmassengrenze, die sich zunächst von Frankreich über den Alpenraum bis nach Osteuropa erstreckte. Sie trennte recht kühle Polarluft, die aus nördlichen Richtungen bis nach Mitteleuropa einströmte, von sehr warmer und feuchter Subtropikluft, die sich in entgegengesetzter Richtung aus dem Mittelmeerraum nach Norden vorarbeitete. An der Luftmassengrenze, also dort, wo die zwei Luftmassen aufeinander prallten und zum Aufsteigen gezwungen wurden, setzte Luftdruckfall ein. Es entwickelte sich eine langgestreckte Bodentiefdruckrinne. Auf der Südseite der Rinne waren in der feuchtwarmen und damit sehr energiereichen Luft die Bedingungen für die Entwicklung schwerer Gewitter gegeben. Auch von Dienstag bis Donnerstag hatte die Luftmassengrenze Bestand, verlagerte sich insgesamt aber allmählich südwärts.

Am Montag lag der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit noch im Alpenraum. Besonders betroffen waren Teile der Schweiz und Kärntens. Extremer Starkregen führte vielerorts zu Überflutungen und vollgelaufenen Kellern. In Grenchen in der Nordschweiz kamen bis Dienstagfrüh beispielsweise 61 Liter auf den Quadratmeter binnen 24 Stunden zusammen. In Klagenfurt sorgte ein Hagelunwetter für enorme Schäden. Hagelkörner von mehrere Zentimetern Durchmesser beschädigten zahllose Autos und Gebäude. 

Am Dienstag zogen die Unwetter vor allem über Norditalien, Slowenien und den Norden der Balkanhalbinsel hinweg. Während in Italien und Slowenien insbesondere extremer Starkregen auftrat (nahe Bovec/Slowenien: 73 l/qm in 24 Stunden), ging in Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina die größte Gefahr von Hagelschlag aus. Dort wurden Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu 4 Zentimetern beobachtet. In Rumänien und Bulgarien wurden die Gewitter stellenweise von Orkanböen begleitet. In Rosiori De Vede im äußersten Süden Rumäniens wurde eine Spitzenböe von 126 km/h gemessen. 

Auch am Mittwoch war das nahezu identische Gebiet von Unwettern betroffen, wobei insbesondere in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Rumänien sehr langlebige und intensive Gewitterzellen - sogenannte Superzellen - durch extrem heftigen Starkregen, großkörnigen Hagel (bis zu 7 cm in Bosnien-Herzegowina) sowie Sturm- und Orkanböen für viele Schäden sorgten. Im serbischen Sopic nahe Belgrad wurde ein Tornado beobachtet, der über 100 Häuser teils stark beschädigte.

Doch auch nördlich der Luftmassengrenze war das Wetter nicht überall ruhig. Ein Tief, das sich vor allem nur in der Höhe abzeichnete, verlagerte sich von der Nordsee über Norddeutschland und das Erzgebirge südostwärts. Dieses Höhentief sorgte in Nord- und Ostdeutschland sowie Polen und Tschechien für länger anhaltende, schauerartige, teilweise sogar gewittrige Regenfälle. Bis Donnerstagfrüh fielen vielfach 10 bis 20 Liter Regen auf den Quadratmeter, lokal auch noch deutlich mehr (Berlin-Dahlem: 40 l/qm).

Auch die kommenden Tage scheinen in einigen Regionen Europas wettermäßig turbulent zu werden. Der "Wetterhotspot" liegt weiterhin in Süd- und Südosteuropa, aber auch in Mitteleuropa deuten sich für das Wochenende gebietsweise kräftige Gewitter an.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

25.06.2014

Deutschland ein Sommermärchen?

2006 erlebte Deutschland das "Sommermärchen" - die Fußball-WM fand im Land statt und das Wetter lieferte während der gesamten WM frei Haus viel Sonnenschein und blauen Himmel.
2006 erlebte Deutschland das "Sommermärchen" - die Fußball-WM fand im Land statt und das Wetter lieferte während der gesamten WM frei Haus viel Sonnenschein und blauen Himmel.

Sommer... hm, was ist Sommer und was ist ein Sommermärchen? Der astronomische Sommer ist eine Jahreszeit, die am 21. Juni beginnt und am 21. oder am 22. September endet, und die Witterung ist vor allem geprägt durch Schauer und Gewitter. Man spricht in der Meteorologie von einem Sommertag, wenn die Höchsttemperatur über 25 Grad liegt.

Der meteorologische Sommer liegt zwischen dem 1. Juni und dem 31. August. Jahreszeiten, in dem Fall der Sommer, dauern somit im meteorologischen Sinne immer genau drei Monate. Dies ist wichtig, da klimatologische Auswertungen auf Daten beruhen, die meist über den gesamten Monat vorliegen, wie beispielsweise Monatsmittel oder Monatssummen von Niederschlag oder Temperatur.

Aktuell kann bei diesem Wetter in Mitteleuropa nur bedingt von „Sommer“ gesprochen werden. Erfüllt wird die Tatsache, dass Sommer etwas mit Schauern und Gewittern zu tun hat. Davon bekommt vor allem der Osten am heutigen Mittwoch einiges ab. Aber auch in den nächsten Tagen kommt es gebietsweise immer wieder zu Schauern und teils kräftigen Gewittern. Doch was macht die Temperatur? Hauptsächlich der Norden ist von einem Sommertag weit entfernt, denn in den nächsten Tagen liegen die Höchstwerte nur zwischen 17 und maximal 22 Grad. Aber Richtung Oberrhein bestehen am Freitag gute Chancen auf einen Sommertag mit Höchstwerten knapp über 25 Grad.

Der eine sagt jetzt sicher: "Puh, das reicht mir an Sommer. Alles genau richtig, nicht zu warm und nicht zu kalt." Ein anderer sagt sicher: "Was? Ist das alles? Ich brauche es viel wärmer und sonniger!". So sind die Geschmäcker verschieden. Doch eins kann gesagt werden: Der Sommer hat gerade erst begonnen. Wir haben also noch genügend Zeit uns an diesem Wetter zu erfreuen oder darauf zu hoffen, dass es mit der Temperatur noch deutlich nach oben geht.

Doch was hat das Ganze jetzt mit einem Sommermärchen zu tun? Klar, fast jeder weiß, was damit gemeint ist: Das Fußball - Sommermärchen 2006! Die Fußball-Weltmeisterschaft wurde in Deutschland ausgetragen und genau in der Zeit gab es 4 Wochen am Stück ein Sommerwetter vom feinsten, dazu eine ansteckende Euphorie in Sachen Fußball. Die Menschen saßen draußen zusammen und bangten mit "ihrer" Mannschaft Runde um Runde. 

Doch dieses Jahr mag das Wetter nicht so recht mitspielen. Da zudem die Spielzeiten am Abend, teils sogar in der Nacht liegen (durch den Zeitunterschied zu Brasilien), fällt es oft schwer, draußen zu sitzen und zu feiern. Und auch am morgigen Donnerstag wird es zum Deutschlandspiel zwischen 18 und 20 Uhr nicht so warm sein, dass man getrost mit einem T-Shirt draußen sitzen kann. Eine Jacke sollte man bei etwa 16 Grad im Norden und bei Werten um 22 Grad am Oberrhein dabei haben. Neben diversen Fußballfanartikeln, die der eine oder andere bei sich trägt, kann der Regenschirm aber zu Hause gelassen werden, denn für die meisten bleibt es trocken. Und so drücken sicher alle Fußballfans weiterhin die Daumen, dass es auch dieses Jahr ein Fußball - Sommermärchen wird, vielleicht mit einem noch besseren Ergebnis als 2006, denn da belegte Deutschland Platz 3.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

24.06.2014

Die Geschichte der computergestützten Wettervorhersage

Über den Wolken.... kann das Wetter auch faszinierend sein. Doch die Wettervorhersage von heute ist Dank Computern viel einfacher als noch vor 40 Jahren! Heute geht es beim Thema des Tages um die verbesserten Prognosen Dank der Rechenknechte.
Über den Wolken.... kann das Wetter auch faszinierend sein. Doch die Wettervorhersage von heute ist Dank Computern viel einfacher als noch vor 40 Jahren! Heute geht es beim Thema des Tages um die verbesserten Prognosen Dank der Rechenknechte.

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurden vorwiegend empirische Methoden für Wetterprognosen herangezogen. Aus den noch recht dünn gesäten Messungen meteorologischer Parameter wie Lufttemperatur und Luftdruck wurden mittels einfacher Regeln sehr kurzfristige Wetterprognosen erstellt. Die Meteorologen machten sich dabei ihre Erfahrungen bei ähnlichen Wetterlagen zunutze.

Wenngleich die physikalischen und mathematischen Grundlagen bereits viel früher bekannt waren, war es erst der norwegische Physiker und Meteorologe Vilhelm Bjerknes, der 1904 den Grundstein für die heutige moderne computergestützte numerische Wettervorhersage legte. Er beschrieb die dynamischen Vorgänge in der Atmosphäre mittels mathematisch-physikalischer Gleichungen. Zudem erkannte er, dass für eine zufriedenstellende Vorhersage der Anfangszustand der Atmosphäre durch Beobachtungen hinreichend bekannt sein muss. 

Der britische Meteorologe Lewis Fry Richardson griff die Idee der numerischen Wettervorhersage auf und veröffentlichte 1922 das Buch mit dem Titel "Weather Prediction by Numerical Process". Er beschreibt darin die für eine Vorhersage nötigen Gleichungen und versuchte diese anhand eines Beispiels mit realen Messdaten zu lösen. Um eine 6-stündige Wettervorhersage zu erstellen, waren menschliche Rechenkünstler monatelang(!) beschäftigt. Die Ergebnisse waren zwar nicht richtig und noch dazu völlig unrealistisch, das Prinzip war jedoch gut. Denn es zeigte sich, dass eine numerische Wettervorhersage grundsätzlich möglich ist. Die Gründe für die Fehlprognose waren der zu lang gewählte numerische Zeitschritt und ein nicht optimaler Anfangszustand. Er erkannte, dass gigantische Rechenkapazitäten notwendig sind, um innerhalb sinnvoller Zeit brauchbare Wetterprognosen zu erstellen. Er träumte vom Einsatz tausender menschlicher Rechner, was natürlich völlig impraktikabel war. Es fehlte damals einfach an den nötigen Rechenressourcen. Lewis Fry Richardson war sozusagen seiner Zeit weit voraus.

Erst mit der Erfindung des Computers konnte sinnvoll auf die Arbeiten von Richardson zurückgegriffen werden. Unter der Leitung des US-amerikanischen Meteorologen Jule Gregory Charney wurde ein mathematisches Atmosphärenmodell entwickelt, das grob die großräumige Zirkulation in unserer Atmosphäre simulieren konnte. Im März 1950 wurde damit mittels echter Messwerte auf dem ersten rein elektronischen Universalrechner (ENIAC), der im Besitz der US-Armee war, die erste realistische computergestützte 24-stündige Wettervorhersage berechnet.

In den darauf folgenden Jahren wurden numerische Methoden innerhalb der nationalen Wetterdienste rasch operationell zur Wettervorhersage eingesetzt. Limitierender Faktor in der Qualität der Prognosen war vor allem die begrenzte vorhandene Rechenleistung der ersten elektronischen Rechner. Doch mit dem rasanten Anstieg der Computerperformance war man bald im Stande immer komplexere Gleichungssysteme immer schneller zu lösen. Damit einher ging der Qualitätsfortschritt in der Wettervorhersage ebenso rasch vonstatten.

Die sehr positiven Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten sorgte dafür, dass eine sechstägige Prognose von heute die gleiche Zuverlässigkeit wie eine 24-stündige im Jahr 1968 hat.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

23.06.2014

20 Grad-Marke für alle in Sicht, aber weiterhin wechselhaft

Maritime Kaltluft polaren Ursprungs sorgt derzeit über Mitteleuropa für leicht wechselhaftes Wetter mit mal Sonnenschein, mal Wolkenfelder, mal auch beides zusammen (siehe Foto des Tages).
Maritime Kaltluft polaren Ursprungs sorgt derzeit über Mitteleuropa für leicht wechselhaftes Wetter mit mal Sonnenschein, mal Wolkenfelder, mal auch beides zusammen (siehe Foto des Tages).

Das sich vorübergehend abschwächende Hoch XERXES liegt immer noch westlich von Irland und kämpft seit Tagen tapfer gegen eine Reihe von flachen Tiefs und dessen Ausläufern an. Tief HILDEGUNDE zieht dagegen nach Osten ab, dennoch bleiben wir in Mitteleuropa in dessen Einflussbereich. Da sich ein Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn dreht und ein Tiefdruckgebiet entgegen, bleibt es bei uns somit noch bei einer nördlichen Strömung. Dadurch gelangt weiterhin maritime Kaltluft polaren Ursprungs in weite Teile Deutschlands und sorgt für einen wechselhaften Wettercharakter.

Der äußerste Süden wie auch Österreich gelangt dagegen unter den Einfluss eines namenlosen Tiefdruckgebietes über der Biskaya, dessen Ausläufer sich entlang der Nordalpen bis etwa zum Schwarzen Meer erstreckt. An der Vorderseite dieses Tiefs wird wärmere und feuchte Luft aus südlicheren Gefilden nach Süddeutschland herantransportiert. 

Die beschriebene Wetterlage führt zu einer gewissen Zweiteilung des Wetters: In etwa nördlich der Mittelgebirge steigt die Temperatur bei vielen Wolken nur auf 17 bis 20 Grad, dagegen in der Südhälfte mit vielfach sonnigen Abschnitten auf bis zu 27 Grad. Der Niederschlag verteilt sich auch eher ungerecht. In Richtung Alpenrand entwickeln sich im Laufe des Nachtmittags und des Abends einzelne kräftige Gewitter, ansonsten fällt vor allem im Nordseeumfeld etwas Regen und Nieselregen.

Die Luftdruckverteilung bleibt uns bis zum Mittwoch erhalten. Der schwache Hochdruckeinfluss verstärkt sich dabei kurzzeitig wieder von Westen her, wobei die etwas kühlere Meeresluft auch den Alpenrand erreicht. Diese leichte Umstellung macht sich bereits am Mittwoch in der Tageshöchsttemperatur bemerkbar. Der Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden fällt mit 18 Grad im Nordosten und 24 Grad am Oberrhein bzw. Österreich nicht mehr ganz so stark aus. 

Rechtzeitig zum nächsten Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft am kommenden Donnerstag kehrt Gerechtigkeit in das Deutschlandwetter ein und die 20-Grad-Marke ist dann auch für den Norden in Sicht. Die sonnigen Abschnitte nehmen überall zu, dennoch bleibt es weiterhin wechselhaft mit einzelnen Schauern und Gewittern.

Mittelfristig bleibt der wechselhafte Witterungscharakter mit Temperaturen um 20 Grad bestehen. Für die Kieler Woche bedeutet das dann auch dieses Jahr wieder eine eher feucht vonstattengehende Veranstaltungswoche.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

18.06.2014

Schaf(s)kälte light

Besonders in den Nächten wird es zur Schafskälte immer spürbar frisch. Die Kälteste Nacht wird von Samstag auf Sonntag erwartet, örtlich gibt es sogar Bodenfrost.
Besonders in den Nächten wird es zur Schafskälte immer spürbar frisch. Die Kälteste Nacht wird von Samstag auf Sonntag erwartet, örtlich gibt es sogar Bodenfrost.

 

 

Die Schafkälte oder auch Schafskälte (der Duden kennt beide Wörter) setzt sich in diesem Jahr zwar nur in abgeschwächter Form durch, doch sind die meteorologischen Voraussetzungen für dieses Phänomen in der Druckverteilung der unteren Atmosphäre durchaus als klassisch zu bezeichnen. Aber was versteht man unter der "Schafskälte" eigentlich?

Mit der Schafskälte wird eine meteorologische Singularität beschrieben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit (um 80%) jedes Jahr zwischen dem 1. und 25. Juni auftritt. Als meteorologische Singularitäten wiederum werden Wetterlagen bezeichnet, die häufig zu einer bestimmten Zeit im Jahr vorkommen. Dazu gehören etwa die "Hundstage" (heiße Tage Ende Juli/Anfang August), der  "Altweibersommer" (Ende September) oder das "Weihnachtstauwetter" (Dezember).

Merkmal der Schafskälte ist also ein kühler Witterungsabschnitt im Juni. Da die Hirten traditionell zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren, kann es den fast nackten Schafen nun ziemlich kalt werden. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus gefährlich.

Ursache der Schafskälte in Mitteleuropa ist normalerweise ein Kaltluftvorstoß aus dem Norden. Dieser kommt zustande, wenn eine entsprechende Druckverteilung am Boden vorherrscht. Dafür muss sich Mitteleuropa idealerweise auf der westlichen oder südwestlichen Seite eines Tiefdruckgebietes befinden. Weil der Wind auf der Nordhalbkugel entgegen des Uhrzeigersinns um ein Tiefdruckgebiet weht, können sich so mit einem Nordwind kalte Luftmassen aus dem Nordpolargebiet auf dem Weg zu uns machen. 

Darüber hinaus erwärmen sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark. Die Nordsee ist dann noch deutlich kühler als der europäische Kontinent. Entsprechend können Kaltluftvorstöße markant ausfallen, weil die Polarluft durch das Meerwasser nur wenig erwärmt wird. Im Sommer gleichen sich Land- und Wassertemperaturen dann aber immer weiter an, sodass die Kaltlufteinbrüche abgemildert werden.

In diesem Jahr schlägt die Schafskälte nur in einer schwächeren Form zu. Während um Pfingsten herum noch eine südwestliche Strömung warme bis heiße Luftmassen zu uns brachte, hat sich nun genau diese nördliche Strömung eingestellt, mit der kühlere Luft einfließt. Dabei hat sich in den letzten Tagen über Skandinavien und Nordrussland ein Tiefdruckgebiet eingenistet, sodass wir in Deutschland am südwestlichen Seite davon liegen (siehe dazu die Grafik zum  Bodendruck am 17. Juni 2014, zu finden rechts auf www.dwd.de in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Im Zusammenspiel mit einem Hoch über den Britischen Inseln konnte sich somit eine nördliche Strömung einstellen.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler, das würde Tageshöchsttemperaturen von 8 Grad in den Bergen bis 18 Grad im Süden bedeuten. Da die Nordsee sich im milden Winter 2013/2014 und Frühling 2014 aber nicht so stark abgekühlt hat, liegen die Temperaturen am heutigen Mittwoch trotz nördlicher Strömung mit 17 Grad an den Küsten und auf den Bergen und bis 26 Grad am Main in einem für diese Jahreszeit doch eher mäßig warmen bis warmen Bereich. Von den üblichen Schafskälte-Temperaturen sind wir damit deutlich entfernt. 

In den nächsten Tagen bleibt uns die Nordströmung erhalten und die  Temperaturen gehen aber nur am Freitag geringfügig zurück. So werden am Donnerstag Höchstwerte von 16 bis 26 Grad, am Freitag von 14 bis 23 Grad und am Samstag wieder von 16 bis 26 Grad erwartet, wobei es im Norden kälter sein wird als im Süden. Auch diese Temperaturen stellen eigentlich keine Schafskälte dar. Aufgrund der Hitze um Pfingsten herum ist es für viele jedoch eine "gefühlte" Schafskälte, Schafskälte "light" eben. Ob wohl auch die geschorenen Schafe so
empfinden, oder ob ihnen nicht doch kalt ist?

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

17.06.2014

Das Wetter an Fronleichnam - von allem etwas

Der Donnerstag bringt von allem etwas. Sonne Wolken und auch Regenschauer.
Der Donnerstag bringt von allem etwas. Sonne Wolken und auch Regenschauer.

 

Am kommenden Donnerstag können sich Bundesländer wie Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland über einen freien Tag oder mit einem Brückentag über ein verlängertes Wochenende freuen. Denn übermorgen ist Fronleichnam. Dies ist ein katholischer Feiertag, an dem die "leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie" mit meist anschließender Prozession gefeiert wird.

 

Ob man einen Schirm bei der Fronleichnamsprozession braucht und wie das Wetter den für viele freien Tag beeinflusst, soll heute Thema des Tages sein. Am Donnerstag befindet sich nordwestlich von Irland immer noch das kräftige Hoch XERXES. Dem gegenüber steht eine Tiefdruckzone, die sich vom Nordmeer bis nach Osteuropa erstreckt. Durch diese Druckkonstellation greifen schwache Tiefausläufer von Nordwesten auf uns über.

 

Somit ist es nördlich der Mittelgebirge mit Herannahen der Tiefausläufer wechselnd bis stark bewölkt, nach Nordwesten zu sogar  bedeckt und es ist mit etwas Regen oder kurzen Schauern zu rechnen.
Südlich des Mains wird vorerst kein Regenschirm benötigt. Dort ist es sogar teils gering bewölkt oder sonnig.

 

Bei Tageshöchsttemperaturen zwischen 17 Grad an der Nordsee und 26 Grad am Oberrhein sind Unternehmungen im Freien eher südlich der Mittelgebirge zu empfehlen. Allerdings steigt am Nachmittag bevorzugt Richtung Alpen das Schauer- und Gewitterrisiko an.

 

Auch der zunehmende auf Nordwest drehende Wind spiegelt den Einfluss der Tiefausläufer vor allem im Norden wider. An der Küste sowie in den Hochlagen der Mittelgebirge und den Alpen weht er stark böig und unmittelbar an der See können sogar stürmische Böen auftreten.

 

Bis Freitagnacht kommt der Tiefausläufer immer weiter nach Südosten
voran, sodass im Tagesverlauf auch in der Südhälfte die Wolken zunehmen. Aber erst gegen Abend ist südlich der Mittelgebirge mit Regen zu rechnen.

 

Am Fronleichnamstag ist vom Wetter her also alles dabei: von Wolken
bis Sonne, von Regen bis weitgehend trocken, von böig auffrischendem Wind bis lokal auftretenden Gewittern. Also ist das Wetter mehr oder weniger "gerecht" verteilt. Dort, wo es bereits über den Tag hinweg regnet, ist Fronleichnam kein freier Tag und dort, wo der gesamte Tag im Freien genutzt werden könnte, bleibt es zumindest bis zum Abend trocken.

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

16.06.2014

Passatwinde - Entstehung und Bedeutung

Wer schon einmal auf Gran Canaria war konnte den Nordost-Passat dort in voller Stärke spüren. Oftmals auch als heißen Wüstenwind, der als "Calima" bezeichnet wird.
Wer schon einmal auf Gran Canaria war konnte den Nordost-Passat dort in voller Stärke spüren. Oftmals auch als heißen Wüstenwind, der als "Calima" bezeichnet wird.

 

Die sogenannten Passatwinde wurden erstmals 1735 von George Hadley fachlich beschrieben. Dies war etwa einhundert Jahre bevor Gaspard Gustave de Coriolis die Corioliskraft (vgl. www.dwd.de/lexikon ,Stichwort: Corioliskraft) als Ursache der Bewegungsablenkung erkannte. 

Der Passat ist dabei ein mäßig starker und beständiger Wind im Bereich der Tropen oder teilweise auch Subtropen (bis etwa 25° bis 30° nördlicher oder südlicher geographischer Breite), der rund um den Erdball auftritt. Allgemein unterscheidet man zwischen dem Nordost-Passat auf der Nordhalbkugel und dem Südost-Passat auf der Südhalbkugel. 

Die Ausbildung der Passatwinde ist eng mit dem vertikalen Zirkulationssystem in der tropischen Atmosphäre verbunden. Durch die Kugelgestalt der Erde und deren Rotation steht die Sonne am Äquator nahezu ganzjährig im Zenit, also senkrecht zur Erdachse, sodass sich die Erde dort besonders stark erwärmen kann. Da warme Luft leichter als kalte Luft ist, strömt sie in die Höhe. Dabei kühlt sich die aufsteigende Luft ab und es bilden sich Wolken und schließlich auch teils kräftiger Niederschlag. Die Folge dieses Vorgangs sind zahllose Bodentiefdruckgebiete, die rund um den Globus zu einer Tiefdruckrinne (innertropische Konvergenzzone, ITC) verschmelzen. In Höhenbereichen um 16 km kann die Luft jedoch durch die Tropopause, die eine horizontale Barriere darstellt, nicht weiter aufsteigen. Resultierend muss sie daher nach Norden oder Süden vom Äquator weg ausweichen. 

Ein Großteil der polwärts strömenden Luftmassen sinkt dann schließlich im Bereich um etwa 30° Nord bzw. 30° Süd wieder ab. Dadurch entstehen in diesen Regionen sehr stabile Hochdruckgebiete, die teils den kompletten Globus umspannen (subtropischeHochdruckgürtel).

Die absinkende Luft muss am Boden schließlich wieder auseinander strömen. Dabei gehorcht sie dem Luftdruckgefälle und weht hauptsächlich zur äquatorialen Tiefdruckrinne hin. Bei dieser recht stabilen horizontalen Luftbewegung unterliegt sie wieder der Corioliskraft, die die Luft entsprechend der Hemisphäre nach links (Südhalbkugel) oder nach rechts (Nordhalbkugel) ablenkt. Die entstehenden Windsysteme sind dann die sogenannten "Passatwinde" (siehe dazu auch die Graphik auf der rechten Seite unter "mehr"; Quelle: Hamburger Bildungsserver: http://wiki.bildungsserver.de/Klimawandel/index.php/Atmosph%C3%A4rische_Zirkulation). 

Wegen der Beständigkeit der Passatwinde wurden und werden sie häufig von Segelschiffen zur zügigen Überquerung der Ozeane genutzt. Oftmals wurden dabei sogar längere Umwege in Kauf genommen, da der Rückenwind, im Bereich der Passate, die Zeit der Überfahrten dennoch deutlich verkürzte.

Im Sommer, wenn sich die äquatoriale Tiefdruckrinne weiter nach Norden verschiebt und gleichzeitig stark ausgeprägt ist, können die Passatwinde zeitweise bis an die portugiesische Küste reichen. Ansonsten bemerken wir in Europa von diesem Phänomen fast nichts. Einzig die Urlauber und Bewohner auf den Kanaren und Madeira, die politisch gesehen zu Spanien bzw. Portugal gehören, können den Nordost-Passat gegebenenfalls auch spüren.

 

Erstellt mit Material des DWD und METEO-data

13.06.2014

Auf die Windrichtung kommt es an

Die großräumige Windrichtung entscheidet, ob es bei und heiß oder kühl ist.
Die großräumige Windrichtung entscheidet, ob es bei und heiß oder kühl ist.

 

Eine Hitzewelle am vergangenen Pfingstwochenende und zu Beginn dieser Woche brachte Deutschland vielerorts Temperaturen über 30 Grad und örtlich sogar neue Temperaturrekorde. An den letzten beiden Tagen waren Höchstwert